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Innenbandriss – Symptome | Diagnose | Behandlung

Mit einem Innenbandriss ist nicht zu spaßen: Das innere Seitenband des Kniegelenks spielt eine wichtige Rolle im Bewegungsapparat und sollte bei einer Verletzung zielgerichtet behandelt werden.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Sprechen wir von einem Innenbandriss, meinen wir in der Regel eine Verletzung des inneren Seitenbands am Knie, die in den meisten Fällen die Folge eines Sportunfalls ist. Im Alltag kommt es dagegen eher selten zu einer vollständigen Innenbandruptur, da hierfür extreme Kräfte auf das Knie einwirken müssen. Eine Operation ist mit modernen Therapieverfahren meist nicht notwendig – eine zielgerichtete physiotherapeutische Behandlung dagegen schon.

Nach dem Aufwärmen läuft Julian mit seiner Mannschaft auf den Fußballplatz. Auf diese Partie freut er sich schon seit Tagen – da die gegnerische Mannschaft beim Hinspiel klar die Oberhand hatte, wollen nun alle elf Mann auf dem Platz beweisen, dass die eigene Mannschaft das Zeug zum Sprung in die nächsthöhere Liga hat. Julian gibt alles: Er erspielt sich einen Ball und will nach vorn treiben, bevor er an einen seiner Mitspieler abgibt. Dass einer der Gegner von der Seite in seinen Laufweg grätscht, sieht er nicht, bis da plötzlich ein Fuß zu viel am Ball ist. Während er noch in vollem Lauf ist, wird sein Bein brutal nach außen geschoben – noch im Fallen schießt ein heftiger Schmerz durch sein Knie. Instinktiv greift Julian nach dem getroffenen Bein und zieht das Knie schützend an sich. Während der Gegner sich schon wieder hochrappelt, bleibt Julian mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden liegen. Als der Schiedsrichter die Partie unterbricht, kommt schon ein Sanitäter vom Seitenrand aufs Feld gelaufen.

Das Innenband

Neben dem Sprunggelenk ist das Kniegelenk eines der wichtigsten und am stärksten belasteten Gelenke des menschlichen Bewegungsapparates. Bei jedem Schritt und jeder Bewegung des Körpers muss das Kniegelenk fast das gesamte Körpergewicht tragen und die Kraft, die darauf ausgeübt wird, umwandeln. Das Innenband ist eines von verschiedenen Bändern und Sehnen, die das Gelenk an Ort und Stelle halten und stabilisieren.
Der Fachbegriff für das Innenband lautet Ligamentum collaterale mediale. Es verläuft schräg vom Oberschenkelknochen (sog. ‚Femur‘) zum Schienbein (sog. ‚Tibia‘), ist also, wenn man das Bein von der Seite betrachtet, ein wenig nach vorne unten gerichtet. Im Verhältnis zu den anderen Bändern des Kniegelenks ist das Innenband relativ breit. Es ist nicht nur mit den Knochen, sondern auch mit der Gelenkkapsel verwachsen und dient der Stabilisierung ebendieser.
Weil das Innenband darüber hinaus auch mit dem Meniskus, einem Knorpel zwischen Ober- und Unterschenkelknochen, verbunden ist, hat seine Funktionalität starke Auswirkungen auf die Beweglichkeit des Kniegelenks. Wenn das Knie gestreckt und nach außen gedreht wird, ist das Innenband bspw. vollends gespannt und stabilisiert das gestreckte Bein. Ist das Knie dagegen gebeugt, dient das Innenband gemeinsam mit dem Außenband dazu, die Drehung des Gelenks nach außen zu begrenzen.

Die Symptome: Woran erkennt man einen Innenbandriss?

Der Innenbandriss gehört zu den Sportverletzungen, die sich unmittelbar nach ihrem Eintreten durch starke Schmerzen und von außen sichtbare Veränderungen des Gewebes äußern. Man unterscheidet dabei zwischen drei Schweregraden der Verletzung:
Schweregrad 1: Bei einem leichten Belastungsschmerz ist davon auszugehen, dass das Band ggfs. nur angerissen, also nicht vollständig durchtrennt ist. Über den Druckschmerz beim Auftreten, Strecken oder Beugen hinaus treten häufig keine weiteren Symptome auf. Diese Form ist allerdings selten.
Schweregrad 2: Schmerzen und Druckempfindlichkeit treten hier auch im Ruhezustand auf. Schwellungen und ein leichter Bluterguss deuten darauf hin, dass das Innenband mindestens teilweise gerissen ist und Einblutungen im Gewebe entstanden sind. Zudem kann das Gelenk eine gewisse Instabilität aufweisen.
Schweregrad 3: Treten direkt nach der Verletzung starke Schmerzen, sowohl bei Ruhe als auch bei der Bewegung, sowie Schwellungen und Verfärbungen auf, ist von einem vollständigen Riss des Innenbands auszugehen. Das Gelenk ist in diesem Fall deutlich instabil.
Ein Innenbandriss äußert sich also über folgende Symptome:

  • eingeschränkte Beweglichkeit beim Beugen und Strecken
  • Instabilität des Kniegelenks
  • Blutergüsse an der Innenseite des Knies
  • Schmerzen bei der Bewegung des Gelenks
  • Schmerzen im Ruhezustand
  • Schwellungen
  • Druckschmerz/Druckempfindlichkeit

Typischerweise liegen die Schmerzen direkt über dem betroffenen Band, also auf der Innenseite des Knies. Druck auf diese Stelle verstärkt den Schmerz in der Regel, vor allem wenn bereits eine Schwellung des umliegenden Gewebes eingetreten ist. Ist das Gelenk durch das gerissene Band instabil, kann der Schmerz in das gesamte Gelenk ausstrahlen.

Exkurs: Mehr Informationen für Sportler in diesem Video

Der Innenbandriss gehört zu den typischen Sportverletzungen. Vor allem Mannschaftssportarten, bei denen es zu Zusammenstößen oder Fouls kommen kann, sind oftmals die Ursache eines Innenbandrisses, z. B. Fußball, Handball oder Hockey. Aber auch beim Joggen oder Skifahren tritt ein Innenbandriss häufiger auf. Warum Sport nicht immer gut für den Körper ist und was Sportler beim Training beachten sollten, erklärt Dr. Tobias Weigl in diesem Video.
 

 

Die Ursachen: Wie entsteht ein Innenbandriss?

Weil das Innenband des Kniegelenks Tag für Tag höchsten Belastungen standhalten muss, ist es im Grunde sehr stabil. Damit es reißt, muss eine große Krafteinwirkung auf das betroffene Band stattfinden. Deshalb reißt das Band so gut wie nie im Alltag, sondern nur aufgrund eines sog. Traumas. Dazu zählen ein seitliches Abknicken, ein Rotationstrauma oder eine Kniegelenksverrenkung, die bspw. bei Unfällen oder Stürzen mit zusätzlicher Krafteinwirkung auftreten können, etwa wenn ein Fußballspieler bei einem Zusammenstoß mit einem anderen Spieler zu Boden gerissen und das Bein in eine unnatürliche Stellung gedrückt wird.
Der Riss selbst entsteht, wenn das Band so weit über das natürliche Maß hinaus gespannt bzw. gedehnt wird, dass die Kollagenfasern, aus denen es besteht, dem Druck nicht mehr standhalten können. Zu den Vorstufen des Innenbandrisses gehören deshalb die Innenbanddehnung und die Innenbandzerrung: Je mehr Spannung auf das Band ausgeübt wird, desto mehr werden die Fasern des Kollagengewebes auseinandergezerrt. Ist die Belastung zu stark oder tritt diese sehr plötzlich ein, reißen die Fasern auseinander.
 

Gut zu wissen!
Bei einem Innenbandriss handelt es sich in der Regel um einen durchgehenden Riss, der über die gesamte Breite des Bands verläuft. Angerissene Innenbandverletzungen kommen eher selten vor.

Wen kann es erwischen?

Zu den Menschen, die in ihrem Leben einmal oder mehrmals mit einem Innenbandriss zu kämpfen haben, gehören in erster Linie Sportler. Joggen und Skifahren, aber auch Mannschaftssportarten wie Fußball, Basketball, Handball oder Hockey gehören zu den typischen Sportarten, bei denen ein Innenbandriss entstehen kann. Meistens handelt es sich dabei um Situationen, in denen mehrere Spieler zusammenstoßen oder in denen ein Spieler gefoult wird.
 

Hat ein Arzt bei Ihnen einen Innenbandriss diagnostiziert? Welche dieser Symptome traten bei Ihnen auf? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Verletzung besser einzuschätzen.
 

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Zwar ist eine Verletzung des Innenbands am Knie vergleichsweise eindeutig feststellbar, jedoch muss der Arzt dennoch eine vollständige Untersuchung durchführen, um eine gesicherte Diagnose abgeben zu können. Der Arztbesuch beginnt daher in der Regel mit einer Anamnese, also dem sog. Patientengespräch: Die Beschreibung des Hergangs der Verletzung sowie genauere Informationen über die Lage und Stärke der Schmerzen geben bereits wichtigen Aufschluss über die Art der Verletzung.
Im Anschluss erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der das betroffene Kniegelenk genau betrachtet und abgetastet wird. Eine Schwellung sowie bläuliche Verfärbungen auf der Innenseite des Knies geben einen deutlichen Hinweis auf einen Bänderriss und grenzen diesen von leichteren Verletzungen wie einer Bänderdehnung oder einer Zerrung ab. Auch verstärkt sich der Schmerz in der Regel beim Beugen des Knies sowie beim Überstrecken.
Um seine Vermutung zu untermauern, kann der Arzt während der körperlichen Untersuchung einen sog. Aufklapptest durchführen. Sowohl bei gestrecktem als auch bei gebeugtem Bein lässt sich, sofern tatsächlich ein Innenbandriss vorliegt, das Kniegelenk nach außen „aufklappen“.
Weitere Verfahren der Diagnostik sind die bildgebenden Verfahren: So kann der Arzt bspw. mit einem Röntgenbild feststellen, ob es auch Verletzungen an der knöchernen Struktur gibt. Da das Röntgenverfahren aber keinen Aufschluss über die Bänderverletzung selbst gibt, wird häufig eine Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt, um das genaue Ausmaß der Verletzung erkennen zu können.
 

Fakten-Box
Innenbandriss

  • tritt in erster Linie beim Sport auf
  • nur selten im Alltag
  • der Riss des Bands entsteht durch eine enorme Krafteinwirkung bei gleichzeitiger Richtungsänderung
  • direkt im Anschluss sollte so schnell wie möglich ein Arzt aufgesucht werden

Symptome

  • eingeschränkte Beweglichkeit
  • Instabilität des Kniegelenks
  • Blutergüsse
  • Schmerzen bei der Bewegung des Gelenks
  • Schmerzen im Ruhezustand
  • Schwellungen
  • Druckschmerz/Druckempfindlichkeit

 

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Schwillt das Kniegelenk an und bilden sich Hämatome, nehmen die Schmerzen im betroffenen Knie zu. Direkt nach der Verletzung können dagegen bereits abschwellende Maßnahmen wie Ruhigstellen, Kühlen und Hochlagern ergriffen werden.
Auch der Arzt rät in der Regel zur Schonung des Gelenks. Zusätzlich zum Kühlen können schmerzstillende Medikamente aus der Gruppe der NSAR (nicht-steroidale Anti-Rheumatika), z. B. Ibuprofen oder Diclofenac eingenommen werden. Liegt ein Gelenkerguss vor, können zudem entzündungshemmende Mittel zum Einsatz kommen, um eine Gelenkentzündung, die die Heilung verzögern kann, zu vermeiden.
Die Schmerzmittel sind zudem eine wichtige Unterstützung für die Physiotherapie, mit der erst begonnen werden kann, sobald die Schwellung zurückgegangen ist und die Schmerzen abgenommen haben. In der Regel verschreibt der Arzt zudem eine Schiene, die für einen Zeitraum von etwa sechs Wochen getragen werden muss. Die Schiene stützt das Kniegelenk und schränkt den Bewegungsradius nach außen ein, sodass das Bein nicht erneut abknicken kann, bevor das Innenband wieder zusammengewachsen ist. Zugleich soll die Schiene verhindern, dass das Gelenk zu stark gebeugt wird.
Diese konservative Behandlungsform kommt allerdings nur dann in Frage, wenn durch den Innenbandriss nicht auch die knöcherne Struktur in Mitleidenschaft gezogen wurde. Schäden am Oberschenkelknochen oder Schienbein führen ebenso wie eine deutliche Instabilität des Knies häufig zu der Entscheidung, einen operativen Eingriff vorzunehmen.

Häufige Patientenfragen

Was kann ich tun, um den Heilungsprozess zu unterstützen?

Dr. T. Weigl
Wie ein Innenbandriss behandelt wird, richtet sich nach dem Schweregrad der Verletzung. Häufig setzt der behandelnde Arzt für den Heilungsprozess eine Schiene oder spezielle Bandagen ein. Für Sie bedeutet das, dass Sie die Vorgaben des Arztes genau beachten sollten. Vor allem die verordnete Ruhephase sollten Sie unbedingt einhalten, um den Heilungsprozess nicht in die Länge zu ziehen. Wenn die Schmerzen zurückgegangen sind, können Sie beginnen, die Beweglichkeit des Gelenks mit leichten Dehn- und Streckübungen wiederherzustellen. Ich empfehle, dafür einen Physiotherapeuten zu Rate zu ziehen.

Kann ein Innenbandriss Spätfolgen haben?

Dr. T. Weigl
Wenn ein Innenbandriss falsch oder zu spät behandelt wird oder nicht vollständig ausheilen kann, kann es zu dauerhaften Bewegungseinschränkungen kommen. Wird bspw. die Schonphase zu früh unterbrochen, können im Gelenk Entzündungen entstehen, die chronisch werden können. An Sport, vor allem an Leistungs- oder Mannschaftssport, ist dann nicht mehr zu denken. Der Ausheilung der Verletzung sollte also genügend Zeit eingeräumt werden.

Muss man einen Innenbandriss behandeln?

Ein Innenbandriss ist eine schwerwiegende Verletzung, die bei Nichtbehandlung dauerhafte Schäden am betroffenen Gelenk verursachen kann. Ein Arzt, am besten ein Unfallarzt oder ein Orthopäde, sollte auf jeden Fall und möglichst zeitnah nach der Verletzung aufgesucht werden. In den meisten Fällen genügen eine konservative Behandlung und Ruhe, um das Band wieder zusammenwachsen zu lassen, manchmal kann jedoch auch eine Operation notwendig sein, um die Beweglichkeit des Gelenks vollständig zu erhalten.

Zwei Wochen später steht Julian an der Seitenlinie, als seine Mannschaft zu ihrem nächsten Spiel aufläuft. Heute müssen sie siegen, um noch eine Chance auf den Aufstieg zu haben. Wie gerne würde Julian jetzt mitmischen, doch sein Knie ist in einer festen Schiene verpackt, die das Gelenk ruhigstellt, auch wenn er sich bewegt. Mindestens sechs Wochen lang muss er die Schiene tragen, bevor er wieder mit einem leichten Training beginnen kann, doch der Physiotherapeut, bei dem Julian in Behandlung ist, hat bereits erste Streckübungen durchgeführt. So kann er nur hoffen, dass er in der nächsten Saison wieder fit ist.

Haben auch Sie Erfahrungen mit einem Innenbandriss? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Christine Pepersack und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Tobias Möller

Quellen

  • F. Niethard, J. Pfeil, P. Biberthaler (2009): Orthopädie und Unfallchirurgie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
[Gesamt:3    Durchschnitt: 2.3/5]

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