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Aktuelles aus der Forschung – Männer mit Zeugungsunfähigkeit erkranken häufiger an Prostatakrebs

Schätzungen zufolge sind etwa 8 Prozent aller Männer zeugungsunfähig. Demgegenüber stehen 10 Prozent der Männer, die in ihrem Leben an Prostatakrebs erkranken. Man ging bisher davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen den beiden Erkrankungen besteht, konnte dies allerdings noch nicht belegen. Yvonne Lundberg Giwercman von der Universität Lund in Schweden hat mit ihrem Team in einer Studie jetzt womöglich Hinweise auf Zusammenhänge gefunden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift The British Medical Journal veröffentlicht und lassen ggf. folgenden Schluss zu:

Männer, die ihre Kinder mittels künstlicher Befruchtung gezeugt haben, laufen Gefahr, im Alter eher an Prostatakrebs zu erkranken.
„Womöglich tun sich durch diese Forschung künftig neue Therapieansätze auf. Zeugungsunfähige Männer sollten sich angesichts der Ergebnisse keine zu großen Sorgen machen, dazu geben die Zahlen keinen Anlass..“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Was sagt die Studie genau?

Giwercman und ihre Kollegen haben sich zum Ziel gesetzt, das Risiko für und das Ausmaß von Prostatakrebs bei Männern, die sich nur mithilfe medizinischer Unterstützung fortpflanzen konnten, zu untersuchen – und zwar im Vergleich zu Männern, die derlei Probleme nicht haben. Dazu nutzten die Forscher Landesregister, die sowohl Informationen über Prostatakrebs-Diagnosen sowie Unfruchtbarkeitsbehandlungen enthielten. Sie wollten damit herausfinden, ob das Risiko für Prostatakrebs bei Männern erhöht ist, die entweder durch eine In-vitro Fertilisation (kurz: IVF) oder eine Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (kurz: ICSI) Väter wurden. Ebenso einfließen sollten das Alter bei Ersterkrankung sowie die Schwere der Erkrankung.

Wenn Sie sich vorab mehr über die Erkrankung Krebs im Allgemeinen erkundigen möchten, können Sie gerne unsere Artikel zum Thema lesen, am besten steigen Sie ein mit „Krebs Teil 1 – Definition, Entstehung, Risikofaktoren und Vorsorge“. Außerdem geht Dr. Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Video-Beitrag genauer auf den Entstehungsprozess der gefürchteten Erkrankung ein.

Wissen Sie wie Krebs entsteht & sich ausbreitet? Was ist Krebs & was ein Tumor? Risikofaktoren Krebs

Studiendesign – Daten von mehr als 1 Million Kindern bzw. Vätern

  • Es wurden insgesamt circa 1,18 Millionen Kinder aus unterschiedlichen Patienten- sowie Personenregistern erfasst, die zwischen 1994 und 2014 geboren worden sind.
  • Von diesen 1,18 Millionen Kindern wurden 20.618 durch IVF und 14.882 durch ICSI gezeugt. Insgesamt wurden 3 Prozent aller hier untersuchten Kinder durch eine der beiden Methoden gezeugt, der Rest auf natürliche Weise.
  • Aus den Registern ergab sich allerdings nicht der Grund für diese Art der Zeugung. Es konnte also nicht gesagt werden, ob die Zeugungsunfähigkeit des Mannes oder die Unfruchtbarkeit der Frau den Ausschlag gab.

Ergebnisse – Natürliche Zeugung weniger risikobehaftet

  • Väter, deren Kinder durch entweder IVF oder ICSI zur Welt kamen, haben ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs gegenüber den Vätern, die ihre Kinder auf natürliche Weise gezeugt haben.
  • Dieser Umstand wurde mithilfe der sogenannten Hazard Ratio (s. blaue Box) festgehalten.
  • Für die Väter mit ICSI-Kindern ergab sich eine Hazard Ratio von 1,64.
  • Für die Väter mit IVF-Kindern ergab sich eine Hazard Ratio von 1,33.
  • Ebenso war das Risiko für Prostatakrebs in einem Alter von unter 55 Jahren erhöht. Hier wurde für ICSI-Väter eine Hazard Ratio von 1,86 und für IVF-Väter eine Hazard Ratio von 1,51 ausgemacht.
  • Das Durchschnittsalter für die Diagnose Prostatakrebs lag bei den hier untersuchten zeugungsunfähigen Männern bei etwa 45 Jahren, also deutlich unter dem Durchschnitt.
  • Prostatakrebs ereignete sich bei den ICSI-Vätern in etwa 0,42 Prozent der Fälle, bei IVF-Vätern waren es 0,37 Prozent.
Gut zu wissen!
In der Medizin verwendet man das Wort Hazard, um die aktuelle Wahrscheinlichkeit für ein Ereignis in einer Patientengruppe anzugeben. Mit der Hazard Ratio wird dann ein Quotient angegeben, der die Wahrscheinlichkeit für dieses Ereignis im Vergleich zu einer anderen Gruppe darstellt. Ein Beispiel für die vorliegende Forschung: Für Väter, deren Kinder infolge einer IVF zur Welt kamen, wurde eine Hazard Ratio von 1,33 ermittelt. Das bedeutet, dass diese Väter gegenüber Vätern mit natürlicher Zeugung ein 1,33 Mal so hohes Risiko hatten, an Prostatakrebs zu erkranken.

Implikationen – Probleme beim Studiendesign und Vermutungen

  • In einem Punkt ist die Studie eingeschränkt: Es wurden nur Männer untersucht, bei denen die jeweilige Methode (IVF oder ICSI) letztlich auch von Erfolg gekrönt war. Gegebenenfalls besteht bei Männern ohne erfolgreiche Behandlung ein gar noch größeres Risiko.
  • Dass Männer nach ICSI-Verfahren ein größeres Risiko für Prostatakrebs hatten, könnte Rückschlüsse auf kausale Zusammenhänge liefern. Dafür reicht die aktuelle Untersuchung allerdings nicht aus.
  • Außerdem deuten frühe Ersterkrankungen auf eine familiäre Veranlagung hin. Die Forscher bringen deshalb die Vermutung ins Spiel, dass Zeugungsunfähigkeit und Prostatakrebs eventuell auf die gleichen Ursachen zurückzuführen sein könnten. Auch hier fehlen aber Hinweise auf die entsprechenden Gene.
  • Auf Grundlage der Ergebnisse sind die Forscher der Ansicht, dass Ärzte zeugungsunfähigen Männern schon eher und auch öfter zu einem sogenannten PSA-Screening raten könnten. PSA ist ein Eiweiß, das vorwiegend in der Prostata produziert wird und zur Früherkennung von Prostatakrebs dienen kann.

Einschätzung

Die Studienergebnisse legen nahe, dass zeugungsunfähige Männer – vor allem diejenigen, deren Kinder mithilfe von ICSI zur Welt kamen – erhöhte Gefahr laufen, an Prostatakrebs erkranken. Und das auch schon in jüngerem Alter als der Durchschnitt.

Es wäre in Anbetracht dessen richtig, bei dieser hier ausgemachten Risikogruppe vermehrt zu Testungen zu raten, die entsprechend sorgfältig durchgeführt werden. Dies wäre der Behandlung von Prostatakrebs zuträglich.

Nichtsdestoweniger sollten sich betroffene Männer bzw. Väter von diesen Erkenntnissen nicht verunsichern lassen. Denn mit 0,42 (ICSI) und 0,37 Prozent (IVF) war das Risiko für Prostatakrebs im Alter von 45 Jahren noch immer sehr gering.

Wollen Sie mehr über Krebs wissen? Kennen Sie bspw. die häufigsten Mythen rund um die Erkrankung? Dr. Dr. Tobias geht im folgenden Beitrag einmal genauer auf Fragen & Mythen zum Thema Krebs ein.

5 Fragen & Mythen über Krebs: Krebs durch Rauchen? Vererbbar? Heilbar? Gibt es Krebs Symptome?

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Mit unserer Arbeit wollen wir über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse aufklären und Ihnen diese auf verständliche Weise vermitteln. Wir bilden damit nicht die Forschung in einem meist viel umfassenderen Themenbereich ab.

Wichtig: Derlei Studien bilden immer nur einen kleinen Auszug aus der tatsächlichen Forschungsarbeit im jeweiligen Arbeitsbereich und oft ist die Datenlage nicht eindeutig, sodass teilweise gar konträre Ergebnisse zutage gefördert werden.

Haben Sie Fragen zur Studie? Sind Sie oder ein Bekannter von Ihnen von Zeugungsunfähigkeit oder Prostatakrebs betroffen? Richten Sie Ihre Fragen unten im Kommentarbereich an uns und tauschen Sie sich auch gerne mit anderen Lesern aus!
 

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Veröffentlicht: 01.10.2019

Quellen

  • Peter Altmeyer (2017): Hazard Ratio. In: Online Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie, Umweltmedizin. Springer-Verlag. In: enzyklopaedie-dermatologie.de.
  • Yvonne Lundberg Giwercman (2019): Risk of prostate cancer for men fathering through assisted reproduction: nationwide population based register study. In: The British Medical Journal, 25. September 2019.
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