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Taping bei Rückenschmerzen – eine sinnvolle Therapieergänzung

Durch die massierende und stimulierende Wirkung der dehnbaren und atmungsaktiven Bänder können Beschwerden gelindert und eingedämmt werden.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Das japanische Kinesio-Taping wurde als Behandlungsergänzung bei Schmerzen, zunächst für Sportler, entwickelt. Dabei handelt es sich um elastische Bänder, die in bestimmter Weise die schmerzenden Stellen geklebt werden.

„Übrigens hätte ich da etwas für Sie.“ Mathilde sieht ihre Physiotherapeutin Brigit irritiert an. Ihre Rückenschmerzen sind der Grund, warum die 45-Jährige nun einmal wöchentlich die Physiotherapiepraxis aufsucht. „Sie haben über die Schmerzen im Alltag geklagt. Ich hätte da eine Lösung für Sie – zusätzlich zur Therapie.

Was ist Taping?

Mathilde, die unter Rückenschmerzen leidet und im Alltag zusätzliche Therapie benötigt, kann mit Kinesio-Tapes diese erhalten. Der Begriff Taping kommt aus den USA, wo dieser die Abkürzung von „adhesive tape“ ist, was Verbandpflaster bedeutet. Dabei handelt es sich um die Behandlung von Beschwerden mit Verbänden. Es handelt sich hierbei um eine unterstützende Therapie.

Kinesio-Tapes, wie wir sie beispielsweise vor allem aus dem Spitzensport kennen, sind funktionelle Verbände. Sie wirken auf mehreren Ebenen.

Schutz

Durch die Fixierung werden empfindliche oder bereits geschädigte Körperteile vor weiteren Schäden geschützt.

Entlastung

Durch das Anbringen des Tapes entlang von Muskeln oder Sehnen werden die entsprechenden Körperregionen entlastet. Das ist gerade bei Beschwerden nützlich, die nicht einer kompletten Ruhigstellung bedürfen.

Keine vollständige Einschränkung

Durch die gezielte Unterstützung, aber auch Einschränkung der Muskeln, Gelenke und Bänder erlauben Kinesio Tapes eine funktionelle Mobilität. Das bedeutet, dass Getapte nicht prophylaktisch im Bett bleiben sollten, sondern Bewegung ist in einem schmerzfreien Maße möglich.

Massage

Ein weiterer Vorteil der Kinesio-Tapes ist, dass der Träger dauerhaft leicht massiert wird. Dies stimuliert die Muskeln, was Verspannungen und Schmerzen entgegenwirkt. Dies funktioniert so: Durch die dauerhafte Massage entstehen Reize, die die Nerven weiterleiten. Eine Druckentlastung stellt sich ein und die Muskeln entspannen sich, wodurch der Schmerz reduziert wird.
Wichtigstes Merkmal der bunten Kinesio-Tapes ist, dass sie schmerzfreie Bewegung und somit Mobilität im zu schonenden Körperteil erlauben. Erfunden wurden Kinesio-Tapes ursprünglich aus genau diesem Grund: Dr. Kenzo Kase, Chiropraktiker aus Japan, hat speziell für Sportler diese Bänder entwickelt, die Bewegungsfreiheit ermöglichen. Gängige Sportbänder erlaubten keine Bewegungen.

Wie funktionieren Tapes?

Bevor es an die Wirkungsweise von funktionellen Verbänden geht, ist ein Blick auf das Material sinnvoll. Gute Tapes – auch hier gibt es Unterschiede in Preis und Qualität – bestehen aus 100 Prozent Baumwolle mit Acrylkleber, sind atmungsaktiv, wasserfest und 30 bis 40 Prozent dehnbar. Darüber hinaus halten sie zwischen drei bis sieben Tagen an der Haut.
Wie funktionelle Tapes letztendlich funktionieren, ist nicht vollständig geklärt. Es bedarf noch einige Untersuchungen zu dem Thema. Darüber hinaus fehlt es auch Studien zur Funktionsweise. Nichtsdestotrotz existieren einige Ideen darüber, wie Tapes funktionieren. Die gängigsten Modelle sind im Folgenden vorgestellt.

Faszienkonzept

Tapes stimulieren das unter der Haut liegende Bindegewebe (sog. ‚Faszie‘): Dieses ist allkörperumspannend und wirken als Stoßdämpfer bei Bewegungen. Sie entlasten und schonen damit Gelenke. Faszien reagieren somit empfindlich auf etwaige Verletzungen und Schmerzeinwirkungen, beispielsweise mit Ödemen. Tapes nehmen direkt Einfluss auf die neuromuskulären Reaktionen der Faszien.

Schmerzkonzept

Ein weiteres Wirkungsfeld bezieht sich auf die Schmerzwahrnehmung des Menschen. So sollen Kinesio-Tapes die Schmerzvermittlung der WDR-Neuronen (sog. ‚Wide-Dynamic-Range-Neuronen‘), die im Rückenmark die Reize der Nerven an der schmerzenden Stelle verarbeiten, gehemmt. Diese Hemmung ist durch die Stimulation durch Massage möglich.

Mikrozirkulationskonzept

Die Wellenbildung beim Tragen des Kinesio-Tapes ermöglicht eine Mikrozirkulation im unter der Haut liegenden Gewebe. Dies bedeutet, dass entzündungsfördernde Stoffe aus den Gewebe verschwinden können.

Hautkonzept

Dreh- und Angelpunkt der erfolgreichen Behandlung der Schmerzen mit Kinesio-Band ist der Hautkontakt. Als empfindliches Organ ist es mit sehr vielen Nervenbahnen ausgestattet: Man schätzt, dass sie zusammen genommen ungefähr eine Länge von 80 km haben. Diese Nerven verfügen über Rezeptoren, die auf Reize reagieren. Die positive Stimulation der Rezeptoren hat die Entspannung der Muskeln und somit das Ende der Schmerzen zu Folge.

Gut zu wissen!
Bereits im 19. Jahrhundert existierte ein Vorläufer der uns bekannten, bunten Bänder. Die Firma Beiersdorf hat bereits 1892 ein Patent für das sogenannte Guttaplast angemeldet. Es handelte sich um Mull, welches mit Guttapercha angereichert wurde. Guttapercha ist eine kautschukähnliche Substanz, der Milchsaft des in Malaysia beheimateten Guttaperchabaums.

Was macht der Arzt? – Vor dem Anbringen

Wie bei allen ärztlichen Behandlungen wird zunächst ein Gespräch geführt, die sogenannte Anamnese. Ziel ist es, die Beschwerden genau zu lokalisieren und sie einzuschätzen. Wo befinden sich die Schmerzen? Wie lange bestehen die Beschwerden? Gibt es Vorerkrankungen?
Im Hinblick auf das Taping wird im Rahmen eines Bodyreadings der Körper, vor allem aber auch das Hautbild, betrachtet: Gibt es irgendwo Narben oder verhärtetes Gewebe (sog. ‚Fibrose‘)? Doch auch die Haut- und Bindegewebsstruktur werden eingehend untersucht, bevor es zum eigentlichen Taping geht. Da das Tape mehrere Tage halten soll, sollte die entsprechende Hautstelle gereinigt und enthaart werden.

Was macht der Arzt? – Anbringen des Tapes

Taping ist immer im Rahmen einer allumfassenden Behandlung zu betrachten. Es wirkt unterstützend zu weiteren Therapiemaßnahmen wie einer Physio- oder Wärmetherapie.

Die Enden des zu verwendenden Tape-Bandes sollten abgerundet abgeschnitten werden. Eckige Enden erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass beispielsweise Kleidung daran hängen bleibt. Es gibt verschiedene Schnitt- und Anbringtechniken, die auf verschiedene Probleme individuell zugeschnitten sind. Um eine längere Haltbarkeit des Tapes zu gewährleisten, sollte das Band nach dem Ankleben mehrmals glatt gestrichen werden. Das Band ist dann richtig, wenn Sie es während der Bewegung nicht spüren. Beginnt der Muskel zu brennen oder zu ziehen, wurde das Kinesio-Tape nicht korrekt angebracht.

Wann sollte ich auf Taping verzichten?

Ein enger Kontakt zwischen Tape und Haut ist essentiell, damit der Verband seine Wirkung entfalten kann. Im Fokus sollte also auch die Beobachtung der Hautreaktion auf das Band sein. Reagiert Ihre Haut mit Juckreiz? Es könnte sich um eine allergische Reaktion auf das Band handeln – nehmen Sie es am besten sofort ab! Sie können vorher auf einfachem Wege testen, ob Ihre Haut Kinesio-Tapes verträgt: Kleben Sie ein kleines Quadrat auf Ihren Unterarm. Zeigen sich allergische Reaktionen, wissen Sie: Kinesio-Taping ist keine Option für Sie.
Grundsätzlich sollten Sie vom Taping absehen, wenn Sie Neurodermitis, offene Wunden oder Ödeme, die die Folgen von Krampfadern oder Herzproblemen sind, haben. Gleiches gilt auch für Schwangere.

Häufige Patientenfragen

Wie lange halten Tapes?

Dr. T. Weigl
Tapes, die qualitativ hochwertig hergestellt werden, können maximal eine Woche halten. Eine längere Tragezeit ist erforderlich, können Kinesio-Tapes erst durch längerfristiges Tragen ihre Wirkung entfalten. Dadurch, dass die Baumwollbänder wasserundurchlässig und atmungsaktiv sind, können sie problemlos so lange getragen werden. Danach sollten sie jedoch entfernt werden.

Wie entferne ich Kinesio-Tapes?

Dr. T. Weigl
Sind die sieben Tage verstrichen, sollten Sie Ihre Kinesio-Band entfernen. Dies geht am einfachsten, wenn sie es zunächst mit Wasser anfeuchten. Alternativ können Sie auch Speiseöl zum Abtragen verwenden!

Sind Kinesio-Tapes nur für Sportler?

Dr. T. Weigl
Klares nein! Zwar wurden die bunten Bänder zunächst im Zusammenhang mit Profisportlern entwickelt. Mittlerweile werden sie aber unabhängig vom Spitzensport in der Therapie als unterstützende Maßnahme eingesetzt.

Haben die unterschiedlichen Bandfarben eine Bedeutung?

Dr. T. Weigl
Es gibt zwar Ansätze der Farbenlehre in der Medizin, doch die Farben der Kinsesio-Bänder haben an und für sich keine Bedeutung oder unmittelbare Auswirkung auf die Behandlung. Meistens können Sie als Patient sich tatsächlich eine Farbe auswählen – vielleicht Ihre Lieblingsfarbe?

Kostet Taping?

Dr. T. Weigl
Die Kosten für die funktionellen Verbände werden von Ihnen getragen. Die Preise könne je nach Hersteller variieren. Da jedoch auch hier die Qualität von immenser Bedeutung ist, sollten Sie an dieser Stelle nicht sparen! Sie sollten das Band nicht selbstständig anbringen, demnach ist ein Gang zum Physiotherapeuten notwendig. Diese Sitzung kostet allerdings auch noch einmal.

 

„So, fertig! Nun bewege Dich.“ Skeptisch reckt sich Mathilde und streckt den Rücken durch. Anstelle des Schmerzes, der sie nun einige Zeit begleitet, spürt sie … nichts. Tatsächlich! „Ich bin schmerzfrei“, strahlt sie. Zusammen mit der Physiotherapie kann sie ihre Rückenschmerzen effektiv behandeln!


Haben auch Sie Erfahrungen mit Kinesio-Tapes? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

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Autoren: Andrea Lorenz, Dr. Tobias Weigl
Redaktion: Dr. Tobias Weigl
Veröffentlicht am: 22.03.2018, zuletzt aktualisiert: 06.07.2018
 
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Montag, Hans Jürgen; Asmussen, Peter D. (2003): Taping-Seminar. Funktionelle Verbände am Bewegungsapparat, 5. Auflage, Spitta-Verlag Balingen.
  • Seifert, Sascha (2015): Kinesiologisches Taping in Osteopathie und Manueller Therapie, Haug Verlag Stuttgart.
  • Weiss, Daniel (2014): Taping. Selbsthilfe bei Muskelschmerzen und anderen Beschwerden, GU-Verlag München.
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