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Die Lymphknoten der Leiste – Was bedeuten Schwellung und Schmerzen?

„Geschwollene Leistenlymphknoten lassen oft an eine sexuell übertragbare Krankheit – beispielsweise eine Geschlechtskrankheit – als Ursache denken. Aber auch harmlosere infizierte Wunden im Bereich der Beine sind als Ursache möglich.“
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Eine schmerzhafte oder schmerzlose Schwellung der Leistenlymphknoten kann unterschiedlichste Ursachen haben. Beschaffenheit und Empfindlichkeit geben dem Arzt bereits erste Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung. Es sind eine isolierte Schwellung einzelner Lymphknoten oder eine generalisierte Schwellung vieler Lymphknoten des Körpers möglich. Die Ursachen reichen von Virusinfektionen und Entzündungen bis hin zu einem bösartigen Tumorleiden. Klarheit bringt hier meist nur der Gang zum Arzt.

Monika ist verzweifelt. Seit einigen Tagen hat sie immer so ein Jucken im Vaginalbereich. Auch fühlt sie eine gewisse Spannung und hat einen glasigen Ausfluss bemerkt. Jetzt tut es auch noch in ihrer Leiste so weh. Ein paar Tage hat sie es nun schon ausgehalten und gehofft, dass es besser wird. Aber jetzt sind noch so komische Bläschen dazu gekommen und es tut nur noch weh. Sie ringt sich schließlich dazu durch, in die Notfallsprechstunde ihrer Frauenärztin zu gehen.

Die Lymphknoten: Aufbau und Funktion

Die Lymphknoten sind bohnenförmig. Sie befinden sich in unmittelbarer Umgebung zu den einzelnen Organen (sog. ‚organnah‘) und im gesamten Körper verteilt (sog. ‚peripher‘). Verbunden werden sie durch die Lymphgefäße, welche die Lymphflüssigkeit (sog. ‚Lymphe‘) transportiert.
Die Lymphknoten sind Teil unseres Immunsystems. Sie werden auch als Wächterorgane bezeichnet und haben zwei grundliegende Funktionen:

  • Filterstation: Im lymphatischen System, also dem System bestehend aus Lymphknoten, Lymphgefäßen und Lymphe, haben die Lymphknoten eine Filterfunktion für Bakterien, Viren, Krebszellen und andere Fremdkörper. Zellen innerhalb der Lymphknoten (sog. ‚Makrophagen‘) nehmen diese Gefahrenquellen auf und versuchen sie unschädlich zu machen.
  • Aktivierung des Immunsystems: Aktivierung, Vermehrung und Ausbildung der Lymphozyten

In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl alles Wichtige zu den Lymphknoten. Die Funktion und warum diese anschwellen.

Gut zu wissen!
Die Lymphknoten der Leistenregion (sog. ‚Inguinalregion‘) lassen sich grob in zwei Gruppen unterteilen:
    • horizontale Gruppe: Unterhalb des Leistenbandes, Einzugsgebiete sind Bauchwand, Rücken und Teile des äußeren Genitals

Achtung: Hoden, Nebenhoden und Samenleiter gehören zum inneren Genitale und werden von tiefliegenden Lymphknoten im Becken entwässerst.

  • vertikale Gruppe: Oberschenkelinnenseite, Einzugsgebiet sind die unteren Extremitäten
    Durch Infektionen (Bakterien oder Viren) oder Krebserkrankungen kann es zu einer Schwellung der Lymphknoten (sog. ‚Lymphadenopathie‘) kommen.

    Achtung!
    Bei einer schmerzlosen, stetig zunehmenden Lymphknotenschwellung muss immer auch an eine bösartige Tumorerkrankung gedacht werden.
    Gutartige Erkrankungen wie Infektionen als Ursache sind wesentlich häufiger. Aufgrund der schwerwiegenden Konsequenzen sollten die bösartigen Erkrankungen wie Krebs allerdings bei unklarer Ursache nicht aus den Augen verloren werden.

    Die Symptome: Wie äußert sich eine Lymphknotenschwellung?

    Bei einer Lymphknotenschwellung wird grundsätzlich zwischen einer schmerzhaften (sog. ‚dolenten‘) und einer nicht schmerzhaften (sog. ‚nicht dolenten‘) Schwellung unterschieden.

    Ist der Lymphknoten schmerzhaft vergrößert, ist auf Begleiterscheinungen zu achten: Schwellung, Rötung, Fieber, Überwärmung, Hautveränderungen (z.B. Ausschlag) können Anzeichen für einen bakteriellen oder viralen Infekt sein.

    Gut zu wissen!
    Treten begleitend zur Lymphknotenschwellung Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf, ist an eine Infektion als Ursache zu denken. Dabei kommen Viren und Bakterien in Frage. Auch eine Autoimmunerkrankung wäre möglich.

    Liegt eher eine schmerzlose Schwellung vor, die seit einiger Zeit an Größe zunimmt, muss eine bösartige Erkrankung im Sinne von Krebs ausgeschlossen werden.

    Achtung!
    Lässt sich als Ursache für die Schwellung eine Krebserkrankung nicht sicher ausschließen, wird meist eine Probe im Rahmen einer Biopsie oder der gesamte Lymphknoten operativ entnommen und pathologisch untersucht.

    Exkurs: Was ist Krebs?

    Was ist Krebs? Wie entsteht er eigentlich? Was für Risikofaktoren gibt es? Wichtige Grundlagen und Wissenswertes zum Thema erklärt Dr. Tobias Weigl in diesem Video.

    Außerdem finden Sie weitere Informationen zum Thema Krebs in folgenden Artikeln:
    Krebs Teil 1 – Definition, Entstehung, Risikofaktoren und Vorsorge
    Krebs Teil 2 – Von der Diagnose zur Therapie: allgemeine Erläuterungen zu Klassifikation und Staging

    Wen kann es erwischen?

    Grundsätzlich können jede Altersgruppe und jedes Geschlecht von einer Vergrößerung der Leistenlymphknoten betroffen sein. Allerdings gibt es auch hier bestimmte Risikogruppen.
    Ursachen für Schwellungen der Leistenlymphknoten:

    • Geschlechtskrankheiten bzw. sexuell übertragbare Krankheiten (sog. ‚STD = sexuell transmitted disease‘), wie Herpes genitales, Ulcus molle oder Syphillis
    • oberflächliche Infektionen (z.B. Wundinfektionen) der Beine
    Hat ein Arzt bei Ihnen eine Vergrößerung der Leistenlymphknoten diagnostiziert? Welche Ursache lag bei Ihnen vor?

    Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

    Um die Ursache für eine Lymphknotenschwellung zu ermitteln, erfolgt wie bei jedem Arztbesuch als erstes die Anamnese, also die Befragung des Patienten nach seinem Befinden. Seit wann bestehen die Beschwerden? Was ist Ihnen in letzter Zeit noch aufgefallen? Was hat sich verändert? Was für andere Beschwerden liegen ggf. vor?

    Gut zu wissen!
    Bei einer Lymphknotenvergrößerung der Leiste wird der Arzt auch nach kürzlich stattgefunden sexuellen Kontakten fragen, speziell nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

    Anschließend erfolgt die körperliche Untersuchung. Dabei wird der Arzt besonderes Augenmerk auf die geschwollenen Lymphknoten legen. Er wird alle abtasten, um weitere Schwellungen auszuschließen. Dabei achtet er besonders auf Größe, Druckschmerzhaftigkeit, Rötung und die Konsistenz der betroffenen Lymphknoten. Außerdem ist relevant, ob der Lymphknoten sich gegen seine Umgebung verschieben lässt. Möglicherweise findet er auch Anzeichen einer lokalen Infektion im Einzugsgebiet der Lymphknoten. Bei vergrößerten Leistenlymphknoten wird auch eine Untersuchung des äußeren Genitals, also von Penis und Hoden bzw. der Vagina erfolgen, um eine möglicherweise vorliegende Geschlechtskrankheit festzustellen.

    Bei schmerzhaften Lymphknotenvergrößerungen mit Verdacht auf eine Infektion als Ursache und solchen ohne Progress ist i.d.R. keine weitere Diagnostik notwendig.

    Bei jeglicher Form von unklaren Lymphknotenschwellungen, bei schmerzlosen, stetig zunehmenden Schwellungen und bei unklaren Lymphknotenschwellungen einzelner oder mehrerer Lymphknoten sollte immer eine weitere Abklärung erfolgen.

    Achtung!
    Eine schmerzlose Lymphknotenschwellung, die stetig zunimmt, ist immer verdächtig für eine Krebserkrankung!

    Als weiterführende Diagnostik stehen die Laboruntersuchung des Blutes und bildgebende Verfahren in Form von Ultraschall und Röntgen zur Verfügung. Lässt sich anhand dieser Untersuchungen keine Ursache finden, kann der Lymphknoten schließlich operativ entfernt werden (sog. ‚Exstirpation‘) und vom Pathologen untersucht werden. Bei weiteren Unklarheiten stehen weitere spezielle Untersuchungen z.B. im Rahmen einer Leukämiediagnostik zur Verfügung. Bei Verdacht auf eine Geschlechtskrankheit kann ein Abstrich erfolgen, um einen Erreger im Labor zu suchen.

    Fakten-Box
    Schwellung der Lymphknoten der Leiste

    • Grundsätzlich jedes Alter und jedes Geschlecht gleichermaßen betroffen
    • Ursachen reichen von bakteriellen oder viralen Infektionen bis hin zu Krebserkrankungen
    • Häufige Ursache sind Geschlechtskrankheiten

    Symptome

    • Schmerzhafte Lymphknotenschwellung mit ggf. Begleitsymptomen (Fieber, Hautveränderungen, Rötung, Überwärmung o.ä.)
    • Schmerzlose Lymphknotenschwellung, an Größe zunehmend

    Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

    Die Behandlung richtet sich nach der zu Grunde liegenden Ursache und kann sehr spezifisch sein.
    Im Allgemeinen können die Symptome behandelt werden. Fieber und Schmerzen können beispielsweise durch die Einnahme eines Schmerzmittels (z.B. Paracetamol oder Ibuprofen) kontrolliert werden. Ist eine bakterielle Infektion die Ursache, kann die Einnahme eines Antibiotikums erwogen werden. Ist eine Viruserkrankung der Auslöser, hängt die Behandlung stark von der vorliegenden Erkrankung ab.

    Bei den sexuell übertragbaren Krankheiten ist häufig eine gezielte, spezifische Therapie notwendig. Außerdem sollte der Partner ebenfalls untersucht und ggf. mitbehandelt werden. Unbehandelt können einige der STDs weitreichende Folgen haben, wie z.B. Unfruchtbarkeit.

    Ist eine Krebserkrankung die Ursache, sind sehr spezifische Therapien und Vorgänge notwendig. Für nähere Informationen dazu siehe auch „Krebs Teil 2 – Von der Diagnose zur Therapie: allgemeine Erläuterungen zu Klassifikaiton und Staging

    Exkurs: Schmerzmittel im Check

    Wichtiges zur Anwendung, Wirkungen und Nebenwirkungen von Ibuprofen und Diclofenac erläutert Arzt und Schmerzforscher Dr. Tobias Weigl in folgendem Video.

    In diesem weiteren Video setzt sich Dr. Tobias Weigel außerdem mit der Frage nach Fehldosierungen und Nebenwirkungen von Paracetamol auseinander. Gut 50 Millionen Mal werden Paracetamol-Präparate jährlich in Deutschland verkauft. Antworten auf die Frage nach möglichen Risiken dieses rezeptfreien Medikamentes erhalten sie hier:

    Häufige Patientenfragen

    Wie bekomme ich eine Geschlechtskrankheit? Was ist das?

    Dr. T. Weigl
    Geschlechtskrankheiten werden in den meisten Fällen durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Auslöser können Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten sein, die zu Beschwerden wie Schmerzen im Unterbauch und Genitalbereich, Ausfluss aus der Vagina und Harnröhre und schlecht heilenden Wunden führen. Einige sexuell übertragbare Krankheiten können im Verlauf zu Krebserkrankungen führen. Da sie gerade zu Beginn häufig beschwerdearm verlaufen, kommt es zu einer raschen Weiterverbreitung durch ungeschützten Geschlechtsverkehr.

    Was tun bei geschwollenen Lymphknoten?

    Dr. T. Weigl
    Bei einer unklaren Lymphknotenschwellung sollte im Zweifel der Hausarzt aufgesucht werden. Der kann anhand von Anamnese und Untersuchungsbefunden am ehesten eine Ursache finden. Bei Bedarf kann eine Behandlung eingeleitet oder eine weiterführende Diagnostik initiiert werden. Bei geschwollenen Leistenlymphknoten sollte besonders nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr auf Veränderungen im Genitalbereich geachtet werden.

     

    Die Frauenärztin stellt bei Monika eine Infektion mit Genitalherpes fest. „So ein Mist!“, stöhnt Monika. „Einmal nicht aufgepasst beim Sex und dann direkt sowas.“ Die Frauenärztin erklärt ihr das weitere Vorgehen und verschreibt ihr die entsprechenden Medikamente. Monika soll ihren Sexualpartner über den Befund informieren, damit dieser sich ggf. auch behandeln lassen kann. Außerdem weist die Frauenärztin Monika darauf hin, in Zukunft besser sicherheitshalber ein Kondome zu benutzen.

     

    Verwandte Themen

    Haben auch Sie Erfahrungen mit Lymphknotenschwellungen? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

    Autoren: Claudia Scheur und Dr. Tobias Weigl
    Lektorat: Andrea Lorenz
    Veröffentlicht: 15.8.2018

    Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

    Quellen

      • Alexander Claviez et al. (2012): S1- Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie: Lymphknotenvergrößerung.
      • Doris Henne-Bruns (2012): Duale Reihe Chirurgie, 4. Auflage. Thieme, Stuttgart.
      • Herold et al. (2013): Innere Medizin. Eigenverlag.
      • M. Müller (2014/15): Chirurgie für Studium und Praxis, 12. Auflage. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach.
[Gesamt:12    Durchschnitt: 3.8/5]

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