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Spannungskopfschmerzen – Ursachen | Symptome | Behandlung

Spricht man allgemein von Kopfschmerzen, so sind meistens Spannungskopfschmerzen gemeint. Sie sind die am häufigsten auftretende Art dieser Beschwerden.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Die Diagnose von Spannungskopfschmerzen ist nicht immer einfach, da die Gründe bzw. Auslöser vielfältig sein können und nicht immer offensichtlich sind. Eine ganz konkrete Ursache für das Auftreten dieser Art von Kopfschmerzen scheint bis heute nicht geklärt.

Die Symptome lassen sich hingegen genauer beschreiben: Ein dumpfer, drückender Schmerz, der sich häufig vom Nacken ausgehend über den gesamten Kopf ausbreitet. Oft spricht man auch von einem „Schraubstock-Gefühl“, da es sich anfühlt, als würde ein immenser Druck auf dem Kopf lasten. Anhand dieser Symptomatik lässt sich der Spannungskopfschmerz gut von bspw. der Migräne unterscheiden, deren Schmerz sich pochend und pulsierend anfühlt.

Man unterscheidet weiter zwischen episodischen, gelegentlich auftretenden und chronischen Spannungskopfschmerzen.

Nach einer erneuten Auseinandersetzung mit seinem Chef verbringt Georg das Wochenende mit seinen Kollegen, Bier und zu vielen Zigaretten. Als er am Sonntag Morgen aufwacht, spürt er einen immensen Druck im Kopf. Der Nacken schmerzt, der Kiefer tut weh. Nach einer Dusche und einer großen Tasse Tee kriechen die Schmerzen langsam vom Nacken über den Kopf bis hin zu den Augen. Alles, was jetzt noch zu helfen scheint, sind eine Kopfschmerztablette und frische Luft, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen.

Die Ursache: Muskuläre Anspannung und eine gestörte Schmerzverarbeitung

Das Gehirn selbst ist absolut schmerzfrei, die Hirnhäute und die darin verlaufenden Gefäße hingegen nicht. Sie werden von einem Nerv, dem Nervus trigeminus, versorgt und stimuliert und können somit Schmerzempfindungen verursachen. Wo genau der Schmerz entsteht und was genau ihn auslöst, ist für die meisten Arten von Kopfschmerzen allerdings bis heute noch nicht ausreichend erforscht. Es bestehen lediglich Theorien und Annahmen.

Ursachen und Auslöser von Kopfschmerzen können z. B. muskuläre Anspannungen, vor allem im Nackenbereich, verstärken, die dann die Schmerzzentren im Gehirn alarmieren. Bei den überwiegend auftretenden Spannungskopfschmerzen geht man davon aus, dass vermehrt auftretende Verspannungen eine Sensibilisierung auslösen, was eine gestörte Schmerzhemmung bzw. Schmerzverarbeitung nach sich zieht: In der Folge wird die Verspannung direkt als Schmerz wahrgenommen und verarbeitet. Der Mediziner spricht hier auch von einem Circulus vitiosus – also einem Teufelskreislauf. Das heißt, dass die Faktoren – Verspannung und gestörte Schmerzverarbeitung – sich gegenseitig verstärken und so letztlich den Kopfschmerz hervorrufen.

Bei Migräne weiß man hingegen dank intensiver Forschung schon mehr und geht davon aus, dass die Erweiterung von Blutgefäßen in den Hirnhäuten für die Schmerzattacken verantwortlich ist. Bei Clusterkopfschmerzen hingegen verursachen vermutlich Gefäße hinter dem Auge, die sich wegen der überregten Nervenzellen entzünden, die Schmerzen.

Die Symptome: Woran erkenne ich, dass es sich um Spannungskopfschmerzen handelt?

Die Symptome, die bei Spannungskopfschmerzen hervorgerufen werden, können vielfältig sein. In der Regel vermischen sich einzelne Symptome im Verlauf der Schmerzentwicklung zu einer Mischung aus Druck, Schmerzintensität und einem den ganzen Kopf umspannenden Schmerzgefühl. Die Symptome, die bei Spannungskopfschmerzen auftreten können, sind im Einzelnen:

  • Meistens beidseitig (bifrontal) auftretende Schmerzen
  • Dumpfer, drückender Schmerz / Gefühl von Enge
  • Leichte bis mittlere Schmerzintensität
  • Keine Verstärkung der Schmerzen durch körperliche Betätigung
  • Teilweise Linderung der Schmerzen durch körperliche Betätigung
  • Keine Begleiterscheinungen wie z. B. Lichtempfindlichkeit oder Übelkeit (Ausnahme: chronischer Spannungskopfschmerz: oft begleitet von Übelkeit)

Mehr Informationen zur Abgrenzung von Spannungskopfschmerzen und Migräne in diesem Video

Wie fühlt sich der Schmerz an? Wo tritt er auf? Welche Begleiterscheinungen treten auf? Basierend auf diesen und weiteren Fragen leitet Dr. Tobias Weigl Sie durch den Selbsttest, mit dem Sie Ihren Kopfschmerz besser bestimmen können.

Wer leidet an Spannungskopfschmerzen?

Grundsätzlich können jede Altersgruppe und jedes Geschlecht von Spannungskopfschmerzen betroffen sein. Frauen trifft es etwas häufiger als Männer, wobei der Unterschied nur sehr gering ist. Betrachtet man das Alter der Patienten, so lassen sich ebenfalls Unterschiede feststellen. Die episodische Form der Spannungskopfschmerzen tritt in jedem Alter gleichermaßen auf, der chronische Spannungskopfschmerz nimmt hingegen mit steigendem Alter zu.

Genauere Aussagen, wer von Spannungskopfschmerzen betroffen ist, lassen sich nicht treffen, da die Ursachen sehr vielfältig sein können. Stress, Depressionen oder Angststörungen sowie muskuläre Verspannungen sind nur einige Faktoren, die hier genannt werden sollen.

Gut zu wissen!
Ähnlich wie bei der Migräne kann auch der Spannungskopfschmerz eine schwere Behinderung nach sich ziehen, vor allem bzgl. der Arbeitsproduktivität. Diese wird nämlich durch Spannungskopfschmerzen noch stärker eingeschränkt als durch Migräne. Dies trifft auf rund 82 % der Betroffenen zu. An durchschnittlich 14 Tagen pro Jahr sind Betroffene arbeitsunfähig, an 13 Tagen pro Jahr ist die Freizeit durch Kopfschmerzen vom Spannungstyp eingeschränkt.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Kopfschmerzen vom Spannungstyp lassen sich in der Regel immer durch eine Anamnese (ärztliche Patientenbefragung) feststellen. Bei einer zusätzlichen körperlichen Untersuchung können weitere Verletzungen oder Erkrankungen als Ursache der Kopfschmerzen ausgeschlossen werden. Maßnahmen, die ein Arzt hier ergreift, sind unter anderen eine neurologische Untersuchung, Feststellung der Blutdruckwerte und ggf. die Erstellung eines Schlafprofils. Gemeint ist damit folgendes:

  • Neurologische Untersuchung: systematische Untersuchung vom Kopf an abwärts. Untersuchung des Kopfes, des Gehirns und der Nerven erfolgen u. a. durch eine Kontrolle der Haltung und Motorik, Testen der Druckempfindlichkeit, Beurteilung der Muskulatur, etc.
  • Blutdruckwerte: Bei einer Blutdruckmessung werden Herz- und Kreislauffunktionen beurteilt.
  • Schlafprofil: Darstellung der unterschiedlichen Phasen des Schlafes, um einen möglichen Zusammenhang zwischen Schlaf(-störungen) und Kopfschmerzen sichtbar zu machen. Die dargestellten Phasen sind: Wachzustand, Einschlafstadium, leichter Schlaf, Tiefschlaf und die REM-Phase (auch Traumschlaf genannt).

Sind die Befunde in allen drei Punkten normal bzw. unauffällig, handelt es sich in der Regel um Spannungskopfschmerzen. Andere Ursachen und Erkrankungen kann der Arzt auf diese Weise ausschließen.

Fakten-Box
Episodischer Spannungskopfschmerz
trifft auf 40 – 90 % der von Kopfschmerzen Betroffenen zu
wird mit gängigen Schmerzmitteln behandelt (Ibuprofen, Paracetamol)
unterstützende Maßnahmen wie Entspannungstechniken sind essentiell
Chronischer Spannungskopfschmerz
betrifft nur 3 % der Patienten
tritt im Alter gehäuft auf
auch hier sind weitere Maßnahmen wie Entspannungstechniken und Massagen hilfreich

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Bei gelegentlich auftretenden Spannungskopfschmerzen beschränkt sich die Therapie meist auf eine sogenannte symptomatische Therapie mit Schmerzmitteln wie z. B. Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure oder Naproxen. Ebenso empfiehlt sich oft eine lokale Behandlung mit Pfefferminzöl im Bereich der Schläfen und des Nackens. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten, da sich bei falscher und übermäßiger Anwendung von Schmerzmitteln ein medikamenteninduzierter Dauerkopfschmerz (chronischer Spannungskopfschmerz) entwickeln kann. Daher raten Ärzte zu einer zusätzlichen Prophylaxe – also zu vorbeugenden Maßnahmen.

Vorbeugende Maßnahmen können sein:

  • Antidepressiva
  • Kombination aus Antidepressivum und Stressbewältigungstraining
  • Physiotherapie
  • Akupunktur
  • Ernährungsumstellung
  • Kopfschmerztagebuch
  • PMR (progressive Muskelrelaxation)
Hat ein Arzt bei Ihnen schon einmal Spannungskopfschmerzen diagnostiziert? Welche Symptome traten bei Ihnen auf (Mehrfachnennungen möglich)? Mit Ihren Antworten helfen Sie anderen Betroffenen, ihre Symptome besser einzuschätzen.
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Häufige Patientenfragen

Muss ich mit Spannungskopfschmerzen zum Arzt gehen oder kann ich sie selbst behandeln?

Dr. T. Weigl
Gelegentlich auftretende Spannungskopfschmerzen können meist selbst mit entsprechenden Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden. In geringen Dosen sind diese frei verkäuflich in der Apotheke zu erhalten. Um jedoch die genauen Ursachen abzuklären und andere Krankheiten auszuschließen, empfiehlt sich bei vermehrt auftretenden Kopfschmerzattacken eine ärztliche Untersuchung.

Können Spannungskopfschmerzen Anzeichen für eine andere Krankheit sein?

Dr. T. Weigl
Handelt es sich wirklich um Spannungskopfschmerzen, so sind sie kein Anzeichen weiterer Erkrankungen.

Muss man Spannungskopfschmerzen behandeln?

In den allermeisten Fällen können und sollten Spannungskopfschmerzen behandelt werden. Dies geht meist unkompliziert durch Schmerztabletten oder eine Veränderung der Lebensweise, um z. B. Muskelverspannungen vorzubeugen. Die Behandlung kann sich aber auch umfangreicher gestalten, wenn ggfs. emotionaler Stress der Auslöser ist. Schmerztabletten bekämpfen zwar den Schmerz, in dem Fall aber nicht die Ursache. Um eine dauerhafte Linderung zu erreichen und weiteren Kopfschmerzen vorzubeugen, müssen zusätzlich andere Maßnahmen ergriffen werden (Stressbewältigungstraining, u. ä.). Dies betrifft vor allem Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen.

Georg nutzt den restlichen Sonntag und das gute Wetter, um eine Runde joggen zu gehen, was sowohl seinem Kopf als auch dem verspannten Nacken sichtlich guttut. Er beschließt, beim nächsten Abend mit seinen Kollegen auf die Zigaretten zu verzichten und sich von ihnen vor allem einen Rat einzuholen, wie er die ständigen Auseinandersetzungen mit seinem Vorgesetzten aus der Welt schaffen kann.

Haben auch Sie Erfahrungen mit Spannungskopfschmerzen? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Tobias Weigl und Katharina Mraz
Lektorat: Christine Pepersack

Quellen:

  • Hartmut Göbel (2016): Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne: Ursachen beseitigen, gezielt vorbeugen, Strategien zur Selbsthilfe. Springer Medizin Verlag: Berlin, Heidelberg, New York.
  • Schmerzklinik Kiel
  • Keidel, Matthias (Hrsg.) (2006): Kopfschmerz-Management in der Praxis. Georg Thieme Verlag: Stuttgart, New York.
  • Karges, W. und Al Dahouk, S. (2009): Innere Medizin …in 5 Tagen. Springer Medizin Verlag: Heidelberg.
  • Happe, Svenja und Evers, Stefan (2016): Kopfschmerz & Schlaf. In: Schlaf 1/2016. Schattauer Verlag.
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