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Lungenembolie – Ursachen | Diagnose | Therapie

„Die Lungenembolie als Folgeerscheinung einer tiefen Beinvenenthrombose ist oft das erste Symptom. In gut 50% der Fälle verläuft die vorangegangene Thrombose symptomlos.“
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Bei einer Lungenembolie kommt es zum Verschluss eines oder mehrerer Gefäße, die vom Herzen zur Lunge führen (= Lungenarterien). Die Ursache ist oft eine unbehandelte und unerkannte tiefe Beinvenenthrombose. Aber auch Schwangerschaft, Operationen oder Krebserkrankungen erhöhen das Risiko für eine Lungenembolie. Von einem nahezu beschwerdefreien Verlauf bis hin zum Herzversagen ist vieles möglich. Charakteristisch ist ein plötzliches Einsetzen von Beschwerden, wie z.B. Luftnot und Brustschmerz. Die Prognose ist abhängig u.a. vom Schweregrad der Embolie, Alter und Vorerkrankungen des Betroffenen und vom Zeitpunkt der Diagnose.

Liesel, 70 Jahre alt, fühlt sich heute gar nicht gut. Sie hat seit mehreren Stunden Schmerzen in der Brust, die immer stärker werden. Richtig Luft bekommt sie auch nicht mehr. Sie hat es kaum geschafft, die Treppe hinunter zu gehen, um ins Wohnzimmer zu gelangen. Die Atemnot wird auch im Sitzen immer schlimmer. Dann tut auch noch ihr linkes Bein weh. Sie dachte eigentlich, nach der Operation an ihrem Kniegelenk vor drei Wochen würde das allmählich besser werden. Ihr Mann macht sich Sorgen, weil seine Frau zunehmend blass wird und ruft den Notarzt an.

 

Die Lunge und Lungenembolie

Die Lunge versorgt über die Atmung unseren Körper mit Sauerstoff. Über unsere Blutgefäße wird das Blut vom Herzen zur Lunge transportiert (= Lungenarterien), dort mit Sauerstoff versorgt und anschließend wieder von der Lunge aus zum Herzen (= Lungenvenen) und in den restlichen Körper transportiert.

Gut zu wissen!
Arterien sind definiert als die Blutgefäße, die das Blut vom Herzen weg transportieren, Venen transportieren das Blut zum Herzen hin.

Was ist eine Lungenembolie?

Bei einer Lungenembolie kommt es nun zum Verschluss einer oder mehrerer Lungenarterien, also der Gefäße, die das Blut vom Herzen in die Lunge transportieren. Der Verschluss passiert durch das Einspülen von Fremdmaterial über die Blutgefäße. Dieses Fremdmaterial stammt meistens aus einem Blutgerinnsel, welches auch Ursache für eine tiefe Beinvenenthrombose ist.
Durch den Verschluss der Lungenarterie kommt es zu einem erhöhten Druck in der Lunge, da sich das Blut zurückstaut. Das wiederum führt zu einer Belastung des Herzens. Unbehandelt kann es so zum Herzversagen kommen.
Neben der Lungenembolie als Folge einer Thrombose gibt es einige seltene Sonderformen. Neben Blutgerinnsel der Thrombose kann es auch zu einer Embolie durch Fruchtwasser, Fett, Luft oder beispielsweise Zement im Rahmen eines Gelenkersatzes kommen.

Gut zu wissen!
In rund 25% bis 50% der Fälle verläuft eine Thrombose ohne Beschwerden und fällt erst durch die als Folge entstehende Lungenembolie auf.

Videoexkurs: Thrombose


Was ist eine Thrombose? Welche Ursachen gibt es? Was für Beschwerden treten auf? Wichtige Grundlagen und Wissenswertes zum Thema erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl in diesem Video.

 

Die Symptome: Woran erkennt man, dass man an einer Lungenembolie leidet?

Das Ausmaß der Beschwerden einer Lungenembolie reicht von einem beschwerdefreien Verlauf bis hin zum Herzversagen.
Kennzeichnend für eine Lungenembolie ist das akute Einsetzen der Beschwerden. Konkret kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • beschleunigte Atmung (= Tachypnoe)
  • Atemnot (= Dysopnoe)
  • Atemabhängige Brustschmerzen (= Thoraxschmerzen)
  • Husten oder Bluthusten (= Hämoptyse)
  • Fieber
  • Beschleunigter Herzschlag (= Tachykardie)
  • Verminderter Blutdruck (= Hypotonie)
  • Stauung der Halsvenen (deutlich am Hals zu erkennende Gefäße)

Wer ist betroffen?

Rund 60-70 von 100.000 Menschen erleiden pro Jahr eine Lungenembolie, davon verläuft rund eine von 100.000 tödlich. Von den an einer Thrombose erkrankten Patienten bekommen ca. 50% eine Lungenembolie, die aber auch ohne Symptome verlaufen kann und nicht immer diagnostiziert wird.
Ein erhöhtes Risiko haben Patienten nach Operationen oder längerer Bettruhe oder Bewegungsmangel (z.B. Langstreckenflug, Gipsbehandlung). Ebenfalls ein vierfach erhöhtes Risiko für eine Lungenembolie haben Frauen in Schwangerschaft und Wochenbett.

Hat ein Arzt bei Ihnen eine Lungenembolie diagnostiziert? Welche dieser Symptome traten bei Ihnen auf? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.
 

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Wie bei jedem Arztbesuch erfolgt als erstes die Anamnese, also die Befragung des Patienten nach seinem Befinden. Dabei wird der Arzt wahrscheinlich nach kürzlich stattgefundenen Operationen oder längerem Bewegungsmangel (z.B. Langstreckenflug, Gipsbehandlung o.ä.) und Thrombose oder Lungenembolie in der Vorgeschichte fragen.
Bei der körperlichen Untersuchung könnte der Arzt nach Zeichen für eine nicht erkannte Thrombose suchen (Bein schmerzend, geschwollen, gerötet?). Ebenfalls werden die Vitalzeichen (= Blutdruck, Herzfrequenz/Puls, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung des Blutes) überprüft. Möglicherweise lassen sich auch gestaute Halsvenen finden.

Gut zu wissen!
In der weiteren Diagnostik kommen mehrere Schritte in Frage. Dabei kann sich der Arzt für den genaueren Ablauf durch den Wells-Score einen Überblick über die akute Situation verschaffen.

Generell steht zur Verfügung eine Laboruntersuchung auf bestimmte Proteine, den sog. D-Dimere. Eine Erhöhung der D-Dimere ist eher unspezifisch, d.h. sie wäre nicht beweisend für eine Lungenembolie, da die D-Dimere auch aus anderen Gründen erhöht sein können (z.B. nach OP oder auch in der Schwangerschaft). Ein unauffälliger Wert schließt eine Lungenembolie aber nahezu aus.
Mittel der Wahl für die apparative Diagnostik ist die Computertomographie-Angiographie (CTA) zur Darstellung der Gefäße mittels Kontrastmittel. Dabei kann ein Fremdkörper in den Lungenarterien eindeutig identifiziert werden.
Je nach Situation können z.B. auch eine EKG-Untersuchung, ein Herzultraschall oder eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbs sowie einige andere durchgeführt werden. Das richtet sich immer nach aktuellem Beschwerdebild und den möglichen Verdachtsdiagnosen des behandelnden Arztes.

Exkurs: Der Wells-Score
Der Wells-Score soll eine Einschätzung über die Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer Lungenembolie ermöglichen und so helfen die Reihenfolge der diagnostischen Schritte nach Dringlichkeit zu sortieren. Dabei werden verschiedene Kriterien überprüft, für welche es Punkte gibt. Die Summe der erreichten Punkte gibt dann die Wahrscheinlichkeit für eine Lungenembolie an:

  • Zeichen einer Thrombose
  • Lungenembolie oder Thrombose in der Vorgeschichte
  • Herzfrequenz über 100/min
  • Operation oder Bewegungsmangel im letzten Monat
  • Bluthusten
  • Krebserkrankung oder –behandlung in den letzten sechs Monaten

Wichtiges Entscheidungskriterium für das weitere Vorgehen ist immer auch der aktuelle Zustand und das Befinden des Patienten. Anhand eines Entscheidungsdiagramms, welches der Arzt zur Hilfe nehmen kann, kann dann das weiteren Vorgehen im Sinne von diagnostischen Schritten (erst Blut abnehmen oder lieber doch direkt eine CTA) abgewogen werden.

Faktencheck
Lungenembolie |Lungenarterienembolie
60-70 von 100.000 Menschen erleiden pro Jahr eine Lungenembolie
50% der an Thrombose erkrankten Menschen, auch symptomloser Verlauf möglich

Symptome

  • beschleunigte Atmung (= Tachypnoe)
  • Atemnot (= Dysopnoe)
  • Atemabhängige Brustschmerzen (= Thoraxschmerzen)
  • Husten oder Bluthusten (= Hämoptyse)
  • Fieber
  • Beschleunigter Herzschlag (= Tachykardie)
  • Verminderter Blutdruck (= Hypotonie)
  • Stauung der Halsvenen (deutlich am Hals zu erkennende Gefäße)

 

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Bei dem Verdacht auf eine akute Lungenembolie wird der Betroffenen in halbsitzender Position gelagert/transportiert. Er erhält Sauerstoff über eine Nasensonde oder eine Maske, manchmal kann die künstliche Beatmung notwendig sein. Schmerzmittel oder angstlösenden Medikamente sind ebenfalls eine Option. Oft wird eine Verlegung auf die Intensivstation zur besseren Überwachung angeleitet.
Entscheidender Schritt bei der Behandlung einer Lungenembolie ist immer die Antikoagulation, also die Gabe von blutverdünnenden Medikamenten. Dabei kommt akut oft das Heparin zum Einsatz, welches über einen venösen Zugang gegeben werden kann. Da die Blutverdünnung zur Vorbeugung (= Prophylaxe) eines erneuten Blutgerinnsels auch nach ausgeheilter Lungenembolie fortgesetzt werden sollte, erfolgt nach anfänglicher Heparingabe im Verlauf oft die Umstellung auf einen Blutverdünner in Tablettenform. Die Blutgerinnsel lösen sich mit der Zeit von selbst auf.
Besteht bei einer massiven Lungenembolie akute Lebensgefahr, können spezielle Medikamente gegeben werden, die das Blutgerinnsel direkt auflösen. Aufgrund der hohen Komplikationsgefahr z.B. in Form von Blutungen, wird diese Vorgehen nicht routinemäßig durchgeführt.

Videoexkurs: Blutverdünner


Möchten Sie mehr zu Blutverdünner erfahren? Im folgenden Video klärt Sie Dr. Tobias Weigl darüber auf, welche typischen Blutverdünner es gibt, wie sie wirken und welche Nebenwirkungen auftreten können.

 

Häufige Patientenfragen

Wie findet der Arzt heraus, ob ich eine Lungenembolie habe?

Dr. T. Weigl
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Diagnose einer Lungenembolie zu stellen. Welche Maßnahmen ergriffen werden, hängt ganz von der individuellen Situation des Patienten und dem Befinden ab. Wichtige diagnostische Möglichkeiten sind u.a. eine Laboruntersuchung des Blutes und die CTA, also die Darstellung der Gefäße durch Kontrastmittel in der Computertomographie. Außerdem kann der Arzt den Wells-Score zu Rate ziehen.

Ich habe eine Thrombose. Bekomme ich jetzt auch eine Lungenembolie?

Dr. T. Weigl
Nicht jede Erkrankung an einer Thrombose zieht eine Lungenembolie nach sich. Die Lungenembolie kann als Komplikation einer unbehandelten Thrombose auftreten.

Muss man eine Lungenembolie behandeln?

Dr. T. Weigl
Beschwerden verursachende Lungenembolien sollten behandelt werden. Aufgrund der zunehmenden Belastung des Herzens kann diese sonst tödlich enden.
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Liesels Ehemann hat genau richtig gehandelt. Der Notarzt bringt sie nach einer Erstversorgung direkt in das nächste Krankenhaus. Aufgrund ihrer Krankengeschichte veranlasst der zuständige Arzt eine CT-Untersuchung. Liesel hat eine Lungenembolie, wahrscheinlich als Folge einer Thrombose im linken Bein nach ihrer Knie-OP und der damit verbundenen Ruhigstellung des Beines. Sie bekommt blutverdünnende Medikamente, die sie für einige Zeit nehmen muss.

 

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    Haben auch Sie Erfahrungen mit einer Lungenembolie? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

    Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

    Autoren: Claudia Scheur und Dr. Tobias Weigl
    Lektorat: Sebastian Mittelberg
    Veröffentlicht: 30.07.2018

    Quellen

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