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Herzrasen – Ursachen, Symptome und Therapie einer Tachykardie

Herzrasen muss nichts Schlimmes bedeuten. Tritt es aber häufiger unerwartet und heftig auf, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Möglicherweise ist eine Herzerkrankung für das heftige Pochen verantwortlich, die ärztlich untersucht werden sollte.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Herzrasen – im Normalfall war jeder schon mehrfach von dem (starken) Pochen in der linken Brust betroffen. Häufig ist Herzrasen eine völlig normale Körperreaktion in verschiedenen Situationen: Angst, Aufregung oder auch sportliche Belastung verursachen eine erhöhte Herzfrequenz. Manchmal kann Herzrasen aber auch ein Hinweis auf gefährliche Krankheiten, u. a. des Herzens, sein und muss zwingend ärztlich untersucht werden. Wann Herzrasen gefährlich ist, was seine Ursachen sind und wie die Behandlung aussieht, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Achim fasst sich an die linke Brust. „Verdammt, was ist mit meiner Pumpe los? Ich mache doch nichts!“ Tatsächlich sitzt er bei der Arbeit vor dem Computer, bewegt sich also kaum. Und stressig ist es in der Firma gerade auch nicht, morgen steht sogar Achims wohlverdienter Urlaub an, auf den er sich schon so lange gefreut hat. Als das Herzrasen nach wenigen Minuten immer noch nicht weg ist, greift er verunsichert zum Telefon und macht einen kurzfristigen Termin beim Arzt.

Herzrasen hat eigentlich jeder schon mehrfach erlebt, sei es vor einer Prüfung, bei großer Vorfreude oder in akuten Gefahrensituationen – oft bedeutet Herzrasen nichts Schlimmes und klingt meistens von selbst ab. Herzrasen kann aber auch auf Ursachen zurückgeführt werden, die lebensbedrohlich sind. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Herzrasen ohne erkennbaren Grund mit weiteren Symptomen auftritt; dann sollte rasch ein Arzt aufgesucht werden. Was aber genau ist Herzrasen?

Was ist Herzrasen?

Herzrasen (sog. ‚Tachykardie‘), manchmal auch Herzklopfen genannt, bezeichnet das starke „Pumpen“ des Herzens, wie es jeder z. B. beim Sport erleben kann. Aus medizinischer Perspektive ist Herzrasen durch eine erhöhte Pulsfrequenz gekennzeichnet, die mindestens 100 Schläge pro Minute umfasst. Bei einem Erwachsenen schlägt das Herz normalerweise 60–80 Mal pro Minute. Liegt die Herzfrequenz deutlich oberhalb dieser Normwerte, nehmen Betroffene das als Herzrasen wahr. Unabhängig von den Ursachen ist Herzrasen keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom, das u. a. infolge verschiedener Krankheiten in Erscheinung treten kann.

Wie äußert sich Herzrasen?

Herzrasen macht sich durch schnelle Herzschläge bemerkbar, die Betroffene teilweise als sehr unangenehm empfinden. Oft empfinden die Betroffenen zudem eine innere Unruhe. Normalerweise klingt das starke Pochen nach wenigen Momenten wieder ab. Treten aber noch andere Symptome wie bspw. Schwindel oder Übelkeit auf, könnte das Herzrasen ein Hinweis auf eine Erkrankung sein.

Exkurs: Aufbau des Herzens

Ein gesundes Herz ist ungefähr so groß wie eine geballte Faust und wiegt bei erwachsenen Menschen etwa 300 Gramm. Das Herz befindet sich in der Mitte des Brustkorbs hinter dem Brustbein.
Der Aufbau des Herzens lässt sich grob wie folgt zusammenfassen: Das Herz wird durch die Herzscheidewand (sog. ‚Septum‘) in die linke und rechte Herzhälfte getrennt. Beide Herzhälften besitzen zwei spezifische Innenräume, den Vorhof (sog. ‚Atrium‘) und die Herzkammer (sog. ‚Ventrikel‘). Im Vorhof wird dabei das Blut gesammelt, welches durch die beiden Kammern jeweils von dort angesaugt und in den Körper gepresst wird. Die rechte Herzkammer pumpt dabei sauerstoffarmes Blut in die Lunge, während die linke Herzkammer sauerstoffreiches Blut in den Körper transportiert.

Wie entsteht Herzrasen?

Das Reizbildungssystem, von dem der Herzschlag ausgeht, nennt sich Sinusknoten und befindet sich in der Wand des rechten Vorhofs. Der Sinusknoten gibt dabei vor, wie oft das Herz pro Minute schlägt, im Normalfall also 60–80 Mal/min. Dementsprechend wird ein normaler Herzrhythmus auch Sinusrhythmus genannt. Im Sinusknoten entsteht dabei eine elektrische Erregung, die sich über die Vorhofmuskulatur ausbreitet und so zum sog. Atrioventrikularknoten gelangt, kurz AV-Knoten (Atrium bedeutet Vorhof, Ventrikel ist der medizinische Begriff für Herzkammer). Dieser Knoten befindet sich zwischen der rechten Herzkammer und dem rechten Vorhof. Die im Sinusknoten entstandene elektrische Erregung wird über bestimmte Leitungsbahnen, die Purkinje-Fasern, in die Muskulatur des Herzens geleitet. Durch die elektrische Erregung zieht sich das Herz zusammen und kann so das Blut in den Körper pumpen.
Was aber passiert nun beim Herzrasen? Herzrasen entsteht, wenn die Erregungsleitung im Herzen gestört ist. Das kann unterschiedliche Gründe haben: Vorhofflimmern, eine zusätzliche Erregungsleitung, die den eigentlichen Ablauf stört oder seltener auch Stoffwechselerkrankungen sind nur einige Beispiele dafür.

Welche Formen von Herzrasen gibt es?

Um welche Form von Herzrasen es sich im Einzelfall handelt, wird an dem Entstehungsort der Tachykardie festgemacht:

  • Ventrikuläre Tachykardie: Die Ursache für das Herzrasen entsteht in der Herzkammer. Diese Form der Tachykardie ist eine gefährliche Art des Herzrasens und muss dringend behandelt werden.
  • Supraventrikuläre Tachykardie: Das Herzrasen entsteht außerhalb der Herzkammern und ist nicht zwangsläufig lebensgefährlich, bedarf aber im Zweifelsfall trotzdem einer ärztlichen Untersuchung.

Wer ist betroffen?

Grundsätzlich ist jeder während seines Lebens in der Regel mindestens einmal von Herzrasen aufgrund von Stress oder sportlicher Betätigung betroffen. Bestimmte Grunderkrankungen, die Herzrasen verursachen, treten verstärkt im höheren Alter auf. Zur Risikogruppe gehören aber vor allem diejenigen, die bereits an einer kardialen, also das Herzen betreffenden, Erkrankung litten oder leiden und/oder bei denen Erkrankungen innerhalb der eigenen Familie aufgetreten sind.

Videoexkurs: Was macht ein Kardiologe?
Liegt der Verdacht nahe, dass das Herz in irgendeiner Form erkrankt ist, wird normalerweise ein Kardiologe konsultiert. Aber was macht ein Kardiologe überhaupt? Mehr Informationen gibt Ihnen Dr. Tobias Weigl im folgenden Video.

Herzrasen – ein Symptom, viele Ursachen

Herzrasen kann auf eine Vielzahl von Ursachen zurückgeführt werden, die teilweise miteinander im Zusammenhang stehen und eine Diagnose unter Umständen erschweren können. Im Folgenden wird Ihnen eine Auswahl der wichtigsten Ursachen vorgestellt.

Anämie

Herzrasen kann in schlimmeren Fällen auch auf Anämie, also Blutarmut zurückgeführt werden. Dabei ist der Sauerstofftransport gestört, sodass die Gewebszellen nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden. Der Körper versucht dann, den Sauerstoffmangel auszugleichen, indem er mehr Blut in den Körper pumpt, was zu einer erhöhten Herzschlagfrequenz führt.

Herzrhythmusstörungen

AV-Knoten-Reentry-Tachykardie

Die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (von eng. reentry ‚Wiedereintritt‘) ist eine Form der supraventrikulären Tachykardien. Kennzeichen sind ein abrupter Anfang und Ende des Herzrasens, das Frequenzen zwischen 180–220 Schlägen/min erreicht. Diese Form des Herzrasens ist gutartig, sollte aber dennoch ärztlich untersucht werden. Die Erregung, die vom Sinusknoten ausgeht und durch den Vorhof in den AV-Knoten läuft, dringt nicht nur in die Herzkammern vor, sondern abermals in den Vorhof und erregt diesen wieder. Man spricht auch von einer kreisenden Erregung, die in einer erhöhten Herzfrequenz resultiert.

Sinus-Tachykardie

Die Sinus-Tachykardie bezeichnet einen zu schnellen Herzschlag (über 100 Schläge/min), der vom Sinusknoten ausgeht. Ein solch schneller Herzschlag ist normal bei körperlicher und/oder emotionaler Belastung, damit die Organe mit genügend Blut versorgt werden können. Allerdings kann die Sinus-Tachykardie auch auf Herzerkrankungen wie bspw. die koronare Herzkrankheit oder auch auf Drogen- bzw. Medikamentenkonsum hinweisen.

Ventrikuläre Tachykardie – Kammerflattern und Kammerflimmern

Bei der ventrikulären Tachykardie (kurz: VT) handelt es sich um eine gefährliche Form der Herzrhythmusstörungen, die ihren Ursprung in der Herzkammer (sog. ‚ventrikulär‘) hat und meistens auf eine koronare Herzerkrankung zurückgeführt werden kann. Weniger häufig sind Herzmuskelerkrankungen oder eine Herzmuskelentzündung sowie angeborene Herzfehler die Ursache. Eine VT ist ein dringender Notfall, der so schnell wie möglich behandelt werden sollte. Es herrscht Lebensgefahr! Man unterscheidet dabei zwischen zwei Formen der VT, wobei der Übergang fließend ist:

  • Kammerflattern – Herzschlagfrequenz von 250 bis 350 Schlägen pro Minute.
  • Kammerflimmern – Herzschlagfrequenz über 350 Schläge pro Minute.

In beiden Fällen wird das Herz nicht mehr in geordneten Bahnen, sondern völlig chaotisch erregt, sodass kaum oder sogar gar kein Blut mehr in den Organismus gepumpt werden kann. In der Folge kann der Kreislauf nicht mehr aufrechterhalten werden, es kommt zum Kreislaufstillstand, der bei einer nicht sofortigen Behandlung zum Tode führt.

Vorhofflimmern

Das Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Tendenziell sind ältere Menschen häufiger betroffen. Das Vorhofflimmern ist eine Form der supraventrikulären Tachykardien, das Herzrasen entsteht also außerhalb der Herzkammer. Ursächlich für das Vorhofflimmern sind sogenannte kreisende elektrische Erregungen, die in größerer Zahl in den Vorhöfen entstehen. Die kreisenden Erregungen gelangen teilweise zu den Herzkammern, was zu einem unregelmäßigen, meist zu schnellen Herzrhythmus führt.
Vorhofflimmern entsteht in vielen Fällen im Laufe des Lebens und tritt zunächst anfallsartig auf. Der Anfall kann wenige Minuten anhalten, aber auch mehrere Tage andauern. Je nach Höhe der Herzfrequenz fallen die Symptome anders aus – manchmal bemerken Betroffene nichts, üblicher sind aber u. a. Symptome wie Herzrasen, Schwindel und Schmerzen in der Brust. Vorhofflimmern ist nicht zwangsläufig lebensbedrohlich, erhöht aber möglicherweise das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.

Wolff-Parkinson-White-Syndrom

Das Wolff-Parkinson-White-Syndrom (kurz: WPW-Syndrom; der Name geht auf die beiden Entdecker des Syndroms zurück) ist eine Herzrhythmusstörung, die dadurch verursacht wird, dass das Herz durch eine oder sogar mehrere zusätzliche Leitungsbahnen irrtümlich erregt wird. Die elektrischen Impulse für den Herzschlag gehen vom Sinusknoten aus, der diese an den Atrioventrikularknoten sendet. Dieser befindet sich zwischen den Vorhöfen und den Herzkammern. Der AV-Knoten filtert die elektrischen Impulse und leitet sie über zwei Leitungsbahnen an die linke und rechte Herzkammer weiter. Beim WPW-Syndrom existiert bei den Betroffenen nun zwischen Vorhof und den Kammern eine weitere, zusätzliche Leitungsbahn. Das Problem hierbei ist, dass sowohl die Impulse aus dem Sinusknoten als auch diejenigen aus den Herzkammern auf diese zusätzliche Leitungsbahn treffen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Bahnen kann diese die elektrischen Impulse nicht filtern und leitet stattdessen alle Impulse an die Muskelzellen der Herzkammern weiter. Hinzukommt aber, dass die zusätzliche Leitungsbahn die Impulse auch zurück in den Vorhof leiten kann. Dann spricht man von einer kreisenden Erregung: Das Herz schlägt sehr schnell, aber gleichmäßig. Diese zusätzliche Leitungsbahn ist beim WPW-Syndrom angeboren. Zum häufigsten Symptom gehört dabei Herzrasen, das vor allem ab dem Jugendalter auftritt. Dabei können Frequenzen zwischen 150 und 240 Schlägen/min erreicht werden. Beschwerden treten aber nicht bei allen auf, die vom WPW-Syndrom betroffen sind. In sehr seltenen Fällen kann dieses Syndrom auch im Säuglingsalter auftreten. Die effektivste Möglichkeit, das WPW-Syndrom zu behandeln, ist die sog. Ablation: die überzählige Leitungsbahn wird aufgespürt und verödet (sog. ‚Katheterablation‘). Damit wird die fehlerhafte Leitung unterbrochen.

Koronare Herzkrankheit

Bei der koronaren Herzkrankheit (kurz: KHK) verschließen bzw. verhärten sich die Herzkranzgefäße durch Ablagerungen in den Blutgefäßen, sodass es zu einer Durchblutungsstörung des Herzmuskels kommt. Dadurch kann in der Folge u. a. der Herzrhythmus gestört werden, da das Herz nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird und Teile des Herzgewebes beschädigt werden können, die für den richtigen Rhythmus des Herzschlags verantwortlich sind. Der Puls kann im weiteren Verlauf aus dem Takt geraten und langsamer, unregelmäßig oder schneller schlagen und dann zu Herzrasen führen.

Videoexkurs: Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Arteriosklerose
Möchten Sie mehr über die koronare Herzkrankheit, ihrer Entstehung und ihren Folgen erfahren? Im folgenden Video erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl, welche Ursachen und Folgen eine KHK hat und welche Maßnahmen bei einem Herzinfarkt ergriffen werden sollten.

Lungenembolie

Bei einer Lungenembolie verschließen sich eines oder gar mehrere Gefäße, die vom Herzen zur Lunge führen. Löst sich also ein Blutgerinnsel (sog. ‚Thrombus‘) und verstopft eine zur Lunge führenden Arterie, kann der Körper darauf mit Herzrasen reagieren.

Niedriger Blutdruck

Bei zu niedrigem Blutdruck versucht der Körper, dieses Defizit zu kompensieren und das Herz schlägt schneller, um das sog. Blutvolumen (Gesamtblutmenge des Körpers) auf einem angemessenen Niveau zu halten.

Schilddrüsenüberfunktion

Herzrasen ist ein Symptom, das häufig bei einer Schilddrüsenüberfunktion (sog. ‚Hyperthyreose‘) auftritt. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse werden zu viele Schilddrüsenhormone produziert – in der Folge werden viele Körperfunktionen unnötigerweise aktiv, was sich u. a. durch Schwitzen, Gewichtsverlust und eben auch durch Herzrasen bemerkbar machen kann.

Weitere mögliche Ursachen für Herzrasen

  • angeborener Herzfehler
  • Bluthochdruck
  • u. U. Fieber
  • Hormonelle Schwankungen in den Wechseljahren
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Störungen des Elektrolythaushalts
  • Sonnenstich/Hitzeschlag
  • Vergiftungen (Drogen, Koffein, Pilze)
  • Verletzungen mit großem Blutverlust
Hatten Sie schon Probleme mit Herzrasen? Was war die Ursache dafür? (Mehrfachnennungen möglich)

Was tut der Arzt? Teil 1: Diagnose

Tritt Herzrasen unerwartet und wie aus dem Nichts auf, ist ein Gang zum Arzt empfehlenswert. Zum einen ist es lebenswichtig, mögliche gefährliche Herzkrankheiten zu diagnostizieren und zu behandeln, zum anderen sollten selbst gutartige Formen des Herzrasen im Auge behalten werden.
Zunächst wird der Arzt Sie befragen, also eine Anamnese durchführen. Dabei fragt er u. a.

  • wann das Herzrasen zum ersten und wann zum letzten Mal aufgetreten ist,
  • wie häufig das Herzrasen auftritt,
  • ob das Herzrasen in bestimmten Situationen auftritt,
  • ob andere Beschwerden wie bspw. Atemnot auftreten.

Zudem wird sich der Arzt wahrscheinlich nach weiteren Einflüssen erkundigen, bspw. ob Sie schon länger größerem Stress ausgesetzt sind und inwiefern sie Alkohol, Kaffee, Nikotin, Drogen oder auch Medikamente einnehmen, die für das Herzrasen verantwortlich sein könnten. In diesem Zusammenhang sind auch frühere oder bekannte Herzerkrankungen relevant. Herz- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der eigenen Familie sind für die Diagnose ebenfalls wichtig. Da Herzrasen lediglich ein Symptom darstellt, ist es entscheidend, die dafür verantwortliche Erkrankung zu erkennen. Dafür stehen neben der körperlichen Untersuchung, bspw. das Abhören des Herzens sowie Puls- und Blutdruckmessung, einige weitere Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Elektrokardiogramm (EKG): Das EKG ist im Zusammenhang mit dem Herzen wohl die wichtigste Untersuchung. Es werden Herzströme aufgezeichnet, sodass Veränderungen, die das Herz betreffen, identifiziert werden können.
  • Langzeit-EKG: Beim Langzeit-EKG werden 24 Stunden lang die Herzströme aufgezeichnet. Auf diese Weise können Unregelmäßigkeiten am Herzen erkannt werden.
  • Belastungs-EKG: Die Herzströme werden unter Belastung aufgezeichnet, um mögliche Unregelmäßigkeiten feststellen zu können.
  • Echokardiografie (Herzultraschall): Dieser Ultraschall erlaubt bessere Einblicke in die Funktion und Form der Herzklappen sowie die Größe des Herzens. Die Untersuchung wird entweder über die Speiseröhre oder über die Haut erfolgen.
  • Blutuntersuchung, um Schilddrüsen- und Elektrolytwerte zu bestimmen.
  • ggf. Langzeit-Blutdruckmessung

Was tut der Arzt? Teil 2: Behandlung

Wie genau und ob Herzrasen behandelt wird, hängt letzten Endes von der genauen Ursache des Symptoms ab. Ist die Ursache für das Herzrasen keine Erkrankung, wird der Arzt womöglich empfehlen, Ihre Lebensweise zu ändern. So sollten ggf. der Kaffee- oder Nikotinkonsum aufgegeben oder zumindest eingeschränkt werden. Um Stress entgegenzusteuern – einer der häufigsten Gründe für Herzrasen – ist die Anwendung von Entspannungstechniken (bspw. autogenes Training) sinnvoll. Sind bestimmte Medikamente für das Herzrasen verantwortlich, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, ob die Medikation möglicherweise ersetzt oder völlig abgesetzt werden kann.
Ist jedoch eine Grunderkrankung für das Herzrasen verantwortlich, hängt die Behandlung von der Art der Erkrankung ab. Bei Herzrhythmusstörungen werden zum Beispiel je nach Art und Schwere Antiarrhythmika verschrieben, die einen normalen Herzrhythmus wiederherstellen sollen. Schlimmstenfalls muss operativ ein Herzschrittmacher eingesetzt werden. Schilddrüsenüberfunktionen werden in der Regel mit „Schilddrüsenblockern“ (sog. ‚Thyreostatika‘) behandelt.

Achtung: Kammerflimmern
In akuten Notsituationen, bspw. beim lebensbedrohlichen Kammerflimmern, müssen so schnell wie möglich Maßnahmen ergriffen werden, um das Leben des/der Betroffenen zu retten. Mit einem Defibrillator oder einem Faustschlag auf den Brustkorb (in Herznähe) kann die hyperaktive Reizleitung unterbrochen werden. In der Folge wird der Herzschlag wieder langsamer. Der Patient muss sich rasch in Behandlung begeben.

Was kann ich selbst tun?

Tritt Herzrasen nicht krankheitsbedingt auf, kann diesem mit einer gesunden und ausgeglichenen Lebensweise vorgebeugt werden. Neben ausreichender Bewegung, am besten an der frischen Luft, sollte weitgehend auf Alkohol und Zigaretten verzichtet werden. Autogenes Training kann wiederum Stress vorbeugen.
Bei plötzlich auftretendem Herzrasen kann mithilfe einer leichten Massage am Hals das Symptom gelindert werden. Die Punkte, an denen der Puls der Halsschlagader zu spüren ist, sollten beidseitig mit Zeige- und Mittelfinger sanft massiert werden. Durch die Massage wird der sog. Karotissinusnerv an der inneren Halsschlagader stimuliert. Wird an den entsprechenden Stellen der Druck erhöht, werden Elektroimpulse an das Gehirn weitergeleitet. Darauf reagiert der Kreislauf mit einem allmählichen Zurückfahren der Herzfrequenz. Da auf diese Weise auch der Blutdruck absinkt, sollte der Patient sitzen oder liegen, um Stürze zu vermeiden.
Eine Hilfe kann auch das sog. Valsava-Manöver sein. Dabei werden Nase und Mund zugehalten und gleichzeitig ausgeatmet. Dadurch entsteht eine stärkere Spannung im Bereich der Atem- und Bauchmuskulatur, gleichzeitig entsteht ein höherer Luftdruck in den Atemwegen. Auf diese Weise verringert sich in der rechten Herzkammer das Blutvolumen, in der Folge sinkt die Herzfrequenz. Da diese Methode bei zu langer Durchführung in einen Kreislaufkollaps münden kann, sollten Sie diesbezüglich vorher unbedingt mit Ihrem Arzt gesprochen haben.

Achtung: Keine Selbstdiagnose!
Tritt das Herzrasen ohne ersichtlichen Grund auf, sollten sie sicherheitshalber Ihren Arzt konsultieren. Selbst wenn sich mit den gerade genannten Tipps das Herzrasen zumindest zeitweise lindern oder gar stoppen lässt, ist ein Gang zum Arzt unabdingbar. Ansonsten begeben Sie sich womöglich in Lebensgefahr!

Häufige Patientenfragen

Muss ich mit Herzrasen sofort zum Arzt?

Dr. T. Weigl
Herzrasen ist in vielen Fällen eine normale physiologische Reaktion des Körpers auf körperliche bzw. emotionale Belastung und klingt in der Regel von selbst ab. Sobald das Herzrasen aber ohne erkennbaren Grund in Erscheinung tritt und von Übelkeit, Schwindel oder Druck auf der Brust begleitet wird, sollten sie zeitnah einen Arzt aufsuchen, damit entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden können.

Was kann ich selbst gegen Herzrasen tun?

Dr. T. Weigl
Es gibt einige Möglichkeiten, um gutartiges Herzrasen gegebenenfalls in den Griff zu bekommen. Zum einen gibt es das Valsava-Manöver, das Sie sich aber zuerst von Ihrem Arzt zeigen lassen sollten. Zum anderen gibt es die Möglichkeit, den Karotissinusnerv mit Zeige- und Mittelfinger zu massieren. Diesen finden Sie an der Stelle am Hals, an der Sie den Puls spüren. Setzen bzw. legen Sie sich aber vorsichtshalber hin, da durch die Massage häufig der Blutdruck abfällt. Manchmal hilft es auch, bewusst und ruhig tief ein- und auszuatmen.

Wie kann ich Herzrasen vorbeugen?

Dr. T. Weigl
Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, frische Luft und der weitgehende Verzicht auf Alkohol, Nikotin und sonstige Drogen ist eine gute Grundlage, um Herzrasen vorzubeugen, solange es nicht auf eine Grunderkrankung hinweist. Wichtig ist außerdem, dass Sie sinnvoll mit Stress umgehen bzw. diesen vermeiden. Autogenes Training oder auch Yoga haben sich als effektive Methoden erwiesen, um eine innere Ausgeglichenheit zu fördern.

Als Achim beim Arzt ist, klärt dieser ihn auf: „Herr Meyer, sie leiden ja an Bluthochdruck. Dann kann es leider manchmal dazu kommen, dass das Herz gegen den Druck mehr pumpen muss, um das Blut im Körper zu verteilen. Wir passen ihre Tablettendosis gegen den Bluthochdruck an und sie messen bitte regelmäßig. Dann kriegen wir das bestimmt in den Griff.“ Achim ist zumindest etwas erleichtert.

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Hatten Sie schon einmal Herzrasen? Wurde Herzrasen bei Ihnen durch eine Krankheit verursacht? Wie sind Sie damit umgegangen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Sebastian Mittelberg
Lektorat: Tobias Möller
Veröffentlicht: 26.09.2018

Quellen

  • I. Banaure et al. (2017). Innere Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (Hg.) (2016): Ventrikuläre Arrhythmien und Prävention des plötzlichen Herztodes.
  • internisten-im-Netz.de (Hg.): Wie schlägt das Herz?
  • M. Kaltenbach und C. Vallbracht (Hg.) (2006): Herz Kreislauf Kompakt. Steinkopff Verlag, Darmstadt.
  • Kardionetzwerk.de (Hg.): Tachykardie.
  • leading-medicine-guide.de (Hg.): Herzrasen.
  • Christian Prinz (2012): Basiswissen Innere Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Hans-Peter Schuster und Hans-Joachim Trappe (2009): EKG-Kurs für Isabel. 5. überarbeitete und erweiterte Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
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