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Schimmelpilzallergie – wie sie entsteht und was man dagegen tun kann

Wenn Sie in einem Haus mit feuchten Wänden leben und sich gerade im Spätsommer immer wieder Anzeichen einer allergischen Reaktion häufen, könnten Sie an einer Schimmelpilzallergie leiden.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Eine Schimmelpilzallergie tritt vermehrt zu verschiedenen Jahreszeiten auf und ist daher eine saisonale allergische Rhinitis. Sie entsteht durch eine Sensibilisierung des Körpers auf Proteine in den Sporen des Pilzes, welche dieser bei der Fortpflanzung ausstößt. Sie können aber auch durch Kontakt oder Verzehr in den Körper gelangen. Die Diagnostik der Allergie ist allerdings noch immer mit Problemen belastet.

Tobias kommt in die Küche und blickt Luisa an. „Hast du noch immer so schlimmes Husten?“ Sie schaut ihn traurig an, ihre Augen sind rot unterlaufen. Tobias schaut sie besorgt an. „Das sollte so wirklich nicht aussehen!“, sagt er und streichelt ihr übers Haar. „Das wird immer schlimmer oder?“, fragt Tobias sie. Luisa nickt und putzt sich die laufende Nase: „Seitdem wir den feuchten Fleck im Bad haben, ist es nach dem Duschen besonders schlimm.“ Tobias überlegt kurz: „Nicht, dass es da schimmelt. Am Ende reagierst du vielleicht allergisch darauf?“ Luisa hustet erneut und fängt an, ein wenig zu keuchen. „Egal was es ist, ich muss zum Arzt. Das geht so nicht weiter!“, krächzt sie. Tobias macht schnell einen Arzttermin aus und beginnt, sich vorab ein wenig über eine mögliche Schimmelpilzallergie zu informieren.

Was ist eine Schimmelpilzallergie?

Da Schimmelpilze im Allgemeinen zu den Pilzen (Fungi) gezählt werden, wird zumeist keine große Unterscheidung zwischen einer Schimmelpilzallergie und einer Pilzallergie gemacht.
Eine Schimmelpilzallergie ist meist eine Atemwegsallergie, die von Schimmelpilzsporen ausgelöst wird. Es äußert sich klinisch (also sichtbar in Bezug auf Symptome) zumeist zwischen Juli und September und wird daher auch als Spätsommer-Asthma bezeichnet. Diese zeichnet sich durch Symptome wie Juckreiz, Rötung oder Chemosis (Bindehautödem) aus, die typisch für eine saisonale allergische Konjunktivitis (SAC) sind. Die Behandlung verläuft ähnlich wie bei anderen Allergien, doch gerade bei Schimmelpilzallergien kann sich die Diagnose schwierig gestalten. Auch ist die Verbindung zwischen Schimmelpilzsporen und allergischen Reaktionen bisher nicht ausreichend erforscht.

Aktuelles aus der Forschung
In einem Artikel von 2017 untersuchten Amanda Rudert und Jay Portnoy, ob es eine Schimmelpilzallergie überhaupt gibt. Sie sprechen von einer Debatte innerhalb der letzten 15 Jahre. Die beiden Wissenschaftlerinnen kommen ebenso wie andere Studien zu dem Schluss, dass es noch einen großen Forschungsbedarf gibt. Auch Barbara Ballmer-Weber und Arthur Helbling sprachen im selben Jahr ein Fehlen von erhältlichen Testsubstraten (also eine Grundsubstanz, um Allergietests durchzuführen) an. Bei geschätzten 1-3 Millionen Pilzarten seien nur wenige verfügbar. Somit ist die Forschung bezüglich der Schimmelpilzallergie noch mehr oder weniger in ihren Anfängen.Quellen

    • Arthur Helbling und Barbara K. Ballmer-Weber (2017): Allergische Rhinitis. In: Schweizerisches Medizin-Forum 17/8, S.179–186.
    • Jay Portnoy und Amanda Rudert (2017): Mold Allergy: is it real and what do we do about it? In: Expert Review of Clinical Immunology 13/8, S. 823–835.

 

Die Ursache für eine Schimmelpilzallergie: Der Fungus

Fungus (Plural Fungi) ist der lateinische Begriff für Pilz. Fungi gehören einer der größten abgegrenzten Gruppe der Eukaryoten (also Lebewesen, deren Zellen einen echten Kern haben und in verschiedene Räume aufgeteilt sind) an, zusammen mit Pflanzen, Tieren und bestimmten Einzellern. Die Gruppe der Pilze kann außerdem noch in acht Stämme aufgeteilt werden, wobei drei dieser Stämme nachweislich zu einer Sensibilisierung oder zu Krankheiten führen können.
Diese drei Stämme unterscheiden sich weniger in den Symptomen, die sie hervorrufen, als in der Art der Fortpflanzung und ihrer Verbreitungszeiten/-orte:

  • Ascomycota (Schlauchpilze): Zu den Schlauchpilzen gehören nicht nur Schimmelpilze, sondern auch Hefepilze oder auch Speisepilze wie Morcheln oder Trüffel. Sie können sich zum Teil durch Mitosporen fortpflanzen und gelangen so auch in für sie noch unerschlossene Gebiete. Mitosporen sind Sporen, die genetisch identisch mit dem Mutterpilz sind, also durch Mitose (Zellteilung) entstanden sind. Sie werden häufig dann freigelassen, wenn es geregnet hat oder die Luftfeuchtigkeit hoch ist.
  • Basidiomycota (Ständerpilze): Die Ständerpilze haben sich parallel zu den Schlauchpilzen entwickelt und werden oft als Schwestergruppe bezeichnet. Auch hier gehören bekannte Pilze wie bspw. der Champignon dazu. Ihre Fortpflanzung ist bei weitem komplizierter als die des Schlauchpilzes. Diese kann sowohl durch Sporen und Maiose (also die Entstehung einer Zelle aus verschiedenen Chromosomen), aber auch asexuell stattfinden. Ständerpilze sind in ihrer Reproduktion nicht an Luftfeuchtigkeit gebunden, sondern an die Tagesszeit. Sie verteilen ihre Sporen meist am späten Abend oder am frühen Morgen.
  • Zygomycota (Jochpilze): Die Jochpilze verbreiten sich durch spezielle Formen der Sporen, sogenannte Sporangien, die ähnlich wie beim Schlauchpilz durch Mitose entstehen. Sie werden häufig in der Nahrungsmittelproduktion und Fermentation eingesetzt.

Die häufigsten Allergene treten hierbei jedoch bei Schlauchpilzen (Ascomycota) auf. Die drei wichtigsten Pilzarten sind:

  • Alternaria alternata – ein Schimmelpilz, der zu den Schwärzepilzen gezählt wird, (welcher zwei Allergenkomponente besitzt)
  • Aspergillus fumigatus – aus der Gattung der Gießkannenschimmel (mit drei Allergenkomponenten von klinischer Relevanz)
  • Cladosporium – ebenfalls eine Form des Schwärzeschimmels (besitzt eine Allergenkomponente).

Ähnlich wie bei einer Haustierallergie werden die Allergene nach dem lateinischen Begriff abgekürzt. Die Allergene heißen somit Alt a, Asp f und Cla h. Alternaria gehört hierbei zu der häufigsten Pilzart, gegenüber welcher der Körper sensibilisiert werden kann.

Gut zu wissen!
Neben Allergien können Schimmelpilze noch zu weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Das können u.a. sein

  • Befindlichkeitsstörungen
  • Gereizte Schleimhäute
  • Infektionen
  • Intoxikationen (Vergiftungen)
  • Geruchsbelästigung

Ein Unwohlsein nach oder bei Kontakt mit Schimmel deutet daher nicht immer auf eine Allergie hin.

Wie verursachen Schimmelpilze eine allergische Reaktion?

Kommen diese Sporen, in denen die Allergene enthalten sind, in Kontakt mit dem Körper, zumeist den Schleimhäuten im Zuge der Inhalation, passiert in den meisten Fällen nichts. Auch können diese Stoffe durch Kontakt an und in den Körper gelangen oder schlichtweg durch den Verzehr.
Liegt allerdings eine Sensibilisierung vor, führt der physische Kontakt mit den Proteinen zu einer Abwehrreaktion des Körpers. Es bilden sich sogenannte IgE-Antikörper, die sich an die Abwehrzellen des Körpers binden und diese dazu veranlassen, entzündungsfördernde Stoffe wie das Protein Histamin freizusetzen. Histamin seinerseits bewirkt eine höhere Permeabilität (Durchlässigkeit) der Gefäßwände und dient gleichzeitig als Lockstoff für weitere Immunzellen, die durch die nun die “durchlässigeren” Gefäße die Blutbahn verlassen und ins Gewebe einwandern können. Außerdem wirkt es zusammenziehend auf herznahe Gefäße und das Bronchialsystem, während kleine Kapillaren stärker durchblutet werden. Diese Mechanismen führen in Summe zu den typischen Symptomen einer allergischen Reaktion. Die Verdickung der Schleimhäute von Rachen und Nase lässt sich hier auf die Erweiterung kleiner Blutgefäße zurückführen.
Ein Problem dieser Allergene ist ihre Kreuzreaktivität, ähnlich wie bei Proteinen, die für Tierallergien verantwortlich sind. Kreuzreaktivität bedeutet hier, dass sich die Allergie auch auf andere Organismen mit ähnlichen Proteinen ausweiten kann. Diese Kreuzreaktivität erschwert, die verantwortlichen Proteine in der Diagnose ausfindig zu machen.

Exkurs: Allergische bronchopulmonale Aspergillose
Der Aspergillus fumigatus kann zusammen mit anderen Aspergillustypen eine sogenannte allergische bronchopulmonale Aspergillose (ABPA) auslösen. ABPA ist bronchopulmonal, was so viel bedeutet wie „die Lunge und die Bronchen betreffend“. Eine Aspergillose ist eine Erkrankung, die durch die Infektion mit Aspergillussporen entsteht. Ist die betroffene Person allergisch, führt der Kontakt mit dem Allergen zu einer allergischen Reaktion. Kommt eine durch verschiedene Einflüsse ausgelöste Immunschwäche hinzu, kann es sich zu einer Infektion ausbreiten. Gerade Menschen mit bronchopulmonalen Vorerkrankungen wie Asthma bronchiale oder Mukoviszidose sind gefährdet.
Manifestiert sich die Infektion als ABPA, zeigt sie sich an folgenden Symptomen:

  • Asthma bronchiale (chronische Entzündung der Atemwege)
  • Gewichtsverlust
  • Exogen-allergische Alevolitis (eine von außen kommende allergiebedingte Entzündung der Lungenbläschen)
  • Lungeninfiltrate (Eine Ansammlung von Substanzen in der Lunge, welche dort eingedrungen sind oder dort eingebracht wurden)
  • Trockener Husten
  • Fieber

Auch eine bakterielle Superinfektion ist nicht selten. Dabei wird die erkrankte Zelle von einer weiteren Infektion getroffen, die meist von demselben Erreger stammt. Dieser Erreger ist aber einem anderen Stamm zuzuordnen.
ABPA wird zumeist medikamentös behandelt. Eine mögliche Substanz ist Glucocorticoide. Das Medikament kann vielseitig eingesetzt werden. Dieses kann entweder inhaliert oder oral eingenommen werden, wobei eine orale Zufuhr meist hilfreicher ist. Antimykotika (also Mittel gegen die Erkrankung durch Pilze) wie Voriconazol oder Itraconazol können bei der Therapie hinzugezogen werden.

Die Symptome: Woran erkenne ich eine Schimmelpilzallergie?

Bei den allergischen Reaktionen muss zwischen einer akuten allergischen Reaktion auf Schimmelpilzsporen und einer langfristigen Reaktion unterschieden werden. Die häufigsten allergischen Reaktionen sind hierbei:

  • Asthma bronchiale
  • Rhinitis (Nasenschleimhautentzündung)

Gleichzeitig können aber auch Atemwegsbeschwerden auftreten, falls ein Kontakt mit Schimmelpilzsporen erfolgt ist. Häufige Beschwerden sind

  • Husten
  • Schleimbildung
  • Pfeifende Atmung bzw. Keuchen
  • Keuchen in Verbindung mit Atemnot

Des Weiteren kann es zum Fremdkörpergefühl im Hals- Nasen- und Augenbereich kommen sowie zu Schwellungen der Augenlieder, Lippen oder der Zunge (sog. Angioödem)
Ist eine Allergie nicht vorhanden, kann eine längere Konfrontation des Körpers mit den Sporen jedoch zu einer Sensibilisierung führen. Daher ist es im Gegensatz zu einer Tierhaarallergie ratsam, den Kontakt mit Schimmelpilzsporen zu vermeiden. Inwiefern sich ein längerer Kontakt mit Schimmelpilzsporen auf Allergiker auswirkt, konnte aus ethischen und physischen Gründen bislang nicht erforscht werden: Man konnte bislang keine passende Patientengruppe von ausreichender Größe finden bzw. wollte man Patienten diese Situation nicht langfristig zumuten. Ist das Immunsystem geschwächt, kann sich beim Aspergillus Pilz eine sogenannte Aspergillose entwickeln. Allerdings handelt es sich bei Schimmelpilzen im Wohnraum nicht immer um Aspergillus.
Ein weiteres Problem der Diagnose kann sein, dass Menschen mit Asthma oder einer Rhinitis ähnliche Symptome bei Kontakt mit Schimmelpilzsporen aufweisen können, ohne dass eine Sensibilisierung überhaupt vorhanden sein muss.

Welche dieser Symptome hatten Sie schon bei einer Schimmelpilzallergie? (Mehrfachnennungen möglich)

Wer ist von einer Schimmelpilzallergie betroffen?

Obwohl die saisonale allergische Konjunktivitis mit 15-20% aller Fälle die häufigste Form der Konjunktivitis ist (hierzu zählt zum Beispiel auch die Pollenallergie), ist eine Schimmelpilzallergie vergleichsweise selten. Die Häufigkeit (med. Prävalenz) beträgt bei Schimmelpilzen unter 10%. Diese Prävalenz hängt dabei nicht nur von der Patientenpopulation ab (also beispielsweise Asthmatiker), sondern auch von klimatischen Begebenheiten.
Da Schimmelpilzsporen sowohl in der Außenwelt als auch in Innen- und Wohnbereichen auftreten, ist es unter Umständen schwierig, die Sporen vollkommen zu vermeiden. In den Innen- und Wohnbereich gelangen die Allergene meist auf drei verschiedenen Wegen: durch Feuchtigkeit im Baumaterial, Schimmel auf Lebensmitteln oder durch die Luft, die beim Lüften in den Innenraum gelassen wird. Das Problem bei Schimmelpilzallergien, die durch feuchte Umgebungen ausgelöst worden sind, ist, dass auch andere Allergieauslöser wie Bakterien oder Milben prävalent sind. Daher kann nicht immer genau gesagt werden, ob eine allergische Reaktion allein von Pilzsporen ausgelöst wird.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Der erste Schritt, um eine Diagnose stellen zu können, ist für den Arzt die Anamnese, also das Patientengespräch. Hierbei fragt der Arzt nach den Symptomen, sodass dieser sich ein Bild der Krankheit machen kann. Die Symptome bei einer Schimmelpilzallergie können allerdings auch auf andere Allergien oder auch andere Krankheiten hinweisen. Daher werden in dem Gespräch nicht nur Symptome, sondern auch die Häufigkeit, die Zeiträume und das Verhalten beim Auftreten der Symptome genauer erfragt. Hierbei überprüft der Arzt, ob die Symptome häufig zu einer bestimmten Tages- oder Jahreszeit einsetzen oder die Lebensweise auf Kontakt mit feuchtem Baumaterial, verschimmeltem Essen, Erde oder toten Tieren hinweist. Der Arzt kann sich auch danach erkundigen, in welchen Räumen sich der Betroffene regelmäßig aufhält. Unter Umständen muss dann überprüft werden, ob bspw. der Keller Feuchtstellen aufweist. Derartige Informationen helfen dem Arzt, den Verdacht auf eine Diagnose zu erhärten.
Neben der Anamnese gibt es noch mehrere andere Möglichkeiten, eine genauere Diagnose zu stellen. Hier gibt es den sogenannten Pricktest. Bei diesem Test wird eine Stelle der Haut (zumeist der Unterarm) mit dem möglichen Allergen in Tropfenform konfrontiert, um eine mögliche Reaktion festzustellen. Die Konfrontation findet durch einen kleinen Stich in die Haut statt. Dies kann mit mehreren möglichen Allergenen gemacht werden, sodass die Einstichstellen häufig mit Schrift markiert werden. Bereits nach 15 Minuten kann erkannt werden, welches Allergen welche Reaktion auslöst.
Eine weitere Möglichkeit ist der Test in vitro (im Reagenzglas). Anhand von abgenommenem Blut kann festgestellt werden, um welche Sensibilisierung es sich handelt. Hier können bestimmte Antikörper identifiziert werden, die sich bei einer allergischen Reaktion bilden.

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Sowohl zur Prävention einer Sensibilisierung als auch zur Behandlung der Symptome wird eine Verringerung des Kontaktes mit dem Allergen empfohlen. Da Schimmelpilzsporen jedoch praktisch dauerhaft in der Luft zu finden sind, trotz größerer jahreszeitlicher Schwankungen, ist es das Ziel, den Kontakt so gut wie möglich einzuschränken. So ist es eine Möglichkeit, je nach Allergen, die Fenster nur zu gewissen Zeiten und/oder nicht nach Regen zu öffnen. Auch ist es wichtig, verdorbenes Essen möglichst schnell zu entsorgen und den Wohnraum nicht (zu) feucht werden zu lassen. Dies ist wichtig, denn Schätzungen zufolge ist jede zehnte Wohnung von einem Schimmelpilzbefall im Innenraum betroffen.
Des Weiteren ist eine medikamentöse Behandlung gegen die Symptome eine weitere Möglichkeit. Hier werden häufig Antihistaminika, Corticosteroide wie bspw. Cortison und Cortisol sowie generell Antiallergika verwendet.

Videoexkurs: Cortison
Ein Mittel, das bei allergischen Reaktionen helfen kann, ist Cortison. In welchen Fällen Cortison noch helfen kann, wie es verabreicht wird und welche Nebenwirkungen dabei entstehen können, verrät Dr. Tobias Weigl in diesem Video.

Eine weitere Möglichkeit, eine Schimmelpilzallergie zu behandeln, ist die Desensibilisierung. Eine Desensibilisierung kann nicht nur einen sogenannten Etagenwechsel der Krankheit verhindern (also das Übergreifen auf andere Regionen des Körpers), sondern auch die durch die Allergene hervorgerufene Symptomstärke nachhaltig verringern. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten der Desensibilisierung:

  • Bei der subkutanen Immuntherapie (kurz SCIT) wird ein Allergenextrakt in die Haut injiziert (sub (lat.) unter; kutan (vom lat. Cutis) Haut)
  • Bei der sublingualen Immuntherapie (kurz SLIT) wird ein Allergenextrakt unter die Zunge getropft (lingua vom lat. Zunge)

Das Ziel beider Therapieformen ist es, den Körper langfristig an die allergieauslösenden Antigene zu gewöhnen. Neue Studien haben nachgewiesen, dass eine SLIT eine gute Verträglichkeit aufweist und zu einer besseren Symptomkontrolle führt. Daher kann nach einer erfolgreichen Behandlung auch die Medikationsdosis gesenkt werden. Allerdings ist ein Erfolg der Desensibilisierung nicht garantiert.

Häufige Patientenfragen

Woran erkenne ich eine Schimmelpilzallergie?

Dr. T. Weigl
Eine Schimmelpilzallergie unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht wirklich von anderen Allergien. Das liegt daran, dass sich zwar die Proteine und auch die Antigene und Antikörper unterscheiden, die Reaktion des Körpers aber sehr ähnlich ist.
Daher ist es sowohl für einen Laien als auch für den Arzt schwierig, eine Schimmelpilzallergie frühzeitig zu erkennen. Hilfreich ist es auf jeden Fall zu prüfen, in welchen Zusammenhängen die allergischen Symptome wie gereizte Augen, gereizter Rachen und Nase sowie Husten und Schleimbildung auftreten. Treten die Symptome nach dem Verzehr bestimmter Pilze auf oder nachdem man in einem feuchten Gebäude oder Raum war? Variiert die Stärke der Symptome nach Jahreszeiten? All dies können Hinweise sein, die dem Arzt im Gespräch helfen. Der Arzt kann daraufhin genauere Tests durchführen, die letztendlich zu einer Diagnose führen.

Kann eine Schimmelpilzallergie ein Anzeichen für eine andere Krankheit sein?

Dr. T. Weigl
Eine Schimmelpilzallergie kann aufgrund ihrer Kreuzreaktivität ein Hinweis auf andere Allergien bezüglich Pilze geben. So sollten Sie ihren Arzt fragen, welche Sensibilisierung Sie haben und ob diese mit anderen Reaktivitäten einhergehen kann. Die Schimmelpilzallergie kann aber darauf hinweisen, dass Sie zu lange im Kontakt mit Schimmelpilzsporen waren. Kommt dies in ihrer Wohnung oder ihrem Haus vor, sollten Sie versuchen, die Feuchte zu verringern oder im Zweifel andere Maßnahmen gegen den Schimmelbefall einzuleiten. Denn der Kontakt mit Schimmelpilzen kann auch außerhalb der Sensibilisierung gefährlich werden.

Muss man eine Schimmelpilzallergie behandeln?

Dr. T. Weigl
Generell ist es immer gut, gerade bei einer Schimmelpilzallergie, etwas dagegen zu unternehmen. Vor allem, wenn diese in der Wohnung ausbricht. Dementsprechend ist es ratsam, sich um eine Reduzierung des Kontaktes zu bemühen, ob man nun zum Arzt geht oder nicht. Dies ist insofern wichtig, da Schimmelpilze auch für andere gesundheitliche Probleme sorgen können. Daher empfiehlt es sich immer, den Kontakt zu verringern. Bei der Behandlung der Symptome sollte selbst gefühlt werden, wie groß der Leidensdruck ist. Ist Ihr individueller Leidensdruck für Sie zu hoch, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen.
Eine generelle endgültige Behandlung der Schimmelpilzallergie, also eine Desensibilisierung, ist nicht immer erfolgreich und eher für Menschen, die aufgrund ihrer Lebensweise den Kontakt mit Pilzen bzw. Schimmelpilzen nicht vermeiden können, etwa Gärtner oder Müllmänner. Ob die Chancen auf eine Desensibilisierung in Ihrem Fall gut sind, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt.

Kann ich eine Schimmelpilzallergie selbst behandeln?

Dr. T. Weigl
Antihistaminika gegen Symptome einer Allergie bekommen Sie teilweise rezeptfrei. Allerdings sind nicht alle Medikamente gleich und unterscheiden sich bspw. in ihrer Wirkungsweise und können unter Umständen verschiedene Nebenwirkungen hervorrufen. Sprechen Sie also lieber mit Ihrem Arzt, bevor Sie eine Medikation beginnen.
Eine Reduzierung des Kontaktes mit den Schimmelpilzsporen kann je nach Situation selbst unternommen werden: Sie können zum Beispiel zu bestimmten Zeiten lüften, die Wohnung relativ trocken halten, feuchte Räume entfeuchten oder meiden und verschimmelte Lebensmittel rasch entsorgen.

„Endlich ist es etwas besser!“ Luisa wirft die letzten benutzten Taschentücher in den Müll. „Mit dem Luftentfeuchter hat das im Bad doch deutlich geholfen und die Antiallergika vom Arzt wirken auch.“ Tobias schaut sie dennoch etwas besorgt an: „Aber du hast noch immer die Allergie und wenn das von der Wand im Bad kommt, sollten wir mal schauen, ob wir da eine generelle Lösung für finden.“ Luisa kann nur zustimmen und die beiden fangen an, sich über Feuchtigkeit in Wohnungen zu informieren.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt. Autoren: Dr. Tobias Weigl, Mathis Gronau
Lektorat: Sebastian Mittelberg
Veröffentlicht: 01.12.2018

Quellen

  • Barbara K. Ballmer-Weber und Arthur Helbling (2017): Allergische Rhinitis. In: Schweizerisches Medizin-Forum 17/8, S. 179–186.
  • Sascha Al Dahouk und Wolfram Karges (2009): Innere Medizin… in 5 Tagen. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Marta F. Gabriel et al. (2015): From respiratory sensitization to food allergy: Anaphylactic reaction after ingestion of mushrooms (Agaricus Bisporus). In: Medical Mycology Case Reports 8, S. 14–16.
  • David Jara and Jay M. Portnoy (2014): Mold allergy revisite. In: Annals of Allergy, Asthma & Immunology 114, S. 83–89.
  • Amanda Rudert und Jay Portnoy (2017): Mold Allergy: is it real and what do we do about it? In: Expert Review of Clinical Immunology 13/8, S. 823–835.
  • Gerhard A. Wiesmüller (2017): Schimmelpilzexposition im Innenraum: Leitliniengerechte Diagnosepfade. In: Deutsches Ärzteblatt 114/10.
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