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Tierallergie – Symptome und Therapie bei Katzenallergie, Hundeallergie

„Eine Sensibilisierung auf Tiere kann gerade für Tierfreunde ein Problem werden, vor allem, weil die Allergie nicht nur auf ein Tier beschränkt sein kann. Aber es gibt Möglichkeiten, dem zu begegnen.“
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Eine Tierallergie, auch Haustierallergie genannt, ist die Sensibilisierung auf eines oder mehrere Proteine, welche von Tieren produziert werden. Kommt der Mensch in Kontakt mit diesen Proteinen, lösen diese die für Allergien bekannten Symptome aus. Entgegen der geläufigen Meinungen handelt es sich hierbei nicht um eine Tierhaarallergie, denn die Proteine stecken nicht nur im Fell der Tiere. Der Fehlschluss könnte daher rühren, dass die Allergene meist von Tieren mit Fell produziert werden.

 

 

„HATSCHI!“ Jan hält sich ein Taschentuch vor den Mund. „Ich glaube, ich komme nicht mehr zum Kartenspielen zu dir“, sagt er und schnäuzt sich die Nase. „Das hält ja keiner mehr aus!“ Michael nimmt schützend seinen Kater Mikesch in den Arm. „Tut mir leid, dass mein Kater dich so stört“, sagt er beleidigt. „Stören ist ja wohl untertrieben! Ich kann nichts machen, wenn ich hier bin. Die Nase läuft, die Augen tränen und mich juckt’s am ganzen Körper! Wie soll ich da bitte irgendwas machen?“ Michael setzt seinen Kater einen Raum weiter ab. „Ich verstehe,“ sagt er etwas verständiger. „Ich schaue mal, wie das mit einer Allergie ist und was wir da machen können. Vielleicht finden wir ja eine Lösung.“ Schniefend nickt Jan und geht ins Bad, um sich die Augen auszuwaschen. Michael beginnt derweil, sich zu informieren.

Was ist eine Haustierallergie?

Eine Tierallergie oder Haustierallergie tritt auf, wenn der Mensch nach einer Sensibilisierung in Kontakt mit spezifischen Proteinen dieser Tiere in Kontakt kommt. Diese Proteine können über die Haut, den Speichel, die Haare des Tieres oder auf weitere Weise verteilt werden. Im Normalfall passiert nichts, wenn diese Proteine in den Körper gelangen. Eine Sensibilisierung bedeutet, dass der Körper gegenüber diesen Proteinen sensibilisiert wurde, also diese als fremd wahrnimmt, sobald sie erneut in den Körper eindringen. Dann beginnt der Körper, diese zu bekämpfen. Allergiesymptome sind daher Anzeichen dafür, dass der Körper diese Stoffe bekämpft.

Im Wohnbereich sind Haustiere nach Hausstaubmilben die zweithäufigste Ursache für eine allergische Reaktion. Allerdings beschränkt sich diese Allergie zumeist nicht auf nur eine Tierart, weisen dementsprechend sogenannte Kreuzreaktionen auf. Eine Kreuzreaktion bedeutet, dass aufgrund der Struktur der betreffenden Proteine, Proteine mit einer ähnlichen Struktur zu denselben Symptomen führen können.

 

Bei welchen Tieren hatten Sie schon einmal eine allergische Reaktion? (Mehrfachnennung möglich)

Die Symptome: Woran erkenne ich eine Haustierallergie?

Die Haustierallergie hat ähnliche Symptome wie beispielsweise die Pollenallergie oder Hausstauballergie. Die häufigste Allergiereaktion ist die Typ-I-Reaktion (nach Coombs und Gell), welche auch Soforttyp genannt wird. Sie tritt meist innerhalb kurzer Zeit nach Kontakt mit dem Allergen auf, kann aber auch Spätphasenreaktionen zwischen 6 und 12 Stunden nach Kontakt aufweisen.

Die häufigsten allergischen Reaktionen sind hierbei:

  • Juckreiz auf der Haut, an den Schleimhäuten und an den Augen
  • laufende Nase, Schleim im Hals etc.
  • Ödeme (Wasseransammlungen)
  • Krampf der Bronchienmuskulatur, also an der Lunge (sog. ‚ Bronchospasmus‘)
  • Schmerzen durch Spastiken in Bereichen wie Magen, Darm, Pankreas etc. (sog. ‚Kolik‘)
  • Hautausschlag (auch Nesselsucht)
  • Anstieg der Herzfrequenz (sog. ‚Tachykardie‘)
  • Schwellungen der Augenlider, Lippen oder der Zunge (sog. ‚Angioödem‘)

Des Weiteren können sich Hals- Nasen- und Augenbereich so anfühlen, als würde sich ein Fremdkörper darin befinden.

Die Ursache: Tierproteine

Zum Grundverständnis: Proteine, Allergene und Antigene

Bevor wir genauer auf die Ursachen eingehen, müssen zuerst 3 Begriffe kurz erklärt werden: Allergene, Proteine und Antigene.

Antigene sind Substanzen, meistens Proteine, die sich mit einem Antikörper binden. Ihren Namen kann man sich daher merken als Antikörper generierend. Sie befinden sich zumeist auf der Oberfläche des Fremdkörpers (z.B. des Haares) und haben eine Struktur, die von den Antikörpern erkannt wird und an die dieser sich bindet. Dies ist ein Mechanismus zum Schutz des Körpers. Sie können die Wird ein Antigen vom Immunsystem als fremd erkannt, gilt es als Allergen und löst eine Immunreaktion aus.

Allergene sind in der Regel ebenfalls Proteine. Wie oben erklärt, sind Allergene Substanzen, die vom Immunsystem als fremd erkannt werden und zu Reaktionen des Immunsystems führen. Allergische Symptome sind daher Zeichen, dass der Körper den vermeintlichen Fremdkörper bekämpft.

Nun können Proteine Antigene sein oder Allergene. Proteine sind, generell gesprochen, biochemische Funktionsträger mit einer Reihe von Aufgaben in einem Organismus. Verschiedene Proteine haben verschiedene Funktionen und sind daher auch verschieden aufgebaut. Sie sind vielfältig und für den Körper so wichtig, dass sie ca. 15 % der Körpermasse ausmachen. Daher sind nicht alle Proteine Antigene oder Allergene, genauso wie nicht alle Allergene oder Antigene Proteine sind.

3 Allergenfamilien tierischen Ursprungs

Die Allergene, die zum Ausbruch der Allergie-Symptome führen, lassen sich bislang in 3 große Proteinfamilien unterteilen:

  • Sekretoglobine
  • Uteroglobine
  • Lipokaline

Dazu kommen noch im geringeren Maße Latherin bei Pferden und Serumalbumin.

Die Allergene, welche unter diese Proteinfamilien fallen, haben meist eine Abkürzung, die mit dem lateinischen Namen des Haustieres einhergeht. So heißen die Allergene, die bei Katzen vorkommen, ‚Fel d‘ vom lateinischen felis domesticus. Beim Hund, dem canis familiaris, heißen die Allergene daher ‚Can f‘. Bei Pferden, den equi caballi, ‚Equ c‘.

Es ist des Weiteren wichtig anzumerken: Nicht alle Proteine dieser Proteinfamilien sind Allergene. So sind beispielsweise Proteine der Familie Lipokaline bei Menschen für Geruchswahrnehmung oder für Erregerabwehr in Körperflüssigkeiten zuständig. Es sind nur bestimmte Proteine dieser Familien, die als Allergene zu verstehen sind.

Die häufigsten Auslöser sind:

  • Fel d oder Uteroglobulin
  • Serumalburmin
  • Lipocalin
  • Latherin
  • Arginesterase (Prostata-Kallikrein)

Welches Allergen stammt von welchem Tier?

Prof. Dr. Med. Barbara Ballmer-Weber, Chefärztin der Dermatologie und Allergologie in Luzern, und Prof. Dr. med. Arthur Helbling, Leiter der Abteilung für Allergologie am Universitätsspital in Bern, forschen schon lange auf dem Gebiet.
Sie haben im Rahmen einem Fachartikel über saisonale allergische Rhinitis eine Tabelle erstellt, die genauer darstellt, wo diese Allergen bei bestimmten Tieren zu finden sind. Diese Tabelle finden Sie auch hier:

Tiere und ihre Allergene

Tier und AllergenProteinfamilieVorkommen
Katze (felis domesticus)
Fel d 1Uteroglobin /
Sekretoglobine
Talg-, Speichel- & Analdrüsen
Fel d 2SerumalbuminSpeichel, Fell, Serum
Fel d 4SerumalbuminSpeichel, Serum, Urin, Hautschuppen
Hund (canis familiaris)
Can f 1LipokalinSpeichel, Haare, Schuppen
Can f 2LipokalinSpeichel, Haare, Schuppen
Can f 4LipokalinFell
Pferd (Equus caballus)
Equ c 1LipokalinSpeichel, Fell, Urin, Serum
Equ c 4LatherinHautschuppen
 
Natürlich können auch andere Tiere allergische Reaktionen verursachen, wie beispielsweise Kaninchen oder Meerschweinchen, Mäuse, Ratten, Hamster oder andere Nager. Da die Allergie gegenüber diesen Tieren allerdings nur selten Symptome zeigt, sind sie meist eher im Hintergrund der Forschung.

Kreuzreaktionen: Verschiedene Tiere, gleiche allergische Reaktion

Die Tabelle gibt bereits eine mögliche Ursache für die hohe Rate an Kreuzreaktionen bei Allergikern. Das liegt daran, dass viele Allergene unterschiedlicher Tieren zu den gleichen Proteinfamilien gehören (wobei natürlich, wie oben erwähnt, nicht alle Proteine der gleichen Familie zu allergischen Reaktionen führen). Trotz alledem ist die Kreuzreaktion bei Haustierallergikern enorm hoch. Bei Hunden sind 87 % der Allergiker auch auf andere Tiere allergisch, bei Pferden sogar bis zu 94 %. Nur bei Katzen ist die Wahrscheinlichkeit einer monovalenten Sensibilisierung hoch (also einer Sensibilisierung nur auf Katzen), wenn auch hier nur bei 50 %.

Diese Kreuzreaktion ist allerdings nicht nur auf Tierhaare oder -speichel beschränkt. So sind beispielsweise Proteine der Familie Serumalbumin auch in Fleisch und Milch enthalten, was zum sog. ‚cat pork syndrome‘ führen kann, also einer Allergie sowohl auf Katzen als auch Schweinefleisch. Natürlich muss hier gesagt werden, dass Allergien auf verschiedene Tiere oder Tierprodukte nicht immer Kreuzreaktionen sein müssen. Es können auch schlicht mehrere Sensibilisierungen auf verschiedene Proteine vorliegen.

Welches Tier passt zu mir?

Wer eine Katzenallergie hat, hat sich vielleicht schon einmal gefragt, ob ein Hund als Haustier die angemessene Alternative sein könnte. Diese Entscheidung ist aufgrund der Querverbindungen zwischen den Allergenen eine problematische Alternative, da 48 % der Katzenallergiker auch auf Hunde allergisch reagieren. Daher würde sich im Zweifelsfall eher die Anschaffung eines hypo-allergenen (weniger allergenen) Tieres empfehlen, als auf einen Hund umzusteigen (wobei auch hier gewisse Probleme auftreten können).

Bei einer Hundeallergie wiederum kann es sich lohnen, zu testen, auf welches Protein man allergisch reagiert. Das Antigen Can f 5 wird nur von männlichen Hunden produziert. Daher ist eine Hündin für Menschen, die nur auf dieses Antigen bei Hunden allergisch sind, unbedenklich. Da dieses Antigen ein Prostataantigen ist, also in der Prostata gebildet wird, kann es in seltenen Fällen dazu kommen, dass sich die Sensibilisierung auch auf menschliche Prostataantigene ausweitet und somit bspw. Frauen auf Sperma allergisch reagieren können

Hypo-allergene Rassen – eine mögliche Lösung?

Hypoallergen bedeutet im Grunde, dass der Gegenstand, das Lebensmittel oder das Tier wenig oder kaum Allergene in sich trägt. Er bzw. es löst also von sich aus keine oder nur in geringen Fällen allergische Reaktionen aus. Gerade bei Haustieren wurden viele Rassen gezüchtet, die angeblich weniger Allergene produzieren oder aussondern als ihre Verwandten. Zu diesen hypo-allergenen Tieren gehören Hunderassen wie beispielsweise:

  • Labradoodle
  • Pudel
  • Portugiesischer Wasserhund

Hier muss allerdings deutlich gesagt werden, dass es keine wissenschaftlichen Hinweise gibt, dass diese Tierarten wirklich geringere Mengen der allergie-auslösenden Stoffe Fe d (1–4) oder Ca f (1–5) aufweisen. Diverse Studien konnten keinen Unterschied feststellen, als sie die Konzentration der Allergene in „nicht-hypo-allergenen“ Hundehaaren und angeblich „hypo-allergenen“ Hundehaaren untersuchten. Gleiches gilt für Katzen.

Dies soll allerdings nicht heißen, dass hypo-allergene Tierrassen nicht eine Linderung der Symptome bedeuten können. Mehr als 80 % von Befragten mit hypo-allergenen Hunden gaben an, weniger Symptome zu haben. Das heißt nicht, dass diese Tiere weniger allergieauslösend sind als andere Tiere, sie aber doch zur Leidensdruckverringerung beitragen können.

Bei Katzen gilt dies genauso. Dabei ist noch anzumerken, dass Nacktkatzen wie die Sphynx-Katze aufgrund ihres fehlenden Felles weniger allergen sein, ein Mythos ist. Das Allergen Fe d 1 gelangt nämlich nicht nur über ausgefallenes Haar, sondern auch über andere Ausscheidungen in die Umwelt.
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Welche dieser Symptome treten bei einer allergischen Raktion auf Tiere bei Ihnen auf? (Mehrfachnennungen möglich)
 

Gut zu wissen: Inhalationsallergien
Inhalationsallergien sind Allergien, bei denen die Allergene eingeatmet werden. Darunter sind Tierhaare nach Pollen die zweithäufigste Ursache für allergische Reaktionen. Hier sind Katzen die die häufigsten „Übeltäter“, gefolgt von Hunden.

Wer leidet an Haustierallergie?

Die Anzahl der Menschen, die auf Haustiere allergisch sind, ist relativ gering. In der Schweiz sind es ca. 4, in Deutschland 10 und in Österreich 12 Prozent der Bevölkerung. Aufgrund der Tatsache, dass Haustiere auch im Freien herumlaufen und Haustierbesitzer die Allergene verbreiten, ist es schwierig, das Allergen vollständig zu meiden. Natürlich ist die Menge meist nicht hoch genug, um eine allergische Reaktion auszulösen, aber sie kann bestehende Probleme verschlimmern. So hat eine Studie ergeben, dass sich das Asthma von Schulkindern verschlimmert, wenn in ihrem Klassenzimmer 18 % oder mehr Kinder zu Hause Kontakt mit Haustieren haben.

Achtung!
Im Zusammenhang mit Haustieren gibt es nicht nur die Tierallergie, sondern auch die Tierfutterallergie. Diese beschränkt sich nicht nur auf pelzige Tiere, sondern kann auch bei Tierfutter für Fische, Reptilien, Vögel und Amphibien auftreten.

Was tut der Arzt? Die Diagnose

Der erste Schritt, um eine Diagnose stellen zu können, ist für den Arzt meist die Anamnese, also das Patientengespräch. Beschreiben Sie Ihre Symptome möglichst genau, sodass sich der Arzt ein Bild der Krankheit machen kann. Die Symptome einer Tierallergie können allerdings auch auf andere Allergien oder auch andere Krankheiten schließen lassen. Teilen Sie in dem Gespräch daher am besten nicht nur die Symptome selbst, sondern auch ihre Häufigkeit, die Zeiträume und Ihr Verhalten bei ihrem Auftreten mit. Der Verdacht auf eine Tierallergie liegt natürlich dann nahe, wenn die Symptome häufig während oder nach Kontakt mit einem Tier oder mehreren Tieren auftreten.

Damit ist allerdings weder vollständig belegt noch klar, welches Tier bzw. welches Protein genau die Allergie hervorruft. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, eine genaue Diagnose zu bekommen. Beim Pricktest, wird eine Stelle der Haut (zumeist der Unterarm) mit Allergen konfrontiert, um eine Reaktion festzustellen. Die Konfrontation findet durch einen kleinen Stich in die Haut statt. Da dabei mehrere mögliche Allergenen eingesetzt werden, werden die Einstichstellen häufig mit Schrift markiert. Bereits nach 15 Minuten kann erkannt werden, welches Allergen welche Reaktion auslöst.

Eine weitere Möglichkeit ist der Test in vitro, also im Reagenzglas. Dabei wird Blut abgenommen, um festzustellen, um welche Sensibilisierung es sich handelt. So können bestimmte Antikörper identifiziert werden, die sich bei einer allergischen Reaktion bilden.

Was tut der Arzt dann? Und was können Sie tun? Die Behandlung

Wie bei den meisten Allergien gibt es drei Möglichkeiten, gegen die Allergie vorzugehen: Die Symptombehandlung, die Reduzierung des Kontaktes mit dem Allergen und eine Desensibilisierung.

Die Symptome behandeln

Die Symptombehandlung ist fast immer angeraten, da sie nicht nur den Leidensdruck senkt, sondern auch bis zu einem gewissen Grad einen Etagenwechsel der Allergie verhindern kann (also ein Übergreifen auf andere Teile des Körpers). Hierbei spielen gerade Antihistaminika wie Cetiricin eine große Rolle, da diese die Überreaktion des Immunsystems verringern. Hierzu sollte gesagt werden, dass nicht jedes Antihistaminikum gezielt für Allergien bestimmt ist. Je nach Art können die Mittel auch zu starken Nebenwirkungen führen. Es sei daher geraten, sich über die Einnahme von Medikamenten vorher mit einem Arzt zu beraten.

Kontakt verringern

Auch die Verringerung des Kontaktes mit dem Allergen, also dem Tier/den Tieren ist dringend angeraten. Obwohl tierische Allergen, gerade in Ländern mit hoher Haustierquote, auch in öffentlichen Räumen zu finden sind (Spielplätze, Flugzeuge, Büroräume etc.), kann man den Kontakt durch gezielte Handlungen verringern, auch für Haustierbesitzer mit Allergikern in ihrem Umkreis:

  • Haustiere regelmäßig und gründlich waschen. Dies kann die Allergiesymptome nachweislich verringern. Ein Hund beispielsweise sollte dafür allerdings 2 Mal die Woche gewaschen werden – was wiederum viele Tierärzte und Züchter ablehnen.
  • Hände waschen, falls diese in Kontakt mit den Tieren gekommen ist – vor allem, um unbewussten Kontakt mit den Schleimhäuten der Nase und Augen zu vermeiden
  • Kleidung, die in Kontakt mit Tieren gekommen ist, nicht im gesamten Wohnraum tragen und am Besten nicht im Schlafzimmer tragen
  • Regelmäßiges Putzen der Wohnung. Vor allem, nachdem Tiere in der Wohnung waren oder Kleidung in Kontakt mit Tieren gekommen ist und in der Wohnung getragen wurde.
  • Bei einigen Tieren kann eine Kastration auch den Ausstoß gewisser Proteine verringern. Hierbei sollte natürlich vorher mit dem Arzt und Tierarzt gesprochen werden, ob diese Maßnahme im individuellen Fall möglich bzw. hilfreich ist

Hier ist wichtig anzumerken, dass die Vermeidung von Kontakt mit Tieren und deren Allergenen gerade für Klein- und Grundschulkinder nicht ratsam ist. Wird bei diesen der Kontakt verringert, kann die Wahrscheinlichkeit von Asthma oder Sensibilisierung steigen! Dass erhöhter Kontakt in diesem Alter zu einer Entwicklung von Allergien führen kann, ist ebenfalls nicht bewiesen. Bei Tieren wie Hasen oder Nagern ist dies jedoch noch nicht völlig klar.

Die Lebenssituation der betroffenen Person lässt nicht immer zu, den Kontakt mit Tieren zu vermeiden. Ist beispielsweise ein Tier bereits im Haushalt oder hat man aus beruflichen Gründen mit Tieren zu tun (als Tierarzt, Tierheimmitarbeiter, Landschaftsgärtner usw.), kommt man um die Nähe von Tieren nicht herum. Dann ist eine Desensibilisierung ratsam.

Desensibilisierung

Eine Desensibilisierung kann nicht nur einen Etagenwechsel der Krankheit verhindern (also das Übergreifen auf andere Regionen des Körpers), sondern auch die Symptomstärke nachhaltig verringern. Es gibt zwei verschiedene Weisen, auf die eine Desensibilisierung durchgeführt werden kann. Die subkutane und die sublinguale Immuntherapie.

  • Bei der subkutanen Immuntherapie (kurz SCIT) wird ein Allergenextrakt in die Haut injiziert (von lat. sub ‚unter‘ und lat. cutis ‚Haut‘).
  • Bei der sublingualen Immuntherapie (kurz SLIT) wird ein Allergenextrakt unter die Zunge getropft (von lat. lingua ‚Zunge‘).

Das Ziel beider Therapieformen ist es, den Körper langfristig an die allergieauslösenden Antigene zu gewöhnen. Neue Studien haben nachgewiesen, dass eine SLIT relativ gut verträglich ist und zu einer besseren Symptomkontrolle führt. Daher kann nach einer erfolgreichen Behandlung auch die Medikationsdosis gesenkt werden. Allerdings ist ein Erfolg der Desensibilisierung nicht garantiert.

Video-Exkurs: Cortison

Ein Mittel, welches bei allergischen Reaktionen auch helfen kann, ist Cortison. Wobei Cortison noch helfen kann, wie es verabreicht wird und welche Nebenwirkungen dabei entstehen können, verrät Doktor Tobias Weigl in diesem Video

Häufige Patientenfragen

Woran erkenne ich eine Haustierallergie?

Dr. T. Weigl:
Eine Haustierallergie äußert sich durch ähnliche Merkmale wie die meisten anderen Allergien auf Proteinbasis. Niesen, laufende Nase, gereizte Augen und Bronchien und andere typische Symptome. Natürlich lässt sich dadurch nicht genau sagen, worauf Sie allergisch sind. Dabei lohnt es sich, genauer zu beobachten, wann diese Symptome auftreten. Hatten Sie bei Ausbruch der letzten Symptome kurz zuvor Kontakt mit einem Tier oder waren in einer Wohnung mit Haustieren? Waren es immer die gleichen Tiere? Solche Fragen können helfen, eine Tier- bzw. Haustierallergie genauer bestimmen zu können. Haben Sie einen Verdacht, gehen Sie zum Arzt und sprechen Sie mit ihm über Ihre Beobachtungen. Im Anschluss können weitere Tests für Gewissheit sorgen.

Kann eine Haustierallergie ein Anzeichen für eine andere Krankheit sein?

Dr. T. Weigl:
Eine Tier- oder auch Haustierallergie kann auch ein Hinweis auf andere Allergien sein. Da man nicht auf das Haar oder den Speichel an sich allergisch reagiert, sondern auf gewisse Proteine, kann es zur sogenannten Kreuzreaktion kommen. Haben also andere Organismen ähnliche Proteine, kann es passieren, dass der Körper diese ebenfalls als fremd erkennt und bekämpft. So ist es wahrscheinlich, dass Katzenallergiker auch auf Hunde allergisch sind oder auch auf Pferde. Aber es kann auch Dinge betreffen, die man vorher vielleicht nicht im Blick hatte. So können gewisse Fleischsorten auch zu allergischen Reaktionen führen, wenn man auf gewisse Tierproteine allergisch ist. Auch hierbei hilft es, die Situation mit einem Arzt zu besprechen und für Gewissheit zu sorgen.

Muss man eine Haustierallergie behandeln?

Dr. T. Weigl:
An sich sollte eine Allergie immer mindestens insofern behandelt werden, als dass der Betroffene das Allergen meiden sollte. Haben Sie also eine Haustierallergie, ist es besonders ratsam, sich kein Haustier anzuschaffen, das diese Allergie auslöst. Eine Konfrontation ohne Behandlung kann nämlich zu einem sogenannten Etagenwechsel führen, also einem Ausbreiten oder Wechseln der Symptome auf andere Organe. So kann zum Beispiel Asthma entstehen. Eine Behandlung durch leidenssenkende Mittel, wie Antihistaminika oder in gewissen Fällen auch Cortison, empfiehlt sich ebenfalls, da sie bis zu einem gewissen Grad Normalität wiederherstellen können.

Muss ich mit einer Haustierallergie zum Arzt gehen oder kann ich sie selbst behandeln?

Dr. T. Weigl:
Aufgrund der Möglichkeit eines Etagenwechsel ist es auf jeden Fall ratsam, einen Arzt zu konsultieren, wenn sich Symptome einer Allergie zeigen. Dieser kann auch mit Tests feststellen, auf welches Protein genau man allergisch reagiert und somit die Behandlung besser fokussieren. Ist der Leidensdruck groß und überlegt man, Antihistaminika zu nehmen, lohnt sich ebenfalls, Ihren Arzt zu konsultieren. Dieser kann nämlich helfen, Dosis und Sorte der Medikation abzustimmen. Eine Desensibilisierung sollte nur unter ärztlicher Aufsicht geschehen, da mit dem Allergen gearbeitet wird und das Risiko eines anaphylaktischen Schocks, also einer allergischen Überreaktion besteht.

„So ist es besser!“, sagt Jan und streichelt Kater Mikesch vorsichtig hinter den Ohren. Michael schaut sich das Cetirizin genauer an. „Und das nimmst du, wenn du vorbeikommst?“ Jan nickt und zieht die Hand zurück, als Mikesch danach patscht „Ja genau. Hat der Arzt mir empfohlen. Außerdem werde ich dich jetzt in Zukunft häufiger einladen, dann kriegen wir das vielleicht etwas ausgewogener hin.“ Michael lacht. „Gute Idee! Hast du schon über eine Desensibilisierung nachgedacht?“ „Habe ich tatsächlich“, antwortet Jan. „Aber da muss ich noch mit meinem Arzt klären, wie hoch die Erfolgschancen sind. Versuchen kann man es ja trotzdem, ich bin da guter Dinge.“

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Autoren: Dr. Tobias Weigl, Mathis Gronau
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht am: 28.10.2018
 
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Ahmed Butt; Daanish Rashid; Firchard F. Lockey (2012): Do hypoallergenic cats and dogs exist?, in: Annals of Allergy, Asthma & Immunology: 108(2): S. 74–76.
  • Barbara K. Ballmer-Weber, Arthur Helbling (2017): Allergische Rhinitis: Eine Volkserkrankung des 20. Jahrhunderts, in: Swiss Medical Forum – Schweizerisches Medizin-Forum 17(8): S. 179–186.
  • Charlotte E. Nicholas u. a. (2011): Dog allergen levels in homes with hypoallergenic compared with nonhypoallergenic dogs, in: American Journal of Rhinology & Allergy; 25(4): S. 252–256.
  • Dennis Ownby; Christine Cole Johnson (2016): Recent Understandings of Pet Allergies, in: F1000Research: S. 108.
  • Richard F. Lockey (2012): The myth of hypoallergenic dogs (and cats), in: Journal of Allergy and Clinical Immunology: 130(4): S. 910–911.
  • Tuomas Virtanen (2018): Immunotherapy for pet allergies, in: Human Vaccines & Immunotherapeutics: 14(4): S. 807–814.
  • Wolfgang Hemmer (2015): Kreuzreaktionen bei Haustierallergien. Neue diagnostische Möglichkeit durch moderne molekulare Allergologie, in: hautnah 14: S. 16–20.
  • Wolfram Karges, Sascha Al Dahouk (2009): Innere Medizinin 5 Tagen. Springer Medizin Verlag, Heidelberg.
[Gesamt:2    Durchschnitt: 5/5]

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