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Aktuelle Forschung – Sind einfache Schmerzmittel wirksamer als Opioide bei Zahnschmerzen?

Opioide sind bei Zahnschmerzen zumeist nicht nur nutzlos, sondern können auch zu starken Nebenwirkungen führen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Der amerikanische Wissenschaftler Paul Moore, von der Universität Pittsburgh, hat eine Übersicht der Studien über frei in Apotheken erhältliche Scherzmittel im Vergleich zu Opioiden veröffentlicht. Er stützt sich dabei auf mehrere Analysen und Studien. Die besagen, dass rezeptfrei erhältliche Mittel, wie zum Beispiel Paracetamol, bei Zahnschmerzen besser und sogar risikofreier wirken als Opioide. Was da genau hinter steckt, inwiefern rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel besser sind als Opioide und was das für die Therapie bedeutet, erklären wir in diesem Artikel.

„Meine Güte, mein Zahn tut so weh! Eigentlich muss ich langsam los zum Zahnarzt, Aber ich glaube ich lasse den Termin sausen.“, seufzt Lisa beim gemeinsamen Kaffeetrinken mit ihrer Freundin Anne. „Ich habe tierisch Angst, dass ich nach der Behandlung noch mehr Schmerzen habe als jetzt schon.“ Sie verzieht das Gesicht. Anne lächelt: „Ach, geh besser zum Arzt, sonst wird es noch schlimmer. Und mach dir mal keine Sorgen. Mein Arzt hat mir beim letzten Mal einfach ein paar Opioide verschrieben, danach ging es.“ „Opioide?“, fragt Lisa skeptisch. „Sind das nicht diese starken Medikamente, die superschnell abhängig machen? Gibt es denn da keine andere Möglichkeit?“ „Keine Ahnung, aber von viel kommt viel.“, meint Anne achselzuckend. Lisa ist nicht überzeugt. Da gab es doch neulich erst einen Artikel zu, denkt sie sich und schaut auf ihrem Smartphone nach.

Bei einem Zahnarztbesuch haben die Patienten oft Angst, mit Schmerzen nach Hause zu gehen. Um dem entgegenzuwirken verschreiben Ärzte daher oft starke Medikamente, zum Beispiel Opioide. Lisas Bedenken sind berechtigt, denn das muss gar nicht immer sein. Werfen wir einen Blick auf Paul Moores Forschung zu rezeptfreien Schmerzmitteln und Opioiden.

Was genau hat die Wissenschaft herausgefunden?

Opioide als schnelle Schmerzstiller – Eine gängige Praxis

Paul Moore baute seine wissenschaftlichen Erkenntnisse auf bereits durchgeführten Studien und Untersuchungen auf. Denn Cochrane-Analysen (also Analysen eines weltweiten Netzes von Wissenschaftlern und Ärzten) zur Schmerzbehandlung haben bereits Ergebnisse zum Thema rezeptfreie Schmerzmittel und Opioide geliefert. Die Behandlungspraxis unter Zahnärzten macht es aber nötig, diese Analysen aufzugreifen:

  • Oral einzunehmende Analgetika (Medikamente, die zur Schmerzstillung oder -Linderung eingesetzt werden) werden häufig nach Zahnbehandlungen angewandt.
  • Es handelt sich dabei um Medikamente, die zur Behandlung von akuten oder chronischen Schmerzen eingesetzt werden.
  • Opioide sind prinzipiell Medikamente, die wegen ihrem hohen Potential für Abhängigkeiten erst in zweiter Linie bei Schmerzen angewandt werden sollten. Bekannte Vertreter dieser Medikamente sind zum Beispiel Tilidin oder Oxycodon.

 

Exkurs zu Tilidin

Was ist Tilidin?

Tilidin gehört zu der Gruppe der Opioide und ist ein Schmerzmittel. Es wird synthetisch hergestellt und gilt als schwaches Opioid, da es eine Potenz von 0,16-0,19 hat. Tilidin ist ein sogenanntes „Pro-Drug“: Bei der Einnahme ist der Wirkstoff inaktiv und wird erst durch die Verstoffwechselung im Körper in den wirksamen Stoff Nortilidin umgewandelt. Dadurch ist die Menge an tatsächlichem Wirkstoff wesentlich geringer als die Einnahmemenge (lediglich 33%).

Wann wird Tilidin eingesetzt?

Tilidin wird eingesetzt, wenn normale Analgetika, wie zum Beispiel Ibuprophen, nicht mehr zur Schmerzlinderung in dem gewünschten Maße ausreichen. Es wird vor allem bei starken Gelenkschmerzen (etwa durch Arthrose) eingesetzte, aber das ist nicht sein einziges Einsatzgebiet. Es wird auch bei starken Rückenschmerzen, Nervenschmerzen, Tumor- bzw. Krebsschmerzen und in der Anästhesie angewandt.
In Deutschland wird Tilidin vielseitig eingesetzt, es gibt es als Tropfen, Kapseln oder Retardtabletten (also Tabletten mit einer verlangsamten Wirkstofffreisetzung). So kann der Arzt individuell entscheiden, welche Darreichungsform bei dem jeweiligen Patienten am sinnvollsten ist und damit können Wechselwirkungen vermeiden werden.
Den vollen Artikel zu Tilidin lesen Sie hier.

Mehr Informationen zu Tilidin in diesem Video

Welche konkrete Wirkung haben die Opioide Tramadol und Tilidin? Was ist die typische Dosierung und welche Nebenwirkungen gibt es? Was sind die Besonderheiten dieser beiden Medikamente? Noch mehr zu Anwendung, Risiken und den Forschungsergebnissen aus ärztlicher Sicht verrät Dr. Tobias Weigl in folgendem Video.
Video: Schmerzexperte Dr. Weigl zu den Opioiden Tramadol und Tilidin

 

Studie zur Therapie und Ergebnisse

Bei der Behandlung von Zahnschmerzen wurden unterschiedliche Medikamente auf ihre Wirksamkeit getestet. Dabei wurden die Dauer der Wirkung, eventuelle Nebenwirkungen und die Wirksamkeit der Mittel zur Schmerzstillung beobachtet. Das Ergebnis: Die Einnahme von NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika, wie etwa Ibuprofen) zeigte die beste Balance zwischen Vor- und Nachteilen. Am besten bei Zahnschmerzen wirkte eine Kombination aus 400 mg Ibuprofen und 1.000 mg Paracetamol. Opioide dagegen, alleine oder auch kombiniert mit anderen Mitteln, halfen den Patienten weniger, zeigten aber gleichzeitig höhere negative Effekte. Sie waren dementsprechend nicht die besten Mittel, um Zahnschmerzen zu behandeln.

Mehr Informationen zu dem NSAR Paracetamol in diesem Video

Paracetamol ist eines der bekanntesten NSAR. Wie wirkt Paracetamol genau und welche Besonderheiten gilt es zu beachten? Was ist die typische Dosierung und welche Nebenwirkungen gibt es? Noch mehr zu Anwendung, Risiken und den Forschungsergebnissen aus ärztlicher Sicht verrät Dr. Tobias Weigl in folgendem Video.

 

Implikationen

Opioide (wie Tilidin, Tramadol, Oxycodon etc.) weisen die Gefahr von Abhängigkeiten auf. Zudem wirken sie trotz des herrschenden Vorurteils nicht so wirkungsvoll bei Zahnschmerzen. Effektiver und unkomplizierter sind hier rezeptfreie Analgetika.

Welche Abhängigkeiten werden durch Opioide ausgelöst?

Opioide bieten drei typische Gefahren, die zu einem Suchpotential der Medikamente führen. Besonders bei dauerhafter Einnahme sind diese zu beachten.

Toleranz
Toleranz bedeutet, dass sich der Körper an die Wirkung und Dosis eines Medikamentes gewöhnt, er reagiert also weniger auf den Wirkstoff. Das führt dazu, dass man mehr von dem Medikament einnehmen muss, damit es wirkt und auch, damit es noch ebenso stark wirkt. Doch hohe Medikamentendosen sind für den menschliche Körper sehr gefährlich. Eine erhöhte Menge des Medikamentes kann also schnell zu einer Überdosis führen, welche äußerst negative Folgen für den Patienten hat.

Physische Abhängigkeit
Physische Abhängigkeit bedeutet, dass der Körper negativ reagiert, wenn die Einnahme des Medikamentes ausgesetzt wird. Es kommt zu Entzugserscheinungen, bei Opioiden typisch sind zum Beispiel Symptome wie Herzrasen, Zittern und schlechte Stimmung.

Psychische Abhängigkeit
Psychische Abhängigkeit bedeutet, dass man einen starken Drang nach dem Medikament entwickelt. Der Patient empfindet Unruhe und Stress, die nur durch die Einnahme des Medikamentes beruhigt werden können. Die psychische Abhängigkeit entsteht bei längerfristiger Einnahme, bleibt aber auch länger bestehen als die physische Abhängigkeit.

 

Empfehlungen

Alle Medikamente haben nicht nur Wirkungen, sondern auch Nebenwirkungen. Diese sinnvoll gegeneinander abzugleichen ist wichtig, um eine optimale Schmerzbehandlung zu erzielen.
Beachten Sie, dass Opioide starke Schmerzmittel sind. Die Nebenwirkungen sind zwar eher gering, doch kann ihr Einnahme selbst nach kurzer Anwendung zu psychischen und auch physischen Abhängigkeiten führen.
Rezeptfreie Medikamente (NSAR, Paracetamol, etc.) sind daher häufig eine bessere Wahl, da sie nicht nur effektiver wirken, sondern auch weniger schnell zu Abhängigkeiten und Gewöhnungseffekten führen. Trotzdem sollte man bei der Einnahme aller Medikamente Vorsicht walten lassen und sie nicht vollkommen bedenkenlos einnehmen. Denn auch rezeptfreie Mittel wie Paracetamol haben nicht nur Vorteile, sondern auch Risiken. (Näheres dazu können Sie in diesem Artikel lesen.)

Häufige Patientenfragen

Wie lange sollte ich schmerzstillende Medikamente einnehmen?

Dr. T. Weigl
Schmerzstillende Medikamente, insbesondere verschreibungspflichtige, sollten immer der Absprache mit dem behandelnden Arzt entsprechend eingenommen werden. Da die dauerhafte Einnahme von Medikamenten, ganz besonders von Opioiden, zu Abhängigkeiten und besonders zu einem Gewöhnungseffekt führen kann, sollte diese vermieden werden.

 

Mein Arzt hat mir nach der Zahnbehandlung ein Opioid verschrieben, aber ich habe Angst vor den Risiken und Nebenwirkungen. Kann ich stattdessen einfach ein paar Ibuprophen nehmen?

Dr. T. Weigl
Bei der Einnahme von Analgetika zur Linderung oder Stillung von starken Schmerzen sollte stets ein Arzt, bzw. Schmerztherapeut konsultiert werden. Die nötige Behandlung der Schmerzen sollte nie durch Selbstversuche experimentell gesucht werden, da dies schnell zu Überdosierung führen kann und damit äußerst gefährlich ist. Auch frei erhältliche Analgetika wie Ibuprophen oder Paracetamol können Nebenwirkungen haben oder, bei falscher Anwendung, überdosiert werden. Die Beratung durch den Arzt ist daher immer wichtig, um solche Risiken zuvermeiden.

 

Kann ich statt Medikamenten aus der Apotheke auch auf Hausmittel zurückgreifen?

Dr. T. Weigl
Die häufige Einnahme von Medikamenten, besonders von starken Schmerzmitteln, vermeiden zu wollen ist durchaus verständlich. Doch Hausmittel sind starken Schmerzen eher nicht gewachsen. Werden Analgetika verschrieben, so besteht nach Arztansicht auch eine Indikation dazu. Das heißt, sie einzusetzen ist durchaus angebracht, um die notwendige Schmerzstillung oder -Linderung effektiv zu erreichen.

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„Habe ich’s mir doch gedacht“, meint Lisa zu Anne. „Ich brauche gar nicht gleich ein Opioid nehmen. Gut, dass ich skeptisch war.“ „Ja, du hast recht“, meint Anne überzeugt. „Es muss gar nicht direkt ein Opioid sein. Etwas ganz Normales aus der Apotheke reicht auch aus.“ Lisa trinkt ihren Kaffee aus. „Ich glaube ich bin jetzt bereit für meinen Zahnarzttermin.“

Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Sarah Sodke und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Andrea Lorenz
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Deutscher Ärzteverlag GmbH (2018): Zahnschmerzen: NSAID und Paracetamol wirksamer als Opioide.
    Abrufbar hier.
  • Paul A. Moore, Kathleen M. Ziegler, Ruth D. Lipman, Anita Aminoshariae, Alonso Carrasco-Labra, Angelo Mariotti (2018): Benefits and harms associated with analgesic medications used in the management of acute dental pain. An overview of systematic reviews, In: The Jounal of the American Dental Association, Volume 149, Issue 4, Pages 256–265.
    Abrufbar hier.
  • Moore RA, Wiffen PJ, Derry S, Maguire T, Roy YM, Tyrrell L. Non-prescription (OTC) oral analgesics for acute pain – an overview of Cochrane reviews. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 11. Art. No.: CD010794.
    Abrufbar hier.
  • Moore RA, Derry S, McQuay HJ, Wiffen PJ: Single dose oral analgesics for acute postoperative pain in adults. Cochrane Database Syst Rev. ; (9): CD008659. doi:10.1002/14651858.CD008659.pub2.
    Abrufbar hier.
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