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Opioid & Schmerzmittel Tramadol – Dosierung, Wirkung & Nebenwirkungen

Tramadol zum Beispiel hat ungefähr 10 Prozent der Potenz, also der Wirksamkeit, von Morphin, also ein Zehntel. Deswegen bezeichnet man es als schwach wirksames Opioid.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Was ist Tramadol?

Bei Tramadol handelt es sich um ein schwach wirksames Opioid. Angewendet wird dieser Arzneistoff zur Behandlung von mittelstarken bis starken Schmerzen. Im Jahre 1977 wurde es chemisch (sog. ‚synthetisch‘) von der Grünenthal GmbH hergestellt und als „Tramal“ (Handelsname) auf den Markt gebracht. Heutzutage findet es Verwendung in verschiedenen Bereichen der Medizin und wird außerdem in verschiedenen Darreichungsformen angeboten.

Wussten Sie schon?

Wussten Sie schon, dass die Wirkung von Tramadol bei 10–15 Prozent der europäischen Bevölkerung nicht so effektiv ist?

Diesem Umstand liegt eine genetische Veränderung zu Grunde, welche sich im Zuge der Evolution entwickelt hat (sog. ‚Polymorphismus‘). Aus diesem Grund muss bei der Gabe von Tramadol ohne oder mit geringer Wirkung unbedingt Rücksprache mit dem Schmerztherapeuten gehalten werden.

Wussten Sie schon, dass die Firma Grünenthal ursprünglich einen Hustenblocker (sog. ‚Antitussivum‘) entwickeln wollte?

Der Auftrag ging an einen damaligen Mitarbeiter, der zu Beginn ein Gemisch namens „L/201“ synthetisierte. Dieses zeigte jedoch nach pharmakochemischer Prüfung eine hohe schmerzlindernde (sog. ‚analgetische‘) Wirkung. Nach weiterer Forschung konnte schließlich ein bestimmter Teil des Gemischs (sog. ‚Isomer‘) getrennt bzw. isoliert und anschließend zum Wirkstoff „Tramadol“ synthetisiert werden.

Wussten Sie schon, dass eine Verbindung zwischen Tramadol und Antidepressiva besteht?

Den Grundbaustein von Antidepressiva stellen sogenannte „Serotonin-Wiederaufnahmehemmer“ dar, welche eine Erhöhung der Serotonin-Konzentration im Körper herbeiführen. Das Hormon Serotonin steuert verschiedene Gefühlszustände im menschlichen Körper. Während es Gefühle wie Gelassenheit, Entspannung und Zufriedenheit fördert, dämpft es Zustände der Angst, des Kummers, der Aggressivität und des Hungers. Die Verbindung von Tramadol zu anderen Antidepressiva ist in ebendieser Wirkweise zu finden. Details dazu finden Sie im folgenden Kapitel.

Wirkweise

Die Wirkweise von Tramadol ähnelt im Wesentlichen der Wirkweise aller Opioide. Im Nervengewebe befinden sich zelluläre Bindungsstellen (sog. ‚Opioidrezeptoren‘), an denen Tramadol als sogenannter Agonist binden kann. Dadurch werden verschiedene Signale weitergeleitet, die schließlich zur Minderung der Schmerzwahrnehmung führen.
Da Tramadol aber keine starke Bindung zu den Opioidbindungsstellen besitzt, wodurch ihre Wirkung auch schwächer wird, hilft es sich mit einem zweiten besonderen Wirkmechanismus aus. Es hemmt nämlich die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin in die Nervenzellen. Dadurch erhöht sich die Konzentration dieser im Körper und eine zusätzliche Dämpfung des Schmerzes bzw. der Schmerzweiterleitung wird herbeigeführt. Dies begründet ebenso die schwach antidepressive und angstlindernde (sog. ‚anxyolitische‘) Wirkung.
Im Folgenden werden verschiedene Wirkungen und Nebenwirkungen von Tramadol gelistet:
Wirkungen

  • euphorisierend
  • angstlindernd (sog. ‚anxiolytisch‘)
  • schmerzlindernd (sog. ‚analgetisch‘)
  • entspannend (sog. ‚sedierend‘)
  • Schwach antidepressiv

Nebenwirkungen

  • Verstopfung (sog. ‚Obstipation‘)
  • Blutdruck fällt ab (sog. ‚orthostatisch‘)
  • Verringerung der Atemfrequenz (sog. ‚Atemdepression‘)
  • Verkleinerung der Pupillen (sog. ‚Miosis‘)
  • Übelkeit und Erbrechen (sog. ‚Emesis‘)

 

Video: Die Opioide Tramadol und Tilidin erklärt

In diesem Beitrag geht Dr. Tobias Weigl auf die beiden Opioide Tramadol und Tilidin ein, die vor allem bei starken Schmerzen zum Einsatz kommen, und erläutert deren Wirkungen sowie Nebenwirkungen.

 

 

Einsatzgebiete

Obwohl Tramadol auf Grund seiner Wirkstärke (sog. ‚Potenz‘) im Vergleich zu Morphin als schwaches Opioid zählt, findet es Verwendung in verschiedenen Einsatz- und Anwendungsgebieten. Wenn klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen und Diclofenac nicht mehr ausreichen, um die Schmerzen zu lindern, findet eine Gabe von Tramadol statt.

Video: Ibuprofen und Diclofenac

In diesem Beitrag geht Dr. Tobias Weigl auf die Wirkungen sowie Nebenwirkungen der Schmerzmittel Ibuprofen und Diclofenac ein. Wieso eignen sich die beiden zur Entzündungshemmung, nicht aber zur Hemmung der Blutgerinnung?

 

Überwiegend wird Tramadol bei starken Gelenkschmerzen verwendet, welche durch degenerative Gelenkerkrankungen (z. B. sog. ‚Arthrose‘) entstehen. Hierbei kommt es zu einer „Abnutzung“ des Gelenks, wodurch belastungsabhängige Schmerzen im täglichen Aufgabenbereich entstehen.

  • Des Weiteren wird es bei starken Rückenschmerzen eingesetzt.
  • Auch bei der Behandlung von Nervenschmerzen (sog. ‚neuropathische Schmerzen ‘) kommt es zum Einsatz. Ein Beispiel hierfür wären Schmerzen (sog. ‚Phantomschmerzen‘), die nach einer Amputation aufkommen.
  • Weiterhin findet eine Gabe von Tramadol bei Tumorschmerzen bzw. Krebsschmerzen statt.
  • Typischerweise wird es auch bei postoperativen Schmerzen, also im Rahmen der Anästhesie, verwendet.

 

Anwendung und Dosierung

Da Tramadol in verschiedenen Gebieten der Schmerztherapie eingesetzt wird, kam es im Verlauf der Zeit zu einer recht breiten Darreichungsform. Tramdol kann abhängig von der Behandlung

  • peroral, beispielsweise als Tablette,
  • rektal, als Zäpfchen (sog. ‚Suppositorium‘) oder,
  • intravenös verabreicht werden.

In der folgenden Tabelle werden die Darreichungsform, die Dosierung sowie die Wirkdauer veranschaulicht:

Medikament/HandelsnameDarreichungsformDosierung (mg)Wirkdauer (h)

Tramadol
oral
oral retard
intramuskulös
25–150
150
25–100
6–9
11–14
6–9
Haben Sie schon einmal Tramadol genommen? Welche Nebenwirkungen haben sich bei Ihnen ergeben? (Mehrfachnennungen möglich)
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Was sind die Gefahren einer dauerhaften Einnahme?

Allgemein besitzen Opioide 3 typische Gefahrensarten, die abhängig von der anwendenden Person stark oder schwach ausgeprägt sein können. Eine längerfristige Einnahme von Tramadol kann diese Gefahren bestärken.
Eingeteilt werden diese in drei Kategorien.

  • Toleranz (Gewöhnung)
  • Physische Abhängigkeit
  • Psychische Abhängigkeit

Die Toleranz beschreibt ein einfaches Phänomen. Sie sagt aus, dass sich der Mensch bzw. der Organismus an die Dosierung gewöhnt hat und die Wirkstärke des Wirkstoffes dabei subjektiv abnimmt. Es muss auf eine höhere Dosierung zurückgegriffen werden, um dieselbe schmerzlindernde Stärke, die man bei der ersten Einnahme hatte, zu erzielen.
Nachdem die Dosis jedoch erhöht wurde, findet erneut eine Gewöhnung an diese Dosis statt und der Prozess nimmt erneut seinen Lauf. Gerade bei Opioiden wird diese Gefahr als hoch angerechnet, da sie eine euphorisierende Wirkung besitzen. Im Fall von Tramadol kommt ebenfalls die antidepressive Wirkung hinzu. Die damit zusammenhängende Suchtgefahr bzw. der Missbrauch dieser Droge steigern die Gefährlichkeit von Tramadol.
Je nach Individuum zeigt sich die Wirkung anders und die Ausprägung zeigt sich auf verschiedene Art und Weise. Das heißt: Es ist kaum absehbar, wie schnell die Toleranzentwicklung verläuft.

Die Absetzung einer Droge kann je nach Wirkung zu Entzugserscheinungen infolge einer physischen Abhängigkeit führen. Begünstigt werden diese Entzugserscheinungen, wenn eine längerfristige Einnahme des Wirkstoffes stattfand.
In der Regel kommt es dann zu den hier gelisteten Folgeerscheinungen:

Im Rahmen einer psychischen Abhängigkeit ist „Craving“ ist das Stichwort. Bei einer dauerhaften Einnahme gewöhnt sich der Körper so sehr an den Wirkstoff, dass dem Menschen ein Absetzen des Medikaments unmöglich erscheint.
Die Sehnsucht nach dem Medikament steigt von Tag zu Tag. Bei einem Opioid-Entzug sorgt diese Art von Abhängigkeit für einen Rückfall. Eine Abhängigkeit der Psyche dauert in der Regel länger als eine physische Abhängigkeit.

Verwandte Substanzen bzw. weitere Opioide

In der Schmerztherapie gibt es neben Tramadol weitere Opioide, die Anwendung finden. Im Folgenden werden einige dieser Opioide gelistet:

Obwohl sie der Stoffklasse der Opioide angehören, besitzen sie Unterschiede in der Struktur und in der Wirkweise bzw. -stärke. Die Verträglichkeit und Resorption des Körpers ist abhängig vom jeweiligen Individuum besser oder schlechter. Mit einer Therapeutischen Potenz (Wirkstärke) von 1 dient Morphin als Referenzwirkstoff hinsichtlich anderer Wirkstoffe. Ein Blick auf die nachfolgende Tabelle zeigt, dass Tramadol 10-mal so schwach wie Morphin ist, weshalb es als schwaches Opioid angesehen wird.

OpioidTherapeutische Potenz
Tramadol0,1
Tilidin0,16–0,19
Morphin1
Hydromorphon7,5
Fentanyl100

Exkurs aus der Natur

Weitere Möglichkeiten, Schmerzen zu lindern, können in der Natur gefunden werden. Sie stellen zwar keinen exakten Vergleich zum Wirkstoff bzw. Medikament dar, liefern aber eine ähnliche Wirkung.
Im Folgenden wird auf zwei dieser Alternativen eingegangen:

  • Die Afrikanische Teufelskralle wird bei verschiedenen Beschwerden angewendet. Die Anwendung ist zur Beseitigung von Appetitlosigkeit und Oberbauchbeschwerden (sog. ‚dyspeptische Beschwerden‘) gedacht. Doch auch bei Rücken- und Gelenkschmerzen, welche sogar auf degenerative Erkrankungen der Bewegungsapparatur zurückzuführen sind (z. B. Arthrose) findet sie Verwendung. Sie besitzt ebenso wie Tramadol eine schmerzlindernde Wirkung.
  • Das ätherische Öl des Kampferbaums liefert den weißen Feststoff Campher. Als Salbe aufbereitet kann dieser zur Behandlung von Muskelschmerzen eingesetzt werden. Ebenfalls findet er Verwendung bei Weichteilrheumatismus und gelegentlich bei Herzbeschwerden. In der Pharmazie wird er aufgrund seiner breitgefächerten Wirkung für verschiedene Therapien als Wirkstoff eingesetzt.

 

Häufig gestellte Fragen

Wie gehe ich vor, wenn die schmerzlindernde Wirkung von Tramadol nicht ausreicht?

Dr. T. Weigl
Bei sehr starken Schmerzen oder wenn sich bereits eine Toleranz eingestellt hat, ist Tramadol wirkungslos. In diesem Falle sollten Sie die Dosis allerdings nicht selbstständig erhöhen. Viel wichtiger ist es, das weitere Vorgehen mit einem Schmerztherapeuten zu besprechen und mit ihm den bestmöglichen Weg bzw. die bestmögliche Therapie zu wählen.

 

Handelt es sich bei Tramadol um ein Betäubungsmittel (sog. ‚Btm‘)?

Dr. T. Weigl
Obwohl es sich hier um ein Opioid-Analgetikum handelt, unterliegt Tramadol in Deutschland nicht dem Betäubungsmittelgesetz.

 

Was muss ich bei der Einnahme von Tramadol beachten?

Dr. T. Weigl
Wichtig ist, was man zusätzlich einnimmt. Je nachdem, was neben Tramadol eingenommen wird, kann es zu verschiedenen Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen kommen.
Ein Beispiel dafür wären Benzodiazepine (sog. ‚Tranquilizer‘), welche als Psychopharmaka primär angstlösende (sog. ‚anxiolytische‘) und entspannende (sog. ‚sedierende‘) Wirkungen aufweisen. In Kombination mit diesen kann es zu einer Dämpfung des Atemzentrums und schließlich möglicherweise zu Atemstillstand kommen.

Haben Sie Erfahrungen mit Tramadol gemacht? Möchten Sie sich bei uns über den Wirkstoff erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Autoren: Schajan Salahijekta und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Tobias Möller

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Cepeda M.S. et al. (2007): Tramadol for osteoarthritis: a systematic review and metaanalysis, in: J Rheumatol. 2007 Mar;34(3):543–55.
  • Volker Fintelmann, Rudolf F. Weiss (2009): Lehrbuch Phytotherapie, 12. Auflage. Hippokrates Verlag, Stuttgart.
  • The Merck Index: An Encyclopedia of Chemicals, Drugs, and Biologicals, 14. Auflage (Merck & Co., Inc.).
  • Heinz Schilcher et al. (2016): Leitfaden Phytotherapie, 4. Auflage. Elsevier Verlag GmbH, Urban & Fischer Verlag, München.
  • Hans Walter Striebel (2001): Therapie chronischer Schmerzen: Ein praktischer Leitfaden, 4. Ausgabe. Schattauer Verlag, Stuttgart.
[Gesamt:8    Durchschnitt: 4.4/5]

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