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Abgebrochener Zahn – Behandlung und Erste Hilfe bei einer Zahnfraktur

Ein abgebrochener Zahn ist in der Regel kein Grund zur Panik. In den allermeisten Fällen kann ein solcher Schaden gut behandelt werden. Um mögliche Folgeschäden zu vermeiden, sollte Sie aber so schnell wie möglich einen Zahnarzt aufsuchen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Ein abgebrochener Zahn oder ein abgebrochenes Zahnstück ist für die meisten zunächst ein Schockmoment: Plötzlich gibt es eine leere Stelle in der Zahnreihe, die, besonders wenn die vorderen Zähne betroffen sind, mehr als unschön aussieht. In vielen Fällen können derartige Zahnfrakturen jedoch gut behandelt werden. Manchmal sind die Schäden aber so groß, dass mindestens Teile des Zahnes künstlich ersetzt werden müssen oder der Zahn sogar ganz entfernt werden muss. Was die Ursachen für einen abgebrochenen Zahn sein können und wie die Behandlung aussieht, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Gerhard ist froh: „Endlich Feierabend! Und heute Abend spielt auch mein Lieblingsklub und das Spiel wird sogar im Free-TV übertragen. Besser gehts nicht!“ Nach der Arbeit springt er rasch in den nächsten Supermarkt und besorgt sich einige Knabbereien und Schokolade. Und seine Vorfreude wird belohnt: Das Fußballspiel ist spannend und geht hin und her. In den nächsten Torjubel hinein macht es aber laut „knack!“ – Plötzlich hält Gerhard ein nicht gerade kleines Stück seines linken Backenzahnes in der Hand, nachdem er damit auf ein Stück Schokolade gebissen hat. Er hat zwar keine Schmerzen, ist aber sichtlich erschrocken. Am nächsten Morgen ruft er bei seinem Zahnarzt an und schildert seinen Fall. Er soll sofort am besten sofort vorbeikommen.

Aufbau der Zähne

Um die medizinischen Maßnahmen bei einem abgebrochenen Zahn nachvollziehen zu können, muss man sich zunächst klarmachen, wie der grobe Aufbau eines Zahnes aussieht.
Die Zahnkrone ist der sichtbare Teil des Zahns, der am unteren Rand fest von Zahnfleisch umgeben ist. Die äußere Schicht der Zahnkrone besteht aus Zahnschmelz, der das Innere der Krone schützen soll.

Gut zu wissen: Zahnschmelz – die härteste Substanz des Körpers
Tatsächlich ist Zahnschmelz die härteste Substanz, die der menschliche Körper vorweisen kann. Zahnschmelz besteht dabei hauptsächlich aus dem Mineral Kalziumphosphat und ist einmalig. Das heißt: Zahnschmelz wächst nicht nach. Deshalb ist eine gründliche Zahnhygiene umso wichtiger.

Unterhalb des Zahnschmelzes befindet sich das Zahnbein (sog. ‚Dentin‘), das bis zur Wurzelspitze reicht. Im Gegensatz zum Zahnschmelz bildet sich das Zahnbein bis ins hohe Alter immer wieder neu.
Das weiche Gewebe im Inneren des Zahnes wird als Zahnmark (sog. ‚Pulpa‘) oder auch als Zahnnerv bezeichnet. Das Zahnmark besteht aus Nervenbahnen, Bindegewebe, Blutgefäßen und Zellen zur Bildung von Zahnbein. Das Zahnbein umgibt die Pulpa. Die Pulpa liegt in einem Hohlraum im Zahninneren (sog. ‚Pulpahöhle‘) und versorgt den Zahn mit Nährstoffen. Der Erhalt und der Schutz der Pulpa ist deshalb ein wichtiges Ziel einer zahnmedizinischen Behandlung. Zusätzlich werden über die Pulpa Reize wie Kälte und Hitze weitergeleitet.
Die Zahnwurzel liegt nicht sichtbar unterhalb der Zahnkrone, wobei der Übergang zwischen Zahnkrone und Zahnwurzel als Zahnhals bezeichnet wird. Die Zahnwurzel besteht größtenteils aus dem Zahnbein und hat u. a. die Funktion, dem Zahn Halt zu geben.

Abgebrochener Zahn: Ursachen

Es gibt verschiedene Gründe dafür, dass ein Zahn ganz oder teilweise abbricht. Die wichtigsten Ursachen sind:

  • Gewalteinwirkung, etwa durch einen Sturz oder bei einem Schlag ins Gesicht beim Sport
  • Biss auf ein hartes Objekt, z. B. einen Knochen oder harte Süßigkeiten
  • Karies, welche die Zahnsubstanz des Zahnes bereits geschwächt hat

Gefährdet sind zudem Zähne, die bspw. wurzelbehandelt worden sind. Da die im Zahn liegenden Blutgefäße und Nervenäste bei einer Wurzelbehandlung entfernt werden, wird die Zahnsubstanz des betreffenden Zahnes auf Dauer instabil. Dadurch können wurzelbehandelte Zähne leichter abbrechen. Ähnliches gilt auch für Zähne, die mit einem Füllungsmaterial versehen werden mussten, da sie bereits stark von Karies angegriffen worden sind. Wenn das Zahnbein aufgrund eines Kariesbefalls in größeren Mengen entfernt und durch ein künstliches Material ersetzt werden musste, sinkt die Widerstandsfähigkeit des Zahns. Aufgrund dessen ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Zahn bspw. bei einem Biss auf einen Knochen abbrechen kann.

Ist Ihnen schon einmal ein Stück Zahn abgebrochen? Oder ist bei Ihnen sogar ein ganzer Zahn herausgebrochen? Was waren die Ursachen? (Mehrfachnennungen möglich)

Formen und Symptome von abgebrochenen Zähnen/Zahnfrakturen

Der Begriff „abgebrochener Zahn (sog. ‚Zahnfraktur‘ oder ‚Zahntrauma‘)“ ist relativ weit gefasst. Grundsätzlich ist damit aber gemeint, dass ein Zahn abgebrochen ist oder ausgeschlagen wurde bzw. locker oder gar verloren gegangen ist. In der folgenden Tabelle werden einige der wichtigsten Formen eines abgebrochenen Zahnes mit ihren typischen Symptomen aufgelistet.

FrakturErscheinungsbild/Symptome
AvulsionDer Zahn ist komplett aus dem Zahnfach herausgebrochen. Blutungen sind wahrscheinlich.
Abgebrochene Zahnteile (sog. ‚Schmelzfraktur‘)Normalerweise schmerzt der Zahn nicht, an der Bruchstelle können aber Spitzen und Kanten mit der Zunge erfühlt werden.
Zahnkronenfraktur ohne Beteiligung der ZahnwurzelZahnkronenfraktur ohne Beteiligung der Zahnwurzel
Zahnkronenfraktur mit Beteiligung der ZahnwurzelDie Symptome sind starke Berührungsempfindlichkeit und ein verstärktes Heiß- und Kalt-Empfinden. Der Zahnnerv bzw. das Zahnmark liegen frei.
WurzelbruchÄußerlich scheint der Zahn kaum versehrt zu sein und ist ggf. nur etwas locker. An dieser Stelle sind Röntgenaufnahmen nötig, um den Wurzelbruch diagnostizieren zu können.
Zahnlockerungen (sog. ‚Zahnluxation‘)Der Zahn ist locker bzw. wackelt.
Zahnintrusion oder -extrusionDer Zahn wurde durch äußere Einwirkungen entweder in das Zahnfach gedrückt (sog. ‚Intrusion‘) oder ragt aus der Zahnreihe heraus (sog. ‚Extrusion‘). Der Zahn ist sehr beweglich.

Abgebrochener Zahn: Risikogruppen und Risikofaktoren

Grundsätzlich kann jede/r von einem abgebrochenen Zahn betroffen sein. Mangelnde Zahnhygiene fördert Karies und begünstigt die Möglichkeit, dass der Zahn abbricht, da er durch den Kariesbefall bereits geschwächt war. Bereits behandelte Zähne, sei es durch eine Wurzelbehandlung oder durch eine Reparatur mit Füllstoffen, sind anfälliger für einen Bruch, da sie nicht die gleiche Widerstandsfähigkeit aufweisen können wie gesunde Zähne.
Neben Karies verursachen Unfälle im Alltag oder beim Sport Zahnverletzungen. Die Gefahr ist bei sogenannten Kontaktsportarten wie Fußball, Basketball, Hockey oder Boxen und andere Kampfsportarten erhöht. Ebenso können die Zähne bei Fahrradunfällen oder bei Stürzen während des Inlineskatings verletzt werden.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Grundsätzlich gilt es, Ruhe zu bewahren: Ein abgebrochener Zahn bringt meistens keine unmittelbare Gefahr mit sich, auch wenn der erste Schreck natürlich groß ist. Dennoch sollten, abhängig von der jeweiligen Situation, einige Maßnahmen ergriffen werden:

  • Dies gilt vor allem bei schwereren Unfällen: Zunächst muss überprüft werden, ob der Verletzte bei Bewusstsein ist. Dementsprechend muss Hilfe geleistet und dazu geholt werden. Fällt auf, dass der/die Betroffene aus dem Mund blutet, sollte soweit wie möglich geprüft werden, ob Zähne stark gelockert oder sogar ausgeschlagen wurden. Schlimmstenfalls könnten derartige Zähne vom Verletzten verschluckt werden. Falls möglich, sollten die Zähne aus dem Mund entfernt werden. Diese Zähne oder Zahnfragmente dürfen nicht desinfiziert werden!
  • Gerade dann, wenn große Teile eines Zahns oder ein ganzer Zahn bspw. beim Sport ausgeschlagen wurden, können Schmerzen und Schwellungen auftreten. Um diese zu lindern bzw. diesen vorzubeugen, sollte die betroffene Stelle von außen gekühlt werden.
  • Besonders wichtig ist es aber, das abgebrochene Zahnstück feucht aufzubewahren. Geeignet hierfür sind u. a. eine sterile Kochsalzlösung oder kalte H-Milch. Am besten ist aber eine sogenannte Zahnrettungsbox, in welcher der Zahn in eine Lösung gelegt wird, die diesen effektiv konserviert. Diese Zahnkonservierung ist insofern wichtig, als dass das Zahnstück je nach Schaden und Einschätzung des Arztes wieder an der betreffenden Stelle eingesetzt werden kann.
Achtung: Schnell einen Zahnarzt aufsuchen
Die wichtigste Sofortmaßnahme bei einem abgebrochenen Zahn ist es, rasch einen Zahnarzt aufzusuchen. Durch den Bruch des Zahns liegt häufig ein mehr oder weniger großer Bereich des Zahninneren offen. Dadurch ist der Zahn für eindringende Bakterien äußerst anfällig, die mittelfristig Karies verursachen können. Unter Umständen bleiben auch Nahrungsreste auf dem Zahn hängen und können so zu Entzündungen am Zahn führen. Ereignet sich der Zahnbruch am Wochenende oder an Feiertagen, muss auf einen zahnärztlichen Notdienst zurückgegriffen werden.

 

Videoexkurs: Paracetamol
Bei Zahnschmerzen wird u. a. auf das Medikament Paracetamol zurückgegriffen. Im folgenden Video erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl die wichtigsten Anwendungsgebiete, Vorteile und Nebenwirkungen des Medikaments.

Was tut der Arzt? Teil 1: Diagnose

Zunächst wird der Arzt ein Anamnesegespräch, also ein Patientengespräch durchführen. Welche Fragen zu klären sind, hängt davon, unter welchen Umständen sich das Zahntrauma ereignet hat und in welchem Zustand sich der Patient befindet. Je nach dem wird der behandelnde Arzt dann u. a. nach den folgenden Aspekten fragen:

  • Ursache(n) für den abgebrochenen Zahn, also etwa ein Sturz, ein Schlag ins Gesicht oder ein Biss auf härteres Material
  • Unfallhergang
  • ggf. Hinweise auf ein Schädel-Hirn-Trauma (etwa Kopfschmerzen, Ohnmacht, Übelkeit und Erbrechen)
  • vorhandener Impfschutz
  • mögliche laufende kieferorthopädische Therapie
  • Allergien
  • bisherige zahnmedizinische Eingriffe, wie bspw. eine Wurzelbehandlung

Ist die Ursache für einen abgebrochenen Zahn nicht auf äußere Gewalteinwirkung, sondern etwa auf einen Kariesbefall zurückzuführen, wird der Arzt Sie wahrscheinlich auch danach fragen, wann sie zuletzt einen Zahnarzt aufgesucht haben und wie ihre Mundhygienegewohnheiten sind.
Nach der Anamnese erfolgt die klinische Untersuchung. Bei der sogenannten intraoralen Untersuchung wird idealerweise der gesamte Mundraum geprüft. So inspiziert der Arzt u. a., welche Zahnteile fehlen, ob sie beweglich sind und ob sie eine veränderte Sensibilität aufweisen. Dafür wird der entsprechende Zahn bspw. mit einem Eis-Spray besprüht, um eine Kälteempfindlichkeit feststellen zu können. Normalerweise berührt der Zahnarzt entsprechende Stellen mit den Fingern oder mit entsprechenden zahnmedizinischen Geräten, um die Druckempfindlichkeit zu testen. Neben den Zähnen wird auch das Zahnfleisch geprüft, da bei Zahntraumata hier häufiger Verletzungen auftreten können.
Bestätigt sich der Verdacht auf ein solches Trauma, werden in der Regel bildgebende Verfahren eingesetzt, um eine genaue Diagnose stellen zu können. Die Röntgenaufnahme ist dabei das wichtigste Diagnoseinstrument. Je nach dem, was die klinische Untersuchung ergeben hat, können verschiedene Aufnahmeverfahren angewendet werden:

  • Intraorale Aufnahme: Hierbei wird eine Aufnahme des Mundinneren gemacht. Es kann u. a. ein einzelner Zahn geröntgt werden, wodurch etwa Zahn- und Wurzelfrakturen genauer identifiziert werden können bzw. generell der dentale Zustand festgestellt werden kann.
  • Okklusalaufnahme (Aufbissaufnahme): Die Zähne werden hierbei seitlich vom Röntgenstrahl getroffen, wodurch die Zahnoberflächen projiziert werden. Okklusalaufnahmen werden u. a. bei der Bestimmung von verlagerten Zähnen, Frakturen, Kieferspalten oder auch Tumoren eingesetzt.
  • Panoramaschichtaufnahme (PSA): Hierbei werden Übersichtsaufnahmen aller Zähne und großer Teile der beiden Kiefer angefertigt. Derartige Aufnahmen werden häufig vor komplexen Zahnbehandlungen gemacht, um die Gesamtsituation besser einschätzen zu können. Beispielsweise können so Karies und verlagerte bzw. verschobene Zähne sichtbar gemacht werden.
    Im einzelnen Fällen kann eine Computertomographie (CT) ebenfalls sinnvoll sein. Teilweise werden klinische Befunde auch als Fotoaufnahme dokumentiert. Diese sogenannte dentale Fotografie kann ggf. die bisherigen Befunde ergänzen und die Einordnung des Zahntraumas erleichtern.
Gut zu wissen: Forensische Zahnmedizin
Die forensische Zahnmedizin ist ein spezieller Zweig, der vor allem für die Justiz arbeitet und bspw. an der Aufklärung von Kriminalfällen beteiligt ist. Ihre Aufgaben sind u. a. die Identifikation verstorbener Personen anhand von zahnmedizinischen Daten und die Analyse von Bissspuren und -wunden.

Was tut der Arzt? Teil 2: Behandlung

Die genaue Art der Behandlung hängt davon ab, welche Form von Zahntrauma vorliegt und welche Ursachen dafür verantwortlich sind. Im Folgenden werden exemplarisch einige Frakturen und ihre Behandlungsweisen erläutert:

  • Schmelzinfraktion/Schmelzfraktur: Als Schmelzfraktur werden Risse und Brüche bezeichnet, die nur den Zahnschmelz betreffen. Teilweise sind diese Frakturen für den Zahnarzt ohne weitere Lichtquelle nicht zu erkennen. Normalerweise sind keine weiteren Maßnahmen zur Behandlung der Pulpa notwendig, allerdings ist eine Schmelzfraktur oft der einzige Hinweis auf ein Zahntrauma, das weitergehend untersucht werden muss. Gibt es jedoch keinen Grund für eine tiefergehende Behandlung, werden die Bruchstellen bzw. Risse verschlossen, um die Pulpa vor einem möglichen bakteriellen Befall zu schützen. Unter Umständen wird die entsprechende Stelle mit einem Komposit, also einem zahnfarbenen Füllmaterial (Zahnfüllung) versiegelt, wenn die Bruchstellen bspw. größer sind. Falls nötig, werden entsprechende Kanten und Spitzen des Zahns geschliffen.
  • Kronenfraktur ohne Pulpabeteiligung: Die meisten Frakturen der Krone hinterlassen eine Wunde des Zahnbeins, die behandelt werden muss, da die Pulpa ansonsten von Bakterien infiziert werden kann. Die Bruchstelle muss vorsichtig und sorgfältig mit einem Bürstchen und Bimsmehl bearbeitet werden. Falls das abgebrochene Stück vorhanden ist und bis zur Behandlung korrekt aufbewahrt wurde, kann es mit speziellem zahnmedizinischem Klebstoff womöglich wieder angebracht werden. Ist das Zahnstück aber stark fragmentiert oder fehlt sogar komplett, können die entsprechenden Zahnteile mit Kompositmaterial restauriert werden.
  • Kronenfraktur mit Pulpabeteiligung: Liegt bei einer Kronenfraktur die Pulpa offen, ist unbedingt eine endodentische, also das Zahninnere betreffende, Behandlung wichtig. Wie diese Behandlung konkret aussieht, hängt von diversen Faktoren wie dem Alter des Patienten, der Größe der Pulplafreilegung oder möglichen Vorschädigungen der Pulpa durch Karies ab. Nach heutigem Kenntnisstand ist es besonders wichtig, dass die Erstversorgung rasch erfolgt. Idealerweise kann dabei die Pulpa binnen zwei Stunden überkappt werden. Überkappung bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Pulpa mit einem Medikament aus Kalziumhydroxid abgedeckt wird, um die Pulpa zu schützen und zu erhalten.
    Ist eine solche frühe Behandlung nicht möglich, wird unter Umständen eine sogenannte partielle Pulpatomie durchgeführt, da von einem bakteriellen Befall der Pulpa ausgegangen werden muss. Bei der Pulpatomie werden dabei rund 2 mm der vermutlich infizierten Pulpa entfernt. Währenddessen wird der entsprechende Bereich mit einer physiologischen Kochsalzlösung kontinuierlich durchgespült. Auf die so freigelegte Oberfläche der Pulpa wird ein entsprechendes Medikament aufgebracht und mit einem sich verhärtenden Kalziumhydroxidzement überzogen.
    Ist die Pulpa nach Ansicht des Zahnarztes nicht mehr erhaltungswürdig, wird die gesamte Pulpa entfernt und im Nachgang eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt. Diese Behandlung wird als Pulpektomie bezeichnet. Ist die Behandlung der Pulpa abgeschlossen, kann der Zahn wie bei einer Kronenfraktur ohne Pulpaeröffnung restauriert werden.
  • Kronen-Wurzel-Fraktur: Bei diesem Trauma lassen sich mehrere Frakturen sowohl der Krone als auch der Wurzel feststellen. In einigen Fällen lässt sich der Zahn nicht mehr retten, da der Schaden zu groß ist. Zunächst werden mögliche störende Überreste der Zahnkrone entfernt, um das tatsächliche Ausmaß des Schadens besser feststellen zu können. Möglicherweise werden aber auch, je nach Einschätzung des Arztes, Zahnfragmente geschient, um sie zu stabilisieren. Abhängig davon wird das weitere Vorgehen festgelegt. Unter Umständen ist aber auch eine sogenannte Kronenverlängerung nötig, um den stark zerstörten Zahn später mit einer künstlichen Krone zu versehen. Durch die Kronenverlängerung wird die Zahnkrone indirekt verlängert, indem vorsichtig ein winziger Teil des Knochenfachs, das den Zahn umgibt, abgetragen wird. Je nachdem ist es dann möglich, dass wie bei einer Kronenfraktur mit oder ohne Beteiligung des Zahnmarks vorgegangen wird und ähnliche restaurative Maßnahmen ergriffen werden, falls der Zahn nicht völlig entfernt werden muss.
  • Avulsion: Bei einer Avulsion ist der Zahn komplett aus dem Zahnfach gebrochen. Um den Zahn zu retten, sind eine passende Lagerung des Zahnes ebenso wie eine unmittelbare Behandlung durch einen Zahnarzt von äußerster Wichtigkeit. Unter günstigen Bedingungen ist dann eine Replantation, also ein Wieder-Einsetzen des Zahnes, möglich. Hierfür wird zunächst die Wurzeloberfläche mit einer physiologischen Kochsalzlösung gründlich und vorsichtig gereinigt. Mögliche Hindernisse wie kleine Zahnreste, die im Zahnfach verblieben sind, werden entfernt. Das Einsetzen des Zahnes erfolgt dann langsam und mit wenig Druck, damit die Wurzelelemente nicht noch weiter geschädigt werden. Für rund 7–10 Tage wird der Zahn geschient und an einem der beiden Nachbarzähne, soweit dies möglich ist, fixiert. Nach dieser Zeit kann die Fixierung zu einem Nachbarzahn gelöst werden, nach einigen wenigen Tagen später die zweite.
    Die weitere Behandlung hängt vor allem davon ab, ob der Zahn als erhaltungswürdig angesehen wird oder nicht. Das ist u. a. davon abhängig, wie der Arzt die Überlebensfähigkeit des Zahnes einschätzt. Je nach Schwere der Schädigungen kann es sein, dass der Zahn nur vorrübergehend wiedereingesetzt wird, um kurzfristig Infektionen zu vermeiden und den Zahn zu einem späteren und aus zahnmedizinischer Sicht passenden Zeitpunkt wieder zu entfernen.

Die Nachversorgung bzw. weitere Behandlung ist von der Art der Zahnverletzung abhängig. Grundsätzlich sollte der Patient nach der Behandlung mindestens einmal im Jahr zur Kontrolluntersuchung gehen, damit möglichen Komplikationen wie Infektionen vorgebeugt werden kann. Ggf. findet in diesem Zusammenhang dann auch eine Behandlung bereits vorliegender Infektionen statt. Unabhängig davon wird Sie der Arzt auch über die weiteren möglichen Folgen der Behandlung aufklären, falls (weitere) Wurzelbehandlungen oder sogar eine Krone nötig sind. Kronen sind dann notwendig, wenn der Schaden des Zahns sehr groß war. Die verloren gegangene Zahnsubstanz kann nicht einfach durch eine Kunststofffüllung ersetzt werden, da diese nicht annährend die Kaustabilität vorzuweisen hat wie ein normaler Zahn. Solche Zahnkronen bestehen bspw. aus Keramik und werden auf den Zahn gesetzt, wodurch dieser stabilisiert wird. Der Nachteil einer Krone besteht allerdings darin, dass große Teile der Zahnsubstanz abgebaut werden müssen, um die Krone entsprechend zu fixieren.
Ggf. können auch ein Zahnverlust und damit verbunden ein Zahnersatz, bspw. in Form von Implantaten, thematisiert werden.

Gut zu wissen: Kosten für Zahnkronen
In der Regel zahlen die Krankenkassen für künstliche Kronen einen festen Zuschuss, die verbleibenden Kosten muss der Patient selbst tragen. Die Höhe der Kosten hängt u. a. vom Material ab, aus dem die Krone besteht. Informieren Sie sich am besten bei Ihrem Zahnarzt und Ihrer Krankenkasse über mögliche Kosten.

Häufige Patientenfragen

Ein Zahnstück ist abgebrochen – Was muss ich tun?

Dr. T. Weigl
Gerade bei Unfällen müssen Sie zunächst natürlich Erste Hilfe leisten und etwa den Krankenwagen rufen. Hinsichtlich der Zähne sollte gewährleistet werden, dass der/die Betroffene lose im Mund befindliche Zähne bzw. Zahnstücke nicht verschluckt, falls das in der jeweiligen Situation möglich ist. Idealerweise werden der Zahn bzw. die Zahnfragmente in Zahnrettungsboxen gelagert und dem Zahnarzt übergeben. Damit wird gewährleistet, dass der Zahn nicht abstirbt und möglicherweise wiedereingesetzt werden kann. Da in vielen Situationen eine Zahnrettungsbox nicht immer sofort verfügbar ist, kann der Zahn alternativ auch – zumindest für kurze Zeit – in kalter H-Milch gelagert werden. Dies gilt auch für weniger kritische Situationen, wenn etwa bei einem Biss auf ein hartes Bonbon ein Stück Zahn abgebrochen ist. Unabhängig davon sollten Sie auf jeden Fall rasch Ihren Zahnarzt oder an Wochenenden sowie Feiertagen den zahnmedizinischen Notdienst aufsuchen. Je nach Art der Zahnverletzung können die Zahnteile bzw. der Zahn wieder entsprechend angebracht werden.

Wie kann ich mich am besten vor abgebrochenen Zähnen schützen?

Dr. T. Weigl
Einen völligen Schutz kann es leider nicht geben, da Unfälle zu den häufigeren Ursachen von abgebrochenen Zähnen zählen und diese oft durch unglückliche Zufälle zustande kommen. Mit Blick auf Sportarten wie Eishockey ist es zum einen ratsam, aber zum anderen auch vorgeschrieben, einen entsprechenden Mundschutz zu tragen. Karies allerdings lässt sich durch eine entsprechende regelmäßige und gründliche Zahnpflege sehr gut vorbeugen. Hier liegt die Verantwortung beim Patienten selbst, da er/sie prophylaktisch tätig werden kann, indem die Zähne angemessen gereinigt werden. Hinzu kommt, dass pro Jahr mindestens zwei Kontrollbesuche beim Zahnarzt empfohlen werden, um schon mögliche kleinere Schäden zu erkennen und zu behandeln.

Und wie pflege ich meine Zähne am besten?

Dr. T. Weigl
Die häusliche Prophylaxe soll zum einen die Zähne und zum anderen das Zahnfleisch gesund erhalten. Zweimal am Tag, einmal nach dem Frühstück und abends vor dem Zubettgehen, sollten die Zähne gereinigt werden. Nach dem letzten Zähneputzen sollte nichts mehr gegessen werden, da die Essensreste ansonsten die ganze Nacht über auf den Zähnen bleiben würden.
Um alle Zahnflächen angemessen reinigen zu können, ist eine Kurzkopf-Zahnbürste mittlerer Härte mit dünnen Kunststoffborsten zu empfehlen. Die meisten elektrischen Zahnbürsten sind ebenfalls geeignet. Bei Kindern sind entsprechende Kinderzahnbürsten erforderlich. Neben der Zahnbürste sollte eine Zahnpasta benutzt werden, die Fluorid enthält.
Fast noch wichtiger als das Reinigungsmaterial ist aber dessen richtige Anwendung. Horizontales Hin- und Herschieben der Zahnbürste ist wenig effektiv und auf keinen Fall sollte mit zu hohem Kraftaufwand geputzt werden, da ansonsten Zähne und Zahnfleisch zu stark belastet werden könnten. Am besten sollten Sie aber mit Ihrem Zahnarzt sprechen, welche Putztechnik für Sie geeignet ist. Zusätzlich zur Pflege mit der Zahnbürste sollte Zahnseide angewendet werden, um die mit der Zahnbürste kaum zu erreichenden Zahnzwischenräume ebenfalls reinigen zu können. Alternativ können Sie auf sogenannte Zahnzwischenraumbürsten zurückgreifen. Welche Zahnseide bzw. welche Zahnzwischenraumbürste für Sie passend ist, können Sie bei Ihrem Zahnarzt erfragen. Antibakterielle Spüllösungen können die Zahnreinigung ergänzen, aber niemals ersetzen.

Der Zahnarzt sieht Gerhard etwas skeptisch an: „Lieber Herr Floren, der Schaden an ihrem linken Backenzahn ist schon relativ weit fortgeschritten, das war ein ziemlich starker Kariesbefall. Deshalb ist das Zahnstück beim Biss auf die Schokolade auch abgebrochen, der Zahn war schon instabil. Da müssen wir wohl oder übel eine Wurzelbehandlung vornehmen. Sie müssen in Zukunft unbedingt Ihre Zähne besser pflegen.“ Gerhard nickt zustimmend und nimmt sich vor, in Zukunft besser auf seine Zahnpflege Acht zu geben – damit nicht noch ein Fußballspiel von einem laut „knack!“ unterbrochen wird!

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Sebastian Mittelberg
Lektorat: Tobias Möller
Veröffentlicht: 12.11.2018

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Hg.) (2015): S2k-Leitlinie: Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne. In: AWMF online. Das Portal der wissenschaftlichen Medizin.
  • Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Hg.): Häusliche Prophylaxe.
  • Andreas Filippi et al (2008): Frontzahntrauma. Zahnhartsubstanzverletzungen. In: Zahnmedizin up2date 6, S. 519–537.
  • Peter Gängler et al. (Hg.) (2010): Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie, 3. unveränderte Auflage. Thieme-Verlag, Stuttgart.
  • Stefan Hänni und Thomas von Arx (2008): Verletzungen der bleibenden Zähne. Teil 4: Therapie der Kronenfrakturen. In: Schweizerische Monatsschrift für Zahnmedizin 118/8, S. 737–746.
  • Thomas Weber (2017): Memorix Zahnmedizin, 5. unveränderte Auflage. Thieme-Verlag, Stuttgart.
[Gesamt:7    Durchschnitt: 4.7/5]

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