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Die richtigen Schmerzmittel bei Fibromyalgie – Wie wirken Tramadol, Aspirin, Cannabis etc?

Die körpereigenen Antichronifizierungs-Mechanismen, die normalerweise dafür sorgen, dass nicht alle Schmerzimpulse ins Gehirn gelangen, sind gestört und hinterlassen eine Gedächtnisspur im zentralen Nervensystem.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Fibromyalgie ist eine chronische Erkrankung, welche sich in schmerzhaften Symptomen des Muskel- und Gelenkbereiches äußert. Zu Beginn ist diese Erkrankung unauffällig und schleichend, sodass der Befund Fibromyalgie nicht klar diagnostiziert werden kann. Grundsätzlich gibt es verschiedene Methoden zur Behandlung von Fibromyalgie, welche kombiniert zum Einsatz kommen. Die medikamentöse Therapie soll dabei begleitend die Intensität der Symptome senken und den Leidensdruck der Patienten minimieren.

„Die Schmerzen sind immer noch da und sie sind mit der Zeit schlimmer geworden“, klagt die 39-jährige Lisa Schmitt, während sie ihr Leiden einem Arzt schildert. Es ist nun knapp 3 Jahre her, seitdem sie eine Operation im Bereich der Gebärmutter hatte. „Zu Beginn kamen die Schmerzen und gingen wieder. Sie haben sich wie ein Muskelkater angefühlt, weshalb ich mir nichts dabei dachte. Doch seit längerem ist der Grad an Schmerzen so belastend, dass ich auch nicht mehr vernünftig schlafen kann. Ich war schon bei verschiedenen Ärzten, unter anderem bei Neurologen und Orthopäden. Diese sagten, dass die Schmerzen vielleicht psychischer Natur sein können.“, fährt die 39-jährige fort. „Ich denke, dass es sich bei ihrer Krankheit um Fibromyalgie handelt. Ein Schmerzfragebogen und weitere Tests können uns aber bei der Aufklärung helfen.“, schildert der Rheumatologe. „Fibromyalgie? Das habe ich noch nie gehört!“, antwortet Lisa verwirrt.

 

Was ist Fibromyalgie?

Die Fibromyalgie (sog. ‚Faser-Muskel-Schmerz‘) zählt zu den rheumatischen Erkrankungen. Sie kennzeichnet sich durch Symptome, welche oft anderen Krankheitssymptomen ähneln (z. B. Gliederschmerzen wie bei einem grippalen Infekt). Bis zur erfolgreichen Diagnose vergehen meistens mehrere Jahre, da ein Vollbild der Fibromyalgie sich über diese Zeit entwickelt.

Symptome der Fibromyalgie

Zu den Hauptsymptomen zählen:

  • Chronische Schmerzen, welche über verschiedene Körperregionen lokalisiert sind (meistens Rücken, Nacken und Arm- bzw. Beingelenke)
  • Schmerzen im Kopfbereich
  • Schlafstörungen und Müdigkeit
  • Verspannung
  • Konzentrationsstörung

Der Mindestzeitraum der Hauptsymptome beträgt dabei 3 Monate.
Weitere begleitende Nebensymptome sind:

Wir haben der Fibromyalgie einen eigenen Artikel gewidmet. Darin erfahren Sie mehr zu Ursachen und Symptomen. Zusätzlich empfehlen wir Ihnen auch das Video unten.

Mehr Informationen zu Fibromyalgie in diesem Video

Was versteht man unter Fibromyalgie? Was sind die Symptome einer Fibromyalgie? Wie kann Fibromyalgie behandelt werden? Im folgenden Video klärt Dr. Tobias Weigl Fragen rund um Fibromyalgie und informiert über die wichtigsten Punkte bzw. Merkmale dieser Krankheit.

Sind Sie von der Krankheit Fibromyalgie betroffen? Kennen Sie jemanden, der darunter leidet? Wenn ja, unter welchen Symptomen leiden Sie oder die betroffene Person? (Mehrfachnennungen möglich)

Wussten Sie schon?

Wussten Sie schon, dass Fibromyalgie eine Wortzusammensetzung aus 3 Teilwörtern ist?

Diese sind: Fibra (griech.) = Faser, Mys (griech.) = Muskel, Algos (griech.) = Schmerz. Wörtlich übersetzt bedeutet Fibromyalgie „Faser-Muskel-Schmerz“. Im Laufe der Zeit sind aber weitere Synonyme für diese Krankheit entstanden. Diese lauten: generalisierte Tendomyopathie, Fibrositis-Syndrom, Myogelosen und Muskelhartspann.

Wussten Sie schon, dass gängige Schmerzmittel wie Ibuprofen und ASS (sog. ‚Acetylsalicylsäure’, z. B. Aspirin) meistens keine Wirksamkeit bei Fibromyalgie zeigen?

Dies liegt daran, dass die Erkrankung Fibromyalgie nicht mit Entzündungen im Körper einhergeht. Aus diesem Grund sind Medikamente aus der Gruppe der NSAR (sog. ‚nichsteroidale Antirheumatika‘), welche primär entzündungshemmend wirken, zur Behandlung von Fibromyalgie eher ungeeignet.

Wussten Sie schon, dass viel mehr Frauen als Männer von der Fibromyalgie betroffen sind?

Ca. 0,7–3 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen und jeder zehnte von diesen ist ein Mann. Im Umkehrschluss sind ungefähr 90 Prozent der Fibromyalgie-Erkrankten Frauen. Im Schnitt beginnt die Krankheit mit Ende 20 und ist bei Mitte 30 vollendet.

Medikamentöse Behandlung von Fibromyalgie

Der Einsatz von Medikamenten hilft den Betroffenen, die Schmerzen zu lindern und somit die Intensität der Symptome zu reduzieren. Wichtig zu wissen, ist, dass die Medikamente oft nicht die Krankheit selbst heilen können. Primär sollen diese die Krankheit für den Patienten „erträglicher“ machen.

In diesem Video erklärt Dr. T. Weigl die möglichen Schmerzmittel bei einer Fibromyalgie.

Antidepressiva

Generell werden Antidepressiva, wie der Name schon sagt, für die Behandlung von Depressionen eingesetzt. Des Weiteren können sie die Aktivität der Nervenzellen stimulieren, wodurch ebenfalls ein Einfluss auf die Schmerzweiterleitung gesichert ist. Ihre Wirkung beruht auf spezifischen Interaktionen mit Neurotransmittern in unserem zentralen Nervensystem. Zu diesen Neurotransmittern zählen insbesondere Dopamin, Serotonin und Noradrenalin. Diese haben Einfluss auf die Stimmung und den Schlaf, aber auch auf die Schmerzweiterleitung.
Wichtige Wirkstoffklassen, die hier zum Einsatz kommen, sind:

  • Trizyklische Antidepressiva
  • SSNRI (sog. ‚Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer‘)
  • SSRI (sog. ‚Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer‘)

Wichtig: Der gewünschte Effekt, also die schmerzlindernde Wirkung, tritt in der Regel 2–3 Wochen nach der Einnahme ein. Aus diesem Grund kann ein möglicher Erfolg erst nach längerer Therapiezeit abgeschätzt werden.

Tipps bei der Einnahme von Antidepressiva

In der nachfolgenden Tabelle werden Medikamenten-Beispiele (inkl. Handelsnamen) für verschiedene Darreichungsformen aufgelistet. Wichtig ist hier, dass die unten genannten Präparate nicht die einzige Wahl darstellen und eine Vielzahl von Alternativ-Präparaten vorhanden ist. Der Hauptwirkstoff Fentanyl ist zwar gleich, doch die Zusatzstoffe unterscheiden sich je nach Präparat und Firma. Die Auswahl des Präparates sollte in jedem Fall mit dem zuständigen Arzt geklärt werden.

Zu den klassischen Nebenwirkungen von Antidepressiva zählen Übelkeit, Gewichtszunahme und Müdigkeit. Deshalb sollten folgende Tipps bei der Einnahme berücksichtigt werden:
Zur besseren Handhabung der Müdigkeit:

  • Den Arzneistoff am besten 1–2 Stunden vor dem Schlaf einnehmen. Der Vorteil hier: Durch die Nebenwirkung des Antidepressivums ist man bereits müde und kann besser einschlafen. Wird der Arzneistoff jedoch am Tage eingenommen, so sollte das Fahren mit dem Auto vermieden werden.

Zur Minimierung der Übelkeit:

  • Die Tablette zu einer Mahlzeit einnehmen und ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Am besten kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen und austesten, wie das Medikament auf den Körper wirkt. Falls die Nebenwirkungen dennoch zu stark sind, kann alternativ ein sogenannter Protonenpumpenhemmer eingenommen werden. Dieser schützt den Magen vor einer Übersäuerung.

Zur Minderung der Gewichtszunahme:

  • Hier eignen sich konventionelle Methoden wie Sport und Bewegung. Des Weiteren sollte der Verzehr von Süßigkeiten reduziert werden und eine ausgewogene Ernährung stattfinden. Als Alternative ist auch der Rat eines Ernährungsberaters von großem Vorteil.

Neurotransmitter beeinflussende Medikamente

Die Schmerzwahrnehmung bzw. Schmerzweiterleitung wird von einer Reihe verschiedener Botenstoffe reguliert und beeinflusst. Arzneistoffe, welche diese stimulieren, können Patienten ebenfalls helfen, die Hauptsymptome der Fibromyalgie zu lindern.

Antiemetika

Antiemetische Arzneistoffe finden ihren Einsatz bei der Unterdrückung von Brechreiz und Übelkeit. Zu ihren Wirkungsmechanismen gehört die Blockade des Neurotransmitters Serotonin. Dies erfolgt über die Bindung am Serotonin-Rezeptor, einem Protein-Komplex im Nervensystem. Dadurch kann Serotonin nicht mehr daran binden und seine Wirkung freisetzen. Dabei kann eine schmerzlindernde Wirkung erzielt werden. Vorteilhaft hier ist, dass der Wirkungseintritt schneller erfolgt als bei den Antidepressiva, wodurch ein Therapieerfolg schneller abgeschätzt werden kann.

Antikonvulsiva bzw. Antiepileptika

Diese Arzneimittel werden primär zur Behandlung von epileptischen Anfällen eingesetzt. Der Wirkmechanismus kann grob durch eine Minderung der Erregbarkeit und Aktivität von Nervenzellen erklärt werden. Das heißt, dass Nervenzellen, welche für die Übertragung des Schmerzes verantwortlich sind, gehemmt und die wahrgenommenen Schmerzen folglich reduziert werden können. Auf molekularer Ebene wird die Freisetzung von verschiedenen Neurotransmittern gemindert (z. B. Substanz P und Noradrenalin). Diese haben Einfluss auf verschiedene Bereiche, zu denen auch die Schmerzweiterleitung bzw. -empfindung gehören. Zu den Nebenwirkungen gehören Benommenheit und Müdigkeit.

Opioidhaltige Schmerzmittel (sog. ‚Opioid-Analgetika‘)

Im Allgemeinen sind Analgetika Arzneimittel mit schmerzlindernder Wirkung. Idealerweise sollen diese die Schmerzwahrnehmung senken, ohne dabei das Bewusstsein bzw. die Sinneswahrnehmung zu beeinflussen.

In der Regel zeigen diese jedoch keine erfolgreiche Wirkung bei Fibromyalgie-Symptomen. In einzelnen Fällen kann dennoch eine Verbesserung durch die Einnahme erfolgen.

Eine Ausnahme unter den opioid-haltigen Schmerzmitteln stellt der Arzneistoff Tramadol dar. Als schwach wirksames Opioid besitzt er ebenfalls antidepressive Wirkung. Die Dämpfung der Schmerzwahrnehmung verläuft zusätzlich durch die Wiederaufnahme-Hemmung von Noradrenalin und Serotonin. Die hohe Freisetzung des Serotonins sorgt aber zeitgleich für das Auftreten von Übelkeit als Nebenwirkung.

Medikamenten-Check

In der folgenden Tabelle werden die oben genannten Wirkstoffklassen aufgelistet und jeweils mit einem Arzneistoff als Beispiel genannt. Wichtig ist hier, dass die unten genannten Arzneistoffe nicht die einzige Wahl darstellen und eine Vielzahl von Alternativ-Präparaten vorhanden ist. Die Auswahl der Arzneistoffe bei einer medikamentösen Fibromyalgie-Behandlung sollte in jedem Fall mit dem Arzt besprochen und abgeklärt werden. Viele Arzneistoffe aus derselben Wirkgruppe zeigen nämlich unterschiedliche Wirkungen und können sich je nach Begleitbeschwerde besser für die Therapie eignen.

Wirkstoffklasse
Beispiel eines Arzneistoffs
Wirkung
Nebenwirkung
Trizyklische AntidepressivaAmitryptilin
schmerzlindernd (sog. ‚analgetisch‘),
stimmungsaufhellend
Übelkeit,
Müdigkeit,
Gewichtszunahme
Antiepileptika oder Antikonvulsiva
Pregabalin
schmerzlindernd (sog. ‚analgetisch‘),
angstlösend (sog. ‚anxiolytisch‘),
antiepileptisch

Müdigkeit,
Benommenheit,
Kopfschmerzen
Antiemetika
Tropisetron
gegen Übelkeit (sog. ‚antiemetisch‘),
schmerzlindernd (sog. ‚analgetisch‘),
leicht entzündungshemmend
Kopfschmerzen, Durchfall,
Verstopfung

Opioide
Tramadol
(sog. ‚antiphlogistisch‘)
schmerzlindernd (sog. ‚analgetisch‘),
schwach antidepressiv,
euphorisierend
Übelkeit und Erbrechen,
Verstopfung,
Blutdrucksenkend
Neurotransmitter beeinflussende Arzneistoffe
Venlafaxin
antidepressiv,
angstlösend (sog. ‚anxiolytisch‘),
schmerzlindernde Wirkung anderer Schmerzmittel verstärkend
Übelkeit und Erbrechen,
Kopfschmerzen,
Schlaflosigkeit

 

Achtung: Nicht empfohlene Medikamentengruppen

Muskelrelaxantien

  • Dabei handelt es sich um Wirkstoffe, die zur Entspannung der Muskulatur führen. Vorwiegend werden sie zur Behandlung von Spastiken eingesetzt. Auch bei der Behandlung von Fibromyalgie werden Muskelrelaxantien häufig verschrieben. Wichtig: Diese Wirkstoffgruppe wird, auch in den Leitlinien, aufgrund fehlender Evidenz nicht empfohlen. Einige dieser Medikamente sind ebenfalls Beruhigungsmittel, welche als Nebenwirkung zu Müdigkeit bzw. Benommenheit führen und darüber hinaus ein Abhängigkeitspotential besitzen.

Klassische Schmerzmittel (sog. ‚Analgetika‘)

  • Bei dieser Wirkstoffgruppe handelt es sich um gebräuchliche Schmerzmittel und Entzündungshemmer. Zwar ist die genaue Ursache der Fibromyalgie noch nicht ausreichend geklärt, doch zur Behandlung haben sich typische Analgetika wie Paracetamol, Diclofenac und Ibuprofen nicht bewährt. Es kann sein, dass in einzelnen Fällen klassische Schmerzmittel-Präparate wirksam waren, doch im Allgemeinen werden sie zur Behandlung von Fibromyalgie nicht empfohlen.

 

Neues aus der Forschung: Cannabis als Medikament zur Behandlung von Fibromyalgie

Seit einigen Jahren versuchen Wissenschaftler, einen klaren Bezug des Endocannabinoiden Systems zur Krankheit Fibromyalgie zu finden. Die Wirkstoffe von Cannabis, also die Cannabinoide, wirken nämlich auf dieses System und stimulieren es. Der Mensch selber besitzt ebenfalls Botenstoffe, welche Einfluss auf dieses System haben. Die Rede ist hier von den Endocannabinoiden, zu welchen auch das Anandamid gehört. Der entscheidende Punkt hier liegt darin, dass das Endocannabinoide System großen Einfluss auf verschiedene Prozesse im menschlichen Körper hat. So kann ein Mangel von Endocannabinoiden zu Muskelverspannungen, Schlafstörungen, chronischen Schmerzen (auch im Kopfbereich) und depressiver Verstimmung führen. All dies sind ebenfalls Symptome, die bei einer Fibromyalgie auftreten. Aus diesem Grund bietet sich das Endocannabinoide System als mögliche Ursache für die Fibromyalgie an und der Zusammenhang wird noch erforscht.

Laut einer Umfrage der National Pain Foundation haben ca. 60 Prozent der Teilnehmer Cannabis als gut wirksames Mittel zur Linderung der Symptome von Fibromyalgie gewählt.

Zwar ist der genaue Wirkzusammenhang bzw. die Entstehung der Krankheit Fibromyalgie noch nicht bekannt, doch eine Therapie mit Cannabis könnte für Betroffene sehr hilfreich sein.
In diesem Video geht Dr. T. Weigl auf Cannabis als Medikament auf Rezept ein.

 

Alternative Behandlungsmöglichkeiten

Generell gibt es keine Heilungstherapie, die bei allen Patienten gleich wirkt und funktioniert. Das heißt, dass die Therapie in jedem Fall individuell verlaufen muss, da die Intensität und die Symptome oft unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Des Weiteren eignet sich hier ein multimodales Behandlungskonzept, also eine kombinierte Schmerzbehandlung aus verschiedenen Fachbereichen, an. So kann ein Patient aus einer Kombination von Entspannungs-, Bewegungs- und Psychotherapie sowie medikamentöser Therapie großen Profit schlagen. Neben der oben genannten medikamentösen Behandlung gibt es folgende Therapiemöglichkeiten:

  • Sporttherapie und Ausdauertraining
  • Physikalische Maßnahmen
  • Entspannungs- und Psychotherapie
  • Ernährungstherapie
  • Naturheilverfahren
  • Sonstige Maßnahmen, bspw. Akupunktur oder eine Ganzkörperwärmetherapie

Wie oben bereits erwähnt, ist bei der Fibromyalgie eine multimodale Behandlungstherapie am besten geeignet. Werden Sie oder jemand, den Sie kennen, aufgrund von Fibromyalgie therapiert? Wenn ja, aus welchen Bereichen setzt sich ihre Therapie zusammen? (Mehrfachnennungen möglich)

Häufige Patientenfragen

Seit einigen Monaten leide ich unter chronischen Schmerzen in verschiedenen Körperregionen. Die Schmerzen haben sich über die Zeit verschlimmert. Leide ich unter Fibromyalgie?

Dr. T. Weigl:
Dies kann nicht eindeutig gesagt werden, da es viele verschiedene Krankheiten gibt, welche ähnliche Symptome wie die Fibromyalgie besitzen. Um Klarheit zu erlangen, eignen sich ein Schmerzfragebogen und einige Tests. Eine Anamnese sollte von einem Arzt erfolgen. Erst so kann eine Diagnose erfolgen und womöglich eine klare Aussage über die bestehende Krankheit getroffen werden.

Das Medikament, das ich einnehme, scheint nicht zu wirken. Kann ich dem mit einer Dosiserhöhung entgegenwirken?

Dr. T. Weigl:
Nein. Oftmals kann es vorkommen, dass bestimmte Medikamente aufgrund der Genetik der Person nicht wirken bzw. nicht die erwünschte Wirkung erzielen. In solch einem Fall sollte immer Rücksprache mit einem Facharzt gehalten werden. Dieser kann gegebenenfalls alternative Medikamente verordnen bzw. über eine Dosisänderung und die damit verbundenen Risiken aufklären.

Der Arzt hat mir trizyklische Antidepressiva verschrieben. Nach der Einnahme verspüre ich jedoch Übelkeit, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Kann ich die Dosis reduzieren, um diese Nebenwirkungen zu vermeiden?

Dr. T. Weigl:
Ein Nachteil bei Trizyklischen Antidepressiva ist deren verspäteter Wirkungseintritt. Auch bei niedriger Dosis tritt zuerst deren Nebenwirkung ein, bevor die gewünschte Wirkung erzielt werden kann. Bei einer Dosis-Reduktion kann die Nebenwirkung womöglich immer noch eintreten, doch die gewünschte Wirkung bleibt aus. Auch hier wird empfohlen, mit einem Facharzt Rücksprache zu halten, um alternative Vorschläge zu erhalten. Zum Umgang mit den Nebenwirkungen dieser Arzneistoff-Gruppe empfehle ich die oben genannten Tipps unter der Rubrik „Trizyklische Antidepressiva“.

Inzwischen weiß Lisa, dass sie unter der Krankheit Fibromyalgie leidet. Bis zur vollständigen Diagnose und der Bestätigung, dass es sich um diese Krankheit handelt, hat es 5 Jahre gedauert. Die Einnahme der vielen verschiedenen Medikamente und die Besuche bei den Ärzten waren mit viel Stress verbunden. Doch mittlerweile kann sie besser mit den Symptomen umgehen und die Schmerzen haben sich etwas reduziert.

Verwandte Themen

Haben auch Sie Erfahrungen mit Medikamenten bei Fibromyalgie? Haben Sie weitere Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Schajan Salahijekta und Dr. Tobias Weigl
Redaktion: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 05.06.2018, zuletzt aktualisiert: 08.01.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Pat Anson (2014): Marijuana Rated Most Effective for Treating Fibromyalgia. In: nationalpainreport.com.
  • Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. (Hg.) (2017): Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des
    Fibromyalgiesyndroms. Leitlinie Fibromyalgiesyndrom, 2. Aktualisierung. Deutsche Schmerzgesellschaft e. V., Berlin.
  • Thomas Herdegen (2014): Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, 3.Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Gerd Herold (2017): Innere Medizin. Herold, Köln.
  • Katharina Kampik (2005): Der Einfluss von Substanz P auf den Schlaf bei Gesunden. Dissertation Uni Freiburg.
  • Sigma-Aldrich (Hg.): Datenblatt Pregabalin.
  • Sigma-Aldrich (Hg.): Datenblatt Amitryptilin.
  • Sigma-Aldrich (Hg.): Datenblatt Tropisetron.
  • Sigma-Aldrich (Hg.): Datenblatt Tramadol.
  • Sigma-Aldrich (Hg.): Datenblatt Venlafaxin.
  • Josef Zehentbauer (1993): Körpereigene Drogen. Die ungenutzten Fähigkeiten unseres Gehirns. Artemis & Winkler, München.
[Gesamt:7    Durchschnitt: 4.7/5]
2.000000e+0 Antworten
  • Ben
    28.01.2019 11:16

    Guten Tag,

    vielen Dank für die vielen nützlichen Informationen auf der Website.
    Nach ca. 15 Jahren auf und ab, von Arzt zu Arzt, wurde bei mir kürzlich Fibromyalgie FMS „Diagnostiziert“.
    Und jetzt merke ich, dass das erst der Anfang von einer vermutlich sehr langen Reise ist.

    Schon die Suche nach einem Schmerztherapeuten der Erfahrung mit FMS hat, erweist sich als schwierig.
    Zudem findet man wenig konkrete Informationen über deren Behandlungsmethoden.
    Meiner Erfahrung mit Amitriptylin waren sehr schlecht und auf Opioide würde ich gerne verzichten.

    Ich bin auf mehrere Studien gestoßen, in denen sich Cannabis als wirkungsvoll erwiesen hat.
    Die Nebenwirkungen sind im Vergleich zu Opioide und Amitriptylin für mich akzeptabel.

    Und jetzt geht es weiter 🙁 die Suche nach einem Arzt der Cannabis verschreibt und sich mit FMS auskennt ist eine sehr sehr große Hürde.

    Mal ganz abgesehen davon, dass die Krankenkasse die Cannabis Kosten nur übernimmt, wenn alle anderen Therapie Versuche gescheitert sind.
    Wenn ich das richtig verstehe, bedeutet das, ich müsste erstmal Opioide(Tramadol) bekommen bevor überhaupt Cannabis in Betracht gezogen wird. Irgendwie der reinste Irrsinn.

    Ich hoffe und wünsche es allen betroffenen das, da endlich ein umdenken stattfindet.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ben

  • Hildegard
    08.03.2019 22:30

    Ich habe eine bitte. Ich suche eine Arztpraxis die positiv zu Cannabismedizin eingestellt ist. Bei uns im umkreis finde ich keinen Arzt. Muss nach ersatz suchen da mein Hausarzt seine praxis geschlossen hat. Das problem meine Krankenkasse hat die kostenübernahme für dronabinol 2,5% anerkannt.
    Nur verschreibt meine vertrettungsarztin höchstens 20ml für 3 Monate mit der begründung das das budget nicht ausreicht. Habe mit 0,2ml 2xtäglich angefangen bei schmerzpegel 8-9 und 3-4 std. schlaf habe die dosis langsam alle 4 tage leicht erhöht so das ich diese tropfen nur nachts nehme weil sie sehr müde machen.
    Bin zur zeit bei 0,6ml schmerzpegel bei 5 und 8std. schlaf. so komme ich nicht weit mit den 20ml tropfen .
    Habe Bedrocan getestet was ich auch tagsüber sehr gut vertrage bei ca 1-1,5 gr. am tag bin fast schmerzfrei und bekomme genügend schlaf .
    Die blüten möchte sie nicht verschreiben da sie damit keine erfahrung hat. Bin über meinen mann familienversichert und seit dem 16.04.2018 bis zum 15.03.2019 krankgeschrieben.Habe also kein einkommen rente bekomme ich auch keine. was kann ich tun um einen arzt zu finden die cannabismedizin unterstützt.weil mir das sehrgut hilft.
    Bin verzweifelt und habe angst das die schmerzen wieder auf ein unerträglisches level ansteigen. Durch diese angst bekomme ich depresive phasen .in hoffnung auf schnelle antwort .
    Mfg.Hildegard

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