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Harnsäure und Hyperurikämie – Harnsäure reduzieren durch Ernährung

„Häufig finden Patienten nur zufällig heraus, dass sie einen erhöhten Harnsäurespiegel im Blutserum haben. Das Problem liegt darin, dass Betroffene bis zur Manifestation des ersten Gichtanfalls keinerlei Symptome bemerken. Zu dem Zeitpunkt hat sich die überschüssige Harnsäure allerdings schon längst in dem betroffenen Gelenk abgesetzt.“ — Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Harnsäure ist das Endprodukt des Abbaus von Purin-Basen. Purine sind chemische Strukturen, die grundlegend für unsere DNA und die Neubildung von Zellen sind. Das Abbauprodukt Harnsäure ist nur schwer wasserlöslich. Jeder Mensch hat eine bestimmte Harnsäurekonzentration im Blutserum. Ursachen wie eine genetische Veranlagung, bestimmte Medikamente oder eine Fehlernährung sowie Übergewicht können den Harnsäurespiegel über Gebühr anheben. Erhöhte Harnsäurewerte (sog. ‚Hyperurikämien‘) im Blut sind lange kein Problem. Unbehandelt führen sie jedoch unweigerlich zu Ausprägung einer Gicht. Grund hierfür ist die Ablagerung überschüssiger Harnsäure in kristalliner Form bspw. in Gelenken oder an der Niere. Vor allem die Ablagerung in den Gelenken ist sehr schmerzhaft.
Eine frühzeitige Reduktion des Harnsäurespiegels ist deswegen angeraten! Ein hilfreiches Mittel ist die Umstellung der Ernährung. Eine Reduktion von Purin, welches wir teilweise über unsere Nahrung aufnehmen, steht im Mittelpunkt. Medikamente sind meist erst dann nötig, wenn Sie bereits einen oder mehrere Gichtanfälle hatten oder unter einem starken Zellzerfall – beispielsweise bei der Gabe bestimmter Medikamente wie Zytostatika – leiden.
Der folgende Beitrag gibt Ihnen einen Überblick über das Thema Harnsäure und wie Sie mit erhöhten Werten im Blut umgehen können!

Milan ist genervt: Eigentlich hat er keine Lust, bei diesem strahlenden Sonnenschein in der Arztpraxis zu sitzen. Der End-Vierziger hat sich von seinem Mann zu der üblichen Routineuntersuchung ziehen lassen, nachdem er Thomas eröffnet hat, dass sein letzter Arztbesuch bereits Jahre zurückliegt. „Ich werde eben nie krank!“, hatte er noch getönt.
Nach dem Arztbesuch erhält Milan relativ schnell die Ergebnisse seiner Blutentnahme – und ist überrascht. Sein Harnsäurewert ist zu hoch! Im Gespräch mit seiner Hausärztin klärt diese ihn auf, was eigentlich dahintersteckt.

Was ist Harnsäure?

Harnsäure ist das Endprodukt des Purinstoffwechsels. Sie wird am Ende des Purinabbaus im Blut und Gewebe des Körpers gelöst. So bildet sich ein Harnsäurespiegel im Blutserum. Da Harnsäure aber nicht gut wasserlöslich ist, tendiert sie dazu Kristalle zu bilden und auszufallen.

Was ist unsere Harnsäure? Purinstoffwechsel, Aufgaben & Ursachen für einen erhöhten Harnsäurespiegel

Gut zu wissen!
Der Harnsäurewert im Blut liegt bei Männern normalerweise bei 6,4 mg/100 ml und bei Frauen bei 5,5 mg/100 ml.

Der Purinstoffwechsel

Purine sind Strukturen, die einen wichtigen Teil unserer DNA und RNA bilden – sie sind also für die Informationsspeicherung unseres Körpers elementar! Darüber hinaus benötigen wir Purine für viele Prozesse, die mit Enzymen zusammenhängen. Unser Körper bezieht diese wichtige chemische Struktur auf zwei Wegen: über die Nahrung (sog. ‚exogene Purine‘) oder aus Eigenproduktion, also über Zellzerfall und Neusynthese (sog. ‚endogene Purine‘). Da die Purinsynthese unserem Körper viel abverlangt, wird sie stark reguliert. Auf welchem Wege auch immer der Körper Purine bezieht, am Ende müssen diese auch abgebaut werden. Dies geschieht auf dem Wege der Oxidation: Ein Stoff (das sog. ‚Reduktionsmittel‘) gibt ein oder mehrere Elektronen – kleinste Elementarladungen – an eine andere Substanz (das sog. ‚Oxidationsmittel‘) ab. Die Aufnahme von Elektronen bezeichnet man als Reduktion. Die Elektronenabgabe wird Oxidation genannt. In unserem Fall ist das Purin der Stoff, der oxidiert wird – über das Zwischenprodukt Xanthin. Am Ende dieser Reaktionskette steht die Harnsäure.

Nach diesem Vorgang wird die entstandene Harnsäure als sogenanntes Urat im Blut gelöst und über den Urin ausgeschieden.

Die im Blut gelöste Harnsäure wird über den Urin ausgeschieden. Ist ihre Konzentration zu hoch, kristallisiert sie aus und kann den Körper nicht mehr regelrecht über den Urin verlassen.

Erhöhte Harnsäurekonzentrationen im Blut: Hyperurikämie

Harnsäure ist Teil der normalen menschlichen Stoffwechselprodukte. Sie ist allerdings nur schwer wasserlöslich. Problemtisch wird dies, wenn die Harnsäurekonzentration so hoch ist, dass das sogenannte Löslichkeitsprodukt überschritten wird. Dann fällt die Säure in kristalliner Form aus und kann nicht über den Urin ausgeschieden werden. Einen zu hohen Harnsäurespiegel ab 6,4 mg pro 100 ml Blut bezeichnet man als Hyperurikämie.

Meist ist die Ursache einer Hyperurikämie eine mangelhafte Leistung der Nieren, die für die Harnsäureausscheidung hauptverantwortlich sind. Der Anstieg des Serumwertes erfolgt durch einen Auslöser wie purinhaltige Ernährung oder den Konsum von alkoholischen sowie fruktosehaltigen Getränken. Seltener liegt eine erhöhte Produktion von Harnsäure vor. Dies tritt auf, wenn bestimmte Enzyme im Purinstoffwechsel defekt sind. Beide Ursachen werden als primäre Hyperurikämien bezeichnet und sind zumeist angeboren. In 90 Prozent der Fälle liegt eine genetische Ursache vor.
Eine sekundäre Hyperurikämie dagegen ist Folge externer Faktoren wie Ernährung oder die Einnahme bestimmter Medikamente. Sie tritt also aufgrund anderer Erkrankungen auf. Zu den Risikofaktoren gehören:

Symptome einer Hyperurikämie

Eine Hyperurikämie muss sich nicht zwingend über Symptome äußern. Manche Betroffene wissen jahrelang nicht, dass ihr Harnsäure-Spiegel erhöht ist. Meist kommt dies erst zufällig bei Routineuntersuchungen heraus.
Symptomatisch manifestiert sich eine Hyperurikämie als sog. ‚Gicht‘. Hierbei wird die Löslichkeitsgrenze der Harnsäure überschritten und setzt sich in kristalliner Form in Gelenken, aber auch an Knochen oder Weichteilen und Knorpelstrukturen wie dem Ohr ab. Dies muss aber nicht zwingend passieren und hängt von Ihren Lebensumständen ab: Machen Sie Sport? Essen Sie ausgewogen? Einen akuten Gichtanfall erkennen Sie anhand folgender Symptome:

  • Schmerzhafte Gelenkentzündung, bei Erstauftreten zumeist am Großzehengrundgelenk (sog. ‚Podagra‘)
  • Ergussbildung
  • Schwellung
  • Rötung

Im Falle eines akuten Gichtanfalles macht sich die Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken schmerzhaft bemerkbar. Häufig bilden sich die sog. ‚Gichttophi‘ am Gelenk des großen Zehs.

Die Symptome einer Gicht treten vor allem nachts auf. Meist verschwinden sie nach wenigen Tagen. Ein Gichtanfall wechselt sich mit Perioden ohne Beschwerden ab.

Mehr Informationen zu der klinischen Manifestation der Gicht, ihrer Symptome und Behandlung finden Sie auch in folgendem Artikel:

Gicht: Harnsäure in den Gelenken – Diagnose und Therapie

Harnsäure und das metabolische Syndrom

Eine Hyperurikämie kann auch im Verbund mit weiteren Erkrankungen des sog. ‚metabolischen Syndroms‘ auftreten. Darunter verstehen wir Zivilisationskrankheiten der Wohlstandsgesellschaft, wie bspw. Bluthochdruck, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes mellitus. All diese Erkrankungen hängen untereinander zusammen. Übergewicht, Stammfettsucht, eine Dyslipidämie und Diabetes mellitus Typ 2 gelten deswegen als Risikofaktoren für eine Hyperurikämie.

 

Aus der Forschung – Metabolisches Syndrom durch Hyperurikämie

Eine Studie aus dem Jahr 2014, vorgestellt in Nature Communications, zeigte, dass eine Hyperurikämie sogar Auslöser eines metabolischen Syndroms sein kann. Die Studie, welche an Mäusen durchgeführt wurde, ergab, dass Tiere mit krankhaft erhöhtem Harnsäurespiegel nach kürzester Zeit weitere Erkrankungen des metabolisches Syndroms wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und eine Adipositas entwickelten.
Quelle: Brian J. DeBoch et al. (2014): Early-onset metabolic syndrome in mice lacking the intestinal uric acid transporter SLC2A9. In: Nature Communications.

Wer ist davon betroffen?

Die Wahrscheinlichkeit einen zu hohen Harnsäurespiegel im Blutserum zu haben steigt mit dem Alter. 15 bis 25 Prozent der Menschen in Deutschland leiden an einer Hyperurikämie. Tendenziell weisen eher Männer als Frauen diese Erkrankung auf. Das von Frauen in deutlich höherer Konzentration produzierte Sexualhormon Östrogen verringert nämlich das Erkrankungsrisiko. Ältere Frauen nach der Menopause verlieren durch den sinkenden Östrogenspiegel diesen Schutz und erkranken folglich häufiger.

Umfrage: Hatten Sie schon einmal einen Gichtanfall? Mit Ihrer Teilnahme an dieser Umfrage helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einschätzen zu können.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Eine Hyperurikämie wird in der Regel zufällig im Rahmen von Routineuntersuchungen entdeckt – konkret bei der Analyse der Blutwerte. Deswegen ist es sinnvoll – vor allem, wenn Sie von entsprechenden Vorerkrankungen in der Familie wissen – regelmäßig Kontrolluntersuchungen durchzuführen. Es empfiehlt sich, alle sechs Monate einen allgemeinen Check bei Ihrem behandelnden Hausarzt durchführen zu lassen!

Video-Exkurs: Nierenwerte

Die Untersuchung Ihrer Blutwerte kann einen Einblick in den „Gesundheitszustand“ Ihrer Niere bieten: Neben Harnsäure geben weitere Substanzen wie Kreatinin oder Cystatin C Hinweise darauf, ob es Ihrem Körper gut geht. Doch wieso ist das so? Dr. Tobias Weigl erklärt die Zusammenhänge in folgendem Video!

Erhöhte Nierenwerte in Blut & Urin 🔎 Kreatinin, Harnsäure, Harnstoff & Cystatin C verbessern

Fakten-Box Harnsäure

  • Endprodukt des Purinabbaus
  • wird über die Nieren ausgeschieden
  • Anteil bleibt im Blutserum zurück – zwischen 5,5 mg und 6,4 mg/100 ml normal
  • ab 6,4 mg/100 ml erhöhter Harnsäurespiegel: Hyperurikämie

Symptome einer Hyperurikämie

  • erst in Form der klinischen Manifestation (Gicht) evident
  • vorher keine Beschwerden

Ursachen einer Hyperurikämie (Auswahl)

  • genetische Prädisposition
  • Medikamente wie Diuretika oder Zytostatika
  • mangelhafte Leistung der Nieren, bspw. im Falle einer Niereninsuffizienz
  • erhöhter Zellzerfall (im Rahmen einer Krebserkrankung)
  • unausgewogene Ernährung
  • erhöhter Alkoholkonsum

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Ein erhöhter Harnsäurewert bedeutet nicht zwingend, dass eine Therapie erforderlich ist. Allerdings wird eine Behandlung spätestens in den Fällen erforderlich, in denen sich die Hyperurikämie als Gicht manifestiert. Um weitere Folgen auszuschließen, ist somit eine Umstellung der Lebensweise – vor allem der Ernährung – ratsam.
Was kann gegen erhöhte Harnsäurewerte getan werden? Grundsätzlich besteht die Behandlung zunächst in einer Veränderung der Ernährungsweise. Dies orientiert sich unter anderem an den Hinweisen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) und dreht sich um eine ausgewogene Ernährung. Grundsätzlich gilt eine Reduktion der Purine in der Nahrung als förderlich. Eine regulierte Purinzufuhr kann den Harnsäurespiegel letztendlich ebenso beeinflussen. Es gibt zwei Diätweisen: einmal die purinarme Diät, die eine tägliche Purinzufuhr von maximal 500 mg/Tag mit sich bringt, und die streng purinarme Diät. Diese begrenzt die tägliche Zufuhr auf 300 mg. Neben der reduzierten Kost sollten Sie zudem viel Flüssigkeit – Wasser oder ungesüßte Tees – zu sich nehmen. Ziel sind mindestens 1,5 Liter pro Tag.

Gut zu wissen!
Wie viel Harnsäure entsteht eigentlich aus Purin? Um das selbst abschätzen zu können, gibt es eine Formel: So entspricht 1 mg Purin etwa 3 mg Harnsäure. Das bedeutet: Wenn etwas eine bestimmte Menge Purin enthält, ergibt der Abbau ungefähr das Dreifache an Harnsäure.

Ernährung – Do’s und Don’t‘s

Bestimmte Lebensmittelgruppen heben den Harnsäurespiegel in Ihrem Körper an. Bei einer purinbewussten Ernährung sollten Sie also tendenziell auf diese verzichten. Dazu gehören beispielsweise:

  • Fleisch: Sehr viele tierische Proteine. Die Folge solcher Nahrung – vor allem in großen Mengen – ist die Senkung des pH-Wertes von Blut und Harn. Dies führt wiederum dazu, dass die Harnsäure noch schneller ausfallen kann.
  • Alkohol: Wer viel Alkohol trinkt, hat ebenfalls einen höheren Harnsäurespiegel. Das liegt daran, dass Alkohol die Ausscheidung der Substanz über die Nieren vermindert. Zusätzlich werden weitere Purine im Körper freigesetzt, die zu Harnsäure abgebaut werden können.
  • Fruktosehaltige Getränke: Ebenso negativ auf den Harnsäurespiegel wirkt sich Fruktose aus. Quelle ist nicht das Obst, sondern der als Süßungsmittel verwendete Fruchtzucker in Getränken wie Softdrinks oder Multivitaminsäften. Die Lebensmittelindustrie greift lieber auf den kostengünstigeren Fruchtzucker als den Haushaltszucker zurück. Die Harnsäure steigt bereits wenige Minuten nach Verzehr entsprechender Lebensmittel oder Getränke an. Fruktose kurbelt die Purinsynthese an – mehr Purin bedeutet mehr Harnsäure. Außerdem vermindert Fruktose wie Alkohol die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere.
  • Meeresfrüchte und Schalentiere: Auch Fische wie Sardellen, Sadinen oder Lachs sowie andere Meerestiere enthalten relativ viel Purin, was die Harnsäureproduktion nach oben treiben kann.

Andere Lebensmittel können dagegen bei der Reduktion von Harnsäure unterstützen. So sind Milchprodukte hervorragende Proteinlieferanten und enthalten wenig bis kein Purin. Auch Kaffee und Tee können Sie trinken – beide Getränke enthalten vergleichsweise wenig Purine.
In der folgenden Aufzählung können Sie einige Lebensmittel mit geringem, mittlerem, hohem und sehr hohem Puringehalt finden:

  • Lebensmittel mit unter 50 mg Purin/100 g: Milchprodukte wie Käse oder Milch, bestimmte Gemüsesorten, Obst, Getreide, Eier
  • Lebensmittel zwischen 50 und 150 mg Purin/100 g: Kohlgemüse wie Rosen- und Blumenkohl, Hülsenfrüchte, Rindfleisch, Garnelen, Vollkornreis, Getreideflocken
  • Lebensmittel zwischen 150 und 400 mg Purin/100 g: Innereien wie Leber oder Niere, Fisch und Muscheln
  • Lebensmittel mit über 400 mg Purin/100 g: Ölsardinen, Fleischextrakt, Roggen- und Weizenkeime, Hefe

Beachten Sie, dass es sich hier nur um genäherte Werte handelt. Der tatsächlich Puringehalt hängt unter anderem auch von der Zubereitungsart und dem konkreten Nahrungsmittel ab!

Gut zu wissen!
Dadurch, dass Purine wesentlicher Bestandteil jeder Zelle sind, kommt die Struktur in der Mehrzahl der Lebensmittel auf tierischer und pflanzlicher Basis vor. Allerdings haben tierische Produkte einen höheren Purinwert, da diese im Verhältnis meist mehr DNA-haltige Zellkerne enthalten, als pflanzliche Lebensmittel.

Medikamente

Ein medikamentöser Therapieansatz bietet sich vor allem dann an, wenn Sie bereits mindestens einen Gichtanfall hatten oder an einer chronischen Gicht leiden. Medikamente werden in diesem Fall ergänzend in der Therapie eingesetzt. Es gibt verschiedene Medikamente, die grob gesprochen zwei Funktionsweisen haben. Urikostatika wie Allopurinol hemmen den körpereigenen Abbau von Purinen zu Harnsäure. Urikosurika wie Benzbromaron oder Probenecid regen dagegen die Ausscheidung von Harnsäure über den Urin an.

Einige Fälle, wie bspw. eine dauerhaft sehr hohe Harnsäurekonzentration von über 9 mg/100 ml Blutserum, erfordern eine langfristige Medikation. Dies kann zum Beispiel bei einer Überproduktion von Harnsäure im Rahmen einer Chemotherapie sowie bei einer Ablagerung von Harnsäurekristallen in der Niere der Fall sein.

Häufige Patientenfragen

Ich habe einen erhöhten Harnsäurespiegel – reicht es, wenn ich entsprechende Medikamente nehme?

Dr. T. Weigl:
Nein! Medikamente können helfen, allerdings reichen sie nicht. Eine optimale Behandlung und damit Reduktion des erhöhten Harnsäurewertes kann nur mit einer zweisäuligen Therapie erreicht werden; mit Medikamenten sowie einer bewussten und purinreduzierten Ernährung!

Muss ich zwingend Gicht bekommen, wenn mein Harnsäurespiegel zu hoch ist?

Dr. T. Weigl:
Nicht jeder, der erhöhte Harnsäurewerte aufweist, wird automatisch eine Gicht entwickeln. Momentan kommen auf einen Gichtpatienten ungefähr zehn bis zwanzig Hyperurikämiker. Hierbei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Dazu gehören bspw. genetische Prädispositionen, die Art der Ernährung oder weitere Erkrankungen. Beachten Sie aber: Die Wahrscheinlichkeit, eine Gicht zu entwickeln, erhöht sich ab einer Harnsäurekonzentration von 6,4 mg pro 100 ml Blutserum. Ab 9 mg und aufwärts werden Sie definitiv an Gicht erkranken.

Warum verhindert Östrogen die Erhöhung des Harnsäurespiegels?

Dr. T. Weigl:
Östrogen schützt Frauen vor einem hohen Harnsäurespiegel. Dies liegt daran, dass das Hormon urikosurisch wirkt. Das bedeutet, dass es die vermehrte Ausscheidung von Harnsäure über die Niere fördert.

Bloß nicht die Gicht! Milan kennt die Folgen einer Hyperurikämie nur zu gut: Sein Vater und sein Onkel haben beide an den Veränderungen am Gelenk gelitten. Das muss nicht sein! Glücklicherweise hat die Untersuchung die erhöhten Werte bei ihm selbst frühzeitig offenbart. Mit der tatkräftigen Unterstützung seines Ehemanns Thomas arbeitet Milan nun einen Ernährungsplan aus, um Purine in der Nahrung zu reduzieren und so die Harnsäure samt Gichtrisiko zu senken!

Verwandte Themen

Haben auch Sie Erfahrungen mit Harnsäure oder Hyperurikämie gemacht? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Andrea Lorenz
Lektorat: Arlen-Celina Lücke
Veröffentlicht: 02.06.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Robert M. Bachmann et al. (2005): Säure-Basen-Therapie. So hilft sie mir bei Gicht. Die optimale Ernährung im Alltag – die besten Rezepte zum Ausprobieren. Trias-Verlag, Stuttgart.
  • Gerlinde Bergmann (2014): Ernährung bei Hyperurikämie und Gicht. In: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Das Bayerische Verbraucherprotal.
  • Brian J. DeBoch et al. (2014): Early-onset metabolic syndrome in mice lacking the intestinal uric acid transporter SLC2A9. In: Nature Communications.
  • Deutsche Apotheker-Zeitung (2014): Fructose so schädlich wie Alkohol.
  • Deutsches Ärzteblatt (2014): Studie: Harnsäure kann metabolisches Syndrom auslösen.
  • Ibrahim Elmadfa und Alexa Leonie Meyer (2008): Harnsäurewerte. GU Kompass, München.
  • Marie-Christina Fritzsche (2018): Gicht, Puringehalt von Nahrungsmitteln. In: Deximed.
  • Josef Miligui (2008): Ernährung bei Hyperurikämie und Gicht. BoD, Norderstedt.
  • Sven-David Müller-Nothmann und Christian Weißenberger (2006): Ernährungsratgeber Gicht – Genießen erlaubt. Schlütersche-Verlag, Hannover.
  • Barbara Nickolaus (2014): Symptomatische Hyperurikämie: Eine komplexe Systemerkrankung. In: Deutsches Ärztebatt.
  • Edeltraud Hund-Wissner et al. (2006): Köstlich essen bei Gicht. Trias-Verlag, Stuttgart.
[Gesamt:4    Durchschnitt: 4.5/5]

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