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Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie) – Ursachen | Folgeerkrankungen | Therapie

Eine Vielzahl an Gründen kann zu einer Dyslipidämie führen. Diese können sowohl genetischer Natur als auch Produkt der Lebensumstände sein. Man kann einer Fettstoffwechselstörung gut mit einer Kombination aus Ernährungsanpassung, einem Sportprogramm und ggf. medikamentöser Behandlung begegnen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Ein gesunder Organismus hat ein bestimmtes Verhältnis von Fetttransportproteinen mit unterschiedlichen anderen Fetten wie Cholesterin, Speicherfett oder Phospholipid. Ist dieses Verhältnis gestört, spricht man von einer Fettstoffwechselstörung oder ‚Dyslipidämie‘. Besonders erhöhte Cholesterinwerte in Kombination mit einer vermehrten Zahl an den Lipoproteinen stellen erhebliche Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall), Arteriosklerose, Diabetes und früh einsetzende Altersdemenz dar. Fettstoffwechselstörungen sind damit maßgeblich für die meisten tödlich verlaufenden Krankheiten der Industrienationen (mit)verantwortlich. Die Ursachen für Dyslipidämien reichen von genetischen Komponenten über Übergewicht, Diabetes, Alkoholismus, Leber- und Nierenerkrankungen und Bauchspeicheldrüsenentzündung bis hin Essstörungen, Schilddrüsenunterfunktion oder Schwangerschaft. Dementsprechend ist die Herangehensweise des Arztes je nach Form der Störung grundverschieden. Allgemein wird jedoch eine Lebensstiländerung mit Ernährungsumstellung und Sportprogramm zur Gewichtsreduktion empfohlen. Je nach Erkrankungstyp kann eine medikamentöse Behandlung nötig sein.

Annika sitzt ihrer besten Freundin Natascha im Café gegenüber. Es scheint ihr sichtlich nicht gut zu gehen. „Weißt Du,“, sagt sie, „ich habe seit ein paar Tagen so stechende Schmerzen. Als würde mich jemand viel zu fest umarmen und mir die Taille zuschnüren. Und mittlerweile fühle ich mich wirklich elend. Mir ist ständig übel, mein Bauch ist furchtbar aufgebläht und ich glaube, ich bekomme Fieber. Jetzt, wo das Semester und die Pflichtveranstaltungen wieder anfangen! Wenn ich mir sicher wäre, dass es nur eine harmlose Grippe ist, würde ich mich die letzte Ferienwoche ausruhen und danach trotzdem in die Uni, aber irgendwie macht es mir schon Sorgen. Du bist doch Krankenschwester, was soll ich tun?“ Annika rät Natascha, dringend zum Arzt zu gehen – die Kombination aus plötzlichen, starken Schmerzen und Fieber scheint ihr doch etwas Ernstes zu sein. Sie soll Recht behalten.

 

Wie entstehen Fettstoffwechselstörungen?

Die eine, seltenere Ursache für Störungen der Fettmenge im Blut sowie der Fetttransportproteine ist die genetische. Betroffene leiden aufgrund von Gendefekten an der Funktionsunfähigkeit bestimmter Enzyme, die zum Beispiel für die Herstellung der Fetttransportproteine oder für LDL-Rezeptoren – über die Nahrungsfette und Cholesterin in die Zellen aufgenommen werden – essenziell sind.

Die erblichen Formen der Fettstoffwechselstörung werden als primäre Hypercholesterinämie (zu viel Cholesterin) bzw. Hypertriglyceridämie bezeichnet.

Deutlich häufiger sind sekundäre Formen, also im Laufe des Lebens erworbene Störungen, die als Folge einer ungesunden Lebensweise (z. B. zu fettreiche Ernährung und Bewegungsmangel) oder als Begleiterscheinung anderer Krankheiten auftreten. Sie können auch durch Medikamente verursacht werden.
Zu Krankheiten, die häufig mit Fettstoffwechselstörungen assoziiert werden, zählen:

  • Stoffwechselentgleisungen (Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes, Gicht)
  • Nierenerkrankungen
  • Fehlernährung (Magersucht, Übergewicht, Alkoholismus, Drogenmissbrauch)
  • Störungen des Immunsystems
  • Medikamente wie Betablocker, hormonelle Verhütungsmethoden, Cortisol/Cortison
Haben Sie schon Probleme mit erhöhten Fettblut-und Cholesterinwerten gehabt?
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Symptome – wie merke ich, dass ich eine Fettstoffwechselstörung habe?

Eine Erhöhung der Blutfettwerte anhand von körperlichen Symptomen zu identifizieren, ist ohne ärztliche Hilfe oft nicht möglich, da auch über einen längeren Zeitraum selten nennenswerte Begleiterscheinungen auftreten. Häufiger wird eine Fettstoffwechselstörung zufällig bei Blutkontrollen oder im Rahmen anderer Erkrankungen diagnostiziert. Trotzdem gibt es einige Indizien, die für eine solche Störung sprechen. Oft treten diese jedoch erst bei extrem hohen Blutfettwerten auf. So etwa:

  • weißliche bis gelbliche Verfärbungen der Haut (meist zuerst im Bereich der Augen)
  • feine Erhebungen und Knötchen
  • Leber- und Milzvergrößerungen, die sich in jeweils eher seitlich lokalisierten Bauchschmerzen (die jedoch auch in den Rücken ausstrahlen können) äußern
  • wiederkehrende Entzündungen der Bauchspeicheldrüse mit unvermittelt auftretenden, stechenden Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Fieber

Besonders wenn Organe betroffensind, muss rasch gehandelt werden, da es andernfalls zu langfristigen Gewebeschäden kommen kann. Auch das Risiko eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls oder an Diabetes zu erkranken ist massiv erhöht. Störungen der normalen Hirnfunktion aufgrund von Fettablagerungen im Nervengewebe sind ebenfalls keine Seltenheit.

Was tut der Arzt? Diagnose und Behandlung

Allgemein, insbesondere jedoch bei den primären Fettstoffwechselstörungen ist eine Ernährungsumstellung in Kombination mit einem Bewegungs- und Sportprogramm das Mittel der Wahl. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt dafür, fettreiche Fertigprodukte, Fleisch- und Wurstwaren sowie Alkohol stark einzuschränken oder völlig vom Speiseplan zu streichen. Möglichst unverarbeitete, vitamin- und ballaststoffreiche sowie cholesterinarme Kost (grünes Gemüse, Kleie, Vollkornprodukte, Kartoffeln, viele Getreidesorten) sei empfehlenswert und für die langfristige Senkung des Cholesterin- bzw. Fettspiegels unerlässlich. Durch ein entsprechendes Bewegungsprogramm kann das Verhältnis der freien Fettsäuren zu Lipoproteinen im Blut ebenfalls schnell normalisiert werden.

Bei sekundären (erworbenen) Formen wird die zugrundeliegende Krankheit behandelt, was in der Regel zur deutlichen Besserung und zum völligen Verschwinden der Dyslipidämie führt.

Zeigen die Maßnahmen der Lebensstiländerung keinen oder einen zu geringen Effekt, werden unterstützend Medikamente verabreicht. Zu den bekanntesten Vertretern zählen:

  • Statine (Hemmstoffe der Cholesterinsynthese, senken somit das Cholesterin im Blut)
  • Fibrate (hemmen zusätzlich die Synthese des „Speicherfettes“ und erniedrigen den Anteil der Lipoproteine VLDL und LDL, die als Hauptrisikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten)
  • Anionenaustauscher (Stoffe, die die Wiederaufnahme der Gallensäuren, und damit des darin enthaltenen Cholesterins, hemmen)
  • Vitamingabe (besonders B-Vitamine) wenn die Erhöhung der Blutfette durch eine verminderte Herstellung der Lipoproteine bedingt ist

Exkurs: Cholesterinsenker Statin

Statine gehören zu den meistverschriebenen und umsatzstärksten Medikamenten weltweit – dies gilt insbesondere für die Industrienationen. Aber die Liste der Nebenwirkungen ist lang und reicht von Fällen, in denen Muskelschwächen beobachtet wurden über Leber- und Nierenfunktionsstörungen bis hin zu dem Verdacht, Statine würden die Gedächtnisleistung maßgeblich beeinflussen und die Entstehung demenzieller Erkrankungen begünstigen.
Studien von der John-Hopkins-Universität von Baltimore konnten hingegen zeigen, dass die kurzfristige Einnahme von Statinen keinen Effekt auf die kognitive Leistung der Patienten erkennen ließ, während eine langfristige Einnahme sich sogar eingeschränkt als Schutzfaktor vor Alzheimer herausstellte. Die Forscher konnten nachweisen, dass sich die Fettablagerungen im Nervengewebe bei unbehandelten Fettstoffwechselstörungen in Verminderung der geistigen Leistungsfähigkeit äußerten, während eine Reduktion dieser Fette durch Ernährungsumstellung und begleitende Medikamente das Risiko eher sinken ließ. Als Empfehlung für Patienten formulierten die Wissenschaftler, dass die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen gesenkt werden könne, wenn die vom Arzt verordnete Dosis eingehalten wird. Auch sei eine regelmäßige Nachkontrolle durch den behandelnden Mediziner ratsam, um die Einnahmemenge an die aktuellen Blutwerte anzupassen.

Häufige Patientenfragen

Darf ich mich bei einer Fettstoffwechselstörung nur noch cholesterinarm ernähren?

Dr. T. Weigl:
Nein. Um einen Cholesterinspiegel im Normbereich (LDL-Cholesterin zwischen 100 und 150 mg/dl) zu erhalten und die Zahl der Fettsäuren auf unter 150-200 mg/dl zu senken, ist vorübergehend eine strikte Reglementierung der Cholesterin- und Fettquellen unabdingbar. Haben sich Ihre Werte allerdings wieder im Normbereich eingependelt, können Sie auch hin und wieder von den Vorgaben abweichen. Das richtige Maß ist hier der Schlüssel! Ein hoher Cholesterinspiegel muss für Sie keinen langfristig nennenswerten Verlust der Lebensqualität bedeuten. Sie sollten trotzdem auf ihre Ernährung achten und sich sportlich betätigen! Dann stehen Ausnahmen zu festlichen Anlässen oder als kleine Wochenend-Besonderheit nichts im Wege.

Muss ich mit einer Fettstoffwechselstörung jede Form von Fett meiden?

Dr. T. Weigl
Nein. Besonders Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sind essenziell für den Organismus, da der Körper sie nicht selbst herstellen kann. In kontrollierten Mengen ist die Fettaufnahme aus hochwertigen Quellen (Leinsamen, Avocado, fetter Fisch) also auch weiterhin nötig. Die Ernährung sollte dabei in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt an die individuelle Stoffwechsellage angepasst werden.

Sind stechende Bauchschmerzen, Erbrechen und Fieber bei bestehender Fettstoffwechselstörung Zeichen für einen Notfall?

Dr. T. Weigl
Ja. Bei sehr hohen Fettwerten kann es im Rahmen der Stoffwechselstörung zu Entzündungen der Bauchspeicheldrüse kommen, was immer eine Notfallsituation darstellt. Die Bauchspeicheldrüse ist maßgeblich für die Herstellung von Verdauungsenzymen sowie die Produktion verschiedener Hormone (Insulin, Glukagon) verantwortlich. Aus einer Entzündung resultieren also nicht nur Blutzuckerentgleisungen, die Schock- und Krampfzustände auslösen können. Es können ggf. auch die unkontrollierte Verdauungsenzyme unkontrolliert freigesetzt werden. Das kann zur Selbstverdauung des Bauchspeicheldrüsengewebes führen und tödlich verlaufen.

 

Annika besucht ihre Freundin Natascha im Krankenhaus. Bei den grippeähnlichen Symptomen hatte es sich um eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung gehandelt, die auch tödlich hätte enden können. „Wie kannst Du denn eine Bauchspeicheldrüsenentzündung bekommen haben?“, fragt Annika, die solche Erkrankungen aus ihrem Krankenpflegeunterricht nur als eine Art exotischen Ausnahmefall kennt.

Natascha antwortet nachdenklich: „Die Ärzte haben eine erbliche Stoffwechselstörung bei mir festgestellt. Als ich noch in Russland gelebt und mich hauptsächlich von Kascha, Suppen, viel Obst und Gemüse ernährt habe, waren die Fettwerte wahrscheinlich nur leicht erhöht. Jetzt sind sie, seit ich ein paar Jahre in Deutschland studiere, wohl so stark angestiegen, dass sie diese Entzündung ausgelöst haben.“ Und sie fügt hinzu: „Danke, dass Du darauf bestanden hast, mit mir zum Arzt zu gehen. Ich hätte sonst sterben können! Man hat mir geraten, erst mal zu den alten Ernährungsgewohnheiten zurückzukehren. Du bist jederzeit zu meinen neuen typisch-russischen Kochversuchen eingeladen!“

Beide lachen und sind froh, dass alles so glimpflich ausgegangen ist!

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Wie ist bei Ihnen eine Fettstoffwechselstörung erstmalig diagnostiziert worden? Hatten Sie Beschwerden? Hat Ihr Arzt Ihnen zu einer Ernährungsumstellung geraten? Und wenn ja, haben sich die Lebensstiländerungen normalisierend auf Ihre Blutfettwerte ausgewirkt oder mussten Sie zusätzlich medikamentös behandelt werden? Nutzen Sie die Kommentarfunktion unten für den Austausch mit uns und anderen Lesern!

Autor: Dr. Tobias Weigl, Anna-Alice Ortner
Redaktion: Andrea Lorenz
Veröffentlicht am: 09.11.2018, zuletzt aktualisiert: 09.11.2018

Quellen

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