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Nierenversagen & Niereninsuffizienz – Ursache, Symptome und Therapie

Bei einem Nierenversagen ist schnell handeln angesagt. Denn die Nieren sind lebenswichtige Organe, deren Ausfall mit teils schwerwiegenden Komplikationen einhergehen kann.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Eine Niereninsuffizienz beschreibt eine verringerte Nierenfunktion, die sowohl chronisch als auch akut auftreten kann. Da die Niere sowohl als ausscheidendes als auch als endokrines Organ fungiert, kommt es im Rahmen der chronischen Niereninsuffizienz bei Funktionsbeeinträchtigungen zu diversen Folgeerscheinungen. Diese betreffen vor allem die Ausscheidungs- und Filtrationsfunktionen hinsichtlich des Säure-Basen-, Elektrolyt- und Wasserhaushalts sowie eine unzureichende Hormonproduktion, infolge welcher es zu Anämien oder Osteopathien kommen kann. Als Ursache gilt hierzulande vorwiegend die diabetische Neuropathie. Bei der Therapie werden entweder die zugrundeliegenden Erkrankungen behandelt oder die Nieren entlastet. Am Ende der Therapie stehen meist eine Dialyse-Behandlung oder eine Organtransplantation.
Eine akute Niereninsuffizienz (auch Akutes Nierenversagen, kurz: ANV) hingegen äußert sich vor allem in Form seltenen Wasserlassens infolge niedriger Harnproduktion. Selten kann es aber auch zu vermehrtem Wasserlassen kommen. Auch hier sind der Wasser-, Säure-Basen- und Elektrolythaushalt gestört und die Ausscheidefunktion beeinträchtigt. Bei akutem Nierenversagen ist eine schnelle Abklärung sowie Behandlung vonnöten, damit Folgeschäden abgewendet werden können.

Peter kratzt sich nachdenklich das Kinn. Er hat doch heute schon so viel getrunken und musste nicht einmal auf die Toilette? Auch grüner Tee wirkt nicht abführend? Und seine sportliche Leistung hat trotz ständigen Trainings eher ab- anstatt zugenommen. Was mag das sein? Fordert der Diabetes jetzt seinen Tribut? Sollte man das jetzt schon abklären lassen? Bei seinem Vater gingen die Probleme mit der Niere ähnlich los. Ein Besuch beim Hausarzt ist wohl die beste Lösung…

Was machen die Nieren und was ist eine Niereninsuffizienz?

Grundsätzlich hat jeder Mensch zwei Nieren. Dabei handelt es sich um bohnenförmige Organe, die – gemessen an ihrem Gewicht – zu den am besten durchbluteten Organen des menschlichen Körpers zählen. Desweiteren sind sie für die Harnproduktion zuständig und an der Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten, die zwangsläufig mit dem Urin ausgeschieden werden müssen (z. B. Harnstoff), beteiligt. Überdies regulieren sie den Wasser- sowie Elektrolytenhaushalt, wodurch maßgeblich Blutdruck und Blutvolumen beeinflusst wird. Zu den weiteren Aufgaben der Nieren gehören u. a. die Bildung von Erythropoetin, ein Hormon das die Bildung von roten Blutkörperchen (sog. Erythrozyten) stimuliert, die Konservierung lebenswichtiger Stoffe wie Glukose, Aminosäuren und Salze sowie der Erhalt des Gleichgewichts im Salz-, Volumen- und Säure-Basen-Haushalts.
Man spricht von Nierenversagen. wenn die Nieren in ihren Aufgaben erheblich eingeschränkt sind und keine Stoffwechselabbauprodukte mehr ausscheiden oder andere wichtige Substanzen mehr bilden können. Der Mediziner bezeichnet dies als Niereninsuffizienz (Gegenteil von lat. sufficere, ‚genügen‘). Diese kann sowohl akut als auch chronisch sein.

Video: Ursachen für ständigen Harndrang

Im nachfolgenden Beitrag geht Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl auf Krankheiten ein, die zum Harndrang führen. Dabei geht er ebenfalls auf die Rolle des antidiuretischen Hormons Adiuretin ein. Was ist der Diabetes insipidus? Diese und weitere Fragen werden im Video zum Thema beantwortet.

Akutes Nierenversagen (ANV)

Charakteristisch für ein akutes Nierenversagen im Vergleich zu einem chronischen Nierenversagen ist, dass es plötzlich innerhalb weniger Tage auftritt. Die Ursachen für die Erkrankung werden gemäß des Krankheitsbildes in prärenales (vor der Niere), intrarenales (in der Niere) und postrenales (in den Harnwegen, die von der Niere wegführen) akutes Nierenversagen unterteilt.
Bei einem prärenalen akuten Nierenversagen herrscht eine geringere Durchblutung der Nieren, welche durch viele Faktoren verursacht werden kann. Dazu zählen Verbrennungen, Entzündungen, Herzerkrankungen oder große Blutverluste.
Das intrarenale akute Nierenversagen ist bspw. bedingt durch entzündliche Nierenerkrankungen, überdosierte Medikamente (Antibiotika, Schmerzmittel) sowie Schwermetalle, Alkohol oder Kontrastmittel.
Bei einem postrenalen akuten Nierenversagen herrschen Verstopfungen bzw. Verengungen in den ableitenden Harnwegen. Der so nicht ausscheidbare Urin verursacht dann einen Rückstau und einen Rückfluss, was zur Nierenschädigung und in der Folge zum Nierenversagen führen kann. Als Gründe für derlei Verengungen kommen Tumoren, Nieren-, Blasen- und Harnsteine, eine verengte Harnröhre sowie eine vergrößerte Prostata infrage.
Ein akutes Nierenversagen ist, wie der Name schon sagt, häufig nur vorübergehend bzw. kann erfolgreich behandelt werden.

Chronisches Nierenversagen

Eine chronische Niereninsuffizienz setzt im Gegensatz zum akuten Nierenversagen langsam und dauerhaft ein und ist nicht reversibel, kann also nicht rückgängig gemacht werden. Die Erkrankung verläuft langsam und die Nieren können zu Beginn ihre Aufgaben (z.B. Entgiftung des Körpers) noch teilweise wahrnehmen. Abhängig vom Stadium der Erkrankung aber kommt es im Verlauf zwangsläufig zum völligen Funktionsverlust der Nieren (sog. ‚terminales Nierenversagen‘).
Als Hauptursachen der chronischen Niereninsuffizienz gelten ein langjähriger Diabetes sowie Bluthochdruck. Des Weiteren können Nierenentzündungen sowie über lange Zeit eingenommene Schmerzmittel eine Schädigung der Nieren und letztendlich eine chronische Niereninsuffizienz herbeiführen.

Medikamenten Check Teil 1

Wie oben bereits erwähnt führt eine längerfristige Einnahme bestimmter Medikamente zur Schädigung der Nieren. Außerdem sind einige Medikamente bei einer Niereninsuffizienz kontraindiziert. Das heißt, diese haben negative Einflüsse und Folgen für den Körper, falls man unter einer Niereninsuffizienz leidet. Beispiele dazu wären folgende:

  • Pethidin (Analgetikum), da es bei einer Niereninsuffizienz konvulsiv wirkt (Krampfanfall auslösend)
  • Glibenclamid (Antidiabetika), da es bei einer Niereninsuffizienz hypoglykämisch wirkt (Blutzuckergehalt abnormal senkend)
  • Spironolacton (Diuretika), da es bei einer Niereninsuffizienz hyperkaliämisch wirkt (Kaliumgehalt im Blut stark erhöhend)
Gut zu wissen!
Hohe Kaliumwerte bergen kurzfristig die größte Gefahr, da diese einen Herzstillstand verursachen können. Die Kaliumzufuhr muss dahingehend gestoppt werden, indem kaliumhaltige Medikamente sowie kaliumsparende Substanzen vermieden werden.

Die Symptome: Welche Beschwerden treten im Zusammenhang mit akuter und chronischer Niereninsuffizienz auf?

Symptome bei akuter Niereninsuffizienz

Meist verläuft ein akutes Nierenversagen zunächst ohne Symptome. Hat die Funktion der Niere aber um 90 Prozent oder mehr abgenommen, kommt es in den meisten Fällen zunächst zu einer reduzierten Ausscheidung von Urin. Die meisten Patienten kommen anfangs noch auf ungefähr einen halben Liter täglich, was im weiteren Verlauf weiter abnehmen kann. Es kann aber auch sein, dass sich die Ausscheidung nicht reduziert, aber der ausgeschiedene Urin Eiweiße und Blut enthält. Auf dem Höhepunkt der Erkrankung kommt die Ausscheidung von Urin völlig zum Erliegen, wodurch der Körper überwässert ist. Dies hat zur Folge, dass sich Wasser im Gewebe, in der Lunge und sogar im Gehirn ansammeln kann, was wiederum zu einer Herzschwäche führen kann. Weitere Symptome wären Bluthochdruck sowie Luftnot.
Überdies kann das akute Nierenversagen eine urämische Intoxikation, also eine Harnvergiftung, zur Folge haben. Dabei gelangen von der Niere nicht mehr abbau- bzw. abführbare Stoffwechselprodukte ins Blut und führen so zu einer Vergiftung. Dies kann Beschwerden wie Seh-, Konzentrations- oder Bewusstseinsstörungen, allgemeine Schwäche, Schmerzen, Fieber oder Juckreiz verursachen.

Symptome bei chronischer Niereninsuffizienz

Auch bei der chronischen Niereninsuffizienz bestehen in Anfangsstadien kaum Symptome. Zu diesem Zeitpunkt können geringen Beschwerden wahrgenommen werden, die sich meist in allgemeinem Unwohlsein oder einer verminderten Leistungsfähigkeit äußern. Mit dem Verlauf der Erkrankung kommt es zu den sogenannten urämischen Symptomen, welche aus Organschädigungen resultieren, die wiederum das Ergebnis von angestauten harnpflichtigen Substanzen im Körper sind. Dazu gehören Wesensveränderungen, Bewusstseinsstörungen, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz, Wasser in der Lunge (sog. ‚Lungenödem‘), Übelkeit, Erbrechen, Magenschleimhautentzündung, Blutarmut (sog. ‚Anämie‘), trockene und juckende Haut, Wassereinlagerungen in den Beinen sowie Polyneuropathien, also Erkrankungen des Nervensystems.

Wer ist am ehesten betroffen?

Bei hospitalisierten Patienten, also denjenigen Patienten, die mit ihren Beschwerden ins Krankenhaus kommen, beträgt die Häufigkeit für ein akutes Nierenversagen 1–25 Prozent. Die Häufigkeit ist bei älteren Patienten deutlich erhöht. Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden, entwickeln in 35–40 Prozent der Fälle ein akutes Nierenversagen.
Die Häufigkeit, mit der Menschen an chronischer Insuffizienz erkranken, nimmt weltweit und insbesondere in Industrieländern stetig zu. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass auch der Typ-2-Diabetes immer mehr Menschen betrifft. Im Jahr 2004 befanden sich deutschlandweit etwa 61.000 Patienten in Dialysetherapie.
Bei eingeschränkten Nierenfunktionen gelten vor allem Bluthochdruck, eine erhöhte Cholesterinkonzentration sowie der Diabetes mellitus als Risikofaktoren.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Zu Beginn erfolgt immer das sogenannte Anamnesegespräch, in welchem der behandelnde Arzt relevante Informationen vom Patienten erfragt. Anhand der zuvor geschilderten Beschwerden kann er die Vermutung aufstellen, dass ein Nierenschaden diese verursacht. Er wird dahingehend dann auch in Erfahrung bringen, ob dem Körper auf Dauer Substanzen zugeführt worden sind, die einen Nierenschaden zur Folge haben könnten. Dabei handelt es sich um Medikamente oder den Kontakt mit giftigen Substanzen. Ebenso wird der Arzt nach eventuellen Unfällen fragen, bei denen die Niere Schaden erlitten haben könnte, oder sich erkundigen, ob es in der Familie des Patienten bereits zu Nierenerkrankungen gekommen ist. Des Weiteren werden in diesem Gespräch mögliche Risikofaktoren wie ein Diabetes mellitus oder Bluthochdruck erfragt. Liegen derlei Grunderkrankungen vor, wird der Arzt sowohl die GFR – die sog. ‚Glomeruläre Filtrationsrate‘, die das Gesamtvolumen des bspw. pro Minute gebildeten Primärharns angibt – als auch die Albuminausscheidung im Harn bestimmen lassen.

Gut zu wissen!
Bei Albumin handelt es sich um ein Protein, das in der Regel nur in geringen Mengen im Urin nachweisbar sein sollte. Ist die Menge an Albumin im Urin aber erhöht, ist dies ein Anzeichen für einen Nierenschaden. In diesem Fall liegt dann eine sogenannte ‚Albuminurie‘ vor.

Im Rahmen der klinischen Untersuchung wird der Arzt dann eine körperliche Untersuchung unternehmen, bei der die Nieren abgeklopft werden, um zu prüfen, ob dies Schmerzen verursacht. Hinzu kommen eine Blutdruckmessung sowie eine Ultraschalluntersuchung der Blase, um festzustellen wie stark diese mit Urin gefüllt ist.
Die weitere Bestimmung der Krankheit erfolgt dann durch eine Überwachung der Nierenfunktion. Dahingehend wird auf verschiedene Mittel wie bspw. ein regelmäßiges Wiegen sowie eine Bilanzierung des Flüssigkeitshaushalts bzgl. Ausscheidung und Aufnahme zurückgegriffen. Dies gibt Aufschluss über eventuelle Fehlfunktionen sowie die Einlagerung von Wasser im Gewebe (sog. ‚Ödeme‘).

Bildgebung

Die Nieren können mithilfe eines Ultraschalls (sog. ‚Sonografie‘) untersucht werden. Dabei kann der Arzt bzw. Radiologe dann feststellen, ob sich die Form der Niere infolge eines Schadens verändert hat oder ob es bereits zu einem Harnstau gekommen ist. Des Weiteren werden im Ultraschall Fremdkörper, wie Tumoren oder Nierensteine, sichtbar. Andere Ultraschalltechniken können sogar Aufschluss über die Nierengefäße sowie deren Fließeigenschaften geben.
Ein Röntgenbild des Brustkorbes gibt indes Aufschluss über eine eventuelle Einlagerung von Wasser in den Lungen.
Die bis hierher erfolgte Bildgebung kann, sofern ihre Ergebnisse in Kombination mit den Laborbefunden keine eindeutige Diagnose zulassen, durch Computer- und/oder Kernspintomografie gestützt werden.
In seltenen Fällen kann der behandelnde Arzt zur Sicherung der Diagnose eine Biopsie veranlassen, bei der von den Nieren, über einen kleinen medizinischen Eingriff, eine Gewebeprobe (sog. ‚Biopsie‘) entnommen wird. Dies wird allerdings meist nur dann veranlasst, wenn die bisher geschilderten Methoden kein eindeutiges Ergebnis bzgl. der vermuteten Erkrankungen zulassen. Im Anschluss an die Entnahme des Gewebes wird dieses dann unter dem Mikroskop untersucht.

Fakten-Box
Niereninsuffizienz (akute und chronische)
Bis zu 25 Prozent der wegen ihrer Beschwerden in einem Krankenhaus Behandelten haben ein akutes Nierenversagen
Häufigkeit der an chronischer Insuffizienz Erkrankten nimmt vor allem in Industrieländern zu
61.000 Dialysepatienten im Jahr 2004 in DeutschlandSymptome akuter Niereninsuffizienz

  • Anfangs beschwerdefrei
  • Verminderte Urinausscheidung (Selten: erhöhte Urinausscheidung)
  • Eiweiße und Blut im Urin
  • Keine Ausscheidung von Urin mehr
  • Überwässerung des Körpers
  • Wassereinlagerung in Gewebe, Lunge und Hirn
  • Bluthochdruck, Herzschwäche, Luftnot
  • Harnvergiftung (sog. ‚Urämie‘)
  • Seh-, Konzentrations- und Bewusstseinsstörungen
  • Schwäche, Schmerzen, Fieber, Juckreiz

Hinzu kommen bei chronischer Niereninsuffizienz

  • Allgemeines Unwohlsein und verminderte Leistungsfähigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen, Magenschleimhautentzündung
  • Blutarmut
  • Trockene und juckende Haut
  • Schädigungen des Nervensystems

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Die Behandlung der Niereninsuffizienz entspricht dem jeweiligen Stadium der Erkrankung. Die dahingehende Einteilung erfolgt je nach Krankheitsbild, ob es sich also um ein akutes oder ein chronisches Nierenversagen handelt, entlang unterschiedlicher Kriterien.

Stadien des akuten Nierenversagens

Zur Klassifizierung des akuten Nierenversagens bestehen verschiedene Ansätze. Die gebräuchlichste Einteilung erfolgt aber gemäß der Leitlinien der KDIGO (Kidney Disease: Improving Global Outcomes). Dieser Klassifizierung liegen die zwei klinischen Parameter Kreatininanstieg und Urin-Ausscheidung zugrunde.

Gut zu wissen!
Bei Kreatinin handelt es sich um ein Abbauprodukt, das von der Muskelmasse abhängig ist und dauerhaft produziert wird. Die Eliminierung ebendieses Kreatinins erfolgt hauptsächlich über die Niere, weshalb der sogenannte Serumkreatininwert Auskunft über die Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) geben kann.Auf der Basis dieser Parameter ergeben sich die folgenden Stadien:

  • Stadium 1: Der Serumkreatininwert ist innerhalb von 48 Stunden um 0,3 mg/dL angestiegen oder es erfolgte innerhalb von einer Woche ein Anstieg um den Faktor 1,5–1,9. Die Ausscheidung von Urin liegt in einem Zeitraum von
    6– Stunden unterhalb von 0,5 mL/kgKG/h (Milliliter pro Kilogrammkörpergewicht pro Stunde).
  • Stadium 2: Der Serumkreatininwert ist um den Faktor 2–2,9 angestiegen und die Urin-Ausscheidung liegt in einem Zeitraum von 12 Stunden oder mehr bei
    0,5 mL/kgKG/h.
  • Stadium 3: Der Srumkreatininwert ist um den Faktor 3 oder auf 4 oder mehr mg/dL angestiegen. Eine Nierenersatztherapie wurde angefangen oder bei Patienten unter 18 Jahren liegt die eGFR (die geschätzte Glomeruläre Filtrationsrate) unterhalb von 35 mL/min/1,73 m2 (wobei die Quadratmeter hier die Körperoberfläche angeben). Die Urin-Ausscheidung liegt in einem Zeitraum von 24 Stunden oder mehr bei weniger als 0,3 mL/kgKG/h. Außerdem liegt für 12 oder mehr Stunden eine Anurie – also weniger als 100 ml Harnproduktion pro Tag – vor.

Die Therapie des akuten Nierenversagens

Zu den allgemeinen Therapiemöglichkeiten zählen das Absetzen sowie Meiden sogenannter nephrotoxischer, also die Niere schädigender, Substanzen, wozu auch einige Medikamente zählen. Des Weiteren sollte in jedem Fall der Wasser, Säure-Basen- sowie Elektrolythaushalt kontrolliert werden. Oft ist auch eine Dialyse hilfreich.
In den meisten Fällen muss das Hauptaugenmerk auf die Behandlung der Grunderkrankung gerichtet sein, bspw. die korrekte Einstellung des Diabetes mellitus. Die weiteren, speziellen Therapiemöglichkeiten hängen mit der jeweiligen Lokalisation zusammen, ob die Funktionsbeeinträchtigung also aus einem Schaden vor (prärenal), in (intrarenal) oder hinter (postrenal) der Niere resultiert.
Bei einem prärenalen akuten Nierenversagen steht zunächst die Behandlung der Verminderung der im Körper zirkulierenden Blutmenge (sog. ‚Hypovolämie‘) durch Gabe einer Kochsalzlösung im Vordergrund. Ist dies das Resultat eines Blutverlusts, so kommen zusätzlich Erythrozytenkonserven zum Einsatz. Zudem wird der zentrale Venendruck kontrolliert und der Säure-Basen-Status sowie der Kalium- und Natriumwert im Blutserum überwacht.
Bei einem intrarenalen akuten Nierenversagen stehen vor allem die ursächlichen Erkrankungen im Vordergrund. Scheidet der Patient nur wenig (sog. ‚Oligurie‘) oder keinen Urin (sog. ‚Anurie‘) aus, so gilt es vorrangig, den Flüssigkeitshaushalt entsprechend zu regulieren und dabei eine Überwässerung zu vermeiden. Kommt es dennoch zu einer solchen Überwässerung, so kann versucht werden, Schleifendiuretika zu verabreichen, welche schnell und potent bei Wassereinlagerungen wirken. An diesem Punkt sollte der Arzt dann auch ein vorübergehendes Nierenersatzverfahren (sog. ‚Dialyse‘) in Erwägung ziehen. Ist die Niereninsuffizienz Ergebnis einer Nierenkörperchenentzündung
(sog. ‚Glomerulonephritis‘), erfolgt die Gabe sogenannter Immunsuppressiva, welche immunabschwächend wirken. Wenn die Ursache der Niereninsuffizienz aber Folge einer Mangeldurchblutung (sog. ‚Ischämie‘) ist, steht die Wiederherstellung ebendieser Durchblutung (sog. ‚Revaskularisation‘) im Vordergrund. Ist die Erkrankung aber auf Toxine zurückzuführen, so empfiehlt sich eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit sowie ggf. eine Dialyse.
Handelt es sich um ein postrenales akutes Nierenversagen, liegt das Hauptaugenmerk der Behandlung auf der Entfernung des Abflusshindernisses. Auch eine Harnableitung über einen Schlauch durch die Haut (sog. ‚perkutane Nephrostomie‘) sollte in Erwägung gezogen werden.

Stadien der chronischen Niereninsuffizienz

Die Einteilung der Stadien chronischer Niereninsuffizienz kann gemäß der Leitlinien der NKF (National Kidney Foundation) nach der glomerulären Filtrationsrate (kurz: GFR) oder gemäß der Retentionsparameter, also derjenigen Werte die Auskunft über die Leistungsfähigkeit der Niere geben, erfolgen.
Die Stadien-Einteilung nach GFR basiert auf der Menge produzierten Primärurins pro Minute, angegeben in mL/min.

  • Stadium 1: ≥90 mL/min; keine Funktionseinschränkung
  • Stadium 2: 60–89 mL/min; geringgradige Funktionseinschränkung
  • Stadium 3a: 45–59 mL/min; gering- bis mittelgradige Funktionseinschränkung
  • Stadium 3b: 30–44 mL7min; mittel- bis hochgradige Funktionseinschränkung
  • Stadium 4: 15–29 mL/min; hochgradige Funktionseinschränkung
  • Stadium 5: <15 mL/min; Nierenversagen

Gemäß der Retentionsparameter, zu denen das Kreatinin, der Harnstoff, die Harnsäure und das Cystacin C zählen, bestehen hingegen die folgenden vier Stadien:

  • Stadium 1: Kompensiertes Dauerstadium: Die glomeruläre Filtrationsrate ist reduziert, die Retentionsparameter sind noch normwertig. Die Konzentrationsfähigkeit der Nieren ist eingeschränkt, es kommt zu nächtlichem Harndrang.
  • Stadium 2: Niereninsuffizienz mit kompensierter Retention: Der Kreatininwert steigt ohne erkennbare Symptome bis 6 mg/dL an, die Blutbildung nimmt ab.
  • Stadium 3: Niereninsuffizienz mit dekompensierter Retention: Die Niereninsuffizienz wird erkennbar (sog. ‚klinische Manifestation‘) der Kreatininwert übersteigt 6 mg/dL, es kann zu Bluthochdruck, einer Übersäuerung des Blutes (sog. ‚Azidose‘) und Impotenz kommen.
  • Stadium 4: Terminale Niereninsuffizienz: Es kommt zu immer mehr Symptomen einer Niereninsuffizienz inklusive der urämischen Symptome (Übelkeit, Lungenödem, Hirnschäden, Koma), ein Nierenversagen tritt ein. Patienten in diesem Stadium sind dialysepflichtig.

Die Therapie der chronischen Niereninsuffizienz

Die allgemeinen Therapiemethoden im Zusammenhang mit chronischer Niereninsuffizienz haben vor allem die Aufrechterhaltung der Nierenfunktion zum Ziel. Dabei gilt es u. a. dem Körper ausreichend Flüssigkeit, etwa 2 Liter täglich, zuzuführen. Dabei ist zu achten, dass sowohl ein verringerter Wasserhaushalt (sog. ‚Exsikkose‘) als auch Wassereinlagerungen (sog. ‚Ödeme‘) vermieden werden. Dies kann auch durch den Einsatz von Diuretika unterstützt werden. Dabei handelt es sich um Medikamente, die eine Ausschwemmung von Wasser aus dem Körper verursachen, indem sie eine verstärkte Harnproduktion (sog. ‚Diurese‘) in der Niere erzeugen. Jedoch sollte dies gründlich mit dem Arzt abgesprochen werden, um mögliche Kontraindikationen (siehe oben Medikamenten-Check) zu vermeiden. Des Weiteren gilt es, den Elektrolyt– sowie Säure-Basen-Haushalt zu kontrollieren und ggf. zu korrigieren. Dies umfasst zum einen die Gabe von Kochsalz (NaCl), wobei diese erhöht werden muss, sobald ein Natriumverlust festgestellt wird. Bei Wassereinlagerungen und Bluthochdruck sollte die Gabe von Kochsalz eingeschränkt werden. Zum anderen muss eine kaliumarme Ernährung sowie Medikation durchgeführt werden.
Außerdem müssen Risikofaktoren reduziert werden. In diesem Rahmen gilt es vor allem, Substanzen zu vermeiden, die den Nieren Schaden zufügen können. Dazu gehören nicht-steroidale Antirheumatika, da diese auf Dauer eine Minderdurchblutung der Nieren herbeiführen können. Des Weiteren gilt Nikotin als großer Risikofaktor, da die Folgen des Rauchens, zum Beispiel der Blutdruckanstieg, einen ungünstigen Einfluss auf eine chronische Niereninsuffizienz haben.

Medikamenten-Check Teil 2

Einige Medikamente sind schädlich für die Niere. Vorallem bei einer Langzeiteinnahme können sie zu Problemen in Bezug zur Niere führen. Bei einer chronischen Nierenerkrankung sollten vorwiegend diese Gruppen gemieden werden:

  • NSAR (sog. nichtsteroidale Antirheumatika), z.B. Ibuprofen, Diclofenac
    ->Wirkt nierenschädigend
  • Röntgenkontrastmittel, welche iodhaltig sind, z.B. Ultravist
    ->Vermindert Nierenfunktion bzw. – leistung
  • Antibiotika der Gruppe Aminoglykoside, z.B. Strepto-Fatol
    ->Wirkt nephrotoxisch

Nierenersatzverfahren – Dialyse

Ist das Nierenversagen zu weit fortgeschritten – befindet sich der Patient also nach der GFR in Stadium 5 bzw. nach den Retentionsparametern in Stadium 4 – herrscht Dialysepflicht. Die Funktion der Niere ist dann so weit eingeschränkt, dass sie ihrer natürlichen Aufgabe, also der Reinigung des Blutes sowie der Filtration von Schadstoffen und Stoffwechselprodukten, nicht mehr nachkommen kann. Bei einer chronischen Niereninsuffizienz wird dann eine dauerhafte, mehrmals die Woche stattfindende Dialyse notwendig. Die gängigste Form der Dialyse ist die sogenannte Hämodialyse, seltener kommt auch die sogenannte Peritonealdialyse zum Einsatz.
Bei der Hämodialyse wird das Blut des Behandelten durch einen künstlichen Filter (sog. ‚Dialysator‘) gepumpt. Dabei wird über einen Zeitraum von 4–6 Stunden das Blutvolumen des Behandelten etwa 10 Mal gewaschen. Für die Anwendung dieses Verfahrens ist es nötig, den Patienten mit einer sog. ‚Dialyseshuntfistel‘ auszustatten, welche operativ angelegt wird und eine künstliche Verbindung zwischen einer Vene nahe der Oberfläche und einer Arterie, die tiefer liegt, herstellt. Auf diese Weise wird der Blutfluss erhöht und die Shuntvene erweitert, sodass letztere dann genügend Blut für die Behandlung liefern kann. Für die effektive Therapie sind wöchentlich 3 Sitzungen à 4–5 Stunden notwendig.

Gut zu wissen!
1924 führte der Gießener Internist Georg Haas erstmals eine Dialyse an einem lebenden Menschen durch. Die Peritonealdialyse, auch Bauchfelldialysebehandlung, verwendet hingegen keinen künstlichen Filter, sondern die Filterfunktion des Bauchfells. Über einen in die Bauchwand eingenähten Katheter wird dabei die Dialyseflüssigkeit in die Bauchhöhle eingelassen. Dort fließen dann alle Stoffwechselgifte aus Blutgefäßen der Darmschlingen und der Bauchwand in die Dialyseflüssigkeit, welche etwa 6–8 Stunden in der Bauchhöhle verweilt. Nach dieser Verweildauer wird die Flüssigkeit gegen eine frische gewechselt, sodass viermal am Tag getauscht wird. Eine Trainingszeit von bis zu zwei Wochen erlaubt es dem Patienten dann, diese Form der Dialyse selbst durchzuführen.

Video: Was hat Alkohol mit dem Pinkeln zu tun?

Im nachfolgenden Beitrag geht Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl auf den Zusammenhang zwischen erhöhter Urinausscheidung bei Alkoholkonsum ein. Welche Rolle hat das Hormon Adiuretin (Vasopressin) dabei und was sagt die Farbe im Urin aus? Diese und weitere Fragen werden im Video zum Thema beantwortet.

Nierenersatzverfahren – Nierentransplantation

Als zweites Nierenersatzverfahren kommt eine Transplantation der Niere infrage. Auch diese wird in Erwägung gezogen, sobald das Nierenversagen eingetreten ist. Im Vergleich zur Dialyse trägt eine Transplantation um einiges mehr zur Wiederherstellung von Lebensqualität und Leistungsfähigkeit bei. Die Organe kommen dabei entweder von hirntoten Organspendern oder Lebendspendern. Eine Lebendspende findet im besten Fall noch vor der Dialyse statt. Hat eine Transplantation stattgefunden, so müssen regelmäßig Kontrollen bzgl. der transplantierten Niere durchgeführt werden. Hinzu kommt die lebenslange Einnahme von Medikamenten, die eine Abstoßreaktion verhindern sollen.

Gut zu wissen!
Im Durchschnitt beträgt die Funktionszeit einer transplantierten Niere etwa neun Jahre. Allerdings gibt es auch Patienten, bei denen die Transplantatnieren noch nach 20 Jahren eine gute Funktion aufweisen.

Häufige Patientenfragen

Kann die Dialyse meine Niereninsuffizienz heilen?

Dr. T. Weigl:
Ja und nein. Bei der Dialyse handelt es sich im Grunde immer um eine Übergangslösung. Bei einem akuten Nierenversagen kann sie die Funktionen der Niere für so lang übernehmen, wie die Nieren brauchen, um sich wieder zu erholen und ihren normalen Aufgaben nachgehen zu können. Bei einer chronischen Niereninsuffizienz hingegen übernimmt sie vorübergehend die Funktion der Nieren und kann diese so zwar länger erhalten, aber nicht umkehren. Dabei besteht das Ziel darin, die Lebensqualität behandelter Patienten aufrechtzuerhalten.

Gibt es eine bestimmte Form der Ernährung bei Niereninsuffizienz?

Dr. T. Weigl:
Ja, und die Ernährung nimmt sogar einen hohen Stellenwert ein. Dabei muss unterschieden werden, ob sich Patienten bereits in einem dialysepflichtigen Stadium befinden oder nicht. Ist dieses Stadium noch nicht erreicht, hat eine entsprechende Ernährung vor allem zum Ziel, den weiteren Verlauf der Nierenerkrankung zu bremsen. Verschlechtert sich die Nierenfunktion jedoch, so wird es zunehmend wichtiger, bspw. Kaliumüberschuss zu vermeiden sowie Kalzium und Phosphat angepasst zu dosieren, da diese lebensgefährliche Rhythmusstörungen auslösen und vorzeitige Verkalkungen verursachen können. Es ist daher wichtig, dass Patienten eine eingehende Ernährungsberatung bzgl. ihrer Erkrankung erhalten.

Peters Diagnose lautet chronische Niereninsuffizienz. Ist zwar noch nicht weit fortgeschritten, aber heilen kann man die Erkrankung nicht. Mit der Dialyse kann man noch etwas warten, hat der Arzt gesagt. Vielmehr wird momentan der Diabetes korrekt eingestellt und regelmäßig werden Kontrollen durchgeführt. „Hoffen wir einfach mal, dass, wenn es so weit kommt, eine Spenderniere verfügbar sein wird…“, denkt sich Peter, der sich nicht von seiner Erkrankung einschüchtern lässt und tapferen Schrittes das Joggen wieder aufnimmt. Vielleicht kann er seine Leistung ja halten.

Haben auch Sie Erfahrungen mit Niereninsuffizienz? Möchten Sie sich bei uns über die Dialyse erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Autoren: Tobias Möller, Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Schajan Salahijekta
Veröffentlicht: 14.08.2018, zuletzt aktualisiert: 15.08.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Susanne Andreae et al. (2006): Krankheitslehre. Altenpflege professionell. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Banaure et al. (2007): Innere Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Alexander Bob, Konstantin Bob (2001): Innere Medizin: 299 Synopsen, 611 Tabellen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Susanne Edelmann-Walt (2007): Gut leben mit chronischer Niereninsuffizienz: Der Patientenbegleiter. Urban & Fischer, München.
  • W. Karges, S. Al Dahouk (2009): Innere Medizin… in 5 Tagen. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Christine Keller, Steffen Geberth (2010): Praxis der Nephrologie. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Sven-David Müller, Christiane Weißenberger (2016): Ernährungsratgeber Niereninsuffizienz und Dialyse: Genießen erlaubt. Schlütersche, Hannover.
  • Die Nephrologen (2014): Faktenblatt: Nieren, Erkrankungen, Dialyse und Transplantation.
  • Wolfgang Piper (2013): Innere Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Christian Prinz (2012): Basiswissen Innere Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Alexander R. Rosenkranz et al. (2015): Chronische Niereninsuffizienz, In: ÖÄZ 21
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