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Darmkrebs Teil 2 – Schwerpunkt: Ursachen, Risikofaktoren und Vorsorge

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen der Industrienationen, verursacht
meist aber keine oder nur sehr allgemeine Symptome. Der Vorsorge und Früherkennung kommt daher lebensrettende Bedeutung zu.

— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
 
Darmkrebs ist nach Brustkrebs bei der Frau bzw. Lungen- und Prostatakrebs beim Mann die häufigste Tumorerkrankung. Dabei sind meist der Dickdarm bzw. das Rektum (Analkanal und After) betroffen, weshalb diese Tumorleiden gemeinhin unter dem Begriff “kolorektale Karzinome” zusammengefasst werden. Als verursachende Faktoren werden Lebens- und Ernährungsstil, aber auch chronische Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und insbesondere genetische Varianten angesehen. Therapeutisch wird eine chirurgische Entfernung des betroffenen Darmabschnitts unter Erhalt der Kontinenz angestrebt. Je nach Lage des Tumorgewebes folgt anschließend eine Strahlen- bzw. Chemotherapie.

 

 

Maria ist 22-jährige Jurastudentin. Seit einiger Zeit fühlt sie sich zunehmend müde und schlapp, Tennis – ihre frühere Leidenschaft – ist zur reinsten Tortur geworden. Sie gerät schnell außer Atem, wird zunehmend blasser und kann sich kaum mehr konzentrieren. Der Hausarzt hatte bereits mehrfach eine Anämie (Blutarmut) festgestellt, sie jedoch mit den Worten beruhigt, dass dies bei jungen Frauen ein häufiges Phänomen sei und ihr Eisenpräparate verschrieben. Wirklich gebessert haben sich die Symptome nicht und auch der Anämie-Parameter Hämoglobin ist unverändert geblieben. Schließlich überweist der Hausarzt Maria in das nah gelegene medizinische Versorgungszentrum. Hier soll eine Magen- und Darmspiegelung (Gastro- bzw. Koloskopie) Aufschluss darüber geben, ob über den Magen-Darm-Trakt Blut verloren geht und damit ursächlich für die Anämie ist.

 

Der Dickdarm

Der menschliche Dickdarm ist ein vergleichsweise kurzer Darmabschnitt, der primär der Eindickung des Stuhls dient. Die Nährstoffaufnahme aus dem ehemaligen Speisebrei, ist bereits im Dünndarm erfolgt und weitgehend abgeschlossen – im Dickdarm finden somit lediglich Ionenaustausch- und bakterielle Abbauprozesse statt, die dem Speisebrei Mineralstoffe und vor allem Wasser entziehen. Durch wellenartige Wanderbewegungen wird der Kot Richtung Rektum befördert, wo er sich in einer Aufweitung sammelt, Stuhldrang auslöst und anschließend ausgepresst wird. Die Darmpassage ist dabei abhängig von der Nahrung, der Synchronizität der Darmmuskulatur und den Aufnahmevorgängen im Dünn- und Dickdarm höchst individuell und kann zwischen einem und mehreren Tagen variieren.

Was sind kolorektale Karzinome und wie entstehen sie?

Bei kolorektalen Karzinomen handelt es sich um bösartige Zellwucherungen der Darmschleimhaut, die in über 90% der Fälle aus zunächst gutartigen Adenomen entstehen. Diese Adenome sind als kleine, lokal begrenzte Zellveränderungen in Form knotenartige Aufwerfungen (sogenannten Polypen) im Dickdarm oder Rektum erkennbar. Dabei sind etwa 80% der kolorektalen Karzinome im Rektum oder angrenzenden Dickdarm lokalisiert und damit prinzipiell bei einer rektalen Untersuchung tastbar!

Für allgemeine Informationen zum Thema lesen Sie gerne auch unsere Artikel ‚Krebs Teil 1 – Definition, Entstehung, Risikofaktoren und Vorsorge‚ und ‚Krebs Teil 2 – Von der Diagnose zur Therapie: allgemeine Erläuterungen zu Klassifikation und Staging‚.

Video-Exkurs:

Näheres zum Thema: “Wie entsteht Krebs?” erklärt Arzt und Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl in folgendem Video:

Die Symptome: Woran erkenne ich ein kolorektales Karzinom?

Darmkrebs zeichnet sich, wie viele andere Krebsformen auch, leider dadurch aus, dass meist keine Frühsymptome beobachtet werden. Mögliche Hinweise auf eine (fortgeschrittene) Krebserkrankung des Darmes sind:

  • chronische Verstopfung
  • Blut im Stuhl
  • ungewollter Stuhlabgang (bei Anstrengung oder Flatulenz)
  • therapieresistente Anämie ungeklärter Ursache
  • Leistungsminderung
  • Gewichtsverlust
  • allgemeine Krankheitssymptome wie Unwohlsein und Fieber

Wen kann es betreffen?

Die Ursachen für die Entstehung kolorektaler Karzinome sind höchst vielschichtig. Einige Faktoren haben sich jedoch als begünstigend für die Entstehung der Krebserkrankung herausgestellt. Diese lassen sich grob in drei Ursachenkomplexe einteilen.

Genetische Ursachen

Bestimmte genetische Varianten sind mit dem Auftreten kolorektaler Karzinome assoziiert. Hierzu zählen:

  • Familiäre adenomatöse Polyposis (FAP): Bereits in jungen Jahren (zum Ende der Pubertät hin) ist der Dickdarm mit Polypen übersät – die betroffenen Patienten entwickeln ausnahmslos ein Kolonkarzinom (meist im frühen Erwachsenenalter). Grund ist die Mutation im APC-Gen, das normalerweise als Tumorsuppressorgen fungiert und also unkontrolliertes Zellwachstum verhindert. Die Mutation ist autosomal- dominant erblich, sprich statistisch tragen 50% der Kinder eines betroffenen Elternteils ebenfalls die Mutation. Therapeutisch wird eine prophylaktische (Teil-)Entfernung des Dickdarms empfohlen. Spätestens jedoch, wenn mehr als 30 Adenome im Dickdarm nachweisbar sind.
  • Lynch-Syndrom (hereditäres nicht-polypöses Kolonkarzinom – HNPCC): Hier liegt das Erkrankungsalter im Mittel bei 40-50 Jahren. In der Familie sind über mehrere Generationen hintereinander Dickdarmkarzinome aufgetreten (meist vor dem 50. Lebensjahr), Adenome sind nicht nachweisbar. Genetische Ursache ist eine Mutation im DNA-Reparatursystem, die autosomal-dominant (also an 50% der Nachkommen) vererbt wird. Kommt es hier zu weiteren Mutationen, fallen Tumorsuppressormechanismen aus, Zellen erlangen die Fähigkeit zu unkontrolliertem Wachstum. Typisch für das Lynch-Syndrom sind ebenso Krebserkrankungen des Magens und Dünndarms. Da es sich um eine schnell wachsende Krebsform handelt, wird betroffenen Patienten ein Früherkennungsprogramm ab dem 25. Lebensjahr empfohlen sowie ggf. die chirurgische Entfernung des Dickdarms.
  • Kolorektale Karzinome in der Familie: Kolorektale Karzinome können auch familiär gehäuft auftreten, ohne dass eine der oben genannten Mutationen vorliegt. Die Therapie und Diagnostik richtet sich nach Verwandtschaftsgrad der Betroffenen und Lokalisation des Tumors bzw. der Polypen. Auch hier sind Früherkennungsmaßnahmen (regelmäßige Coloskopien) sinnvoll.

Krankheiten

Bestimmte Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes erhöhen nachweislich das Risiko, ein Darmkrebsleiden zu entwickeln. Hierzu zählen:

  • Colitis ulzerosa: Chronisch entzündliche Darmerkrankung, die meist zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr auftritt. Symptome sind Bauchschmerzen, Fieber, blutig-schleimige Durchfälle sowie Autoantikörper im Blut. Die Ursachen sind bisher unklar.
  • Morbus Crohn: Chronisch entzündliche Darmerkrankung (meist des unteren Dünndarms), die sich in Form von Durchfällen, Mangelerscheinungen, Gewichtsverlust und rechtsseitigen Unterbauchschmerzen äußert. Auch hier ist die Ursache bisher unklar.
  • Kolorektale Adenome (Polypen): Vermehrtes Auftreten gutartiger Zellwucherungen, die im Verlauf entarten können.
  • Diabetes mellitus : Sogenannter “Altersdiabetes”, ausgelöst durch zunehmende Insulinresistenz aufgrund dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel (häufig ernährungsbedingt).

Lebensstil

Auch Ernährungs- und Lebensgewohnheiten haben maßgeblichen Einfluss auf den Organismus, insbesondere den Darm. Als Risikofaktoren für Darmkrebs gelten:

  • Übergewicht
  • Drogenkonsum (Rauchen, Alkohol, synthetische Drogen)
  • fett- und fleischreiche Ernährung
  • geringer Ballaststoffkonsum (wenig Obst, Gemüse, kaum Vollkornprodukte)
Gut zu wissen!
Das Risiko an Darmkrebs zu erkranken steigt statistisch ab dem 40. Lebensjahr an.

 

Wenn bei Ihnen ein kolorektales Karzinom festgestellt wurde, welche Risikofaktoren waren gegeben? Mit Ihrer Antwort helfen Sie anderen Patienten dabei, Ihr Risiko besser einschätzen und eine Krebserkrankung ggf. frühzeitig feststellen zu können.
 

Schutzfaktoren

Bestimmte Lebens- und Verhaltensweisen haben sich als risikominimierend und damit in gewisser Weise vor Darmkrebs schützend herausgestellt. Sportliche Aktivitäten beispielsweise wirken sich allgemein günstig auf Verdauung und Darmpassage aus, sodass sie vor Darmkrebserkrankungen schützen. Aber auch eine ausgewogene, ballaststoffreiche, fett- und fleischarme Ernährung wird positiv beurteilt und scheint Darmkrebs vorzubeugen.

Aktuelles aus der Forschung
Dass sportliche Aktivität einen Schutzfaktor für Darmkrebs darstellt, wurde bereits Ende der 70er durch eine norwegische Langzeitstudie postuliert. Studien jüngeren Datums haben die Auswirkung von Verhalten sowie das Sport- und Aktivitätsniveau mit dem Darmkrebsrisiko in Relation gesetzt und kommen zu noch eindrücklicheren Ergebnissen.
 
Eine nordeuropäische Arbeit um Jennifer L. Baker konnte nachweisen, dass besonders Patienten die als Kind bzw. im jungen Erwachsenenalter übergewichtig waren, ein deutlich höheres Risiko an Darmkrebs zu erkranken aufweisen, als solche, die entweder normalgewichtig oder ausschließlich als Kind bzw. im frühen Erwachsenenalter als übergewichtig eingestuft werden konnten.
 
Eine britische Studie um Neil Murphy stellte eine lineare Abhängigkeitsbeziehung zwischen dem Niveau sportlicher Aktivität und vermindertem Darmkrebsrisiko fest. Auch fanden die Forscher heraus, dass das Darmkrebsrisiko pro täglicher Zeiteinheit vor PC oder Fernseher anstieg. Warum, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine Hypothese macht die besonders “entspannte” Haltung während dieser Tätigkeiten für den Effekt verantwortlich. Durch die Fehlbelastung des Beckenbodens würde ein “Absacken” der Bauchorgane und damit ein weiterer Faktor begünstigt, der bewegungshemmend und verlangsamend auf die Darmpassage wirkt.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Der Weg zur Diagnose “Darmkrebs” kann sehr unterschiedlich sein. Patienten mit familiärer Vorbelastung und z.B. zahlreichen Polypen im Dickdarm, fallen durch therapieresistente Anämien, Blut im Stuhl und ggf. Schmerzen auf. Das Erkrankungsalter kann hier zwischen 40 und 50 Jahren, bei der familiären adenomatösen Polyposis deutlich früher liegen.
 
Oftmals können Wucherungen bei einer rektalen Untersuchung ertastet werden. In Kombination mit einem Stuhltest (Feststellung von “okkultem”, nicht als Auflagerung erkennbarem Blut im Stuhl) lässt sich ein Verdacht erhärten. Zur Sicherung der Diagnose ist eine Koloskopie angeraten – Adenome bzw. Polypen und sonstige Veränderungen der Darmschleimhaut lassen sich im Rahmen dieser Untersuchung meist gut darstellen.
 
Je nach Art und Ausbreitung des Tumors können weitere diagnostische Verfahren nötig sein, beispielsweise eine Endosonographie (um den Tumorumfang besser abschätzen zu können), Sonographie des Bauchraums sowie Röntgen- oder CT-Untersuchungen (um Fernmetastasen, die ggf. in Leber oder Lunge auftreten können, auszuschließen/zu erkennen). Auch wird standardmäßig ein sogenannter Tumormarker, das carcino-embryonale Antigen (CEA), im Blut bestimmt. Dessen Gehalt im Blut ist relativ spezifisch für kolorektale Karzinome und korreliert mit der Größe bzw. dem Vorhandensein von Tumorgewebe. Der CEA-Wert wird demnach auch als Verlaufsparameter betrachtet, der besonders in der Nachsorge Bedeutung erlangt.

Achtung!
Der Tumormarker, das sog. CEA eignet alleine nicht zur Diagnose einer Krebserkrankung. Eine Erhöhung ist z.B. auch bei einer Bronchitis, Lungenentzündung oder bei starken Rauchern möglich. Im Rahmen der Tumordiagnostik wird der Tumormarker im Blut bestimmt. Ist er zum Diagnosezeitpunkt erhöht, dient er als relativ verlässlicher Verlaufsparameter im Rahmen von Nachsorgeuntersuchungen und zur Kontrolle des Behandlunserfolges.

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Prinzipiell wird eine chirurgische Entfernung des Tumorgewebes entlang der versorgenden Darmarterien angestrebt. Zur Beurteilung, ob ggf. eine Metastasierung stattgefunden hat, werden die umliegenden Lymphknoten mit entfernt und anschließend auf Tumorgewebe untersucht. Anschließend folgt in der Regel eine Chemotherapie, die durch eine individuelle Antikörpertherapie ergänzt werden kann. Ziel ist größtmögliche Rezidivsicherheit bei kleinstmöglichem Eingriffsareal.
 
Liegt hingegen eine genetische Prädisposition vor, kann sogar eine prophylaktische Resektion des Dickdarms ratsam sein.
 
Bei Karzinomen mit unmittelbarer Nähe zum After wird durch Bestrahlung und Chemotherapie im ersten Schritt versucht, das entartete Gewebsareal zu verkleinern, um die Kontinenz (also das adäquate “Halten” des Stuhls) möglichst zu erhalten. Je nach Tumorlage- und größe ist dies jedoch nicht immer möglich.
 
Grundsätzlich kann die Größe des Tumors bzw. des zu entfernenden Darmabschnitts oder die Nähe zum After ein sogenanntes Ileostoma (künstlicher Darmausgang ab dem unteren Dünndarm) nötig machen.
 
Nach überstandener OP und Chemotherapie sind engmaschige Kontrollen nötig, um Rezidive möglichst schnell erkennen und ebenfalls therapieren zu können.

Lesen Sie hierzu auch gerne ergänzend ‚Darmkrebs Teil 1 – Schwerpunkt: Symptome, Diagnose und Behandlung‚.

Vorsorge

Die Darmkrebsvorsorge wird Gesunden ab dem 50. Lebensjahr empfohlen; bei Patienten mit kolorektalen Karzinomen in der direkten Verwandtschaft (Verwandte 1. Grades, also Eltern und Geschwister) sind die Früherkennungsuntersuchungen deutlich früher, etwa ab dem 40. Lebensjahr anzusetzen. Als ideal wird der Einstieg in ein Vorsorgeprogramm etwa zehn Jahre vor Erkrankungsalter des betroffenen Familienmitglieds angesehen.
 
Prinzipiell gibt es mehrere Möglichkeiten der Vorsorge.

  1. Jährlicher Stuhltest (hier wird nach sogenanntem “okkultem”, also für den Patienten nicht sichtbaren, Blut gesucht)
  2. Koloskopie (bei Normalbefund alle zehn Jahre, ansonsten in kürzeren Abständen)
  3. Rektale Untersuchung bzw. Sigmoidoskopie (kurzer Darmabschnitt direkt oberhalb des Rektums/Anus)

Grundsätzlich gilt die komplette Koloskopie als die sicherste Früherkennungsmethode. Die beiden anderen Varianten gewährleisten nur in Kombination halbwegs valide Ergebnisse.
 
Die Kosten für eine komplette Koloskopie zwecks Darmkrebsfrüherkennung werden ab dem 55. Lebensjahr von der Krankenkasse getragen.

Gut zu wissen!
Werden im Zuge der Krebsfrüherkennung Polypen im Darm gefunden, trägt man sie ab. Hierzu verwendet man meist Drahtschlingen, die über das Endoskop eingeführt, über die Zellwucherung gestülpt und anschließend zusammengezogen werden. Es entsteht eine Mikroläsion, die anschließend elektrisch vernarbt wird. Die abgetragenen Polypen werden in der Regel auf Zeichen der Entartung untersucht. Je nach Häufigkeit ihres Auftretens und unter Berücksichtigung des Zelluntersuchungsergebnisses können frequentiertere Koloskopien (alle fünf Jahre) ratsam sein.

Häufige Patientenfragen

Muss ich nach der Diagnose “Darmkrebs” eine bestimmte Ernährungsform einhalten?

Dr. T. Weigl
Prinzipiell gibt es nicht die Ernährungsformel für alle Krebspatienten. Wichtig ist eine ausgewogene, eher ballaststoff- und mikronährstoffreiche Ernährung, in der gesunde Fette (z.B. aus Nüssen, Avocado, pflanzlichen Ölen) nicht zu kurz kommen. Oberstes Gebot hat allerdings die Konstanthaltung des Gewichts! Auch wenn es durch das Tumorleiden oder die Chemotherapie zu Übelkeit und allgemeiner Appetitlosigkeit kommen kann, ist es von immenser Bedeutung, möglichst kein oder wenig Gewicht zu verlieren, da das sogenannte “Outcome” (die Chance für den Patienten, Krankheit und Behandlung gut zu überstehen) in entscheidendem Maße davon abhängig ist, dass das Gewicht stabil bleibt. Dies trifft besonders auf Personen zu, die normal- oder sogar untergewichtig sind. Bei weiterem Gewichtsverlust wird vornehmlich Muskulatur abgebaut, die Patienten fühlen sich folglich noch müder und antriebsloser, die Risiken für eine allgemeine Verschlechterung des Gesundheitszustandes sind groß. Dahingehend sollten ggf. vermehrt hochkalorische Lebensmittel (wie z.B. Nüsse, Samen, Öle) in den Ernährungsalltag integriert werden. Stark zuckerhaltige Lebensmittel hingegen können das Tumorwachstum begünstigen und sollten somit gemieden werden.

Wie habe ich mir einen künstlichen Darmausgang vorzustellen?

Dr. T. Weigl
In der Regel handelt es sich bei künstlichen Darmausgängen um sogenannte Ileostomata. Darunter versteht man eine Verbindung des Dünndarms mit der Bauchoberfläche. Um die entstandene Öffnung herum wird eine Art Beutel geklebt, der sich im Verlauf des Tages mit Darminhalt füllt und idealerweise mehrmals täglich gewechselt werden sollte. Sodenn es irgend möglich ist, wird jedoch der Erhalt eines normalen Darmausganges angestrebt.

Video-Exkurs: Patientenfragen

Weitere häufige Patientenfragen rund um das Thema Krebs beantwortet Ihnen Arzt und Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl in diesem ausführlichen Video:

Die Koloskopie hat bei Maria einen auffälligen Befund ergeben – ihr Darm ist voller Polypen. Der untersuchende Arzt zeigt sich erstaunt: “Polypen in solcher Zahl würden wir normalerweise bei sehr alten Patienten erwarten, die nie an Krebsvorsorgeprogrammen teilgenommen haben.”, klärt er auf. Schnell wird deutlich, dass Maria von einer erblichen Krankheit, der familiären adenomatösen Polyposis (FAP), betroffen ist, die einen Risikofaktor für Darmkrebs darstellt. Da in ihrer Familie bisher keine Darmkrebsfälle bekannt sich, handelt es sich wahrscheinlich um eine unglückliche genetische Abwandlung – eine sogenannte Neumutation. Maria wird eine vorsorgliche Entfernung des Dickdarms und anschließend engmaschige Kontrollen empfohlen, um das Auftreten eines Darmtumors zu verhindern.

Verwandte Themen

 
Haben auch Sie Erfahrungen mit Darmkrebs? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!
 
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen nicht ersetzt!
 
Autoren: Anna-Alice Ortner, Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Claudia Scheur
Veröffentlichung: 13.09.2018

Quellen

  • Baker e.a. (2018): Change in weight status from childhood to early adulthood and late adulthood risk of colon cancer in men: a population-based cohort study, in: International Journal of Obesity
  • Deutsche Krebsgesellschaft: Ernährungsleitlinien
  • Geißler, Graeven (2005): Das kolorektale Karzinom: Evidenzbasierte Leitlinien, Thieme Verlag Stuttgart
  • Messmann, Tannapfel (2018): Gastrointestnale Onkologie, Thieme Verlag Stuttgart
  • Murphy, Gunter e.a. (2018): Physical activity, sedentary behaviour and colorectal cancer risk in the UK Biobank, in: British Journal of Cancer
  • Reeves, Bakolis e.a. (2018): Dietary patterns derived from principal component analysis (PCA) and risk of colorectal cancer: a systematic review and meta-analysis, in: European Journal of Clinical Nutrition
  • Schaaf, Zschocke (2013): Basiswissen Humangenetik, Springer Verlag Berlin, Heidelberg
  • Thune, Lund (1996): Physical activity and risk of colorectal cancer in men and women, in: British Journal of Cancer, Volume 73, Pages 1134-1140
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