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Divertikulose – Was sind Darmdivertikel?

Was ist Divertikulose?

  • Vermehrtes Auftreten zellulärer Ausstülpungen im letzten Teil des Dickdarms
  • Diese entzünden sich

Wer bekommt Divertikulose?

  • Vorwiegend Menschen zwischen 50 und 70 Jahren, aber auch jüngere und ältere
  • Menschen mit ballaststoffarmer Ernährung (zu viel Fett, Zucker und Weißmehl)

Symptome

  • In der Regel symptomfrei
  • manchmal linksseitige Schmerzen im Unterbauch
  • manchmal unspezifische Beschwerden beim Stuhlgang

Behandlung

  • keine Behandlung bei bloßem vermehrtem Auftreten der Darmausstülpungen
  • wenn sie sich entzünden und Bauchschmerzen verursachen: medikamentöse Behandlung
  • bei komplizierter Divertikulose (also mit bestimmten gleichzeitig auftretenden Erkrankungen): Antibiotikagabe

Tipps

  • zur Vorbeugung gesunde Ernährung empfehlenswert: Ballaststoffreich (Obst/Gemüse), wenig Zucker/ Fett/ Weißmehl
  • bei Übergewicht: abnehmen
  • mit dem Rauchen aufhören
  • Verstopfungen verhindern, z. B. durch genug Bewegung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Divertikel sind kleine Ausstülpungen in Hohlorganen wie dem Darm. Treten die Dickdarmdivertikel gehäuft auf, nennt man das Divertikulose. Ihre Ursache hängt wohl mit der Ernährung und Lebensweise zusammen: In Industrieländern entsteht sie bei vielen Menschen. In den meisten Fällen verursacht sie auch keinerlei Probleme. Es kann allerdings sein, dass sich die Divertikel entzünden. Bei einer solchen Divertikulitis helfen Antibiotika – oder es muss im schlimmsten Fall ein Teil des Darms entfernt werden. Welche Faktoren die Bildung von Divertikeln fördern, welche weiteren Folgen sie haben und mehr, erfahren Sie in diesem Artikel.

Der Dickdarm und die Divertikel

Aufbau des Darms

Unser Darm bildet den längsten und wohl wichtigsten Teil unseres Verdauungssystems. Mit seinen zwei Bestandteilen Dünndarm und Dickdarm kommt er bei einem erwachsenen Menschen auf eine Länge von 5,5 bis 7 Metern. Der Dünndarm beginnt am Magen und geht nach 4 bis 5 Metern in den klar abgetrennten Dickdarm über. Dieser schließlich wird zum sog. Mastdarm, der kurz vor dem After bzw. Anus sitzt. Diesen ganzen Weg muss unsere Nahrung also zurücklegen, sobald sie Mund, Speiseröhre und Magen passiert hat.

Der Dickdarm selbst (lat. ‚Colon‘) windet sich fast 1,5 Meter lang um den Dünndarm herum und besteht ebenfalls aus unterschiedlichen Abschnitten. Er beginnt mit dem Blinddarm, an dem der für seine Entzündlichkeit bekannte Wurmfortsatz hängt. Den größten Teil macht der sog. Grimmdarm aus, der wiederum nach Position und Form unterteilt werden kann. Im letzten Teil vor dem Rektum (also dem Mastdarm), macht der Dickdarm eine S-Kurve. Aus diesem Grund nennt man diesen Abschnitt auch Colon sigmoideum oder einfach Sigma, nach dem griechischen Buchstaben Σ, Sigma. An diesem Ort treten drei Viertel aller Divertikulose-Fälle auf.

Funktion des Dickdarms

Während der Dünndarm (lat. ‚intestinum tenue‘) vor allem dafür zuständig ist, mit speziellen Enzymen Nährstoffe aus dem Essen aufzunehmen, dient der Dickdarm in erster Linie dazu, den Speisebrei für die Ausscheidung vorzubereiten. Mit Bewegungen der Darmwand wird die Pampe transportiert, während ihr Flüssigkeit entzogen wird. Eine Schleimabsonderung der Darmwand sorgt dafür, dass die Pampe trotzdem geschmeidig weitergleiten kann. So entstehen die „Würste“, die wir auf der Toilette entsorgen.

Es ist also naheliegend, dass Erkrankungen des Darmes mit unserer Ernährung zusammenhängen. Bei Divertikulose ist der Zusammenhang nicht eindeutig geklärt. Worum genau es sich aber handelt, erklären wir im nächsten Abschnitt. Dabei schauen wir uns auch den Aufbau der Darmwand an.

Pseudodivertikel in der Darmwand

Wie der gesamte Verdauungstrakt ist auch der Dickdarm von innen mit Schleimhaut ausgekleidet, der sog. Mukosa. Darunter liegt die Submukosa (sub = lat. ‚unter‘). Von außen besteht die Darmwand aus einer Muskelschicht, die die Bewegung des Darms ermöglicht.

Ein Divertikel ist nun eine Ausbuchtung des Organs durch alle diese Schichten. Von einer Divertikulose spricht man aber dann, wenn sich Pseudodivertikel bilden. Sie werden auch falsche Divertikel genannt. Die Namen kommen daher, weil sie nicht alle Hautschichten betreffen. Es sind nämlich fingerförmige Ausstülpungen durch Lücken in der Darmwand. Das kann z. B. dort passieren, wo Blutgefäße durch die Darmwand dringen.

„Von einer Divertikulose spricht man, wenn kleine Ausstülpungen am Darm entstehen. So etwas ist häufig und in der Regel nicht schlimm. Problematisch wird es erst, wenn diese Divertikel sich entzünden oder bluten.“
— Dr. Dr. Tobias Weigl

Problematisch ist das eher weniger deshalb, weil dann die Mukosa und Submukosa nicht mehr durch die dicke Muskelschicht geschützt sind (auch wenn das zu Erkrankungen führen kann). Vielmehr kann sich in diesen Ausstülpungen Stuhl sammeln. Dies kann die Blutgefäße einengen und schließlich zu Entzündungen führen. Das nennt man dann Divertikulitis. Diese Entzündungen wiederum können Blutungen auslösen.

Gut zu wissen: Beulen am Darm
Bei den Divertikeln handelt es sich nicht um die charakteristischen regelmäßigen Beulen des Dickdarms. Diese Aussackungen sind ganz normal und heißen Haustren. Die Falten dazwischen heißen Plicae semilunares. Die falschen Divertikel hingegen sind fingerförmig und nicht gleichmäßig auf der ganzen Darmoberfläche.

Die Symptome: Woran erkennt man die Divertikelkrankheit?

Die gewöhnliche Divertikulose verläuft in der Regel symptomfrei. Das heißt, dass die bloße Existenz der falschen Divertikel keine Beschwerden verursacht. Aus diesem Grund werden sie oft auch erst bei Darmspiegelungen entdeckt, die aus anderen Gründen durchgeführt werden, z. B. bei der Krebsvorsorge. So lange sie sich nicht entzünden oder bluten, sind sie auch nicht gefährlich. Natürlich müssen für eine Divertikulitis aber auch erst Pseudodivertikel da sein.

Es kann aber auch sein, dass Bauchschmerzen oder Verdauungsbeschwerden auftreten. Dann spricht man von einer symptomatischen Divertikulose oder der Divertikelkrankheit. Zu diesen Beschwerden zählen Bauchschmerzen oder ein Druck- und Völlegefühl, das im ganzen Bauchraum auftreten kann oder Veränderungen des Stuhls. Sowohl Verstopfung als auch Durchfall können auftreten.
Die Bauchschmerzen sind, wenn sie auftreten, eher vage. Eher selten geht eine Divertikulose mit linksseitigen Bauchschmerzen einher. Diese können entweder in Schüben kommen oder anhalten.

Video: Bauchschmerzen und Alarmzeichen

In diesem Video erklärt Dr. Dr. Tobias Weigl, welche Arten von Bauchschmerzen es gibt und bei welchen Sie am besten möglichst schnell einen Arzt aufsuchen sollten.

Bauchschmerzen Ursachen + Alarmzeichen // Bauchschmerzen rechts unten, links, oberbauch // Tipps

Wen kann es erwischen? Ursachen und Risikofaktoren

Divertikulose ist ein häufiges Phänomen in der westlichen Gesellschaft. Grundsätzlich gilt: Mit steigendem Lebensalter steigt auch die Wahrscheinlichkeit für eine Divertikulose. In westlichen Industrienationen hat etwa jeder zweite Mensch zwischen 70 und 85 Jahren Dickdarmdivertikel. Bei über 85-Jährigen sind es sogar 66 Prozent, bei unter 50-Jährigen hingegen nur rund 13 Prozent.

In ärmeren Teilen der Welt liegt die Quote insgesamt bei weniger als 10 Prozent. Daher nimmt man die typisch westliche Lebensweise als Ursache an: fettige und ballaststoffarme Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht können eine Rolle spielen.

Gut zu wissen! Divertikulose- und Divertikulitis-Patienten werden immer jünger.

Eine US-amerikanischen Studie hat die landesweiten Divertikulitisfälle der Jahre 1998 bis 2005 ausgewertet. (Divertikulitis beschreibt die Entzündung der Divertikel.) Dabei fanden die Forscher heraus, dass die Zahl der stationären Behandlungen in diesem Zeitraum um 26 Prozent gestiegen ist! Gleichzeitig sank das Durchschnittsalter der Patienten von 64,6 auf 61,8 Jahre. Das ist eine große Veränderung!

Wenn sich die Kolondivertikel entzünden, spricht man von Divertikulitis. Erst eine Untersuchung dieser schmerzhaften Erkrankung macht bei vielen Menschen die sonst harmlosen Divertikel sichtbar. Oft genug werden die Divertikel aber auch bei Darmspiegelungen entdeckt, die aus anderen Gründen durchgeführt werden. Das Risiko-Alter für Divertikulitis liegt bei 50 bis 70 Jahren. Gut 40 Prozent der Divertikulitis-Patienten in den USA in den Jahren 2002–2007 hatten dieses Alter. Jeweils ein knappes Drittel der Fälle verteilt sich auf jüngere bzw. ältere Menschen.

Das Geschlecht scheint keine Rolle zu spielen. Es gibt Studien, die einen Männer-Überschuss festmachen. Ihnen stehen aber welche entgegen, die rund 60 Prozent weibliche Patienten nennen.

Wurden bei Ihnen Dickdarmdivertikel festgestellt? Hatten Sie Probleme damit? Mit ihrer Antwort helfen Sie anderen Patienten, Ihre Situation besser einzuschätzen.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Wie erwähnt werden die Pseudodivertikel oft durch Zufall entdeckt. Da sie meist ohne Symptome verläuft, gehen die wenigsten Menschen wegen Divertikulose zum Arzt. Unterschiedliche Darmkrankheiten wie Morbus Crohn, Darmkrebs oder Colitis ulcerosa werden mithilfe einer Darmspiegelung (einer sog. ‚Koloskopie‘) diagnostiziert. Dieses Verfahren setzt man auch zur Darmkrebsvorsorge ein. Dabei wird ein Schlauch mit einer Kamera über den Anus in den Darm eingeführt. Damit untersucht der Internist die Darmwand und entdeckt eben manchmal die Divertikulose. Auch sind Untersuchungen des Bauches im Computertomografen (CT) eine mögliche Methode, um die Divertikel ausfindig zu machen.

Bauchschmerzen sind hingegen ein häufiger Grund für Arztbesuche. Wenn die Divertikel aber bereits Schmerzen verursachen, haben sie sich meistens schon entzündet, bluten oder haben andere Komplikationen. Auch Veränderungen beim Stuhlgang sind ein häufiges Indiz.

Im Diagnosegespräch, der sog. Anamnese, teilen Sie dem Arzt ihre Symptome mit. Wo sitzt der Schmerz und wann tritt er auf? Haben Sie Fieber? Hat sich Ihr Stuhlverhalten geändert, also gehen Sie öfter oder seltener auf Klo? Haben Sie Schwierigkeiten beim Wasserlassen? Außerdem wird der Arzt von Ihnen wissen wollen, ob Sie rauchen, Medikamente nehmen oder unter hohem Blutdruck oder Erkrankungen der Nieren leiden.

Video-Exkurs: Ähnliche Symptome wie bei Reizdarm

Wenn wegen Divertikulose Beschwerden wie Schmerzen oder Verdauungsstörungen auftreten, dann sind diese oft eher vage. Die Schmerzen sind nicht stark und nicht genau zu verorten. Sowohl Verstopfung als auch Durchfall sind möglich. Oft herrscht „bloß“ ein vages Unwohlsein im Bauch. All das tritt auch beim sog. Reizdarmsyndrom auf. Daher wird auch oft dies als Ursache angenommen. Erst eine Darmspiegelung kann die Divertikel dann eindeutig ausmachen und die Diagnose Reizdarm ausschließen.
Mehr Informationen zum Reizdarmsyndrom, seinen Ursachen und Symptomen im folgenden Video:

Der Darm: Reizdarm😱Wie entstehen chronische Bauchkrämpfe, Bauchschmerzen & Durchfall ohne Ursache?

Bei Verdacht auf Komplikationen sind weitere Untersuchungen notwendig

Mit all diesen Informationen kann der Arzt den Verdacht auf die Ursache einschränken und Ihren Bauch untersuchen. Mit dem Stethoskop hört er Ihren Bauch ab, außerdem klopft und tastet er ihn ab. Diese drei Verfahren nennt man Auskultation, Perkussion und Palpation. Ebenso kann der Arzt entzündete Divertikel ausmachen, indem er Ihren Anus mit dem Finger untersucht.

Achtung: Akutes Abdomen
Divertikulitis kann, wie einige andere Darm- und Magenerkrankungen, zum sog. akuten Abdomen führen. Damit bezeichnet man starke Bauchschmerzen mit unklarer Ursache. Weil die Schmerzen aber eine ernsthafte bis lebensbedrohliche Ursachen haben können – Blinddarmentzündung oder bei Divertikulitis eine Darmperforation – ist eine schnelle Untersuchung und Therapie geboten!

Weitere Verfahren sind Laboruntersuchungen des Blutes, bildgebende Verfahren und besagte Koloskopie. Diese Untersuchungen sind aber in der Regel nur notwendig, wenn mit den Divertikeln etwas nicht stimmt.

Fakten-Box Divertikulose

  • Frauen und Männer etwa gleich oft
  • 50 % der Über-70-Jährigen in Deutschland haben Divertikulose
  • In Asien und Afrika nur weniger als 10 %

Symptome

  • in der Regel symptomfrei
  • manchmal linksseitige Schmerzen im Unterbauch
  • manchmal unspezifische Beschwerden beim Stuhlgang

Risikofaktoren

  • Risiko steigt mit dem Alter
  • Vermutlich vererbbar
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen

Mögliche Folgen

  • Bei Entzündung der Divertikel: Divertikulitis
  • Divertikelblutung

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Grundsätzlich muss man die Dickdarmdivertikel nicht behandeln. An sich sind sie harmlos, sie stellen bloß ein Risiko dar, da sie sich entzünden können. Zur Behandlung einer solchen Divertikulitis lesen sie unseren entsprechenden Artikel.

Manchmal aber verursachen die Divertikel Bauchschmerzen oder andere Bauchbeschwerden. Die Divertikelkrankheit bzw. symptomatische Divertikulose wird genauso wie eine unkomplizierte Divertikulitis mit Medikamenten behandelt. Chronische Nierenerkrankungen, Bluthochdruck oder eine schwache Immunabwehr sind Risikofaktoren für eine komplizierte Divertikulitis. Liegen einer oder mehrere dieser Faktoren vor, sind meistens Antibiotika geboten.

Komplikationen der Divertikulose

Sind die Bauchschmerzen allerdings besonders stark, kann es sein, dass es zu einer Komplikation gekommen ist. Mögliche Folgen der Divertikulose sind Divertikelblutungen, Perforationen, Fisteln und Darmstenosen. Dann ist schnelles Handeln angesagt, sowohl bei der Diagnose als auch bei der Behandlung.

Divertikelblutung

Blutende Divertikel sind die häufigste Ursache für Blutungen im unteren Verdauungstrakt. Werden sie erkannt, wird ein Endoskop, also ein Schlauch mit einer Kamera und Werkzeugen vorne dran, rektal eingeführt, um die Blutungen zu stillen.
Lesen Sie mehr zu gastrointestinalen Blutungen in diesem Artikel: „Gastrointestinale Blutungen – Blutungen in Speiseröhre, Magen und Darm“.

Perforation

Setzt stechender Bauchschmerz schlagartig ein und geht dann in eher diffuse Schmerzen über, kann es sein, dass die Darmwand beschädigt, also perforiert ist. In Röntgenaufnahmen kann man dies ausmachen. Eine Darmperforation muss schnell operiert werden.

Fisteln

Eine weitere Folge der Divertikulose kann sein, dass sich Fisteln bilden. Fisteln sind Verbindungen zwischen zwei Organen oder einem Organ und der Hautoberfläche. So gelangen Stoffe und Mikroorganismen von dem einen Organ zum anderen, da wo sie nicht hingehören. Eine sog. kolovesikale Fistel verbindet den Darm mit der Harnblase. Dies kann zu Harnblasenentzündungen und Harnwegsinfektionen führen. Auch eine lebensgefährliche Urosepsis ist dann nicht ausgeschlossen. Auch Fisteln zur Vagina, dem Dünndarm und zur Haut sind möglich. Entsprechend können sich dann ebendiese Organe entzünden.

Darmstenosen

Durch die Verformungen der Darmwand kann es auch zu Verengungen der Darmpassage kommen. Das nennt man Darmstenose bzw. mechanischer Ileus. Die Folge sind Bauschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Außerdem kann es sein, dass man den Darm nicht mehr entleeren kann.

Divertikulose vorbeugen

Es gibt derzeit keine Möglichkeit, die Divertikel zurückzubilden. Was man allerdings tun kann, ist, Maßnahmen zur Vorbeugung (der sog. ‚Prophylaxe‘) zu ergreifen. In erster Linie geht es dabei darum, die Risikofaktoren zu vermindern. Zu den vorbeugenden Methoden zählen:

  • Bei Übergewicht: abnehmen
  • Mit dem Rauchen aufhören
  • Verstopfungen verhindern
  • Vermeidung bestimmter Lebensmittel
  • regelmäßige Einnahme von Flohsamenschalenpräparaten
  • genug trinken

Aktuelle Forschung: Rauchen und Divertikulose

Ja, es ist mal wieder das liebe Rauchen, das die Entstehung einer Krankheit mitbegünstigt. Die Entstehung der Darmausstülpungen wird hierdurch verstärkt. Das zeigt eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2018, die für diesen Zweck über 130.000 Patientendaten auswertete. Heraus kam, dass das Risiko für Divertikulose bei Rauchern 1,5mal so groß ist wie bei Nichtrauchern, also knapp 50% höher.

Warum es sich lohnt, mit dem Rauchen doch noch aufzuhören? In der gleichen Studie wurde nachgewiesen, dass das Risiko bei ehemaligen Rauchern nur ungefähr 1,1mal so groß war wie bei „durchgehenden“ Nichtrauchern.

Quelle: K. Wijarnpreecha u. a. (2018): Smoking and risk of colonic diverticulosis: A meta-analysis. In: Journal of Postgraduate Medicine 64(1): S. 35-39.

Lange Zeit hat man einen Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Divertikulose gesehen. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass es da einen gibt, doch wie der aussieht, ist aktuell strittig. Es wird empfohlen, weniger fettiges Essen und rotes Fleisch zu verspeisen. Häufig hört man auch, dass eine ballaststoffreiche Ernährung vor Divertikulose schützen soll. Eine Studie von der Universität von Nord-Carolina aus dem Jahr 2012 konnte diese Behauptung allerdings widerlegen. Die aktuelle Empfehlung, was Ballaststoffe angeht, wird derzeit noch erforscht und diskutiert.

Ein Mangel an Bewegung kann zu Divertikulitis und Divertikelblutung führen. Bewegung hat aber noch viele andere positive Einflüsse auf die Gesundheit, so dass es generell ratsam ist, sich ausreichend zu bewegen.

Häufige Patientenfragen

Ich habe öfter schwer definierbare Bauchschmerzen und immer wieder Verstopfung. Ist das Divertikulose?

Dr. Dr. T. Weigl:
Divertikulose läuft zwar oft, aber nicht immer asymptomatisch, also ohne Symptome ab. Manchmal macht sie sich durch die genannten Symptome bemerkbar. Neben der Verstopfung kann es auch zu Durchfall kommen. Bei manchem Menschen stellt sich auch das Gefühl ein, den Darm nicht richtig entleeren zu können. Die Bauchschmerzen können in Schüben kommen oder dauerhaft auftreten. All das kann auf Divertikulose hinweisen – oder aber auch auf das Reizdarmsyndrom. Ein Arztbesuch kann Klarheit schaffen.
Sollten die Bauchschmerzen aber akut und besonders heftig auftreten, ist ein Arztbesuch dringend angeraten. Ärzte sprechen dann von einem akuten Abdomen. Dann gehört der Bauchraum schnellstmöglich untersucht, denn die Ursachen können sogar tödlich verlaufen.

Was ist der Unterschied zwischen Divertikulose, Divertikulitis und Divertikelkrankheit?

Dr. Dr. T. Weigl:
Divertikulose bezeichnet das Auftreten von Pseudodivertikeln, also Ausstülpungen im Dickdarm. Von Divertikulitis spricht man, wenn sich diese Divertikel entzünden. (Die Endung -itis bezeichnet immer eine Entzündung.). Der Begriff Divertikelkrankheit wird indes uneinheitlich verwendet. Manchmal bezeichnet er die Divertikulitis. In den meisten Fällen aber nennt man so eine Divertikulose, die nicht asymptomatisch verläuft, sondern Probleme verursacht.

Eine digitale Rektaluntersuchung klingt gar nicht so unangenehm. Das hat doch sicher etwas mit Computern zu tun, oder?

Dr. Dr. T. Weigl:
Leider nein. Das lateinische Wort digitus bedeutet nämlich Finger. Digitale Untersuchung bedeutet also, dass der Arzt ihr Rektum mit dem Finger abtastet, auch von innen. Das ist vielen Patienten unangenehm. Für Ärzte ist das hingegen eine Routineuntersuchung. (Dass Computertechnik ebenfalls digital genannt wird, kommt daher, dass man früher auch mit den Fingern gerechnet hat. In übertragenem Sinne bedeutet digitus also auch Zahl oder Rechnung.)

Muss man eine Divertikulose behandeln?

Dr. Dr. T. Weigl:
In den meisten Fällen ist eine Divertikulose harmlos und beeinträchtigt die Gesundheit nicht. Da sich die Divertikel nicht zurückbilden lassen, ist eine Behandlung der Divertikulose auch nicht möglich. Allerdings lassen sich die Symptome, wenn sie denn auftreten, mit Medikamenten lindern. Der Verzicht auf Nikotin, ein normales Körpergewicht, ausreichend Bewegung und eine Ernährung, die nicht zu Verstopfung führt, können dazu beitragen, das Risiko auf eine Divertikelblutung oder eine Divertikulitis zu reduzieren.

Typisches Patientenbeispiel

Michael ist dieses Jahr 52 geworden. Seine Frau Claudia ist ständig um seine Gesundheit besorgt. Sie achtet auf seine Ernährung und guckt jedes Mal böse, wenn er sich wieder einen fettigen Burger gönnt. Ihr neuestes Steckenpferd: Michael zur Darmkrebsvorsorge schicken zu wollen. Kaum ein Tag vergeht, an dem Claudia ihn nicht drängt. „Aber da schieben die mir dann so einen Schlauch in den A…“, wendet Michael dann jedes Mal ein. Doch Claudia bleibt dabei und macht schließlich einen Termin für ihren Mann aus.
Widerwillig lässt sich Michael darauf ein. Es ist ja eigentlich vernünftig. Nach dem ganzen Prozedere sagt der Arzt: „Ich habe eine gute Nachricht: Darmkrebs haben Sie nicht. Aber ich habe da einige Divertikel in Ihrem Dickdarm entdeckt.“Divertikel?, denkt Michael. Das klingt nicht gesund. Auf jeden Fall merkwürdig. Was ist das?
Doch sein Arzt kann ihn beruhigen. Die reine Existenz der Divertikel sei nicht gefährlich. Sie könnten sich entzünden. Aber das, denkt sich Michael, kann ja mit jedem anderen Körperteil auch passieren. Und wenn seine Frau ihn auch regelmäßig zur Krebsvorsorge schickt, dann haben er und sein Arzt auch die Divertikulose im Blick.

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Haben auch Sie Erfahrungen mit Divertikulitis und Divertikulose? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Marek Firlej
Redaktion: Christopher Keck
Veröffentlicht am: 02.07.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

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