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Colitis Ulcerosa – Symptome und Behandlung

Da wir die Ursachen der Colitis Ulcerosa nicht kennen, empfehle ich bei der Therapie eine Mischung aus Schulmedizin und Eigeninitiative.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Bei der Colitis ulcerosa handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Darmkrankheit (kurz CED) – ähnlich wie Morbus Crohn. Sie tritt am häufigsten bei Menschen im Alter zwischen 20 und 35 Jahren auf und äußert sich durch Bauchschmerzen und blutigen Durchfall. Die Ursachen der Krankheit sind nicht bekannt, auch lässt sie sich ohne Operation nicht vollständig heilen. Aber die Krankheitsschübe lassen sich mit Medikamenten im Zaum halten.

Das ist doch echt nicht mehr normal! Matthias sitzt wieder auf dem Klo. Zum achten Mal heute – und das liegt garantiert nicht daran, dass er am Vortag vielleicht ein, zwei Bier zu viel getrunken hat … Und dann bemerkt er: Schleimiger, blutiger Durchfall! Und hat er etwa auch Fieber? Das ist definitiv ein Fall für den Arzt! Dieser stellt später fest: Colitis ulcerosa. Gut, dass Matthias so früh zum Arzt gegangen ist.

Wann, wo und bei wem tritt Colitis ulcerosa auf?

Neben dem Morbus Crohn ist Colitis ulcerosa die häufigste unter den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Darunter werden Krankheiten zusammengefasst, die sich durch wiederkehrende oder permanente Entzündungen des Darms auszeichnen. Wie auch bei Morbus Crohn ist die Ursache der Krankheit unbekannt. Auch über Faktoren, welche die Entstehung und den Verlauf der Krankheit beeinflussen, wissen wir wenig.

Schätzungen über die Zahl der Betroffenen reichen von 320.000 bis 470.000 in Deutschland. Allgemeiner heißt das, dass in der westlichen Welt auf 100.000 Einwohner 160 bis 250 Erkrankte kommen.

Die meisten Neuerkrankungen treten im Alter zwischen 16 und 35 Jahren auf. Fast ein Viertel davon fällt sogar auf Unter-20-Jährige. Ein zweites Hoch fällt auf das Lebensalter zwischen 60 und 80 Jahren. Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen.

Einflussfaktoren: Gene, Hautfarben, Ernährung und Zigaretten?

Colitis ulcerosa ist nicht erblich – wohl aber gibt es vermutlich dennoch einen (untergeordneten) genetischen Zusammenhang. Dabei ist also nicht die Krankheit selbst erblich, sondern die Veranlagung für die Krankheit. Das heißt, dass die Wahrscheinlichkeit, an Colitis ulcerosa zu erkranken, bei Kindern von Betroffenen größer ist als bei Kindern gesunder Eltern. Die Forschung vermutet die Ursache in Veränderungen des Genmaterials.

Es wurde früher angenommen, dass vor allem hellhäutige Menschen an CEDs erkranken und dunkelhäutige weniger. Jedoch tritt die Krankheit erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts vermehrt auf. Außerdem ist sie in den letzten Jahrzehnten auch in Afrika häufiger zu beobachten. Daher kann man annehmen, dass Lebens- und Essgewohnheiten eine wichtige Rolle spielen. Mehr Stress, aber auch mehr industriell verarbeitete Lebensmittel haben offensichtlich Einfluss auf den Ausbruch von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

Interessant ist, dass Raucher eine geringere Wahrscheinlichkeit haben, an Colitis ulcerosa zu erkranken. Warum das genau so ist, ist noch unbekannt. Allerdings wiegt dieser Effekt die sonstigen Gefahren des Tabakkonsums nicht auf!

Helfen Sie uns, mehr Einblicke in die Vererbbarkeit der Krankheit zu bekommen. Wenn Sie selbst an Colitis ulcerosa leiden oder jemanden kennen, der betroffen ist: Haben die Eltern der Betroffenen die Krankheit auch?
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Die Symptome: Was sind die Anzeichen für eine Colitis ulcerosa?

Als Leitsymptom, also als wichtigstes Anzeichen für die Krankheit gilt blutiger, schleimiger Durchfall (Diarrhö). Auch kann es vorkommen, dass der Stuhlgang Schmerzen bereitet. Ein weiteres häufiges Symptom sind zudem Bauchschmerzen, meist im linken Unterbauch.

Auch mit Fieberschüben unterschiedlicher Intensität macht sich die Colitis ulcerosa bemerkbar.

Daneben kann die Krankheit auch Auswirkungen auf andere Organe außerhalb des Verdauungstraktes haben. So haben 75 % der Patienten mit primär sklerosierender Cholangitis, einer Erkrankung der innerhalb und außerhalb der Leber verlaufenden Gallengänge, auch eine Colitis ulcerosa.

An den Gelenken kann die CED Arthritis auslösen. Auf der Haut können Pusteln und Blasen (Pyoderma gangraenosum), Knoten (Erythema nodosum) und im Mund Aphthen entstehen. Und sogar die Augen können unterschiedliche Entzündungen erfahren.

Mehr zu Colitis ulcerosa in diesem Video

Wie breitet sich die Krankheit aus? Welche weiteren Möglichkeiten gibt es zur Diagnose und Behandlung? Viele Informationen über Colitis ulcerosa und zusätzliche Informationen über Morbus Crohn liefert Schmerzexperte Dr. Tobias Weigl in diesem Video.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Zuerst erfolgt die Anamnese, also die Informationsaufnahme durch den Arzt. Dabei fragt dieser Sie nach Ihren Beschwerden. Wie lange haben Sie schon Durchfall? Haben Sie Schmerzen dabei? Haben Sie Bauschmerzen, und wenn ja, wo? Etc.

Bei Durchfall und Bauchschmerzen liegt es also am Arzt, herauszufinden, was die Ursache ist. Handelt es sich vielleicht um eine akute oder chronische Entzündung? Was ist die Ursache für die Entzündungen? Um festzustellen, ob Ihre Beschwerden auch wirklich von einer ulzerösen Colitis herrühren, und Sie letztlich angemessen behandeln zu können, ist eine Reihe von Untersuchungen nötig. (Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen sind z. B. der bereits erwähnte Morbus Crohn, Divertikulitis, Darmtuberkulose, Reizdarmsyndrom und andere.)

Mittels eines Bluttests kann der Arzt eine Entzündung feststellen. Die Untersuchung einer Stuhlprobe kann darüber hinaus eine bakterielle Infektion ausschließen. Sind also Entzündungen im Verdauungstrakt gegeben, die nicht durch Bakterien verursacht wurden, wird der Arzt daraufhin bildgebende Verfahren anwenden. Gegebenenfalls schickt er Sie zu den entsprechenden Spezialisten.

Mittels MRT, Röntgen, Ultraschall (Sonographie) und/oder eine Darmspiegelung können Auffälligkeiten und Veränderungen in den Verdauungsorganen festgestellt werden. Dazu gehören Geschwüre (sog. ‚Ulzera‘) oder Verdickungen der Darmschlingen. Mit Röntgenaufnahmen können Fisteln ausgemacht werden.

Gut zu wissen!
Der gesamte Darm des Menschen hat eine Länge von rund 8 Metern. Würde man ihn außerdem ausbreiten, bedeckte er eine Fläche von 500 Quadratmetern. Das sind fast zwei Tennis-Doppel-Felder! Zum Vergleich: Die Haut eines durchschnittlichen Menschen hat nur rund knapp 2 Quadratmeter.

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Therapie

Akute Schübe werden, wie auch die gesamte Krankheit, mit Medikamenten behandelt. Je nach Stärke eines solchen Schubs werden unterschiedliche Mittel verabreicht, von sog. 5-ASA-Präparaten (= 5-Aminosalicylsäure) bis zu Glucocorticoiden, also Hormonpräparaten. Beide Medikamentengruppen wirken entzündungshemmend (= antiinflammatorisch) und unterdrücken das Immunsystem (= immunsuppressiv). Damit soll die Entzündung unterdrückt und der Schub kontrolliert werden. In besonders schweren Fällen sind auch weitere Medikamente und eine intravenöse Ernährung (sog. ‚parenterale Ernährung‘) angebracht.

Dieselben Medikamente kommen darüber hinaus in der langfristigen Behandlung zum Einsatz. Diese müssen regelmäßig eingenommen werden. Heilbar ist Colitis ulcerosa derzeit leider nur durch eine Operation, bei der Teile des Darms entfernt werden.

Alternative Behandlungsmethoden

Da die Ursache der Krankheit unbekannt ist, können Medikamente die Krankheit nicht heilen. Langfristige Medikamenteneinnahme, insbesondere die von Hormonen wie Cortisol, ist auf Dauer eher schädlich als nützlich. Daher empfiehlt Schmerzexperte Dr. Tobias Weigl, zwischen den akuten Schüben auf schonendere Weise den Darm zu behandeln.

Neben der Schulmedizin gibt es denn auch weitere Mittel und Methoden, um die Symptome in Schach zu halten. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet etwa mit Akupunktur einen Behandlungsansatz. Auch versprechen viele Ansätze aus der Naturheilkunde Besserung.

Erwiesenermaßen reagiert unser Verdauungssystem empfindlich auf Stress. Daher können Entspannungstechniken wie Yoga, Autogenes Training und Meditationsübungen, aber auch Sport sich positiv auf die Darmgesundheit auswirken.

Daneben müssen natürlich die Symptome und die Folgeerscheinungen behandelt werden. Mangelerscheinungen durch den Durchfall (wie Eisenmangel) kann man einfach mit Nahrungsergänzungsmitteln ausgleichen. Bei Arthritis kommt eine Form der physikalischen Therapie in Frage.

Fakten-Box

Colitis ulcerosa
Frauen: Männer ca. 1:1
Am häufigsten im Alter zwischen 16 und 35 Jahren
Symptome

  • Blutiger, schleimiger Durchfall
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Bauchschmerzen
  • Fieber
  • Arthritis
  • Hautveränderungen
  • Entzündungen am Auge

Komplikationen bei Nichtbehandlung

So unangenehm blutige, schmerzende und schleimige Diarrhö auch ist, kommt es immer wieder vor, dass Menschen deswegen nicht zum Arzt gehen. Das ist auf keinen Fall eine gute Idee, denn wenn chronisch-entzündliche Darmkrankheiten wie Colitis ulcerosa nicht erkannt und behandelt werden, können sie schwerwiegende Folgen haben.

Die Entzündungen der Colitis ulcerosa können massive oder chronische Blutungen im Darm verursachen. Selten, aber lebensgefährlich ist das sog. ‚toxische Megakolon‘. Kommt es zu dieser Komplikation, hilft oft nur die vollständige Entfernung des Dickdarms (sog. ‚Kolektomie‘). Auch kann es zu einem Darmdurchbruch oder einer Entzündung des Bauchfells (sog. ‚Peritonitis‘) kommen.

Regelmäßige Darmkontrolle wichtig

In manchen Ländern gilt die Colitis ulcerosa nach zehn Jahren als Präkanzerose, d. h. als Erkrankung, die mit einem statistisch erhöhten Risiko für bösartige Tumore einhergeht.

Obwohl in Deutschland dieser Status nicht offiziell gilt, ist das erhöhte Krebsrisiko natürlich immer noch gegeben. Daher ist zu regelmäßigen Darmuntersuchungen dringend geraten!

Häufige Patientenfragen

Worin unterscheiden sich Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

Dr. T. Weigl:
Die wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden CEDs sind:

  • Bei Morbus Crohn müssen Sie etwas öfter als normal auf Klo und der Stuhl ist eher unblutig. Bei Colitis ulcerosa müssen Sie in der Regel öfter als 10 Mal aufs Klo und der Stuhl ist blutig-schleimig.
  • Bei der Crohn’schen Krankheit erwarten Sie durchgehende Schmerzen im rechten Unterbauch, bei Colitis ulcerosa hingegen meistens beim Stuhlgang oder kurz davor, und dann auch eher im linken Unterbauch.
  • Während Morbus Crohn den ganzen Verdauungstrakt an unterschiedlichen Stellen befallen kann, breitet Colitis ulcerosa sich schrittweise vom Rektum an im Dickdarm aus.
  • Morbus Crohn ist etwas häufiger als Colitis ulcerosa.

Ist Colitis ulcerosa heilbar?

Dr. T. Weigl:
Die Symptome lassen sich effektiv mit Medikamenten behandeln. Außerdem lässt sich mit Medikamenten bewirken, dass die Symptome auch nicht wieder auftauchen. Allerdings steigt mit der chronischen Entzündung die Wahrscheinlichkeit für eine bösartige Tumorbildung im Darm. Deshalb sollten Patienten regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge gehen. Die Colitis ulcerosa ist nur mit einem schwerwiegenden operativen Eingriff komplett heilbar.

 

Hätte Matthias seine Durchfallschübe noch einige Wochen hingenommen, hätte sich die Colitis ulcerosa noch weiter in seinem Darm ausbreiten können. Nun nimmt er jeden Tag Medikamente. Am Anfang war das echt nervig, aber er hat sich daran gewöhnt. Mit dem Gedanken, eine chronische Krankheit zu haben, muss er sich aber trotzdem erst noch anfreunden. Aber rein körperlich geht es ihm gut. Einschränken muss er sich auch nicht. Also ist alles noch einmal glattgegangen. „Zum Glück!“, unterbricht ihn sein Kumpel Mark, „dann kannst du ja endlich aufhören, uns von deinem Darm zu erzählen, und endlich dein Bier trinken!“

 

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Haben auch Sie Erfahrungen mit Colitis ulcerosa? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Marek Firlej
Veröffentlicht am: 28.04.2018, zuletzt aktualisiert: 17.09.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • A. Dignass u. a. (2011): Aktualisierte Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Colitis ulcerosa 2011 – Ergebnisse einer Evidenzbasierten Konsensuskonferenz. Thieme, Stuttgart, New York.
  • Christian Prinz (2012): Basiswissen Innere Medizin. Springer, Heidelberg.
  • J. Schölmerich, H. Herfarth und G. Rogler (2009): Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Eine Übersicht über die Krankheitsbilder und ihre Behandlung. Falk Foundation e. V., Freiburg.
  • C. Tysk u. a. (1988): Ulcerative colitis and Crohn’s disease in an unselected population of monozygotic and dizygotic twins. A study of heritability and the influence of smoking. In: Gut 29, S. 990-996.
[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]

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