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Der Dünndarm – Nährstoffe aufnehmen und Nahrung verarbeiten

Auf einen Blick: Was ist der Dünndarm?

  • Bestandteil unseres Verdauungsapparats
  • etwa 5–6 m lang

Welche Aufgaben hat der Dünndarm?

  • Weiterverarbeitung des Nahrungsbreis (Transport, Wasserentzug)
  • Nährstoffaufnahme
  • Hormonbildung
  • Abwehr von Krankheitserregern

Erkrankungen des Dünndarms (Auszug)

  • Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten
  • Infektionskrankheiten
  • (Dünndarm-)Divertikel
  • Tumoren

Leitsymptome (Auszug)

  • Durchfall
  • Blutungen
  • krampfartige Schmerzen (sog. ‚Koliken‘)

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Was ist der Dünndarm, wo liegt er und wie ist er aufgebaut?

Der Dünndarm ist ein entscheidender Bestandteil unseres Verdauungsapparats. Er ist ein etwa 5–6 Meter langer Schlauch, der den Transport von Speiseresten in den Dickdarm mitverantwortet.

Sein erster Abschnitt, der Zwölffingerdarm (sog. ‚Duodenum‘), ist etwa 25 cm lang, liegt hinter unserem Bauchfell und ist dort fixiert. Er ist die erste Station der Nahrung nach dem Magen. In ihn münden die wichtigsten Verdauungsdrüsen unseres Körpers, nämlich die Leber, die Galle und die Bauchspeicheldrüse. Der gesamte Dünndarm ist im sogenannten Mesenterium aufgehängt. Damit bezeichnet man den Aufhängeapparat aus fettreichem Bindegewebe, der an der hinteren Bauchwand fest ansitzt. Dieses Mesenterium enthält sowohl Gefäße als auch Lymphknoten und Nerven und versorgt den Dünndarm mit genügend Blut. Das wichtigste Gefäß für die Versorgung ist hier die sogenannte Arteria mesenterica. Ist sie verstopft oder verengt, kann es schnell zu mitunter tödlich endenden Minderdurchblutungen kommen.

Nächster Abschnitt des Dünndarms ist der etwa 2 Meter lange Leerdarm (sog. ‚Jejunum‘) und gefolgt vom circa 3 Meter langen Krummdarm (sog. ‚Ileum‘). Diese beiden Abschnitte liegen im Unterbauch und bilden viele Schlingen, um ihre Länge kompensieren zu können.

Die Schleimhaut des Dünndarms ist in Falten angelegt, die sogenannten Plicae. Diese wiederum tragen Zotten und Krypten. Die Schleimhaut hat eine für den Verdauungstrakt typische Schichtung in verschiedene Ebenen, die alle ihre eigenen Aufgaben haben. Die Tunica mucosa bekleidet die Innenwand des Dünndarms, die Tela submucosa liegt zwischen der erstgenannten und der dritten Schicht namens Tunica muscularis. Zu guter Letzt gibt es je nach Abschnitt noch die Tunica adventitia bzw. die Tunica serosa, die den Darm von außen bedecken.

Wenn der Darm mal Probleme macht, merken wir es schnell. Aber wie genau können wir unsere Beschwerden deuten? Darauf geht Dr. Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Video ein.

Bauchschmerzen Ursachen + Alarmzeichen // Bauchschmerzen rechts unten, links, oberbauch // Tipps

Welche Aufgaben hat der Dünndarm?

Der Dünndarm ist eine weitere Station unserer Verdauung und sorgt so für die Weiterverarbeitung des Nahrungsbreis. In diesem Zusammenhang hat der Dünndarm aber vor allem auch die Funktion, die in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe aufzunehmen – und dafür lässt er sich Zeit. Der Speisebrei verbleibt für mehrere Stunden im Dünndarm, wo er dann in Kontakt mit Verdauungsenzymen wie auch mit der Darmoberfläche kommt. Letztere nimmt die Nährstoffe dann auch auf.

Für diese Aufgabe benötigt der Darm eine große Oberfläche – um die Nährstoffe bestmöglich aufnehmen zu können. Aber wie kreiert er diese? Weiter oben haben wir schon herausgestellt, dass die Schleimhaut des Dünndarms in Falten gelegt ist. Und das hat auch einen Grund, kann sie so doch mehr oberflächlich in verhältnismäßig beengtem Raum anbieten. Des Weiteren ist die Schleimhaut mit den weiter obengenannten Zotten gespickt, und zwar mit etwa 4 Millionen an der Zahl. Die Zotten sind kleine Erhebungen, die die Oberfläche des Darms noch weiter vergrößern (auf bis zu etwa 400 m²) und dafür sorgen, dass die Nährstoffe in das Blut und die Lymphflüssigkeit übergehen.

Vor allem Kohlenhydrate werden durch die Enzyme gespalten. Was aber geschieht mit bereits gelösten Substanzen? Dafür stehen im Darm spezielle Transporter in den jeweiligen Abschnitten des Darms zur Verfügung. Im oberen Abschnitt findet bspw. der Eisen– und Kalzium-Transport, während Vitamine wie B12 oder B6 von Transportern im unteren Darmabschnitt aufgenommen werden.

Wichtig ist auch: Der Dünndarm sorgt dafür, dass der Speisebrei letztlich eingedickt wird, indem er ihm Wasser entzieht – täglich bis zu 9 Liter. Zwar übernimmt auch der Dickdarm eine solche „entziehende“ Funktion, den Großteil der Arbeit leistet hier aber mit etwa 80 Prozent der Dünndarm.

Rhythmische Bewegungen, Hormonbildung und Abwehr

Der Weitertransport des Speisebreis und seine Durchmischung erfolgen durch rhythmische Bewegungen, die sogenannte Darmperistaltik. Ähnliche Prozesse spielen sich schon im Magen ab.

Im Dünndarm finden sich auch viele Zellen, die Hormone bilden. Dazu gehört bspw. das bekannte Serotonin, aber auch andere Hormone, die auf nahegelegene Organe wie den Magen, die Galle oder die Bauchspeicheldrüse wirken.

Zu guter Letzt findet sich im Dünndarm auch noch das sogenannte Darm-assoziierte lymphatische Gewebe (kurz: GALT), manchmal auch vereinfacht Darm-assoziiertes Immunsystem genannt. Es dient der Abwehr von Krankheitserregern, die in der Nahrung enthalten sind, seien es Viren, Bakterien oder andere schädliche Fremdstoffe.

Häufige Symptome bei Erkrankungen des Dünndarms

Wenn wir Bauchschmerzen oder andere Beschwerden im Bereich des Dünndarms haben, können wir sie vielleicht nicht direkt zuordnen. Es gibt aber einige sogenannte Leitsymptome, die auf einen betroffenen Dünndarm hinweisen. Das sind:

  • Durchfall
  • Blutungen
  • krampfartige Schmerzen (sog. ‚Koliken‘)
  • Symptome einer Darmverengung, darunter Bauchschmerzen, Durchfall, Meteorismus (erhöhte Menge Darmgas, das durch Winde über den After abgelassen wird), Übelkeit & Erbrechen, Verstopfung
  • Darmverschluss (sog. ‚Ileus‘) mit Koliken, Meteorismus, Erbrechen und Stuhlverhalt

Wie Sie hier vielleicht schon sehen, bestehen bei den Symptomen fließende Übergänge oder sie treten bei verschiedensten Umständen auf.

Als entscheidendes Leitsymptom für Dünndarmerkrankungen gilt aber der Durchfall, der auch bei Untersuchungen sehr detailliert erfragt wird. Dazu später mehr.

Weiterhin wichtig sind gastrointestinale Blutungen, also Blutungen im Verdauungstrakt. Diese können sich zum einen durch Blut im Erbrochenen, aber vor allem auch durch den sogenannten Teerstuhl bemerkbar machen. Dieser Begriff bezeichnet tiefschwarz verfärbten Stuhl und deutet auf Blutungen im Bereich von Magen und Dünndarm hin.

Die tatsächlichen Symptome hängen aber eng mit der Erkrankung oder der vorliegenden Störung zusammen, weshalb in einem späteren Kapitel noch einmal beispielhaft gesondert auf einige Erkrankungen eingegangen wird.

Gut zu wissen!

Ungefähr ein Drittel aller Patienten mit Geschwüren im Verdauungstrakt weist bei der Diagnose Zeichen einer Blutung auf.

Welche Erkrankungen des Dünndarms gibt es?

Wir kennen jetzt schon einige Symptome, die mit dem Dünndarm in Verbindung stehen können. Allerdings haben wir noch nicht über die Erkrankungen gesprochen, die diese Beschwerden verursachen können. Wir bieten Ihnen daher im Folgenden eine Übersicht über mögliche Erkrankungen, erheben dabei aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn das würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

„Achten Sie auf die körperlichen Anzeichen. Ihr Dünndarm ist womöglich in Mitleidenschaft gezogen, wenn sich Durchfall, Blutungen oder krampfartige Schmerzen, sogenannte Koliken, ereignen.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Malassimilationssyndrome

Bei Malassimilationssyndromen sind die Verdauung oder die Aufnahme von Stoffen aus dem Nahrungsbrei im Darm gestört. Dies kann viele verschiedene Ursachen haben, bspw. einen Mangel an Bauchspeicheldrüsenenzymen oder eine Inaktivierung dieser, einen Mangel an Gallensäure oder Abflussstörungen der Lymphe. Auch erblich veranlagte Enzymdefekte können der Grund sein. Diese Syndrome sind gekennzeichnet durch viel fettigen und übelriechenden Stuhl, Durchfall sowie Meteorismus und Darmwinde (sog. ‚Flatulenzen‘).

Sprue bzw. Zöliakie

Diese Begriffe beschreiben eine chronische Dünndarmerkrankung, die Folge einer Überempfindlichkeit gegen Gluten ist. Der Begriff Zöliakie beschreibt die Erkrankung im Kindesalter. Früher ging man in der Medizin davon aus, dass sich die Erkrankung auf diesen Lebensabschnitt beschränkt. Heute weiß man, dass es im Erwachsenenalter auch zu der Erkrankung kommen kann. In Westeuropa gilt die Sprue als relativ häufiges Krankheitsbild, etwa 0,5–1 Prozent der Erwachsenen sind betroffen. Bei Menschen, die eine entsprechende Veranlagung haben, entzündet sich die Darmschleimhaut, wenn sie glutenhaltige Nahrungsmittel zu sich nehmen.

Durch chemische Veränderungen wird bei Ihnen eine lokale Immunreaktion ausgelöst. Betroffene zeigen eine starke Unverträglichkeit gegenüber glutenhaltiger Lebensmittel wie Brot, Nudeln oder Schokolade und leiden nach dem Genuss ebensolcher an chronischem Durchfall. Auf lange Sicht sind sie mangelernährt. Nach der Aufnahme glutenhaltiger Nahrung kommt es zu Blähungen und Durchfällen. Auf lange Sicht können noch viele weitere Beschwerden bzw. Veränderungen hinzukommen, bspw. Kleinwuchs, ein Gewichtsverlust, eine Eisenmangelanämie, Arthritis, Osteoporose und auch diverse neurologische Symptome.

Nahrungsmittelallergien

Bei einer Nahrungsmittelallergie zeigen wir eine allergische Reaktion auf bestimmte in Nahrungsmitteln enthaltene Stoffe, die man Allergene nennt. Zusammengefasst sind etwa 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland von einer solchen Allergie betroffen, sicher kennen Sie auch einige Personen. Die häufigsten Allergien betreffen Mehl, Nüsse, Früchte (Ananas, Apfel) und Gemüse (Tomaten). Wenn Betroffene diese Bestandteile mit der Nahrung aufnehmen, kommt es bei ihnen in der Regel zu starken Durchfällen, die von Bauchkrämpfen und ggf. Kopfschmerzen, Atemnot oder sogar dem gefährlichen allergischen Schock begleitet werden.

Gut zu wissen!

Eine Sonderform der Unverträglichkeit besteht gegen Lebensmittel, die den Geschmacksverstärker Glutamat enthalten. Da sich dieser vor allem in asiatischen Speisen finden lässt, spricht man dann auch vom China-Restaurant-Syndrom.

Nahrungsmittelunverträglichkeit

Bei der Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln unterscheidet man die Laktose– von der Fruktoseintoleranz.

Eine Laktoseintoleranz ist entweder angeboren oder das Ergebnis einer Viren- bzw. Virusinfektion und beschreibt unsere Unverträglichkeit gegenüber der in Milchprodukten enthaltenen Laktose. Bei Betroffenen herrscht im Dünndarm ein Mangel am Enzym Laktase, das normalerweise für den Abbau der Laktose verantwortlich ist. Wenn sie demnach zu viel Laktose aufnehmen, kommt es zur sogenannten bakteriellen Vergärung. Die Folgen sind Bauchschmerzen und Durchfälle. In Europa sind ungefähr 3–5 % der Bevölkerung von der angeborenen Form betroffen, in Asien sind es mehr als 30 %. Wenn die Laktoseintoleranz das Ergebnis einer Infektion mit Bakterien war, so kann sie rückgängig gemacht werden.

Bei einer Fruktoseintoleranz hingegen vertragen wir keinen Fruchtzucker. Man unterscheidet hierbei zwei Formen. Die hereditäre Fruktoseintoleranz ist eine angeborene Stoffwechselstörung und betrifft den Abbau des Fruchtzuckers in der Leber. Die andere Form ist die Fruktosemalabsorption, bei der Fruktose aus der Nahrung nicht mehr gut aufgenommen werden kann, da die dafür zuständigen Transporter im Körper defekt sind. Beide Formen machen sich vor allem dann bemerkbar, wenn wir Obst, Gemüse oder Säfte zu uns nehmen – dann kommt es zu Bauchschmerzen und Durchfall. Das Ausmaß der Beschwerden hängt von der Menge Fruktose ab, die wir aufnehmen und kann demensprechend variieren.

Infektionskrankheiten

Viele verschiedene Infektionskrankheiten können den Dünndarm in Mitleidenschaft ziehen und so für Beschwerden sorgen. Wir gehen an dieser Stelle beispielhaft auf zwei bekanntere davon ein.

Es kann bspw. sein, dass der Dünndarm von sogenannten enterohämorrhagischen Escherichia-coli-Bakterien (kurz: EHEC) befallen ist. Sicher haben Sie schon einmal von E. coli gehört. Das ist ein Bakterium, das sich bei Vögeln sowie warmblütigen Säugetieren und auch dem Menschen im Darm finden lässt und dort einen natürlichen Bestandteil der Darmflora bildet. Das EHEC ist eine Art Sonderform des Bakteriums, das vor allem im Darm von Wiederkäuern beheimatet ist, bspw. bei Kühen oder Ziegen. Diese Tiere zeigen durch das Bakterium keine Erkrankungszeichen auf und scheiden es ganz normal über den Kot aus.

Gelangt es aber in unseren Körper, bspw. durch verunreinigte Lebensmittel wie nicht-pasteurisierte Milch oder rohes Fleisch, kann es schnell zu einer Infektion kommen. Menschen mit einem gut funktionierenden Immunsystem haben dann nur wenig Symptome, bspw. leichten Durchfall. Aber immunschwächere Personen wie Kinder oder ältere Menschen erleiden um einiges heftigere Beschwerden mit blutig-wässrigen Durchfällen. Zu den möglichen Komplikationen der Infektion gehört das hämolytisch-urämische Syndrom mit zerstörten Blutzellen und beeinträchtigter Nierenfunktion, eine Blutarmut, ein akutes Nierenversagen oder auch Krampfanfälle.

Eine weitere bekannte Infektion ist die Salmonellen-Enteritis. Diese wird meist durch rohe tierische Lebensmittel übertragen und häuft sich in den Sommermonaten. Bei der Erkrankung kommt es zu wässrigen Durchfällen, Erbrechen, Bauchkrämpfen und einer Austrocknung des Körpers. Diese Beschwerden sind teilweise so stark, dass sie einen Kreislaufzusammenbruch zur Folge haben. Hinzukommen können Fieber und Kopfschmerzen.

Angiodysplasien

Eine Angiodysplasie beschreibt die Missbildung von Gefäßen, hier in Bezug auf den Verdauungstrakt. Diese können dann bspw. vergrößert oder schlicht verändert sein und leicht Blutungen verursachen. Die Hälfte aller Blutungen im Bereich des Dünndarms ist die Folge solcher Missbildungen. Es ereignen sich bei Betroffenen abgesehen von schnell eintretenden Blutungen im Darm kaum tatsächliche Beschwerden. Die Blutung kann aber so massiv sein, dass Betroffene sofort mit ggf. gleich mehreren Blutkonserven versorgt werden müssen. Dabei handelt es sich übrigens meist nicht um die umgangssprachliche „Bluttransfusion“, also eine Transfusion mit Vollblut, sondern um ein Konzentrat, das aus diesem Vollblut gewonnen wird und größtenteils aus roten Blutkörperchen (sog. ‚Erythrozyten‘) besteht. Die genaue Bezeichnung ist demnach auch Erythrozytenkonzentrat.

Dünndarmdivertikel

Hierbei handelt es sich um eine entweder angeborene oder auch erworbene Aussackung des Dünndarms, größtenteils im Bereich des Zwölffingerdarms. In etwa der Hälfte der Fälle bereiten diese Ausstülpungen keine Beschwerden und sind eher Zufallsbefunde. Je nachdem, welcher Bereich des Dünndarms betroffen ist, kann es zu unterschiedlichen Beschwerden kommen. Finden sich die Ausstülpungen im Bereich des Zwölffingerdarms, kann es u. a. zu Bauchschmerzen, Gelbsucht, Fieber und einer Bauchspeicheldrüsenentzündung kommen. Sind hingegen spätere Abschnitte des Dünndarms betroffen, kommt es ggf. auch zu Durchfall und Blutungen.

Whipple-Krankheit

Morbus Whipple ist eine seltene infektiöse Erkrankung des Dünndarms – Deutschlandweit sind etwa 400 Fälle beschrieben. Die Beschwerden der Erkrankung sind dafür zahlreich und umfassen wässrige Durchfälle, Krämpfe und eine Austrocknung des Körpers. Typisch für die Erkrankung: Das zentrale Nervensystem wird ebenso in Mitleidenschaft gezogen, es kann zu einer Entzündung der Herzinnenhaut (sog. ‚Endokarditis‘) oder der Augenhaut (sog. ‚Uveitis‘) kommen, Flüssigkeit kann sich im Bauchraum ansammeln (sog. ‚Aszites‘, auch „Bauchwassersucht“) und die Lymphknoten schwellen an.

Morbus Crohn

Der Morbus Crohn ist eine Form sogenannter chronisch-entzündlicher Darmkrankheiten. Damit beschreiben Mediziner Krankheiten, bei denen entweder dauerhaft Entzündungen bestehen oder diese immer wiederkehren. Die Ursachen für die Erkrankung sind bis heute nicht ausreichend geklärt, der Faktor Stress kann aber eine entscheidende Rolle spielen. Die Erkrankung ist bis heute nicht heilbar. Charakteristisch für den Morbus Crohn sind die mit ihm einhergehenden Beschwerden. Es ereignen sich vor allem in Schüben wiederkehrende Schmerzen im rechten Unterbauch und Durchfall. Das sind die häufigen, aber eher harmlosen Symptome. Hinzukommen können bspw. Fisteln – das sind Verbindungen, die zwischen einem Hohlorgan (hier der Dünndarm) und anderen Organen oder der Körperoberfläche entstehen.

Das führt wiederum dazu, dass Bakterien o. Ä. leichter Zugang zum Dünndarm haben. Die Erkrankung kann aber auch zum bereits weiter oben erwähnten Malabsorptionssyndrom führen.

Morbus Crohn beschränkt sich aber nicht nur auf den Verdauungstrakt, sondern kann auch Veränderungen in anderen Bereichen des Körpers zur Folge haben und so z. B. zu Arthritis, Augen- und Hautentzündungen, Pusteln im Mundraum sowie Schwellungen und Wucherungen von Lippen und Mundschleimhaut führen.

Wir haben zum Thema bereits einen detaillierten Artikel verfasst. Wenn Sie also mehr wissen wollen, schauen Sie gerne hier nach: „Morbus Crohn – die mysteriöse Darmkrankheit?“. Außerdem hat sich Dr. Dr. Tobias Weigl in einem Video intensiv mit der Erkrankung auseinandergesetzt.

Der Darm: Morbus Crohn😱Ursache für unblutigen Durchfall & Bauchschmerz? Chronische Darmerkrankung

Tumoren des Dünndarms

Im Dünndarm bilden sich – im Hinblick auf den gesamten Verdauungstrakt – relativ wenige Tumoren. Gemessen am gesamten Gastrointestinaltrakt entfallen etwa 10 Prozent der Tumoren auf den Dünndarm. Davon sind wiederum 35 Prozent gutartig. Am häufigsten betroffen sind Menschen in ihren 50ern und 60ern.

Die gutartigen Tumoren sind oft klein und können Bauchschmerzen, Verstopfung oder Blutungen verursachen. Außerdem kann es zur sogenannten Invagination kommen, bei der sich ein Darmabschnitt in den nächsten einstülpt, was wiederum einen mechanischen Verschluss zur Folge haben kann. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen gutartiger Tumoren, nämlich zwischen Adenomen, Leiomyomen, Lipomen und Angiomen.

Auch die bösartigen Tumoren werden in verschiedene Formen unterteilt. Zum einen gibt es die sogenannten Karzinoiden Tumoren, die zwar langsam wachsen, nichtsdestoweniger aber streuen (sog. ‚metastasieren‘). Die Angaben zur Häufigkeit schwanken zwischen 2,8 und 21 Fälle pro 1 Million Einwohner. Kommt es in diesem Zusammenhang zum sogenannten Karzinoidsyndrom (bei etwa 70 Prozent der Betroffenen), können sich mehrere Symptome hervortun, nämlich eine hell- bzw. blaurote Färbung des Kopfes nach Anstrengung oder Aufregung (sog. ‚Flush‘), sichtbare Gefäßerweiterungen, verdickte Hautfalten im Gesicht, Durchfall mit Krämpfen und Gewichtsverlust, Fibrose im rechten Herzen und Hautveränderungen (Schuppung, Rötung, bräunliche Pigmentierung). Natürlich gibt es auch Symptome, die sich direkt an Ort und Stelle bemerkbar machen, nämlich u. a. Bauchkrämpfe und Blutungen.

Weitere Formen bösartiger Tumoren sind bspw. Adenokarzinome und Lymphome.

Der Dünndarm auf einen Blick

Aufbau

  • Zwölffingerdarm
  • Leerdarm
  • Krummdarm
  • in Falten angelegte Schleimhaut

Aufgaben

  • Weiterverarbeitung des Nahrungsbreis (Transport, Wasserentzug)
  • Nährstoffaufnahme
  • Hormonbildung
  • Abwehr von Krankheitserregern

Hatten Sie schon einmal Probleme mit dem Dünndarm? Was war dafür verantwortlich? (Mehrfachnennungen möglich)? Mit Ihrer Teilnahme an der Umfrage helfen Sie anderen Menschen dabei, ihre Beschwerden besser einschätzen zu können. Außerdem erfahren wir so von Ihnen, in welchem Bereich wir noch mehr Aufklärung betreiben sollten.

Aktuelle Forschung – Injektionsmedikamente wie Insulin künftig in Kapselform?

Obwohl Injektionsmedikamente, also solche, die gespritzt werden müssen, wie Insulin die Behandlung von in diesem Fall Diabetes-Patienten stark verbessert haben, werden häufig weniger effektive orale Medikamente verschrieben und bevorzugt. Das hängt u. a. damit zusammen, dass diese Darreichungsform für Betroffene weniger unangenehm ist als Spritzen. Außerdem hat diese Darreichungsform eine höhere chemische Stabilität und produziert weniger biologisch gefährliche Abfälle (Nadeln).

In der Fachzeitschrift Nature Medicine haben Forscher um Giovanni Traverso nun eine von ihnen entwickelte Kapsel vorgestellt, mit der die Nachteile „normaler“ Kapseln ausgeglichen werden sollen.

Laboruntersuchungen und Tierexperimente erfolgreich

Sie betrachten die orale Darreichungsform zwar als ideal, waren aber mit dem Problem konfrontiert, dass sogenannte Makromolekül-Medikamente wie Insulin nicht leicht über den Verdauungstrakt in den Blutkreislauf gelangen. Zu diesem Zweck haben die Forscher den sogenannten „luminal unfolding microneedle injector“ entwickelt. Das ist eine oral einnehmbare Kapsel, die mit auflösbaren Mikronadeln gespickt ist, die wiederum eine Schicht des Dünndarmgewebes perforieren und so ihren Wirkstoff freisetzen. Die Kapsel wurde so entworfen, dass sie dem im Magen herrschenden pH-Wert bzw. der Magensäure widersteht, im Dünndarm (wo ein anderer pH-Wert herrscht) aber reagiert.

In Laborversuchen und Experimenten mit Schweinen konnten die Forscher bereits zeigen, dass die Kapsel zuverlässig die Mikronadeln an Ort und Stelle brachte, ohne Schaden anzurichten. In ihrem Test nutzten die Forscher Insulin als Beispiel-Medikament und konnten zum einen nachweisen, dass der Wirkstoff im Vergleich zu einer Spritze unter die Haut sowohl schneller als auch mehr als 10 % besser aufgenommen wurde.

Die Forscher schlussfolgern, dass ihre Kapsel für eine Vielzahl anderer Mikronadel-Formen verwendet werden könne, um künftig mehr Medikamente oral einnehmbar zu machen und therapeutische Dosen entsprechender Medikamente verabreichen zu können.

Quelle: Giovanni Traverso u. a. (2019) : A luminal unfolding microneedle injector for oral delivery of macromolecules. In: Nature Medicine 25, S. 1512–1518.

Häufige Patientenfragen

Sie erwähnen Morbus Crohn, aber nicht Colitis ulcerosa – warum?

Dr. Dr. T. Weigl
Zwar handelt es sich bei beiden Erkrankungen um chronisch-entzündliche Darmkrankheiten. Allerdings betrifft Morbus Crohn (überwiegend) den Dünndarm, während sich bei Colitis ulcerosa zunächst vor allem die Schleimhäute des Dickdarms und nur selten Teile des Dünndarms entzünden.

Warum bekommt man Durchfall?

Dr. Dr. T. Weigl
Allgemein ist diese Frage leider nicht zu beantworten, denn dem Durchfall können viele verschiedene Ursachen zugrunde liegen und auch die Vorgänge in unserem Körper, die zu einer Entstehung von Durchfall führen, können vielfältig sein. So kann sich bspw. sogenannter osmotischer Durchfall entwickeln, wenn unser Körper nicht dazu in der Lage ist, Nahrung zu verstoffwechseln. Dann passiert Flüssigkeit von außen die Darmschleimhaut und gelangt ins Innere, wo der Darminhalt dann verflüssigt wird. Wenn Sie sich im Detail über dieses häufige Symptom erkundigen möchten, empfehle ich unseren Artikel „Durchfall – ein häufiges Symptom und viele mögliche Ursachen“.

Wie kann ich einschätzen, was meine Bauchschmerzen verursacht?

Dr. Dr. T. Weigl
Vielleicht hilft Ihnen dabei schon die grobe Einteilung des Bauchs in vier verschiedene Bereiche. Wenn Sie von sich ausgehend Ihren Bauch betrachten, so liegen im oberen rechten Viertel bspw. die Gallenblase sowie die Gallenwege, die Leber und der Zwölffingerdarm. Im Bereich darunter (unten rechts) liegen u. a. der Blinddarm und der Dünndarm, der sich in dieser Gegend bspw. bei einem Morbus Crohn bemerkbar macht. Links oben finden sich dann die Milz, vor allem aber auch der Magen. Unten links finden Sie letztlich den Dickdarm, der womöglich Probleme bereitet. Da das an dieser Stelle alles sehr theoretisch klingt, würde ich Ihnen empfehlen, einmal in unseren Übersichtsartikel „Bauchschmerzen – rechts, unten, links, Oberbauch“ mit Schaubild reinzuschauen. Im Detail beschäftigt haben wir uns mit den entsprechenden Bereichen in unseren Artikeln „Bauchschmerzen rechts – Unterbauchschmerzen und Oberbauchschmerzen rechts“ und „Bauchschmerzen links – Unterbauchschmerzen und Oberbauchschmerzen links“.

Was sind gastrointestinale Blutungen?

Dr. Dr. T. Weigl
Dabei handelt es sich um Blutungen, die sich im Verdauungstrakt ereignen können und sich abhängig vom Ort des Geschehens anders äußern. Gehen wir basierend auf diesem Artikel bspw. davon aus, dass sich die Blutung im Dünndarm ereignet, so macht sich diese in dunkel bis schwarz gefärbtem Stuhl bemerkbar, da das Blut auf seinem Weg nach draußen noch viel Weg zurücklegen muss und sich währenddessen verfärbt. Frisches Blut im Stuhl deutet bspw. eher auf Blutungen im Dick- oder Enddarm hin, da das Blut dann einen verhältnismäßig kurzen Weg nach draußen hat. Alles Wichtige zu diesem Thema können Sie nachlesen in unserem Artikel „Gastrointestinale Blutungen – Blutungen in Speiseröhre, Magen und Darm“.

Typisches Patientenbeispiel

Corinna hat seit kurzem immer Bauchschmerzen nach dem Frühstück, manchmal sogar mit Durchfall. Dabei gestaltet sie das Frühstück – ebenfalls seit kurzem – immer extra besonders gesund und energiereich. Eigentlich kommt bei ihr morgens immer eine üppige Schüssel ungezuckertes Müsli auf den Tisch, mit guter Landmilch und viel getrockneten Früchten. Und das würde Sie auch gerne beibehalten, aber scheinbar macht ihr Körper ihr da einen Strich durch die Rechnung. Liegt es an dem Fruchtzucker? Oder vielleicht sogar an der Milch? Vielleicht sollte sie einfach mal zum Arzt gehen…

Und das hat sie dann auch getan. Tatsächlich hat ihr Arzt bei ihr eine leichte Unverträglichkeit für Milch festgestellt, und zwar die angeborene Form. Ihr Körper habe sich nach der Versorgung mit Muttermilch darauf eingestellt, weniger von dem Enzym Laktase zu produzieren, was an sich normal ist. Allerdings sei die Menge Milch, die ein Mensch vertragen kann, immer individuell unterschiedlich. Und bei Corinna liegt schlicht weniger Laktase als bei anderen vor, sodass sie weniger Milchprodukte zu sich nehmen kann als andere. Das sei ihr wahrscheinlich nie aufgefallen, weil sie diesen „Grenzwert“ nicht überschritten hat. Auf das Müsli will sie trotzdem nicht verzichten. Sie beschließt direkt nach dem Arztbesuch, ein Reformhaus aufzusuchen und dort nach pflanzlichen Alternativen zu Milch zu schauen. Vielleicht Soja-Milch? Hoffentlich hat sie dafür nicht auch eine Unverträglichkeit…

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Was würden Sie noch gerne über den Dünndarm wissen? Haben Sie Fragen zu Inhalten des Artikels? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Lektorat: Christopher Keck
Datum: 12.10.2019

Quellen

  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Escherichia Coli. In: bfr.bund.de.
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Hrsg.) (2018): Laktoseintoleranz. In: gesundheitsinformation.de.
  • Klinisches Wörterbuch Pschyrembel Online.
  • Irmtraut Koop (Hrsg.) (2013): Gastroenterologie compact – Alles für Klinik und Praxis. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Wolfgang Piper (2013): Innere Medizin, 2. Auflage. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Christian Prinz (2012): Basiswissen Innere Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Giovanni Traverso u. a. (2019): A luminal unfolding microneedle injector for oral delivery of macromolecules. In: Nature Medicine 25, S. 1512–1518.
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