Sign up with your email address to be the first to know about new products, VIP offers, blog features & more.

Morbus Crohn – die mysteriöse Darmkrankheit?

Die Symptome von Morbus Crohn lassen sich behandeln, sodass Betroffene beschwerdefrei leben können. Eine vollständige Heilung ist bislang aber noch nicht möglich.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Eine Form chronisch-entzündlicher Darmkrankheiten (CED) ist die sog. Morbus Crohn. Immer wiederkehrende Bauchschmerzen und Durchfall sind die häufigsten Symptome dieser Krankheit, die meist bei jungen Menschen bis 35 Jahre ausbricht. Unbehandelt kann sie zu gefährlichen Komplikationen wie Darmverschluss oder Fisteln führen. Die Behandlung soll ein Fortschreiten der Erkrankung und das erneute Auftreten von Krankheitsschüben verhindern. Die Ursachen sind unbekannt,

Der Ball kommt hoch und steil, sehr schlecht gespielt! Aber diese Einladung zum Schmetterball kommt Janina nur recht. Nur noch dieser Ball, dann hat sie den Satz gewonnen, damit das Spiel und dann steht sie im Finale des Tennisturniers. Sie visiert den Ball an, holt mit dem Schläger aus … und bekommt starke Schmerzen im rechten unteren Bauchbereich. Der Ball geht ins Netz, Janina zu Boden. Sie versucht mit den Schmerzen weiterzuspielen, doch dieser Satz geht mächtig in die Hose. Bevor noch etwas in die Hose geht, eilt Janina nach dem Spiel schnell aufs Klo. Der Durchfall soll noch ein paar Tage anhalten. Morbus Crohn stellen die Ärzte später nach vielen Untersuchungen fest. Gut, dass sie so frühzeitig zum Arzt gekommen ist, sagen sie, so ließ sich auch die Fistel gut behandeln. Aber auf den Tennisplatz traut sich Janine nicht mehr.

Was sind chronisch-entzündliche Darmkrankheiten?

Neben der Colitis ulcerosa ist Morbus Crohn die häufigste chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED). Unter diesem Begriff fassen Mediziner Krankheiten zusammen, bei denen wiederkehrende oder permanent aktive Entzündungen des Darms auftreten. Die Ursache von Morbus Crohn ist unbekannt und auch wissen wir wenig über Faktoren, die die Krankheit begünstigen oder verhindern.

Psychosomatische Wechselwirkungen, etwa durch Stress, werden auch hier vermutet, können aber nicht nachgewiesen werden (anders als etwa bei der Gastritis/Magenschleimhautentzündung). Einzig, dass Raucher öfter betroffen sind, ist belegt. Auch hilft es Betroffenen, wenn sie mit dem Rauchen aufhören. Auch genetische Ursachen, also Vererbbarkeit ist nicht ausgeschlossen.

In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl die Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten bei Morbus Crohn. Schauen Sie sich gerne auch dieses Video an, um mehr über das Thema zu lernen

Früher wurde Morbus Crohn als Autoimmunerkrankung bezeichnet. Davon ist die Medizin mittlerweile abgerückt und bevorzugt die Bezeichnung „komplexe Barriereerkrankung“. Der Effekt ist aber – vereinfacht ausgedrückt – der gleiche: Die Krankheit verhindert, dass bestimmte körpereigene Zellen Bakterien erkennen und bekämpfen können. Dadurch können Bakterien Schäden etwa in der Darmwand anrichten, die sich auf den gesamten Körper auswirken können.

Die Krankheit kann sich im gesamten Verdauungstrakt manifestieren, meistens im Ileum (einem Teil des Dünndarms) oder dem Kolon (einem Teil des Dickdarms). Theoretisch kann aber jeder Teil des Verdauungstrakts betroffen sein – vom Mund bis zum Rektum (Mastdarm).

Bauchschmerzen und Durchfall sind die häufigsten Symptome – was kann aber noch passieren?

In sich wiederholenden Schüben wiederkehrende Schmerzen im rechten Unterbauch sowie unblutige Diarrhö (dt. Durchfall). Dies sind zwar unangenehme Symptome der Krankheit, zählen allerdings zu den harmloseren. In 40 Prozent der Fälle ist zum Beispiel eine Fistel festzustellen.

Exkurs: Was sind Fisteln?
Als Fistel bezeichnet man eine krankheitsbedingte Verbindung zwischen einem inneren Hohlorgan und anderen inneren Organen oder der Körperoberfläche. Dadurch können unterschiedliche Bakterien in Bereiche eindringen, in denen sie sonst nichts zu suchen haben und somit Schäden anrichten können. Analfisteln, also Fisteln am Darmausgang, gelten als erste Symptome von Morbus Crohn.

Auch kann Morbus Crohn Störungen in der Stoffwechselfähigkeit des Darms verursachen (das sog. ‚Malabsorptionssyndrom‘). Dies führt dann zum Durchfall. Der wiederum kann Gewichtsverlust, Hautveränderungen, Anämie und bei Kindern zu Wachstumsstörungen verursachen.

Nicht nur die Verdauungsorgane sind betroffen

Neben den inneren Organen der Verdauung kann Morbus Crohn unter anderem noch weitere Folgen für den restlichen Körper haben:

  • Arthritis an den Gelenken
  • Entzündungen am Auge
  • Entzündungen der Haut
  • Pusteln im Mundraum
  • Schwellungen und Wucherungen der Lippen und der Mundschleimhaut

 

Was Bauchschmerzen alles bedeuten können – und wann Sie zum Arzt gehen sollten

Bauchschmerzen sind die häufigste Ursache für Krankenhauseinweisungen. Da sich im Bauch viele Organe befinden, können die Schmerzen auch viele unterschiedliche Ursachen haben.

In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl einige Symptome und deren Ursachen.

Die Darmkrankheit der jungen Menschen

Es ist ein Irrglaube, dass alle Krankheiten wahrscheinlicher auftreten, je älter man wird. Morbus Crohn etwa betrifft vor allem 15- bis 35-Jährige. Jeder zehnte Krankheitsfall allerdings tritt um das 60. Lebensjahr herum auf.

Während manche Quellen besagen, dass Männer und Frauen gleichermaßen betroffen seien, sprechen andere davon, dass Frauen etwa doppelt so häufig an der Crohn-Krankheit leiden.

In Deutschland sind rund 150 von 100.000 Menschen betroffen. Insgesamt gibt es anteilsmäßig mehr Betroffene in Europa und in Nordamerika als in Asien. Warum das so ist, ist unbekannt.

Leiden Sie an Morbus Crohn? Helfen Sie uns und anderen Betroffenen, die Symptome der Krankheit näher zu bestimmen! Wie oft traten die Durchfallschübe bei Ihnen auf?
Abstimmen

Morbus Crohn ist nicht heilbar – was kann man dann dagegen tun?

Da die Ursache von Morbus Crohn unbekannt ist, ist auch eine Heilung schwierig zu erforschen. Kurz gesagt: Morbus Crohn gilt heute noch als unheilbar. Gegen die Symptome allerdings gibt es Medikamente. Akute Schübe können medikamentös behandelt werden und auch die Folgeerscheinungen wie Fisteln und Abszesse sind oft gut behandelbar. Um das Auftreten weiterer Schübe zu verhindern, verschreiben Ärzte Dauertherapien mit symptomunterdrückenden Mitteln.

In seltenen Fällen wird auch operiert. Das geschieht aber nur, wenn beispielsweise der Darm stark beschädigt und durchbrochen ist. Geheilt werden kann Morbus Crohn auch mit einer Operation nicht.

 

Gut zu wissen!
Ihren Namen verdankt die Krankheit (lat. ‚morbus‘) dem amerikanischen Arzt Burrill Bernard Crohn, der sie zusammen mit Leon Ginzburg und Gordon Oppenheimer erstmals im Jahr 1932 wissenschaftlich beschrieben hat. Er nannte sie allerdings Ileitis terminalis, also Entzündung des Endteils des Ileus (Teil des Dünndarms). Er bevorzugte aber schnell die Bezeichnung Ileitis regionalis, weil ‚terminalis‘ sich zwar auf das End-Teil des Ileus beziehe, aber so nach Endgültigkeit und Tod klinge. Gegen die Bezeichnung Crohn’s Disease hatte der angesehene Gastroenterologe sich erfolglos gewehrt. Weitere Bezeichnungen für die Krankheit sind Enteritis regionalis Crohn, Enterocolitis regionalis und sklerosierende chronische Enteritis.

Wie läuft die Diagnose ab?

Die Diagnose von Morbus Crohn gestaltet sich schwierig, weil kein einzelner Auslöser ausgemacht werden kann. Es braucht also eine Auswahl an unterschiedlichen Diagnose-Verfahren. In Kombination und durch Ausschluss anderer Krankheiten können diese dann die Diagnose Morbus Crohn ermöglichen.

Häufige Diagnoseverfahren sind:

    1. Blutuntersuchung: Untersuchung nach Anzeichen einer Entzündung, einer Anämie oder Eisenmangel sowie bestimmten Antikörpern
    2. Stuhluntersuchung: Ausschluss von Bakterien, die eine Magen-Darm-Entzündung (sog. ‚Gastroenteritis‘) verursachen können, sowie Untersuchung von bestimmten Proteinen.
    3. Ultraschalluntersuchung: Suche nach Verdickungen der Darmwand und anderen Anzeichen.
    4. Röntgen: Feststellen von Fisteln.
    5. MRT: Untersuchung des Dünndarms.
    6. Endoskopie: Spiegelung des Verdauungstraktes (Magenspiegelung, Darmspiegelung). Untersuchung mittels Kamera nach sichtbaren Schäden oder Veränderungen des Gewebes.

Entzündungen, Pusteln, Fisteln und natürlich auch Durchfall und Schmerzen können viele verschiedene Ursachen haben. Erst wenn verschiedene Symptome gleichzeitig auftreten und andere Ursachen ausgeschlossen werden können, kann man langfristig auch etwas gegen die Wiederkehr der Morbus-Crohn-Symptome unternehmen.
Dennoch ist die Krankheit von einer Colitis ulcerosa nicht immer zu unterscheiden.

Fakten-Box: Morbus Crohn

Frauen: Männer 2:1 oder 1:1 (je nach Quelle)
Häufigstes Auftreten zwischen 15 und 35 Jahren
Symptome

  • Wiederkehrender oder chronischer Durchfall
  • Wiederkehrende oder chronische Schmerzen im rechten Unterbauch
  • Gewichtsverlust
  • Fisteln
  • Entzündung der Uvea (Teil des Auges, besteht aus drei Teilen: Iris, Corpus Ciliare, Choroidea)
  • Gelenkschmerzen
  • Abszesse im Mundraum

Psychologische Effekt der Krankheit

Es gibt Untersuchungen, die sich der psychischen und sozialen Belastung der Betroffenen durch die Krankheit widmen. Während beispielsweise bei Diabetespatienten der Umgang mit ihrer Erkrankung von vielen Stellen beigebracht wird, wurde dies bei chronischen Darmerkrankungen lange vernachlässigt. Dabei haben viele Betroffenen mit Einschränkungen im Alltag zu kämpfen. Auch wenn die Medikamente die Symptome unterdrücken, so belastet doch viele Menschen das Gefühl, chronisch krank zu sein.
Wenn Sie wegen der Sorgen um Ihre Gesundheit Ihre Vitalität verloren haben oder gar depressiv werden, sprechen Sie Ihren Arzt darauf an. Auch die psychische Nachsorge gehört zu seinen Aufgaben.

Häufige Patientenfragen

Kann man Morbus Crohn vorbeugen?

Dr. T. Weigl:
Die Ursache der Krankheit ist nicht bekannt, daher weiß man auch nicht, was man ihr entgegensetzen kann – weder in der Behandlung noch präventiv. Es wurde lediglich ein Zusammenhang festgestellt: Wenn Sie keine Zigaretten rauchen oder damit aufhören, senken Sie das Risiko einer Erkrankung bzw. unterstützen die Therapie.

Ich habe gehört, dass Morbus Crohn erblich ist. Ist da was dran?

Dr. T. Weigl:
Genetische Untersuchungen deuten darauf hin, dass es bestimmte Gene etwas mit der Krankheit zu tun haben können. Mit Sicherheit lässt sich dazu aber nichts sagen.

Wie unterscheiden sich MC-Bauchschmerzen von anderen Bauchschmerzen?

Dr. T. Weigl:
Bei Bauchschmerzen ist es schwierig, als Laie die Ursache zu bestimmen, und auch die Medizin ist sehr froh, dass ihr heute so viele verschiedene Verfahren wie die Endoskopie und MRT oder Laboruntersuchungen zur Verfügung stehen. Wenn die Schmerzen im rechten unteren Bauchbereich auftreten und regelmäßig zusammen mit Durchfall wiederkehren, sollten Sie ihre Beschwerden einem Arzt mitteilen. Schauen Sie sich auch das Video oben dazu an.

 

Eine Profitennisspielerin wird Janina wohl nicht mehr. Auch wenn ihr Arzt gesagt hat, dass es nicht ausgeschlossen ist. Aber andererseits hatte sie das eh nie vorgehabt. Es hat ein wenig gedauert, bis Janina klargeworden ist, dass sie nun regelmäßig Medikamente nehmen muss, damit die Krankheit nicht wieder ausbricht. Aber darüber hinaus schränkt sie diese mysteriöse Krankheit kaum ein. Mit diesem Gedanken geht sie immer noch regelmäßig auf den Court ihres Vereins und die Kreismeisterschaften machen ihr immer noch genauso viel Freude.

Verwandte Themen

 
Haben auch Sie Erfahrungen mit Morbus Crohn? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch mit anderen Lesern und mit uns!
 
Autor: Dr. Tobias Weigl, Marek Firlej
Lektorat: Claudia Scheur
Veröffentlicht: 24.04.2018, zuletzt aktualisiert: 11.11.2018
 
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

 

[Gesamt:3    Durchschnitt: 5/5]

Noch keine Kommentare.

Was denkst Du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.