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Hallux Valgus – Was hilft bei einem Ballenzeh?

Auf einen Blick – Hallux Valgus

Was ist ein Hallux Valgus?

  • eine der häufigsten Fußfehlstellungen
  • der große Zeh schiebt sich dabei nach innen
  • der Fußballen wölbt sich vor
  • meist sind Frauen betroffen

Welche Symptome treten auf?

  • es treten nicht zwingend Beschwerden auf
  • Schmerzen bei Belastung
  • Hornhaut, Nervenentzündungen, Nervenschädigungen
  • langfristig bspw. Arthrose, chronische Schmerzen

Was kann ich dagegen tun?

  • flache, bequeme Schuhe tragen, schmerzlindernde Schuhe
  • Zehengymnastik
  • regelmäßiges Barfußlaufen
Hallux Valgus ist eine der häufigsten Fußfehlstellungen, schätzungsweise jede dritte Person ab 65 Jahre ist betroffen. Schmerzen und andere Beschwerden müssen nicht zwingend auftreten, bedeuten für Betroffene aber oft einen gewissen Leidensdruck. Was genau ein Hallux Valgus ist, welche Symptome und Risikofaktoren es gibt und was Sie dagegen tun können, erklären wir im nachfolgenden Artikel.

Was ist Hallux Valgus?

Bei einem Hallux Valgus, der auch Ballenzeh genannt wird, verformt sich Ihr Fuß. Ihr großer Zeh schiebt sich nach innen, „zeigt“ also auf die benachbarten Zehen, wodurch sich der Ballen immer weiter nach vorne wölbt. Diese häufige Fußfehlstellung verursacht bei einigen Betroffenen keine oder nur leichte Beschwerden, während bei anderen Schmerzen und Druckstellen auftreten.

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Welche Symptome treten bei Hallux Valgus auf?

Je nach Ausprägung können Schmerzen v. a. an den Zehen, an der Unterseite des Mittelfußes sowie am vorgewölbten Ballen auftreten. Letzterer schmerzt besonders dann, wenn der Schuh drückt. Die Fußverformungen können u. U. die Nerven am großen Zeh schädigen und dort sogar zur Taubheit führen. In vielen Fällen bildet sich eine verdickte Hornhaut an der Fußsohle, zudem kann der Ballen gerötet, geschwollen oder manchmal soger entzündet sein.

Auch die Beweglichkeit des großen Zehs wird dadurch beeinträchtigt und möglicherweise können sich auch Hammer- oder Krallenzehen bilden. In solchen Fällen beugen sich die anderen Zehen nach oben oder drücken sogar aneinander. Oftmals bilden sich an diesen Zehen Hühneraugen.

Darüber hinaus kann ein Ballenzeh langfristig auch eine Arthrose im Gelenk der Großzehen befördern und zu chronischen Schmerzen führen. Besonders bei älteren Menschen, die ohnehin schon Probleme beim Gehen haben, kann diese Fehlstellung den eigenen Gang unsicher machen und dadurch das Sturzrisiko erhöhen.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Fußdeformierungen können – müssen aber nicht zwingend! – mit zunehmenden Alter auftreten und werden von engem, einquetschendem Schuhwerk (z. B. Stöckelschuhe) begünstigt. Dies ist auch einer der Gründe dafür, dass Frauen deutlich häufiger von Ballenzehen betroffen sind. Allerdings bedeutet das Tragen solcher Schuhe nicht, dass Sie automatisch einen Ballenzeh bekommen.

Denn neben der genetischen Veranlagung ist ein wichtiger Risikofaktor ein weiches Bindegewebe. Alle Faktoren, die das Bindegewebe weiter schwächen, können – u. a. eine Schwangerschaft, bestimmte Medikamente oder Krankheiten – einen Hallux Valgus begünstigen. Zu den weiteren Risikofaktoren zählen u. a.:

Kann ich einem Hallux Valgus vorbeugen?

Mit einigen wenigen Maßnahmen können Sie zur Prävention eines Ballenzehs beitragen oder bereits bestehende Beschwerden u. U. lindern. Dazu gehören u. a.:

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  • Bequeme Hallux Schuhe für Damen und Männer – hat der Vorfuß ausreichend Platz, wird der Druck auf die Zehen und den Fußballen verringert
  • Zehengymnastik – krallen Sie ihre Zehen ein und lassen sie sie wieder los, wiederholen Sie diese Übung einige Minuten
  • Barfußlaufen – so stärken Sie Ihre Fußmuskulatur, gleichzeitig fördern Sie so die natürliche Stellung des Fußes und der Zehen
  • orthopädische Einlagen – teilweise wird zum Einsatz derartiger Einlagen geraten, allerdings ist die Studienlage hierfür bisher eher dünn

Laufen Sie regelmäßig barfuß! Ihre Füße werden es Ihnen danken!
— Dr. Dr. Tobias Weigl

Aktuelle Forschung – Helfen Krankengymnastik, Taping und Co. wirklich bei Hallux Valgus?

In einer Meta-Analyse haben Forscher*innen die Wirksamkeit nicht-chirurgischer Maßnahmen – z. B. Taping, Fußorthesen, manuelle Therapie oder Schienen – bei der Behandlung von Hallux Valgus untersucht. Insgesamt 18 verfügbare Studien wurden hierfür ausgewertet, wobei die Proband*innenzahl der verschiedenen Studien meist vergleichsweise klein war und so womöglich die Aussagekraft dieser Untersuchungen beeinträchtigt ist.

Die Ergebnisse sind uneindeutig: Einige Studien konnten nicht belegen, dass z. B. Taping oder eine manuelle Therapie eine signifikante Auswirkung auf die Symptome eines Ballenzehs haben. Andere Studien legen dagegen nahe, dass etwa der Einsatz von Fußorthesen, Taping oder Nachtschienen die Beschwerden bei Betroffenen reduzieren konnte – zumindest, wenn es u. a. mit stärkenden Fußübungen kombiniert wurde. Insgesamt, so resümieren die Forscher*innen, sei mehr Forschung nötig, um die bestmögliche Therapieform anbieten zu können.

Quelle: Sheree E. Hurn u. a. (2021): Effectiveness of non-surgical interventions for hallux valgus: a systematic review and meta-analysis, in: Arthritis Care & Research.

Was tut der Arzt? Teil 1: Diagnose eines Hallux Valgus

Der Arzt bzw. die Ärztin prüft bei der Untersuchung, ob der Ballen vorgewölbt ist, wie die Zehen zueinander stehen und wie beweglich sie jeweils sind. Möglich ist auch, dass Ihre Beinstellung geprüft wird. Die Untersuchung wird sowohl im Stehen, Gehen als auch im Sitzen gemacht.

Gleichzeitig achtet der Arzt/die Ärztin auf die Haut Ihrer Füße und auf mögliche Anzeichen für Arthrose. Ebenso werden Sie nach Ihren Beschwerden und Einschränkungen im Alltag befragt. Für eine genauere Diagnose wird der Fuß geröntgt und dabei belastet.

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Was tut der Arzt? Teil 2: Therapie eines Hallux Valgus

Eine Behandlung wird nur vorgenommen, falls Sie Beschwerden haben. Welche Behandlung sich für Sie eignet, hängt letzten Endes von Ihren Beschwerden und möglichen Begleiterkrankungen wie bspw. Rheuma oder Diabetes ab. Folgen Maßnahmen werden i. d. R. ergriffen, um Schmerzen zu lindern:

  • Schmerzmittel wie Ibuprofen, wobei die Mittel nur kurzfristig verwendet werden sollten
  • Krankengymnastik, um die Fußmuskeln zu stärken und zu dehnen
  • Schienen, die den großen Zeh mittig halten und das Fortschreiten des Hallux Valgus verlangsamen sollen; sie werden meist nachts getragen, eine Fehlstellung können sie aber nicht korrigieren
  • geeignetes Schuhwerk: Empfohlen werden flache Schuhe, die allen Zehen genug Platz lassen; u. U. kommen ergänzend stützende Einlagen oder eine Ballenrolle an der Schuhsohle hinzu; bestimmte schmerzlindernde Schuhe helfen Ihnen ebenfalls

Einschränkend sei aber an dieser Stelle gesagt, dass diese Maßnahmen und ihre Wirksamkeit bisher kaum in Studien untersucht worden sind. Die bisherigen Erkenntnisse sprechen dafür, dass – abgesehen von den Schmerzmitteln – die Beschwerden nur unzureichend gelindert werden können.

Als letztes Mittel, besonders bei starken Beschwerden, können Sie auf eine Operation zurückgreifen. Ein solcher Eingriff ist bisher die einzige Möglichkeit, die Fehlstellung zu korrigieren und dadurch die Ursache der Beschwerden zu beheben. Eine 100 %ige Erfolgsgarantie dafür, dass die Beschwerden völlig verschwinden, gibt es aber nicht. Zudem können u. U. Nebenwirkungen infolge der Operation auftreten, wie bspw. eine sog. Pseudoarthrose.

Häufige Patientenfragen

Ich trage gerne hohe Schuhe – muss ich jetzt Angst vor Ballenzehen haben?

Dr. Dr. T. Weigl
Regelmäßiges Tragen von hohen Schuhen bzw. Stöckelschuhen kann das Risiko für Hallux Valgus erhöhen, ja. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sich diese Fehlstellung zwingend bei Ihnen entwickelt. Es gibt genügend Gegenbeispiele, bei denen sich durch häufiges Tragen solcher Schuhe kein Ballenzeh entwickelt hat. Trotzdem sollten Sie das Tragen solcher Schuhe eher reduzieren und besser auf flache und bequeme Schuhe zurückgreifen, in denen der Fuß ausreichend Platz hat.

Kann sich ein Hallux Valgus zurückbilden?

Dr. Dr. T. Weigl
Bisher gibt es leider keine Hinweise darauf, dass sich Ballenzehen auf natürliche Weise zurückbilden können. Bei zu großen Beschwerden ist die bisher beste Maßnahme eine Operation.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten einer Behandlung?

Dr. Dr. T. Weigl
Im Normalfall werden alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien von Ihrer Krankenkasse übernommen. Wichtig ist, dass die Hilfsmittel wie z. B. orthopädische Einlagen von Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin verordnet werden müssen, u. U. kommt aber eine Kostenbeteiligung auf Sie zu.

Verwandte Themen

Sind Sie von Hallux Valgus betroffen? Wie gehen Sie damit um, welche Symptome haben Sie? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich untereinander auszutauschen!

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Sebastian Mittelberg
Veröffentlicht am: 27.04.2022

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie u. a. (2014) (Hg.): Hallux Valgus. S2-Leitlinie, in: awmf.org.
  • Gesundheitsministerium für Gesundheit (Hg.) (2020): Hallux Valgus, in: gesund.bund.de.
  • Sheree E. Hurn u. a. (2021): Effectiveness of non-surgical interventions for hallux valgus: a systematic review and meta-analysis, in: Arthritis Care & Research.
  • Justin J. Ray. u. a. (2019): Hallux Valgus, in: Foot & Ankle Orthopaedics 4/2.
  • Nikolaus Wülker & Falk Mittag (2012): The Treatment of Hallux Valgus, in: Deutsches Ärzteblatt International 109/49, S. 857–868.
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