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Ischiasschmerzen – Ursachen, Symptome und Behandlung der Ischialgie

Beim Ischiasnerv handelt es sich um den größten und längsten Nerv im menschlichen Körper. Dieser Nerv spielt für den Menschen eine ganz besondere Rolle und verursacht häufig Schmerzen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Eine Ischialgie bzw. das Ischias-Syndrom beschreiben nervlich bedingte Schmerzen in der Nähe des Ischiasnervs (sog. ‚Nervus ischiadicus‘). Auslöser solcher Schmerzen sind oft mechanische Reizungen von Nervenwurzeln. Dies kann sowohl in Form von Einengungen des Nervs sowie Dehnungen der Nervenfasern geschehen. Die so entstehende Schädigung hat einen plötzlichen Schmerz zur Folge, der wiederum eine mitunter starke Bewegungseinschränkung nach sich zieht. Betroffen sind dann vor allem der untere Rücken, die Hüfte sowie die Beine. Akut helfen Medikamente (z.B. Ibuprofen, Diclofenac), Wärmezufuhr und Elektrostimulation. Längerfristig sollte bei der Behandlung aber ein ganzheitlicher Ansatz gewählt werden, der u. a. Physiotherapie, weitere physikalische Maßnahmen und Akupunktur umfassen kann. Eine Operation ist nur dann erforderlich, wenn die Ursache für die Schmerzen im Kreuz bspw. in einem Bandscheibenvorfall oder einer Störung des Muskel- und Nervenapparates zu finden ist. Es ist sehr wichtig, bei der Therapie zwischen einer akuten und chronischen Behandlung zu unterscheiden.

Es durchzuckt Markus wie ein Blitz. Gerade noch hebt er die Kiste Bier für seine Geburtstagsfeier am Wochenende an, da gibt er dem plötzlich einschießenden Schmerz in seinem rechten Bein nach. „Was ist los mit dir?“, fragt seine Freundin Anna. „Keine Ahnung, Schatz, aber ich habe Schmerzen, die ziehen sich vom Po bis in die Kniekehle!“ Nach ein paar Minuten kann Markus sich unter den sorgenvollen Blicken seiner Freundin wieder aufrichten, die währenddessen schon einmal den Kofferraum vollgepackt hat. „Ich fahr dich jetzt erstmal nach Hause. Du stehst ja schon ganz krumm. Kannst du die Schmerzen nur in dieser Haltung ertragen?“

Was ist eine Ischialgie und was sind die Ursachen für die Erkrankung?

Eine Ischialgie (von gr. ischion ‚Hüftbein, Hüftgelenk, Hüfte, Lende‘ und gr. algos ‚Schmerz‘) – auch bekannt als Ischias-Syndrom oder im Volksmund einfach als Ischias – beschreibt nervlich bedingte Schmerzen nahe des Ischiasnervs (sog. ‚Nervus ischiadicus‘), auch Sitzbein- oder Hüftnerv genannt. Dabei handelt es sich um einen der längsten und dicksten Nerven des menschlichen Körpers, der den Lendenwirbeln entspringt und über das Hüftgelenk an der Rückseite des Oberschenkels in Richtung Kniekehle bis zum Fuß verläuft.

Video: Der Ischiasnerv und Ischiasschmerzen erklärt

Was meinen die Menschen, wenn sie sich über ihren Ischias beklagen? Wie behandelt man Schmerzen, die mit dem großen Ischiasnerv zusammenhängen? Diese und weitere Fragen beantwortet Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Beitrag.

Als Ursachen für die Ischialgie gelten im Wesentlichen mechanische Reizungen des Nervs. Das heißt, dass der Nerv bspw. eingeklemmt, komprimiert oder überdehnt wird – auf den Nerv wird Druck ausgeübt. Aber woher kommt dieser Druck? Dafür verantwortlich sein können:

All diese Ursachen führen zu typischen Symptomen, die entstehen, wenn Druck auf den Ischiasnerv ausgeübt wird. Worin diese Symptome bestehen, erfahren Sie im folgenden Abschnitt.

Die Symptome: Woran erkennt man Probleme mit dem Ischiasnerv?

Als wichtigstes Symptom im Zusammenhang mit einer Ischialgie gelten natürlich Schmerzen. Dabei handelt es sich um blitzartig einstechende Schmerzen im unteren Rücken, die bis in die Kniekehle oder den Fuß ausstrahlen können. Des Weiteren typisch ist eine Schonhaltung. Patienten versuchen bzgl. der Stelle, an welcher der Nerv einem Druck ausgesetzt ist, eine Schonhaltung einzunehmen, neigen sich bspw. zur Seite. Hinzu gesellen sich noch sogenannte Parästhesien, also Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln in den Händen und Füßen. Überdies kann es zu Lähmungserscheinungen kommen.

Achtung!
Vor allem Lähmungserscheinungen sollte man stets ernst nehmen und beim Eintreten dieser unmittelbar einen Arzt aufsuchen. Auch bei Rückenschmerzen in Kombination mit plötzlich eintretender Inkontinenz ist ein Arztbesuch dringend erforderlich.
Umfrage: Hatten Sie schon einmal Ischiasschmerzen? Welche Symptome lagen bei Ihnen vor? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an der Umfrage helfen Sie anderen Menschen dabei, ihre Symptome besser einschätzen zu können.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Sobald man einen Arzt aufsucht, erfolgt in der Regel immer zunächst das Patienten- bzw. Anamnesegespräch, in welchem der Arzt sich über die Beschwerden des Patienten erkundigt. Wie und wann sind die Schmerzen aufgetreten? In welchem Fall bessern sie sich? Wie lange bestehen die Schmerzen bereits?

Darauf folgt eine körperliche Untersuchung. In diesem Zusammenhang beobachtet der Arzt den Patienten zunächst und führt Reflex- sowie Funktionstests durch.

In einem dritten Schritt erfolgt dann eine Bildgebung mittels Röntgenaufnahme der Wirbelsäule. Überdies kann eine Aufnahme via Magnetresonanztomografie (kurz MRT) erfolgen, die vor allem dazu dient, festzustellen, ob andere Erkrankungen vorliegen, welche die Rückenschmerzen verursachen. Auf dieser Aufnahme lassen sich z. B. ein Bandscheibenvorfall oder eine Spinalkanalstenose erkennen. Es geht in der Bildgebung vor allem darum, den Ursprung der Ischiasschmerzen zu ermitteln.

Video-Exkurs: Die eigenen MRT-Aufnahmen deuten

Waren Sie schon einmal beim Radiologen und haben Aufnahmen, die im Rahmen der Magnetresonanztomographie entstanden sind, erhalten? Konnten Sie etwas mit den Bildern anfangen und auf diesen Unregelmäßigkeiten erkennen? Im nachfolgenden Beitrag erklärt Ihnen Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl im Gespräch mit Radiologe Dr. Heinz Schlolaut, wie Sie Ihre eigenen MRT-Aufnahmen deuten können und wie Sie bspw. einen Bandscheibenvorfall erkennen.

Fakten-Box
Ischiasschmerzen

  • Entstehen durch mechanische Reizung (Druck) des Ischiasnervs
  • Ursachen für diesen Druck sind vielfältig, bspw. Arthrose, Bandscheibenvorfall etc.

Symptome

  • Blitzartig einstechende Schmerzen
  • Schmerzen, die in die Kniekehle oder den Fuß ausstrahlen
  • Schonhaltung eingenommen
  • Taubheitsgefühl
  • Kribbeln
  • Lähmungserscheinung(en)
  • Inkontinenz

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Bei der Therapie von Ischiasschmerzen ist zu unterscheiden zwischen dem akuten und dem chronischen Zustand.

Akute Ischiasschmerzen werden vorwiegend symptomatisch behandelt, d. h.: Es werden in erster Linie die Schmerzen behandelt. Dahingehend kann eine Schonhaltung eingenommen werden. Außerdem hilft vor allem eine Behandlung mit Kälte, da diese akute Entzündungserscheinungen reduziert. Überdies kann eine Elektrostimulation erfolgen, um den Schmerz zu überlagen. Des Weiteren eignen sich einige Medikamente, vor allem entzündungshemmende Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Diclofenac, zur Behandlung. Oft spielen auch Injektionen und Spritzen eine Rolle, da sie aus einem Gemisch aus Anästhetikum und Kortison bestehen, wodurch also gleichzeitig Schmerzen gelindert und Entzündungen reduziert werden.

Video-Exkurs: Die Medikamente Ibuprofen und Diclofenac

Als wichtige Elemente der Schmerztherapie nehmen Entzündungshemmer und schmerzstillende Medikamente wie Ibuprofen und Diclofenac einen hohen Stellenwert ein. Aber es gilt: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Und letztere ergibt sich vor allem dann, wenn derlei Medikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Im nachfolgenden Medikamenten-Check geht Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl auf die beiden Medikamente ein und erörtert deren Vor- sowie Nachteile.

Bei chronischen, also häufig wiederkehrenden Ischiasschmerzen, ist eine Anpassung der einzelnen Therapiemaßnahmen erforderlich. Im Rahmen chronischer Beschwerden ist es wichtig, die den Ischiasschmerzen zugrunde liegenden Ursachen zu ergründen. Ist dieser Schritt erfolgt, verläuft die Therapie dann entsprechend der ausgemacht Grunderkrankung. Allerdings existiert eine Handvoll Maßnahmen, die in jedem Fall zur Anwendung kommen. Diese Maßnahmen umfassen im Wesentlichen die Physiotherapie, die Wärmetherapie, die Elektrostimulation und natürlich Medikamente. In Bezug auf letztere ist es wichtig, die Medikation konstant zu halten bzw. auf lange Sicht sogar versuchen, diese zu reduzieren. Eine Operation wird erst dann erforderlich, wenn die Schmerzen immer schlimmer werden oder sich Notfälle wie die zuvor erwähnten Lähmungserscheinungen ergeben.

Achtung!
Haben Sie ab und zu auftretenden, dann verschwindenden und erst nach einiger Zeit wiederkehrenden Ischiasschmerz? Versuchen Sie, dies als positives Warnsignal Ihres Körpers aufzufassen. Man weiß nämlich, dass sich die Schmerzen im Verlauf der Zeit immer häufiger und in immer kürzeren Abständen ereignen werden. Dahingehend können Sie den Versuch unternehmen, vorbeugend (‚prophylaktisch‘) zu arbeiten, also bspw. auf Ihre Haltung zu achten, nicht zu schwere Dinge zu tragen sowie ihre Muskeln zu stärken und zu dehnen.

Häufige Patientenfragen

Was ist eine Spondylarthrose?

Dr. T. Weigl
Bei einer Spondylarthrose handelt es sich um eine Arthrose der Wirbelgelenke. Sie beschreibt genauer eine degenerative, nicht-entzündliche Erkrankung der zwischen den Wirbelsäulengelenken gelegenen Knorpel. Diese Knorpel verschleißen durch Abnutzung vor allem altersbedingt und wenn die Wirbelsäule falsch belastet wird. Dadurch reiben die Wirbelgelenke direkt aufeinander, wodurch diese mit der Zeit zerstört werden. Als Symptome gelten vor allem sowohl ein- als auch beidseitige Rückenschmerzen, Schmerzen bei Bewegungsbeginn und nach Belastung, je nach betroffenem Bereich Nacken-, Schulter- und Kopfschmerzen, Bewegungseinschränkungen sowie atemabhängige Schmerzen. Da die Arthrose nicht heilbar ist, richtet sich die Therapie vorwiegend darauf aus, das Leben der Betroffenen schmerzarm bzw. -frei zu gestalten. Dahingehend unterscheidet man zwischen einer konservativen und operativen Therapie. Die konservative Therapie umfasst u. a. Physiotherapie, physikalische Therapie (z. B. Elektrostimulation) sowie die Gabe von Medikamenten. Die operative Therapie gilt als letztes Mittel. Bei einer Operation aufgrund von Wirbelgelenksarthrose wird je nach Schweregrad die Maßnahme bestimmt. Schmerzlinderung kann bspw. durch eine Verödung von Nerven erzielt werden. Bei einer weiter fortgeschrittenen Wirbelgelenksarthrose kann bspw. eine Versteifungs-Operation stattfinden.

Video: Versteifungs-Operation

Zum Thema Versteifungs-Operation geht Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Beitrag auf die Gebote und Verbote nach einem solchen Eingriff ein.

Was passiert bei einem Bandscheibenvorfall?

Dr. T. Weigl
Eine Bandscheibe besteht aus einem Faserring (sog. ‚Anulus fibrosus‘) und einem gallertigen Kern (sog. ‚Nucleus pulposus‘). Bei einem Bandscheibenvorfall stülpt sich der letztere in den hinter der Wirbelsäule gelegenen Wirbelkanal. Dies kann auf drei verschiedene Arten geschehen. Man unterscheidet zwischen einer Vorwölbung, bei welcher der Faserring noch geschlossen bleibt, einem Prolaps, bei dem der Faserring reißt und der Kern austritt und einem Sequester, bei dem sich Teile des Kerns gänzlich ablösen und durch den gerissenen Faserring in den Wirbelkanal gelangen. Häufig gilt als Ursache eine Überbelastung. Symptome sind vor allem Schmerzen im unteren Rücken, die beizeiten in Extremitäten ausstrahlen.

Video: Mehr zum Thema Bandscheibenvorfall

Mehr über das Thema Bandscheibenvorfall erfahren Sie in der dreiteiligen Video-Reihe, in der Dr. Tobias Weigl detailliert auf alle Aspekte eines Bandscheibenvorfalls eingeht.

 

 

Was versteht man unter Wirbelgleiten?

Dr. T. Weigl
Ein Wirbelgleiten ereignet sich infolge einer sogenannten Spondylolyse, bei der sich infolge eines beidseitigen Bruchs im Bereich des Wirbelbogens ein Spalt ergibt. Oft ist ein ebensolcher Spalt Ergebnis familiärer Veranlagung und ereignet sich nicht schmerzhaft. Viele Spondylolysen bleiben lange unentdeckt. Durch einen solchen Spalt ergibt sich für einen Wirbel mehr Platz, was in einer erhöhten Beweglichkeit resultiert. Dies führt dann zum sogenannten Wirbelgleiten, bei dem der Wirbelkörper samt der Wirbelsäule meist nach vorne, selten nach hinten gleitet. Weil dies über einen längeren Zeitraum geschieht, können sich Nerven anpassen und nicht immer entstehen Schmerzen. Kommt es aber zu Schmerzen, können diese in Gesäß und Oberschenkel ausstrahlen. Als gefährdet gelten Menschen, die reklinierende Körperbewegungen ausüben. Unter Reklination versteht man eine Neigung des Oberkörpers nach hinten. Derlei Bewegung findet sich bspw. beim Geräteturnen, Ballett, Delfinschwimmen oder Speerwerfen.

Video: Mehr zum Thema Wirbelgleiten

Mehr zum Thema Wirbelgleiten erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag, in dem Dr. Tobias Weigl auf die Ursachen für die Erkrankung eingeht und angemessene Therapiemaßnahmen erläutert.

Nachdem sich Markus’ Schmerzen immer öfter ereignen und nicht so richtig nachlassen wollen, entscheidet er sich, auch und vor allem auf Drängen seiner Freundin, einen Arzt aufzusuchen. Dort muss er zunächst einige Untersuchungen über sich ergehen lassen. Die Bildgebung verrät: Markus hat einen Bandscheibenvorfall. Und er dachte, das passiert nur alten Menschen. Scheinbar hat er seinen Rücken beim Tragen stets falsch belastet. Jetzt muss er erstmal zum Physiotherapeuten. Aber das ist besser, als abzuwarten. Denn sein Arzt hat ihm erklärt, dass es durch den Bandscheibenvorfall dazu kam, dass Druck auf seinen Ischiasnerv ausgeübt wird. Und je früher derlei Probleme angegangen werden, desto besser.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller

Lektorat: Christine Pepersack

Veröffentlicht: 06.08.2018

Quellen

  • Joachim Grifka (2014): Der große Ratgeber Gesunder Rücken: Mit Übungen für Kinder und Erwachsene. W. Zuckerschwerdt Verlag, München.
  • Eckhardt, A. (Hrsg.) (2011). Praxis LWS-Erkrankungen. Diagnose und Therapie (1. Auflage). Heidelberg, Springer.
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P. (2009). Orthopädie und Unfallchirurgie. (6. Auflage). Stuttgart, Georg Thieme Verlag.
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