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Bandscheibenvorfall/Diskusprolaps – Symptome und Behandlung

Wie kommt es zu einem Bandscheibenvorfall? Im Prinzip ist das altersbedingt. Ab 40,50 fängt der Anulus fibrosus, also der Faserring einer Bandscheibe, an, rissig zu werden, brüchig zu werden, und der gallertige Kern rutscht raus.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Als Bandscheibenvorfall wird die Verschiebung des aus einer Gallertmasse bestehenden Kerns einer Bandscheibe bezeichnet. In den meisten Fällen tritt dann das Innere einer Bandscheibe aus (sog. ‚Diskusprolaps‘), welche dann auf einen Nerv drückt. Die Wahrscheinlichkeit eines Bandscheibenvorfalls steigt mit dem Alter. Patienten klagen über stechenden, plötzlichen Schmerz in der unteren Rückenpartie. Nur in äußersten Fällen ist eine Operation vonnöten.

„Vater, hast Du etwa Rücken!?“ Eigentlich möchte Martin seiner Tochter Laura beim Umzug in die erste eigene Wohnung helfen. Als der Familienvater jedoch die schwere Bücherkiste in den Kleintransporter stellen will, passiert es: Ein jäher, scharfer Schmerz schießt ihm in den Rücken. Mit schmerzverzerrtem Gesicht lässt er die Kiste fallen. Das ist schon das dritte Mal in vier Wochen, dass sein unterer Rücken schmerzt. Tochter und Medizinstudentin Laura vermutet: „Vater, hast Du etwa einen Bandscheibenvorfall?“

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Lauras Annahme aus unserem Beispiel ist gar nicht so verkehrt. Stechender Schmerz im Rückenbereich bei einer körperlich anstrengenden Tätigkeit – wie bei Beispielpatient Martin passiert – kann ein Merkmal eines Bandscheibenvorfalls sein. In der Medizin wird dahingehend zwischen drei verschiedenen Arten unterschieden. Allen gemein ist jedoch, dass eine Bandscheibe deformiert wird und das Innere heraustritt. Doch wie ist eine Bandscheibe aufgebaut?
 
Die Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbelsegmenten. Zwischen diesen Elementen befinden sich die sogenannten Bandscheiben. Der Mensch besitzt insgesamt 23 davon. Eine Bandscheibe besteht aus zwei Teilen. Im Inneren befindet sich der Kern (sog. ‚Nucleus polpusus‘) aus Gallerte, einer gel-ähnlichen Masse samt Wassereinlagerung. Ummantelt wird dieser Kern von einer Fasermembran (sog. ‚Anulus fibrosus‘). Bandscheiben fungieren als Stoßdämpfer und verteilen den durch Muskelbewegungen entstehenden Druck gleichmäßig auf die Wirbelsäule.

Video: Prolaps, Protrusion und die Bandscheiben – Was ist das eigentlich?

In diesem Beitrag geht Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl auf einzelne Begrifflichkeiten ein, die einen spezifischen Rückenschmerz zur Folge haben können. Was ist der Unterschied zwischen Prolaps und Protrusion? Ist beides ein Bandscheibenvorfall?
 

 

Was passiert bei einen Diskusprolaps?

Bei einem Bandscheibenvorfall tritt nun ein Teil des Gallert-Kerns heraus. Am häufigsten reißt dabei der Faserring ein (sog. ‚Diskusprolaps‘). Der Kern kann allerdings auch heraustreten, ohne dass der Anulus fibrosus zerstört wird. Bei dieser Variante wird der Kern vorgewölbt (sog. ‚Diskusprotrusion‘).

Die dritte Variante zeichnet sich dadurch aus, dass die heraustretende Masse in keinem Zusammenhang mehr zum Kerninneren und der Bandscheibe steht (sog. ‚Diskussequester‘). Bei allen drei Arten drückt der herausgetretene Kern in der Folge auf Nerven, die an der Wirbelsäule entlanglaufen. Dies verursacht den Schmerz.

Die Symptome: Woran erkenne ich einen Diskusprolaps?

Typische Symptome für einen Bandscheibenvorfall sind Rückenschmerzen, zumeist im Lendenbereich der Wirbelsäule, dem Lumbal. Diese Schmerzen sind stechend und wiederkehrend und müssen nicht im Zusammenhang mit einer Bewegung oder Tätigkeit stehen.

Da bei einem Bandscheibenvorfall Nerven betroffen sein können, kann der Schmerz auch in Extremitäten strahlen. Weitere Begleiterscheinungen sind darüber hinaus Prickeln der Haut (sog. ‚Parästhesie‘), Lähmungserscheinungen (sog. ‚Parese‘) von Muskeln bis hin zum Ausfall der Reflexe von Kernmuskeln. Als Kernmuskeln werden jene Muskeln im Körper bezeichnet, welche nur von einem Wirbelsäulensegment versorgt werden, bspw. Bizeps und Trizeps. Auch kann es zu einem Verlust der Kontrolle über die Darm- und Blasenentleerung kommen.

Hatten Sie schon einmal einen Bandscheibenvorfall? Aufgrund welcher Beschwerden haben Sie einen Experten aufgesucht? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihren Angaben helfen Sie anderen Patienten dabei, ihre Beschwerden richtig einschätzen zu können.
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Mehr Informationen zum Bandscheibenvorfall in diesem Video

Wie viel Kilo wirken auf eine Bandscheibe? Wie viele Vorfälle gibt es im Jahr in Deutschland? Alles rund um die Themen Bandscheibe und Bandscheibenvorfall erklärt Dr. Tobias Weigl im TV-Interview.

Wer kann davon betroffen sein?

Mit steigendem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Bandscheibenvorfall kommt. Dies hängt mit der Abnahme des Wassergehaltes innerhalb des Gallertkerns zusammen. Dadurch büßt die Bandscheibe an Flexibilität ein und weicht in Richtung des geringsten Widerstands zurück. Zusätzlich nutzt sich der Ring um den Gallertkern mit zunehmenden Alter ab und wird rissig. Zwischen 30 und 50 Jahren ist das Risiko für einen Bandscheibenvorfall am höchsten. Mit Überschreiten des Risikozeitraums nimmt die Wahrscheinlichkeit durch die altersbedingte Verringerung der Substanz ab.

Neben dem Faktor des Alters können aber auch fehlende Bewegung, Übergewicht oder eine Fehlbelastung zu einem rissigen Faserring führen. Fehlbelastungen wären beispielsweise regelmäßiges krummes Sitzen und beugende Tätigkeiten. Achtung: Schwangere werden ebenfalls zur Risikogruppe gezählt.

Insgesamt sind 15 Prozent aller Beschwerden im Rückenbereich tatsächlich auf ein spezifisches Krankheitsbild zurückzuführen.

Gut zu wissen!

Im Rahmen des Druckausgleichs kommt es in der Bandscheibe zu einem Wasserverlust. Dies ist normal und der Grund, wieso der Mensch im Laufe des Tages ein bis zwei Zentimeter schrumpft. Während der nächtlichen Ruhephase verlagert sich die Flüssigkeit wieder in die Bandscheiben, sodass der Größenunterschied wieder ausgeglichen wird.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Grundsätzlich gilt: Nicht bei jedem Schmerz im Kreuz muss ein Arzt aufgesucht werden. Sollten die Schmerzen allerdings stechend und plötzlich auftreten, sollte dringend ein Fachmediziner zu Rate gezogen werden.

Zunächst nimmt der Arzt eine erste Bestandaufnahme des Patienten durch eine Befragung auf, die Anamnese genannt wird. Danach folgen weitere Untersuchungen,

Erst werden grundlegende Informationen über eine sogenannte Basisdiagnostik eingeholt. In den Fokus rücken zunächst das Blutbild, Leber- und Nierenwerte sowie die Werte der Kreatinkinase. Letzteres ist ein Enzym, welches als Energielieferant in Muskeln existiert.

Die weitere Untersuchung basiert auf bildgebenden Methoden sowie einer körperlichen Untersuchung. Als gängige bildgebende Methoden im Zusammenhang mit Bandscheibenvorfällen gelten die Kernspintomographie oder die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT). Röntgen ist an dieser Stelle nicht hilfreich, da Bandscheiben in einer entsprechenden Aufnahme nicht sichtbar sind.

Es gibt mehrere Möglichkeiten der körperlichen Untersuchung. Durch Bewegungstests werden die Nerven in der Wirbelsäule gereizt. Beim Lasègue-Test beispielsweise liegen Sie auf dem Rücken und heben ein gestrecktes Bein an. Schnell ins Bein schießende Schmerzen bei einem Beugungswinkel der Hüfte zwischen 40 und 60 Grad zeigen: die Nerven in der Wirbelsäule sind gestört. Durch solche Bewegungstests werden die Nerven in der Wirbelsäule gereizt.

Tritt der Schmerz allerdings nur in der Lendenwirbelsäule und dem Oberschenkel auf, ohne in das Bein zu strahlen, spricht der Mediziner vom Pseudo-Lasègue-Zeichen. Gründe für die Schmerzen können dann degenerative Wirbelsäulenveränderungen wie Arthrose sein.

Im Rahmen solch einer physiologischen Untersuchung werden Sensibilität, die Kraft der Kernmuskeln, die Muskelreflexe und Dehnungszeichen der Nerven geprüft.

Fakten-Box
Bandscheibenvorfall/Diskusprolaps
Betroffene: Zwischen 30 und 50 Jahren
Symptome

  • Stechender Schmerz im unteren Bereich der Wirbelsäule, der nicht singulär auftaucht
  • Gefühlsstörungen wie Kribbeln
  • Bewegungsverlust
  • Fehlhaltung der Wirbelsäule
  • Vegetative Beschwerden

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Ein Bandscheibenvorfall bedeutet nicht zwangsläufig einen operativen Eingriff. Nur in zwei Situationen muss eine Operation durchgeführt werden. Entweder, die Schmerzen dauern unvermindert stark über sechs bis acht Wochen an oder es kommt zu Lähmungserscheinungen. Beide Fälle erfordern eine umgehende Operation. Diese kann über zwei Wege erfolgen.

So kann der herausgerutschte Teil des Nucleus mithilfe eines Mikrochips entfernt werden (sog. ‚Nukleotomie‘). Zur Stabilisation der Wirbelsäule wird alternativ die gesamte betroffene Bandscheibe entfernt und durch einen Titankörper und körpereigenen Knochenteil ersetzt.

Wie bei jeder Operation sind auch hier Komplikationen möglich, allerdings kommt es dazu nur bei 5 Prozent aller Bandscheiben-OPs. Betroffene klagen weiterhin über Rückenschmerzen, Parästhesie und Schmerzen durch entzündete Nerven (sog. ‚Postdiskektomie-Syndrom/Postnukleotomie-Syndrom‘). Folgen können durch einen Nervenschaden entstandene Belastungsschmerzen und Dauerschmerz sein.

In 90 Prozent der Fälle kann aber über konservative Behandlungsmethoden der Schmerz gelindert werden. Es gibt verschiedene Therapietypen mit unterschiedlichen Zielen. Grundsätzlich wird empfohlen, auf eine Bettruhe zu verzichten. Tätigkeiten, die eine leichte bis mäßige Belastung des Rückens mit sich ziehen, sind hilfreich.

Physiotherapie

Im Rahmen einer Physiotherapie stärkt der Patient die Rückenmuskulatur. Die betroffene Region wird zudem vorsichtig mobilisiert. Zusätzlich werden fehlerhafte Bewegungsabläufe korrigiert und trainiert.

Ergotherapie

Über eine Ergotherapie erlernt der Patient Haltungen und Bewegungen für den Alltag, die den Rücken schonen.

Periradikuläre Therapie

Die betroffenen Nerven der Wirbelsäule werden durch Infiltration von Schmerzmitteln wie Ropivacain betäubt.

Schmerztherapie

Das Ziel solch einer Therapie ist die Schmerzfreiheit des Patienten. Erreicht wird dies durch die Verabreichung von Medikamenten.

Physikalische Maßnahmen

Hilfreich sind Methoden wie Massagen oder eine Thermotherapie. Akute Schmerzen können durch eine Behandlung mit Kälte gemildert werden, chronische hingegen mit einer Wärmetherapie.

Video: Wie wird ein Bandscheibenvorfall behandelt?

Welche Behandlungsmethoden eignen sich bei der Therapie eines Bandscheibenvorfalls besonders? Wann sollte operiert werden? Unterscheidet sich die Behandlung zwischen akutem und chronischem Bandscheibenvorfall? Diese und weitere Fragen beantwortet Schmerzthrapeut Dr. Tobias Weigl in folgenden Video.
 

 

Häufige Patientenfragen

Was ist eine Bandscheibe?

Dr. T. Weigl
Bandscheiben sind Segmente zwischen den Wirbeln der Wirbelsäule. Sie dienen als Puffer bei Bewegungen, ähnlich den Stoßdämpfern eines Autos. Bandscheiben bestehen aus einem Gallert-Kern, welcher von einem Faserring umschlossen wird. Sie federn Erschütterungen ab, bei der Deformation verlieren sie Flüssigkeit. Diese wird über Nacht wieder dort angesammelt.

 

Ich habe Schmerzen im Rücken – Sofortdiagnose Diskusprolaps??

Dr. T. Weigl
Nur 15 Prozent aller Rückenschmerzen können auf eine Verschiebung des Bandscheibenkerns zurückgeführt werden. Wenn Sie einen plötzlich auftretenden, stechenden Schmerz spüren, liegt der Verdacht allerdings nahe.

 

Sollte ich mich bei Rückenschmerzen schonen?

Dr. T. Weigl
Natürlich sollten Sie den Rücken nicht – wie in unserem Beispiel bei einem Umzug – über Gebühr überlasten. Leichte bis mittlere Tätigkeiten werden aber unbedingt empfohlen. Auf keinen Fall sollten sie Ihren Rücken ruhigstellen.

Prävention: Wie kann ich einen Bandscheibenvorfall vermeiden?

Die Degeneration der Bandscheiben im Zuge der Alterung ist ein natürlicher Prozess. Dennoch kann durch diverse Maßnahmen einem Bandscheibenvorfall entgegengewirkt werden. Neben einer entsprechenden Aufklärung können Sie selbst durch Korrektur der eigenen Bewegungsabläufe eine frühzeitige Deformation umgehen. Kleine Dinge wie rückengerechtes Tragen und Heben von Lasten – diese werden aus der Hocke mit geradem Rücken nah am Körper getragen – und ergonomisches Sitzen im Alltag und Beruf sind schon hilfreich – die Bandscheiben werden es Ihnen danken.

Darüber hinaus ist ein grundsätzlich gesunder Lebensstil immer gut. Es empfiehlt sich, sich bietende Bewegungschancen im Alltag zu nutzen. Sie können bspw. die Treppen verwenden, anstatt den Aufzug zu nehmen.

Muss man einen Bandscheibenvorfall behandeln?

Nicht immer sind Rückenschmerzen Folge eines Diskusprolaps’. Bei entsprechenden Symptomen sollten Sie jedoch unverzüglich einen Arzt aufsuchen, damit eine dauerhafte Schädigung der Nerven vermieden werden kann. Denn je länger der herausgerutschte Nucleus auf den Nerv drückt, desto höher ist das Risiko einer Lähmung oder Schlimmerem.

Zwei Wochen später besucht Martin seine Tochter Laura in der neuen Wohnung. „Und, Vati, wie war es bei der Physio?“, fragt sie und grinst. „Gut! Die Übungen, die ich dort lerne, benutze ich auch fleißig auf der Arbeit“, versichert Martin seiner Tochter. Gut, dass er auf sie gehört und nach dem Bücher-Fiasko seinen Hausarzt aufgesucht hat! Mit der Physiotherapie und den Schmerzmitteln wird Martin seinen Diskusprolaps schnell in den Griff kriegen. Das Tragen von Bücherkisten wird er in Zukunft aber getrost anderen überlassen!

 
Haben auch Sie schon Erfahrungen mit einem Bandscheibenvorfall gemacht? Haben Sie weitere Fragen zu diesem Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!
 
Autoren: Andrea Lorenz und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Tobias Möller

 
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Robert-Koch-Institut (Hrsg.) (2013): Rückenschmerzen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Heft 53. RKI, Berlin.
  • Robert-Koch-Institut (Hrsg.) (2013): Chronische Schmerzen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Heft 7. RKI, Berlin.
  • Ina Aschenbrenner, Prof. Dr. Peter Biberthaler: Bandscheibenprolaps (= Bandscheibenvorfall)
[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]

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