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Rückenschmerzen: Letzter Ausweg notwendige Rückenoperation

Nicht immer lassen sich Rückenschmerzen im Rahmen einer konventionellen oder ganzheitlichen Therapie ausheilen. Führen diese Behandlungsmaßnahmen zu keinem Ergebnis, bleibt oft nur noch eine Rückenoperation.

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Operationen am Rücken sind in Deutschland keine Seltenheit. Ob und wann sie notwendig sind, ist in vielen Fällen allerdings eine Gewissensfrage. Während einige Rückenerkrankungen aufgrund ihrer Umstände eine Operation unbedingt erfordern – beispielsweise eine lebensbedrohliche Situation nach einem Unfall mit Schädigung des Rückenmarks – gilt eine Operation bei vielen gängigen Rückenbeschwerden als letzter Ausweg. Voraussetzung für eine OP ist dann, dass sämtliche Behandlungsmaßnahmen und Therapieversuche fehlgeschlagen sind und der Patient mit konventionellen Heilmethoden nicht in der Lage ist, ein schmerzfreies Leben zu führen.

An dieser Stelle sei allerdings gewarnt, denn auch die Entscheidung für eine Operation muss nicht dazu führen, dass der Rückenschmerz für den Rest des Lebens geheilt ist. Zwar verlaufen etwa 85 Prozent der Rückenoperationen erfolgreich und ist in der Regel von einer deutlichen Schmerzminderung auszugehen, eine vollständige Heilung aber ist auch nach einer Operation nicht selbstverständlich. In vielen Fällen, in denen operiert wird, ist die OP weder notwendig noch zielführend – so eine Studie einer größeren deutschen Krankenkasse.

Warum wird dennoch so häufig operiert? Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der Ungeduld der Patienten bis zum wirtschaftlichen Kalkül. In einigen Fällen allerdings ist eine Rückenoperation sinnvoll bzw. notwendig, beispielsweise wenn Lähmungserscheinungen auftreten oder die Beweglichkeit der Wirbelsäule stark eingeschränkt ist (Focus 2014).

Wann sollte man über eine Rücken-OP nachdenken?

Wenn Rückenschmerzen auftreten, renkt sich das Problem in vielen Fällen von selbst wieder ein. Dafür ist der Körper, bzw. der menschliche Bewegungsapparat, dessen wichtigstes Bindeglied die Wirbelsäule ist, allerdings auf die Mithilfe des Betroffenen angewiesen. Akute Rückenschmerzen, die aufgrund von Verspannungen, Fehlhaltungen oder Bewegungsmangel entstehen, lassen sich in der Regel mit ausreichender Bewegung, Massagen und physiotherapeutischen Behandlungen wieder in den Griff bekommen.

Werden akute Rückenbeschwerden falsch oder zu spät behandelt, und hat der Schmerz bereits ein chronisches Stadium erreicht, ist es nicht ganz so einfach. Selbst mit regelmäßigen therapeutischen Maßnahmen, Schmerzmitteln oder physikalischen Behandlungen können nur wenige chronische Schmerzpatienten wieder ein Leben ohne Rückenschmerzen führen.

Ganzheitliche Rückentherapie macht Fortschritte

Insbesondere auf dem Gebiet der ganzheitlichen Therapie, die neben konventionellen auch alternative Behandlungsmethoden einsetzt, macht die Rückenmedizin aber wichtige Fortschritte. So lässt sich beispielsweise mit einer Reizstromtherapie und weiteren Therapiebausteinen das Schmerzgedächtnis verändern – verläuft die Behandlung erfolgreich, wird eine Operation obsolet. Obwohl die Medizin in diesem Bereich längst vielseitige Behandlungskonzepte bietet, wollen viele Schmerzpatienten aber nicht so lange warten. Eine Operation ist dann aus medizinischer Sicht nicht dringend, kann aber auf Patientenwunsch durchgeführt werden.

Anders sieht es bei durch konservative Maßnahmen nicht in den Griff zu kriegende Beschwerden bei spezifischen Rückenschmerzen aus. Zwar sind tatsächliche Fehlbildungen des Skeletts selten und in der Regel angeboren, jedoch können auch im Kindes- oder Erwachsenenalter verschiedene Erkrankungen auftreten, die eine Operation sinnvoll oder sogar notwendig machen. Dazu zählen die Skoliose, das Wirbelgleiten, der Bandscheibenvorfall sowie die Spinalkanalstenose. Bei den folgenden Rückenkrankheiten ist eine Operation häufig eine sinnvolle Alternative zu konventionellen Behandlungsverfahren.

In welchen Fällen ist eine OP häufig sinnvoll?

Skoliose

Die Krümmung der Wirbelsäule kann in schweren Fällen per OP behoben werden. Weil es sich dabei um einen schweren Eingriff handelt, sollte sie jedoch nur als letzter Ausweg gesehen werden, wenn es bereits zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Bewegungsfreiheit gekommen ist. Der versteifte Wirbelsäulenabschnitt muss vollständig entfernt und durch künstliche Wirbel ersetzt werden. Dabei besteht ein hohes Risiko von Verletzungen während der OP sowie von Folgeschäden, wenn die künstliche Wirbelsäule beispielsweise zu früh belastet wird.

Wirbelgleiten

Viele Menschen mit Wirbelgleiten sind sich ihrer Erkrankung gar nicht bewusst, weil der verschobene Wirbel über Jahre unerkannt und beschwerdelos bleibt. In anderen Fällen kann die Verschiebung auf wichtige Nervenstränge drücken und neurologische Ausfälle verursachen. Typische Symptome sind z. B. Taubheitsgefühle in den Beinen. Während der Operation wird der verschobene Wirbel an den benachbarten Wirbeln fixiert; der Eingriff führt allerdings zu einer Versteifung der Wirbelsäule.
Mehr zum Wirbelgleiten erfahren Sie im Video unten und in diesem eigenen Artikel zum Thema.

Bandscheibenvorfall

Die Bandscheiben-OP zählt zu den in Deutschland am häufigsten durchgeführten Eingriffen. Kommt es aufgrund einer Fehlhaltung zu einer Überlastung der Bandscheiben oder gar zu einem Bandscheibenvorfall, brauchen konventionelle und ganzheitliche Therapieverfahren einen langen Zeitraum, bis sie anschlagen und zum Erfolg führen. Viele Betroffene entscheiden sich daher für eine OP, die mit neuesten medizinischen Verfahren minimal-invasiv durchgeführt werden kann. Untersuchungen zeigen, dass bei einem minimal-invasiven Verfahren die Wahrscheinlichkeit nochmals einen Bandscheibenvorfall zu bekommen sogar ca. 20 Prozent geringer ist als bei einem offenen Eingriff. Ferner ist eine problemlose Wiederholung des Eingriffs bei neuem Bandscheibenvorfall möglich.
Auch zu diesem Thema haben wir ein Video und einen ausführlichen Artikel.

Spinalkanalstenose

Die als Spinalkanalstenose bezeichnete Verengung des Wirbelkanals kann zu schwerwiegenden Einschränkungen der Beweglichkeit führen und auf das zentrale Nervensystem drücken. Im Rahmen einer minimal-invasiven Rückenoperation kann das Problem der Verengung häufig behoben werden, sodass eine größere und riskantere Rücken-OP in den meisten Fällen vermieden werden kann. (Focus 2014, Spine Guide 2017)
„Übungen statt OP“: Im Video unten sowie in einem Artikel gibt Dr. Tobias Weigl ausführliche Tipps.

 

Notfall! Sofort-OP!
Ein Notfall und meist eine sofortige Rückenoperation müssen durchgeführt werden bei den folgenden drei Situationen:
1. Lähmungserscheinungen bzw. bereits bestehenden Lähmungen
2. Blasen-, Mastdarmstörungen bzw. plötzliche auftretende Inkontinenz
3. der sog. Reithosenanästhesie: Taubheitsgefühl im Bereich der Innenseite der Oberschenkel und/ oder Genitalien

Operationsverfahren: Invasiv vs. minimal-invasiv

Bei einer Rückenoperation muss zwischen zwei verschiedenen Methoden der Operation unterschieden werden. Dabei steht das klassische, invasive Verfahren, bei dem unter Vollnarkose ein gravierender Eingriff stattfindet, der minimal-invasiven Methode gegenüber, die schonender ist und geringfügigere Auswirkungen auf den Organismus hat. Möglich machen diese schonenden Verfahren neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Medizintechnik.

Gegenüber der offenen, großen Rücken-OP haben minimal-invasive Verfahren viele Vorteile: Sie hinterlassen kleinere Narben, verkürzen die Wundheilung, schonen das umliegende Gewebe und belasten das Herz-Kreislauf-System weniger. Große Schnitte sind mit diesen Verfahren nicht notwendig, weil sie mit mikrochirurgischen Instrumenten und Endoskopen arbeiten. Allerdings sind minimal-invasive Operationen nicht bei allen Rückenerkrankungen möglich. Technisch aufwendige Operationen wie etwa eine Skoliose-OP erfordern einen invasiven Eingriff, bei dem der Chirurg das gesamte Operationsfeld vor sich sieht. Bandscheibenvorfälle oder die Spinalkanalstenose dagegen können auch minimal-invasiv operiert werden; hierbei genügt in den meisten Fällen ein kleineres Operationsfeld, das mittels mikrochirurgischer Technik mit kleinen Schnitten zugänglich gemacht wird.

Minimal-invasive OPs erfordern erfahrene Spezialisten …

Eine minimal-invasive Operation am Rücken erfordert jedoch umfangreiches Fachwissen und eine zusätzliche chirurgische Ausbildung. Nur wenige Chirurgen sind in minimal-invasiven Rücken-Operationen ausgebildet und können diese Verfahren sicher anwenden. Darüber hinaus benötigen auch die Kliniken, in denen minimal-invasive Rücken-OPs durchgeführt werden, die notwendige mikrochirurgische Ausstattung und Technik.

An vielen Standorten ist daher noch immer die invasive Rückenchirurgie vorherrschend. Eine invasive Rücken-OP erfolgt unter Vollnarkose und bietet die Möglichkeit, auch schwere Haltungsschäden – z. B. der Skoliose – zu beheben und von verschobenen Wirbeln betroffene Nerven wieder freizulegen. Für Patienten mit einer Skoliose oder Wirbelgleiten kann eine Operation daher einen wichtigen Schritt zu einer verbesserten Lebensqualität darstellen. Durch die Vollnarkose sind mit einer solchen Operation jedoch Risiken verbunden, die über das reine Operationsgebiet hinausgehen.

… bietet aber viele Vorteile

Anders die minimal-invasive Methode: Hier gibt es verschiedene Wege, das Operationsgebiet zu erreichen, ohne dass große Schnitte gesetzt werden müssen. Viele dieser Verfahren können sogar unter Lokalanästhesie durchgeführt werden, beispielsweise bei der Spinalkanalstenose. Die benötigten Instrumente werden mithilfe des Endoskops, das gleichzeitig als Kamera dient, durch einen kleinen Kanal an die betreffende Stelle geführt. Weil die Verletzungen im Gewebe und die oberflächigen Schnitte deutlich kleiner sind als bei einer großen OP, verläuft die Heilung in der Regel schneller und komplikationsfreier. Die hohe Erfolgsquote von Stenosen- und Bandscheiben-OPs gibt dem Verfahren Recht – rund 85 Prozent der Operierten haben nach einer Operation deutlich weniger bzw. keine Schmerzen mehr. (Focus Online 2014, Spinal Guide 2017)

Vorteile der minimal-invasiven Operationstechniken:

  1. leinerer Hautschnitt und spätere Narbe
  2. Schneller Wundheilung
  3. Weniger Komplikationen
  4. Schnellere Rehabilitation und zügigere Wiedereingliederung in den Lebensalltag
  5. Ggfs. Lokalanästhesie und keine Vollnarkose

Überblick über Verfahren der Rückenoperation

DiagnoseOP-VerfahrenArt der OPWann operieren?Was wird gemacht?
SkolioseWirbelsäulen-versteifunginvasivbei schwerer Form der Skoliose; erhebliche Einschränkung der Bewegungsfreiheit; Beeinträchtigung innerer OrganeEntfernung des degenerierten Abschnitts der Wirbelsäule, Einsatz künstlicher Wirbel, Wirbelsäulenversteifung
Wirbelgleiteninvasivwenn verschobener Wirbel Schmerzen verursacht oder das Rückenmark/ Nervensystem beeinträchtigtFixierung des verschobenen Wirbels an benachbarten Wirbeln, Gerüst aus Metall oder Kunststoff um Wirbel am Platz zu halten, oft erfolgt Wirbelsäulenversteifung
Bandscheiben-vorfallBandscheiben-OPminimal-invasivÜberlastung der Bandscheiben durch Fehlbelastung der Wirbelsäule, Degeneration der BandscheibeEntfernen und Ersetzen der zerstörten Bandscheibe
Spinalkanal-stenoseLamin-ektomieinvasivwenn Nerven durch Wirbelkanalverengung geschädigt werden, wenn an mehreren Wirbeln Teilstücke abgetragen werden müssenEntfernung von überschüssigem Gewebe, Entfernung von Teilen der Wirbelkörper, z. B. Teile der Wirbelbögen, u. U. Versteifung zur Stabilisierung der Wirbelsäule
Spinalkanal-stenoseDe-kompressionminimal-invasivwenn Nerven durch Wirbelkanal-verengung geschädigt werden, nur einzelne Wirbel betroffen sind, Entfernung von Gewebe ausreichtEntfernung von überschüssigem Gewebe, um Druck von Rückenmark und Nerven zu nehmen.

Wenn es um eine mögliche Rückenoperation geht, dann stellen Sie Ihrem Arzt die folgenden Fragen:

  1. Zuerst, bitten Sie den Arzt die Diagnose nochmal in einfachen Worten zu erläutern – ohne Fachchinesisch.
  2. Erkundigen Sie sich nach Behandlungsalternativen.
  3. Fragen Sie, was passiert, wenn Sie sich nicht behandeln lassen.
  4. Fragen Sie, ob es weitere Informationen gibt, z. B. über die OP-Verfahren, die Sie zu Hause nachlesen können. Teilen Sie Ihren Arzt auch mit, dass Sie sich ggf. eine Zweitmeinung einholen.
  5. Fragen Sie explizit, was Sie vor und nach der Operation selber tun können, damit eine (Wund-)Heilung schnell stattfindet und Sie danach wieder schnell Ihren Alltag leben und genießen können.

Im folgenden Video gibt Ihnen Dr. T. Weigl Tipps für ein gutes Arzt-Patienten-Gespräch

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Haben Sie Rückenschmerzen und spielen Sie mit dem Gedanken, sich operieren zu lassen? Oder haben Sie bereits Erfahrungen mit Rücken-OPs gemacht? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Autoren: Dr. Tobias Weigl
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht am: 18.04.2018, zuletzt aktualisiert: 14.09.2018
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Fritz Uwe Niethard, Joachim Pfeil und Peter Biberthaler (2017): Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart.
  • Monika Preuk (2014): Unsinnig, gefährlich, teuer: Die meisten Rücken-OPs sind überflüssig. In: Focus Online.
  • Steffen Ruchholtz und Dieter Christian Wirtz (2012): Orthopädie und Unfallchirurgie essentials. Thieme, Stuttgart.
[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]

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