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Spinalkanalstenose bzw. Spinalstenose — Verengung des Wirbelkanals

Ganz typisch bei der Spinalkanalstenose: Man hat bereits seit langer Zeit Schmerzen, es ist ein schleichender Prozess. Die Schmerzen sind im Rückenbereich, vor allem im lumbalen, also unteren Rücken. Dort sind die meisten Stenosen.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Mit Spinalkanalstenose bezeichnet man die Verengung des Wirbelkanals in der Wirbelsäule. Grund dafür sind knöcherne Ansätze (sog. ‚Spondylophyten’) an den Wirbelknochen (sog. ‚Vertebae’), welche durch eine natürliche Degeneration entstehen. Kreuzschmerzen und ein Ausstrahlen in die Beine sind Symptome einer Spinalkanalstenose. Grundsätzlich kann diese mittels konservativer Methoden behandelt werden. Das heißt, Operationen im Sinne einer Dekompression sind möglich, aber auch nicht ohne Risiken.

Die Sonne leuchtet zwischen den Blättern des blühenden Lindenbaumes hindurch. Es ist sonnig und die Eheleute Meiers nutzen das außergewöhnlich gute Wetter für einen Spaziergang durch den nahegelegenen Wald. Als Günther gerade mit einem größeren Schritt über einen Stein hinweg tritt, passiert es: ein Kreuzschmerz, irgendwo in seiner Lende. Leidvoll verzieht sich sein Gesicht. Nicht nur dort! Es fühlt sich an, als ob der Schmerz bis in sein linkes Bein strahlt. Günther bleibt stehen. „Günther! Was ist denn?“, fragt seine Frau Marie sorgevoll. „Ist etwas mit deinem Rücken?“ „Ja“, ächzt der Angesprochene, während er sich, mit einer Hand an den Stamm einer Linde abstützend, seinen Oberkörper krümmt. Sofort fühlt er sich besser. Was ist das nur?

Wie ist ein Wirbelknochen aufgebaut?

Günther aus dem Beispiel könnte an einer Spinalkanalstenose leiden, also einer Verengung des Spinalkanals. Doch wie kommt es dazu? Um das nachvollziehen zu können, ist ein Schritt zurück notwendig.

Die Wirbelsäule ist die Stütze unseres Körpers und besteht aus mehreren Elementen. Zum einen die Wirbeln (sog. ‚Vertebrael‘) und zum anderen die Bandscheiben (sog. ‚Discus intervertebralis‘), welche zwischen den einzelnen Wirbeln liegen. Neben der Stütz- und Federfunktion umschließt die knöcherne Wirbelsäule das empfindliche Rückenmark, was die zentrale Bindestelle zwischen alle Organe und Extremitäten mit dem Gehirn darstellt.

Die 24 Knochen – 7 Halswirbel, 12 Brustwirbel und 5 Lendenwirbel – sind untereinander mit Gelenken verbunden. Die Wirbel selbst bestehen aus einem Wirbelkörper und einem Wirbelbogen. Letzterer umschließt das Rückenmark. An beiden Seiten des Wirbelbogens befinden sich Fortsätze, die als Verknüpfungspunkte des Wirbels mit Sehnen und Muskeln dienen.

Zwischen den einzelnen Wirbeln befinden sich Bandscheiben, welche aus einem mit Flüssigkeit gefühlten Kern bestehen, der wiederum von einem Faserring umschlossen ist. Bandscheiben fungieren als eine Art Stoßdämpfer und verteilen den Druck, der auf die Wirbelsäule ausgeübt wird. Nur zwischen den ersten beiden Halswirbeln existieren keine Bandscheiben. Häufig hört man in diesem Zusammenhang auch vom sog. Bandscheibenvorfall.

Sind Ihnen Personen bekannt, die unter Spinalkanalstenose leiden? Wenn ja, in welchem Alter sind diese Personen?
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Was passiert bei einer Spinalkanalstenose?

Eine Spinalkanalstenose bedeutet wörtlich übersetzt die Verengung des Wirbelkanals. Spinal, also dornförmig, bezieht sich hierbei auf die Struktur der Wirbelsäule. Bei einer Spinalkanalstenose kommt es also zu einer Kompression des Rückenmarks. Dieser Druck auf dem Rückenmark hat Schmerzen und neurologische Ausfälle, wie Taubheitsgefühl in den Beinen, zur Folge. Ursache für die Kompression des Rückenmarks kann eine angeborene Verengung des Spinalkanals sein. Weitaus häufiger sind allerdings degenerative Veränderungen, wie die Entstehung von knöchernen Auswüchsen an den Wirbelknochen (sog. ‚Spondylopthyten‘). Weitere Ursachen für die Verengung können eine Arthrose oder eine Degeneration der Bandscheiben sein. Letzteres bedeutet physiologisch, dass die Bandscheiben an Höhe verlieren.

Eine Verengung des Spinalkanals führt beim Betroffenen vor allem zu Schmerzen, die im unteren Rückenbereich wahrgenommen werden. Diese machen sich während des Gehens bemerkbar (sog. ‚Claudicatio intermittens spinalis‘). Die Beschwerden werden gelindert, wenn der Oberkörper gebeugt wird, beispielsweise beim Fahrradfahren. Durch die Vorkrümmung der Wirbelsäulen fächern sich die einzelnen Wirbel auseinander und der Druck, der zuvor auf dem Rückenmark gelastet hat, verschwindet. Neben den Schmerzen kann es auch zu neurologischen Ausfällen kommen. Zu solchen Symptomen zählen Taubheitsgefühl in den Extremitäten oder Kribbeln.

Bei Nicht-Behandlung kann es zu einer dauerhaften Schädigung kommen: Neben Defiziten in der Motorik ist auch eine Lähmung möglich (sog. ‚Paralyse‘).

Video: Mehr Informationen zur Spinalkanalstenose

Was sind die Symptome für eine Spinalkanalstenose? Wie sieht das Ganze am Skelett aus? Was sollen Sie machen, wenn Sie vermuten, dass sie eine Spinalkanalstenose haben? Die wichtigsten Fragen beantwortet Dr. Tobias Weigl im Gespräch mit im folgenden Video.

Bin ich davon betroffen?

Da eine Spinalkanalstenose in den meisten Fällen eine Folge einer Abnutzung bzw. Degeneration der Wirbel ist, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Verengung des Kanals mit dem Alter. In der Regel sind Patienten 60 Jahre und älter, wenn die Symptome auftauchen. So betrifft diese Krankheit vornehmlich Menschen zwischen dem 60. und dem 70. Lebensjahr. 21 Prozent aller Patienten über 60 Jahre, die über Kreuzschmerzen klagen, haben eine Spinalkanalstenose.

Selbsttest Spinalkanalstenose: Sie sind gefragt!

Haben Sie eine Spinalkanalstenose? Machen Sie diesen einfachen Selbsttest. Beantworten Sie dafür die folgenden Fragen und zählen Sie ihre Punkte zusammen. Am Ende können sie herausfinden, ob sie ein Risikotyp für eine Spinalkanalstenose sind.

Frage 1: Wie lange haben Sie bereits diese Schmerzen?

a) Gar nicht oder erst einige Tage (0)

b) Etwas mehr als ein halbes Jahr (1)

c) Viele Jahre lang (3)

 

Frage 2: Ziehen die Schmerzen in ein oder sogar in beide Beine?

a) In kein Bein (0)

b) In ein Bein (1)

c) In beide Beine (3)

 

Frage 3: Leiden Sie unter Missempfindungen, Kribbeln oder anderen Sensibilitätsstörungen im Bereich der schmerzenden Stellen?

a) Nein (0)

b) Ja, aber selten (1)

c) Ja, sehr oft (3)

 

Frage 4: Fällt es Ihnen schwer, mehr als 200 Meter am Stück zu gehen?

a) Nein (0)

b) Ja, die Schmerzen nehmen stark (3)

c) Ja, meine Beine werden taub und schwach (3)

d) Ja, sowohl Antwort b) und c) sind zutreffend (6)

 

Frage 5: Verbessern sich Ihre Schmerzen, wenn Sie sich nach vorne beugen oder z.B. Fahrradfahren?

a) Ja (3)

b) Nein (0)

 

Auswertung:
Typ 1 mit maximal 1 Punkt:

Sie haben keine Spinalkanalstenose, sollten allerdings bei einer Länge der Beschwerden von mehr als 10 Tagen einen Arzt aufsuchen!

Typ 2 mit maximal 8 Punkten:

Ihre Beschwerden deuten auf eine Spinalkanalstenose hin. Sie sollten neben Ihrem Hausarzt auch einen Facharzt zur Rate ziehen.

Typ 3 ab 9 Punkten:

Sie leiden an einer Spinalkanalstenose! Suchen Sie umgehend Ihren Hausarzt und einen Rückenspezialisten auf.

 

 

Video: Mehr Informationen zum Selbsttest

Weitere Informationen zu diesem Text, zur Spinalkanalstenose sowie eine ausführliche Erklärung der unterschiedlichen Risikogruppen finden Sie in dem Video von Dr. Tobias Weigl!

 

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Wie bei jedem Arztbesuch erfolgt als erstes die Anamnese, also die Befragung des Patienten nach seinem Befinden. Das Ziel ist, die genauen Beschwerden und auch die Ursache herauszufinden. Dazu stellt der behandelnde Arzt eine Reihe von Fragen. Im Vordergrund steht die genaue Ermittlung der Schmerzen: Wie lange sind sie schon? Wo befinden sie sich? Gibt es Vorerkrankungen, die möglicherweise mit den Symptomen im Zusammenhang stehen könnten?

Nach der mündlichen Examination folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt testet beispielsweise die Beweglichkeit der Hüfte und misst den Fußpuls.

Um eine zweifelsfreie Aussage treffen zu können, ob es sich bei den Schmerzen im lumbalen Rücken um eine Spinalkanalstenose handelt, nutzt der behandelnde Arzt radiologische Methoden. Zunächst wird ein CT (sog. ‚Computertomographie‘) gemacht. Ein MRT (sog. ‚Magnetresonanztomographie‘) erlaubt einen detaillierteren Blick und ermöglich die Aussage über die radiäre, also ausstrahlende Kompression des Spinalkanals.

Röntgenaufnahmen sind an dieser Stelle nicht hilfreich, da diese zumeist keine eindeutigen Befunde zulassen. Allerdings können sie einen Hinweis auf beispielsweise osteoporotische Veränderungen in den Wirbelkörpern geben, also Veränderungen in der Knochenstruktur.

Spezielle Fälle: Differentialdiagnosen

Die Symptome alleine reichen nicht aus, um eine klare Spinalkanalstenose feststellen zu können. Ähnliche oder die gleichen Symptome können ebenso auf weitere Krankheiten deuten. Deswegen sind die radiologischen Ansätze in der Diagnostik wichtig. Die häufigsten Differentialdiagnosen folgen nun:

  • Lumbaler Bandscheibenvorfall – Drücken der herausgerutschten Bandscheibe auf die Nerven des Rückenmarks (Bandscheibenvorfall/Diskusprolaps – Symptome und Behandlung)
  • Gonarthrose (Kniegelenkarthrose/Gonarthrose – Symptome und Behandlung)
  • Somatisierungsstörungen – Beschwerden, die keinen eindeutigen physiologischen Befund haben
  • Zervikale/ thorakale Stenosen – Einengung des Spinalkanals im Hals- oder Brustbereich
  • Metabolische oder inflammatorische Neuropathien – stoffwechselbedingte oder entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven
  • Osteoporotische Sinterungsfraktur – Veränderung des Wirbelkörpers durch Osteoporose, sodass dieser im Extremfall nicht mehr funktionstüchtig ist und Druck und Gewicht nicht mehr tragen kann. Es kommt dann zur sog. Wirbelsäulenfraktur.
Fakten-Box
Spinalkanalstenose
Großteil der Fälle im Alter >60 Jahre
Symptome

  • Schmerzen im unteren (sog. ‚lumbalen’) Rückenbereich
  • Ausstrahlen der Schmerzen in die Beine
  • Taubheitsgefühl
  • Nachlassen der Beschwerden bei gebückter Haltung

 

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Wird die Spinalkanalstenose nicht behandelt, kann eine dauerhafte Schädigung der Nerven folgen. Dies bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass sofort ein operativer Eingriff erfolgen muss.

Zunächst stehen konservative Behandlungsformen im Vordergrund. Diese zielen vor allem auf die Schmerzlinderung ab. Neben regelmäßiger Physiotherapie ist auch die Verabreichung von schmerzlindernden Medikamenten möglich. Neben der Schmerzlinderung ermöglichen therapeutische Behandlungen, wie im Rahmen einer Physiotherapie, die Stärkung der Rückenmuskulatur und Lockerung der Muskelpartien.

Zusätzlich können Lokalanästhetika verabreicht werden. Dies kann auf zwei Arten erfolgen: zum einen über das Rückenmark an sich und zum anderen direkt an der betroffenen Stelle. Für letzteres braucht es für die genaue Lokalisation der Beschwerden ein CT. Eine Langzeiteinnahme von schmerzlindernden Mitteln ist an dieser Stelle nicht zu empfehlen!

Operationen sind vor allem dann notwendig, wenn es aufgrund der Spinalkanalstenose zu Teillähmungen kommt (sog. ‚Parese‘). OPs können auch alternativ zur medikamentösen und therapeutischen Behandlung gesehen werden. Die Entscheidung für eine Operation hängt vom Leidensdruck ab.

Es gibt verschiedene Operationsmethoden, die allesamt allerdings die Dekompression des Spinalkanals zum Ziel haben. Dies kann im Detail z.B. durch das Abtragen der Spondolyphyten an der entsprechenden Stelle erfolgen. Eine weitere Herangehensweise in operativer Hinsicht ist die Entfernung überschüssiger Teile des Wirbelbogens, welche das Rückenmark einengen.

Wie bei allen Operationen gibt es hier Risiken. So ist ein Fünftel dieser Operationen mit Komplikationen verbunden.

Studien zeigen, dass 37 Prozent aller Patienten, die zunächst konservativ behandelt wurden, im Anschluss operiert wurden. Dieselbe Studie zeigt auch auf, dass es in der Zufriedenheit im Hinblick der Schmerzreduktion kaum Unterschiede zwischen konservativ und operativ Behandelten bestehen.

Wie bei vielen Krankheiten auch, leiden Patienten zwangsweise nicht unter denselben Symptomen. Sind Sie von Spinalkanalstenose betroffen? Oder kennen Sie Personen, welche darunter erkrankt sind? Über welche der folgenden Symptome leiden Sie bzw. diese?
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Häufige Patientenfragen

Ist eine Spinalkanalstenose gefährlich?

Dr. T. Weigl
Je länger das Rückenmark oder einzelne Nerven dem Druck, der durch die Verengung des Spinalkanals entsteht, ausgesetzt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit neuronaler Folgen. Im Ernstfall kann dies sogar zu Lähmungen führen. Bei Beschwerden ist ein frühmöglicher Gang zum Arzt deswegen essentiell.

 

Ist eine Spinalkanalstenose dasselbe wie ein Bandscheibenvorfall?

Dr. T. Weigl
Nein, auch wenn die Symptome sich ähneln. Denn auch bei einem Bandscheibenvorfall (sog. ‚Diskusprolaps‘) klagen Patienten über Kreuzschmerzen, die zum Teil bis in die Beine strahlen. Diese können ebenfalls vegetative Folgen wie Taubheitsgefühl in den Extremitäten (Bandscheibenvorfall/Diskusprolaps – Symptome und Behandlung) haben.

In diesem Video erklärt Dr. T. Weigl ausführlich und verständlich die Unterschiede zwischen einen Bandscheibenvorfall und der Spinalkanalstenose.

Spinalkanalstenose! Nach dem ersten Schock der Diagnose hat sich bei Günther Meiers allerdings schnell herausgestellt, dass seine Beschwerden gut auf therapeutischem Wege behandelt werden können. Leider muss er fürs Erste auf seine geliebten, langen Spaziergänge durch Wald und Wiesen verzichten. Doch er ist motiviert, im kommenden Frühjahr wieder Strecken, die länger als 200 m sind, ohne Schmerzen zu bewältigen!

Haben auch Sie Erfahrungen mit einer Spinalkanalstenose? Haben Sie weitere Fragen zu diesem Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!
 

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Autoren: Andrea Lorenz und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Schajan Salahijekta

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Wolfgang Piper (2013): Innere Medizin. Springer-Verlag, Berlin/ Heidelberg.
  • Christian Prinz (2012): Basiswissen Innere Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Kalff R, Ewald C, Waschke A, Gobisch L, Hopf C: Degenerative lumbar spinalstenosis in older people—Current treatment options. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(37): 613–24.
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