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Rückenoperation – Welche Operationsverfahren gibt es?

Weil das Thema Rückenoperation viel diskutiert wird und zuweilen auch in der Kritik steht, sind viele Patienten unsicher, ob sie sich für eine Operation entscheiden sollten. Wichtige Fragen und Antworten zum Thema.

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Wenn das Thema Rückenoperation zur Sprache kommt, sind viele Patienten zunächst unsicher, ob eine OP für ihren Fall das richtige ist und was sie über Operationsverfahren, Zeitpunkte und Risiken wissen müssen. Bevor eine Entscheidung für oder gegen eine Operation getroffen werden kann, ist es daher besonders wichtig, ein ausführliches Gespräch mit dem behandelnden Arzt sowie dem Chirurgen zu führen, der einen eventuellen Eingriff durchführt. Dabei sollten nicht nur die gängigen Operationsverfahren zur Sprache kommen, sondern auch Vor- und Nachteile einer Operation gegenüber nicht-invasiven Behandlungsmethoden.

Die hier vorgestellten Fragen und Antworten decken zwar wichtige Aspekte ab, können aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Sie sollen lediglich eine Hilfestellung für Rückenschmerzpatienten darstellen, die sich mit dem Thema Operation auseinandersetzen möchten. Ein Arztgespräch können sie jedoch nicht ersetzen: Letztlich muss jeder Fall individuell betrachtet werden und kann im Hinblick auf die Frage nach einer Operation zu einem unterschiedlichen Ergebnis führen.

Welches OP-Verfahren ist das richtige für mich?

Je nachdem, welche Rückenerkrankung der Behandlung zugrunde liegt, können verschiedene Operationsverfahren eingesetzt werden. Die invasive Methode beschreibt eine große, offene Operation, bei der ganze Abschnitte der Wirbelsäule verändert oder ersetzt werden können. Die minimal-invasive Methode dagegen eignet sich vor allem für kleine Operationsgebiete wie die Bandscheiben oder die Spinalkanalstenose.

Welches der Verfahren das richtige für Ihren individuellen Fall ist, sollten Sie in einem Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt klären. Er kann Ihnen aufgrund Ihrer Diagnose die geeigneten Verfahren aufzeigen und Sie über Vor- und Nachteile sowie Risiken und Komplikationsmöglichkeiten aufklären.

Was ist eine klassische Bandscheibenoperation?

Bei der „klassischen“, also offenen Bandscheibenoperation wird der betroffene Bereich über einen mehrere Zentimeter großen Schnitt (6–10 cm) freigelegt. Teile des Wirbelbogens werden entfernt, um sich einen Zugang zu verschaffen und mit den OP-Instrumenten in den Wirbelkanal zu gelangen. Dort im Wirbelkanal wird dann der vorgefallene Anteil des Bandscheibenkerns entfernt.
Durch den Einsatz von Operationsmikroskopen kann man mittlerweile den Schnitt auf 2–3 Zentimeter verkleinern. Dadurch ist nicht nur die spätere Narbe kleiner, sondern mögliche Verletzungen von Muskeln, Bändern und Wirbelkörper sind wesentlich geringer.
Beide Verfahren, mit und ohne Mikroskop, gelten als „klassische“ offene Operationsverfahren und sind auch nach Jahrzehnten der Anwendung immer noch häufige OP-Verfahren bei einem Bandscheibenvorfall.

Was ist eine Wirbelsäulenversteifung?

Bei einer Versteifung der Wirbelsäule (medizinisch: Spondylodese) handelt es sich um einen operativen Eingriff zur künstlichen Versteifung des Bewegungsapparates. Dabei geht es darum, die Stabilität der Wirbelsäule zu erhalten. Angewendet wird dieses Verfahren beispielsweise nach einem Unfall mit Wirbelbrüchen. In einem invasiven Operationsverfahren werden einzelne Wirbelkörper mit Schrauben oder Platten miteinander verbunden. Je mehr Wirbel miteinander verbunden werden müssen, desto mehr schränkt diese Operation die Bewegungsfreiheit der Wirbelsäule ein.

Eingesetzt wird eine Versteifung in der Regel nur dann, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten mehr gibt, die der behandelnde Arzt noch durchführen könnte. Die OP ist nicht umkehrbar und wird ausschließlich bei schwerwiegenden Erkrankungen oder Unfällen in Betracht gezogen.

Typische Einsatzfelder:

  1. Skoliose
  2. nach einem Unfall
  3. starker Osteoporose bzw. Abbau der Knochenstrukturen

 

Was ist eine Dekompression?

Als Dekompression bezeichnet man ein Operationsverfahren, das bei einer Spinalkanalstenose eingesetzt wird. Hierbei ist der Wirbelkanal, durch den die Nervenstränge des zentralen Nervensystems verlaufen, aufgrund der Stenose verengt; oftmals ist eine degenerative Veränderung der Wirbelsäule die Ursache. Weil es zu neuronalen Ausfällen kommen kann, muss der Kanal erweitert werden, indem Gewebe entfernt wird. So haben die Nerven wieder ausreichend Platz. Reicht dies nicht aus, muss zudem der Kanal erweitert werden, indem beispielsweise überstehende Knochenauswüchse beseitigt werden.

Die Wirbelkanalerweiterung kann heute in einer minimal-invasiven Operation vorgenommen werden. Rund 85 Prozent der OPs führen zum Erfolg.

Was ist eine Laminektomie?

Wie auch die Dekompression ist die Laminektomie ein Operationsverfahren, mit dem der Wirbelkanal der Wirbelsäule erweitert werden soll.

Bei einer Laminektomie werden Teile des Wirbelbogens entfernt. Wird nur die Hälfte des Wirbelbogens entfernt, so spricht man von einer Hemilaminektomie. Diese Knochenfortsätze der Wirbelkörper können eine der Ursachen für die Verengung des Wirbelkanals sein. Ist nur ein Wirbel betroffen, kann der Eingriff unter Umständen in einem minimal-invasiven Verfahren vorgenommen werden. Wenn jedoch ein größerer Abschnitt der Wirbelsäule operiert werden muss, ist das in der Regel nur in einer großen, offenen OP möglich, die unter Vollnarkose erfolgt.

Problematisch ist die Laminektomie insofern, dass die operative Entfernung von Teilen der Wirbelkörper die Wirbelsäule instabil machen kann. Daher wird die Laminektomie häufig mit einer Wirbelsäulenversteifung kombiniert, um dem Bewegungsapparat den nötigen Halt zu geben.

Wann muss ich operiert werden?

Wann eine Operation erfolgen muss, hängt in erster Linie davon ab, welche Rückenerkrankung vorliegt und wie diese sich auf den allgemeinen Gesundheitszustand, die Beweglichkeit der Wirbelsäule und das Rückenmark auswirkt. Bei rund 90 Prozent aller Patienten mit Rückenbeschwerden ist eine konventionelle, im besten Fall ganzheitliche Behandlung ausreichend und führt zum Erfolg. Eingesetzt werden dabei Medikamente, Physiotherapie, Wärmeanwendungen oder physikalische Therapieverfahren.

Bleiben diese Behandlungsmaßnahmen aber ohne Erfolg, oder treten bestimmte Indikatoren ein, sollte bzw. muss eine Rückenoperation in Erwägung gezogen werden. Indikatoren für eine OP sind beispielsweise neurologische Ausfälle, Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen, in Verbindung mit den Rückenbeschwerden auftretende Inkontinenz, plötzlich einschießende Rückenschmerzen mit Verdacht auf einen Bandscheibenvorfall oder starke Bewegungseinschränkungen.

Ob tatsächlich eine Operation durchgeführt wird, entscheidet letztlich der behandelnde Arzt aufgrund einer ausführlichen Diagnostik, dem Schweregrad der Schmerzen und der tatsächlichen Bewegungseinschränkung.

Wie erfolgt bei einer Rückenoperation der Zugang?

Grundsätzlich kann die Wirbelsäule bei einer Operation sowohl von vorne als auch von hinten erreicht werden. Das nennt man ventral (von vorne) bzw. dorsal (von hinten). Im Halswirbelbereich erfolgt der Zugang in aller Regel ventral, also von vorne, der Chirurg kann jedoch auch von der Nackenseite auf die Wirbelsäule zugreifen. Auch kleinere, also minimal-invasive Operationen an der Brust- oder Lendenwirbelsäule können sowohl von vorne, durch den Brustkorb oder Bauch, als auch von hinten durch den Rücken erfolgen. Größere Operationen unter Vollnarkose, bei denen ein großes Operationsfeld benötigt wird, erfolgen dagegen in der Regel vom Rücken aus. Die Entscheidung, welches Zugangsverfahren gewählt wird, obliegt dem Chirurgen, der die Operation durchführt.

Mit welchen Risiken muss ich rechnen?

Es wäre falsch zu behaupten, dass Rückenoperationen kein Risiko darstellen. Selbst minimal-invasive Eingriffe, die grundsätzlich zwar weniger riskant sind als OPs unter Vollnarkose, gehen mit einem gewissen Risiko einher. Der Grund dafür ist, dass der operative Eingriff an der Wirbelsäule stattfindet – einem Bereich des menschlichen Organismus, der sehr empfindlich ist: Hier befindet sich nicht nur die Wirbelsäule, sondern auch das Rückenmark und das zentrale Nervensystem. Diese dürfen während einer Operation auf keinen Fall verletzt werden.

Minimal-invasive Eingriffe stellen darüber hinaus ein geringeres Risiko dar. Aufgrund von kleinen Schnitten und dem Verzicht auf ein offenes Operationsfeld kommt es hier seltener zu Infektionen oder Problemen bei der Narbenbildung.

Offene Operationen dagegen, die unter Vollnarkose ausgeführt werden, bergen die typischen Risiken und Komplikationen: Belastung des Herz-Kreislauf-Systems, Wundheilungsstörungen, Narbenbildung und Infektionsgefahr.

Kann ich nach der OP wieder Sport machen?

In den ersten Tagen und Wochen nach einer Rückenoperation sollte auf Sport und starke körperliche Anstrengung verzichtet werden. Wie lange kein Sport getrieben werden darf, hängt von der Art der OP und der vorangegangenen Erkrankung ab. Um die Mobilität und Belastbarkeit des Rückens möglichst schnell wieder herzustellen, beginnt bereits im Krankenhaus eine physiotherapeutische Behandlung. Sobald Heilung und Rehabilitation abgeschlossen sind, steht Sport in der Regel nichts mehr entgegen.

Leichtere Sportarten wie Schwimmen oder Walken können bereits kurz nach einer Operation wieder begonnen werden. Ausdauersportarten können je nach Operation nach 6 bis 12 Wochen wieder aufgenommen werden. Sportarten, die den Bewegungsapparat stark beanspruchen, z. B. Fußball, Handball, Tennis oder Golf, müssen einige Monate lang ausgesetzt werden und sollten erst nach Absprache mit dem behandelnden Arzt wieder aufgenommen werden.

In diesem Video erklärt Dr. T. Weigl was man unmittelbar nach einer Operation darf und was nicht.

Zum Nachlesen finden Sie alles Wichtige in unseren Artikel zum Thema: Was darf ich nach einer Rückenoperation?

 

Geht es auch ohne OP?

Die meisten Fälle von Rückenschmerzen lassen sich auch ohne Operation therapieren und ausheilen. Dazu gehören sämtliche Rückenbeschwerden, die aufgrund von Verspannungen, Bewegungsmangel oder etwa einem Hexenschuss entstehen. Häufig gehen Beschwerden sogar ohne das Aufsuchen eines Arztes wieder zurück, allerdings ist bei wiederkehrend auftretenden Schmerzen Vorsicht geboten: Werden Rückenschmerzen nicht oder falsch behandelt, kann es zu einer Chronifizierung kommen – der Schmerz tritt dann, auch ohne erkennbaren Grund – immer wieder auf und beginnt die Lebensqualität mehr und mehr einzuschränken.

Sind die Rückenschmerzen dagegen körperlich bedingt (z. B. durch die Bandscheibe, Wirbelgleiten, Spinalkanalstenose), sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden, der nach einer ausführlichen Diagnose die entsprechende Behandlung aufnimmt. Treten die Rückenschmerzen allerdings in Verbindung mit Lähmungserscheinungen, Inkontinenz oder neurologischen Ausfällen auf, muss in der Regel operiert werden.

Lesen Sie dazu auch unseren Artikel „Rückenschmerzen: Letzter Ausweg notwendige Rückenoperation“.

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Haben Sie oder Angehörige Erfahrungen mit einer Rücken-Operation? Oder leiden Sie unter Rückenschmerzen und denken über eine OP nach? Möchten Sie sich weiter informieren? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit uns und anderen auszutauschen!

Autor: Dr. Tobias Weigl
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht am: 18.04.2018, zuletzt aktualisiert: 14.09.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Fritz Uwe Niethard, Joachim Pfeil undPeter Biberthaler (2017): Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart.
  • rme/aerzteblatt.de (2015): Spinalstenose: Vorteile der Operation können langsam verloren gehen. In: aerzteblatt.de.
  • Steffen Ruchholtz und Dieter Christian Wirtz (2012): Orthopädie und Unfallchirurgie essentials. Thieme, Stuttgart.
[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]

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