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Aktuelle Forschung – Low-Carb-Diät verbessert den Blutzuckerspiegel bei Diabetikern

Vielleicht kann mit einer Low-Carb-Diät vielen Folgeerkrankungen von Diabetes Mellitus vorgebeugt werden. Das macht Hoffnung, muss aber noch durch klinische Studien bestätigt werden.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Eine sehr kohlenhydratarme Ernährung verbessert den Blutzucker-Langzeitwert HbA1c bei Typ-1-Diabetikern. Dies legt eine Studie nahe, die jüngst in der Fachzeitschrift Pediatrics veröffentlicht wurde. Eine Gruppe von Typ-1-Diabetikern konnte mithilfe einer strengen Low-Carb-Diät die notwendige Insulindosis erheblich senken. Zudem sind kaum Folgekomplikationen aufgetreten, die ansonsten typisch für Diabetiker sind. Die Ergebnisse sollen nun in einer klinischen Studie überprüft werden.

Michael weiß erst seit einigen Wochen, dass er an Typ-1-Diabetes erkrankt ist. Dass die Krankheit kurz vor dem Abitur diagnostiziert wurde, war purer Zufall. Oft hat er sich schlapp gefühlt und konnte manchmal nur verschwommen sehen. Deswegen hatte ihn seine Mutter dazu gedrängt, einen Bluttest zu machen. Er kam dann in ein Krankenhaus, bekam Insulin gespritzt. Die Blutzuckerwerte gingen sofort runter. Dass er sich jetzt selbst Spritzen geben muss, ist aber schwer für ihn. Die ersten ein, zwei Male musste er immer noch seine Mutter bitten, dass sie ihm hilft, mittlerweile hat er sich daran gewöhnt. Schlimmer ist aber, dass er nicht mehr einfach das essen kann, was er gerne mag. Hinzu kommen die zahlreichen Folgeerkrankungen, die Diabetes verursachen kann. Das beschäftigt ihn sehr. Von einem Bekannten aus dem Sportverein hat er aber nun einen Tipp bekommen, wie er sich vielleicht weniger Insulin spritzen muss und gleichzeitig das Risiko für Folgeerkrankungen senken kann.

Diabetes Mellitus, umgangssprachlich als Zuckerkrankheit oder schlicht als „Zucker“ bekannt, ist eine häufige und stärker zunehmende Erkrankung. Deutschlandweit leiden viele Menschen an Diabetes Mellitus, weshalb die Zuckerkrankheit oft auch als Volkskrankheit beschrieben wird. Oftmals müssen Betroffene ihren Lebensstil radikal umstellen. So auch Michael, der an dem unheilbaren Typ-1-Diabetes erkrankt ist: sein restliches Leben lang muss er sich Insulin spritzen, um sich wie andere auch vergleichsweise ‚normal‘ ernähren zu können. Je nach dem, was Michael isst, muss die Insulindosis höher oder niedriger eingestellt sein. Dass eine kohlenhydratarme Ernährung dazu beiträgt, immerhin die notwendige Insulinmenge deutlich zu verringern, hat nun eine amerikanische Studie gezeigt.

Was genau hat die Wissenschaft herausgefunden?

Low-Carb-Diät verbessert Blutzuckerwerte

Der New Yorker Diabetologe Richard Bernstein, der im Kindesalter selbst an Typ-1-Diabetes erkrankt ist, empfiehlt in seinem Buch „Diabetes Solution“ Betroffenen eine sehr kohlenhydratarme Ernährung, um einen relativ normalen Blutzuckerspiegel zu erreichen. Die Diät hat viele Anhänger, die sich beispielsweise in der Facebookgruppe „TypeOneGrit“ organisieren und austauschen. Die Endokrinologin Belina Lennerz und der Ernährungswissenschaftler David Ludwig haben nun für ihre Studie knapp 500 Mitglieder dieser Gruppe kontaktiert, um mehr über die Auswirkungen der Diät auf den Blutzuckerspiegel zu erfahren.

  • Normalerweise erlaubt eine Insulintherapie den von Typ-1-Diabetes betroffenen Patienten, dass sie Produkte wie Pizza oder Nudeln essen dürfen, solange vor den Mahlzeiten die notwendige Menge Insulin verabreicht wird.
  • Die befragten Mitglieder von „TypeOneGrit“ haben durchschnittlich nur 36 Gramm Kohlenhydrate am Tag verzehrt und damit deutlich weniger, als die American Diabetes Association empfiehlt.
  • Trotzdem scheint die kohlenhydratarme Ernährung den jungen und erwachsenen Patienten nicht zu schaden. Patienten, die im Schnitt bisher 11 Jahre an Typ-1-Diabetes erkrankt waren, hatten einen Blutzuckeranteil von 5,67 Prozent, während der empfohlene Wert bei 6,5 Prozent liegt. In den USA liegt der HbA1c-Wert bei den Betroffenen mit ‚normaler‘ Ernährung meist bei 8,2 Prozent.
  • Durch die erheblich reduzierte Menge an Kohlenhydraten müssen die Patienten dementsprechend relativ wenig Insulin spritzen.
  • Völlig auf Insulininjektionen verzichten können die Erkrankten allerdings nicht, da das Hormon trotzdem notwendig ist, damit die Glukose auf die Zellen verteilt werden kann.

Senkt eine strenge Low-Carb-Diät das Risiko für Folgeerkrankungen?

  • Diese extreme Diät birgt scheinbar kaum Risiken: Nur ein Bruchteil der Befragten musste aufgrund von Diabeteskomplikationen im Krankenhaus behandelt werden.
  • Möglicherweise können also eine streng regulierte Zufuhr von Kohlenhydraten und die damit verringerte Insulindosis präventiv wirken.
  • Allerdings wird in der Studie darauf hingewiesen, dass die Gruppe der Befragten relativ klein ist und deshalb noch keine Schlüsse zu ziehen sind, ob die bisherige Diabetesbehandlung verändert werden kann.
  • Die Ergebnisse müssen erst noch durch klinische Studien bestätigt werden.

 

Implikationen

Die Umfrageergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass durch eine strikte Low-Carb-Diät zum einen die notwendige Insulindosis der Erkrankten reduziert und zum anderen das Risiko typischer Folgekomplikationen von Diabeteserkrankungen gesenkt werden kann. Das macht grundsätzlich Hoffnung, die Ergebnisse müssen aber noch klinisch bestätigt werden. Ebenso müssen sich Betroffene bewusst machen, dass eine Low-Carb-Diät, vor allem eine derartig strikte, auch Nachteile haben kann: Durch die stark erhöhte Aufnahme von Fett und Eiweiß kann sich der Cholesterinspiegel erhöhen und das Risiko von Nierenschäden kann ebenfalls steigen. Möglicherweise treten also andere gesundheitliche Probleme auf. Zudem kann eine solch strikte Ernährungsweise als weitere erschwerende Einschränkung der Lebensqualität empfunden werden, da Diabetiker ohnehin stärker auf ihre Ernährung achten müssen. Gleichzeitig, und das sind Vorteile einer Low-Carb-Diät, verbessert sich das eigene Körperbewusstsein und der eigene Lebensstil wird insgesamt gesünder, was nicht nur dem Blutzuckerspiegel zugutekommen kann. Unabhängig von allen Vor- und Nachteilen sollte eine solche Diät unbedingt ärztlich begleitet werden, besonders im Fall einer Diabeteserkrankung.
 

Wissenswertes zu Diabetes

Was passiert bei einer Diabeteserkrankung?

Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselkrankheit, bei der die Blutzuckerwerte dauerhaft zu hoch sind, also zu viel Glukose (Zucker) in den Blutgefäßen verbleibt. Zwar sind die Ursachen bei den beiden bekanntesten Formen von Diabetes, Typ-1- und Typ-2-Diabetes, verschieden, aber beide haben ein gemeinsames Merkmal: die nachlassende Produktion des Hormons Insulin. Normalerweise ist Insulin dafür zuständig, den Blutzuckerspiegel angemessen zu regulieren und die Glukose vom Blut in die Zellen zu begleiten. Bei Typ-1-Diabetikern führt eine Reaktion des Immunsystem dazu, dass die Zellen, die Insulin produzieren, angegriffen und letztlich zerstört werden. Wenn dann die insulinproduzierenden Zellen nicht mehr vorhanden sind, kann keine Glukose mehr in die Zellen transportiert werden. Bei Typ-2-Diabetikern verhält es sich anders: Hier liegt oft eine sogenannte Insulinresistenz vor. Das Hormon kann deshalb nicht richtig arbeiten und sorgt nicht mehr dafür, dass genügend Glukose in die Zellen gelangt. Ein anderer Grund für Insulinmangel bei Typ-2-Erkrankten kann auch sein, dass die körpereigene Insulinproduktion nach und nach abnimmt.

Was ist Insulin?

Der Körper gewinnt Energie für seine Aufgaben, indem er aus der Nahrung Nährstoffe verbrennt. Dabei sind Kohlenhydrate die wichtigsten Energielieferanten und am schnellsten verfügbar. Sogenannte einfache oder reine Kohlenhydrate sind zum einen Glukose, also Traubenzucker, und zum anderen Fruktose, der Fruchtzucker. Diese können nach der Verdauung direkt vom Blut aufgenommen werden. Zusammengesetzte Zucker wie zum Beispiel Milchzucker hingegen müssen erst chemisch aufgespaltet werden, bevor sie ins Blut gelangen können. Hier kommt nun das Hormon Insulin ins Spiel: Die meisten Zellen nehmen nur in Verbindung mit Insulin Glukose auf. Das Hormon sorgt dafür, dass der Zucker aus dem Blut in die Zellen gelangt und dort in Energie umgewandelt wird.

Welche Folgeerkrankungen können bei einer Diabeteserkrankung auftreten?

Diabetes kann eine Vielzahl von Folgeerkrankungen mit sich bringen, was eine frühzeitige Diagnose und eine individuell zugeschnittene Behandlung umso wichtiger macht. Wenn also zu viel Glukose in den Blutgefäßen verbleibt, kann dies zu Durchblutungsstörungen führen, die häufigste Todesursache bei Diabetikern. Abhängig vom Organ, das betroffen ist, können solche Durchblutungsstörungen schlimme Folgen haben: Im Gehirn können sie zu einem Schlaganfall führen, am Herzen etwa zu einem Herzinfarkt. Ein Großteil der Patienten, die von Diabetes mellitus betroffen sind, erkranken an einer diabetischen Polyneuropathie, also einer Nervenschädigung. Aber auch Fettstoffwechselstörungen oder das sogenannte diabetische Fußsyndrom sind häufiger auftretende Folgeerkrankungen.
 

Video: Diabetes und die Folgen – Dr. Weigl klärt auf

Was genau passiert im Körper bei Diabetes mellitus? Und was ist das diabetische Fußsyndrom? Welche Folgen kann eine Polyneuropathie noch haben? Diese und weitere Fragen beantwortet Dr. Tobias Weigl in folgendem Video.

 

Sind Sie an Diabetes mellitus erkrankt? Welche Beschwerden haben Sie stutzig gemacht und letztlich zur Diagnose geführt? (Mehrfachnennungen möglich)
Abstimmen
 

Häufige Patientenfragen

Ist Diabetes vererbbar?

Dr. T. Weigl
Leider ja. Falls Eltern oder Verwandte an Typ-1- oder Typ-2-Diabetes erkrankt sind, steigt das Erkrankungsrisiko, besonders bei Typ-2-Diabetes. Das Vererbungsrisiko bei Typ 1 scheint dagegen deutlich geringer zu sein: etwa 90 Prozent der Typ-1-Erkrankten haben keine Betroffenen in der Verwandtschaft. Die Ernährung oder auch Infektionen spielen hier womöglich eine wichtige Rolle, zusammen mit den Genen. Neben den Genen und der Ernährung können Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen oder auch bestimmte Medikamente die Diabetesentstehung begünstigen.

 

Kann Diabetes frühzeitig erkannt werden?

Dr. T. Weigl
Diabetes bricht nicht plötzlich aus, bei beiden Diabetestypen gibt es Vorstufen der Erkrankung. Wenn diese erkannt werden, kann der Ausbruch der Erkrankung manchmal zumindest verzögert oder sogar verhindert werden. Bei Typ-1-Diabetes werden Auto-Antikörper gebildet, die die Körperzellen in der Bauchspeicheldrüse zerstören, die für die Insulinproduktion zuständig sind. Diese Antikörper können oft schon im Blut festgestellt werden, bevor die Krankheit überhaupt ausbricht. Bei einem Typ-2-Diabetes kann bereits eine Resistenz gegen Insulin vorhanden sein. Dann wird von Prädiabetes gesprochen: Die Blutzuckerwerte sind schon erhöht, aber noch nicht so, wie es bei einem Typ-2-Diabetes normalerweise ist. Mit regelmäßiger Bewegung und einer gesunden Ernährung kann der Typ-2-Diabetes verzögert, manchmal sogar völlig verhindert werden. Unabhängig vom Typ ist eine frühzeitige Diagnose entscheidend, um die spezifischen therapeutischen Schritte einleiten zu können.

 

Bleibt man sein Leben lang an Diabetes erkrankt?

Dr. T. Weigl
Typ-1-Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die in aller Regel im Kindes- oder Jugendalter ausbricht und für die noch kein Heilmittel existiert. Letzteres trifft grundsätzlich auch auf Typ-2-Diabetes zu. Hier können allerdings Maßnahmen getroffen werden, um keine Medikamente mehr einnehmen zu müssen oder zumindest die Dosis senken zu können. Im Vordergrund einer Therapie steht, dass der Blutzuckerspiegel gesenkt wird, indem der eigene Lebensstil geändert wird. Wichtig hierfür sind vor allem der Abbau von Übergewicht, eine ausgewogene Ernährung und mehr Bewegung. Das hilft natürlich auch Typ-1-Betroffenen, erspart aber nicht die Injektion von Insulin.

 

Nach Absprache mit den Ärzten hat Michael nun für sich entschieden, eine strenge Low-Carb-Diät zu machen. „Ich muss meine Ernährung sowieso komplett ändern“, denkt er sich. Am Anfang war es sehr schwer für ihn, aber mittlerweile hat er sich daran gewöhnt und fühlt sich wieder wohler als zu Beginn der Erkrankung.

 

Verwandte Themen

  • Diabetes Mellitus
  • Übergewicht
  • Diabetische Polyneuropathie

Leiden Sie an einer Form von Diabetes? Wie gehen Sie damit um? Halten sie eine Low-Carb-Diät für praktikabel? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Sebastian Mittelberg und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Tobias Möller

Quellen

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