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Diabetische Polyneuropathie / Nervenschmerzen durch Diabetes – Symptome und Behandlung

Diabetische Polyneuropathie ist eine sehr häufige Folge von Diabetes: Knapp jeder dritte Diabetiker ist von einer Nervenschädigung betroffen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Die Diabetische Polyneuropathie ist eine der häufiger auftretenden Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2. Der Begriff beschreibt die Schädigung und in der Folge funktionale Einschränkung peripherer Nerven. Zwar ist die Entstehungsursache bis heute nicht gänzlich geklärt, bei Polyneuropathien aber kommt es zu gestörten Stoffwechselvorgängen infolge eines erhöhten Blutzuckers.

Die Polyneuropathie äußert sich dadurch, dass Patienten einen Kraftverlust, ggf. sogar eine Lähmung der mit den beschädigten Nerven in Verbindung stehenden Muskeln, einen Empfindungsverlust für Schmerzen oder schmerzhafte Missempfindungen feststellen. Die Symptome sind abhängig von den betroffenen Nerven. Im Rahmen der Behandlung der diabetischen Polyneuropathie werden vier wesentliche Aspekte verfolgt: Eine kausale, also die Ursachen betreffende, Therapie, eine pathogenetisch begründbare, also die konkreten Prozesse der Erkrankung betreffende, Therapie, eine Schmerztherapie sowie die Vermeidung von Risikofaktoren.

Jürgen weiß zwar, dass dieser Tag einmal kommen muss, an dem sich die Beschwerden seines Diabetes verschlechtern. Aber dass es direkt zu derlei Irritationen kommt, hat er nicht erwartet. Wenn er nachts ruhig daliegt, stellt sich ein Taubheitsgefühl ein, meistens am Fuß. Ein Alarmsignal, hat der Arzt ihm gesagt. Das geringere Schmerzempfinden ist ihm auch schon aufgefallen. Und bewegt hat er sich auch schon mal besser, er fühlt sich jetzt, im Alter, leicht eingeschränkt, will es aber noch nicht völlig wahrhaben.

Was ist Diabetische Polyneuropathie?

Jürgen könnte infolge seines Typ-2-Diabetes an einer Nervenschädigung leiden. Der Mediziner spricht dann von einer Diabetischen Polyneuropathie (von griech. poly ‚viel‘, griech. neuron ‚Nerv‘ und altgr. pathos ‚Schmerz‘, ‚Leiden‘). Dabei handelt es sich um eine Folgeerkrankung der chronischen Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus. Im Verlauf dieser Erkrankung wird der Stoffwechsel der Nervenzellen durch einen hohen Blutzuckerspiegel beeinträchtigt. In der Folge kommt es dort zu Sauerstoffmangel, der die jeweiligen Nerven beschädigt.

Bei der diabetischen Polyneuropathie wird zwischen einer sensomotorischen und einer autonomen Neuropathie unterschieden.

Die sensomotorische diabetische Polyneuropathie ist die häufigste Erscheinungsform der Erkrankung und nimmt wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung von Missempfindungen, vor allem an den Füßen, und schlecht heilenden Wunden. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung des sogenannten diabetischen Fußes. Im weiteren Verlauf breiten sich die mit dieser Erkrankung zusammenhängenden Symptome auch auf Hände und Beine aus – generell gilt das Fortschreiten der Erkrankung aber als langsam.

Bei der autonomen diabetischen Neuropathie handelt es sich um subjektive Störungen, die in jedem Teil des autonomen Nervensystems, also desjenigen Nervensystems, das wir nicht bewusst beeinflussen können, auftreten können. In der Folge kann es zu Beschwerden wie Impotenz, Herzrhythmusstörungen, Problemen beim Wasserlassen, Erbrechen und Durchfall kommen.

Mehr Informationen zu den Folgen von Diabetes in diesem Video

Welche Folgen kann Diabetes haben? In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl, wie es zu diabetischer Polyneuropathie kommt und welche weiteren Auswirkungen diese haben kann, z. B. den diabetischen Fuß.

Die Symptome: Welche Beschwerden treten im Zusammenhang mit diabetischer Polyneuropathie auf?

Eine diabetische Polyneuropathie verläuft anfangs meist beschwerdefrei. Es kann aber sein, dass Betroffene ein gestörtes Empfinden in Bezug auf Vibration sowie Wärme und Kälte haben. Generell stellen sich dann meist zunächst Schmerzen am Fuß ein, vor allem während der Nachtruhe, und es kann zu Missempfindungen kommen, die sich in Form eines Taubheits- oder Pelzigkeitsgefühls sowie eines Kribbelns äußern können. Dies kann dann auch schon die Hände betreffen.
Ist die Polyneuropathie bereits weiter fortgeschritten, kann die Bewegungsfreiheit der Betroffenen eingeschränkt sein. Als Folgeerkrankung kann der sogenannte diabetische Fuß entstehen, welcher sich dadurch auszeichnet, dass offene Wunden am Fuß sich nicht mehr schließen und demnach nicht mehr heilen. Weitere klassische Beschwerden sind Gangunsicherheit, Muskelschwäche und ein verändertes Berührungs- und Schmerzempfinden.

Die Symptome der diabetischen Polyneuropathie im Überblick:

  • anfangs beschwerdefrei
  • gestörtes Empfinden in Bezug auf Vibration, Wärme, Kälte
  • Schmerzen am Fuß
  • Missempfindungen
  • Gefühl von Taubheit/Pelzigkeit/Kribbeln (auch an den Händen)
  • eingeschränkte Bewegungsfreiheit
  • nicht heilende, offene Wunden am Fuß
  • Gangunsicherheit
  • Muskelschwäche
  • verändertes Berührungs- und Schmerzempfinden
Hat ein Arzt bei Ihnen Nervenschädigungen aufgrund einer Diabetes-Erkrankung festgestellt? Welche Symptome konnten Sie beobachten (Mehrfachnennung möglich)? Mit Ihren Antworten helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.

Wer ist betroffen?

Von Diabetischer Polyneuropathie betroffen sein kann generell jeder Diabetiker, derzeit ist es knapp jeder dritte. Sie ist die häufigste Folgeerkrankung des Diabetes mellitus. Circa 10–20 Prozent der Typ-2-Diabetiker weisen bereits zum Zeitpunkt ihrer Diagnose Nervenschäden auf. Es gilt: Je länger ein Patient bereits an Diabetes erkrankt ist, desto wahrscheinlicher werden auch seine Nerven beschädigt.

Bereits nach 10 Jahren mit Diabetes haben 50 Prozent der Diabetiker Beschwerden, die mit einer Nervenschädigung in Zusammenhang stehen können. Ist ein Patient bereits 25 Jahre Diabetiker, so beläuft sich die Wahrscheinlichkeit, an einer diabetischen Polyneuropathie zu erkranken, auf bis zu 50 Prozent. Eine konstante aufmerksame Blutzuckerkontrolle ist daher unabdingbar. Risikofaktoren, die zur Entstehung dieser Folgeerkrankung beitragen, sind:

  • Diabetesdauer
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Rauchen
  • Übergewicht und mangelnde körperliche Aktivität
  • Alkohol
  • Bluthochdruck
Gut zu wissen!
Ein britisches Forscherteam hat eine Vibrations-App entwickelt, die Sensibilitätsstörungen besser erkennt als etwa die Stimmgabel oder das Monofilament. „NeurAppathy“ heißt die App, die den Motor des Handys gleichmäßig mit einer Frequenz von 25 Hertz vibrieren lässt. In der zugehörigen Studie testete das Team die Sensibilität von 61 Probanden an verschiedenen Körperstellen und befindet, die App habe den Praxistest bestanden. In die Neuropathie-Diagnostik wird die App allerdings noch nicht übergehen, da sie nicht mit allen Smartphones kompatibel und auch noch nicht als diagnostisches Messinstrument zugelassen ist.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Am Beginn einer jeden Diagnose steht das sogenannte Anamnesegespräch, bei dem der Arzt sich beim Patienten über aktuelle Beschwerden erkundigt, ihn nach regelmäßig eingenommenen Medikamenten befragt und Informationen über etwaige Vorerkrankungen einholt.

Im Rahmen der diabetischen Polyneuropathie kommt es in diesem Gespräch vor allem darauf an, dass der Patient Auskunft über seinen bestehenden Diabetes gibt, sofern dieser bereits diagnostiziert wurde. Hinzu kommt, dass der Arzt sich speziell nach sensiblen und motorischen Reizerscheinungen sowie eventuellen Ausfällen erkundigen wird, also nach Schmerzen, Krämpfen oder Taubheit und Muskelschwäche.

Im Rahmen einer klinischen Untersuchung führt der Arzt dann zunächst eine Sichtinspektion durch, begutachtet also bspw. die Hautfarbe oder Verletzungen. Darauf folgt eine Abtastung, um bspw. Deformitäten festzustellen. Des Weiteren erfolgen einige neurologische Untersuchungen, bei denen der Arzt z. B. mittels eines Reflexhammers die Reflexe des Patienten untersucht, mit einer graduierten Stimmgabel das Vibrationsempfinden ermittelt, mit einem Wattebausch und einem spitzen Gegenstand das Berührungs- bzw. Schmerzempfinden testet oder mit einem kalten Gegenstand das Temperaturempfinden ermittelt. Außerdem wird der Arzt die einzelnen Muskeln hinsichtlich ihrer Kraft und ihrer Masse untersuchen. Ebenso wichtig ist eine elektrische Untersuchung von Muskeln und Nerven mittels Elektromyogramm bzw. Elektroneurogramm, bei der deren Leitgeschwindigkeit getestet wird.

Die Diagnose gilt als sicher, wenn eine Zuckerstoffwechselstörung festgestellt und andere mögliche Ursachen, z. B. entzündliche Erkrankungen, exzessiver Alkoholkonsum, Mangelernährung oder andere Stoffwechselstörungen, ausgeschlossen werden können.

Fakten-Box
Diabetische Polyneuropathie/Nervenschmerzen durch Diabetes
10–20 Prozent der Typ-2-Diabetiker haben bei der Diagnose bereits beschädigte Nerven
eine zunehmende Diabetesdauer erhöht die Wahrscheinlichkeit, an diabetischer Polyneuropathie zu erkranken
50 Prozent Wahrscheinlichkeit der Erkrankung, wenn Diabetes schon 25 Jahre vorliegt
Symptome

  • Gestörtes Vibrationsempfinden
  • Gestörtes Temperaturempfinden
  • Gestörtes Berührungs- bzw. Schmerzempfinden
  • Schmerzen am Fuß
  • Missempfindungen (Taubheit, Kribbeln, Pelzigkeit)
  • Gangunsicherheit
  • Muskelschwäche
  • Eingeschränkte Bewegungsfreiheit

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Im Rahmen der Therapie einer diabetischen Polyneuropathie sollten die folgenden vier Schwerpunkte im Fokus stehen:

  • Kausale Therapie
  • Pathogenetisch begründbare Therapie
  • Schmerztherapie
  • Vermeidung von Risikofaktoren und Komplikationen.

Die kausale Therapie zielt darauf ab, den Blutzuckerspiegel in Absprache mit dem Hausarzt zu senken, bspw. über Medikamente oder eine Diät. Als Ziel gilt im Normalfall ein HbA1c-Wert von unter 6,5 Prozent. Dieser Wert wird auch als Blutzuckergedächtnis bezeichnet, da er die durchschnittliche Konzentration des Blutzuckers im Verlauf der vergangenen 6–8 Wochen widerspiegelt.

Bei der pathogenetisch begründbaren, also die Entstehung der Krankheit betreffenden, Therapie wird versucht, konkrete Prozesse der Erkrankung auszuschalten. Dabei kommt vor allem das Präparat Alpha-Liponsäure zum Einsatz, welches den einzigen Wirkstoff beinhaltet, dem im Rahmen von Studien eine Wirksamkeit nachgewiesen werden konnte.

Was kann man gegen die Schmerzen tun?

Die Schmerztherapie kann sowohl medikamentös als auch nicht-medikamentös erfolgen. Die Medikamente, die der Arzt verschreiben kann, werden grundlegend in die drei Bereiche Antidepressiva, Opioide und Antikonvulsiva unterteilt. Diese werden auch bei vielen weiteren Nervenerkrankungen eingesetzt. Die hier genannten Medikamente eignen sich vor allem dadurch zur Therapie der diabetischen Polyneuropathie, dass sie Neuronen und Nervenfasern beeinflussen, die Schmerz weiterleiten. Sie betreffen also jene Strukturen, die bei einer Polyneuropathie beschädigt sind.

Mehr Informationen zum Einsatz von Antidepressiva zur Schmerztherapie in diesem Video!

In diesem Video erklärt Dr. Weigl unter anderem, welche Wirkungen und Nebenwirkungen Antidepressiva im Rahmen der Behandlung von Nervenschmerzen haben können und welche Dosierung der Medikamente sinnvoll ist.

Die nicht-medikamentösen Maßnahmen sollen dabei helfen, die Medikation langsam zu senken. Dazu gehört bspw. die TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation), bei der Schmerzen mittels kleiner Stromstöße schonend behandelt werden können. Des Weiteren eignen sich Maßnahmen wie Krankengymnastik, Bäder, Trinkkuren und Inhalationen (sog. ‚Balneotherapie‘), Entspannungstherapie, Akupunktur sowie eine relativ neue Methode mit dem Namen SFMS (Small Fiber Matrix Stimulation), bei der gezielt geschädigte Nervenfasern stimuliert und normalisiert werden.

Die Vermeidung von Risikofaktoren und Komplikationen erfolgt bspw. dadurch, dass das Tragen eines korrekten Schuhwerks empfohlen und kleinste Verletzungen eingehend untersucht werden.

Bei der Behandlung einer diabetischen Polyneuropathie sollten die folgenden Grundsätze stets berücksichtigt werden:

  • Es gibt kein Patentrezept für die Behandlung, diese gestaltet sich meist sehr komplex.
  • Eine Kombinationstherapie ist ratsam, verschiedene Medikamente verschiedener Wirkklassen sollten zum Einsatz kommen.
  • Jedes Medikament wirkt bei Patienten unterschiedlich.
  • Jedes Medikament muss individuell dosiert werden.
  • Eine Beurteilung der Wirkung eines Medikaments sollte erst nach minimal 2–4 Wochen erfolgen.

Mehr Informationen zur Behandlung von diabetischer Polyneuropathie gibt es in diesem Video

In diesem Video geht Dr. Weigl auf die Grundsätze der Behandlung der diabetischen Polyneuropathie ein und erklärt, wie sich die Therapie im Optimalfall gestaltet, welche Medikamente zum Einsatz kommen können und was es im Rahmen der Therapie zu berücksichtigen gilt.

Häufige Patientenfragen

Wie kann ich diabetischer Polyneuropathie vorbeugen?

Dr. T. Weigl
Hierfür ist eine optimale Blutzuckereinstellung unabdingbar. Als Diabetiker sollten Sie zudem darauf achten, Ihren Alkohol- und Tabakkonsum zu reduzieren oder gar zu stoppen. Denn eine Polyneuropathie kann vor allem durch chronischen Alkoholkonsum ausgelöst werden. Auch zu empfehlen sind regelmäßige Arztbesuche für Bluttests und Kontrolluntersuchungen sowie eine medizinische Fußpflege.

Was ist ein diabetischer Fuß?

Dr. T. Weigl
Das sogenannte diabetische Fußsyndrom ist eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus und eine Komplikation der diabetischen Polyneuropathie. Dabei entstehen Schäden an Blutgefäßen, infolge welcher die Füße mit zu wenig Sauerstoff versorgt werden. Ebenso sind die Nervenzellen der Füße betroffen, was ein reduziertes Schmerzempfinden zur Folge hat. Das ist gefährlich, da Verletzungen oder Druckstellen am Fuß nicht mehr wahrgenommen werden, was sehr schnell dazu führt, dass sich diese verschlimmern. In der Folge entzündet sich das Gewebe und Zellen sterben ab.

Jürgen lässt sich von seinem Hausarzt durchchecken. Dieser stellt fest, dass bereits eine Nervenschädigung vorliegt. Künftig wird die Blutzuckereinstellung noch akribischer erfolgen, damit weitere Beschwerden so schnell nicht entstehen. Als nächstes steht die Behandlung mit Alpha-Liponsäure an. Ans Medikamente-Schlucken möchte sich Jürgen jedoch noch nicht gewöhnen. Aber das kann bei richtiger Therapie ja auch noch hinausgezögert werden.

Haben auch Sie Erfahrungen mit Nervenschmerzen wegen Diabetes? Möchten Sie sich bei uns über Diabetes erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Autoren: Tobias Möller & Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Christine Pepersack

Quellen

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