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Hyaluronsäure – mehr als nur Kosmetik

Auf einen Blick – Hyaluronsäure

Was ist Hyaluronsäure?

  • Vielfachzucker
  • Bestandteil des Bindegewebes

Wo kommt Hyaluronsäure vor?

  • in der Haut
  • im Knorpel
  • in den Bandscheiben
  • Flüssigkeit zwischen den Gelenken

Welche Wirkung hat Hyaluronsäure?

  • speichert Wasser
  • schmiert die Gelenke
  • repariert die Haut
  • unterstützt die Zellmigration

Anwendung (Auszug)

  • bei Arthrose in den Gelenken
  • zur Wundheilung
  • Nasenspray, Augentropfen, Halstabletten
  • bei Augenoperationen
  • zur Lippenvergrößerung
  • zur Brustvergrößerung
  • beim Aufbau von Gesichtskonturen

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

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Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Viele Werbespots werben heutzutage mit der Anti-Aging-Wirkung ihrer Produkte durch Hyaluronsäure. Auch die Nachfrage bei Schönheitschirurgen nach Hyaluroninjektionen steigt rasant an. Dieser natürliche Bestandteil des Körpers hat vielfältige Einsatzmöglichkeiten, wird aber neben der Wirkung in der ästhetischen Chirurgie ebenfalls für viele andere medizinische Zwecke genutzt. Sowohl für die Haut, als auch für die reibungslose Bewegungsfähigkeit der Gelenke ist ein ausgewogener Hyaluronhaushalt wichtig.

In diesem Artikel erfahren Sie alles über dieses vermeintliche Wundermittel. Wo wird es überall eingesetzt, wie wirkt es und gibt es Nebenwirkungen, die für Patienten gefährlich werden können? Die Antworten auf diese Fragen finden Sie in diesem Artikel.

Was ist Hyaluronsäure?

Die Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil des Körpers, ein sogenannter Vielfachzucker (sog. ‚Polysaccharid‘), der zur Gruppe der Glykosaminoglykane gehört. Bei Polysacchariden handelt es sich um Kohlenhydrate, die durch die Verknüpfung mehrerer Einzelzucker (sog. ‚Monosaccharide‘) entstehen.

Die Hyaluronsäure kommt beim Menschen in der sogenannten extrazellulären Matrix, also den Zwischenräumen des Bindegewebes, vor. Man könnte vereinfacht sagen, dass sie Bestandteil des Bindegewebes ist, das sich zwischen den Zellen befindet. Die wichtigsten hyaluronsäurehaltigen Bestandteile des Menschen sind die Haut, der Knorpel, die Bandscheiben, die Flüssigkeiten zwischen den Gelenken (sog. ‚Synovialflüssigkeiten‘) und der Glaskörper des Auges (sog. ‚Corpus vitreum‘).

Welche Wirkung hat Hyaluronsäure?

Die Funktion von Hyaluronsäure im Körper des Menschen ist vielfältig, was auf ihre besonderen chemischen Eigenschaften zurückzuführen ist. Das macht sie so vielseitig und wertvoll, denn die Einsatzgebiete der Hyaluronsäure gehen weit über die Schönheitschirurgie hinaus.

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Hyaluronsäure speichert Wasser

Eine der wichtigsten Eigenschaften von Hyaluronsäure ist die Fähigkeit, große Mengen Wasser an sich zu binden. So kann 1 Gramm Hyaluronsäure bis zu ca. 6 Liter Wasser speichern. Dies verdeutlicht vor allem das menschliche Auge bzw. sein Glaskörper. Dieser besteht zu etwa 2 Prozent aus Hyaluronsäure und zu 98 Prozent aus Wasser.

Diese große Wasserspeicherung führt in der Folge zu einer weiteren wichtigen Funktion von Hyaluronsäure. Wasser kann nur bis zu einem bestimmten Grad komprimiert werden. Danach ist der Gegendruck, der sich daraus ergibt, so hoch, dass eine weitere Komprimierung schwierig bzw. gar nicht möglich ist. Das heißt, dass der Vorteil hier in der hohen Druckbeständigkeit liegt, die wichtig für beispielsweise die Bandscheiben ist (bzw. deren Gallertkern, der sog. ‚Nucleus pulposus‘). Erst so können diese eine ihrer wichtigsten Aufgaben für den menschlichen Körper erfüllen, nämlich das Gewicht des menschlichen Körpers tragen.

Für die Gelenke bedeuten diese Eigenschaften mehr Stabilität. Für das Hautbindegewebe führen diese Eigenschaften zu Straffheit, aber auch Elastizität und Feuchtigkeit und genau das macht Hyaluronsäure interessant für die Kosmetik.

Hyaluronsäure schmiert die Gelenke

Hyaluronsäure bildet ebenfalls den Hauptteil der Gelenkflüssigkeit (sog. ‚Synovia‘). Durch ihre Eigenschaft wirkt sie als Schmiermittel und sorgt für Dämpfung, aber auch Reibungslosigkeit bei Gelenkstößen bzw. Gelenkbewegungen.

Die Besonderheit hier ist ihre Fähigkeit zur spontanen Formänderung, die auch Strukturviskosität genannt wird. Diese Eigenschaft erlaubt es einer Flüssigkeit, ihre Viskosität bei hohen auf sie wirkenden Scherkräften zu verringern. Wenn man z. B. in einer aufrechten Haltung steht, so wirken große Kräfte auf den Körper. In so einem Moment ändert sich die Form der Hyaluronsäure-Moleküle und es kommt zur Bildung von Kugeln. Diese wirken der Druckkraft, die dann auf dem Körper lastet, entgegen. Kommt es aber nun zu einer Bewegung, bspw. wenn man läuft, so ändert sich auch die Form wieder. Die Viskosität verringert sich, sprich: Die Form ist nun eher flüssig und zeitgleich wird reibungsfreie Bewegung der Gelenke garantiert.

„Bei Arthrose ist das Injizieren von Hyaluronsäure in das Gelenk besonders dann sinnvoll, wenn ein hoher Reibungswiderstand besteht. Man sollte aber keine Wunder erwarten.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Hyaluronsäure repariert die Haut

Hyaluronsäure regt ebenfalls die Bildung von Kollagen und Elastin an. Diese sorgen für ein straffes und festes Bindegewebe und folglich ein junges Aussehen der Haut. Weiterhin sorgt der Einbau von Hyaluronsäure im Bindegewebe der Haut zum einen für Stabilität und zum anderen für Elastizität.

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Hyaluronsäure unterstützt die Zellmigration

Zellmigration beschreibt einfach ausgedrückt die Bewegung der Zellen bzw. eines Zellverbands von einem zu einem anderen Ort. Hyaluronsäure kann die Zellmigration ebenfalls unterstützen, indem sie die Wanderwege der Zellen freihält. Dabei seiten sich die Zwischenräume der Zellen, was die Wanderung der Zellen begünstigt.

Hyaluronsäure verhindert die Remyelinisierung

Auch in Bezug auf das Gehirn nimmt Hyaluronsäure eine wichtige Funktion ein. Sie besitzt die Fähigkeit, den Wiederaufbau von Myelinschichten um Axone zu verhindern. Dadurch wird die schnelle Weiterleitung von Signalen von einer zu einer anderen Zelle unterbunden und Bewegungsabläufe werden langsamer bzw. setzen komplett aus. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Krankheit Multiple Sklerose.

Ein weiterer Einsatzbereich für Hyaluronsäure ist die Arthrose. Was genau bei dieser Krankheit im Körper passiert und welche Behandlungsmöglichkeiten bleiben, beantwortet der Schmerzforscher Dr. Dr. Tobias Weigl in folgendem Video.

Die Arthrose-Lüge - Kann man Arthrose heilen? Entstehung Knorpelschaden, Arthrose Therapie verstehen

Wie wird Hyaluronsäure hergestellt?

Es gibt verschiedene Wege, Hyaluronsäure herzustellen. Früher war es gebräuchlich, sie aus tierischem Ausgangsmaterial herzustellen. Verwendet wurde dabei der Hahnenkamm der Kammhühner (sog. ‚Crista carnosa‘). Da aber allergische Reaktionen gegen Vogelproteine ein Risiko darstellen, gewann im Verlauf der Zeit eine neue Methode an Bedeutung. Diese Methode war die biotechnologische Herstellung von Hyaluronsäure aus einer bestimmten Bakterien-Kultur (nämlich in einer Streptokokken-Kultur).

Des Weiteren finden auch speziell modifizierte Hyaluronsäuren heutzutage Verwendung. Die Rede ist hier von NASHA-Technologie (sog. ‚Nicht-animalische stabilisierte Hyaluronsäuren‘). Diese Art der Modifikation kann für spezielle Veränderungen der Hyaluronsäure sorgen, wodurch sie beispielsweise an Stabilität gewinnen kann.

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In welchen Bereichen wird Hyaluronsäure angewendet?

Die therapeutische Verwendung von Hyaluronsäure ist sehr vielseitig und wird in verschiedene Kategorien eingeteilt.

Humanmedizin

Eine der häufigsten Verwendungen von Hyaluronsäure bzw. deren Präparaten findet beim Orthopäden im Zusammenhang mit von Arthrose geschädigten Gelenken statt. Das Hyaluronsäurepräparat soll dabei das Gelenk „schmieren“, weshalb solch eine Maßnahme sinnvoll ist, wenn das Gelenk sozusagen „trocken läuft“.

Wichtig: der Effekt hält etwa 3–6 Monate an. Der Vorteil liegt hier darin, dass sich die Schmerzen reduzieren lassen können und der Patient besser in der Lage ist, sich schmerzfreier zu bewegen, an Physiotherapien teilzunehmen und somit den Körper zu stärken. Es ist wichtig, zu wissen, dass diese Maßnahme keine Dauerlösung darstellt und eine vollständige Heilung nicht stattfinden kann.

In diesem Beitrag erörtert Schmerzforscher Dr. Dr. Tobias Weigl die Möglichkeiten, die Hyaluronsäure bei der Arthrose-Therapie bietet und geht außerdem auf den Aspekt Knorpel-Transplantation ein.

Helfen Hyaluronsäure & Knorpel Transplantation bei Arthrose? Arthrose Therapie | Arthrose heilen?!

Wundheilung/-versorgung

Eine weitere Verwendungsmöglichkeit von Hyaluronsäure findet sich in der Wundheilung. Dabei kommen Präparate wie Hydrogele bspw. bei Geschwüren oder Verbrennungen zum Einsatz.

Interessant ist die Verwendungsweise von Hyaluronsäure bei Erkältungen oder oder Grippekrankheiten , denn dort sind Medikamente, die Hyaluron enthalten, oft vertreten. So enthalten beispielsweise Nasensprays häufig diesen Wirkstoff, damit trockene Nasenschleimhäute durch die Hyaluronsäure gelindert werden.
Auch in Halstabletten ist Hyaluronsäure vertreten. Sie dient dort dem Schutz im Bereich von Mund- und Rachenschleimhaut und gegen Halsschmerzen, beispielsweise bei einer Mandelentzündung.

Ein weiteres Anwendungsgebiet sind Augenkrankheiten. Im Handel ist Hyaluronsäure in Form von Natriumsalz, als Augentropfen oder als Augengel erhältlich. Dabei soll es zum einen trockene, müde, juckende oder gereizte Augen befeuchten und zum anderen zeitgleich die Binde- und Hornhaut beruhigen sowie Schmerzen lindern. Das Sehvermögen wird durch den Einsatz nicht beeinträchtigt.

Die wasserspeichernde Wirkung von Hyaluronsäure wird häufig bei Augenoperationen (sog. ‚Ophthalmochirurgie‘) genutzt.
Die dabei verwendete Natriumhyaluronat-Lösung wird zur Auffüllung des Inneren des Auges (des sog. ‚Glaskörpers‘) benutzt. Des Weiteren besitzt sie eine stabilisierende Funktion in Bezug auf die Vorderkammer. Bei der Operation des grauen Stars ist diese sehr vorteilhaft, da die Endothelzellschichten der Hornhaut geschützt werden.

In der ästhetischen Medizin

Im Zuge der Zeit gewann der Einsatz von Hyaluronsäure im Bereich der Schönheitschirurgie immer mehr an Bedeutung. Dabei wird sie in verschiedenen Körperbereichen „gespritzt“ und sorgt dort für eine Vergrößerung. Die üblichen Einsatzbereiche sind:

Je nach Präparat hält der Effekt 6 – 12 Monate an. Beliebte Präparate sind sog. NASHA (‚Non-Animal Stabilized Hyaluronic Acid‘, nicht-tierische, stabilisierte Hyaluronsäuren). Sie sind sehr gut verträglich für den Körper und erzeugen nur wenige Komplikationen. Genutzt werden diese meist bei Körperdeformationen. So wird damit etwa der Po abgerundet oder Unebenheiten der Hautoberfläche oder eingesunkene Narben behandelt.

In der Kosmetik

Als Kosmetikum soll Hyaluronsäure primär durch ihre feuchtigkeitsspendende bzw. -bindende Eigenschaft die Haut straffen und diese so mit Wasser versorgen. Dadurch soll die Haut ebenfalls prall, straff und strahlend wirken. Aus diesem Grund sind Hyaluronsäure-Präparate auf dem Markt vorwiegend als Anti-Aging-Produkte anzutreffen. Dabei ist überwiegend die obere Hautschicht vom gewünschten Effekt betroffen. Aufgrund der Molekülgröße der Hyaluronsäurepräparate dringen diese nicht in tiefere Hautschichten ein.

Fakten-Box

Hyaluronsäure

  • körpereigener Bestandteil des Bindegewebes
  • Vielfachzucker

Wirkung

  • speichert Wasser
  • schmiert die Gelenke
  • repariert die Haut
  • unterstützt die Zellmigration

Nebenwirkungen

  • wenige, da körpereigener Stoff
  • Vorsicht bei Überdosierung, Knötchenbildung möglich

Welche Nebenwirkungen können bei der Behandlung mit Hyaluronsäure auftreten?

Wie bereits erwähnt, produziert der Körper selbst ebenfalls Hyaluronsäure, wodurch in der Regel auch keine Nebenwirkungen auftreten können. Wichtig ist, dass auch hierbei die maximale Tagesdosis nicht überschritten wird! Die Einnahme von Hyaluronsäure in Form von Kapseln oder zur Auftragung als Creme und Gel sollten also an die vorgeschriebene Tagesdosis angepasst werden, damit es nicht zu allergischen Reaktionen oder Hautausschlag kommt. Selten entstehen durch durch einen erhöhten Hyaluronhaushalt auch Schmerzen in den Gelenken.

Das Spritzen von Hyaluronsäure ist ein medizinischer Eingriff und zeigt Nebenwirkungen wie Blutergüsse, Entzündungen, Reizungen bzw. Rötungen der Haut. Eine weitere Nebenwirkung kann eine allergische Reaktion sein, wenn das zugeführte Hyaluronsäurepräparat tierischer Herkunft ist (z. B. wird es aus Hahnenkämmen gewonnen). Sollten Sie an einer Allergie leiden, weisen Sie ihren behandelnden Arzt im Vorfeld besser darauf hin.

Es gibt Berichte über vereinzelte Fälle von Knötchenbildungen nach Hyaluronsäureinjektionen. Ob dies an der Hyaluronsäure an sich liegt oder auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen ist, kann die Wissenschaft zum aktuellen Zeitpunkt nicht abschließend beantworten.

Wie andere Wirkstoffe auch, kann Hyaluronsäure mit anderen Wirkstoffgruppen Wechselwirkungen erzeugen. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, Gele oder Cremes, die Hyaluronsäure enthalten, nicht zeitgleich mit Desinfektionsmittel anzuwenden, da dieses die Wirkung des Präparats aufheben kann.

Kam bei Ihnen schon einmal Hyaluronsäure zum Einsatz? Wenn ja, wofür wurde die Hyaluronsäure verwendet? (Mehrfachnennungen möglich)
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Gut zu wissen!
Wussten Sie schon, dass die Lippenkorrektur die vierthäufigste Schönheitsoperation in Deutschland ist? Laut einer Statistik nahm die Anzahl an Lippenkorrekturen in den Jahren von 2015 bis 2017 um ca. 2,1 Prozent zu (von 4,4 auf 6,5 Prozent).

Aktuelle Forschung – Wirkung von Lidocain in Hyaluronsäurepräparaten

Auf dem Markt sind in den letzten Jahren immer neue Hyaluronpräparate mit zusätzliche Wirkstoffen aufgetaucht. Einer dieser neuen zugeführten Wirkstoffe ist das Lidocain, ein lokales Betäubungsmittel.In einer US-Studie von Steven Fagien und seinem Team wurde nun überprüft, ob Lidocain als Zusatz überhaupt eine Wirkung bei Lachfalten zeigt oder nur aus Marketingzwecken hinzugefügt wurde.

Dafür wurde den Teilnehmern der Studie auf der einen Gesichtshälfte ein reines Hyaluronpräparat gespritzt, während auf der anderen Hälfte ein Präparat mit Lidocain genutzt wurde. Über einen Zeitraum von 24 bzw. 48 Wochen sollten die Teilnehmer und die Forscher einschätzen, ob sich Unterschiede zeigen.

Das Ergebnis

Bei den meisten Teilnehmern zeigte sich kein gravierend anderes Ergebnis. Beide Präparate verringerten die Faltentiefe, wobei die reinen Präparate minimal effektiver sind. Der erhoffte schmerzlindernde Effekt bei den Injektionen konnte auch nicht bestätigt werden, beide Präparate wurden gleich „schmerzhaft“ empfunden.

Quelle: Steven Fagien u. a. (2018): Hyaluronic Acid Gel with and Without Lidocaine for the Treatment of Moderate-to-Severe Nasolabial Folds: A Randomized, Evaluator-Blinded, Phase III Study. In: Dermatol Surgery, Volume 44, Issue 4: S. 549 – 556.

Häufige Patientenfragen

Ich denke darüber nach, meine Haut mit Hyaluronsäure aufzupolstern. Reicht dafür eine Creme aus oder muss ich mir Spritzen setzen lassen?

Dr. Dr. T. Weigl
Oberflächliche Falten können durch Cremes sofort gelindert werden. Bei der Anwendung von Cremes konzentriert sich die Hyaluronsäure in den oberen Hautschichten und pumpt diese sichtbar auf. Tiefe Falten können so allerdings nicht mehr gelindert werden. Hier sind Spritzen nötig, denn diese erreichen auch die darunterliegenden Hautschichten, um diese zu unterspritzen. Bei Cremes ist darauf zu achten, dass die Wirkung in einigen Fällen erst nach einer gewissen Anreicherungszeit eintritt und deswegen langfristig genutzt werden sollte.

Reichen bei Kniegelenksarthrose Hyaluronkapseln aus?

Dr. Dr. T. Weigl
Leider nein, der Grund ist relativ ähnlich zur vorangegangenen Frage. Diese Kapseln verteilen die Hyaluronsäure im gesamten Körper. Der Anteil, der dann allerdings tatsächlich im Knie ankommt, ist bei weitem nicht ausreichen, um für eine Verbesserung der Arthrose zu sorgen. Bei dieser Krankheit sind Spritzen die einzig wirksame Methode.

Was ist der Unterschied zwischen Hyaluronsäure und Botox?

Dr. Dr. T. Weigl
Während Hyaluronsäure ein körpereigener Bestandteil ist, handelt es sich bei Botulinumtoxin (kurz: Botox) um ein Nervengift. Dieses sorgt für die Entspannung der Muskeln, was wiederum die Falten verschwinden lässt. Bei zu hoher Dosierung des Nervengifts wirkt das Gesicht wie eine Maske, denn zu große Muskelpartien sind für einen langen Zeitraum „lahmgelegt“. Hyaluronsäure wirkt dagegen aufplusternd und kann diese Folgen nicht hervorrufen, dafür wirken Falten allerdings auch nur gemildert und verschwinden nicht völlig.

Ich habe im Internet eine Anleitung gefunden, wie man sich Hyaluron selbst spritzen kann, welche Gefahren bestehen dabei?

Dr. Dr. T. Weigl
Auch wenn diese Anleitungen versprechen, dass keinerlei Risiken bestehen, ist absolute Vorsicht geboten. Ich kann nur jedem davon abraten, sich selbst Injektionen verabreichen zu wollen. Unerfahrene Laien spritzen häufig in zu tiefe Hautschichten, was im schlimmsten Fall bleibende Nervenschäden hervorrufen kann. Durch eine Überdosierung können hässliche Beulen entstehen, die nur langsam abgebaut werden. Injektionen am Knie sind nochmal gefährlicher, denn es drohen dauerhafte Funktionseinschränkungen.

Typisches Patientenbeispiel

Lotta ist genervt. Heute ist ihr Shopping-Tag doch die Beleuchtung in der Umkleide hat ihr die Stimmung verhagelt. Sie braucht für die Taufe ihres Patenkindes am Samstag dringend einen neuen Rock, aber in dem unschmeichelhaften Licht gefällt ihr kein einziger. Außerdem sieht man jede einzelne Falte mindestens doppelt so deutlich wie im Tageslicht. Später, auf dem Weg ins Café kommt sie an einem Kosmetikstudio vorbei. „Falten weg in 20 Minuten!“, steht dort im Fenster geschrieben. Nach kurzen Zögern tritt sie ein und wird sofort von einer Kosmetikerin angesprochen. Während sie sich beraten lässt, ist sie beeindruckt von den Vorher-Nachher-Vergleichen, die ihr dort gezeigt werden. Mit etwas Hyaluron könnte sie auf der Taufe glatt als Anfang 30 durchgehen. Sie vereinbart einen Termin für den nächsten Tag.

Die Behandlung

Da die Kosmetikerin, die sie gestern beraten hat, selbst keine Spritzen verabreichen darf, wird Lotta einer Heilpraktikerin vorgestellt. Diese berät sie, beantwortet ihr alle Fragen und nimmt ihr damit die Nervosität. Mithilfe einer örtlichen Betäubung sind die Spritzen innerhalb weniger Minuten gesetzt und Lotta ist selbst erstaunt, wie viel praller ihr Gesicht direkt wirkt.

„Diese Behandlung wirkt für ca. sechs Monate, sie werden aber vorher schon feststellen, dass die Wirkung etwas nachlässt. Das liegt daran, dass die Hyaluronsäure langsam abgebaut wird.“
Als Lotta das Kosmetikstudio verlässt, fällt ihr ein, dass sie immer noch keinen Rock hat, denkt sich dann aber: „Mit diesem strahlenden Gesicht wird der Rock doch zur Nebensache.“

Verwandte Themen

Haben Sie Erfahrungen mit Hyaluronsäure gemacht? Möchten Sie sich bei uns weiter darüber erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Schajan Salahijekta
Lektorat: Tobias Möller, Timo Hülsmann
Veröffentlicht am: 21.05.2018, zuletzt aktualisiert: 30.01.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

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2 Antworten
  • Susanne Meisel
    25.02.2019 21:02

    Sehr geehrter Herr Dr. Weigl,

    vielen Dank für die Videos Arthroselüge 1 und 2. Das sind die besten Erklärungen, die ich bisher zu Arthrose gehört habe, verbunden mit einem sehr guten Überblick Therapiemöglichkeiten. Auch den Ansatz, einen Behandlungsplan mit dem Arzt zu vereinbaren, finde ich sehr sinnvoll. Leider das ist bei Kassenärzten oft ein Zeitproblem und kann vielleicht durch den Patient insofern vorbereitet werden, indem man alle eigenen und bisher verordneten Therpien mit den erzielten Erfolgen auflistet.
    Ich habe schon 15 Jahre lang Gonarthrose im linken Knie (Beginn mit 35 Jahren wahrscheinlich durch Knieverletzung Verletzung Jahre zuvor) und hier gehört, dass ich mit der Therapie noch nicht am „Ende der Fahnenstange“ angekommen bin.

    Frage : Jetzt bereitet mir das rechte Knie reichlich Beschwerden vor allem nachts, was ich bisher überhaupt nicht kannte. Kann es sein, dass diese sog. Aktivierte Arthrose auch durch Stress ausgelöst werden kann? Da ich seit einiger Zeit vorübergehendem stärkerem beruflichen Stress ausgesetzt bin, scheint mir ein Zusammenhang zu bestehen. In diesem Fall wäre es ja dann sinnvoll, die Übernahme von Mehrarbeit und Vertretungssituationen aus gesundheitlichen Gründen abzuwägen.

    Vielen Dank für Ihre Antwort, mit freundlichen Grüßen
    Susanne Meisel

    • Dr. Tobias Weigl
      25.02.2019 23:32

      Hallo Frau Meisel, vielen Dank für das Lob und die Rückmeldung. Und natürlich auch für Ihre Frage.
      Natürlich kann auch Stress, Freisetzung von sog. Stresshormonen, eine Arthrose negativ beeinflussen, vielleicht sogar aktivieren. Wirklich nachgewiesen ist das nicht.
      Eher würde ich denken, dass mehr Stress auf Arbeit auch mehr (falsche) Bewegung bedeutet? Falsches Belasten?
      Inwieweit also Mehrarbeit zb durch Vertretungen Ursache ist kann man nicht seriös beantworten – es kann auch sehr gut sein, dass es gar nichts miteinander zu tun hat.

      Ich würde hinterfragen: Belaste ich das Knie zuviel bzw. falsch. Habe ich da was geändert (zB renne ich mehr hektisch hin und her; gehe ich öfter die Treppen, habe ich anderes Schuhwerk, habe ich zugenommen, habe ich meine Ernährung geändert etc).

      Viele Grüße
      Dr. T. Weigl

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