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Myasthenia gravis –Diagnose und Behandlung einer seltenen Autoimmunerkrankung

Die Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, deren Symptome mit Hilfe der richtigen Behandlung zurückgehen. Meist erfordert sie jedoch eine lebenslange niedrig dosierte Medikation. — Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Bei der Myasthenia gravis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der die Signalübertragung zwischen Nerv und Muskel gestört ist, weshalb es zu muskulären, unnatürlichen Ermüdbarkeiten kommt. Frauen sind häufiger und zudem oft auch früher betroffen als Männer. Auch eine Erkrankung im Kindesalter ist möglich, jedoch eher selten. Durch die Therapie der Erkrankung kann meist ein Rückgang der Symptome bewirkt werden, eine Medikamenteneinnahme ist jedoch häufig lebenslang notwendig. Mehr zu Beschwerden, Therapie und Behandlung erfahren Sie im folgenden Artikel.
Pauline ist auf dem Weg zum Arzt. Seit einer Weile merkt sie, dass sie beim Treppensteigen wahnsinnig schnell schlapp macht. Nach einigen Stufen verlässt sie beinahe die Kraft und sie braucht eine Pause. Da erholt sie sich dann immer recht fix wieder. Zum Glück wohnt sie nur im ersten Stock. Doch auch ihre Arme lassen sie oft im Stich, sie werden richtig schlapp, beispielsweise, wenn sie sich nach dem Waschen die Haare gründlich durchkämmen will. Pauline hofft, dass der Arzt ihr weiterhelfen kann, denn sie macht sich große Sorgen…

Was ist Myasthenia gravis?

Myasthenia gravis, auch „Myasthenie“ genannt, ist eine sog. ‚Autoimmunerkrankung‘. Das bedeutet, dass der Körper Antikörper bildet, die nicht gegen negative Einflüsse auf den Körper wirken, sondern stattdessen in die normalen internen Abläufe des Körpers hineinwirken. Im Falle der Myasthenia gravis werden Antikörper gebildet, die auf der postsynaptischen Seite (also hinter dem synaptischen Spalt gelegen) an die Rezeptoren für Acetylcholin (ein sog. ‚Neurotransmitter‘) andocken und sie damit blockieren und auf lange Sicht sogar zerstören. Das Ergebnis ist eine Störung der Signalübertragung an der sog. ‚motorischen Endplatte‘ (also an der Synapse zwischen Neuron und Muskel). Es kommt zum sog. ‚Dekrement‘, das bedeutet, die Reizantwort fällt bei wiederholter Reizung immer kleiner aus. Die Patienten leiden unter einer unnatürlichen Ermüdbarkeit der betroffenen Muskeln. Erst nach einer Zeit der Schonung erholen sie sich.
Oft fällt bei einer Erkrankung mit Myasthenia gravis eine Vergrößerung des Thymus auf. Der Thymus ist ein vornehmlich lymphatisches Organ, das in einem Raum in der Brusthöhle, dem sog. ‚Mediastinum‘, liegt. Es hat seine Funktion im Entwicklungsaufbau des menschlichen Körpers, daher bildet es sich ab der Pubertät zunehmend zurück.

Gut zu wissen!
Erstmals beschrieben wurde die Myasthenia gravis durch den englischen Mediziner Thomas Willis (1621-1675). Ihren Namen erhielt sie aber erst 1895 von dem deutschen Psychiater und Neurologen Friedrich Jolly.

Welche Arten von Myasthenia gravis gibt es?

Man kann die Myasthenia gravis nach verschiedenen Arten unterteilen, wie etwa nach der Art der Antikörper, dem Verlauf, oder den klinisch-pathogenetischen Gesichtspunkten.
Nach dem Verlauf werden die ‚okuläre Myasthenie‘, (bei der die äußere Augenmuskulatur betroffen ist) und die ‚generalisierte Myasthenie‘ (die alle Ausprägungen beschreibt, die über die okuläre Myasthenie hinausgehen) unterschieden. Hiernach wird sie auch in Schweregrade eingeteilt:

  • I: okuläre Myasthenie
  • II: leichtgradige generalisierte Myasthenie
  • III: Mäßiggradige generalisierte Myasthenie
  • IV: schwergradige generalisierte Myasthenie
  • V: Intubationsbedürftige generalisierte Myasthenie

Zudem kann hierbei unterschieden werden, ob vornehmlich die Muskulatur des Mundes und Schlund (sog. ‚oropharyngeale Muskulatur‘) und/oder die Atemmuskulatur betroffen ist, oder vornehmlich die Muskulatur der Extremitäten und des Torsos.
Nach dem letztgenannten Kriterium lassen sich folgende Arten der Myasthenia gravis differenzieren:

  • EOMG (Early-Onset Myasthenia gravis) – diese Form beschreibt die Myasthenia gravis mit frühem Krankheitsbeginn. Ca. 20 Prozent der von Myasthenia gravis Betroffenen haben die Form EOMG. Sie tritt im Alter von unter fünfzig Jahren auf und betrifft überwiegend Frauen. Sie hat einen generalisierten Verlauf und spricht gut auf eine Immuntherapie an.
  • LOMG (Late-Onset Myasthenia gravis) – diese Form beschreibt die Myasthenia gravis mit spätem Krankheitsbeginn. Mit einer Häufigkeit von 45 Prozent ist sie die häufigste Form der Erkrankung. Betroffen sind hierbei vor allem Menschen über fünfzig Jahre und vorwiegend Männer. Auch die LOMG hat einen generalisierten Verlauf und spricht in der Regel gut auf eine Immuntherapie an.
  • OMG (Okuläre Myasthenia gravis) – die OMG tritt in jedem Lebensalter auf und betrifft vornehmlich Frauen. Mit einer Häufigkeit von 15 Prozent gehört sie zur dritthäufigsten Ausprägung der Krankheit. Der Verlauf ist rein okulär (d. h. das Auge betreffend) und die Immuntherapie kann auch hier gute Erfolge erzielen.
  • TAMG (Thymom-assoziierte Myasthenia gravis) – diese Form tritt ähnlich häufig auf wie die OMG. Sie tritt gemeinsam mit einem sog. ‚Thymom‘, einem Tumor des Thymus auf. Meist sind Menschen zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr betroffen. Anders als bei den anderen Formen der Erkrankung sind hier beide Geschlechter gleichermaßen betroffen. Der Verlauf ist generalisiert, doch spricht eine Immuntherapie im Vergleich mit den anderen Arten weniger gut an.
  • MAMG (Anti-MuSK-AK-assoziierte Myasthenia gravis) – dies ist mit 5 Prozent die seltenste Form der Myasthenia gravis. Sie trägt den Namen des gebildeten Auto-Antikörpers Anti-MuSK-AK. Oft sind jüngere Menschen betroffen und insbesondere Frauen. Sie verläuft generalisiert, jedoch ist die Gesichts- und Schlundmuskulatur oft schwerpunktmäßig betroffen. Ebenso wie bei der TAMG spricht auch die MAMG schlecht auf eine Immuntherapie an.

Wer ist von Myasthenia gravis betroffen?

Die Myasthenia gravis ist keine häufige Erkrankung. Die Neuerkrankungen pro Jahr (sog. ‚Inzidenz’) belaufen sich auf 0,2 bis 2,0 Fälle, gemessen an 100.000 Einwohnern. Die Häufigkeit der Krankheit (sog. ‚Prävalenz’) liegt bei 15 auf 100.000 Einwohner. Es sind mehr Frauen als Männer betroffen (im Verhältnis 3:2). An Myasthenia gravis zu erkranken, ist in jedem Alter möglich. Sogar Kinder können betroffen sein (ca. 10 Prozent der Fälle). Besonders häufig tritt sie im Alter von 30–40 Jahren, insbesondere bei Frauen, und im Alter von 60–80 Jahren, insbesondere bei Männern, auf.

Welche Symptome verursacht die Myasthenia gravis?

Die Symptome der Myasthenia gravis stehen in direktem Zusammenhang mit der Störung der Signalübertragung an der motorischen Endplatte und dem Dekrement. Betroffen sind die Muskeln und Muskelgruppen des Skeletts, also der sog. ‚quergestreiften Muskulatur‘. Die Muskeln der inneren Organe dagegen, die zur sog. ‚glatten Muskulatur‘ gehören, sind nicht betroffen:

  • herabhängendes Augenlid auf einer oder beiden Seiten (sog. ‚Ptosis‘)
  • das Sehen von Doppelbildern (sog. ‚Diplopie‘)
  • Schluck- und Sprechbeschwerden, bspw. näselnde Sprache
  • Kopfhalteschwäche
  • Schwäche der Atemhilfsmuskulatur mit Atemnot (in schweren Fällen)
  • Schwäche der Extremitäten (Arme und Beine)
  • Muskelschwund (bei chronisch schwerem Verlauf)

Als Hautsymptom gilt die unnatürlich rasche Ermüdung der Muskulatur und damit verbunden auch die rasche Erholung. Die Symptome treten besonders bei wiederholter Beanspruchung auf und nehmen im Tagesverlauf zu. Weitere verstärkende Faktoren können Infekte, die Menstruation und Stress sein.

Exkurs: Schlaganfall
Das Symptom der Ptosis, also des herabhängenden Lides, kennt man auch von Schlaganfällen. Bei einem Schlaganfall gehört es jedoch zu dem größeren Symptom einer Parese, also einer Lähmung, die häufig auf einer Seite des Gesichtes auftritt.
Das Fachwort für Schlaganfall lautet ‚Apoplexie‘. Es ist eine akute Störung der Durchblutung des Großhirns. In den meisten Fällen ist die Störung eine Nichtdurchblutung (sog. ‚Ischämie‘) bestimmter Bereiche. Diese können beispielsweise durch ein Blutgerinnsel, bzw. einen Pfropf, der die Blutbahn verstopft (einen sog. ‚Thrombus‘) entstehen. Seltener ist ein hämorrhagischer Schlaganfall: Dies ist ein Schlaganfall, bei dem eine Blutung zwischen den Hirnhäuten (eine sog. ‚intrakranielle‘ Blutung) auftritt.

Symptome
Charakteristisch für einen Schlaganfall ist das plötzliche Einsetzen von Symptomen. Dazu gehören:

  • Bewusstseinstrübung
  • Gedächtnisstörung
  • Schwindel
  • Einseitige Lähmungserscheinungen
  • Sprachstörungen (beispielsweise eine verwaschene Aussprache, aber auch Verlust des Wortfindung, des Sprechvermögens, oder des Sprachverstehens, u. a.)
  • Sehstörungen

Die Symptome müssen jedoch nicht alle auftreten; teilweise sind die Symptome unspezifisch, was ein Erkennen eines Schlaganfalles erschwert.

Diagnose
Die Diagnose dient dazu, herauszufinden, welche Art des Schlaganfalls vorliegt. Das entscheidet über die Form der Behandlung. Zu diesem Zweck kann eine craniale Computertomographie (kurz CCT) eingesetzt werden. Dabei handelt es sich um ein bildgebendes radiologisches Verfahren, mit dessen Hilfe die inneren Strukturen des Schädels (Hirn, Knochen, Blutgefäße, etc.) untersucht werden können. Wenn nötig, werden weitere Diagnostikmittel, wie beispielsweise eine Elektrokardiographie (kurz EKG), eingesetzt. Es findet bei der Diagnose auch eine Einschätzung der Symptome statt, ob diese auf eine Durchblutungsstörung eines oder mehrerer Hirnareale zurückzuführen sind.

Risikofaktoren
Für den ischämischen Schlaganfall, bei dem also ein Hirnareal weniger oder nicht durchblutet wird, gelten folgende Faktoren als risikosteigernd:

Therapie
Bei einem Schlaganfall ist eine schnelle Behandlung (innerhalb von Minuten oder Stunden) äußerst wichtig. Erstes Ziel bei einem ischämischen Anfall ist es, die Blutversorgung der betroffenen Bereiche wiederherzustellen, bei einem hämorrhagischen Anfall hingegen, die Hirnblutung zu stoppen. Im Anschluss ist es wichtig, diejenigen Faktoren zu eliminieren, die zu einem weiteren Schlaganfall führen könnten.

Was ist eine myasthene Krise?

Bei der myasthenen Krise handelt es sich um eine gravierende Verschlechterung der Myasthenia gravis. Symptome sind dabei u. a. eine schwere Muskelschwäche, auch der Atem- und Schlundmuskulatur, mit Ateminsuffizienz und der Gefahr des Eindringens von flüssigen, festen oder gemischten Substanzen in die Luftröhre (sog. ‚Aspiration‘)

Welche Ursachen hat die myasthene Krise?

Ursachen für eine myasthene Krise können sein:

  • Narkosen
  • Infektionen und Fieber
  • Medikamente mit Einfluss auf die neuromuskuläre Übertragung (wie etwa Muskelrelaxantien oder Antibiotika
  • Fehler in der medikamentösen Behandlung der Myasthenia gravis
  • Nach Operationen (wie etwa nach der Thymektomie, der Entfernung des Thymus)
  • Eine myasthene Krise kann auch idiopathisch (also ohne, dass der Ursprung bekannt ist) auftreten
Achtung!
Bei einer myasthenen Krise handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall, der sofort intensivmedizinisch behandelt werden muss!
Ist bei Ihnen auch schon einmal eine Myasthenia gravis diagnostiziert worden? An welchen Symptomen litten Sie vor der Behandlung? Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Krankheit besser einzuschätzen. (Mehrfachnennungen sind möglich)

Welche Ursache hat Myasthenia gravis?

Die konkrete Ursache der Myastenia gravis ist bislang unbekannt. Es gibt jedoch eine Reihe von Risikofaktoren:

  • Infektionskrankheiten
  • bakterielle Infektionen
  • chirurgische Einflüsse
  • bestimmte Medikamente (wie etwa Chinin)

Zudem wird vermutet, dass der Thymus wahrscheinlich einen Einfluss auf einige Formen der Myasthenia gravis ausübt. Wie die genauen Mechanismen sind, muss aber noch geklärt werden.

Myasthenia gravis auf einen Blick

  • ist eine Autoimmunerkrankung
  • der Körper bildet Antikörper, die die Rezeptoren für Acetylcholin blockieren
  • Störung der Signalübertragung an der motorischen Endplatte
  • es kommt zum ‚Dekrement‘ bei Bewegungen (die Reizantwort fällt bei wiederholter Reizung immer kleiner aus)
  • Es sind mehr Frauen als Männer betroffen (3:2)
  • häufig lässt sich eine Beteiligung des Thymus feststellen
  • Hauptsymptom ist die unnatürlich schnelle Ermüdung der Muskulatur mit rascher Erholung

myasthene Krise

  • Ist eine gravierende Verschlechterung der Myasthenie
  • ein lebensbedrohlicher Notfall (intensivmedizinische Behandlung erforderlich)
  • eine schwere Muskelschwäche, von der auch die Atem- und Schlundmuskulatur betroffen sein
  • Ursachen können bspw. sein: Fieber und Infektion, Narkosen, bestimmte Medikamente, etc.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Um die Diagnose einer Myasthenia gravis zu stellen, erfolgt zunächst die Anamnese, also das ausführliche Gespräch mit dem Arzt bzw. der Ärztin. Dabei werden Fragen geklärt wie etwa:

  • Welche Beschwerden haben Sie?
  • Wo leiden sie an der Muskelschwäche?
  • Seit wann leiden Sie unter den Beschwerden?
  • Gibt es Zeiten, in denen die Muskelschwächen verstärkt auftreten? Eher morgens oder abends oder nach Anstrengung?
  • Haben sie Probleme beim Essen (Kauen und Schlucken) oder beim Sprechen?

Um andere Erkrankungen ausschließen zu können und eine möglichst sichere Diagnose zu erhalten, können unterschiedliche Untersuchungsmethoden angewandt werden.

körperliche Untersuchungen bei Myasthenia gravis

Belastungstests:
Hierunter zählen Tests der Muskelbelastung, mit denen die Symptome aufgedeckt und in ihrer Intensität eingeschätzt werden sollen:

  • Simpson-Test: Der Patient soll über eine Minute lang aufwärts schauen. Ein Symptom, was hierbei hervortreten kann, ist ein herabhängendes Augenlid
  • Halteversuche: Es sollen nacheinander die Arme (liegend oder stehend im 90 Gradwinkel), die Beine (im Liegen im 45 Gradwinkel) und der Kopf (im Liegen im 45 Gradwinkel) angehoben und für ca. 90 Sekunden gehalten werden. Ein Symptom der Myasthenia gravis ist das vorzeitige Absinken der Extremitäten.

Auch der Einsatz von Eis im Rahmen des sog. ‚Eistests‘ kann Aufschluss über die Erkrankung geben, wenn nämlich die Symptomatik durch Kälte verbessert werden kann.

bildgebende Verfahren bei Myasthenia gravis

Auch bei der Diagnose der Myasthenia gravis können bildgebende Verfahren herangezogen werden. So werden etwa CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) mit der Gabe von Kontrastmitteln genutzt, um Veränderungen des Thymus darstellen zu können.

Exkurs: Bildgebende Verfahren und Radiologie
Bildgebende Verfahren spielen bei der Diagnose von zahlreichen Erkrankungen eine tragende Rolle. Unter dem Begriff „bildgebenden Verfahren“ versteht man diagnostische Methoden, bei denen mit Hilfe von Apparaten eine visuelle Darstellung eines Befundes möglich ist. Dazu gehören beispielsweise Röntgen, MRT und CT, die Methoden eines Radiologen. Mehr zu den bildgebenden Verfahren, die in der Radiologie eingesetzt werden, finden Sie in unserem Artikel „Die Radiologie: Nutzen von Röntgen, MRT, CT und Myelografie“.

Mehr Informationen zur Arbeit eines Radiologen in diesem Video
In diesem Video erfahren Sie, was genau ein Radiologe tut, was die Gründe für einen Besuch beim Radiologen sind und was eigentlich der Unterschied zwischen Röntgen und MRT ist.

pharmakologischer Test bei Myasthenia gravis

Bei einem pharmakologischen Test wird dem Patienten ein Acetylcholinesterase-Hemmer verabreicht und geprüft, ob danach eine Verbesserung der Symptome eintritt. Mithilfe der Acetylcholinesterase-Hemmer überwiegen die Konzentration von Acetylcholin an der nuromuskulären Endplatte im Vergleich zu den blockierenden Antikörpern. Die Tests sind nach den eingesetzten Acetylcholinesterase-Hemmern benannt: der Edrophoniumtest und der Pyridostigmintest.

Laboruntersuchungen bei Myasthenia gravis

Bei der Laboruntersuchung wird das Blut des Patienten auf Antikörper gegen den Acetylcholinrezeptor getestet. Liegt eine Myasthenia gravis vor, so liegt die Konzentration der Antikörper bei 50-10 Prozent. Die genaue Konzentration hängt von der Form der Myasthennia gravis ab:

  • 50 Prozent bei der okulären Form
  • 80–90 Prozent bei einer generalisierten Myasthenia gravis
  • ca. 100 Prozent bei einem Thymom

Der Arzt kann zudem auf weitere Antikörper testen. Ein Beispiel hierfür sind Antikörper gegen muskelspezifischen Tyrosinkinase-Rezeptor (MuSK).
Auch routinemäßige Laboruntersuchungen wie ein kleines Blutbild, eine Elektrolytbestimmung, die Untersuchung von Schilddrüsenhormonen etc. gehören in den Bereich der Laboruntersuchungen.

elektrophysiologische Untersuchung bei Myasthenia gravis

Bei der elektrophysiologischen Untersuchung wird der motorische Nerv, der zu dem betroffenen Muskel führt, mit einem niederfrequenten Impuls mehrfach stimuliert (Serienstimulation). Symptomatisch ist die Abnahme des Aktionspotentials des Muskels bei wiederholter Stimulation des Nervs (Dekrement).

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Wie genau die Myasthenia gravis behandelt wird, ist von der Ausprägung der Erkrankung abhängig. Wichtig ist ebenfalls, ob der Thymus beteiligt ist.
Zur Basistherapie von Myasthenia gravis gehören Cholinesterase-Inhibitoren. Sie wirken gegen die Blockade an der motorischen Endplatte und somit auf eine Verringerung der Muskelschwäche hin. Die Behandlung zielt auf die Bekämpfung der Symptome und deren Auswirkungen auf den Alltag des Patienten.
Eine weitere mögliche Form der Therapie sind Immunsuppressiva. Diese werden besonders dann eingesetzt, wenn Acetylcholinesterase-Inhibitoren keine ausreichende Wirkung erzielen. Hierunter fallen beispielsweise:

  • Glucocorticoide
  • Azathioprin
  • Tacrolimus
  • Mycophenolatmofetil

Im Falle einer myasthenen Krise können intravenöse Immunglobulinen oder Plasmapherese (ein Plasmaausstausch, bei dem im Plasma enthaltene Antikörper entfernt werden) angewandt werden.
Ist ein Thymom nachgewiesen worden, so ist eine Thymektomie indiziiert, unabhängig von der Ausprägung der Myasthenie. Damit ist die operative Entfernung des Thymus gemeint. Bei Kindern zwischen 5 und 10 Jahren wird dieses Verfahren erst nach dem Versagen anderer Therapiemöglichkeiten (Cholinesterase-Hemmern und Glucocorticoiden) eingesetzt.

Gut zu wissen!
Eine Studie hat ergeben, dass die frühe operative Entfernung des Thymus die Symptome verbessert. Auch verminderte diese Maßnahme den Medikamentenbedarf.

Auch wenn Acetylcholinesterasehemmer und Immunsuppressiva (niedrig dosiert) oft lebenslang verabreicht werden müssen, gelingt es in der Therapie meist, einen Rückgang der Symptome zu erzielen.

Wie wird eine myasthene Krise behandelt?

Bei einer myasthenen Krise ist jedoch eine große Gefahr für das Leben des Patienten gegeben, sie muss daher umgehend behandelt werden. Folgende Maßnahmen werden daher in diesem Notfall durchgeführt:

  • Aufnahme auf die Intensivstation
  • Sicherung der Atemwege (durch Hochlagerung des Oberkörpers, Sauerstoffmaske oder ggf. Intubation und intensive Beatmung)
  • Sicherung der Vitalfunktionen
  • Medikamentöse Therapie intravenös:
  • Cholinesterase-Hemmer
  • und/oder Immunadsorption oder Immunglobulinen (zur Neutralisierung der Antikörper)

Häufige Patientenfragen

Kann ich etwas tun, um einer Myasthenia gravis vorzubeugen?

Dr. T. Weigl:
Bedauerlicherweise nein. Da die Ursache der Masthenia gravis noch nicht geklärt ist, sind auch die Einflussfaktoren auf die Erkrankung noch weitgehend unklar. Konkrete Maßnahmen, um einen Ausbruch der Krankheit zu vermeiden, kann man daher noch nicht benennen.

Ist eine Myasthenia gravis lebensgefährlich?

Dr. T. Weigl:
Myasthenia gravis zeigt in den meisten Fällen keine so starke Ausprägung, dass sie akut lebensgefährlich ist. Dennoch sollte man sich von einem Facharzt beraten und behandeln lassen. Ein Dekrement, insbesondere der Schlundmuskulatur, kann zu ernstzunehmenden Folgen, z. B. einer Aspiration (Verschlucken), führen. Zudem kann die Myasthenia gravis von einem Thymom begleitet werden, also einem Tumor des Thymus, der schnellstmöglich erkannt und entfernt werden sollte. Und auch die Gefahr einer Myasthenen Krise sollte so gering wie möglich gehalten werden.

Gibt es Personen, bei denen die Wahrscheinlichkeit höher ist, an Myasthenia gravis zu erkranken?

Dr. T. Weigl:
Auch hier muss wieder gesagt werden, dass die Ursachen der Myasthenie nicht geklärt sind. Was sich jedoch sagen lässt, ist, dass Frauen daran erkranken als Männer, etwa im Verhältnis drei zu zwei. Doch darüber hinaus lassen sich keine konkreten Personengruppen ermitteln, die von der Myasthenia gravis häufiger betroffen sind als andere. Eine Häufung der Krankheit zeigt sich bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren, bei Männern in einem Alter zwischen 60 und 80 Jahren. Doch auch Personen anderer Altersgruppen, auch Kinder, können an Myasthenie leiden.

Pauline ist auf dem Rückweg vom Arzt. Der hat einige Tests mit ihr gemacht, die er „Belastungstests“ nannte. Sie musste zum Beispiel die Arme einzeln gerade vor sich ausstrecken und sie über eine Minute halten. Das hat sie gar nicht geschafft, ihre Arme sind langsam, aber sicher immer tiefer gesunken, obwohl sie sich wirklich angestrengt hat. Außerdem hat der Arzt ihr noch Blut abgenommen und es zur Untersuchung ins Labor geschickt. Er hat ihr auch erklärt, was er vermutet: Sie habe vielleicht Myasthenia gravis, eine Autoimmunerkrankung. Er hat ihr die Krankheit in Ruhe erklärt und ihr auch gesagt, dass die Chancen gut stehen, sie mit Hilfe der richtigen Therapie in den Griff zu bekommen. Er hat sie an einen Neurologen überwiesen und ihr schon mal erklärt, dass sie vermutlich einen Termin für eine CT brauchen wird. Es kommen nun also eine Reihe von Terminen auf Pauline zu. Doch auch, wenn das alles erstmal sehr groß auf sie wirkt, ist sie doch froh, dass die Krankheit eine gute Prognose hat.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 
Autoren: Dr. Tobias Weigl und Sarah Sodke
Redaktion: Sebastian Mittelberg
Veröffentlicht: 08.03.2019

Quellen

  • I. Banaure et al. (2007): Innere Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hg.) (2016): S1–Leitlinie. Spontane Dissektionen der extrakraniellen und intrakraniellen hirnversorgenden Arterien.
  • Gerd Herold et al. (2012): Innere Medizin. Eigenverlag.
  • Nils E. Gilhus (2016): Myasthenia gravis. In: New England Journal of Medicine. Band 375, Nummer 26.
  • Werner Hacke (Hrsg.) (2016): Neurologie, 14. Auflage. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Markus Müller (2011): Chirurgie (2014/15). 11. Auflage. Medizinische Verlags- und Informationsdienste.
  • rme/arzteblatt.de (2016): Myasthenia gravis: Internationale Studie bestätigt Nutzen der Thymektomie.
  • Robert F. Schmidt et al. (2010) (Hrsg.): Physiologie des Menschen: mit Pathophysiologie, 31. Auflage. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Joachim Weis et al. (2017): „Echte Thymushyperplasie“. Differenzialdiagnose der Thymusvergrößerung bei Säuglingen und Kindern. In: Springer Medizin (4/217).
[Gesamt:2    Durchschnitt: 5/5]

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