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Was macht ein Neurologe? Aufgaben der Neurologie

Ein Neurologe, früher auch Nervenarzt genannt, ist für die Erkrankungen der Nerven zuständig. Das umfasst ein breites Spektrum an Krankheiten.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Ein Neurologe ist ein Facharzt für die Diagnose, Behandlung und Rehabilitation von Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems. Dazu zählen beispielsweise Kopfschmerzerkrankungen wie Migräne oder Cluster-Kopfschmerzen, aber auch Schlaganfälle, Schwindel und degenerative Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose. Zur Diagnose neurologischer Erkrankungen existiert eine große Bandbreite an körperlichen Untersuchungsmethoden. Mehr zum Beruf des Neurologen, Beschwerden aus dem Fachbereich der Neurologie sowie deren Diagnostik erfahren Sie im folgenden Artikel.

Friedrich sitzt mit seiner Frau Anne im Wartezimmer des Neurologen. Seit einiger Zeit hat seine Frau ein Zittern bei ihm bemerkt, das ihm zunächst gar nicht aufgefallen war. Zum Beispiel wenn er etwas schrieb – seine Schrift geriet dann kleiner als normal und weniger deutlich. Er war weniger konzentriert als früher und hat auch angefangen, weniger aufrecht zu gehen. Anfangs dachte sich Friedrich nicht viel dabei, schließlich ist er mit 70 Jahren kein junger Mann mehr und darauf gefasst, dass sich einige Dinge im Alter verschlechtern. Doch als er seinem Hausarzt von den Beobachtungen seiner Frau erzählt hat, hat dieser ihm geraten, zur Abklärung der Symptome einmal einen Neurologen aufzusuchen, da auch eine neurologische Erkrankung dahinterstecken könnte. Daher hat Anne sofort bei einem Neurologen angerufen und einen Termin für ihn vereinbart.

Was ist Neurologie?

Die Neurologie (von altgr. neuron ‚Nerv‘, und -logie ‚Lehre‘, also die Lehre von den Nerven) als medizinisches Fachgebiet befasst sich mit dem zentralen und dem peripheren Nervensystem.

Zum zentralen Nervensystem (ZNS) gehören die Nervenstrukturen im:

  • Gehirn
  • Rückenmark

Die Strukturen dieser beiden Einheiten stellen die zentrale Reizverarbeitung im menschlichen Körper dar.
Zum peripheren Nervensystem (PNS) gehören alle Nerven, die nicht dem ZNS zugehörig sind. Dazu zählen beispielsweise:

  • Hirnnerven
  • Spinalnerven
  • das enterische Nervensystem (ein Geflecht aus Nervenzellen im Magen-Darm-Trankt, dem sog. ‚Gastrointestinaltrakt‘)

Diese beiden Nervensysteme operieren nicht getrennt voneinander, ihre Abgrenzung ist vor allem räumlicher Natur.
Fachgebiete, die an die Neurologie angrenzen, sind die Neurochirurgie und die Psychiatrie (also die Lehre der Psyche und die Diagnostik und Behandlung von psychischen Störungen).

Gut zu wissen!
Als eigenständiges Fachgebiet wurde die Neurologie in Deutschland erst um 1845 u. a. von dem Arzt Moritz Heinrich Romberg geprägt. Zuvor war sie ein Teilgebiet der Inneren Medizin.

Was ist ein Neurologe?

Ein Neurologe ist ein Facharzt, der sich auf die Vorbeugung, Diagnose und Behandlung von Erkrankungen der Nervensysteme spezialisiert hat.

Wie für jede ärztliche Disziplin muss auch für den Beruf des Neurologen zunächst das 6-jährige Medizinstudium absolviert werden. Nach dem Grundstudium dauert das Facharztstudium zum Neurologen weitere fünf Jahre, die als Assistenzarzt verbracht werden. Diese teilen sich auf in:

  • Arbeit in einer neurologischen Klinik
  • ein Jahr in der Psychiatrie oder Psychotherapie
  • sechs Monate in der Intensivmedizin

Fachärzte für Neurologie können in Krankenhäusern tätig sein, ebenso wie in Rehabilitationskliniken, in Facharztpraxen oder der medizinischen Forschung und Lehre.

Welche Krankheiten fallen in den Bereich eines Neurologen?

Die Zuständigkeit eines Neurologen umfasst eine Vielzahl von Erkrankungen. Diese können sowohl akute Erkrankungen und Verletzungen als auch chronische Leiden umfassen. Da das zentrale und das periphere Nervensystem weitreichende Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben, sind auch die Erkrankungen der genannten Strukturen häufig schwerwiegend. Zu den neurologischen Erkrankungen zählen beispielsweise:

  • Schädel-Hirn-Traumata: Verletzungen des Schädels mit Hirnbeteiligung, ausgelöst durch Gewalteinwirkungen auf den Kopf (bspw. Sturz, Schlag oder Aufprall). Diese Einwirkungen können zum Schädelbruch, Blutungen im Gehirn oder einer Hirnschwellung führen.
  • Borreliose: Hierbei handelt es sich um die sogenannte „Lyme-Borreliose“, eine durch Zeckenbiss übertragbare, ansteckende bakterielle Infektionskrankheit.
  • Cluster-Kopfschmerzen: Cluster-Kopfschmerzen sind starke einseitige Schmerzattacken, die häufig periodisch (also innerhalb einer gewissen Zeitspanne immer wieder) auftreten. Danach folgt eine schmerzfreie Phase.
  • Migräne: Migräne beschreibt halbseitige Kopfschmerzen, ebenfalls in periodischen Attacken auftretend. Sie kann von Reizstörungen, wie etwa visuellen Effekten, begleitet sein.
  • Schlaganfall: Darunter versteht man eine akute Durchblutungsstörung des Großhirns. Unbehandelt kann ein Schlaganfall tödlich sein, weitere Folgen eines Schlaganfalles sind möglicherweise Lähmungserscheinungen oder Sprach- und Sehstörungen.
  • Herpes Zoster: Herpes Zoster ist auch als ‚Gürtelrose‘ bekannt, es handelt sich dabei um eine Infektionskrankheit, die Haut und Nerven betrifft. Sie wird ausgelöst durch einen Virus aus der Gruppe der Herpes-Viren, welcher auch der Erreger der Windpocken ist.
  • Dystonie: Der Begriff Dystonie beschreibt eine neurologische Bewegungsstörung. Es kann beispielsweise zu unwillkürlichen Kontraktionen einzelner Muskelpartien kommen. Die Dystonie kann sowohl eigenständige Erkrankung als auch Symptom einer anderen Krankheit sein.
  • Schwindel: Schwindel ist ein Sammelbegriff für verschiedenen Symptome wie etwa das Gefühl, dass sich alles dreht, Übelkeit, Benommenheit, usw.
  • Menière-Schwindel: Hierbei handelt es sich um eine akut einsetzende Schwindel-Attacke, die meist etwa 30 Minuten anhält.
  • Multiple Sklerose (MS): Darunter versteht man eine chronisch entzündliche Erkrankung des ZNS. Sie ist degenerativ und es treten im Verlauf der Krankheit u. a. Lähmungserscheinungen der Muskeln auf.
  • Morbus Parkinson: Auch hierbei handelt es sich um eine degenerative Erkrankung des ZNS. Typische Symptome sind Zittern, Starre der Muskulatur und Bewegungsarmut.
  • Epilepsie: Die Epilepsie beschreibt eine vorrübergehende Funktionsstörung des Gehirns. Typischerweise treten sog. ‚epileptische Anfälle‘ auf.
  • Demenz: Die Demenz ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, in deren Verlauf das Denken, das Gedächtnis und andere Hirnleistungen nachlassen. Es gibt unterschiedliche Verlaufsformen, zu denen auch Alzheimer zählt.
  • Diabetische Polyneuropathie: Die diabetische Polyneuropathie ist eine Folgeerkrankung des Diabetes mellitus. Sie beschreibt die Schädigung und daraus resultierende funktionale Einschränkung peripherer Nerven.
  • Weitere Erkrankungen, die sich an den Muskeln bemerkbar machen, bspw. Myasthenia gravis.

Exkurs: Herpes Zoster – Gürtelrose

Der Erreger des Herpes Zoster ist das sog. ‚Varizella-Zoster-Virus‘, kurz VZV. In erster Linie ist es der Erreger der Windpocken. Der Erreger ist weit verbreitet, es besteht eine Durchseuchungsrate von 95 Prozent bei allen Erwachsenen. Die Ansteckungsgefahr ist ca. zwei Tage vor Auftreten des Ausschlages bis fünf Tage danach am höchsten. Die Ansteckung kann erfolgen durch:

  • eine Tröpfcheninfektion
  • engen körperlichen Kontakt mit infizierten Personen (über den Inhalt der 250–500 Windpocken-Bläschen, die mit Viren gefüllt sind)

Nach der Infektion (und in 95 Prozent der Fälle dem Ausbruch, Verlauf und Abklingen der Windpocken), lagert sich das Virus in den Nervenzellen der sensorischen Ganglien seitlich der Wirbelsäule an. Von dieser Position aus findet die Reaktivierung des Virus als Gürtelrose statt, indem die Viren entlang der sensorischen Nervenbahnen zur Haut wandern, wo sich dann die typisch gürtelförmige Erscheinung ergibt. Zumeist tritt der Ausschlag der Haut an Kopf oder Rumpf auf.

Die Leitsymptome einer Gürtelrose sind:

  • übermäßige Schmerzempfindlichkeit des entsprechenden Hautareals schon Tage vor Ausbruch der Krankheit
  • äußerst schmerzhafter Ausschlag, der zumeist von der Wirbelsäule ausgehend nach vorne auf die Brust oder zur Leistengegend zieht
  • Fieber

Um eine Gürtelrose zu diagnostizieren, werden (insbesondere zu Krankheitsbeginn) Abstriche der betroffenen Hautstellen gemacht, um andere Hauterkrankungen ausschließen zu können.

Die Erkrankung dauert in der Regel ein bis zwei Wochen an. In dieser Zeit verkrusten die Bläschen des Hautausschlags und heilen ab. Die Behandlung der Schmerzen ist wichtig, da diese ansonsten chronifizieren können. Dafür können Schmerzmittel wie etwa Ibuprofen oder Paracetamol eingesetzt werden.

Es existiert eine Impfung gegen den Varizella-Zoster-Virus, meist in Kombination mit der Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln. Diese Impfung erhalten Kinder in der Regel im zweiten Lebensjahr. Doch die Impfung gegen den Varizella-Zoster-Virus ist auch bei Personen sinnvoll, die bereits an den Windpocken erkrankt waren, da sie auch eine Reaktivierung des Virus’ als Gürtelrose verhindert. Sie kann auch angewendet werden, um den Verlauf der Gürtelrose abzumildern. Zudem können sog. ‚Virostatika‘ (also Medikamente, die die Vermehrung von Viren hemmen) eingesetzt werden.

Mehr Informationen zu Herpes Zoster finden Sie in diesem Video

Was genau ist die Gürtelrose und wie verläuft die Infektion mit dem Herpes-Zoster-Virus in der Regel? Viele Informationen über Herpes Zoster liefert Dr. Tobias Weigl in diesem Video.

Des Weiteren widmen wir uns in einem eigenen Artikel diesen „Nachwehen“ der Windpocken.

Weitere Informationen zum Thema Herpes-Viren, welche verschiedenen Formen es außer Herpes Zoster noch gibt, Informationen über die Verlaufsformen, die Diagnose und mögliche Behandlungen lesen Sie in diesem Artikel.

Haben Sie auch schon einmal einen Neurologen aufgesucht? Welche Art von Erkrankung wurde behandelt? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Beschwerden besser einzuschätzen.

Fakten-Box Neurologie

  • Neurologie bedeutet wörtlich: Die Lehre von den Nerven.
  • Der Neurologe als Facharzt befasst sich mit der Diagnose, Behandlung und Nachsorge von Erkrankungen des zentralen und des peripheren Nervensystems.
  • Angrenzende Gebiete sind die Neurochirurgie und die Psychiatrie.
  • Die Neurologie umfasst ein breites Spektrum an Erkrankungen.

Erkrankungen, die in das Fachgebiet eines Neurologen fallen, sind:

  • Kopfschmerz-Erkrankungen (wie Cluster-Kopfschmerzen und Migräne)
  • Gefäßerkrankungen des Gehirns (wie Schlaganfälle)
  • neurodegenerative Erkrankungen (wie Demenz oder Morbus Parkinson)
  • Erkrankungen des peripheren Nervensystems (wie die Polyneuropathie)
  • Muskelerkrankungen (wie Myasthenia gravis)
  • Infektionserkrankungen des Nervensystems (wie etwa die Meningitis)
  • Chronische Entzündungskrankheiten des Gehirns und Rückenmarks (wie die Multiple Sklerose)

Was tut der Neurologe? Die Diagnose

Auch zu Beginn einer neurologischen Untersuchung erfolgt in der Regel immer das sogenannte Anamnesegespräch, das Gespräch zwischen Arzt und Patient. Darin werden wichtige Informationen erfragt, indem wichtige erkrankungsrelevante Fragen gestellt werden, wie etwa:

  • Welche Beschwerden haben Sie? Wie würden Sie diese genau beschreiben?
  • Seit wann leiden Sie an diesen Beschwerden?
  • Hatten Sie schon einmal ähnliche Beschwerden? (Sind diese also wiederkehrend?)
  • Gibt es Vorerkrankungen?
  • Gibt es ähnliche Erkrankungen in Ihrer Familie?

Im Anschluss folgt die körperliche Untersuchung, die bei der neurologischen Diagnostik eine zentrale Rolle spielt. Dazu zählen folgende Untersuchungen:

Prüfung der Sensibilität

Zu Untersuchung der Sensibilität prüft der Neurologe das Berührungsempfinden (durch seitengleiches Bestreichen unterschiedlicher Körperpartien), die das Schmerz- und Temperaturempfinden, das Vibrationsempfinden (durch eine angeschlagene Stimmgabel, die auf einen knöchernen Fortsatz aufgesetzt wird und bei der der Patient angeben soll, ab wann er die Schwingungen nicht mehr spürt) sowie das Lageempfinden (indem beispielsweise der Daumen bewegt wird und der Patient bei geschlossenen Augen die Lageveränderung benennen soll).

Prüfung der Reflexe

Die Prüfung der Reflexe umfasst eine Vielzahl von Untersuchungen. Der Neurologe kann beispielsweise die Muskeleigenreflexe prüfen (beispielsweise der Achillessehnenreflex, indem mit dem Reflexhammer ein Schlag auf die Achillessehne ausgeführt wird, was eine reflexhafte Streckung des Fußes auslöst). Eine weitere Kategorie an Reflexen, die getestet werden können, sind die Fremdreflexe. Bei diesen liegt der Rezeptor nicht am gleichen Ort wie der Effektor (beispielsweise kann der Bauchhautreflex getestet werden, indem der Patient entspannt liegt und der Arzt mit einem Mundspatel o. Ä. auf beiden Seiten über die Haut fährt, was eine reflexhafte Kontraktion der Bauchmuskulatur auslösen sollte).

Prüfung des Stands und Gangs

Der Stand oder der Gang können bei Beeinträchtigung beispielsweise Hinweise auf eine Ataxie geben. Dazu wendet der Neurologe Techniken wie beispielsweise die Gangprüfung an, bei der der Patient einige Schritte im Zimmer läuft – erst vorwärts, dann rückwärts. Der Neurologe schaut dann, ob das Gangbild normal „flüssig“ ist. Zusätzlich können auch der „Seiltänzergang“ (zur Balanceprüfung) sowie der Zehenspitzengang überprüft werden.

Gut zu wissen!
Benannt nach dem Mitbegründer der Neurologie, dem Arzt Moritz Heinrich Romberg, ist der sog. ‚Romberg-Stehversuch‘ – ein bewährter Test zur Prüfung des Stands. Dabei soll sich der Patient mit dicht nebeneinanderstehenden Beinen und ausgestreckten Armen hinstellen und die Augen schließen. Verschlechtert sich die Koordination beim Schließen der Augen, ist das ein Hinweis auf eine Ataxie.

Beurteilung der Vigilanz

Zur Überprüfung der Wachheit, der sogenannten Vigilanz, wird der Neurologe vom Patienten Standardangaben erfragen, wie etwa seinen Vor- und Zunamen, den Geburtstag, das aktuelle Datum oder den Ort. Können diese Informationen nicht leicht abgefragt werden, ist die Vigilanz beeinträchtigt.

Prüfung der Koordination

Zur Überprüfung der Koordination kann der Neurologe beispielsweise den Finger-Nase-Versuch (bei dem der Patient mit geschlossenen Augen mit dem Finger seine Nasenspitze berühren soll) oder den Knie-Hacke-Versuch (bei dem der Patient mit der Hacke des einen Fußes am Schienbein des anderen Beines hinunterstreichen soll) durchführen. Liegt ein Tremor vor, wie etwa bei Morbus Parkinson, zittern die Extremitäten bei der Ausführung der Bewegungen.

Untersuchung der Hirnnerven

Es gibt zwölf Hirnnerven, die ein Neurologe untersuchen kann:

  • I. Nervus olfactorius (Geruchssinn): Dieser wird überprüft, indem ein aromatischer Stoff wie Kaffee zum Riechen angeboten wird.
  • II. Nervus opticus: Dieser kann durch das Lesen von Schrift in bestimmter Entfernung getestet werden, oder beispielsweise auch durch eine provozierte Pupillenreaktion mit Hilfe einer Untersuchungslampe.
  • III. Nervus oculomotorius (wird gemeinsam mit den Nerven IV und VI geprüft): Die Augenbewegung (sog. ‚Okulomotorik‘) wird überprüft, indem der Patient mit den Augen einem Finger folgen soll. Die Lidhebung wird indes getestet, indem der Patient die Augen abwechselnd öffnen und schließen soll.
  • IV. Nervus trochlearis (siehe III.)
  • V. Nervus trigeminus: Bei diesem Nerven kann beispielsweise die Sensibilität geprüft werden, indem drei unterschiedliche Gesichtsregionen bestrichen werden; eine Prüfung der Motorik (in diesem Falle der Kaumuskulatur) erfolgt, indem der Patient den Mund abwechselnd öffnet und schließt, während die Kaumuskeln befühlt werden.
  • VI. Nervus abducens (siehe III.)
  • VII. Nervus facialis: Eine Prüfung der Motorik (hier der mimischen Muskulatur) erfolgt, indem man den Patienten Gesichtsbewegungen wie Stirnrunzeln, Naserümpfen oder Backen-Aufblasen durchführen lässt. Die Prüfung der Geschmacksempfindung gehört auch zu diesem Nerven, hierbei werden süße, salzige und saure Geschmacksstoffe genutzt.
  • VIII. Nervus vestibulocochlearis (Gehörprüfung): Eine grobe Prüfung erfolgt beispielsweise durch das Aneinanderreiben zweier Finger vor dem äußeren Gehörgang.
  • IX. Nervus glossophyrangeus (wird gemeinsam mit Nerv X geprüft): Hier wird bspw. die Schluckmotorik geprüft, indem das Gaumenzäpfchen und das Gaumensegel inspiziert werden.
  • X. Nervus Vagus (siehe IX)
  • XI. Nervus accessorius: Hier erfolgt eine Prüfung der Motorik durch Schulterheben oder das Kopfdrehen gegen Widerstand.
  • XII. Nervus hypoglossus: Eine Prüfung der Motorik (hier der Zungenmuskulatur) erfolgt dadurch, dass man den Patienten die Zunge herausstrecken und die Zunge von innen in die Wange drücken lässt.

Prüfung von Nervendehnungszeichen

Hierbei liegt der Patient auf dem Rücken und der Untersucher beugt den Kopf des Patienten nach vorne. Ist das Beugen nicht oder nur eingeschränkt möglich, weil der Patient unter schmerzhafter Nackensteifigkeit leidet, ist das ein Hinweis auf eine Reizung der Hirnhäute durch Meningitis.

Prüfung von peripheren und zentralen Lähmungen

Hierbei schaut der Neurologe, ob der Patient Lähmungserscheinungen hat und wenn ja, wo diese vorkommen.

Prüfung neuropsychologischer Veränderungen

Im Fokus stehen hier Einschränkungen der kognitiven Leistung. Dazu zählen beispielsweise die Amnesie oder die Aphasie (reduzierte Sprachproduktion und/oder Sprachverständnis).

Exkurs: Neuropsychologische Veränderungen – Sprachstörungen

Zu den oben genannten neuropsychologischen Veränderungen gehört auch die Kategorie der Sprachstörungen. Dazu zählen beispielsweise auch die Aphasie und die Paraphasie, welche hier exemplarisch erläutert werden sollen.

Aphasie

Der Begriff Aphasie beschreibt die Unfähigkeit zu sprechen. Hierbei können sowohl das Sprachverständnis als auch die Sprachproduktion gestört sein. Es lassen sich verschiedene Arten von Aphasien unterschieden. Die vier häufigsten sind:

  • Broca-Aphasie: Diese Form wird auch motorische Aphasie genannt. Hierbei liegt die Schädigung des Hirns im sogenannten Broca-Areal, dem motorischen Sprachzentrum im Frontallappen. Bei dieser Form der Aphasie ist das Sprachverständnis meist intakt – der Patient kann also verstehen, was andere ihm sagen. Die eigene Sprachproduktion des Patienten ist jedoch beeinträchtigt, Patienten neigen unter anderem zu einem telegrammartigen Sprachstil und nicht-grammatikalischer Sprache.
  • Wernicke-Aphasie: Diese Form wird auch die sensorische Aphasie genannt. Hier liegt die Schädigung des Hirns im sogenannten Wernicke-Areal, dem sensorischen Sprachzentrum im Temporallappen des Gehirns. Patienten können fließend sprechen, der Inhalt der Sprache ist jedoch ohne sinnhaften Zusammenhang. Zudem treten häufig Neologismen (Wortneuschöpfungen) und Paraphasien (Wortverwechslungen oder Veränderungen) auf.
  • Globale Aphasie: Bei dieser Form der Aphasie sind das Broca- und das Wernicke-Areal sowie die Verbindung zwischen den beiden Bereichen (der sog. ‚Fasciculus arcuatus‘) betroffen. Hier sind sowohl das Sprachverständnis als auch die Sprachproduktion stark eingeschränkt.
  • Amnestische Aphasie: Bei der amnestischen Aphasie ist die Lokalisation des Schadens in der Regel nicht genau möglich. Das Sprachverständnis ist hier bei Patienten intakt, in der Sprachproduktion treten jedoch Wortfindungsstörungen auf, welche Betroffene dann durch Umschreiben zu umgehen versuchen.

Paraphasien

Paraphasien sind Wortverwechslungsstörungen. Es lassen sich zwei Arten unterscheiden:

  • Phonematische Paraphasien: Hierbei werden einzelne Laute eines Wortes vertauscht oder ersetzt, so kann etwa „Blume“ zu „Blule“ werden. Damit werden neue Wörter erschaffen, deren Lautfolge nicht existiert, die dem Ursprungswort aber zum Teil sehr ähnlich sein können.
  • Semantische Paraphasien: Hierbei verwechselt der Patient im Deutschen existierende Wörter miteinander. Bei der engen semantischen Paraphasie stammen diese zumeist aus derselben Wortgruppe (der Patient nennt etwa „Apfel“ statt „Birne“, beides sind Obstsorten; oder „Schwester“ statt „Tochter“). Bei entfernten semantischen Paraphasien können auch nicht-verwandte Wörter verwechselt werden (etwa „Keks“ statt „Auto“).

Diese beschriebenen Formen von Sprachstörungen können beispielsweise im Zuge von Erkrankungen wie Demenz oder in der Folge eines Schlaganfalles auftreten.

Zur weiterführenden Diagnostik kann der Neurologe auf weitere Untersuchungen zurückgreifen. Das können zum einen bildgebende Verfahren sein. Dazu zählen:

  • Sonographie (Ultraschall)
  • Röntgen
  • Computertomographie (CT)
  • Magnetresonanztomographie (MRT)

Zum Zwecke dieser Untersuchungen kann der Neurologe Sie auch an einen Radiologen überweisen. Der Radiologe als Facharzt ist auf die Durchführung solcher Diagnostikmittel spezialisiert. Im Anschluss an die Untersuchung wird er Ihre Befundung direkt an Ihren Neurologen übermitteln.

Ein weiteres Verfahren, das Neurologen einsetzen, ist die sogenannte Elektroenzephalographie, kurz EEG. Hierbei werden Elektroden auf der Kopfhaut des Patienten platziert, mit Hilfe derer Gehirnströme erfasst werden. Eventuelle Schwankungen können in den hierbei aufgezeichneten Stromkurven erkannt werden.

Zudem können auch Labortests, also Untersuchungen von beispielsweise Blut, Urin oder Hirnwasser, zur Diagnostik beitragen.

Was tut der Neurologe? Die Behandlung

Die Behandlungsstrategien des Neurologen richten sich selbstverständlich nach den jeweiligen Grunderkrankungen. Da diese von sehr unterschiedlicher Natur sind, kann auch die Therapie stark variieren. Allgemein kann man jedoch sagen, dass der Neurologe zwei Möglichkeiten hat, nämlich konservative sowie operative Behandlungsansätze.

Die konservative Behandlung einer Erkrankung umfasst die Behandlung des Krankheitszustandes mit medikamentösen Mitteln und auch physikalischen Maßnahmen. Bei der Multiplen Sklerose gibt es bspw. Medikamente, die die Patienten einnehmen können, um Symptome abzuschwächen oder auch Immunsuppressiva, um das Voranschreiten der Krankheit entgegenzuwirken. Zu den physikalischen Maßnahmen zählt beispielsweise die Physiotherapie. Diese kann sowohl nach Hirnschädigungen in Folge eines Unfalles oder eines Schlaganfalls, aber auch bei degenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson (typische Medikamente beim Morbus Parkinson finden Sie in diesem Artikel) vom Neurologen verschrieben werden.

Operative Verfahren kommen dann zum Einsatz, wenn durch die konservativen Verfahren keine Verbesserung der Krankheit erzielt werden kann oder eine Notfallsituation vorliegt. Einen Notfall stellt beispielsweise ein akuter Schlaganfall dar. Die Durchführung einer solchen Operationen fällt dann in das Aufgabengebiet eines Neurochirurgen.

Häufige Patientenfragen

Kann ich bei Beschwerden direkt zum Neurologen gehen, oder brauche ich eine Überweisung vom Hausarzt?

Dr. T. Weigl:
Nein, Sie brauchen nicht zwingend eine Überweisung. Manche Neurologen haben eine Notfallsprechstunde, die Patienten mit akuten Beschwerden (Beschwerden, die in den vergangenen Wochen aufgetreten sind oder beispielsweise ein Schlaganfall o. Ä.) aufsuchen können. Einen regulären Termin bei einem Neurologen zu bekommen, kann eine längere Wartezeit (über einen Monat) in Anspruch nehmen. Sind die Beschwerden unspezifisch (können Sie sie also nicht einer schon bekannten Erkrankung zuordnen) und nicht akut gefährdend, so ist zunächst der Weg zum Hausarzt sinnvoll. Dieser wird Ihre Beschwerden professionell einschätzen können und Sie bei Bedarf zum richtigen Facharzt überweisen.

In letzter Zeit zittern meine Hände häufiger – kann es sein, dass ich an Morbus Parkinson erkrankt bin?

Dr. T. Weigl:
Das Zittern wird, wenn es wiederholt auftritt, auch als ‚Tremor‘ bezeichnet. Davon können verschiedene Körperpartien betroffen sein, beispielsweise Hände, Körper, Kopf oder auch Stimme. Es gibt auch verschiedene Arten eines Tremors, wie etwa ein Ruhetremor (Zittern, während die Muskeln nicht aktiv bewegt werden) oder der Aktionstremor (Zittern, welches während einer aktiven Bewegung auftritt).
Ein Tremor kann das Symptom einer Reihe von Erkrankungen sein. Dazu zählen etwa die Erkrankungen Morbus Parkinson (eine Erkrankung des zentralen Nervensystems), die Hyperthyreose (eine Überfunktion der Schilddrüse) oder auch Multiple Sklerose (ebenfalls eine Erkrankung des zentralen Nervensystems). Haben Sie ein wiederkehrendes Zittern, also einen Tremor, so lohnt sich der Weg zum Arzt durchaus, um mögliche Ursachen abzuklären.

Ein Zittern muss jedoch nicht zwangsläufig das Symptom einer Krankheit sein. Manchmal reagiert unser Körper einfach auf äußere Umstände, wie etwa Kälte. Auch körperlich anstrengende Situation, beispielsweise das Tragen eines schweren Gegenstandes, können Zittern verursachen. Außerdem gibt es noch andere innerliche Auslöser. Dazu zählen Angst, Erregung, Freude und auch Stress, welcher als Auslöser nicht immer so leicht zu identifizieren ist.

Mehr zum Zittern, wie es entsteht, welche Ursachen es genau haben kann, bei welchen Krankheiten es als Symptom auftritt, wie es diagnostiziert und behandelt wird, lesen Sie in diesem Artikel.

Der Neurologe hat Friedrich zunächst ein paar allgemeine Fragen nach seinem Namen, Geburtstag, usw. sowie seinen Beschwerden gestellt. Da seine Frau dabei war, hat er auch sie direkt gefragt, was für Veränderungen ihr wann aufgefallen waren. Danach hat er Friedrich körperlich untersucht und seine Reflexe getestet. Er hat ihn informiert, dass er Symptome zeigt, die auf die Erkrankung Morbus Parkinson schließen lassen könnten. Doch um andere Erkrankungen auszuschließen, sollen noch weitere Tests gemacht werden, beispielsweise eine Aufnahme seines Kopfes mit Hilfe einer Magnetresonanztomographie. Friedrich ist ob der Möglichkeit, an Parkinson erkrankt zu sein, verunsichert. Deshalb ist er froh, dass er Anne an seiner Seite hat.

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Autoren: Dr. Tobias Weigl, Sarah Sodke
Redaktion: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 08.05.2019, zuletzt aktualisiert: 13.05.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Henri Agut, Pascale Bonnafous, Agnès Gautheret-Dejean (2015): Laboratory and Clinical Aspects of Human Herpesvirus 6 Infections. In: Clinical Microbiology Reviews 28 (2), S. 313–335.
  • Banaure u. a. (2007): Innere Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Jean-Louis Dumas (2015): Physiotherapie – nicht-medikamentös gegen Arthrose. In: arthrose-journal.de.
  • Herold u. a. (2012): Innere Medizin. Eigenverlag.
  • Karnath u. a.(2005): Kognitive Neurologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Masuhr, Neumann (2007): Duale Reihe Neurologie, 6. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Susanne Modrow, Dietrich Falke, Uwe Truyen u. a. (2010): Molekulare Virologie, 3. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
  • Mumenthaler, Mattle (2008): Neurologie. 12. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Ruchholtz und Wirtz (2013): Orthopädie und Unfallchirurgie, 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
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