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Rote Flecken an den Beinen – Ursachen und Maßnahmen

Die Ursachen für rote Flecken an den Beinen sind vielfältig. Häufig deuten diese auf venöse Problematiken hin.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Hautirritationen sind ein Zeichen dafür, dass etwas mit unserem größten Organ nicht stimmt. Rote Flecken, die an den unteren Extremitäten auftauchen, können unterschiedliche Ursachen haben. Neben allergischen Reaktionen deuten rote Flecken auch auf Funktionsstörungen der Blutgefäße, genauer den Venen, hin. Dies kann Gefäßentzündungen, Krampfadern oder eine chronisch-venöse Insuffizienz zur Folge haben. Die Behandlung der roten Flecken ist symptomatisch und hängt von der diagnostizierten Erkrankung ab. Sowohl eine medikamentöse Behandlung als auch Therapieansätze sind hilfreich. Nur in einigen Fällen ist eine Operation sinnvoll und möglich.

„Omi, wieso hast du denn so rote Flecken am Bein?“, wundert sich die kleine Lena. Es ist ein warmer Samstagnachmittag und die 7-Jährige sieht ihrer Großmutter beim Unkrautjäten zu. Die Angesprochene hatte sich wegen des Wetters Bermudashorts angezogen. Tatsächlich zieren ihre schlanken Beine rötliche Verästelungen, einige Stellen sind aufgekratzt. Waltraud seufzt: „Lena, das sind Krampfadern. Die hatte meine Mutter auch schon.“ Lena scheint nachzudenken: „Die sehen schmerzhaft aus.“ Sie nimmt ein Glas Wasser und bringt es ihrer Großmutter. Diese bedankt sich und nimmt ihr das Behältnis ab: „Sie jucken vor allem. Manchmal habe ich Wadenkrämpfe und meine Beine fühlen sich schwer an.“

Grundlage: Die Haut und ihre Funktionsweise

Es gibt verschiedene Ursachen, die Josefines Symptome erklären. Um zu verstehen, wie Ausschläge entstehen, steht zunächst die Funktionsweise unserer Haut im Vordergrund.
Die Haut (sog. ‚Cutis‘) ist das größte menschliche Organ und kann bis zu 2,5 m2 groß sein. Sie besteht aus drei Schichten: die Epidermis, welche die oberste Schicht bildet, die Dermis sowie die Subkutis. Die Epidermis ist uns sichtbar und besteht aus hornbildenden Zellen (sog. ‚Keratinozyten‘), welche sich immer wieder neu bilden. Darüber hinaus entstehen in dieser Hautschicht auch Farbpigmente (sog. ‚Melanozyten‘), welche für die braune Färbung der Haut bei Sonneneinstrahlung verantwortlich sind. Die Dermis ist ungleich dicker als die Epidermis und besteht aus zapfenartigen Strukturen (sog. ‚Papillen‘). Ihre Aufgabe ist es, für Elastizität und Reißfestigkeit zu sorgen. Der Feuchtigkeitsgehalt der Haut wird ebenfalls in der Dermis bestimmt. Dort enthaltene Kollagenfasern können Wasser binden. Die dritte und unterste Hautschicht, die Subkutis, fungiert als Polster. Das dafür zuständige Bindegewebe wird durch Fettschichten (sog. ‚subkutanes Fettgewebe‘) unterbrochen, welche durch Faktoren wie Ernährung und Umwelt individuell geformt werden. Diese verleihen die uns eigene Körperform.
Weitere Komponenten vervollständigen den Komplex Haut:

  • Säuremantel (sog. ‚Hydrolipidmantel‘): Dieser liegt über der Epidermis, unterliegt einer ständigen Erneuerung und besteht aus Wasser, verschiedenen Salzen, Hautfetten und Talgdrüsensekret. Deren Aufgabe besteht darin, vor externen Einflüssen wie Krankheitserregern oder Witterungsbedingen zu schützen.
  • Hautdrüsen: In den Hautschichten befinden sich verschiedene Drüsen. Zu dieser Gruppe zählen die sogenannten Talgdrüsen (sog. ‚Glandula sebacea‘). Sie sorgen dafür, dass unsere Haut geschmeidig ist. Der für diese Zwecke produzierte Talg besteht aus Fett, Eiweiß, Cholesterin und Elektrolyten. Dazu kommen auch Schweißdrüsen, welche innerhalb von 24 Stunden bis zu 1 Liter Schweiß aussondern. Dieser erzeugt Verdunstungskälte und dient so der Wärmeregulation. Sind wir im Stress oder haben Angst oder haben hohes Fieber, kommt es zu einer gesteigerten Schweißproduktion. Duftdrüsen sondern einen Duft ab, welcher prägend für den Schweiß ist. Darüber hinaus ist dieser essentiell für die Hautflora und den individuellen Körpergeruch.
  • Haare: Haare bestehen aus Keratin, welches von Hautzetteln gebildet wird. Sie haben vor allem drei Funktionen: Hautschutz, Wärmedämmung und eine soziale Funktion. Es gibt verschiedene Hautarten, die von Faktoren wie dem Alter abhängig sind: dünne, lange Lanugohaare, kurze, helle Vellushaare und lange, dunklere Terminalhaare. Sie sind genetisch determiniert. Haare wachsen phasenweise.
  • Nägel: Auch Nägel bestehen aus Keratin. Sie wachsen kontinuierlich. Sie dienen als Hilfsmittel zum Greifen und Fixieren und haben zusätzlich eine mechanische Schutzfunktion.

Funktionen der Haut

Wie der Blick in die drei Schichten gezeigt hat, hat die Haut verschiedene Aufgaben, die über den Schutz vor Witterung wie Kälte und Nässe sowie Schutz vor Schädlingen hinausgehen. Die Aufgaben umfassen vor allem:

  • Wärmeregulierung
  • Stoffaustausch
  • Sinneswahrnehmung
  • Immunorgan
  • Schmerzempfindung
  • Temperaturempfindung

Das Symptom: Woher kommen rote Flecken?

Wie bereits festgestellt, fungiert unsere Haut als Schutzmembran. Sie reagiert als Immunorgan genauso auf externe wie interne Reize. Die Ursachen von roten Flecken können mannigfaltig sein und unter anderem in den Folgenden bestehen:

  • Allergische Reaktion, beispielsweise bei Kosmetika oder einem Insektenstich
  • Venöse Insuffizienz
  • Vaskulitis
  • Krampfadern
  • Venenthrombose

Allergische Reaktionen

Der Begriff Allergie stammt aus dem Griechischen und lässt sich mit „die Fremdreaktion“ übersetzen. Er bezeichnet eine Überreaktion des Körpers auf eine bestimmte Substanz. Nach einer Sensibilisierung kommt es zu dieser Überreaktion. Sie wird ausgelöst durch den Kontakt mit der Substanz und äußert sich in Symptomen wie Rötungen und roten Flecken, Juckreizund Ödemen. Bei letzteren handelt es sich um Schwellungen mit flüssigen Einlagerungen. Schwere Allergien können jedoch die Schleimhäute, die Lunge sowie allergische Schocks miteinbinden. Mediziner unterscheiden verschiedene Arten der Allergien:

  • Soforttyp/Typ I: Die allergische Reaktion tritt unmittelbar nach dem Kontakt mit der Substanz ein.
  • Zytoxischer Typ/Typ II: Die allergische Reaktion tritt erst sechs bis zwölf Stunden nach dem Kontakt mit der Substanz ein.
  • Immunkomplex-Typ/Typ III: Die allergische Reaktion tritt erst sechs bis zwölf Stunden nach dem Kontakt mit der Substanz ein.
  • Spättyp/Typ IV: Es kommt zu einem deutlich zeitlich verzögerten Auftreten von Symptomen.

Es gibt unterschiedliche Substanzen, die diese Überreaktion des Körpers auslösen können. Dazu gehören, auch im Kontext von Beinen, auch Insektenstiche. Das Gift, das dadurch in den Körper gelangt, führt zu einer Entzündungsreaktion. Diese manifestiert sich zumeist in Form von Rötungen, unterscheidet sich aber abhängig von dem stechenden Tier. Mehr Informationen finden Sie im Artikel „Entzündung durch Insektenstich: Was tun?“.

Gut zu wissen!
Die hier genannten Ursachen wie Allergien können selbstverständlich auch Säuglinge und Kinder betreffen. Daneben gehen bekannte Kinderkrankheuten wie Windpocken mit roten Flecken einher, die sich allerdings nicht nur auf die Extremitäten beschränken. Weitere Informationen zu diesen finden Sie im Artikel „Hautausschlag bei Babys“.

Krampfadern

Als Krampfadern (sog. ‚Varikosis‘) bezeichnet der Mediziner rötlich-blaue, netzartig verästelte Venen sowie Knoten und Stränge (sog. ‚Varizen‘) am Bein. Diese bilden für viele Betroffene zunächst ein vor allem ästhetisches Problem. Die Ursache für die Verästelungen am Bein ist die Erweiterung und Aussackung der oberflächlich unter der Epidermis liegenden Venen. Diese bilden dann die für uns sichtbaren Knäuel und Stränge. Unterschieden wird die Erkrankung in zwei Stadien: Im Rahmen der Primären Varikosis kommt es zu einer Insuffizienz der Venen. Die in den Beinvenen vorhandenen Verschlussklappen, die das Abfließen des Blutes verhindern sollen, funktionieren nicht richtig. Genetische Prädisposition, also familiäre Veranlagung, ist verantwortlich für diese Störung. Im Rahmen der Sekundären Varikosis sind auch tieferliegende Venen betroffen und bilden ebenfalls Krampfadern aus. Neben den Genen gibt es weitere Risikofaktoren für eine Varikosis:

  • Weibliches Geschlecht
  • Familiäre Vorbelastung
  • Schwangerschaft
  • Langes Stehen und Sitzen, beispielsweise auf der Arbeit
  • Übergewicht

Hinsichtlich der Symptome unterscheiden Mediziner die vier Grade nach Marshall:

  • Grad 1: keine Komplikationen und asymptomatische Varizen
  • Grad 2: Varizen einhergehend mit unter anderem Juckreiz, einem Schwere- wie auch Spannungsgefühl, einer leichten Schwellneigung, Wadenkrämpfe und Schmerzen
  • Grad 3: Varizen mit stärker ausgeprägten Begleitsymptomen wie in Grad 2, dazu allerdings mit Komplikationen wie Hautirritationen, bspw. Ekzeme und Pigmentierungen oder Unterschenkelgeschwüre (sog. ‚Ulcus cruris‘)
  • Grad 4: Symptomatische Varizen wie bei Grad 3 sowie Komplikationen in Form ein deutlich ausgeprägter (sog. ‚floriden‘) Unterschenkelgeschwüre

Die angeführten Symptome bessern sich, wenn Sie Ihre Beine hochlagern. Die Beschwerden nehmen allerdings bei Hitze zu!

Gut zu wissen!
Eine Varikosis kann neben der bereits beschriebenen Weisen auch in weiteren Formen auftauchen. Diese unterscheiden sich aufgrund ihrer unterschiedlich aussehenden Varizen in:

  • Stammvarikosis: Die Varizen treten an einer der größeren Venen an den Beinen auf, an der Vena saphena magna sowie der Vena spahena parva.
  • Perforansvarizen: Dieser Begriff bezeichnet die Varizen, die zwischen den oberflächlichen und den tief liegenden Venen liegen.
  • Retikuläre Varizen: Dieses Venengeflecht hat einen Durchmesser von 2 bis 4 mm und ist netzartig aufgebaut. Solch eine Varize befindet sich an der Außenseite des Beins.
  • Besenreiservarizen: Diese sind ähnlich aufgebaut wie retikuläre Varizen und bilden sich an den kleinsten Venen aus. Diese haben häufig einen Durchmesser von weniger als 1 mm. Besenreiservarizen befinden sich zumeist auf der Rückseite des Oberschenkels.

Exkurs: Venen
Venen sind Teil des Blutkreislaufs des Körpers. Dieser lässt sich in zwei Unterarten einteilen: das Hochdrucksystem, das von den Arterien getragen wird sowie das Niedrigdrucksystem. Letzteres besteht vor allem aus Venen. Die Unterscheidung ergibt sich aus den verschiedenen Funktionsweisen der Aufrechterhaltung des Kreislaufs und dem einhergehenden Druck. Anatomisch unterscheiden Mediziner neben dem Hoch- und Niedrigdrucksystem zusätzlich zwischen dem großen und dem kleinen Kreislauf. Der erste Kreislauf, der auch Körperkreislauf genannt wird, versorgt unter anderem die Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen. Darüber hinaus werden darüber Abfallstoffe wie CO2 abtransportiert. Der kleine Blutkreislauf versorgt die Lunge und dient ebenfalls dem Gasaustausch.
Venen sind im großen Kreislauf verankert und transportieren vor allem sauerstoffarmes Blut. Darüber hinaus dient das körpereigene Venensystem auch der Blutspeicherung und der Regulation der Körpertemperatur (sog. ‚Thermoregulation‘). Venen werden von Medizinern hinsichtlich ihres Versorgungsgebiets, ihrer Lage und der Größe klassifiziert. Zu den bekanntesten gehören:

  • Oberflächliche Venen (sog. ‚Venae superficiales‘): Gefäße, die oberhalb der Körperfaszien liegen
  • Tiefe Venen (sog. ‚Venae profundae‘): Gefäße, die unterhalb der Faszien liegen
  • Periphere Venen: Gefäße, die entfernt vom Herzen liegen
  • Zentrale Venen: Gefäße, die nahe am Herzen liegen
  • Hirnvenen (sog. ‚Venae cerebri‘)
  • Armvenen (sog. ‚Venae membri superioris‘)
  • Beinvenen (sog. ‚Venae membri inferiosis‘)

Venen liegen häufig parallel zu den Arterien. Haut- und Hirnvenen bilden dahingehend jedoch Ausnahmen. Beinvenen liegen entweder über oder unter den Faszien. Eine Vene selbst besteht in der Regel aus der Venenwand, welche sich aus Kollagen und Muskulatur zusammensetzt. Aufgrund des höheren Drucks, der benötigt wird, um das Blut nach oben fließen zu lassen, sind Beinvenen stärker mit Muskeln ausgestattet. Darüber hinaus besitzen sie Venenklappen, die den Rückfluss des Bluts verhindern sollen.

Chronisch-venöse Insuffizienz (CVI)

Eine chronisch-venöse Insuffizienz kann eine direkte Folge von Krampfadern sein. Eine CVI beschreibt die klinischen Komplikationen einer Varikosis. Dadurch, dass die Venenklappen nicht richtig schließen, steigt der Druck in dem betroffenen Gefäß. Diese Drucksteigerung hat zur Folge, dass es zu Veränderungen des Hautbildes und des Venensystems kommt. Zu den gängigen Symptomen gehört die Bildung von Ödemen. Ärzte unterscheiden dahingehend drei Stadien.

  • Stadium I: Bildung von Ödemen, die wieder verschwinden können (sog. ‚reversibel‘)
  • Stadium II: Dauerhafte Ödeme, Hautirritationen wie die Bildung von weißen, münzgroßen Atrophien (sog. ‚Atrophie blanche‘), braun-gelblich schimmernde Pigmentierungen (sog. ‚Purpura jaune d’ocre‘), Stauungsekzeme und eine Verschwielung der Varizen (sog. ‚Dermatoliposklerose‘)
  • Stadium III: Ulcus cruris

Sowohl Krampfadern als auch eine tiefe Venenthrombose können in eine CVI übergehen.

Vaskulitis

Dieser Begriff bezeichnet eine Gruppe von Autoimmunerkrankungen, welche die Blutgefäße betreffen. Die griechische Endung ‚-itis‘, welche für „Entzündung“ steht, deutet bereits auf die eigentliche Erkrankung: Die Blutgefäße entzünden sich, was zu einer Schädigung der Organe führt, die von den Gefäßen versorgt werden. Mediziner unterscheiden eine Vaskulitis hinsichtlich ihrer Lokalisation. So können sowohl große Gefäße, bspw. die Aorta, als auch mittelgroße und kleine Gefäße betroffen sein. Je nach Art der Vaskulitis treten unterschiedliche Leitsymptome auf. In vielen Fällen kommt es jedoch zu Hautirritationen. Hinzu kommen Symptome am betroffenen Organ, dessen Versorgung nicht mehr gewährleistet wird. Im Falle einer Entzündung an den Beinvenen treten folgende Symptome gehäuft auf:

  • Rote Punkte und Flecken
  • Taubheitsgefühl an den Beinen
  • Gewichtsverlust
  • Blut im Urin
  • Allgemeines Unwohlsein
  • Schnupfen
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Verschlechtertes Sehvermögen

Venenthrombose

Eine Thrombose bezeichnet ein Blutgerinnsel, das dafür verantwortlich ist, dass sich die betroffenen Venen verengen oder gar vollständig schließen. Eine beschädigte Gefäßwand, Veränderungen des Blutflusses oder andere Veränderungen sind ursächlich für eine Venenthrombose. Drei Symptome gelten als typische Beschwerden:

  • Schwellung
  • Dumpfer Schmerz
  • Blaufärbung des betroffenen Beines (sog. ‚Zyanose‘)

Als Komplikation kann zusätzlich eine Lungenembolie auftreten. Es gibt mehrere Ursachen für eine Venenthrombose. Dazu gehören:

  • Eingeschränkte oder mangelnde Bewegung (sog. ‚Immobilisation‘)
  • Vorerkrankungen
  • Übergewicht
  • Vorangeschrittenes Alter (ab dem 60. Lebensjahr)
  • Krebsleiden
  • Schwangerschaft und Wochenbett
  • Erhöhte Zahl von Thrombozyten – diese fördern die Blutgerinnung

Eine Venenthrombose kann zur Ausbildung einer chronisch-venösen Insuffizienz führen.

Achtung!
Langes Sitzen und Stehen sind belastend für unsere Venen. Besonders kritisch wird es im Rahmen von Fortbewegungsmitteln. So warnt der ADAC vor langen Autofahrten ohne Pausen mit ausgiebigem Spaziergang; zu hoch ist das Thromboserisiko. Eine weitere Risikogruppe sind Flugreisende: Im Rahmen des Touristenklasse-Syndroms kommt es zu Durchblutungsstörungen – Gründe hierfür sind die eingeschränkte Beinfreiheit, langes und oftmals falsches Sitzen und das Abknicken der in den Kniekehlen laufenden Gefäße. Sie können einer Durchblutungsstörung auf langen Flügen und Reisen vorbeugen. Zu den dafür geeigneten Maßnahmen gehören:

  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr, damit das Blut flüssiger ist, um Gerinnung vorzubeugen (kein Kaffee und kein Alkohol!),
  • leichte Kost während der Reise sowie
  • Stütz- und Kompressionsstrümpfe.

 

Exkurs: Das Blut
Das Blut ist eine der Körperflüssigkeiten, die alle Organe miteinander verbindet. Dadurch wird der Austausch von Nährstoffen und Hormonen gewährleistet. Blut erfüllt gleich mehrere Funktionen:

  • Transportweg
  • Blutstillung und -gerinnung (sog. ‚Hämostase‘)
  • Immunabwehr
  • Regulation des Säure-Basen-Haushaltes

Die rote Flüssigkeit besteht aus einzelnen Bestandteilen, die wiederum ihre eigenen Aufgaben erfüllen.

  • Erythrozyten: Die roten Blutkörperchen dienen dem Transport von Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid sowie der Regulation des pH-Wertes.
  • Leukozyten: Die weißen Blutkörperchen bilden die körpereigene Immunabwehr.
  • Thrombozyten: Die Blutplättchen haben die Blutstillung zur Aufgabe.

Neben den zellulären Bestandteilen befindet sich im Blut noch das sogenannte Blutplasma, welches zu großen Teilen aus Wasser sowie Proteinen und Ionen besteht. Das Blutplasma ist für den Aggregatzustand verantwortlich, unterstützt darüber hinaus auch den Transport von Substanzen sowie die Blutgerinnung.

Weitere Informationen zum Thema Blut und dessen Aufgaben finden Sie in unserem Artikel „Blut – Aufgaben & Funktion von Blut“. In seinem Video erklärt Dr. Tobias Weigl überdies die wichtigsten Informationen zum Thema Blut im Detail!

Wer ist betroffen?

Von den genannten Ursachen von geröteter Haut können alle Altersgruppen und jedes Geschlecht betroffen sein. Jedoch zeigen die Statistiken, dass vor allem Frauen von venösen Erkrankungen wie CVI oder Krampfadern betroffen sind. Im Falle einer Varikosis sind Frauen drei Mal so häufig betroffen wie Männer. Die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung steigt zudem mit einem erhöhten Alter. Von einer Allergie oder einer allergischen Reaktion auf Substanzen wie Nahrung, Kosmetika o. Ä. sind auch jüngere Menschen betroffen.
Vor allem in Bezug auf venöse Erkrankungen spielen Faktoren wie das Gewicht, Bewegung und genetische Prädisposition eine entscheidende Rolle. Mehr Informationen dazu finden Sie im Unterkapitel „Symptome“ dieses Artikels.

Sind auch bei Ihnen rote Flecken an den Beinen aufgetaucht? Welche der folgenden Ursachen hat Ihr behandelnder Arzt bei Ihnen diagnostiziert? (Mehrfachnennungen möglich)
 

Gut zu wissen!
Wie bereits beschrieben, sind rote Flecken auch eine körpereigene Reaktion auf Substanzen, die vom Körper als schädlich betrachtet werden. Ersichtlich wird dies vor allem im Zusammenhang mit Kosmetik – wenn Ihre Haut nach dem Duschen rote Punkte aufweist, ist dies ein Zeichen dafür, dass Sie das verwendete Duschgel nicht vertragen. Vor allem Parfüm- und Konservierungsstoffe können Ausschläge nach sich ziehen. Aber auch zu heißes Wasser führt zu Hautirritationen. Ebenfalls schädigend wirkt Rasieren unter der Dusche. Rote Flecken entstehen aufgrund der Hautreizung durch den Rasierer.
Sie können Ihre Haut mit wasserhaltigen Lotionen behandeln. Diese sollen beruhigend wirken, was wiederum zum Rückgang der Hautirritation führen soll.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Ist die Ursache für Ihre roten Flecken nicht ersichtlich, sollten Sie Ihren behandelnden Hausarzt zu Rate ziehen. Dieser wird zunächst ein Patientengespräch (sog. ‚Anamnesegespräch‘) mit Ihnen führen. Haben Sie diese Flecken schon länger oder öfter? Haben Sie Unverträglichkeiten oder Allergien? Gibt es in der Familiengeschichte Auffälligkeiten oder Vorerkrankungen?
Besteht der Verdacht auf eine Allergie, so gibt es eine Reihe von Testmöglichkeiten, um diese zu ermitteln:

  • Reibetest: In Frage kommende Substanzen werden auf Ihre
  • Unterarminnenseite innerhalb eines eingegrenzten Bereichs verrieben.

  • Pricktest: Die mögliche allergische Substanz wird neben weiteren negativen Substanzen getestet. Dazu trägt Ihr Arzt diese Stoffe auf Ihre Haut auf und sticht leicht mit einer Lanzette in das Areal.
  • Scratchtest: Dieses Verfahren funktioniert so ähnlich wie der Pricktest. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Ihr Arzt Ihnen in einer Länge von 1 cm in die Haut ritzt und eine Extraktlösung mit dem möglichen Allergen aufträgt.

Nach circa 20 Minuten folgt nach jedem dieser Tests die Ablese: Rötet sich Ihre Haut bzw. bildet diese Quaddeln, so ist von einer Allergie auszugehen.
Besteht der Verdacht auf eine venöse Erkrankung, so wendet Ihr Arzt verschiedene Diagnosemethoden an. Zunächst schaut er sich die Stellen an und ertastet die möglichen Varizen (sog. ‚Palpation‘). Weiterhin wird im Rahmen von klinischen Untersuchungen die Funktion der Venen überprüft. Zu den dafür üblichen Überprüfungsmethoden gehören der Trendelenberg-Test und der Perthes-Test. Beide dienen der Überprüfung der Venenklappen hinsichtlich der Funktionalität. Letzte Gewissheit gibt nach heutigen Standards eine Duplex-Sonographie. Durch die Kombination eines Ultraschallbildes mit farbigen Bildern des Blutes und der Gefäße können die Durchgängigkeit und Funktion sowohl tiefliegender als auch oberflächlicher Venen überprüft werden. Eine alternative Methode ist eine Phlebographie, die mit Strahlung arbeitet. Aufgrund der damit einhergehenden Belastungen für das Körpergewebe greifen Ärzte nur im Falle des Verdachts einer tiefen Venenthrombose darauf zurück.

Fakten-Box
Rote Flecken
Venöse Erkrankungen: Verhältnis Frauen zu Männer liegt bei bis zu 3 : 1
Steigendes Alter (außer Allergien) erhöht Risiko

Symptome

  • Rote Flecken
  • Leitsymptome hängen von der spezifischen Erkrankung zusammen (im Kapitel „Symptome“ einsehbar)

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Die eigentliche Behandlung hängt von der gestellten Diagnose ab. Allen therapeutischen Ansätzen gemein ist aber eine zunächst symptomatische Behandlung.
Das Ziel im Falle der venösen Erkrankungen ist es, die eingeschränkte Funktion der Gefäße wiederherzustellen. Im Falle einer chronifizierten Erkrankung versucht Ihr Arzt zudem, sicherzustellen, dass sich die Situation nicht verschlechtert. Dafür bietet sich eine multimodale Therapie an, also eine Therapie, die aus verschiedenen Komponenten besteht. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Beschwerden infolge einer venösen Erkrankung zu lindern. So können Kompressionsstrümpfe den nötigen Druck auf die schlechter arbeitenden Venen ausüben, damit das Blut fließen kann. Weitere Hilfsmittel sind zudem Kurzzugbinden und Mehrkomponentensysteme. Diese sind sowohl für eine akute wie auch eine längerfristige Therapie geeignet.

Gut zu wissen!
Auch Sie können aktiv werden! Versuchen Sie, Ihren Alltag neu zu strukturieren und langes Sitzen und Stehen zu vermeiden. Auch akuten Beschwerden können Sie selbst begegnen: Sowohl kaltes Duschen als auch Wassertreten in kaltem Wasser helfen bei der besseren Durchblutung.

Diese Maßnahmen können mit verschiedenen Therapien kombiniert werden:

  • Atemtherapie
  • Bewegungstherapie
  • Physikalische Entstauungstherapie
  • Manuelle Lymphdrainage
  • Phytotherapie

Für Patienten einer Primären Varikosis steht darüber hinaus die Möglichkeit einer Operation zur Verfügung. Im Falle von Komplikationen, symptomatischer Varizen oder aus ästhetischen Gründen können dann betroffene Gefäße entfernt werden. Zu diesem Zwecke hat die Medizin zwei Operationsmöglichkeiten entwickelt:

  • Venen-Stripping: Im Rahmen dieser Technik entfernt der Arzt den betroffenen Teil des Gefäßes mit einer dafür entwickelten Spezialsonde.
  • Crossektomie: Ihr behandelnder Arzt wird zunächst einen Schnitt an Leiste oder Kniekehle machen. Darüber kann dann die Einmündung der größten oberflächlichen Vene (sog. ‚Crosse‘) herausgeschnitten werden.

Allergische Reaktionen werden zunächst symptomatisch behandelt. Hierfür eignen sich eine Reihe von Wirkstoffen wie Glucocorticoide (bspw. Cortison), welche die allergische, entzündliche Reaktion bekämpfen. Auch Antihistaminika (z. B. Promethazin) können zweckdienlich sein.

Exkurs: Antihistaminika
Unter dem Begriff der Antihistaminika fassen Mediziner Substanzen zusammen, welche der Linderung von allergischen Reaktionen dienen. Unterschieden wird zwischen Antihistaminika der ersten und der zweiten Generation. Die sogenannten
H1-Antihistaminika sind lipophil. Das bedeutet, dass diese Wirkstoffe fettlöslich sind. Dies hat zur Folge, dass diese in das zentrale Nervensystem gelangen und Nebenwirkungen verursachen können. Antihistaminika der zweiten Generation sind wesentlich nebenwirkungsarmer.
Antihistaminika hemmen vor allem allergische Reaktionen und beruhigen zudem (sog. ‚Sedierung‘). Gerade letzteres tritt allerdings deutlich weniger bei den Medikamenten der zweiten Generation auf. Mehr Informationen zum Thema Antihistaminika finden Sie unter anderem in den folgenden Artikeln:

Im Rahmen einer spezifischen Immuntherapie (sog. ‚Hyposensibilisierung‘) kann gegen einzelne Allergene, also die vom Körper als feindlich angesehene Substanzen, langfristig vorgegangen werden. In Frage für solch eine Hypersensibilisierung kommen allerdings nur Betroffene, die länger als fünf Jahre unter der Allergie leiden, die unter 55 Jahre alt sind und die deutliche Symptome aufweisen. Die mindestens drei Jahre dauernde Therapie beinhaltete das Auftragen spezieller Antigene.

Häufige Patientenfragen

Bedeutet die Diagnose Krampfadern, dass ich operiert werden muss?

Dr. T. Weigl
Krampfadern müssen nicht zwingend auf operativem Wege entfernt werden. In vielen Fällen reicht eine ganzheitliche Therapie, die unter anderem Kompressionsstrümpfe und weitere therapeutische Maßnahmen beinhaltet. Eine Operation macht nur in drei Fällen Sinn, nämlich wenn es sich um ästhetische Gründe handelt, es zu Komplikationen kommt oder sich symptomatische Varizen ergeben. Allerdings können tiefliegende Venen nicht operativ entfernt werden! Operationen sind nur im Falle einer Primären Varikosis sinnvoll. Darüber hinaus ist ein Eingriff immer mit Risiken verbunden. Mehr Informationen zu operativen Methoden und den damit verbundenen Risiken erhalten Sie auch bei Ihrem behandelnden Arzt.

Was ist der Unterschied zwischen einer Vene und einer Arterie?

Dr. T. Weigl
Sowohl Venen als auch Arterien gehören zu den Blutgefäßen, deren Aufgabe es ist, Blut durch unseren Körper zu transportieren. Darüber hinaus dienen die Gefäße dem Austausch von Stoffen. Beide gehören zu den größeren Gefäßen und sind hauptsächlich für den Bluttransport verantwortlich. Während Arterien sauerstoffreiches (sog. ‚arterielles‘) Blut transportieren, fließt durch Venen das sauerstoffarme (sog. ‚venöse‘) Blut. Beide gehören zusammen mit den Blutkapillaren und den Lymphgefäßen zu den großen Gefäßen und haben einen ähnlichen Aufbau.

Wie kann ich Probleme mit Venen vorbeugen?

Dr. T. Weigl
Es gibt einige Möglichkeiten, wie Sie Ihre Venen stärken und Problemen vorbeugen können. Neben einer gesunden Körperhaltung können Sie beispielsweise auch über tiefe Atmung Einfluss nehmen auf die Fließgeschwindigkeit Ihres Blutes und so Stauung vermeiden. Auch Beckenbodengymnastik oder eine richtige Ernährung entlasten die Venen. Grundsätzlich gilt aber: Nichts hilft so gut wie regelmäßige Bewegung! Venengerechte Sportarten wie Nordic Walking können Abhilfe schaffen.

Nach etwa einer halben Stunde hat Waltraud ihrer Enkelin erklärt, was es mit dem Begriff „Krampfadern“ auf sich hat: „Und du kannst da nichts machen?“ Waltraud lächelt: „Doch, zum Glück habe ich spezielle Strümpfe. Und darüber hinaus gehe ich zur sogenannten Bewegungstherapie. Sie wird von Margarete geleitet. Du kennst sie doch?“ Lena nickt wild und kuschelt sich an ihre Oma. Die beiden sitzen mittlerweile auf der Gartenbank. „Darf ich auch mal mit zu dieser Therapie?“, frag sie noch, bevor sie eingeschlafen ist. Waltraud lacht leise und drückt ihre Enkelin fest. „Bestimmt…“

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Andrea Lorenz
Lektorat: Tobias Möller
Veröffentlicht: 04.10.2018

Quellen

  • Jens-H. Grotewohl (2002): Angewandte Phlebologie. Lehr- und Handbuch für Praxis und Klinik. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Peter Heinrich. Schattauer-Verlag, Stuttgart.
  • Heike Höfler (2015): Gesunde Venen, schöne Beine. Beschwerden natürlich und aktiv behandeln. Das Gefäßtraining für den Alltag. Humboldt-Verlag, Berlin.
  • Theresia Wilhelms (2017): Krampfadern natürlich behandeln. Venen in 12 Schritten ganzheitlich stärken. Humboldt-Verlag, Berlin.
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