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Angst vor dem Arztbesuch – Warum die Arztphobie so gefährlich ist!

Auf einen Blick – Arztphobie

Was ist eine Arztphobie?

  • die anhaltende und ausgeprägte Angst vor dem Arztbesuch
  • die Angst kann sich z. B. auf Schmerzen/Scham während der Behandlung oder mögliche finanzielle/organisatorische Hürden beziehen
  • sie führt zum Aufschieben oder Vermeiden ärztlicher Behandlung

Mögliche Ursachen

  • schlechte Erfahrungen mit medizinischem Personal (in der Kindheit)
  • genetische Disposition
  • körperliche Ursachen: erhöhte Aktivität der Amygdala im Gehirn

Symptome (Auszug)

  • starkes Angstgefühl
  • Herzrasen
  • Übelkeit und Bauchschmerzen

Behandlung (Auszug)

  • Psychotherapie

Tipps

  • Nehmen Sie eine vertraute Bezugsperson mit zu ärztlichen Untersuchungen!
  • Belohnen Sie sich für einen überstandenen Arztbesuch!
  • Schämen Sie sich nicht, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen!

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Das Herz klopft, der Atem geht schneller und man möchte sich am liebsten so schnell wie möglich aus dem Staub machen – jeder kennt das beklemmende Gefühl der Angst. Sie ist unser eingebautes Gefahrenwarnsystem und für den Menschen seit jeher überlebensnotwendig, um sich vor akuten Bedrohungen und veränderten Umweltbedingungen zu schützen. Doch nicht immer, wenn wir Angst empfinden, liegt eine objektive Gefährdung von Leib und Leben vor. Gerade den Besuch beim Arzt würde wahrscheinlich ein Großteil der Bevölkerung grundsätzlich nicht als lebensbedrohlich einstufen. Dennoch kennt fast jeder ein gewisses Unbehagen vor und während der medizinischen Untersuchung. Bei ca. zwei Millionen Deutschen löst bereits der Gedanke an einen Arztbesuch massive Furcht aus. Die andauernde Angst vor dem Arzt wird als Arztphobie oder auch Iatrophobie (griechisch Iatros = Arzt; phobos = Angst) bezeichnet.

Neben der dadurch hervorgerufenen psychischen Belastung, kann die Vermeidung medizinischer Betreuung auch körperlich weitreichende Folgen haben. Häufig behandeln Betroffene ihre Krankheitssymptome auf gut Glück in Eigenregie und nehmen lieber Schmerzen in Kauf, als den gefürchteten Gang zum Arzt zu wagen. Dadurch werden schwerwiegende Krankheiten eventuell später erkannt und können weniger erfolgreich oder nicht mehr behandelt werden. Die Arztphobie an sich lässt sich hingegen durch eine psychotherapeutische Verhaltenstherapie sehr oft gut in den Griff kriegen. Im folgenden Artikel finden Sie umfangreiche Informationen zur Symptomatik, möglichen Ursachen und der Behandlung einer Arztphobie.

Was ist eine Phobie?

Der Begriff Phobie wird in der Psychologie verwendet, um eine hartnäckige Angst zu beschreiben, die sich auf gewisse Personen, Tiere, Objekte, Situationen oder Handlungen beziehen kann. Im Gegensatz zur gesunden Angst, die vor realen Gefahren warnt und überlebensnotwendig sein kann, zeichnet sich eine phobische Störung durch eine irrationale und übersteigerte Angst vor objektiv betrachtet meist harmlosen Auslösern aus. Phobien zählen somit zur Kategorie der Angststörungen und sind gleichzeitig die verbreitetste Form der angstbezogenen Erkrankungen. Die Häufigkeitsangaben in der Forschungsliteratur schwanken zwischen 6 und 20 Prozent Betroffene in der weltweiten Bevölkerung.

Die Folgen einer Phobie

Die Betroffenen versuchen ihrer Furcht zu entgehen, in dem sie den angstauslösenden Reiz möglichst meiden. Das kann leichte bis schwerwiegende Beeinträchtigungen des alltäglichen Lebens und der eigenen Handlungsfreiheit mit sich ziehen und so für einen hohen Leidensdruck sorgen. Da Phobien thematisch so breit gefächert sind, können sie theoretisch Menschen jeden Lebensalters und Geschlechts betreffen. Allerdings zeigt sich eine gewisse Häufung phobischer Störungen bei Mädchen und Frauen im jungen Erwachsenenalter. Je nach Form und Ausprägung können Phobien mit weiteren psychischen Beeinträchtigungen wie Zwangsstörungen und Depressionen einhergehen.

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Welche Formen der Phobie gibt es?

Da irrationale Ängste durch alle möglichen spezifischen oder weniger spezifischen Situationen, bestimmte Personengruppen oder Tiere etc. ausgelöst werden können, wird zum besseren Überblick zwischen drei verschiedenen Phobieformen unterschieden, die isoliert, aber auch kombiniert auftreten können:

  • Agoraphobie: Wer mit einer Agoraphobie lebt, hat Angst, sich alleine im öffentlichen Raum zu bewegen. Insbesondere die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, das Aufhalten in großen Menschenmengen oder auf öffentlichen Plätzen löst großes Unbehagen aus bzw. wird vollständig gemieden.
  • soziale Phobie: Der/die Betroffene fürchtet sich davor, in sozialen Situationen im Mittelpunkt zu stehen und ggf. dabei peinlich aufzufallen. Besonders angstauslösend können hier beispielsweise Gespräche mit Fremden oder Autoritätspersonen sowie Vorträge, aber auch Wortbeiträge vor Menschengruppen sein.
  • spezifische Phobie: bei dieser Form lassen sich eine konkrete Situation, bestimmte Objekte etc. ausmachen, durch die die Angst hervorgerufen wird und die nicht in eine soziale oder Agoraphobie eingebettet sind. Insbesondere für spezifische Phobien ist charakteristisch, dass die Betroffenen zwar häufig rational erkennen können, dass der Angstauslöser von anderen Menschen als ungefährlich eingestuft wird, diese Erkenntnis kann ihre Furcht jedoch nicht mildern.

Was ist eine Arztphobie?

Bei wem sich diese übersteigerte Angst auf den Arzt/die Ärztin bzw. auf den ganzen Arztbesuch inklusive Untersuchung bezieht, der leidet unter Umständen unter einer sog. ‚Iatrophobie’ – der Arztphobie. Liegt die Angst vor dem Arzt isoliert vor, also tritt nicht als Folge einer generellen sozialen Phobie auf, wird sie zu den spezifischen Phobien gezählt. Anders als bei vielen anderen Phobien, sind es vor allem Männer, die eine ausgeprägte Abneigung vor ärztlichen Untersuchungen entwickeln.

Die Angst kann dabei sowohl auf befürchtete Unannehmlichkeiten durch die Behandlung wie etwa Schmerzen und Folgeschäden als auch auf die Scham für vermeintlich peinliche oder intime Beschwerden gerichtet sein. Zusätzlich kann auch die Sorge um organisatorische und finanzielle Hürdenoder Stigmatisierung eine Rolle spielen.

Was macht die Angst vor dem Arztbesuch so gefährlich?

Wie bei Phobien typisch, neigen vielen ArztphobikerInnen dazu, in ein Vermeidungsverhalten zu gehen. Sie nehmen also weder zu Vorsorgezwecken noch bei akuten medizinischen Problemen ärztliche Hilfe in Anspruch oder zögern diese weit hinaus, was schwerwiegende gesundheitliche Folgen herbeiführen kann. Neben einer potentiellen allgemeinen körperlichen Verwahrlosung (schlechte Zähne etc.) werden möglicherweise etwa Krebs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht rechtzeitig erkannt, was zu bleibenden Schäden oder sogar zum vorzeitigen Tod führen kann.

Auch die persönliche Lebensplanung wird beeinträchtig, wenn die Angst vor dem Arzt beispielsweise verhindert, dass ein unerfüllter Kinderwunsch auf medizinische Ursachen hin abgeklärt wird.

Die Symptome: Woran erkennt man eine Arztphobie?

Das eindeutigste Merkmal einer Arztphobie ist das starke Gefühl der Angst, das oft bereits bei dem bloßen Gedanken an einen Arztbesuch auftritt und entweder zu dessen Vermeidung führt oder sich in der Situation bis hin zur Panikattacke steigert. Diese psychische Stresssituation kann (auch bereits im Vorfeld) eine Reihe an körperlichen Symptomen hervorrufen:

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Das Weißkittelsyndrom

Ein bekanntes Phänomen, das zusätzlich zu den bereits genannten Symptomen auftreten kann, ist das sog. ‚Weißkittelsyndrom’. Darunter versteht man einen erhöhten Blutdruck während der ärztlichen Untersuchung, ohne, dass bei dem Patienten außerhalb der Behandlungssituation eine sog. ‚Hypertonie‘ nachzuweisen wäre. Das Weißkittelsyndrom kann auch bereits bei leichter Aufregung auftreten und die in der Praxis ermittelten Werte können um bis zu 20 mmHG höher ausfallen.

‚Normale’ Angst, Arztphobie oder Differentialdiagnose?

Es ist wichtig zu erwähnen, dass längst nicht hinter jeder Angst, Nervosität oder Aufregung im Vorfeld eines Arztbesuchs eine Phobie steckt! Der Übergang zwischen verhältnismäßiger Angst und Phobie sowie auch die Abgrenzung zu anderen ähnlichen Phobien und psychischen Erkrankungen ist fließend.

Wann es sich im Einzelfall „nur“ um eine gewisse Nervosität und wann um eine Phobie handelt, ist entsprechend nicht pauschal zu beantworten. Allgemein kann man es jedoch als Richtlinie betrachten, dass dann eine phobische Störung vorliegt, wenn der Alltag des/der Betroffenen davon beeinflusst oder sogar bestimmt wird.

Machen Sie sich sehr häufig und eventuell sogar bereits ohne konkreten Anlass (Arzttermin) Gedanken um die negativen Konsequenzen eines Arztbesuchs? Leidet Ihre Gesundheit unter aufgeschobenen Arztbesuchen? Zeigen sich (alltäglich) körperliche Symptome durch die anhaltende Furcht? Empfindet Ihr Umfeld Ihre Sorgen als übersteigert?

Wenn Sie mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantworten können, ist das unter Umständen ein Hinweis auf eine phobische Störung. Eine sichere Diagnose können aber weder Sie selbst noch Ihr Umfeld, sondern nur ein Psychologe oder vergleichbares Fachpersonal stellen.

Die Arztphobie als Puzzelstück einer psychischen Erkrankung

Häufig ist die Angst vor dem Arztbesuch auch lediglich eine von vielen Facetten einer umfangreichen Angststörung oder einer sozialen Phobie. Der/die Betroffene hat dann etwa generelle Angst vor sozialer Interaktion oder körperlicher Berührung, auch über den Besuch bei einem Mediziner hinaus.

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Ähnliche Phobien wie etwa die Angst vor Spritzen, vor Blut, vor einem Klinikaufenthalt oder davor, sich beim Arzt mit weiteren Krankheiten anzustecken, gehen zwar auf einen anderen angstauslösenden Reiz zurück, resultieren jedoch unter Umständen in derselben Konsequenz wie die Arztphobie: Angst vor dem Arztbesuch und die Vermeidung von medizinischer Beratung und Behandlung. Dennoch kann es für den Umgang mit der Angst bzw. deren Therapie wichtig sein, die ‚richtige’ Phobie zu identifizieren.

Welche Ärzte werden besonders häufig gemieden?

Vor welchem Arzt ein Iatrophobiker am meisten Angst hat, ob es überhaupt eine Hierarchie gibt oder sich die Angst nur auf einen bestimmten Facharzt beläuft, ist ganz individuell. Dennoch gibt es Tendenzen, welche Ärzte als besonders ‚furchteinflößend‘ wahrgenommen werden. Dazu zählen vor allem:

Welche Ursachen gibt es für die Arztphobie?

Allgemein wird für sämtliche Angsterkrankungen ein Zusammenspiel aus verschiedenen Ursachen angenommen. So werden zum Beispiel familieninterne Häufungen von angstbezogenen Störungen beobachtet, die auf eine genetische Komponente hinweisen.

Gleichzeitig konnten in der Forschung inzwischen körperliche Auslöser identifiziert werden. So zeigt sich bei Menschen mit Angststörungen mittels bildgebender Verfahren eine erhöhte Aktivität der Amygdala, einem Kerngebiet des Gehirns. Dieses ist an der Identifizierung von potentiell bedrohlichen Situationen und – durch die Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Cortisol – an den entsprechenden emotionalen Reaktionen wie Aggression und insbesondere Furcht beteiligt.

Nicht zuletzt werden Ängste jedoch auch durch Umwelteinflüsse begünstigt, also beispielsweise durch schlechte bis traumatische Erfahrungen mit medizinischem Personal oder medizinischen Einrichtungen. Mehr Informationen zu Ursachen einer Arztphobie können Sie auch auf Websites wie Arztphobie.com erhalten.

Schlüsselrolle Kindheit

Insbesondere negative Erinnerungen aus der Kindheit können die Grundlage für eine Iatrophobie bilden. Das liegt daran, dass Kindern häufig noch das Verständnis für die aus kindlicher Sicht als bedrohlich wahrgenommenen medizinischen Maßnahmen fehlt.

Außerdem erlernen und übernehmen Kinder durch Beobachtungen viele Einstellungen und Verhaltensweisen der Eltern. Zeigt sich also beispielsweise ein Elternteil skeptisch gegenüber ärztlichen Untersuchungen, kann ein Kind diese Einstellung adaptieren.

Zwar nehmen diese Ängste bei einem Großteil der Kinder durch zunehmendes Verständnis der Situation im weiteren Entwicklungsverlauf ab, liegt jedoch etwa zusätzlich eine genetische Prädisposition vor, kann die kindliche Angst bis in das Erwachsenenalter hinein bestehen bleiben.

Wie wird die Arztphobie behandelt?

Liegt bei Ihnen tatsächlich eine Arztphobie inklusive körperlicher und psychischer Symptome sowie dem Aufschieben oder Vermeiden von Arztterminen vor, ist der erste wichtige Schritt zur Besserung, sich und anderen diesen Zustand einzugestehen und darüber zu sprechen. Nicht selten kommt es vor, dass die Iatrophobie über Jahre heruntergespielt wird und beispielsweise erst sehr starke Schmerzen oder sonstige dringende medizinische Anliegen die Problematik bewusst werden lassen.

Mit Verhaltenstherapie gegen die Arztphobie

Um aus dem Teufelskreis der Angst auszubrechen, ist in den meisten Fällen eine psychotherapeutische Verhaltenstherapie eine notwendige und erfolgversprechende Maßnahme. In der Regel bieten psychotherapeutische Praxen Sprechstunden an, in deren Verlauf geklärt wird, ob eine psychische Erkrankung, in diesem Fall eine phobische Störung, vorliegt.

Für die anschließende Therapie der Arztphobie werden im Vorfeld ca. 40–45 Therapieeinheiten angepeilt. Geht man von wöchentlichen Therapiesitzungen aus, kling das zunächst nach einer langen Zeit. Bedenken Sie jedoch, dass sich die Angst und das Meideverhalten häufig ebenfalls schleichend über einen längeren Zeitraum entwickelt und manifestiert haben.

In der Therapie geht es nun darum, ein nachhaltiges Umlernen von alten zu neuen Verhaltensmustern zu bewirken – eine solche tiefgreifende neuronale Umstrukturierung benötigt Zeit. Natürlich ist eine individuelle Verkürzung oder eine Verlängerung des Behandlungszeitraums bei rechtzeitiger Absprache unproblematisch.

Die Expositionstherapie als Mittel der Wahl

Bei der Therapie von Ängsten kommt häufig die sog. Exposition zum Einsatz. Hier wird der Patient zunächst so lange mit einem für ihn nur leicht angstauslösenden Reiz, z. B. Bilder von Ärzten, Praxen etc., konfrontiert, bis eine gewisse Gewöhnung und Abnahme der Angst eintritt. Danach erfolgt eine relativ kleinschrittige Steigerung der Reizintensität, bis schließlich ein Arztbesuch von Anfang bis Ende durchgestanden wird.

Gut zu wissen!
Die Konfrontationstherapie beruht auf dem Prinzip, dass der Köper den durch die Angst hervorgerufenen Erregungszustand nicht dauerhaft aufrechterhalten kann. Wird man einem angstauslösenden Reiz unter kontrollierten therapeutischen Bedingungen also lange genug ausgesetzt, nimmt die Angst irgendwann zwangsläufig ab.
„„Die Expositionstherapie ist eine effektive Methode zur Behandlung von Angststörungen und erzielt meistens sehr zufriedenstellende Ergebnisse.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Tipps gegen Nervosität beim Arztbesuch

Wie bereits erwähnt deutet nicht jedes Unwohlsein oder Angstgefühl vor dem Arztbesuch auf eine Phobie hin, dennoch können diese Empfindungen belastend sein. Zum Glück gibt es einige Tipps, die Ihnen helfen, den Arztbesuch so entspannt wie möglich anzugehen:

  • 1. Stellen Sie sich selbst eine Belohnung für den erfolgreich absolvierten Arztbesuch in Aussicht.
  • 2. Klären Sie das Praxispersonal und den Arzt/die Ärztin über Ihre Unsicherheit auf. Mit Sicherheit stoßen Sie auf großes Verständnis.
  • 3. Halten Sie sich vor Augen, welche Vorteile der Arztbesuch sowohl akut als auch auf lange Sicht für Ihre Gesundheit bringt.
  • 4. Nehmen Sie eine vertraute Begleitperson mit, die Ihnen Sicherheit vermitteln kann.

Aktuelle Forschung – Teddybär-Krankenhaus gegen die Angst vor dem Arzt


Vor allem Kinder sind während medizinischer Behandlungssituationen angst- und stressanfällig. Aus diesem Grund hat sich seit den 1990er Jahren das aus Skandinavien kommende Projekt der sog. Teddybär-Krankenhäuser international verbreitet.

Die häufig von Medizinstudenten organisierten Programme sehen vor, dass Kinder(-gruppen) ihre ‚kranken‘ Kuscheltiere mit in ein reales oder nachempfundenes Krankenhaus nehmen und sämtliche Schritte von der Anmeldung über die Diagnosestellung und die Behandlung als deren Begleitperson miterleben. Dadurch sollen die Kinder eine Vorstellung vom Krankenhausalltag erhalten, ohne selbst den vermeintlich bedrohlichen Behandlungssituationen ausgesetzt zu sein.

Studien weisen auf positive Effekte hin

In der vorliegenden Übersichtsstudie sollte ermittelt werden, ob sich diese Theorie des Konzepts bzw. vergleichbarer spielerischer Projekte auch in der Praxis bewahrheitet. Dazu wurden die Ergebnisse von zehn aktuellen Studien analysiert. Dabei kamen die Studienleiter zu dem Schluss, dass in sechs Studien ein besseres Gesundheitswissen, ein geringeres Angstniveau oder sogar positive Emotionen bezüglich des Arztbesuchs beschrieben wurde. Bei zwei Studien konnten hingegen keine Veränderungen festgestellt werden. Bei zwei weiteren nahm die Ängstlichkeit zu und die Stimmungslage der Kinder ab.

Daraus schließt das Team einen möglichen und recht wahrscheinlichen positiven Einfluss der Teddybär-Krankenhäuser auf das medizinische Wissen und das Angstniveau der Kinder. Allerdings seien zur Sicherung dieser Schlussfolgerung weitere Studien mit einer robusteren Methode notwendig.

Quelle: Aneesa Abdul Rashid, Ai Theng Cheong u. a. (2020): Effectiveness of pretend medical play in improving children’s health outcomes and well-being: a systematic review. In: BMJ Open.

Häufige Patientenfragen

Ich habe beim Arzt vor Aufregung immer erhöhten Blutdruck. Wie können dennoch zuverlässige Werte ermittelt werden?

Dr. Dr. T. Weigl:
Wenn Sie unter dem Weißkittelsyndrom leiden, kann es sich je nach Leidensdruck auf lange Sicht lohnen, unter psychologischer Aufsicht eine kleinschrittige Gewöhnung an die ärztliche Untersuchung vorzunehmen und/oder Beruhigungsstrategien zu erlernen. Auf kurze Sicht kann der situativ erhöhte Blutsdruck etwa durch eine 24-Stunden-Blutdruckmessung durch ein spezielles Gerät vom Arzt überlistet werden.

Wie kann ich meinem Kind die Angst vor dem Arzt nehmen?

Dr. Dr. T. Weigl:
Warum Ihr Kind Angst vor dem Arzt hat und wie ausgeprägt diese ist, ist sehr individuell, sodass es keine Patentlösung gibt. Ein Anreiz ist aber beispielsweise das spielerische Nachstellen einer ärztlichen Behandlungssituation mit Kuscheltieren. So kann Ihr Kind im „Ernstfall“ die Situation besser einschätzen.

Wird die Therapie einer Arztphobie von der Krankenkasse übernommen?

Dr. Dr. T. Weigl:
Ja, da es sich bei einer ausgeprägten Arztphobie um eine psychische Störung mit „Krankheitswert“ handelt, wird die Therapie in aller Regel vollständig von der Krankenkasse übernommen.

Sind Phobien vollständig heilbar?

Dr. Dr. T. Weigl:
In Bezug auf psychische Erkrankungen von Heilung zu sprechen ist insofern schwer, als dass die menschliche Psyche sehr komplex ist und durch innere und äußere Prozesse positiv wie negativ beeinflusst wird. Generell wird bei Phobien durch eine verhaltenstherapeutische Intervention sehr oft ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht. Das bedeutet, dass Sie ihren Alltag uneingeschränkt von der Phobie gestalten können. Kleinere oder größere Rückschritte können zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, in der Therapie bekommen Sie für diesen Fall aber genaue Vorgehensschritte an die Hand.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Clara Spottke
Lektorat: Sebastian Mittelberg
Veröffentlicht am: 01.06.2021

Quellen

  • AMBOSS: Angststörungen und Phobien. In: amboss.com.
  • Deutsche Apothekerzeitung: Angst vor dem Arztbesuch?. In: deutsche-apotheker-zeitung.de.
  • Mara A. G. Hollander, Michele Greene (2019): A conceptual framework for understanding iatrophobia. In: Epub.
  • Neurologen und Psychiater im Netz: Was sind Angsterkrankungen?. In: neurologen-und-psychiater-im-netz.org.
  • Aneesa Abdul Rashid, Ai Theng Cheong u. a. (2020): Effectiveness of pretend medical play in improving children’s health outcomes and well-being: a systematic review. In: BMJ Open.
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