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Das Ohr – Geräuschwahrnehmung und Gleichgewicht

Auf einen Blick – Das Ohr

Was ist das Ohr?

  • Teil unseres Hörorgans
  • besteht aus einem äußeren und einem inneren Teil
  • enthält das Gleichgewichtsorgan

Welche Aufgaben hat das Ohr?

  • Schallaufnahme, Weiterleitung und Verarbeitung
  • Schutz vor äußeren Einflüssen
  • Gleichgewicht

Häufige Erkrankungen des Ohrs

  • Tinnitus
  • Mittelohrentzündung
  • Schwerhörigkeit

Häufige Beschwerden (Auszug)

  • Ohrenschmerzen
  • Sekretaustritt (sog. ‚Otorrhö‘)
  • Gleichgewichtsstörung

Unsere Tipps

  • zu laute Musik & Geräusche vermeiden
  • Ohren vor Kälte & starkem Wind schützen

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Um mit anderen Menschen zu kommunizieren und die Umgebung wahrzunehmen, spielen unsere Ohren eine wichtige Rolle. Hinter dem sichtbaren Teil steckt aber noch ein langer Weg bis zur kompletten Tonwahrnehmung und selbst unser Gleichgewichtssinn findet hier sein Zuhause.

Im folgenden Artikel werden der Aufbau des Ohrs, seine Aufgaben und auch die möglichen Erkrankungen genauer erläutert.

Was ist das Ohr und wo liegt es?

Die Ohren sind ein kleiner Teil unseres Hörorgans und liegen rechts und links vom Kopf. Sie sind die Verbindung von der Außenwelt zum eigentlichen Gehör, welches im Inneren des Schädels liegt.

Wie ist das Ohr aufgebaut?

Das Ohr besteht aus einem äußeren Teil, der sichtbar zu sehen ist, dem Außenohr (sog. ‚Auris externa‘). Dieser Teil wird in die Ohrmuschel, das Ohrläppchen und den äußeren Gehörgang unterteilt. Der Gang führt zum Trommelfell – eine dünne Membran und angesehen als Grenze nach außen.

Das Außenohr ist mit den zwei innenliegenden Teilen, dem Mittelohr (sog. ‚Auris media‘) und dem Innenohr (sog. ‚Auris interna‘) durch einen Gehörgang verbunden. Diesen Weg gehen alle akustischen Signale.

Das Mittelohr liegt hinter dem Trommelfell und umfasst die Paukenhöhle. Das ist ein luftgefüllter Hohlraum, auch pneumatisierter Knochen genannt, im Felsenbein. In dieser Höhle liegen die bekannten 3 Gehörknöchelchen: Hammer, Amboss und Steigbügel.

Es besteht eine Verbindung zwischen Mittelohr und Nasen-Rachen-Raum. Diese ist als Eustachische Röhre oder Ohrtrompete bekannt und hat als Aufgabe die Belüftung des Mittelohrs und dessen Druckausgleich. Deswegen kauen wir gerne im Flugzeug Kaugummi, um durch die Kau- und Schluckbewegung den Druckausgleich anzukurbeln.

Regulation des Gleichgewichts

Das Innenohr beginnt nach dem Steigbügel. Dieser berührt eine Membran, das „ovale Fenster“. Hier befinden sich das Vestibularorgan, welches das Gleichgewicht reguliert, und die Cochlea – die Hörschnecke. Diese beiden Organe sind mit Endolymphe – kaliumreiche Flüssigkeit – gefüllt und von Perilymphe – natriumreiche Flüssigkeit – umgeben. In der Hörschnecke, die nicht größer als eine Erbse ist, befinden sich 3 mit Flüssigkeit gefüllte Kanäle. Der mittlere Gang führt als einziger zum Cortischen Organ, dem eigentlichen Hörorgan. Dessen Boden ist von zahlreichen feinen Härchen übersät. Durch Schallwellen können die Flüssigkeit und je nach Stärke auch die Haarzellen an verschiedenen Stellen bewegt werden. Das am Anfang aufgenommene akustische Signal wird somit an dieser Stelle in ein Nervensignal übersetzt und ans Gehirn weitergeleitet.

Gut zu wissen!
Die Perilymphe ist chemisch wie die Extrazellularflüssigkeit zusammengesetzt. Über die Perilymphe können Erreger bei einer Mittelohrvereiterung verbreitet werden, da diese eine direkte Verbindung zu den Hirnhäuten hat. Daraus kann eine Hirnhautentzündung (sog. ‚Meningitis‘)entstehen.

Welche Aufgaben hat das Ohr?

Die Hauptaufgabe des Ohrs ist das Hören. Das heißt, dass Schallwellen in Form von Tönen, Klängen und Geräuschen aufgenommen und weitergeleitet werden. Hier nehmen sowohl der Aufbau des Ohrs als auch die verschiedenen Teile ihre eigene Rolle ein:

Zunächst fängt die Ohrmuschel durch ihren trichterförmigen Aufbau den Schall auf und leitet diesen in den Gehörgang weiter. An dieser Stelle verstärkt dieser die Schwingungen der Luft, wie ein Resonanzkörper, und leitet sie zum Trommelfell hin weiter.

Gut zu wissen!
Der Grund, warum wir kein Rauschen durch andere störende Töne und äußere Wahrnehmungen wie z. B. den Wind wahrnehmen, liegt an der speziellen Form der Ohrmuschel. Sie schirmt diese Geräusche ab und maximiert unser Hörverhalten.

Um eine gute Übertragung zum Innenohr zu erhalten, werden die aufgenommenen Schwingungen, nachdem sie das Trommelfell passiert haben, durch die spezielle Anordnung der 3 Gehörknöchelchen um das 20-fache verstärkt.

Im Innenohr wird der Schall auf die dort befindliche Flüssigkeit und je nach Frequenz auch auf die Haarzellen übertragen. Nur wenn die Wellenbewegung groß genug ist, werden die Härchen gereizt. Bei hohen Tönen bewegen sich die weiter vorne liegenden Härchen in der Hörschnecke und bei tieferen Tönen die weiter hinten.

Erst nachdem die Schallwellen den gesamten Gehörapparat passiert haben, gelangen sie zum Hörnerv und werden dort in elektrische Signale übertragen und zum Hirnstamm weitergeleitet.

Zusätzlich hören wir auch über die Knochen in unserem Schädel. Diese transportieren die Schallwellen genauso weiter bis zur Flüssigkeit im Ohr und zu den Härchen. Dieser Weg ist nicht so effektiv wie der oben beschriebene „Luftweg“, unterstützt aber insgesamt das Hören.

Gut zu wissen!
Je älter eine Person ist, desto abgenutzter sind die Härchen in der Ohrmuschel – das ist ein häufiger der Grund für eine altersbedingte Schwerhörigkeit. Genauere Informationen zur Schwerhörigkeit werden weiter unten aufgeführt.

Wie funktioniert das mit dem Gleichgewicht und dem Ohr?

Das Gleichgewichtsorgan (sog. ‚Vestibularorgan‘) sitzt, wie oben beschrieben, im Innenohr. Es setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die alle die äußeren Umstände aufnehmen und diese dann gebündelt zur Verarbeitung an das Gehirn weiterleiten. Von da aus werden diese Informationen an andere Organe wie Augen und Muskeln weitergegeben. Hierdurch hat unser Körper die Möglichkeit, sich den Umständen anzupassen. Ein Beispiel: Die Augen reagieren bei einer schnellen Umdrehung schneller und ermöglichen uns trotzdem, scharf zu sehen. Ebenso werden Signale an unsere Muskeln und Gelenke geschickt, so dass wir das Gleichgewicht halten können.

Sowohl die Bewegung des eigenen Kopfes als auch die der Umgebung wird aufgenommen. Unterschiedliche Teile des Ohres sind dafür zuständig:

Zunächst spielen die 3 Bogengänge, die in der Hörschnecke anzutreffen sind, eine Rolle. Jeder einzelne dient zur Wahrnehmung der jeweiligen Richtung, in die sich der Kopf bewegt – oben, unten, rechts, links, nach vorne und nach hinten. Dies geschieht über die dort vorhandene Flüssigkeit, die sich dann verschiebt und somit leicht verzögert die Sinneshaare reizt.

Die Beschleunigung nehmen die Otolithenorgane wahr. Diese liegen quer unter den Bogengängen und bestehen aus 2 Säckchen. Darin befinden sich kleine Härchen, auf denen diesmal noch zusätzlich kleine Kristalle sitzen, die sogenannten Otolithen. Hier entsteht z. B. das Gefühl des Fallens.

Gut zu wissen!
Wir haben verschiedene Sinnesorgane, mit denen unsere Umgebung analysiert wird. Der Grund, warum wir z. B. auf einem Schiff Übelkeit verspüren können, rührt genau daher, dass unser Gehirn in diesem Fall widersprüchliche Informationen von z. B. dem Gleichgewichtssinn und den Augen bekommt.

Gibt es Symptome, die auf Erkrankungen des Ohrs hindeuten können?

Es gibt verschiedene Probleme, die in Verbindung mit den Ohren stehen: Ohrenschmerzen, Hörverlust, Austritt von Sekret aus dem Ohr in allen Variationen (blutig, eitrig, etc.), vorübergehende oder anhaltende Ohrgeräusche (sog. ‚Tinnitus‘) und Schwindel sind Anzeichen einer Erkrankung des Ohrs.

Des Weiteren kann eine eingeschränkte geistige und sprachliche Entwicklung bei Kindern auf eine angeborene oder frühentwickelte Schwerhörigkeit hindeuten, da diese bei der Ausbildung ein ungestörtes Hörvermögen benötigen.

Wenn der Gleichgewichtssinn beeinträchtigt ist, weist dies auf Infektionen oder andere Probleme im Innenohr hin, da an dieser Stelle der Gleichgewichtssinn sitzt.

Das Ohr auf einen Blick

  • Hören und Gleichgewicht liegen eng beieinander

Aufbau

  • Außenohr (Ohrmuschel, Ohrläppchen und Gehörgang)
  • Mittelohr (Trommelfell, Paukenhöhle, 3 Gehörknöchelchen)
  • Innenohr (Vestibularorgan, Gehörschnecke)

Aufgaben

  • Schallaufnahme und Unterstützung des Richtungshörens
  • Schallweiterleitung und -verstärkung
  • Umwandlung der Schallwellen in Nervenimpulse
  • Gleichgewichtsverarbeitung

Welche Erkrankungen des Ohrs gibt es?

Unser Ohr besitzt durch seinen Aufbau einen Schutz vor verschiedenen Einflüssen wie Dreck, Wind oder Gegenständen. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen sind die Ohren empfindlich und können nach äußerlichen und innerlichen Verletzungen langfristige Schäden davontragen. Das Hören ist ein umfangreiches Konstrukt. Ein akustisches Signal muss erst alle Stationen passieren, um am Ende perfekt in einen elektrischen Reiz umgewandelt zu werden.
Im Folgenden sind 3 Erkrankungen mit verschiedensten Auslösern näher beschrieben:

Tinnitus

Ein Tinnitus bezeichnet das Phänomen, dass Ohrgeräusche wahrgenommen werden, ohne dass ein tatsächlicher akustischer Reiz vorliegt. In den meisten Fällen ist der Betroffene der einzige, der diese selbstinduzierten Töne hört – man bezeichnet dies genauer als subjektiven Tinnitus. In den seltensten Fällen liegt ein objektiver Tinnitus vor, bei dem der Aufbau des Ohrs die Geräusche in der Nähe davon produziert. Ist die Lautstärke des Tons groß genug, ist der Untersuchende in der Lage, diesen zu hören.

Die meisten Auslöser für einen, meist vorübergehenden, Tinnitus sind häufig zu laute Geräusche, z. B. bei Konzerten, anderen Events oder beim Arbeiten mit lauten Maschinen. Durch diese übermäßige Lärmaussetzung sind die Sinneszellen in der Gehörschnecke beschädigt worden. Als Folge davon entstehen ein Pfeifen und ein Piepsen im Ohr, das aber meist wieder verschwindet. Es ist möglich, dass Ohrgeräusche von allein auftreten, ohne dass ein etwaiger Grund dafür vorliegt. Diese verschwinden normalerweise nach maximal einer Minute.

Tinnitus schränkt auf Dauer die Lebensqualität ein

Ein chronischer Tinnitus liegt vor, wenn das Geräusch länger als 3 Monate anhält. In diesem Fall ist eine Behandlung schwierig. Eine Folge davon ist eine herabgesetzte Lebensqualität, da das Schlafen und die Konzentration beeinträchtigt sind. Die Ohren sind insgesamt empfindlicher und erschweren somit den Alltag.

Der Grund eines Tinnitus kann auf eine andere Krankheit hinweisen, die hierdurch sichtbar wird. Im Folgenden ist eine kleine Liste möglicher krankheitsbedingter Ursachen aufgeführt:
– Chronische Mittelohrentzündung
– Osterosklerose (Erkrankung der Knochen, die auch die Knochen im Mittel- und Innenohr betreffen und so zu Gehörlosigkeit führen kann)
– Menière-Krankheit (Erkrankung des Innenohrs, mit den Symptomen: Tinnitus, Schwindel und Hörverlust)
Weitere mögliche Auslöser sind eine Verstopfung des Gehörgangs mit Ohrenschmalz oder Probleme mit dem Kiefermuskel oder -gelenk sein.

Der Verlauf ist nicht immer klar vorhersehbar. Bei einem bekannten Grund ist eine Behandlung und eine Besserung möglich. Es ist möglich, dass der Tinnitus sich im Laufe der Zeit von selbst zurück entwickelt oder gar komplett verschwindet.

Mittelohrentzündung

Bei einer akuten Mittelohrentzündung (sog. ‚Otitis media acuta‘) hat sich die Schleimhaut im Mittelohr entzündet. Dies äußert sich mit plötzlich auftretenden Schmerzen, am stärksten sind sie abends oder nachts.
Der Auslöser dieser Krankheit ist meist ein Infekt im Nasen-Rachen-Raum, durch z. B. Viren, die zunächst einen Schnupfen auslösen. Wenn den Betroffenen zusätzlich Bakterien infizieren, die über die Eustachische Röhre – die Verbindung zwischen Nasen-Rachen-Raum – ins Mittelohr gelangen, spricht man von einer Superinfektion. Die Bakterien sind der Auslöser für die eitrige Entzündung im Mittelohr.

Symptome einer Mittelohrentzündung sind:

  • pulsierende Schmerzen
  • Druckgefühl im Ohr
  • Fieber
  • schlechtes Allgemeinbefinden

Gehen Sie mit Ihrem Kind unbedingt zum entsprechenden Arzt, wenn es unter Ohrenschmerzen leidet. Denn eine Mittelohrentzündung kann im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Folgen wie eine Blutvergiftung haben. — Dr. Dr. Tobias Weigl

Gut zu wissen!
Vor allem Kleinkinder bis zum 6. Lebensjahr erleiden häufiger eine Mittelohrentzündung. Der Grund dafür ist, dass die Eustachische Röhre in diesem Lebensabschnitt kürzer und breiter ist als bei einem Erwachsenen, wodurch das Infektionsrisiko größer ist.

Schwerhörigkeit bis hin zu Gehörverlust

Schwerhörigkeit (sog. ‚Hypakusis‘) ist eine weit verbreitete Erkrankung und reicht von einer minimalen Einschränkung des Hörvermögens bis zur Gehörlosigkeit. Diese Einschränkung ist entweder vorübergehend oder dauerhaft. Hypakusis kann bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägt sein, manche Menschen sind in der Lage, vereinzelt Laute oder Töne zu hören oder gar nichts mehr.

Der Verlauf dieser Krankheit steigert sich häufig und äußert sich zunächst dadurch, dass das Ohr manche Frequenzen mit niedrigerer Lautstärke nicht mehr verarbeitet. Es unterscheidet verschiedene Geräusche immer schlechter voneinander – der Mediziner spricht dann von einer Hörbahn-Degeneration. Betroffene Menschen können zwar einzelne Gespräche ohne große Störgeräusche noch gut hören, tun sich aber umso schwerer, je lauter die Umgebung ist.

Es gibt viele mögliche Ursachen für einen Hörverlust, bspw. zu laute Musik, eine Erkrankung oder einfach das Alter. In einzelnen Fällen ist eine Schwerhörigkeit vererblich und somit angeboren. In diesem Fall ist die Früherkennung von großer Bedeutung, um durch eine Gehörhilfe den Verlust auszugleichen und Schäden bei der geistigen und insbesondere der sprachlichen Entwicklung zu vermeiden.

Durch eine Altersschwerhörigkeit (sog. ‚Presbyakusis‘) entwickeln sich geistige Zustände schneller zurück. Dies führt bei Betroffenen zu Unsicherheiten im Alltag. Es ist normal, dass sich im Alter das Gehör verschlechtert. Dies ist aber nicht nur auf die Abnutzung der Haarzellen im Innenohr zurückzuführen. Auch Hörnerv und -zentrum büßen Leistung ein.

Eine Gehörhilfe ist ein einfaches Mittel, um gegen die Symptome einer Hypakusis vorzugehen, sodass das Hörvermögen möglichst wieder komplett hergestellt und weitere Folgen verhindert werden können.

Von welcher mit dem Ohr in Zusammenhang stehenden Erkrankung waren Sie bisher betroffen oder unter welchen Beschwerden haben Sie schon einmal gelitten? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an der Umfrage helfen Sie anderen Menschen dabei, ihre Beschwerden besser einschätzen zu können.

Aktuelles aus der Forschung – Ist Tinnitus bald heilbar?

Die University of Arizona/USA hat sich mit dem Thema Tinnitus auseinandergesetzt und anhand von Versuchen festgestellt, dass bei Mäusen durch die Entfernung oder Blockierung des Proteins TNF-A („tumor necrosis factor alpha“) die Ohrgeräusche nachlassen.

Ein Tinnitus kann wie oben beschrieben auch zu einem kompletten Gehörverlust führen, dies ist die Folge einer Entzündung im Gehörgang. Dieser Forschung liegt zugrunde, dass zusätzlich eine Entzündungsreaktion im Gehirn stattfindet und zwar im primären auditorischen Kortex – dies ist ein Bereich in unserem Gehirn, der für das Hören zuständig ist. Dies wird als Neuro-Entzündung bezeichnet. In wie weit dieser Bereich mit Tinnitus im Zusammenhang steht ist bis jetzt ungeklärt. Auffällig ist, dass die TNF-A-Moleküle, welche diese Entzündung begünstigen, bei Tinnitus-Patienten vermehrt zu finden sind.

Ist hierdurch eine neue Therapie möglich?

Laut dieser Studie besteht die Chance, dass die Neuro-Entzündung eine neue Angriffsstelle zur Therapie von Tinnitus-Patienten und anderen Erkrankten mit Hörverlust als therapeutisches Ziel darstellt. Weitere Forschungen sind jedoch notwendig.

Quelle: Weihua Wang u. a. (2019): Neuroinflammation mediates noise-induced synaptic imbalance and tinnitus in rodent models. In: PLOS Biology 17/6.

Häufige Patientenfragen

Sind Ohrenschmerzen immer das Ergebnis von Entzündungen?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein, es muss keine Entzündung vorliegen, wenn Sie Ohrenschmerzen haben. Tatsächlich sind die Ursachen für Ohrenschmerzen sogar vielfältig und stark altersabhängig. So gelten bei Säuglingen und Kindern bspw. die akute Mittelohrentzündung, Fremdkörper im äußeren Gehörgang, Mumps oder Rachenschleimhautentzündungen zu den häufigsten Gründen für Ohrenschmerzen. Jugendliche hingegen bekommen Ohrenschmerzen durch Entzündungen des äußeren Gehörgangs, eine Mandelentzündung, Gewalteinwirkungen auf das Ohr, Weisheitszähne oder Fremdkörper im äußeren Gehörgang. Bei Erwachsenen sind die häufigsten Ursachen dagegen das Halswirbelsäulensyndrom, Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr, Störungen des Kiefergelenks, die Trigeminusneuralgie oder gar Backenzähne mit Karies. Gerade bei älteren Erwachsenen spielen auch Furunkel im Gehörgang sowie Zahnschäden und Tumoren eine große Rolle im Zusammenhang mit Ohrenschmerzen.

Wie sollte ich vorgehen, wenn mein Kind eine Mittelohrentzündung hat?

Dr. Dr. T. Weigl
Eine Mittelohrentzündung bedarf auf jeden Fall der ärztlichen Abklärung. Gehen Sie deshalb mit Ihrem Kind zum entsprechenden Arzt, wenn es über Ohrenschmerzen klagt, um die Ursache abklären zu lassen. Denn im schlimmsten Fall kann eine Mittelohrentzündung chronisch werden und ggf. sogar schwere Hörstörungen verursachen. Gefährlich ist die sogenannte Mastoiditis – dabei breitet sich die Infektion in die Schleimhäute des lufthaltigen Schädelteils hinter den Ohren aus. Achten Sie auf die Beschwerden Ihres Kindes und deren Entwicklung. Bei einer solchen Komplikation können sich die Ohrenschmerzen verstärken, das Hörvermögen nimmt ab, es kommt zu Ausfluss aus dem Ohr und Fieber und eine Schwellung hinter dem Ohr sorgt dafür, dass dieses absteht. Diese Komplikation kann dazu führen, dass sich ein Abszess bildet, sich Lähmungserscheinungen im Gesicht ergeben und sich das Innenohr auch entzündet – lebensbedrohlich wird es dann, wenn sich ein Hirnabszess oder eine Blutvergiftung ergeben.

Das Ohr ist nur ein Teil unseres Orientierungssystems – Ist das richtig?

Dr. Dr. T. Weigl
Genau. Das Ohr bildet eine von drei Säulen unserer Orientierung. Die anderen beiden sind die Augen sowie Rezeptoren in den Beinen. In diesem System ist das Ohr dafür zuständig, unser Gleichgewicht zu regulieren, indem darin gelegene Sinneszellen Informationen zu Kopfbewegungen, Drehungen usw. weitergeben. Die Augen spielen indes eine große Rolle bei der Orientierung, da wir mit ihnen unsere Umgebung wahrnehmen und visuelle Informationen aufnehmen. Die in den Beinen gelegenen Rezeptoren geben Informationen von den Muskeln und Gelenken weiter, bspw. über An- oder Entspannung des Körpers. In der Regel übermitteln diese drei Teilsysteme übereinstimmende Informationen, wenn wir bspw. eine Bewegung vollführen und den Kopf neigen oder auf einem Bein stehen. Ist aber eines dieser Teilsysteme gestört – z. B. durch Sehstörungen oder ein nicht intaktes Gleichgewichtsorgan – kann dies zu Schwindel führen.

Hat Ohrenschmalz eigentlich einen Sinn oder ist das nur Dreck?

Dr. Dr. T. Weigl
Natürlich hat er einen Sinn, wenn auch einen schlechten Ruf. Wir brauchen Ohrenschmalz, damit sich unser äußerer Gehörgang selbst reinigen kann. Denn dorthin können Schmutz oder aber auch abgestorbene Hautpartikel gelangen. Um diese Fremdkörper loszuwerden, produzieren unsere Ohrenschmalzdrüsen Fette und weitere Stoffe, sodass der Säureschutzmantel im Gehörgang erhalten bleibt und er vor Infektion o. Ä. geschützt ist. Was wir letztlich als Ohrenschmalz kennen, ist zusammengesetzt aus dem Sekret der eben erwähnten Drüsen und den Fremdstoffen, die mit dem Sekret abtransportiert werden.

Typisches Patientenbeispiel

Frau Schmitt war gestern auf dem Konzert ihrer Lieblingsband und hatte einen wunderschönen Abend. Sie hatte den perfekten Platz, direkt in der ersten Reihe vor der Bühne, aber leider war auch ein Lautsprecher genau auf ihrer Höhe. Am Anfang fiel ihr noch auf, dass es recht laut war, aber die Begeisterung und die allgemeine Stimmung ließen sie das schnell vergessen – nach kurzer Zeit hatte sie sich an den Pegel gewöhnt.

Abends dann, als sie im Bett liegt und alles still ist, vernimmt sie ein Klingen und Rauschen in ihren Ohren. Sie schiebt es zunächst auf den Kontrast zur Lautstärke ist und hofft, dass es am nächsten Morgen besser ist. Trotzdem möchte sie am nächsten Tag zum Arzt und überprüfen lassen, ob ihre Ohren einen wirklichen Schaden davongetragen haben oder ob noch einmal alles gut gegangen ist. Das nächste Mal wird sie ihre Ohrstöpsel zum Schutz nicht mehr vergessen!

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt. Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Bernadette Hein
Redaktion: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 30.08.2019

Quellen

  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V.: Mittelohrentzündung (Otitis media). In: kinderaerzte-im-netz.de.
  • Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. (Hrsg.): Das Gleichgewichtsorgan. In: hno-aerzte-im-netz.de.
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Hrsg.) (2017): Gehörgangsentzündung. In: gesundheitsinformation.de.
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Hrsg.) (2017): Wie funktioniert der Gleichgewichtssinn? In: gesundheitsinformation.de.
  • O. Michel: Ohr. In: DocCheck Flexikon. Das Medizinlexikon zum Medmachen.
  • Maria Pues (2016): Ohrenschmerzen – Ein Symptom, viele Ursachen. In: Pharmazeutische Zeitung 13/2016.
  • spektrum.de: Perilymphe. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.
  • Weihua Wang u. a. (2019): Neuroinflammation mediates noise-induced synaptic imbalance and tinnitus in rodent models. In: PLOS Biology 17/6.
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