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Das Schlafapnoe-Syndrom – Müde wegen Atemstörungen in der Nacht: Ursachen & Therapie

Lautes Schnarchen und Atemaussetzer in der Nacht sind Zeichen einer Schlafapnoe. Die kann zu starker Müdigkeit am Tag und sogar zu schweren Folgeerkrankungen führen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Als Schlafapnoe-Syndrom (SAS) oder einfach Schlafapnoe wird ein Phänomen bezeichnet, bei dem die Atmung im Schlaf aussetzt. Beim häufigen obstruktiven SAS sind die Muskeln der Atemwege, grob gesagt, „zu entspannt“. Die verengten Atemwege führen dann dazu, dass man sich im Schlaf nicht richtig erholt. Entsprechend klagen Betroffene darüber, dass sie tagsüber ausgesprochen müde sind. Eine häufige Ursache ist Übergewicht. Das SAS steht zudem in Wechselwirkung mit Herzschwäche und anderen schweren Krankheiten. Ein gesunder Lebensstil kann Abhilfe schaffen. Geräte unterstützen zudem die nächtliche Atmung.

Hat da ein Sägewerk nebenan aufgemacht und arbeitet in Nachtschicht? Helga kriegt kein Auge zu. Aber es ist kein Sägewerk. Das Problem liegt im Bett direkt neben ihr und heißt Werner. Seit einiger Zeit schnarcht ihr Ehemann so unfassbar laut.
Am nächsten Morgen spricht Helga ihn darauf an. Doch der antwortet nur mit unverständlichem Genuschel. Selbst nach dem Kaffee ist er nicht richtig wach. Auch nach der Arbeit hat Helga eine wandelnde Schlaftablette in der Wohnung. Gut, mit 53 ist Werner nicht mehr der Jüngste, aber so fertig sollte ihn ein Bürotag doch nicht machen. Das Ehepaar beschließt, einen Arzt aufzusuchen, damit Werner wieder Energie für gemeinsame Aktivitäten hat.

Was ist das Schlafapnoe-Syndrom?

Beim Schlafapnoe-Syndrom (SAS, oder auch einfach Schlafapnoe) kommt es im Schlaf zu Atemaussetzern. Es handelt sich also um eine Schlafstörung, genauer um eine schlafbezogene Atmungsstörung. Es gibt im Wesentlichen zwei Formen des Syndroms: die obstruktive und die zentrale Schlafapnoe. Auf beide gehen wir im Folgenden einzeln ein.

In beiden Fällen jedoch äußert sich das Syndrom vor allem durch starke Müdigkeit am Tage (s. nachfolgenden Abschnitt „Die Symptome: Woran erkennt man, dass man am Schlafapnoe-Syndrom leidet?“). Das liegt daran, dass der Schlaf nicht mehr so erholsam ist, wie er sein sollte.

Gut zu wissen!
Das Wort Apnoe stammt aus dem Griechischen ἄπνοια apnoia. Das bedeutet so viel wie Windstille oder Nicht-Atmung. In jedem Fall also „keine Bewegung der Luft“. Ausgesprochen wird es „A-pno-e“, also mit o und e als einzelne Vokale. Oft hört man aber selbst in Fachkreisen die Aussprache „Apnö“.

Die verbreitete Form: obstruktive Schlafapnoe

Die weitaus häufigere Form ist das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS). Sie macht etwa 90 Prozent der Schlafapnoefälle aus. Die Muskulatur der Atemwege entspannt dabei so sehr, dass die Atmung kurzzeitig ausfällt. Von Apnoen spricht man, wenn diese Aussetzer mindestens 10 Sekunden anhalten. Oft dauern sie zwischen 20 und 30 Sekunden. Von Hypopnoen ist hingegen die Rede, wenn die Sauerstoffzufuhr auf weniger als die Hälfte reduziert ist. Wie häufig Apnoen und Hypopnoen im Schlaf auftreten, bestimmt die Schwere des Syndroms.

Seltener und oft mit anderen Erkrankungen einhergehend: zentrale Schlafapnoe

Beim zentralen Schlafapnoe-Syndrom befindet sich die Ursache im Atemzentrum. Dabei handelt es sich um Nervengruppen, die den Wechsel von Ausatmung und Einatmung steuern. Sie befinden sich vor allem im verlängerten Mark (der sog. ‚Medulla oblongata‘) im hinteren Teil des Gehirns. Bei der Schlafapnoe wird dieser Teil des Zentralen Nervensystems nicht genügend stimuliert. Die Atmung setzt also so lange aus, bis der Körper erst recht spät merkt, dass er atmen muss.
Die zentrale Schlafapnoe tritt daher überwiegend bei Menschen mit Störungen des Nervensystems auf: also zum Beispiel nach einem Schlaganfall, bei Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz
.

Der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI)

Die Schwere beider Arten der Schlafapnoe lässt sich in drei Stufen unterteilen. Diese sind abhängig vom Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI). Das ist die mittlere Zahl der Atemaussetzer und Atemschwächen pro Stunde Schlaf.

Für die Diagnose „Schlafapnoe-Syndrom“ ist es notwendig, die Schlafaktivität zu überprüfen. Mit speziellen Geräten (siehe unten unter Diagnose) wir der sog. Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) ermittelt. Dieser gibt die Anzahl der Atempausen (Apnoen) und die Reduktion des Atemflusses über 10 Sek. (Hypopnoen) pro Stunde Schlafzeit an. Liegt die Zahl dieser Atemstörungen zwischen 15 und 30, spricht man von einem mittelgradigen OSAS, darüber hinaus von einer höhergradigen. Leichtgradig ist das Syndrom bei einem AHI von 5 bis 15.

Schweregradleichtgradigmittelgradigschweregradig
AHI5-1515-30>30

Die Symptome: Woran erkennt man, dass man am Schlafapnoe-Syndrom leidet?

Schnarchen und Schlafstörungen

Die verengten Atemwege, die Atemaussetzer im Schlaf verursachen, führen bei der obstruktiven Schlafapnoe zu lautem und unregelmäßigem Schnarchen. Dies ist in 95 Prozent der Fälle so. Das kann vor allem für den Partner (oder andere Menschen, die im selben Raum schlafen) unangenehm sein. Diese berichten auch, dass Betroffene in der Nacht Atemaussetzer haben. Daher hat das Syndrom auch seinen Namen (siehe oben). Bei der zentralen Variante entfällt das Schnarchen. Besonders bei Kindern kann Schnarchen ein starkes Indiz für eine OAS sein, die behandelt werden sollte. Sonst kann sie zu schweren Folgeerkrankungen führen.

Viele Betroffene haben einen ungesunden Schlaf. Sie schrecken nachts auf und kriegen keine Luft, keuchen oder würgen. Häufiges Wasserlassen in der Nacht (sog. ‚Nykturie‘) ist ebenfalls oft anzutreffen. Bei Kindern ist die Schlafapnoe häufig Ursache fürs Bettnässen. Auch starkes Schwitzen in der Nacht und die Wahrnehmung des eigenen (ungewöhnlich starken oder unregelmäßigen) Herzschlags können Symptome der Apnoe sein.

Tagesmüdigkeit und gefährlicher Sekundenschlaf

Obwohl das Schlafapnoe-Syndrom im Schlaf „wirkt“, hat es auch Auswirkungen auf die Lebensqualität im Wachzustand – und zwar keine positiven. Eine starke Müdigkeit am Tag ist ein Zeichen dafür, dass sich der Körper in der Nacht nicht erholt. Nicht nur ist es ausgesprochen lästig und anstrengend, sich den ganzen Tag über schlapp, unkonzentriert und nicht richtig wach zu fühlen.

In manchen Fällen aber kann die Tagesschläfrigkeit auch zum sog. Sekundenschlaf führen. Dabei wird die Müdigkeit so stark, dass man von ihr übermannt wird und für mehrere Sekunden tatsächlich einschläft. Der Schlaf ist so kurz, dass viele Menschen selbst gar nicht bemerken, dass sie einnicken. Besonders gefährlich wird das im Straßenverkehr. Man geht davon aus, dass fast die Hälfte aller Verkehrsunfälle auf Übermüdung zurückgehen. Diese Müdigkeit ist natürlich nicht immer durch Schlafapnoe verursacht. Aber immerhin 13 Prozent der Männer und 6 Prozent der Frauen leiden unter Schlafapnoe und die allermeisten Menschen in Deutschland sind regelmäßig am Steuer unterwegs. Unter Berufskraftfahrern sind es sogar 16 Prozent.

Achtung!
Wenn Sie ein Fahrzeug lenken und merken, dass Sie müde werden, versuchen Sie nicht, die Müdigkeit zu ignorieren. Laute Musik oder offene Fenster haben nur einen kurzen Effekt. Riskieren sie nichts, bevor es zu spät ist. Bei einem Unfall wegen Müdigkeit drohen sogar bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe!Das Universitätsspital Bern rät: Trinken Sie eine Tasse Kaffee und machen Sie ein Nickerchen von 15 Minuten. Das Koffein wirkt erst nach dieser Viertelstunde. So verstärkt sich der Effekt beider Maßnahmen. Anschließend können Sie die Fahrt sicherer fortsetzen.

Weitere Symptome und Folgen

Verhältnismäßig häufig sind auch Kopfschmerzen am Morgen. Darüber hinaus können noch folgende Symptome auftreten:

  • Gedächtnisschwächen
  • Schwache Libido (schwaches sexuelles Verlangen)
  • Impotenz
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • depressive Störungen

Wird die Schlafapnoe nicht behandelt, kann sie langfristig schwerwiegende Folgen haben:

Auffällig ist, dass es einige Erkrankungen gibt, die bei Schlafapnoe-Patienten auffallend oft vorkommen. Ob z. B. Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen nun eine Folge oder eine Ursache sind, ist schwer zu sagen. Die meisten Mediziner gehen allerdings davon aus, dass Übergewicht (und damit oft verbunden die Herzerkrankungen) Schlafapnoe verursacht. Daher gehen wir im nächsten Abschnitt darauf ein. Gegenseitige Wechselwirkungen sind aber auch nicht unwahrscheinlich.

Unterschiede bei zentralem Schlafapnoe-Syndrom

Im Wesentlichen äußert sich die zentrale Schlafapnoe durch die gleichen Symptome wie die obstruktive. Allerdings fällt das Schnarchen weg. Auch von der Müdigkeit am Tag und von den Kopfschmerzen wird seltener berichtet. Insbesondere gibt es aber einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und Herzschwäche.

Symptome obstruktiver Schlafapnoe bei Kindern

Wenn ein Kind schnarcht, kann das auf eine obstruktive Schlafapnoe hindeuten. Dann sollte ein Arzt aufgesucht werden. Der schlechte Schlaf und die unzureichende Atmung in der Nacht können die Entwicklung des Kindes stören!

Zwar schnarchen die meisten Kinder mit OSA, aber nicht alle. Weitere Anzeichen sind unruhiger Schlaf und vermehrtes Schwitzen sowie Bettnässen. Am Tag atmen viele Kinder dann durch den Mund, weil die Atemwege in der Nase verstopft sind. Dafür sind Kinder aber am Tag seltener müde als Erwachsene mit Schlafapnoe.

Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten am Morgen behindern die schulische Leistung. Das kann sogar zu umfassenden Lern- und Verhaltensproblemen führen.

Auf lange Sicht kann die Schlafapnoe bei Kindern auch zu Herz- und Kreislauferkrankungen wie dem „Lungenherz“ (sog. ‚Cor pulmonale‘) und pulmonaler Hypertonie führen. Diese verursachen Schmerzen und Schwindel. Außerdem begünstigen sie wiederum Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen.

Video-Exkurs: Chronisches Erschöpfungssyndrom
Wenn wir uns tagsüber immer müde und erschöpft fühlen, kann das viele Ursachen haben. Eine davon ist Schlafapnoe. Aber es gibt noch mehr Gründe. Einen davon stellt Dr. Weigl im folgenden Video vor:

Lesen Sie auch unseren Artikel zum Thema: „Immer müde (Fatigue) – Ursachen & Behandlung chronischer Müdigkeit“

Wen kann es betreffen?

Obstruktive Schlafapnoe bei Erwachsenen

Für die obstruktive Schlafapnoe sprechen Erhebungen davon, dass ca. 13 Prozent der Männer und 6 Prozent der Frauen in den Vereinigten Staaten von einer obstruktiven Schlafapnoe betroffen sind. Diese Zahlen lassen sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf Deutschland übertragen. Auffällig ist, dass in den letzten zwanzig Jahren die Rate der Erkrankungen um mehr als 50 Prozent gestiegen ist.

Wie oben bereits erwähnt, scheint es einen Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und bestimmten anderen Krankheiten zu geben. So befällt die obstruktive Schlafapnoe Menschen mit Erkrankungen des Herzkreislaufsystems (z. B. der Koronaren Herzkrankheit, Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz) zwei- bis dreimal häufiger! Daher kann einer Schlafapnoe-Therapie wie die CPAP-Beatmung (dazu mehr weiter unten) auch bei Herzerkrankungen wie Vorhofflimmern helfen. Auch ist das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom bei Diabetikern häufiger zu beobachten.

Sowohl Diabetes als auch Herzbeschwerden können Folgen von Übergewicht sein. Entsprechend sind die meisten Personen mit Schlafapnoe-Syndrom adipös. Damit hilft eine gesunde Lebensweise auch gegen Schlafapnoe – und damit auch gegen Tagesmüdigkeit. Ganz zu schweigen davon, dass Diabetes und ein hohes Herzinfarktrisiko und viele weitere Folgen von Adipositas ebenfalls nicht wünschenswert sind.
Es gibt aber auch andere Gründe, die das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom begünstigen. Dazu zählt etwa eine Tonsillenhyperplasie (eine Form der Angina tonsillaris). Aber auch anatomische Besonderheiten können Ursache sein. Wenn die Atemwege so gebaut sind, dass sie die Atmung behindern, sind Atemstörungen im Schlaf auch möglich.

Darüber hinaus kann auch die Art, wie wir schlafen, einen Einfluss haben. In entspannter Rückenlage kann die Zunge nach hinten rutschen und die Atemwege verschließen. Alkohol und andere Drogen sowie Beruhigungsmittel können ebenfalls die Muskelentspannung im Rachen verstärken.

  • anatomische Besonderheiten (vergrößerte Zunge, große Mandeln)
  • Übergewicht: die Mehrheit der Schlafapnoe-Patienten ist adipös
  • Rückenlage: Verrutschen der Zunge
  • verstärkte Muskelentspannung: z.B. durch Alkohol, Medikamente oder Drogen

Obstruktive Schlafapnoe bei Kindern

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind an obstruktiver Schlafapnoe erkrankt, liegt bei ca. 2 Prozent.

Risikofaktoren sind die folgenden:

  • vergrößerte Mandeln oder Polypen
  • Adipositas
  • Anomalien im Körperbau des Gesichts
  • Bestimmte Medikamente (z. B. Sedativa, Opiate)
  • Mukopolysaccharidosen (eine Gruppe von Stoffwechselstörungen)
  • Störungen, die zu hohen oder zu niedrigen Blutdruck verursachen

Die häufigste Ursache bei Kindern ist heutzutage tatsächlich Übergewicht.

Ursachen zentrale Schlafapnoe

Besonders von zentraler Schlafapnoe (ZSA) gefährdet sind Menschen mit Herz- oder Nierenproblemen. So haben 21–37 Prozent der Patienten mit Herzinsuffizienz und eingeschränkter linksventrikulärer Funktion ZSA mit CSR – bei der Cheyne-Strokes-Atmung handelt es sich um ein bestimmtes Atmungsmuster im Schlaf. Ohne eingeschränkte linksventrikuläre Funktion liegt die Quote bei 18–30 Prozent. Frauen sind seltener betroffen als Männer. Ab dem Alter von 60 Jahren steigt das Risiko für Männer dabei deutlich an. Nach einem Schlaganfall ist die Wahrscheinlichkeit für Schlafapnoe besonders hoch (bis zu 72 Prozent).

Hat man bei Ihnen das Schlafapnoe-Syndrom diagnostiziert? Besteht da womöglich ein Zusammenhang mit Ihrem Gewicht? Welchen BMI hatten Sie, als Sie an Schlafapnoe litten? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihr Schlafapnoe-Risiko besser einzuschätzen. BMI = Körpergewicht (in kg) geteilt durch Größe (in m) zum Quadrat.
Video-Exkurs: Wie wichtig Schlaf für unsere Gesundheit ist
Dass wir nach einer erholsamen Nacht am Tag fit sind, ist klar. Genauso, dass wir uns schlapp fühlen, wenn wir unruhig oder zu wenig schlafen. Aber wussten Sie, dass Schlafmangel auch zu chronischen Krankheiten führen kann? Welche Bedeutung der Schlaf für unsere Gesundheit hat, erklärt Dr. Tobias Weigl in diesem Video:

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

In der Regel suchen Schlafapnoe-Patienten den Arzt auf, weil sie sich erschöpft fühlen oder weil sie etwas gegen das Schnarchen unternehmen wollen, da es den Partner um den Schlaf bringt. Da die Ursache für beides im Schlaf zu suchen ist, ist meist eine sog. Fremdanamnese notwendig. Das heißt, dass jemand anders den Schlaf des Betroffenen beobachtet. Man selbst kann das schließlich schlecht. Heutzutage sind allerdings auch Videoaufnahmen von sich selbst, z. B. mit dem Smartphone, kein Problem mehr. Dabei ist auf Schnarchen, Atemaussetzer sowie weitere Auffälligkeiten zu achten.

Fällt dadurch der Verdacht auf Schlaf-Apnoe, sind in einem nächsten Schritt unterschiedliche Untersuchungen möglich.

Polygraphie: Schlafuntersuchung zu Hause

Ein Polygraphiegerät misst, wie der Name schon andeutet (poly, aus dem Griechischen, bedeutet ‚viel‘) unterschiedliche Werte während des Schlafs. In der Praxis erhalten Sie eine Unterweisung, wie das Gerät zu befestigen und zu handhaben ist. Das tragen Sie zu Hause im eigenen Bett zum Schlafen und bringen es am nächsten Tag zur Auswertung zurück.

Das Polygraphiegerät besteht im Wesentlichen aus einem oder zwei elektronischen Modulen: einem, das sie an der Brust tragen, und einem für das Handgelenk. Bei manchen Modellen haben Sie nur das Brustteil. Die Geräte befestigen Sie mit Gurten am Körper. Außerdem gibt es Kabel und Schläuche, die Sie an der Nase, unterm Kinn und an der Hand befestigen.

Das Polygraphiegerät misst folgende Werte:

  • Herzfrequenz mittels EKG
  • das Schnarchen mittels eines Mikrofons
  • den Atemfluss über Mund und Nase
  • die Bewegungen von Brustkorb und Unterleib
  • die Schlaflage
  • den Sauerstoffsättigung im arteriellen Blut über die Haut

Mit diesen Werten lassen sich die Atemaussetzer konkret bestimmen. Treten diese sog. ‚Apnoen‘ zusammen mit den Atemschwächen (sog. ‚Hypopnoen) mehr als fünf Mal pro Stunde auf, spricht man vom Schlafapnoe-Syndrom. Liegt dieser Apnoe-Hypopnoe-Index bei 15–30, ist die Schlafapnoe mittelgradig. Bei mehr als 30 spricht man von einer schwergradigen Schlafapnoe. Diese sollte dringend behandelt werden.

Polysomnographie: Untersuchung im Schlaflabor

Es gibt auch die Möglichkeit, zusätzlich die Schlafqualität zu beurteilen. Das ist dann allerdings nicht mehr zu Hause möglich, weil dazu weitere Geräte notwendig sind. Deshalb erfolgt die Polysomnographie im Schlaflabor. In der Regel umfasst sie zwei Tage bzw. Nächte.
Neben den Untersuchungen der Polygraphie wird zusätzlich Folgendes gemessen:

  • Die Messung sog. ‚corticaler Potentialschwankungen‘ mittels Elektroenzephalographie (EEG) ermöglicht die Einteilung in Schlafphasen und Schlafstadien.
  • Mit einer Elektrookulographie (EOG, Aufzeichnung der Augenbewegungen) lassen sich die REM-Phasen ausmachen.
  • Die sog. Elektromyographie Muskelaktivität misst die Muskelaktivität.
  • Oft wird der Vollständigkeit halber auch ein EKG durchgeführt, das die Herzfrequenz und Herzrhythmus misst.

Fakten-Box

Obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS, OSA):
Bis zu 13 % aller Männer und 6 % aller Frauen betroffen
Etwa 2 % der Kinder betroffen
Risikofaktoren

  • Übergewicht
  • Erkrankungen des Herzkreislaufsystems
  • Bei Kindern zusätzlich: bestimmte Medikamente, Anomalien im Gesichtskörperbau

Symptome

  • Starkes und arhythmisches Schnarchen
  • Tagesmüdigkeit
  • Aufwachen, oft mit Atemnot in der Nacht
  • Häufiges nächtliches Wasserlassen
  • Starkes nächtliches Schwitzen
  • Bei Kindern zusätzlich: Konzentrationsschwäche, Bettnässen

Zentrales Schlaf-Apnoe-Syndrom (ZSA):
Bis zu 37 % der Patienten mit Herzinsuffizienz
Mehr Männer als Frauen
Häufig nach Schlaganfall
Risiko steigt ab 60 Jahren
Risikofaktor Niereninsuffizienz

Symptome

    • Tagesmüdigkeit
    • Aufwachen, oft mit Atemnot in der Nacht
    • Häufiges nächtliches Wasserlassen
    • Starkes nächtliches Schwitzen

 

 

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Um den Atemaussetzern in der Nacht entgegenzuwirken, gibt es Geräte, die die Atmung unterstützen. Auf die entsprechenden Verfahren gehen wir weiter unten ein. Zuerst wollen wir nämlich darauf hinweisen, dass bei der Behandlung von Schlafapnoe die Mitarbeit der Patienten immens wichtig ist.

Um die Ursachen und Folgen der Atemaussetzer zu beseitigen, kann man nämlich selbst etwas tun. Dazu zählen – je nachdem, ob es zutrifft – folgende Veränderungen der Handlungsweisen:

  • Das Gewicht reduzieren
  • Vermeiden von Alkohol und Nikotin
  • Vermeiden von Beruhigungsmitteln (sog. ‚Sedativa‘, z. B. Diazepam, Amitriptylin oder Propofol)
  • Regelmäßiger und ausreichend langer Schlaf
  • Schlafen auf der Seite und nicht auf dem Rücken
  • Einstellen des Blutdrucks

Liegt die Ursache in einem besonderen Aufbau der Atemwege, lässt sich das Problem unter Umständen mit einer Operation lösen.

Luftschienung durch nCPAP

Auch bei der überaus hilfreichen PAP-Behandlung braucht es etwas Disziplin. Verbreitet sind die beiden Methoden nCPAP und BIPAP.

Hinter der Abkürzung nCPAP verbirgt sich das Verfahren des ‚nasal Continuous Positive Airway Pressure‘, zu Deutsch auch ‚nasale kontinuierliche nächtliche Überdruckatmung‘. Bei richtiger Anwendung hilft diese Maßnahme in 97 Prozent der Fälle gegen die obstruktive Schlafapnoe. Allerdings vermutet man, dass gerade mal 30 Prozent der Patienten die Maßnahme richtig durchführen. Was ist so schlimm daran?

Um das Zusammenfallen der Atemwege zu verhindern, wird beim nCPAP ein Überdruck aufgebaut. Das macht ein Kompressor. Dann muss der Druck auf die Atemwege wirken. Dafür muss man eine Atemmaske tragen, die die Nase und manchmal auch den Mund bedeckt. Damit sie nicht abfällt, wird sie mit Gurten am Kopf befestigt.

Viele Patienten beklagen daher Druckstellen und ein Gefühl der Einengung. Weitere Nebenwirkungen können sein:

  • Bindehautentzündungen
  • Austrocknung von Mund und Nase
  • Mittelohrprobleme
  • Tinnitus

Außerdem fühlen sich viele durch die Geräusche des Kompressors gestört. Der ist entsprechend auch für andere Menschen im Schlafzimmer hörbar. Aus diesen Gründen tragen viele Menschen die Maske nicht die ganze Nacht. Das wäre aber für einen Therapieerfolg notwendig.
Die nCPAP-Maske sollte jede Nacht die ganze Nacht getragen werden und zwar über einen langen Zeitraum – manchmal das ganze Leben lang. Darum ist eine regelmäßige Überprüfung durch Ärzte oft notwendig. Dafür sinkt aber das Risiko für Herzerkrankungen beträchtlich und man fühlt sich fitter am Tag.

Für Patienten mit Herzinsuffizienz: BIPAP

BIPAP ist eine Therapie für Patienten mit Herzschwäche. Das heißt, sie behandelt v. a. die zentrale Schlafapnoe. BIPAP steht für ‚Bilevel Positive Airway Pressure‘. Das Wort ‚biphasic‘ bezieht sich dabei auf die Funktionsweise. Hier wird mit zwei verschiedenen Druckniveaus gearbeitet, je nach Ein- und Ausatmung. Der Effekt, die Anwendung und die Schwierigkeiten sind hierbei dieselben wie beim nCPAP.

In erster Linie wird aber versucht, bei herzschwachen Patienten die Grunderkrankung zu heilen. Behandelt man die Herzinsuffizienz, ist oft auch die Schlafapnoe kein Thema mehr.

Häufige Patientenfragen

Mein Partner schnarcht ganz laut. Hat er das Schlafapnoe-Syndrom?

Dr. T. Weigl
Nicht unbedingt. Schnarchen kann unterschiedliche Ursachen haben. Die meisten Menschen, die schnarchen, leiden nicht an Schlafapnoe. Beobachten Sie Ihren Partner im Schlaf. Denn erst, wenn er nicht nur schnarcht, sondern auch mehrere Sekunden lange Atemaussetzer hat, spricht man von einer Schlafapnoe.

Muss man Schlafapnoe behandeln?

Dr. T. Weigl
Ein ungesunder Schlaf kann ihr Leben stark beeinträchtigen. Außerdem kann Schlafapnoe zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen. Es mindert doch Ihre Lebensqualität, wenn Sie den ganzen Tag über müde sind und auf der Arbeit und im Kino jeden Moment einschlafen könnten. Von den Gefahren im Straßenverkehr ganz zu schweigen! Aber Schlafapnoe steht auch mit Diabetes, Schlaganfällen und Herzerkrankungen in Verbindung. Dieses Risiko lässt sich doch vermeiden!

Ist eine Atemmaske mit Kompressor neben dem Bett die einzig mögliche Therapie?

Dr. T. Weigl
Nein, die PNP-Therapien mit den Atemmasken kommen zum Einsatz, wenn man an den Ursachen der Schlafapnoe nichts machen kann. Anatomische Ursachen lassen sich unter Umständen operieren. Übergewichtigen Patienten kann es helfen, ihr Gewicht zu reduzieren. Auch das verändert die Atemwege. Meiden Sie Alkohol, Drogen und Beruhigungsmittel. Manchmal hilft es auch, einfach die Schlafposition zu ändern und auf der Seite zu schlafen.

Es war schon komisch, Werner mit diesen Apparaten auf der Brust schlafen zu sehen, mit diesem Polygraphiegerät. Aber nun hat das Ehepaar Gewissheit: Werner leidet am obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom. Was kann man dagegen unternehmen? Aufs Feierabendbierchen verzichten. Zumindest an den meisten Tagen. Auf der Seite schlafen. Das scheint zu helfen – bis Werner sich im Schlaf auf den Rücken dreht. Vielleicht muss doch so ein Beatmundgerät ins Schlafzimmer? „Nee, lass mal!“, sagt Werner zu seiner Helga. „Bevor wir uns so einen Apparillo anschaffen, versuche ich erst, ein paar Pfunde abzunehmen. Vielleicht hilft das ja bereits!“

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Haben auch Sie Erfahrungen mit Schlafapnoe? Haben Sie Fragen zum Thema? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Marek Firlej
Redaktion: Andrea Lorenz
Veröffentlicht am: 3.4.2019

Quellen

  • Daniel Bratton u. a. (2015): Comparison of the effects of continuous positive airway pressure and mandibular advancement devices on sleepiness in patients with obstructive sleep apnoea: a network meta-analysis. In: The Lancet. Respiratory Medicine 3 (11): S. 869-878.
  • DAK Forschung (Hg.) (2010): DAK Gesundheitsreport 2010 für Rheinland-Pfalz. DAK, Berlin.
  • Jutta de Monte (2017): Wenn die berufliche Existenz auf dem Spiel steht. Arztdiskussion: Schlafapnoesyndrom und Kraftfahrtauglichkeit? In: coliuio.
  • Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) (2017): S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörung Kapitel „Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen“.
  • Stefan Sielaff (2018): Müdigkeit am Steuer: Lebensgefährlicher Blindflug. In: adac.de
  • Kingman P. Strohl: Obstruktive Schlafapnoe. In: msdmanuals.com.
  • Kingman P. Strohl: Obstruktive Schlafapnoe bei Kindern Obstruktive Schlafapnoe bei Kindern. In: msdmanuals.com.
  • Walter Willems (2018): „Einschlafen am Steuer ist eine Straftat“. In: welt.de.
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