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Fuß umgeknickt – Bänderriss oder Bänderdehnung: Was tun?

Auf einen Blick – Fuß umgeknickt

Was passiert, wenn man mit dem Fuß umknickt?

  • Belastung des Außenbandes mit ggf. Überdehnung
  • fachsprachlich: Supinationstrauma

Wen kann es erwischen?

  • häufige Alltagsverletzung
  • häufigste Sportverletzung, bspw. beim Fußball, Volleyball oder Basketball

Symptome

  • Schmerzen im Fußgelenk
  • dicker Knöchel
  • Bluterguss über der betroffenen Stelle
  • Stabilitätsverlust

Behandlung (Auszug)

  • Erste Hilfe: PECH-Regel → Pause, Eis, Druckverband, Hochlagern
  • Gelenkschonung inkl. Verbänden und Schienen
  • Physiotherapie
  • Schmerzmedikamente
  • je nach Ausmaß auch Operation nötig

Tipps

  • nach Verletzung schnell PECH-Regel anwenden
  • im zweifel Arzt aufsuchen, da Heilungsprozess sonst unnötig verzögert werden kann
  • schonen, nicht direkt wieder belasten

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Im Alltag kommt es schnell vor: eine falsche Bewegung und schon ist der Fuß umgeknickt. Unebenes Straßenpflaster, Absatzschuhe oder eine übersehene Treppenstufe sind nur drei von vielen Gründen, warum das Fußgelenk der extremen Belastung des Um- oder Abknickens ausgesetzt wird. Meist ist die Ursache ein unbedachtes Auftreten, doch auch bei sportlichen Aktivitäten kann man mit dem Fuß umknicken – beim Wandern, Joggen oder bei einer Ballsportart.

Das Sprunggelenk

„Soweit die Füße tragen“ – was als Sprichwort in unseren Wortschatz übergegangen ist, beinhaltet eine ganze Menge Wahrheit: Denn die Füße tragen uns buchstäblich durch unser Leben, Tag für Tag. Kein Wunder also, dass ein umgeknickter Fuß die häufigste orthopädische Verletzung ist. Schließlich ist das Fuß- bzw. Sprunggelenk rund um die Uhr einer hohen Belastung ausgesetzt.

Als Verbindungsgelenk zwischen dem Unterschenkel und dem Fuß bildet das Sprunggelenk ein entscheidendes Bindeglied in den unteren Extremitäten. Genauer betrachtet besteht das Fußgelenk aus zwei Gelenken, dem oberen Sprunggelenk (kurz: OSG) und dem unteren Sprunggelenk (kurz: USG). Zusammen bilden sie ein Zylindergelenk (sog. ‚Articulatio cylindrica‘), das in etwa einem Scharniergelenk entspricht. Diese besondere Form macht es möglich, dass der Fuß sich sowohl heben als auch senken sowie in geringem Maße ein- bzw. ausdrehen lässt. Verschiedene Sehnen und Bänder sorgen dafür, dass das Gelenk funktionsfähig ist und stabilisieren es.

Knickt man mit dem Fuß um, wird in den meisten Fällen das Außenband belastet und überdehnt. Da man in der Medizin bei Auswärtsbewegungen des Fußes von einer Supination spricht, bezeichnet man einen umgeknickten Fuß auch als Supinationstrauma.

Die Ursachen: Was passiert, wenn der Fuß umknickt?

Der Aufbau des Sprunggelenks ist nicht ohne Grund komplex: Der Fuß muss in mehrere Richtungen bewegt werden können – Strecken, Anziehen, Heben, Senken, Eindrehen, Ausdrehen und Rotieren. Um einen so großen Bewegungsumfang zu ermöglichen, muss das Gelenk schon so einiges können. Das alles funktioniert reibungslos, weil das Sprunggelenk die Form eines Zylindergelenks hat. Diverse Bänder halten das Gelenk an Ort und Stelle und geben den Radius, in dem sich der Fuß bewegen kann, vor.

Weil das Sprunggelenk einer hohen Belastung ausgesetzt ist – bei jedem Schritt muss es die gesamte Last des Körpergewichts tragen und auf den Boden umsetzen – sind sowohl die Gelenkknochen als auch die Gelenkbänder anfällig für Verletzungen.

Umknicken und Verstauchungen ereignen sich besonders häufig.

Knickt der Fuß nach außen um, wird das Band auf der Außenseite des Fußes über sein normales Maß hinaus gedehnt. Passiert weiter nichts, spricht man von einer Bänderdehnung, die zwar kurzzeitig schmerzhaft ist, aber in der Regel von selbst heilt. Weil das Band aus Kollagenfasern besteht, kann es bis zu einem gewissen Grad gedehnt werden, ohne dass die Fasern reißen. Je weiter die Fasern auseinandergezerrt werden, desto schmerzhafter und langwieriger ist die Verletzung. Eingerissenes oder vollständig gerissenes Gewebe führt zu Einblutungen, die sich in Form eines Blutergusses bis zur Haut übertragen. Weil die Haut am Fußgelenk sehr dünn ist, reichen schon kleine Einblutungen, um einen blauen Knöchel entstehen zu lassen. Sind die Fasern dagegen durchtrennt, spricht man von einem Bänderriss. Wie stark dabei der Knöchel anschwillt oder sich verfärbt, hängt von der Lage und Stärke der Verletzung ab.

„Ist der Fuß umgeknickt, kommt es meist zu Schmerzen und einer Schwellung, häufig in Verbindung mit einem Bluterguss. Wenn das Fußgelenk danach instabil ist, sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Einteilung in Stadien

Generell werden Bandverletzungen am Sprunggelenk bspw. nach Schweregrad in drei Stadien bzw. Grade unterteilt.

GradBedeutungAusmaß
1leichte Verletzungkleine Bänderdehnung, Teilriss möglich → Schmerzen und Schwellung (leicht), Funktionseinschränkung (gering), keine Instabilität
2mäßige VerletzungBänderteilriss → Schmerzen und Schwellung (mäßig), Funktionseinschränkung (leicht bis mäßig), leichte Instabilität gegeben
3schwere Verletzungkompletter Bänderriss → Schmerzen und Schwellung (stark), Funktionseinschränkung (deutlich), Instabilität gegeben

Die Symptome: Fuß umgeknickt – Woran erkennt man ein Supinationstrauma?

Da es sich bei einem umgeknickten Fuß um eine akute Verletzung handelt, treten die Symptome in aller Regel im unmittelbaren Moment des Ereignisses bzw. kurz danach auf. Die über das natürliche Maß hinausgehende Belastung des Außenbandes äußert sich in dem Moment, in dem der Fuß nach außen abknickt, schmerzhaft. Häufig passiert das Umknicken beim Abrollen des Fußes auf einer unebenen Stelle im Boden, an einer Bordsteinkante oder einer Treppenstufe.

Die Bezeichnung Supinationstrauma beschreibt das Umknicken des Fußes nach außen. Nur selten kommt es vor, dass der Fuß nach innen umknickt, da aufgrund der Beschaffenheit des Fußgelenks eine größere Hebelwirkung vonnöten ist, um das Gelenk abknicken zu lassen.

Knickt der Fuß um, entsteht in den meisten Fällen eine Bänderdehnung, häufig reißt das Band sogar (sog. ‚Bänderriss‘). Typische Symptome, die direkt auf das Umknicken folgen, sind starke Schmerzen und das Anschwellen des Sprunggelenks. Vor allem beim Bewegen des Gelenks, aber auch bei einer Belastung, also beim Auftreten, sind die Schmerzen deutlich spürbar.

Klassische Symptome, wenn der Fuß umgeknickt ist, sind:

  • Schmerzen im Fußgelenk
  • dicker Knöchel
  • Bluterguss über der betroffenen Stelle
  • Stabilitätsverlust

Viele Fälle, in denen der Fuß umknickt, ereignen sich beim Sport. Besonders Joggen, Skifahren und Fußball oder Volleyball sind typische Sportarten, bei denen das Sprunggelenk in Mitleidenschaft gezogen werden kann. In diesem Video erklärt Dr. Dr. Tobias Weigl, warum Sport auch Schaden (bspw. einen Muskelfaserriss) anrichten kann und was Sportler beachten sollten.

Wichtig für jeden Sporttreibenenden ❗ 10 beliebteste Sportarten: Gefahr für Rückenschmerz & Arthrose

Wen kann es erwischen?

Schon seit mehreren Jahrzehnten ist das Supinationstrauma, also der nach außen umgeknickte Fuß, die häufigste Sportverletzung. Es kann in vielen verschiedenen Sportarten zu einem Umknicken kommen, vor allem aber bei folgenden:

  • Fußball
  • Volleyball
  • Basketball
  • Handball
  • Tennis
  • Badminton
  • Laufen
  • Springen
  • Bergsteigen
  • Klettern

Die meisten Menschen sind in ihrem Leben schon mehrfach mit dem Fuß umgeknickt. Und tatsächlich ist dagegen auch niemand gefeit – denn eine Unachtsamkeit beim Gehen ist schnell passiert. Wir achten vor allem in Eile nicht immer darauf, wo wir hintreten, und so kann ein umgeknickter Fuß jedem zu jeder Zeit passieren. Man kann also festhalten, dass die Verletzung „Fuß umgeknickt“ sich durchaus auch häufig im Alltag ereignet.

Sind Sie schon einmal mit dem Fuß umgeknickt? Welche dieser Symptome traten bei Ihnen auf? Haben Sie einen Arzt aufgesucht? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Verletzung besser einzuschätzen.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

In vielen Fällen passiert bei einem umgeknickten Fuß nicht viel. Wenn das Außenband intakt bleibt, heilt die Verletzung von selbst ab – vorausgesetzt, das Gelenk wird für einige Tage geschont. Tritt jedoch eine Schwellung auf oder verfärbt sich der Knöchel blau, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. In Frage kommen dafür neben dem Hausarzt auch Unfallärzte oder Orthopäden.

Die Diagnostik bei einem umgeknickten Fuß zielt darauf ab, festzustellen, ob eine Bandverletzung vorliegt oder nicht. Dazu reichen meist ein Anamnese-Gespräch sowie eine körperliche Untersuchung des Sprunggelenks aus. Wichtige Hinweise für die Diagnose sind Schwellungen, Druckempfindlichkeit sowie ein Bluterguss auf der betroffenen Seite des Gelenks.

Der laterale Aufklapptest ermöglicht dem Arzt eine weitere Untersuchung des Gelenks: Wurde beim Umknicken das Außenband verletzt, lässt sich das Gelenk nach außen (lateral) verschieben. Ist das Band gerissen, kann das Sprunggelenk im Vergleich zum Unterschenkel nach außen verschoben werden. Ist dagegen das vordere Band des Sprunggelenks gerissen, kann das Gelenk deutlich sichtbar nach vorn gezogen werden. Liegt „nur“ eine Dehnung oder Zerrung vor, ist das nicht möglich.

Wichtig für die Diagnose ist, dass diese Tests immer im Seitenvergleich vorgenommen werden, also das gesunde Sprunggelenk des anderen Fußes zum Vergleich herangezogen wird. Grund dafür: Die Beweglichkeit des Gelenks ist bei jedem Menschen anders. Unregelmäßigkeiten können also ausschließlich im direkten Vergleich festgestellt werden.

Ergibt die körperliche Untersuchung keine abschließende Diagnose oder kann diese aufgrund von starken Schmerzen nicht zu Ende geführt werden, können zudem bildgebende Verfahren hinzugezogen werden. Standardmäßig werden Röntgenaufnahmen durchgeführt, um Verletzungen am Knochen auszuschließen. Eine MRT wird dagegen bei einem einfachen Umknicken des Fußes eher selten angewendet.

Fakten-Box – Fuß umgeknickt

  • kann jederzeit im Alltag oder beim Sport vorkommen
  • in der Regel ist der Fuß nach außen umgeknickt (sog. ‚Supinationstrauma‘)
  • kann zu Bandverletzungen (Dehnung, Riss) führen

Folgen

Diagnose

  • Anamnesegespräch
  • körperliche Untersuchung mit Tests auf Schwellungen und Druckempfindlichkeit
  • Röntgenaufnahmen, wenn Diagnose noch nicht möglich oder durch Schmerzen behindert

Behandlung

  • Erste Hilfe: PECH-Regel → Pause, Eis, Druckverband, Hochlagern
  • Gelenkschonung inkl. Verbänden und Schienen
  • Physiotherapie
  • Schmerzmedikamente
  • je nach Ausmaß auch Operation nötig

Selbst handeln – PECH-Regel anwenden

Wenn Sie mit dem Fuß umgeknickt sind, können Sie schon selbst erste Maßnahmen entsprechend der PECH-Regel ergreifen, um starke Schwellungen und Blutergüsse zu vermeiden.

Die PECH-Regel umfasst:

  • P = Pause, Aktivität einstellen
  • E = Eis, Kühlen des betroffenen Gelenks
  • C = Compression, Druckverband anlegen
  • H = Hochlegen, Blutzufuhr verringern

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Der behandelnde Arzt wird dann auf der Grundlage seiner Diagnose entscheiden, welche weiteren Therapiemaßnahmen durchgeführt werden.

Handelt es sich um eine einfache Dehnung oder Zerrung des Außenbands, reichen abschwellende Maßnahmen wie Kühlen, Hochlagern und ein Druckverband aus, um das Sprunggelenk zu heilen. Für einige Tage sollte es außerdem geschont werden.

Ein Bänderriss dagegen benötigt eine etwas aufwändigere Behandlung. Auch hier steht die Schonung des Gelenks im Vordergrund; diese wird durch spezielle Verbände oder Gehschienen (pneumatische Stabilisationsschienen) unterstützt. Bei reduzierter Belastung kann das gerissene Band wieder zusammenwachsen. Dabei wird es aber nicht vollständig ruhiggestellt, sondern erhält einen geringen Bewegungsfreiraum. Getragen werden müssen solche Schienen etwa sechs Wochen lang.

Zur Förderung der Beweglichkeit kann zudem Physiotherapie verordnet werden. Diese verfolgt gleich mehrere Ziele, nämlich:

  • Wiederherstellung der Symmetrie der Beinachsen
  • Beweglichkeit wiederherstellen
  • Gelenkstabilität verbessern
  • Knöchel entstauen
  • Durchblutung fördern
  • normale Bewegungsabläufe wiederherstellen

Dabei achtet der behandelnde Physiotherapeut stets darauf, dass die notwendige Belastung an die Behandlung angepasst wird, um Überlastungen und so weitere Schäden zu vermeiden.

Bei starken Schmerzen werden zudem leichte Schmerzmittel (z. B. Paracetamol) und Entzündungshemmer (bspw. Ibuprofen oder Diclofenac) eingesetzt.

Fuß umgeknickt – Operation möglich?

Ja, eine Operation ist bei umgeknicktem Fuß möglich, aber nur selten nötig. Nämlich in der Regel nur dann, wenn schwere Verletzungen oder schlecht verlaufende Therapien Anlass dazu geben. Ein Bänderriss mit z. B. einer offenen Verletzung oder einem Bluterguss, aus dem sich schon abgestorbenes Gewebe ergeben hat, stellen Gründe für eine Operation dar. Gehen wir an dieser Stelle weiter von einem Bänderriss aus, so gibt es mehrere verschiedene Verfahren, die zur Anwendung kommen können.

Ist das Band mittig gerissen und fasert nicht stark aus, so kann es mit einer Bandnaht wieder verbunden werden. Wenn das Band aber nah am Ansatz, also am Knochen, gerissen ist, kann ggf. eine sogenannte transossäre Reinsertion vonnöten sein. Dabei wird im Bereich des Bandansatzes ein Loch in den Knochen gebohrt, in dem dann der Bandansatz fixiert wird.

Welches Verfahren letztlich Anwendung findet und ob eine Operation überhaupt notwendig ist, entscheidet natürlich der behandelnde Arzt auf Grundlage seiner Diagnose.

Aus der Forschung – Physiotherapie wirkungslos?

Da die EIgentherapie nach einem SUpinationstrauma zeitweise als nicht sehr effektiv gilt, bekommen immer mehr Patienten Physiotherapie verschrieben. Eine groß angelegte Studie hat allerdings gezeigt, dass die Erholung durch ebendiese Physiotherapie kaum beeinflusst wird – zumindest dann nicht, wenn das Gelenk an sich noch stabil ist. Das haben kanadische Forscher herausgefunden. Ihre Ergebnisse veröffentlichten Sie im British Medical Journal.

Ärzte halten Physiotherapie in diesem Zusammenhang scheinbar für sehr effektiv, allerdings ist das Problem, dass die Wirkung dieser Behandlung bisher kaum wissenschaftlich belegt ist. Aus diesem Grund haben Robert Brison von der Queen’s University (Kingston/Ontario) und seine Kollegen eine große Studie durchgeführt.

Sie untersuchten 503 Patienten mit Supinationstraumata der Grade 1 (Gelenk ist stabil) und 2 (leicht instabiles Gelenk) im Alter von 16–79 Jahren. Per Zufall wurden diese Personen auf zwei Gruppen aufgeteilt: In der einen Gruppe erhielten die Patienten einen Verband sowie Ratschläge für die Nachsorge zu Hause, in der anderen bekamen die Patienten 7 physiotherapeutische Sitzungen verordnet.

Kaum Unterschiede auszumachen

Nach jeweils einem, zwei und sechs Monaten sollten die Patienten einen Fragebogen ausfüllen, anhand wessen die Forscher den Erfolg der Behandlungen bewerteten. Sprachen die Ergebnisse bei den Erhebungen nach einem bzw. drei Monaten noch für einen guten Erfolg der Physiotherapie, so waren nach sechs Monaten kaum noch Unterschiede zu erkennen. Die Physiotherapie-Gruppe kam in 43 % der Fälle auf ein „exzellentes“ Ergebnis, in der Vergleichsgruppe ohne Physiotherapie waren es 38 %.

Schlussendlich zeigt sich also, dass eine Physiotherapie bei Supinationstrauma – wohlgemerkt bei Grad 1 und 2 – die Ausheilung nicht beschleunigen kann.

Quelle: Robert J. Brison u. a. (2016): Effect of early supervised physiotherapy on recovery from acute ankle sprain: randomised controlled trial. IN: British Medical Journal, 16. November 2016.

Häufige Patientenfragen

Muss ich bei einem umgeknickten Fuß operiert werden?

Dr. Dr. T. Weigl:
In der Regel kann ein umgeknickter Fuß mit konservativen Maßnahmen behandelt werden. Dazu zählen Schmerzmittel, eine Gehschiene oder die Physiotherapie. Nur wenn schwerwiegende Verletzungen am Knochen oder an der Gelenkkapsel vorliegen, wird eine Operation in Erwägung gezogen.

Kann man einen umgeknickten Fuß mit alternativer Medizin behandeln?

Dr. Dr. T. Weigl:
Solange Sie nicht wissen, ob eine Bandverletzung oder gar ein Bänderriss vorliegt, sollten Sie sich nicht auf homöopathische oder naturmedizinische Methoden verlassen. Nur der Gang zum Arzt kann ernstzunehmende Verletzungen, die schwere Folgeschäden verursachen können, ausschließen. In Bezug auf Schmerzmittel und Entzündungshemmer aber ist nichts gegen alternative Verfahren einzuwenden. Ruhigstellung, Kühlen und entzündungshemmende sowie schmerzstillende „Hausmittelchen“ wie Quark oder Zinksalben können zusätzlich verwendet werden.

Muss man einen umgeknickten Fuß behandeln?

Dr. Dr. T. Weigl:
Ob und wie ein umgeknickter Fuß behandelt werden muss, richtet sich nach dem Grad der Verletzung und der Stärke der Schmerzen. Um ernstzunehmende Verletzungen auszuschließen, sollten Sie in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, der unterscheiden kann, ob es sich um eine Bänderdehnung, eine Zerrung oder einen Bänderriss handelt. Leichte Formen der Bänderdehnung heilen von selbst, ein Bänderriss aber sollte ärztlich versorgt werden, um Folgeschäden und Bewegungseinschränkungen zu verhindern.

Was kann ich selbst tun, wenn ich umgeknickt bin und es nicht so schnell zum Arzt schaffe?

Dr. Dr. T. Weigl:
Sie sollen als Erste-Hilfe-Maßnahme auf jeden Fall die sogenannte PECH-Regel anwenden. Das heißt, dass Sie die betroffene Stelle schonen, kühlen, mit einem Druckverband versehen und hochlagern sollten. Die PECH-Regel leitet sich namentlich von den Begriffen Pause, Eis, Compression (engl. für etwa ‚Zusammenpressen‘) und Hochlagern ab. Wenden Sie die vorgesehenen Maßnahmen an, können Sie selbst schon früh zum Heilungsprozess beitragen.

Wenn ich operiert werde, wie werde ich danach wieder fit?

Dr. Dr. T. Weigl:
Am wichtigsten ist es nach einer Operation, die Beweglichkeit wiederherzustellen – denn die Instabilität im Sprunggelenk hat auch eine gestörte Muskelkoordination zur Folge, die mit entsprechenden Übungen wieder verbessert werden kann. In der Regel sollten Sie mit verschiedenen Übungen in Bezug auf Kraft, Bewegung und Koordination schon zwei bis drei Wochen nach der Operation beginnen. In der Zeit davor können Sie eine Schiene tragen, um Ihr Gefühl für die richtige Muskelkoordination wiederherzustellen. Allerdings haben Studien gezeigt, dass Personen, die lange eine Schiene getragen haben, auch erst später wieder einsatzfähig waren als Patienten, die früh mit Übungen begonnen haben. Auf lange Sicht macht das aber keinen Unterschied hinsichtlich der Stabilität.

Typisches Patientenbeispiel

Wie so oft ist Carsten spät dran: Als er aus dem Bürogebäude rennt und über den Vorplatz zum U-Bahn-Eingang sprintet, hört er schon, wie zwei Ebenen unter ihm die Bahn einfährt. Wenn er die verpasst, muss er am Hauptbahnhof fast eine ganze Stunde auf den nächsten Anschlusszug warten. Mit großen Schritten nimmt er auf der Rolltreppe nach unten immer gleich zwei Stufen auf einmal. Die Bahn hält, mit einem Piepsen fahren die Türen auf. Carsten erreicht die letzte Ebene und hechtet von der Rolltreppe. Dabei übersieht er die kleine Schwelle zum Bahnsteig, bleibt hängen und knickt mit dem Fuß nach außen um. Er spürt, wie das Außenband schmerzhaft überdehnt wird. Einen letzten Versuch, die Bahn zu bekommen, will er trotzdem noch wagen. Doch als er wieder losrennen will, schießt ein heftiger Schmerz durch sein Fußgelenk.

Als der Schmerz nachlässt, hat die U-Bahn den Bahnhof längst verlassen. Mit zusammengebissenen Zähnen humpelt Carsten zu einer Bank und massiert im Sitzen seinen verletzten Fuß. Er spürt eine leichte Schwellung, als er den Knöchel mit dem anderen Fuß vergleicht. Zum Glück hat sich noch kein blauer Fleck gebildet. Sobald er zu Hause ist, wird er den Fuß hochlegen und kühlen. Hoffentlich kann er morgen zur Arbeit gehen – seine Meetings darf er nicht verpassen.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  

Autoren: Christine Pepersack, Dr. Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Redaktion: Tobias Möller
Veröffentlicht am: 23.06.2018, zuletzt aktualisiert: 07.11.2019

Quellen

  • R. Best u. a. (2011): Aktuelle und neue Konzepte in der Behandlung
    akuter Außenbandverletzungen des Sprunggelenkes. In: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 62/3, S. 57–62.
  • Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) (2017): Leitlinie – Frische Außenbandruptur oberes
    Sprunggelenk (OSG). In: awmf.org.
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (Hrsg.) (2018): Sprunggelenkverstauchung. In: gesundheitsinformation.de.
  • Christine Mayer, Werner Siems (2011): 100 Krankheitsbilder in der Physiotherapie. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • F. Niethard, J. Pfeil, P. Biberthaler (2009): Orthopädie und Unfallchirurgie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Gwendolyn Vuurberg u. a. (2018): Diagnosis, treatment and prevention of ankle sprains: update of an evidence-based clinical guideline. In: British Journal of Sports Medicine 52.
[Gesamt:29    Durchschnitt: 3.4/5]

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