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Spreizfuß, Senkfuß und Plattfuß – Die häufigsten Fußdeformitäten im Überblick

Es gibt eine Vielzahl an Fußdeformitäten, die entweder angeboren oder erworben sind. Wichtig ist vor allem: Jede Fußdeformität kann sich auf das restliche muskuloskelettale System auswirken, also zu Fehlhaltungen im Bereich der Knie, der Hüfte oder der Wirbelsäule führen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Es gibt viele Fußdeformitäten. Dieser Beitrag widmet sich drei häufigen Formen, nämlich dem Spreizfuß, dem Senkfuß und dem Plattfuß. Im Folgenden erfahren Sie mehr über die einzelnen Beschwerdebilder, deren Ursachen so zahlreich wie unterschiedlich sein können. Eine Diagnose ist meist gut möglich, eine körperliche Untersuchung sowie die Bildgebung via Röntgen reichen häufig aus. In der Behandlung unterscheiden sich die Deformitäten jedoch stark. Während bei einigen Formen das Tragen von orthopädischen Einlagen ausreicht, kommen andere nicht ohne Krankengymnastik aus und bedürfen ggfs. sogar eines operativen Eingriffs.

„Warte mal, Marta, mir tut der Fuß gerade ziemlich weh“, presst Thomas zwischen den Zähnen hervor, während er sich in einer humpelnden Bewegung auf eine Bank am Waldrand zubewegt. „Echt jetzt?“, fragt Marta. „Wir sind doch gerade einmal ’ne Stunde unterwegs und wollten so viele Geocaches finden.“ – „Ich weiß, Marta. Aber wenn’s nicht geht, dann geht’s nicht. Ich will mir den Fuß nicht kaputter machen als er scheinbar eh schon ist.“ Vorsichtig entledigt sich Tomas seines Schuhs und zieht auch den Socken ganz langsam aus. „Seit wann hast du denn da diese Schwielen?“, fragt Marta ungläubig, woraufhin Martin erwidert: „Schon länger, aber irgendwie hab ich mich geschämt und gedacht, du würdest meine Fußhygiene bemängeln oder so…“ – „Ach komm schon, das ist doch Quatsch. Wir gehen jetzt – ganz langsam – nach Hause und dann bringe ich dich direkt zum Arzt.“

Was ist eine Fußdeformität?

Als Fußdeformität bezeichnet man im Allgemeinen eine krankhaft veränderte Fußform. Diese kann sich an jeder Stelle des Fußes – der eingeteilt ist in Vorfuß, Fußwurzel und Rückfuß – ereignen. Eine solche Deformität kann zurückzuführen sein auf degenerative Prozesse, Verletzungen, neurologische Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen oder Infektionen.

Die Anzahl der möglichen Deformitäten ist dabei zahlreich. Dieser Artikel widmet sich den Ursachen, Symptomen und Diagnose- sowie Therapiemöglichkeiten dreier häufiger Krankheitsbilder, nämlich:

  • dem Spreizfuß
  • dem Plattfuß
  • dem Senkfuß

Der Spreizfuß

Bei dem Spreizfuß (lat. ‚Pes transversus‘) handelt es sich um die häufigste Fußdeformität, von der Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Das vordere Quergewölbe ist, anfangs zunächst nur unter Belastung, abgesenkt und der Vorfuß verbreitert sich, fächert sich auf. Es kommt zu einer Muskeldysbalance zwischen Zehenstrecker und -beuger, was letztlich zu weiteren Zehen-Deformitäten führen kann. Bekannte Zehendeformierungen in diesem Zusammenhang sind der Hallux valgus sowie Hammer- und Krallenzehen.

Als Ursachen für einen Spreizfuß kommen mehrere Möglichkeiten infrage. Der Spreizfuß kann z. B. auf eine Bindegewebsschwäche zurückzuführen sein – möglicherweise familiär veranlagt – oder schlicht das Ergebnis anderer Fußdeformitäten wie Plattfuß oder Hohlfuß sein. Außerdem kann es sein, dass Betroffene falsches Schuhwerk tragen oder getragen haben, das entweder zu spitz zulief, zu eng oder zu klein war oder zu hohe Absätze hatte, wodurch sich eine erhöhte Vorfußbelastung ergab. Auch trägt eine Überbelastung durch langes Stehen auf hartem Boden zum Entstehen eines Spreizfußes bei. Aus diesem Grund sind bestimmte Berufsgruppen mehr gefährdet als andere, bspw. Verkäufer oder Köche. Nicht zuletzt wird das Entstehen eines Spreizfußes auch durch rheumatoide Arthritis begünstigt.

Video-Exkurs: Rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis beschreibt eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung mit unbekannten Ursachen. Die Erkrankung verläuft in Schüben und nimmt vor allem zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr ihren Anfang. Es kommt vorrangig zu Fehlstellungen an Händen und Füßen. Weitere Symptome sind Morgensteifigkeit, Schmerzen beim Händedruck, Gelenkschwellungen und viele mehr.
Mehr Informationen zum Thema Rheuma sowie zur rheumatoiden Arthritis hat Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Video zusammengestellt.

Die Symptome: Welche Beschwerden treten bei einem Spreizfuß auf?

Zunächst ist vor allem die Verbreiterung bzw. Auffächerung des Vorfußes auffällig. Dadurch, dass die Belastung nur noch auf den Köpfchen von drei Mittelfußknochen stattfindet, kommt es zur Bildung von Hornschwielen und Hühneraugen (lat. ‚Clavi‘, sg. ‚Clavus‘).

Gut zu wissen!
Hühneraugen sind schmerzhafte Druckschwielen, die infolge von Fehlbelastungen an knochennaher Haut entstehen. Entfernt werden diese Clavi durch Aufweichen mit Salicylsäure oder einem sogenannten Hühneraugenpflaster, gefolgt von einer vorsichtigen chirurgischen Entfernung der Hornschicht.

Betroffene tendieren überdies häufig dazu, den Fuß beim Gehen über den Fußaußenrand abzurollen, um den mittleren Vorfuß zu entlasten. Bei Belastung nehmen die Schmerzen meist zu, in Ruhe klingen sie ab. Die eben angesprochene Fehlbelastung, also das „falsche“ Abrollen, führt zu einer veränderten Beinstatik, wodurch sich letztlich Muskelverspannungen an den unteren Extremitäten ergeben können. Hinzu kommen Sprunggelenk-, Kniegelenk-, Hüftgelenk- und Rückenschmerzen.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Zunächst erfolgt das sogenannte Anamnesegespräch, also das Gespräch zwischen Arzt und Patient, in dem der Arzt sich vor allem nach Art und Dauer der Beschwerden sowie nach familiärer Veranlagung, beruflicher Tätigkeit und regelmäßig eingenommenen Medikamenten erkundigt.

Des Weiteren kann der Arzt im Rahmen der bildgebenden Untersuchung mittels Röntgen bereits das für einen Spreizfuß typische Bild erkennen: Der Abstand zwischen den Köpfchen der Mittelfußknochen ist vergrößert, allerdings nicht gleichmäßig. Er ist vor allem zwischen den randständigen Köpfchen größer. Es ist eine Abspreizung zu erkennen, aufgrund derer die Köpfchen der beiden äußeren Mittelfußknochen seitlich über den Fußrand hinausragen. An diesen Stellen ist der Knochen nur mit Haut bedeckt, wodurch sich – vor allem infolge chronischen Drucks sowie infolge von Scheuerbewegungen – die Haut verdickt und Schleimbeutel gebildet werden. In der Folge reagiert der Knochen und bildet einen knöchernen Zapfen, der sich von der Knochenoberfläche aus entwickelt (‚Exostose‘).

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Bei der Behandlung eines Spreizfußes unterscheidet man zwischen einer konservativen und einer operativen Therapie.

Vorab sollte festgehalten werden, dass es bisher nicht möglich ist, die normale Form und Funktion des Fußes wiederherzustellen, weder konservativ noch operativ. Ziel der Behandlung ist die Schmerzbekämpfung, sowohl beim Stehen als auch beim Gehen.

Im Rahmen der konservativen Therapie muss zunächst die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund stehen. So sollte bspw. bei Übergewicht eine Gewichtsreduktion stattfinden oder bei Diabetes mellitus der Blutzucker richtig eingestellt werden. Ist indes die Fußmuskulatur zu schwach, können Fußgymnastik, Fußbäder mit durchblutungsfördernden Zusätzen und Fußmassagen Abhilfe schaffen. In akut schmerzhaften Phasen helfen Tape- sowie Zinkleimverbände, feuchte Umschläge sowie Schmerzmittel. Auch elektrotherapeutische Maßnahmen können zur Schmerzlinderung beitragen. Überdies können verschiedene Einlagen oder Polster zur Entlastung der Mittelfußknochenköpfchen eingesetzt werden.

Achtung!
Bei Spreizfuß sollte das Tragen enger oder spitzer Schuhe, ggfs. sogar mit hohen Absätzen, unbedingt vermieden werden.

Die operative Therapie beinhaltet indes vor allem die Beseitigung von Deformitäten der Zehen infolge eines Spreizfußes. Außerdem können im Rahmen einer Durchtrennung des Knochens (‚Schrägosteotomie‘) Knochenspitzen abgetragen werden. Dieses Verfahren wurde inzwischen allerdings zugunsten der sogenannten Osteotomie nach Weil größtenteils verworfen. Dabei werden die betroffenen Köpfchen mit Schrauben in der gewünschten korrigierten Stellung fixiert. Es existieren noch weitere operative Verfahren, die allerdings eher selten bzw. vor allem bei Komplikationen zum Einsatz kommen, wenn bspw. die Zehengrundgelenke betroffen sind.

Der Senkfuß

Bei einem Senkfuß ist das Längsgewölbe des Fußes abgesenkt. Während das Längsgewölbe unbelastet keine auffällige Ausbildung zeigt, gibt es bei Belastung deutlich nach und flacht ab. Die federnde Gewölbefunktion büßt unter Belastung stark ein. Man bezeichnet einen Senkfuß daher auch als Plattfuß leichten Grades. Der Mediziner unterscheidet zwischen einem aktiv und einem passiv korrigierbaren Senkfuß. Wenn Betroffene mit aktiv korrigierbarem Senkfuß die Wadenmuskulatur anspannen, z. B. wenn sie in den Zehenstand gehen, richtet sich das Gewölbe auf. Bei einem passiv korrigierbaren Senkfuß hingegen ist das Aufrichten durch Eigenaktivität der Muskulatur nicht möglich. Jeder fünfte ist von Senkfüßen betroffen, allerdings entwickeln sich diese nicht allzu häufig zu Plattfüßen. Als Risikofaktoren gelten eine jahrelange Knick-Senkfuß-Belastung, schwache Bänder und Muskeln, Bewegungsmangel, Übergewicht sowie eine familiäre Veranlagung (‚genetische Disposition‘).

Die Symptome: Welche Beschwerden treten bei einem Senkfuß auf?

Patienten mit Senkfuß haben häufig Schmerzen unterhalb des Längsgewölbes. Diese ergeben sich manchmal erst nach längerer Belastung in der sogenannten Ermüdungsphase. Des Weiteren wölbt sich der Fuß nicht mehr in ganzer Länge nach oben, sondern liegt beinahe gänzlich auf dem Boden auf. Vor allem werden Schmerzen dann verursacht, wenn der fließende Übergang von Senk- zu Plattfuß stattfindet.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Auch hier findet zunächst ein Anamnesegespräch statt. Wie lange bestehen die Beschwerden bereits? Wie fühlen sie sich an? Nimmt der Patient regelmäßig Medikamente? Haben Familienmitglieder Senk- oder Plattfüße?

Darauf folgt die körperliche Untersuchung, bei der sich der Arzt das Längsgewölbe des Fußes im unbelasteten sowie belasteten Zustand ansieht und dann bereits feststellen kann, ob es sich um einen Senkfuß handelt. Denn das Fußgewölbe ist
normalerweise etwa 1–2 Fingerbreit hoch. Darüber hinaus kann der Arzt auch veranlassen, dass sich Patienten in den sogenannten hohen Zehenstand begeben, sodass er beurteilen kann, ob es sich um einen aktiv oder passiv korrigierbaren Senkfuß handelt.

Des Weiteren kann mithilfe einer Röntgenaufnahme das Ausmaß der Fehlstellung erfasst werden. Eine Fußdruckanalyse, auf der ein verbreiterter Mittelfuß zu erkennen ist, sowie eine Ganganalyse mit seitlicher Kameraeinstellung geben weiteren Aufschluss über die Fußdeformität.

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Ziel der Therapie eines Senkfußes ist die Stärkung der belastungstragenden Strukturen, da sich bei einem Senkfuß ein Defizit zwischen Belastung und tatsächlicher Belastbarkeit ergibt.

Daher wird zunächst ein aktives Training der Fußsohlen und der Wadenmuskulatur stattfinden, das Betroffene nach fachlicher Anleitung auch in Eigenregie zu Hause durchführen müssen, und zwar mehrmals täglich.

Der Fuß, der sich im Absenkprozess befindet, kann aber nicht unmittelbar gekräftigt werden, sodass sich vor allem auch das Tragen von entsprechenden stützenden Einlagen empfiehlt. Diese tragen dazu bei, dass die Überlastung des bei einem Senkfuß betroffenen Längsgewölbes vermindert wird. Die Einlagen übernehmen die bei der Belastung entstehenden Druckkräfte und sorgen überdies dafür, dass die Wölbung des Fußes erhalten bleibt.

Wichtig in diesem Zusammenhang: Es existieren Einwände bzgl. der Nützlichkeit der Einlagen, die besagen, dass eine Einlagenversorgung in diesem Fall den Fuß nur weiter schwächt. Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass alleinige Maßnahmen zur Stärkung der Fußmuskulatur die Diskrepanz zwischen Belastung und Belastbarkeit nicht aufwiegen können, da in vielen Berufsfeldern der Fuß mitunter stundenlang einförmig belastet wird und Übungen allein diesem Umstand nicht entgegenwirken können.

Der Plattfuß

Der Plattfuß (lat. ‚Pes planus‘) bezeichnet eine Fußdeformität, die in verschiedenen Formen auftreten kann, grundsätzlich aber durch bestimmte Charakteristika gekennzeichnet ist. Dazu gehört vor allem ein Absinken des Fußlängsgewölbes. Er ist in seltenen Fällen vorzufinden als angeborener Plattfuß (lat. ‚Pes planus congenitus‘). Häufiger sind die Formen des Kindlichen Plattfußes und des Plattfußes beim Erwachsenen, die beide in die Kategorie erworbene Plattfüße fallen.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei dem angeborenen Plattfuß um eine seltene Fehlbildung des Fußes. Diese kann im Zusammenhang mit neurologischen Störungen sowie Systemerkrankungen stehen. Dabei kommt es dazu, dass der Kontakt zwischen den gelenkbildenden Knochen im Bereich des Kahnbeins des Fußes (lat. ‚Os naviculare‘) in Gänze aufgehoben wird und sich die Achillessehne verkürzt.

Gut zu wissen!
Bei Systemerkrankungen, auch bekannt als systemische Erkrankungen, handelt es sich um Krankheiten, die das ganze Organsystem und nicht nur einzelne Körperregionen betreffen. Beispiele sind Anämien, Diabetes mellitus, Fibromyalgie oder Morbus Parkinson.

Bei dem erworbenen Plattfuß unterscheidet man indes zwischen einem Kindlichen Plattfuß und einem Plattfuß des Erwachsenen.

Der Kindliche Plattfuß ergibt sich meist ab dem 2. Lebensjahr. Bis zu diesem Zeitpunkt befinden sich die Fußplatten noch in einer sogenannten Supinationsstellung, sind also nach außen gedreht. Dies ist zurückzuführen auf den Umstand, dass Kinder sich bis zu diesem Zeitpunkt „vierfüßig“ fortbewegen. Ab dem 2. Lebensjahr beginnen dann die Aufrichtung zum Stand und die beidfüßige Fortbewegung. Infolgedessen verschwindet auch die Supinationsstellung und die Füße werden einwärts gedreht. Des Weiteren nimmt die Bewegung im unteren Sprunggelenk und in der sogenannten Chopart-Gelenklinie, einer Bewegungsachse des Fußes, zu. Zu diesem Zeitpunkt finden auch Drehungen (‚Torsionen‘) im Bereich von Ober- und Unterschenkel statt. In der Folge kann sich der Körperschwerpunkt verlagern und es kommt zu kleinkindlichen X-Beinen. Dadurch verändert sich die Stellung der Ferse und der Fuß senkt sich zum Innenrand hin ab. Diesen Umstand beschreibt man in der Medizin als physiologischen bzw. flexiblen Plattfuß, da es sich hierbei bei den meisten Kindern um eine normale Entwicklungsstufe nach Beginn des Laufenlernens handelt, die in der Regel von ganz allein durchschritten wird. Lediglich bei Abweichungen von der normalen Entwicklung besteht eine Therapiebedürftigkeit.

Der Plattfuß des Erwachsenen entsteht hingegen häufig als Kombination aus vorangegangen anderen Fußdeformität und wird daher auch als Knick-Senk-Spreizfuß bezeichnet. Dazu kommt es vor allem infolge einer Fußschwäche, welche größtenteils die schwache Muskulatur bezeichnet, aber auch Kapseln und Bänder betrifft. Aber auch andere Aspekte können ursächlich für einen Plattfuß sein. Dazu zählen unter anderem Übergewicht, X-Beine, ständiges Stehen, Bindegewebsschwäche, entzündliche Erkrankungen wie bspw. Rheuma, Stoffwechselerkrankungen wie bspw. Diabetes mellitus, Lähmungen, Brüche sowie Band- und Kapselverletzungen, Ernährungsmangel und Muskelinsuffizienz.

Gut zu wissen!
Es existieren einige Naturvölker, bei denen ein Plattfuß zu beobachten ist. Allerdings ist es bei diesen Völkern so, dass eine Vermehrung von sowohl Fußsohlenmuskulatur als auch Fettgewebe auf den Umstand zurückzuführen sind, dass sich diese Menschen weitestgehend barfuß fortbewegen. In diesem Sinne sind ihre Fußsohlen zwar optisch plan. Allerdings handelt es sich nicht um einen echten Plattfuß.

Die Symptome: Welche Beschwerden treten bei einem Plattfuß auf?

Der angeborene Plattfuß liegt, wie der Name schon sagt, vor allem bei Kleinkindern vor, weshalb es nicht wirklich möglich ist, die Symptome zu erfassen. Vielmehr handelt es sich bei den Beschwerden um erkennbare Fehlstellungen und Verkürzungen, die im Rahmen der klinischen Untersuchung von Neugeboren auffällig werden und daher im nachfolgenden Unterkapitel, im Rahmen der Diagnose, besprochen werden.

Bei dem Kindlichen Plattfuß kann man als Eltern vor allem Unterschiede im Gangbild des Kindes erkennen, wenn es bspw. „über den großen Onkel“ geht und das Längsgewölbe des Fußes abflacht. Problematisch wird diese eigentlich normale Entwicklungsstufe erst dann, wenn das Kind im Zehenstand die Fehlstellung der Ferse und die Fußsenkung des Rückfußes nicht mehr von allein ausgleichen kann. Dies kann als Zeichen einer Muskelschwäche gedeutet werden. In diesem Zusammenhang sollte auch darauf geachtet werden, ob das Kind übergewichtig ist. Überdies können Kinder natürlich über Fußschmerzen klagen, denen in jedem Fall nachgegangen werden sollte.

Der Plattfuß des Erwachsenen zeichnet sich indes vor allem durch anfangs belastungsabhängige Schmerzen am ganzen Fußinnenrand und im Bereich der Knöchel aus. Darüber hinaus bilden sich an Stellen, die besonderem Druck ausgesetzt sind, Druckstellen, Schwielen und Hühneraugen. Überdies ermüden Betroffene frühzeitig nach längerem Stehen und/oder Gehen und beklagen ein Brennen an der Fußsohle. Steifen die Gelenke auf Dauer ein, können die Beschwerden nachlassen. Die Fußfehlstellung verursacht überdies Schmerzen sowie Verspannung und Funktionsstörungen in den unteren Extremitäten und auch der Wirbelsäule. Des Weiteren begünstigt ein Plattfuß arthrotische Veränderungen in den Fußwurzelgelenken.

Video-Exkurs: Aufbau der Wirbelsäule

Als einer der wichtigsten Skelettteile unseres Körpers verbindet die Wirbelsäule unsere Extremitäten miteinander und macht den aufrechten Gang erst möglich. Allerdings kann sie auch von zahlreichen Erkrankungen betroffen sein, die mitunter starke Rückenschmerzen verursachen. Zu den typischen Verletzungen bzw. Erkrankungen der Wirbelsäule zählen u. a. der Bandscheibenvorfall, die Spinalkanalstenose und das Wirbelgleiten.
Möchten Sie mehr über den Aufbau und die Funktion der Wirbelsäule erfahren? Oder würden Sie gerne wissen, wie es zu Schmerzen in den einzelnen Bereichen der Wirbelsäule kommen kann? Dann schauen Sie sich den nachfolgenden Beitrag zum Thema an, in dem Dr. Tobias Weigl sich der Columna vertebralis (lat. für Wirbelsäule) annimmt und ihre Bedeutung erläutert.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Ein angeborener Plattfuß wird meist im Rahmen der klinischen Untersuchung Neugeborener diagnostiziert. Der untersuchende Arzt kann eine nach außen gewölbte (‚konvexe‘) Fußsohle sowie einen gespreizten Vorfuß erkennen. Außerdem ist eine hohe Ferse erkennbar und die Wadenmuskulatur ist verkürzt. Gesichert wird die Diagnose durch eine Röntgenaufnahme, auf der weitere Fehlstellungen erkannt werden können.

Bei dem Kindlichen Plattfuß wird zunächst eine körperliche Inspektion erfolgen, im Rahmen welcher sich der Arzt das Gangbild des betroffenen Kindes ansieht. Ein Plattfuß ist bis zu einem Alter von 8–10 Jahren normal und bedarf in der Regel keiner Behandlung. Allerdings kann es zu physiologischen Abweichungen kommen, die von dem Arzt weiter untersucht werden. So fordert der behandelnde Orthopäde das Kind bspw. auf, sich in den Zehenstand zu begeben und schaut in diesem Zusammenhang, ob das Kind dazu in der Lage ist, die Fehlstellung selbst auszugleichen. Ist dies nicht der Fall, liegt wahrscheinlich eine Muskelschwäche vor, die einer Therapie bedarf. Überdies weisen allgemeine Haltungsfehler auf Übergewicht sowie Muskelschwäche hin. In diesem Rahmen muss der Arzt eine Überlastung in Betracht ziehen. Hinzu kommt, dass der Arzt feststellen kann, ob die für Kinder normale Knickfußstellung weiter bestehen bleibt als normal. Denn auch dann ist eine Therapie ratsam.

Die Diagnose eines Plattfußes des Erwachsenen wird hauptsächlich über eine Röntgenaufnahme gesichert, da diese eine deutliche Darstellung der vorliegenden Fehlstellungen inklusive deren Ausmaß ermöglicht.

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Ein angeborener Plattfuß kann in den meisten Fällen nicht konservativ behandelt werden, ein operativer Eingriff ist häufig vonnöten. Das Ziel der Behandlung ist die Aufrichtung von sowohl Quer- als auch Längsgewölbe sowie die Druckentlastung des ganzen Fußes. Nach der Geburt wird daher sofort eine korrigierende Gipsbehandlung durchgeführt. Beizeiten ist es gar notwendig, das Sprungbein mittels eines operativen Eingriffs in seine eigentliche Position zu bringen. Dazu werden ebenfalls eine Achillessehnenverlängerung sowie eine Kapseldurchtrennung vorgenommen. Zeigen diese Ansätze keinen ausreichenden Erfolg, so muss etwas später noch eine Versteifung (‚Arthrodese‘) des Rückfußes erfolgen. Derlei operative Korrekturen finden innerhalb der ersten 3 Lebensjahre statt. Im Anschluss an die Operation muss über ungefähr 2 Jahre eine Nachbehandlung mit Unterschenkelgipsen erfolgen, da sonst die Gefahr besteht, dass die korrigierten Abschnitte des Fußes wieder in die Fehlstellung zurückgleiten.

Wie bereits erwähnt, bedarf der Kindliche Plattfuß erst dann einer Therapie, wenn die ansonsten normale physiologische Entwicklung mit Plattfuß zu lang andauert oder das betroffene Kind bestimmte Fehlstellungen nicht von allein ausgleichen kann. Im Vordergrund einer Behandlung steht dann eine krankengymnastische Behandlung, die die Kräftigung der Muskulatur zum Ziel hat. Einlagen können auch zum Einsatz kommen, wirken aber höchstens unterstützend, sie können nicht zur Verbesserung von Haltungsstrukturen beitragen. Im Grunde sorgen sie vor allem dafür, dass eine Haltungsschwäche sich nicht verschlechtert und die bereits vorliegende Fehlstellung verschlimmert.

Der Plattfuß des Erwachsenen wird indes behandelt, indem man zunächst versucht, Kapseln, Bänder und Gelenke zu stützen und durch passive Übungen zu dehnen. Auf diese Weise werden Quer- und Längsgewölbe des Fußes aktiv unterstützt. In diesem Rahmen kommen vor allem Bewegungs- sowie Muskelübungen große Bedeutung zu, die erst unter Anleitung und später allein zu Hause durchgeführt werden. Können diese Maßnahmen eine weitere Fehlstellung des Fußes nicht verhindern, müssen Fußstützen sowie orthopädische Einlagen in Betracht gezogen werden. Hat auch dies keinen Erfolg, können noch orthopädische Schuhe sowie operative Eingriffe Abhilfe schaffen. In Bezug auf letztere erfolgen vor allem Versteifungsoperationen sowie sogenannte Umstellungsosteotomien, bei denen versucht wird, die natürliche Anatomie des betroffenen Knochens weitestgehend wiederherzustellen.

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Fakten-Box
Fußdeformitäten

  • Der Spreizfuß ist die häufigste Fußdeformität
  • Ein angeborener Plattfuß ist selten
  • Alle Fußdeformitäten können sich auf das muskuloskelettale System auswirken

Spreizfuß – Ursachen und Risikofaktoren

  • Bindegewebsschwäche
  • Andere Fußdeformität
  • Falsches Schuhwerk
  • Langes Stehen auf hartem Boden
  • Rheumatoide Arthritis

Häufige Patientenfragen

Was ist ein Fersensporn?

Dr. T. Weigl
Ein Fersensporn bezeichnet einen knöchernen Auswuchs an der Ferse, den man in einen hinteren und einen vorderen Fersensporn unterteilt. Etwa 10 Prozent der Bevölkerung sind von einem Fersensporn betroffen. Allerdings ist er oft nur einige Millimeter groß und verursacht keine Beschwerden, weshalb viele ihn gar nicht erst bemerken. In einigen Fällen kann er aber starke, stichartige Schmerzen auslösen, die Betroffene zum Teil dazu zwingen, ihre Aktivitäten zu unterbrechen.

Können auch die Füße von Arthrose betroffen sein?

Dr. T. Weigl
Ja. Der Fuß besteht aus insgesamt 26 Knochen, die allesamt Gelenkverbindungen zu einem oder mehreren Nachbarknochen haben und dementsprechend auch von einer Abnutzung des Gelenkknorpels betroffen sein können. Eine Arthrose am Fuß kann bspw. infolge von Fehlstellungen nach Knochenbrüchen, durch Durchblutungsstörungen, Stoffwechselerkrankungen oder Überbeanspruchung infolge von Übergewicht entstehen. Am häufigsten betroffen sind das Großzehengrundgelenk, das Sprunggelenk sowie die Tarsometatarsalgelenke zwischen den Mittelfußknochen. Betroffene empfinden meist wechselhafte, belastungsabhängige Schmerzen. Auch diese Form der Arthrose ist bisher nicht in Gänze heilbar.

Weitere Informationen zu Arthrose in diesem Video

Im nachfolgenden Video-Beitrag informiert Dr. Tobias Weigl über Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Arthrose.

Ab wann ist man übergewichtig?

Dr. T. Weigl
Deutschlandweit sind etwa zwei Drittel der Männer und circa die Hälfte der Frauen übergewichtig. Aber woran macht man das Übergewicht fest? Zur eigenen Orientierung dient vor allem die Ermittlung des eigenen sogenannten Body Mass Index (kurz: BMI). Dieser lässt sich ganz einfach berechnen, indem man das eigene Körpergewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat teilt. Ein 82 Kilogramm schwerer Mann im Alter von 28 erzielt damit bei einer Körpergröße von 1,77 Metern einen BMI von aufgerundet 26,2. Damit ist er leicht übergewichtet, da sich der BMI im Normalfall unter 25 befinden soll. Überschreitet der Wert gar die Grenze von 30, so liegt Fettleibigkeit (‚Adipositas‘) vor.

Weitere Informationen zu Übergewicht und Fettleibigkeit in diesem Video

Im nachfolgenden Beitrag erläutert Dr. Tobias Weigl unterschiedliche Aspekte rund ums Thema Übergewicht.

Der Arzt konnte Thomas ganz schnell sagen, was das Problem ist. Thomas hat einen Spreizfuß. Zur Sicherheit wollte der Arzt zwar noch die Röntgenbilder anschauen, aber die Behandlung hat er schon erläutert. Da Thomas weder übergewichtig noch Diabetiker ist, wird das Problem wahrscheinlich in einer zu schwachen Fußmuskulatur zu finden sein. Daher wird er die kommenden Wochen Fußgymnastik betreiben müssen und hat überdies die Empfehlung bekommen, regelmäßig durchblutungsfördernde Fußbäder zu nehmen. Letztlich wird er auch noch speziell angepasste Einlagen bekommen, die den Vorfuß entlasten sollen. Marta ist zuversichtlich und sucht schon einmal die Koordinaten für die Schätze raus, die sie bei ihrer nächsten, wenn auch etwas verkürzten, Geocaching-Tour bergen werden.

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Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller

Lektorat: Christine Pepersack

Veröffentlicht: 30.10.2018

Quellen

  • René Baumgartner (2001): Die orthopädietechnische Versorgung des Fußes. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Klaus Buckup (2001): Kinderorthopädie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Jean-Louis Dumas (2014): Arthrose in den Fußgelenken. In: arthrose-journal.de.
  • Gerhard Fleischner (2003): Podologische Orthopädie. Verlag Neuer Merkur GmbH, München.
  • Joachim Grifka (2005): Einlagen, Schuhzurichtungen, orthopädische Schuhe – Indikation, Verordnung, Ausführung. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Fritz U. Niethard (2010): Kinderorthopädie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Christian Roth (2010): Schmerzen umfahren – Besseres Verständnis und Umgang mit dem eigenen Fahrwerk. 2. Auflage. Books on Demand GmbH, Norderstedt.
  • Renate Wolansky (2006): Krankheitsbilder in der Podologie – Anatomie, bildgebende Diagnostik, Therapie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
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