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Das Chamäleon Fibromyalgie – Ursachen, Symptome & Therapie des Muskelhartspanns

Was die Krankheit so mysteriös und auch schwer zu diagnostizieren macht, ist, dass sie teilweise Symptome von anderen Erkrankungen annimmt. Das führt dazu, dass Patienten viele verschiedene Ärzte aufsuchen, bevor die Diagnose Fibromyalgie überhaupt gestellt werden kann.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Bei der Fibromyalgie, wörtlich übersetzt etwa „Faser-Muskel-Schmerz“, handelt es sich um eine sehr komplexe, multidimensionale Erkrankung, bei der sich Muskeln dauerhaft verhärten. Diese Multidimensionalität der Krankheit trägt dazu bei, dass eine Diagnose der Krankheit erheblich erschwert ist. Sie gilt daher unter Ärzten auch als „Chamäleon“. Von der schmerzhaften chronischen Muskelverhärtung betroffen sind Patienten erstmals zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, wobei Frauen bis zu neun Mal häufiger unter den Symptomen leiden als Männer. Zwar wird die Fibromyalgie als gutartige Erkrankung kategorisiert, man kann an ihr also nicht sterben. Allerdings geht sie mit einem hohen Leidensdruck für die Betroffenen einher.

Die Symptome sind weniger leicht einzugrenzen als bei anderen Erkrankungen. Es ist aber möglich, diese nach der Häufigkeit ihres Auftretens zu sortieren. In jedem Fall kommt es zu starken Muskelschmerzen und sehr häufig treten Erschöpfung oder Schlafstörungen auf. Die Symptomatik reicht bis hin zu Konzentrationsstörungen, Nervosität und depressiver Verstimmung. Bei der Behandlung wird ein ganzheitlicher, multimodaler Ansatz verfolgt, der physikalische und medikamentöse Therapie sowie Krankengymnastik und weitere alternative Behandlungsmethoden kombiniert.

Frederik sollte eigentlich nicht solche Schmerzen haben. Das denkt er sich zumindest selbst. Denn er treibt regelmäßig Sport, hat einen normalen Body-Mass-Index und ernährt sich gesund. Trotzdem hat er seit ein paar Wochen Rückenschmerzen, die immer stärker werden und nicht verschwinden, auch nicht durch Bewegung. Überdies hat er schon lange nicht mehr durchgeschlafen und kann sich bei seiner Arbeit als Grafiker immer schlechter konzentrieren. Letztens hat er sogar starke Beinkrämpfe gehabt – zum ersten Mal in seinem Leben so stark! Es wird wohl langsam Zeit, nicht mehr alles selbst behandeln zu wollen und einen Fachmann aufzusuchen. Denn mit 33 Jahren ist er noch weit davon entfernt, Schmerzen bei allem, was er tut, zu tolerieren.

Was ist eine Fibromyalgie und was sind die Ursachen für die Erkrankung?

Wichtig
Bei Fibromyalgie handelt es sich nicht um eine rheumatische Erkrankung.

Eine Fibromyalgie (von gr. fibra ‚Faser‘, gr. mys ‚Muskel‘ und gr. algos ‚Schmerz‘) beschreibt eine chronische Schmerzkrankheit, bei der Patienten vor allem an Muskelschmerzen leiden. Als Synonyme der Erkrankung gelten die Begriffe Tendomyopathie, Fibrositis-Syndrom, Myogelosen oder Muskelhartspann. Unter Ärzten spricht man aufgrund der erschwerten Diagnose von dem „Koryphäen-Killer-Syndrom“ oder „Chamäleon“.

Die erschwerte Diagnose ist zurückzuführen auf die Tatsache, dass die Ursache für Fibromyalgie bisher noch unklar ist und die Symptome meist zunächst auf andere Erkrankungen hindeuten, bevor ein Fachmann die Verknüpfung zwischen den einzelnen Symptomen erkennen kann. Fibromyalgie-Patienten sind mit diversen Folgen konfrontiert. Sie müssen häufig übermäßig viele Medikamente einnehmen, haben viele Arztbesuche zu tätigen und müssen in verschiedenen Lebensbereichen ein Vermeidungsverhalten an den Tag legen.

Gut zu wissen!
Bei der Fibromyalgie handelt es sich um eine sogenannte gutartige Erkrankung, man kann an ihr also nicht versterben. Nichtsdestoweniger ist der Leidensdruck aufgrund der zum Teil extremen Schmerzen für Patienten sehr hoch.

Video: Alles, was Sie über Fibromyalgie wissen müssen

In diesem Beitrag geht Dr. Tobias Weigl auf die mysteriöse Erkrankung Fibromyalgie ein und erklärt u. a., warum die Krankheit so schwierig zu diagnostizieren ist und wie eine Behandlung im besten Fall ablaufen sollte.

Es ist daher von großer Wichtigkeit, die Fibromyalgie von anderen, ähnlichen Erkrankungen abzugrenzen. Dazu zählen vor allem:

Wieso bekommt man eine Fibromyalgie?

Häufig fragen sich Patienten, ob sie etwas falsch gemacht haben, das dazu geführt haben kann, dass sie an Fibromyalgie erkrankt sind. Die Antwort darauf lautet ganz einfach „Nein“. Denn auch die Medizin kann keine klare Antwort dahingehend formulieren, wo die Ursachen für eine Fibromyalgie zu finden sind. Man weiß bisher lediglich, dass viele verschieden Faktoren eine Rolle bei der Entstehung spielen.

Dazu gehört z. B. die familiäre Veranlagung (sog. ‚genetische Prädisposition‘). Dahingehend ist es wichtig, das sogenannte Biopsychosoziale Modell der Fibromyalgie zu kennen und zu verstehen. In diesem Modell treffen physische und psychische Auslöser (sog. ‚Stressoren‘) bei der Fibromyalgie auf genetische und lernabhängige Faktoren. Das Zusammenspiel dieser Aspekte löst sowohl biologische als auch psychologische Reaktionen aus, die mit weiteren peripherphysiologischen (also bspw. den Blutdruck und den Puls betreffend), hormonellen, zentralnervösen und psychosozialen Veränderungen einhergehen. Diese Veränderungen führen zu einer Störung der zentralnervösen Schmerzverarbeitung. Es ergibt sich für Betroffene also ein verändertes Schmerzerleben, aus dem ein Teufelskreis entsteht. Anfangs akute Schmerzen chronifizieren, werden also zu chronischen Schmerzen, und weiten sich auf verschiedene Körperteile aus. Dies führt dann zu dem Krankheitsbild der Fibromyalgie, die als generalisierte Schmerzerkrankung gilt.

Des Weiteren wird auch vermutet, dass Bakterien und Viren eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Fibromyalgie spielen. Allerdings bestehen dahingehend noch keine eindeutigen Beweise. Muskelbiopsien können keine auffälligen Hinweise entnommen werden und nichts weist direkt auf Bakterien oder Viren als Ursache hin. Allerdings besteht möglicherweise ein Zusammenhang zwischen dem Borrelien-Bakterium und der Fibromyalgie. Denn 10–25 Prozent der Patienten, die an einer Borreliose litten, die erfolgreich antibiotisch behandelt wurde, erkranken innerhalb weniger Jahre an Fibromyalgie.

Auch eine psychische Erkrankung könnte Ursache einer Fibromyalgie sein. Häufig werden Fibromyalgie-Patienten mit ihren Schmerzen an einen Psychologen verwiesen. Allerdings ist diese Vermutung bislang kaum stichhaltig und wird zudem dem Problem, dem chronischen Schmerz, nicht gerecht.

Überdies werden sogenannte Mikrotraumata für die Entstehung von Fibromyalgie in Betracht gezogen. Dabei handelt es sich um winzige Verletzungen an Knochen oder an den Übergängen zwischen Sehnen und Knochen oder Sehnen und Muskeln. Diese ergeben sich im Normalfall schon durch Aktivität bzw. Beanspruchung und werden in der Regel nachts unter dem Einfluss verschiedener Wachstumshormone und Insulin „repariert“. Bei Fibromyalgie kann diese Reparatur-Funktion gestört sein. Allerdings muss dahingehend noch weiter geforscht werden.

Auch ist es möglich, dass Fibromyalgie vor allem bei Patienten entsteht, die schon zuvor Schmerzen des Bewegungsapparates zu verzeichnen hatten, bspw. durch einen Bandscheibenvorfall, ein Schleudertrauma oder eine Spinalkanalstenose. Eine Weiterentwicklung derartiger Grunderkrankungen hin zur Fibromyalgie ist möglich. In der Forschung geht man davon aus, dass eine Fibromyalgie dann entsteht, wenn sich ein traumatischer Schmerz in gewisser Weise verselbstständigt, also nicht mehr lokal an der betroffenen Stelle, sondern am ganzen Körper eintritt.

Zu guter Letzt könnte eine Ursache für das Entstehen einer Fibromyalgie auch im Immunsystem liegen. Es ist bisher zwar nicht eindeutig bewiesen worden, dass die Fibromyalgie infolge einer immunologischen Störung entsteht. Allerdings konnte bei vielen Fibromyalgie-Patienten eine erhöhte Konzentration diverser Antikörper ausgemacht werden, die bei gesunden Patienten eher selten vorzufinden ist.

Die Symptome: Woran erkennt man eine Fibromyalgie?

Vorab muss gesagt werden: Die Fibromyalgie ist keine scharf umrissene Krankheit mit klaren Symptomen, sondern stellt vielmehr einen Symptom-Komplex dar. Die Beschwerden betreffen den ganzen Körper und können beinahe jedem Organsystem zugeordnet sein. Außerdem wechseln die Beschwerden im Verlauf der Zeit. Diese Beschwerden sind nicht nur körperlicher, sondern auch psychischer Natur, es handelt sich hier also um eine Verknüpfung körperlicher sowie mentaler Aspekte. In diesem Zusammenhang wird die Fibromyalgie auch als das „Alles-ist-gereizt-Syndrom“ bezeichnet.

Die Fibromyalgie äußert sich vor allem in einer schmerzhaften Verhärtung der Muskulatur, die kann dauerhaft bestehen kann. Ebenso schmerzen die Sehnenansätze. Überdies stellt sich eine allgemeine Müdigkeit und Erschöpfung ein. Weitere Symptome sind

  • Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Restless Legs Syndrom (RLS)
  • Benommenheit
  • Merkfähigkeits- und Konzentrationsstörungen
  • Nervosität
  • Beinkrämpfe
  • depressive Verstimmungen.

Aber nicht alle Symptome treten bei einer Fibromyalgie auch immer ein. Daher können Sie der folgenden Tabelle entnehmen, mit welcher Wahrscheinlichkeit welches Symptom bei Fibromyalgie vorzufinden ist:

SymptomHäufigkeit (in Prozent)
Muskelschmerzen100
Erschöpfung (sog. ‚Fatigue‘)96
Schlafstörungen (sog. ‚Insomnie‘)86
Gelenkschmerzen72
Kopfschmerzen60
Restless Legs56
Benommenheit52
Merkfähigkeitsstörungen46
Beinkrämpfe42
Konzentrationsstörungen41
Nervosität32
Depressive Verstimmung20

Epidemiologie: Wen kann es betreffen?

Erstmalig tritt die Fibromyalgie bei Patienten am häufigsten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf. Auffällig ist dabei: Frauen sind um ein Vielfaches häufiger betroffen als Männer, das Verhältnis liegt bei etwa 9:1. Man weiß, dass etwa 0,7–3 Prozent der gesamten Bevölkerung an Fibromyalgie leiden. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich noch höher, da es, wie oben bereits erwähnt, viele Arztbesuche und demnach viel Zeit kostet, die Diagnose korrekt zu stellen.

Umfrage: Leiden Sie unter Fibromyalgie? Welche Symptome liegen bei Ihnen vor? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an der Umfrage helfen Sie anderen Menschen dabei, ihre Symptome besser einschätzen zu können.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Vorab sollte erwähnt werden: Die Diagnose einer Fibromyalgie kann mitunter viel Zeit in Anspruch nehmen, da die Symptome oft auch auf andere Grunderkrankungen zutreffen. Es kann also sein, dass Betroffene viele Male verschiedene Ärzte aufsuchen müssen, um letztendlich eine konkrete Diagnose gestellt zu bekommen.

Medizin historisch!
Früher hat man im Rahmen der Diagnose einer Fibromyalgie beinahe ausschließlich sogenannte Tender-Points untersucht. Dabei handelt es sich um druckschmerzhafte Punkte, die sich am Übergang zwischen Sehnen und Muskeln befinden. Haben Patienten bei Druck auf 11 der insgesamt 18 Punkte überempfindlich reagiert und lagen zusätzlich für einen Zeitraum von mehr als 3 Monaten Weichteilschmerzen vor, hat man von Fibromyalgie gesprochen. Dieser Ansatz wurde mittlerweile überholt und wird nur noch ergänzend verwendet.

Heute wählt man einen ganzheitlichen (sog. ‚holistischen‘) Ansatz, der einen Schmerzfragebogen, ein ausgiebiges Anamnesegespräch sowie eine körperliche Untersuchung umfasst. Auf diese Weise versucht man, alle relevanten Faktoren mit einzubeziehen und letztendlich die Diagnose Fibromyalgie stellen zu können. All diese Untersuchungen dienen vorwiegend dem Ausschluss anderer Erkrankungen, da bei Fibromyalgie keine beobachtbaren organischen Veränderungen hervorgerufen werden. In diesem Zusammenhang spricht man von einer sogenannten Ausschlussdiagnostik.

Der Arzt erfragt im Rahmen des Anamnesegesprächs von dem Patienten zu Beginn ausführlich dessen bisherige Krankheitsgeschichte sowie dessen Symptome. Wie lang bestehen die Beschwerden bereits? Wie haben sich diese entwickelt? Die Anamnese beinhaltet auch das Ausfüllen eines komplexen Schmerzfragebogens.

Im Anschluss erfolgt die körperliche Untersuchung, die möglichst umfassend erfolgt, da sie dazu dient, strukturelle Erkrankungen des Körpers, die mit chronischen Schmerzen einhergehen (z. B. Gelenkschwellung durch rheumatische Erkrankungen), auszuschließen. An dieser Stelle kann, muss der Arzt aber nicht eine Überprüfung der oben erwähnten „Tender-Points“ durchführen.

Weitere technische Untersuchungen werden nur dann veranlasst, wenn der in der Anamnese gewonnene Beschwerdekomplex des Patienten sowie die körperliche Untersuchung noch immer keinen Ausschluss alternativer Erkrankungen zulassen. Herrscht hingegen noch immer ein solcher Verdacht, der auf internistische, orthopädische oder neurologische Erkrankungen hindeuten kann, werden weitere Untersuchungen veranlasst.

Hinsichtlich der bis hier genannten Diagnose-Methoden können also einige Kriterien formuliert werden, die bei einer Diagnose von Fibromyalgie erfüllt sein müssen:

  • Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen
  • Steifigkeits- und Schwellungsgefühl der Hände, der Füße oder des Gesichts
  • Körperliche bzw. geistige Müdigkeit
  • Schlafstörungen
Fakten-Box
Fibromyalgie

  • 0,7–3 Prozent der Bevölkerung sind betroffen
  • Frauen häufiger als Männer (9:1)
  • Erstmaliges Auftreten der Erkrankung am häufigsten zwischen dem 30. und dem 50. Lebensjahr

Symptome

  • Muskelschmerzen
  • Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Restless Legs
  • Benommenheit
  • Merkfähigkeitsstörungen
  • Beinkrämpfe
  • Konzentrationsstörung
  • Nervosität
  • Depressive Verstimmung

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Wichtig
Es existiert nicht die eine Standardtherapie. Jeder Patient benötigt eine individuelle Behandlung, da auch jede Fibromyalgie unterschiedlich ausfällt.

Die Fibromyalgie erfordert eine ganzheitliche, multimodale Behandlung. Dazu gehören viele verschiedene Aspekte, mitunter:

  • Physikalische Therapien
  • Medikamentöse Therapie
  • Ausdauertraining
  • Krankengymnastik
  • Entspannungs- und Psychotherapie
  • Alternative Therapien
  • Ggf. Nahrungsergänzungsmittel

Die physikalischen Therapien umfassen die Thermotherapie, also Behandlung mithilfe von Wärme und Kälte, sowie Elektrostimulation.

Im Zusammenhang mit Medikamenten kommen zunächst sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie bspw. Ibuprofen und Diclofenac zum Einsatz und auch Muskelrelaxanzien können Abhilfe schaffen. Überdies weiß man, dass bei etwa 30 Prozent der behandelten Patienten das Antidepressivum Amitriptylin hilft. Zu guter Letzt können auch noch sogenannte Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer zum Einsatz kommen.

Besserung durch Bewegung und Entspannung

Bei Fibromyalgie sind außerdem ein Ausdauertraining sowie eine spezielle Krankengymnastik mit gezielten „Anti-Schmerzübungen“ ratsam, bei denen die Muskeln und Sehnen nicht nur gekräftigt, sondern auch ausgiebig gedehnt werden, da genau diese Stellen Schmerzen verursachen.

Den Aspekten Entspannungs- und Psychotherapie kommt bei der Behandlung der Fibromyalgie eine besondere Bedeutung zu, da vor allem der Umgang mit der Krankheit eine wichtige Rolle spielt. Dahingehend steht bspw. ein Vermeidungsverhalten des Patienten im Fokus.

Es ist möglich, auf alternative Therapieansätze wie Akupunktur zurückzugreifen oder eventuell sogar Nahrungsergänzungsmittel wie bspw. Guaifenesin in die Therapie einfließen zu lassen. Deren Wirksamkeit muss jedoch noch nachgewiesen werden.

Wichtig!
Von den einzelnen Methoden sind keine Wunder zu erwarten! Sie können aber in geeigneter Kombination bei dem Umgang mit der Erkrankung helfen. Denn leider ist die Fibromyalgie zum jetzigen Zeitpunkt nicht heilbar. Daher stehen im Fokus der Therapie von Fibromyalgie stets die Reduktion von Schmerzen sowie das Behandeln negativer Folgeerscheinung wie bspw. ein Vermeidungsverhalten.

Video-Exkurs: Ernährung bei Fibromyalgie

Welche Rolle spielt die Ernährung bei Fibromyalgie und allgemein bei chronischen Krankheiten? Wieso sollte ich als Fibromyalgie-Patient weniger Kaffee und eher grünen Tee trinken? Wieso eignet sich bspw. Naturjoghurt mit Haferkleie gut für die Ernährung bei Fibromyalgie? Antworten auf diese Fragen und weiteres Wissenswertes liefert Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Beitrag.

Häufige Patientenfragen

Kann Intervallfasten die Beschwerden von Fibromyalgie lindern?

Dr. T. Weigl
In der Vergangenheit konnte bereits beobachtet werden, dass das Fasten eine schmerzlindernde Wirkung hat. Eine Beobachtung, die Patienten und Ärzte gleichermaßen feststellen konnten. Allerdings ist der Zusammenhang von Intervallfasten und Fibromyalgie noch nicht ausreichend erforscht. Es existieren lediglich Patientenberichte, die dem Intervallfasten in diesem Kontext eine schmerzlindernde Wirkung nachsagen. Wissenschaftlich fundierte Studien gibt es bisher nicht.

Wozu dient Elektrostimulation?

Dr. T. Weigl
Die Elektrostimulation ist ein Aspekt der physikalischen Therapie, bei der mithilfe von Stromimpulsen die Schmerzwahrnehmung abgebaut wird. Dahingehend existieren zwei wichtige Ansätze, nämlich die Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) sowie die Small Fiber Matrix Stimulation (SFMS).
Durch die Anwendung von TENS werden die körpereigenen Schmerzhemmer endogenes Morphin sowie Endorphin freigesetzt, wodurch die Schmerzwahrnehmung auf Dauer abnimmt. Auf diese Weise kann z. B. einem übermäßigen Gebrauch von Schmerzmitteln, die ja bekanntlich mit diversen Nebenwirkungen einhergehen können, entgegengewirkt werden.
Bei der SFMS hingegen werden diejenigen Nervenzellen, die für das Entstehen eines sogenannten Schmerzgedächtnisses verantwortlich sind, langsam und regelmäßig rhythmisch stimuliert, sodass diese nicht überaktiv werden können. So können ein krankhaft verändertes Schmerzempfinden auf Dauer abgebaut und im Endeffekt Schmerzen gelindert werden.

Was sind Restless Legs?

Dr. T. Weigl
Bei dem Restless Legs Syndrom handelt sich um eine Erkrankung, die sich dann bemerkbar macht, wenn der Körper zur Ruhe kommt. Oft beschreiben Betroffene ein Ziehen, Reißen oder Kribbeln in den Beinen während der Nachtruhe. Diese Beschwerden können ein- oder beidseitig sowie abwechselnd auf einer der beiden Seiten eintreten. Selten sind auch die Arme oder die Brustwand betroffen. Die Beschwerden lassen durch Bewegung häufig nach.

„Klasse… Jetzt bin ich also unheilbar krank. Meine Diagnose habe ich übrigens erst nach sieben Wochen und gefühlt 100 Arztbesuchen bekommen.“, erzählt Frederik seinem Kollegen Matthias missgestimmt in der Mittagspause. „Was? Was hast du denn? Was Schlimmes?“, fragt dieser. „Ähm… Jein. Noch geht’s, aber manchmal hab ich Schmerzen am ganzen Körper. Fibromyalgie heißt das. Soll wohl schwer zu diagnostizieren sein. Und nicht heilbar. Eine chronische Schmerzerkrankung. Aber gut, irgendwie muss ich damit ja jetzt zurechtkommen. Erstmal so wenig Medikamente wie möglich, ich bin ja noch jung und will meinen Körper nicht von innen zerstören. Und dann gibt’s Krankengymnastik. Aber ich nenne es lieber Physiotherapie oder Sport. Dann fühl’ ich mich nicht so alt. Und nicht so krank.“

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Welche Erfahrungen haben sie mit Fibromyalgie gemacht? Möchten Sie sich bei uns weiter über das Thema erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller

Lektorat: Christine Pepersack

Veröffentlicht: 31.07.2018

Quellen

  • Thomas Herdegen (2014): Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, 3.Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Gerd Herold (2017): Innere Medizin. Köln.
  • Christoph Baerwald (2017): Fibromyalgiesyndrom: Untersuchung & Diagnose. https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/fibromyalgiesyndrom/untersuchungen-diagnose-des-fms.html
  • Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. (2017): Patientenversion der wissenschaftlichen Leitlinie „Definition, Ursachen, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms.
    http://www.fibromyalgie-fms.de/fileadmin/user_upload/fibromyalgie/diagnose/pdf/Info524a_Patientenleitlinien_2017__Das_wichtigste_in_K%C3%BCrze.pdf
  • Winfried Häuser et al (2009): Fibromyalgiesyndrom – Klassifikation, Diagnose und Behandlungsstrategien. In: Dtsch Arztebl Int 2009; 106(23): 383–91; DOI: 10.3238/arztebl.2009.0383. https://www.aerzteblatt.de/archiv/64880/Fibromyalgiesyndrom RLS e. V.
  • Deutsche Restless Legs Vereinigung: Was ist RLS?
    https://www.restless-legs.org/
  • Martin von Wachter: Fibromyalgie-Syndrom. https://www.dgss.org/patienteninformationen/schmerzerkrankungen/fibromyalgie-syndrom/
[Gesamt:2    Durchschnitt: 5/5]
1 Kommentar
  • Alexandra Müller
    08.10.2018 15:47

    Hallo Herr Dr. Weigl.
    Ich bin Fibromyalgie-Patientin umd kann einige wenige Erfolge teilen.
    Nach einigen Recherchen ( U. a. Lehrbuch Faszien, Dr. Robert Schleip,
    http://simmaronresearch.com/2018/09/brains-mast-cells-causing-chronic-fatigue-syndrome-mecfs/
    und weiteren veröffentlichten Studien) bin ich immer wieder am ATP-Mangel und Serotoninmangel hängen geblieben.
    Ohne wirklich an Erfolg zu glauben, habe ich in Rücksprache mit meinem Arzt einiges ausprobiert, was tatsächlich wenige Symptome der Fibromyalgie lindern.
    Q10 hat die Muskelkrämpfe auf nahezu Null reduziert.
    5-HTP in Kapselform gewonnen aus der Griffoniapflanze haben depressive Stimmung ausradiert. Auch stundenlanges Wachliegen gehört der Vergangenheit an. Es war vor Aufkommen der Antidepressiva ein gängiges Medikament gegen Depressionen und wird heute frei als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Es ist nur in Vergessenheit geraten.
    Mit D-RIBOSE habe ich nur wenig erreicht. Aber ich konnte genug Energie dadurch bekommen, um wieder in den Rehasport zu gehen.
    Die Erkenntnisse über geschädigte Mitochondrien und ATP-Mangel war ein guter Ansatz. Leider finde ich aber nichts gegen die Schmerzen oder gegen deren Entstehung.
    Jetzt habe ich von Dr. Theoharides gelesen, der Mastzellen für die Schädigung der Mitochondrien bei Fibromyalgie verantwortlich macht. Die ständig aktiven Mastzellen sollen auch für Entzündungen im Gehirn verantwortlich sein, die er bei Fibromyalgie-Patienten gefunden hat und auch Mitochondrien schädigen.
    Haben Sie dazu schon was gelesen und wissen sie was man bei Fehlfunktion der Mastzellen tun kann? Hätten Sie noch weitere Ideen in der Richtung? Ich möchte das ganze weiter voran treiben und würde mich über Infos sehr freuen.
    Vielen Dank im voraus.
    Viele Grüße
    Alexandra Müller
    Aufgrund fehlender Linderung durch die üblichen Therapien wurde ich neugierig und suche alles wissenschaftlich fundierte zur Fibromyalgie.

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