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Stinkender Urin/Übelriechender Urin

Nicht nur Spargel oder Knoblauch verursachen übelriechenden Urin. Dem unangenehmen Geruch kann auch eine ernstere Erkrankung wie eine Blasenentzündung zugrunde liegen. Diese ist vor allem für Männer gefährlich.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
 

Wieso riecht Urin manchmal anders als sonst? Lässt der Geruch des Urins Rückschlüsse auf Krankheiten oder Ähnliches zu? Der Geruch des Urins kann sich zum einen natürlich dadurch verändern, dass bestimmte Lebensmittel konsumiert werden. Zum anderen ist ein anders bzw. übel riechender Urin ein Hinweis auf bspw. Harnwegsinfektionen und auch beim Diabetes mellitus kann sich der Geruch des Urins stark verändern. Welche Funktion der Geruch von Urin hat und was man gegen etwaige Grunderkrankungen, die stinkenden Urin als Symptom haben, tun kann, erfahren Sie im folgenden Artikel.

 

 

„Ich habe doch heute gar keinen Spargel gegessen“, wundert sich Herbert, als er Wasser lässt und dabei einen intensiven Geruch, beinahe einen Gestank, wahrnimmt. „Wird schon nichts sein“, sagt er sich. Tags darauf gesellt sich zu dem Geruch aber auch ein Schmerz während des Wasserlassens, den Herbert als Alarmsignal deutet. „Ist das doch was Schlimmeres?“ Er entschließt sich in jedem Fall dazu, zumindest seinem Hausarzt mal einen Besuch abzustatten, vielleicht kann in einem Gespräch bereits geklärt werden, was es damit auf sich hat.

 

Worauf deutet stinkender Urin hin?

Im Normalfall weist Urin keinen oder kaum einen Geruch auf. Aber der Uringeruch kann auf Krankheiten hinweisen. Zwar verändert er sich auch mit dem Verzehr bestimmter Lebensmittel wie Spargel oder Knoblauch. Allerdings halten derlei Effekte meist nicht länger als 24 Stunden an. Sollte dies doch der Fall sein, so sollten Sie einen Arztbesuch in Erwägung ziehen. Denn als Ursachen kommen mitunter gefährliche Grunderkrankungen infrage, die im Folgenden gelistet sind.

Harnwegsinfekte

Am häufigsten äußern sich Patienten mit Harnwegsinfekten über üblen Uringeruch. Dies hängt mit der Bakterieneinwirkung bei Entzündungen der ableitenden Harnwege, z. B. bei einer Blasenentzündung (mehr über Blasenentzündung bei der Frau hier und beim Mann hier), zusammen. Typisch ist ein starker Geruch nach Ammoniak. Unbehandelt kann eine solche Infektion eine Urosepsis verursachen, bei der sich die Entzündung auf den gesamten Körper ausbreitet. Eine Sepsis gilt als eine Haupttodesursache intensivpflichtiger Patienten. Hier sind Sie mit einer schnellen Abklärung beim Arzt gut beraten.

 

Gut zu wissen!
Eine Urosepsis ist im Vergleich zu anderen Septitiden nicht ganz so gefährlich und weist mit einer Sterblichkeit von 20–40 Prozent aller an schwerer Urosepsis leidenden Patienten eine recht günstige Prognose auf.

 

Diabetes mellitus

Weist Ihr Urin einen obstartigen Geruch auf, so kann dies ein Zeichen für eine Stoffwechselentgleisung im Rahmen der Blutzuckerkrankheit Diabetes mellitus , vor allem Typ-1-Diabetiker betreffend, sein. Dieser Geruch entsteht infolge einer sogenannten Ketoazidose, die auf schweren Insulinmangel hindeutet. Insulin fördert im Normalfall den Aufbau von Fetten im Körper. Herrscht ein Insulinmangel, wird allerdings immer mehr Fett abgebaut. Dies hat die Entstehung von Fettsäuren zur Folge, die schließlich zu sogenannten Ketonkörpern abgebaut werden. Bei diesen handelt es sich um Säuren, die den Körper in der Folge überschwemmen und ihn übersäuern. Eine ausgeprägte Ketoazidose ist lebensgefährlich. Nehmen Sie im Urin oder im Atem einen Azetongeruch wahr, scheuen Sie nicht davor zurück, einen Arzt aufzusuchen.

 

Gut zu wissen!
Bei 25–40 Prozent derjenigen, die mit einer Ketoazidose ins Krankenhaus kommen, führt dies zur Diagnose eines neu entdeckten Typ-1-Diabetes.

 

Tumoren

Der Urin nimmt einen fauligen Geruch an, wenn sich in den ableitenden Harnwegen Zellzerfall ereignet. Dies geschieht vor allem im Zusammenhang mit bösartigen Tumorerkrankungen. Auch hier ist eine direkte Abklärung ratsam. Weitere Symptome, die bspw. auf Blasenkrebs hindeuten können, sind Blut im Urin (meist rötlich oder bräunlich verfärbt), steter Harndrang, ohne dass Sie sich entleeren können und das Gefühl einer Blasenentzündung. Ist die Erkrankung weiter fortgeschritten, ereignen sich Schmerzen im Unterleib und im Bereich der Nieren sowie Knochenschmerzen.
 

Videoexkurs: Häufiges Pinkeln bei Alkohol


Ein weiterer Grund für häufiges Pinkeln, wenn auch nur zeitweilig auftretend, ist Alkoholkonsum. Warum das so ist, ob man etwas dagegen tun kann und welche Bedeutung eine Färbung des Urins haben kann, erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl im folgenden Video.

 

 

Phenylketonurie

Bei der Phenylketonurie handelt es sich um eine angeborene Stoffwechselerkrankung, bei der das in der Leber gebildete Enzym Phenylalanin-Hydroxilase defekt ist, wodurch sich letzten Endes die Aminosäure Phenylalanin nicht mehr abbauen lässt, was wiederum zu weitreichenden geistigen Entwicklungsstörungen führen kann. Symptomatisch für diese Erkrankung ist, dass der Urin nach „Mäusekot“ oder „Pferdestall“ riecht. Zu Beginn der Erkrankung, also nach der Geburt, sind die Kinder normal. Eine rasche Diagnose sowie eine anschließende diätetische Behandlung können für eine gesunde Entwicklung sorgen. Nicht behandelt ergeben sich neben den Entwicklungsstörungen Übererregbarkeit, epileptische Anfälle, muskuläre Hypertonie (Bluthochdruck), eine Mikrozephalie (verhältnismäßig kleiner Kopf infolge einer Schädelfehlbildung) sowie Hautveränderungen und Pigmentstörungen.

Ahornsirupkrankheit

Auch bei der Ahornsirupkrankheit, alternativ Verzweigtketten-Krankheit, handelt es sich um eine erbliche Erkrankung, die bei einer erweiterten Untersuchung Neugeborener zuverlässig festgestellt werden kann. Bei dieser Erkrankung ist die Aktivität des Enzyms Dehydrogenase gestört bzw. nicht mehr gegeben. Ein auffälliges Symptom ist der Geruch des Urins nach Ahornsirup oder Maggi. Weitere Symptome, bei der schweren Form der Erkrankung, sind eine Trinkschwäche sowie eine Lethargie (Schlafsucht) bei Kleinkindern zwischen dem 3. und 5. Lebenstag. Ist das Enzym noch restaktiv, kommt es bei Kindern zu Entwicklungsverzögerung, neurologischen Störungen, Anfällen und ketoazidotischen Entgleisungen (s. Diabetes mellitus).

Dehydratation

Zwar ist vor allem die Farbe des Urins ein wichtiger Hinweis auf einen eventuellen Flüssigkeitsmangel (sog. ‚Dehydratation‘). Je dunkler der Urin, desto mehr Flüssigkeit benötigt unser Körper. Doch je dunkler der Urin ist, desto strenger ist beizeiten auch sein Geruch. Achten Sie also darauf, stets genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Sollten sich Ihre Symptome nicht grundlegend verbessern, suchen Sie einen Arzt auf. Denn ggf. ist auch eine Infusion vonnöten. Weitere Anzeichen dafür, dass sie dehydriert sind, sind ein geringer Blutdruck sowie Überhitzung.
 

Videoexkurs: Ständiger Harndrang bei Diabetes Insipidus


Ständiger Harndrang kann durch Diabetes Insipidus verursacht werden. Wie es dazu kommt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erklärt Dr. Tobias Weigl im folgenden Video.

 

 

Gut zu wissen!
Übermäßiger Alkoholkonsum bzw. Alkoholsucht können dazu führen, dass Ihr Urin nach Alkohol riecht.

 

Hatten sie oder Bekannte/Verwandte schon einmal mit übelriechendem Urin zu tun, der auf eine Grunderkrankung hingedeutet hat? Was war der Grund für den veränderten Geruch?
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Häufige Patientenfragen

Sollte ich mit übelriechendem Urin also sofort zum Arzt gehen?

Dr. T. Weigl
Das hängt davon ab, was Sie kürzlich zu sich genommen haben. Wenn es sich dabei um Lebensmittel handelt, deren Bestandteile verstoffwechselt über den Urin ausgeschieden werden, z. B. die Aspragusinsäure des Spargels, können Sie zunächst unbesorgt sein und abwarten, ob sich der Geruch wieder legt. Bleibt der Geruch aber bestehen und haben Sie keine Lebensmittel zu sich genommen, die einen üblen Geruch fördern, kann es sich dabei um Anzeichen schwerer Krankheiten handeln, die Sie mitunter dringend von einem Arzt abklären lassen sollten. Zu den weiteren Lebensmitteln, die den Uringeruch verändern können, zählen vor allem Kaffee, Knoblauch, Rosenkohl und Lachs. Auch Medikamente wie Penicillin können den Geruch des Urins beeinflussen.

Wie oft kommt es zu Harnwegsinfektionen?

Dr. T. Weigl
Harnwegsinfektionen gelten als die am häufigsten verursachten bakteriellen Entzündungen, wobei Frauen weitaus häufiger betroffen sind als Männer. Im Verlauf ihres Lebens erkrankt bspw. jede zweite Frau mindestens einmal an einer Blasenentzündung. Mit zunehmendem Alter steigt das Aufkommen von Harnwegsinfektionen unabhängig vom Geschlecht.
 

„Habe ich also eine Frauenkrankheit?“, fragt Herbert seinen Arzt, nachdem dieser ihm erklärt hat, er würde an einer Blasenentzündung leiden. Der Arzt kann ein leichtes Schmunzeln nicht vermeiden und entgegnet: „Zwar sind Frauen häufiger betroffen. Bei Männern aber ist eine solche Erkrankung deutlich ernster zu nehmen, auch wenn sie seltener auftritt. Außerdem sind Sie ja auch nicht mehr der Jüngste und mit zunehmendem Alter steigt nun mal die Wahrscheinlichkeit. Gut also, dass Sie die Signale ihres Körpers wahrgenommen und mich aufgesucht haben. Das kriegen wir schon in den Griff.“

 

Verwandte Themen

 
Haben auch Sie Erfahrungen mit stinkendem Urin? Oder Fragen zum Thema? Wollen sie anderen Patienten dabei helfen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!
 

Autoren: Tobias Möller und Dr. Tobias Weigl
Lektorat: Sebastian Mittelberg
 
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.
 

Quellen

  • Susanne Andreae et al. (2006): Krankheitslehre. Altenpflege professionell. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Werner Buselmaier, Gholamali Tariverdian (2013): Humangenetik: Begleittext zum Gegenstandkatalog. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Deutsches Krebsforschungszentrum. Krebsinformationsdienst (2017): Blasenkrebs: Häufigkeit, Risikofaktoren, Symptome.
  • Nici Markus Dreger et al. (2015): Urosepsis – Ursache, Diagnose und Therapie, in: Deutsches Ärzteblatt International 112/49, S. 837–48.
  • Ludger Dorlöchter et al. (Hrsg.) (1999): Pädiatrie auf den Punkt gebracht. Walter de Gruyter, Berlin.
  • Mike Geary: 5 Lebensmittel, die übelriechenden Urin verursachen (und wann Sie sich Sorgen machen müssen).
  • Georg Friedrich Hoffmann (Hrsg.) (2004): Stoffwechselerkrankungen in der Neurologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Ulrich Kuhlmann et al. (Hrsg.) (2015): Nephrologie: Pathophysiologie – Klinik – Nierenersatzverfahren. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Maria Lohmann (2014): Laborwerte verstehen: Blut-, Urin- und Stuhlanalysen – Normalwerte im Überblick – Fachbegriffe und wichtige Abkürzungen. Mankau Verlag GmbH, Murnau a. Staffelsee.
  • Manfred James Müller (2006): Ernährungsmedizinische Praxis: Methoden – Prävention – Behandlung; mit 219 Tabellen. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Klaus-Peter W. Schaps (Hrsg.) (2008): Das Zweite – kompakt: Gesundheitsstörungen – GK2. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Gerhard-W. Schmeisl (2016): Das Blut ist übersäuert – und nun?, in: diabetes-online.
  • Universitätsklinikum Münster: Harnwegsinfektion.
  • Florian M. E. Wagenlehner et al. (2011): Unkomplizierte Harnwegsinfektionen, in: Deutsches Ärzteblatt International 108/24, S. 415–23.
[Gesamt:10    Durchschnitt: 4.3/5]

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