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Durchblutungsstörung im Gehirn – Sauerstoffmangel mit Folgen

Auf einen Blick – Was ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn?

  • Das Gehirn wird durch eine Unterbrechung des Blutflusses nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.
  • Man unterscheidet zwischen einer vorübergehenden Mangeldurchblutung (Transitorische Ischämische Attacke, kurz: TIA) und Durchblutungsstörungen mit dauerhaften Folgen (Schlaganfall).

Wer leidet an Durchblutungsstörung im Gehirn?

  • Ältere Personen
  • Übergewichtige Personen
  • Bluthochdruckpatienten
  • Raucher

Symptome (Auszug)

Behandlung (Auszug)

  • Sicherung der Vitalfunktionen
  • Medikamentöse Behandlung
  • Mechanischer Eingriff

Tipps

  • Reduzieren Sie möglichst viele Risikofaktoren!
  • Lassen Sie mögliche Primärerkrankungen gut von einem Arzt einstellen.
Unser Gehirn wird über ein vielfach verzweigtes Netz an Blutgefäßen mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt. Durch verschiedene Faktoren kann es zu einer vorübergehenden oder anhaltenden Unterbrechung der Durchblutung kommen: die Durchblutungsstörung. Die Folgen sind gravierend: Neben verschiedenen, dauerhaften Beeinträchtigungen, die Ihre Lebensqualität stark einschränken, kann ein Schlagfall einen tödlichen Ausgang nehmen.
Was die Ursachen für die Durchblutungsstörungen sind, welche Symptome und Alarmsignale darauf deuten und inwiefern sich Durchblutungsstörungen von Schlaganfällen unterscheiden, zeigen wir Ihnen im folgenden Artikel.

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Was ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn?

Bei einer Durchblutungsstörung im Gehirn kommt es zu einer Minderung oder Unterbrechung der Blutversorgung innerhalb des Gehirns. Je nachdem, welcher Bereich betroffen ist, können die darauffolgenden Symptome in Ausprägung und Stärke enorm variieren. Zudem ist eine Unterscheidung zwischen vorübergehenden Ausfällen und einer anhaltenden Symptomatik in der Medizin üblich.

Alarmsignal: Transitorische Ischämische Attacke

Treten Symptome einer unzureichenden Durchblutung auf, welche im folgenden Kapitel ausgeführt werden, muss es sich nicht direkt um einen Schlaganfall handeln. Lähmungen oder Sehstörungen, die sich nach kurzer Zeit, spätestens nach 24 Stunden, wieder zurückbilden, werden als sogenannte Transitorische Ischämische Attacke (TIA) bezeichnet. Sie ist im Gegensatz zum Schlaganfall nicht mit bildgebenden Verfahren wie Röntgen nachzuweisen und verläuft normalerweise milder. Dies ist jedoch kein Grund zur Erleichterung! Vielmehr gilt die TIA als Vorbote für einen Schlaganfall mit bleibender Symptomatik. Auch die TIA ist ein medizinischer Notfall und bedarf ärztlicher Überwachung. Zudem sollte sie Anlass für weiterführende Diagnostik und Ursachenbehebung darstellen. Auf diese Weise können Sie einen möglichen drohenden Schlaganfall abzuwenden.

Der ischämische Schlaganfall

Während sich bei der TIA die Symptome meist ohne offensichtliche Folgeschäden (erst bei mehrmaligen TIAs können Schäden auftreten) zurückbilden, sind die eines Schlaganfall in aller Regel umso schwerwiegender, langwierig. Schlaganfälle führen unbehandelt zu starken Behinderungen und können tödlich enden. Sie treten plötzlich auf und entwickeln sich rasch. Etwa 85 Prozent der Schlaganfälle werden durch eine Mangeldurchblutung ausgelöst, die verbliebenen 15 Prozent durch Gehirnblutungen.  Mit jährlich circa 200.000 Neuerkrankungen deutschlandweit ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache.

Wie entsteht eine Durchblutungsstörung?

Die Symptome der TIA und des ischämischen Infarkts lassen sich auf eine unterbrochene Durchblutung des Gehirns zurückführen. Dies geschieht durch einen teilweisen oder vollständigen Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn. Hierbei setzen sich beispielsweise

  • Fett,
  • Blutgerinnsel (Blutpfropfen),
  • Bindegewebszellen oder
  • Kalk

in den Gefäßen ab. Sie behindern so mit zunehmender Größe den Blutfluss. Auch angeborene oder im Laufe des Lebens erworbene Gefäßengstellen können die Blutzirkulation beeinträchtigen. Zudem können Verschlüsse oder wandernde Verstopfungen außerhalb des Gehirns, etwa am Herzen oder der Hauptschlagader, eine Sauerstoffunterversorgung bewirken.

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Blutgerinnsel können an vielen verschiedenen Körperstellen auftreten. In seinem Video erklärt Dr. Dr. Tobias Weigl, welche Symptome frühzeitig auf eine Beinvenenthrombose hinweisen und welche Maßnahmen Sie ergreifen sollten.

Die tödliche Gefahr durch Thrombose - Ursachen, Symptome & Tipps bei tiefer Beinvenenthrombose (TVT)

Die Symptome: Welche Beschwerden verursacht eine Durchblutungsstörung im Gehirn?

Symptome einer Durchblutungsstörung variieren stark und können in unterschiedlicher Intensität auftreten, da verschiedene Bereiche des Gehirns betroffen sein können. Die erfüllen jeweils unterschiedliche Aufgaben. Da in der Regel nur eine Gehirnhälfte betroffen ist, zeigen sich Beschwerden häufig nur einseitig. Zudem sind teilweise geschlechtsspezifische Unterschiede in der Symptomausprägung zu beobachten.
Ein erstes Anzeichen ist die Lähmung verschiedener Körperpartien, wie zum Beispiel:

  • Eine Lähmung von Arm oder Hand
  • Lähmung von Bein oder Fuß
  • Eine Lähmung des Gesichts

Bei Lähmungserscheinungen sind die betroffenen Gliedmaßen kraftlos. Sie hängen schlaff herab und können nicht mehr gezielt bewegt werden. Es kommt vor, dass Betroffenen sich dessen selbst nicht bewusst sind, auch wenn z.B. das Gangbild dadurch stark verändert wird. Zudem sind Sensibilitätsstörungen der betroffenen Körperhälfte möglich:

  • Temperaturempfinden gestört
  • Taubheitsgefühl
  • Kribbelgefühl
  • Pelziges Gefühl

Sehr häufig treten auch Sprachstörungen auf, die den Patienten sowohl beim Sprechen als auch im Verstehen beeinträchtigen können. Dazu zählen:

  • Verwaschene bis unverständliche Sprache
  • Nuscheln
  • Wortfindungsstörungen
  • Verwendung von inhaltlich falschen Wörtern
  • Nicht-Verstehen des Gesprächspartners

Da die Sprachbewegungsabläufe beeinträchtigt sind, kann auch die restliche Mundmotorik, etwa beim Schlucken, betroffen sein.

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Weitere wichtig Alarmsignale sind plötzlich auftretende Sehschwierigkeiten vor allem in Form von:

  • Einseitigem Erblinden
  • Doppelt-Sehen
  • Verschwommen-Sehen

Zudem können unterschiedliche Stadien der Bewusstseinsstörung auftreten.

Weniger spezifische, aber dennoch in Zusammenhang mit den vorrangegangenen Anzeichen ernstzunehmende Symptome sind:

Bemerken Sie einige dieser Symptome an sich selbst oder anderen Personen, ist schnelles Handeln gefragt, um eine intensiv- medizinische Behandlung einzuleiten. Je mehr Zeit zwischen dem Auftreten der Symptome und einer ärztlichen Behandlung verstreicht, desto gravierender können die Folgeschäden und Behinderungen der betroffenen Person sein.

Gut zu wissen!
Etwa 20 Prozent der TIA-Patienten erleiden in den nächsten drei Monaten einen vollständigen Schlaganfall. Vor allem in den ersten Tagen nach der Attacke ist das Risiko stark erhöht.

Wer ist am ehesten betroffen?

Liegt die Ursache der Mangeldurchblutung nicht gerade in einer angeborenen Gefäßverengung, ist vor allem fortschreitendes Alter ein Risikofaktor. Mediziner vermuten auch genetische Ursachen. Es gibt jedoch auch Faktoren, die jeder von uns durch entsprechende Gegenmaßnahmen beeinflussen kann:

  • Rauchen
  • Hoher Alkoholkonsum
  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Stress
  • Herzerkrankungen
  • Blutgerinnungsstörungen

Durch einen gesunden Lebensstil mit ausreichend Bewegung, ausgeglichener Ernährung und im gegebenen Fall auch einer angemessenen Medikamentengabe können Sie das Risiko einer Erkrankung reduzieren.

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„Die Vorboten für einen Schlaganfall werden häufig nicht ernst genommen. Auch vorübergehende Symptome können auf eine Durchblutungsstörung im Gehirn hinweisen!“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Leiden Sie unter Symptomen für eine Durchblutungsstörung im Gehirn? Kreuzen Sie die folgenden Symptome an, die Sie an sich beobachtet haben. Dadurch können Sie anderen Betroffenen bei der Einordnung ihrer Beschwerden helfen!

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose von einer Durchblutungsstörung im Gehirn

Wie wir in den vorangegangenen Kapiteln erfahren haben, können Durchblutungsstörungen im Gehirn unterschiedliche Ausmaße annehmen und von unterschiedlicher Dauer sein. Unabhängig von ihrem Ausprägungsgrad sind Durchblutungsstörungen jedoch medizinische Notfälle und sollten unmittelbar behandelt werden.
Die Vorgehensweise hängt dabei stark von dem Allgemeinbefinden des Betroffenen ab. In einigen Fällen sind die Symptome so ausgeprägt, dass sofort der Notruf gewählt wird.  Doch bei bereits abgeklungenen oder sich langsam steigernden Symptomen wird häufig erst der Hausarzt aufgesucht.

Erster Verdacht beim Hausarzt

Treten bei Ihnen Lähmungserscheinungen oder andere Beeinträchtigungen auf, werden Sie sich vielleicht zunächst an Ihren Hausarzt wenden. Bereits das Praxispersonal wird für die geschilderten Symptome sensibilisiert sein und Ihnen unverzüglich das Gespräch mit dem Arzt ermöglichen oder direkt den Notruf wählen. Es ist möglich, dass der Hausarzt Sie bei schwachen oder uneindeutigen Symptomen zunächst zu den Beeinträchtigungen befragt:

  • Treten typische Symptome wie Lähmungen, Sprach- und Sehstörungen oder Bewusstseinsveränderungen auf? Wenn ja, zu welchem Zeitpunkt wurden sie zuerst bemerkt?
  • Treffen gewisse Risikofaktoren auf Sie zu?
  • Wurde schon ein ähnliches Ereignis oder ein vorangegangener Schlaganfall festgestellt?
  • Besteht eine regelmäßige Medikation?

Auch eine körperliche Untersuchung wird, wenn es die Umstände und der Zustand zulassen, durchgeführt. Um die von Ihnen beschriebenen Beschwerden zu überprüfen, oder weitere zu ergänzen, wird der Arzt Sie auffordern,

  • zu Lächeln oder Ihre Zähne zu zeigen, um eine einseitige Gesichtslähmung nachzuweisen;
  • die Arme nach oben zu heben und zu halten, um eine einseitige Arm-/Handlähmung nachzuweisen;
  • einfache Sätze nachzusprechen, um mögliche Auffälligkeiten wie Nuscheln oder Wortfindungsstörungen nachzuweisen.

Zudem werden routinemäßig Puls, Blutdruck, Körpertemperatur und Blutzucker gemessen. Eine genauere Diagnostik oder Abgrenzung ist mit hausärztlichen Mitteln nicht möglich, weshalb spätestens nach diesen Schritten ein Nottransport in eine geeignete Klinik veranlasst werden muss. Der Hausarzt wird dabei die gesammelten Patienteninformationen an die Klinik übergeben. Grundsätzlich gilt, dass jeder Schlaganfallverdacht weiter diagnostiziert und abgeklärt werden sollte.

Diagnostik im Krankenhaus

Nur die technischen Mittel in einer Klinik, bestenfalls mit Schlaganfallstation, ermöglichen eine endgültige Bestätigung oder den Ausschluss des Verdachts. Dafür ist es notwendig, auf bildgebende Verfahren zurückzugreifen. Mittel der Wahl sind in diesem Fall:

  • Computertomographie (CT): Hiermit lässt sich zwischen einem durch Blutungen und einem durch Gefäßverschluss ausgelöstem Infarkt unterscheiden. Teilweise ist die Bildgebung jedoch zu ungenau.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Hierdurch kann die Darstellung der CT unter anderem ergänzt und verfeinert werden. Die Untersuchung nimmt jedoch auch vergleichsweise viel Zeit in Anspruch.
  • Angiographie: Im Zuge einer Angiographie werden die Blutgefäße und der (unterbrochen) Blutfluss mittels Röntgenbild sichtbar gemacht.
  • Duplexsonographie: Auch hier werden die Blutgefäße und Blutfluss sowie mögliche Verkalkungen durch Ultraschall nachgewiesen.
  • Elektrokardiogramm: Um zu überprüfen, ob die Schlaganfallursache das Herz ist, wird die elektrische Aktivität des Organs gemessen, um mögliche Unregelmäßigkeiten festzustellen.

Für die anstehende Behandlung ist es wichtig, so genaue Informationen wie möglich über die Durchblutungsstörung zu erhalten. Bereits abgeklungene, transitorische Attacken können meistens nicht mehr bildlich nachgewiesen werden, doch auch hier ist eine weiterführende Behandlung und vor allem Prävention wichtig.

Fakten-Box: Durchblutungsstörung im Gehirn

  • Sauerstoffversorgung des Gehirns durch Verstopfung eines Blutgefäßes unterbrochen
  • Kann im Rahmen einer TIA vorrübergehend sein
  • Kann bei einem vollständigen Schlaganfall dauerhaft sein
  • Führt unbehandelt zu schwersten Behinderungen und dem Tod

Mögliche Symptome

  • Lähmungen
  • Sensibilitätsstörungen
  • Sprachstörungen
  • Bewusstseinsstörungen
  • Sehschwierigkeiten
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • Gleichgewichtsstörungen

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung von einer Durchblutungsstörung im Gehirn

Welche Maßnahmen ergriffen werden, hängt stark von der Dauer und der Ausprägung der Symptomatik ab. Schon der Hausarzt kann vor dem Eintreffen eines Rettungswagens Basismaßnahmen ergreifen:

  • Atemwege freihalten
  • geeignete Lagerung, also Oberkörperhochlagerung oder stabile Seitenlage
  • ausreichende Sauerstoffversorgung
  • Zugang für mögliche Infusionen legen
  • Kontrolle des Blutdrucks und -zuckers

Diese Maßnahmen sollen den Patienten möglichst stabil halten, schnelles Handeln ist jedoch unumgänglich. Während all dieser Maßnahmen wird der Arzt je nach Bewusstseinszustand versuchen, alle weiteren Behandlungsschritte zu erklären.

Intravenöse Thrombolyse

Wird bereits bei den ersten Anzeichen für einen Schlaganfall ärztliche Hilfe gesucht, sodass seit Auftreten der Symptome nicht mehr als 4 ½ Stunden vergangen sind, kann eine sog. ‚Thrombolyse’ helfen. Durch die Verabreichung eines bestimmten Medikaments in die Blutbahn des Patienten, oder direkt in das betroffene Gefäß, kann sich die Verstopfung in dem Gefäß auflösen. Dies hat einen nachgewiesen positiven Einfluss auf die Prognose und Genesung. Allerdings steigt auch das Risiko für Blutungen.

Mechanische Thrombektomie

Handelt es sich um ein großes Blutgerinnsel, welches sich nicht über Thrombolyse auflösen lässt, kann der Blutpfropfen (sog. ‚Thrombus‘) bis zu 6 Stunden später auch mechanisch entfernt werden. Hierfür wird ein Instrument in die Vene eingeführt und der Thrombus kann hinausgezogen werden. Da die Thrombektomie nur bei sehr großen Blutgerinnseln durchführbar ist, kommt sie nur bei 1- 5 Prozent aller Patienten infrage.

Blutgerinnungshemmer

Ist der Anwendungszeitraum von Thrombolyse-Medikamenten oder für eine mechanische Entfernung abgelaufen, kommen Mittel zur Blutgerinnungshemmung, z.B. Aspirin zum Einsatz. Dadurch wir die Verklumpung des Blutes verhindert.

Generell gilt: Je schneller die Behandlung erfolgt, desto geringer sind die Folgeschäden. Doch auch die Größe des betroffenen Gehirnareals spielt eine wichtige Rolle. Konnte die Durchblutungsstörung aufgelöst und der Patient in einem stabilen Zustand versetzt werden, gilt es die primären Ursachen für den Schlaganfall zu beheben und rehabilitative Maßnahmen gemäß entstandenen Beeinträchtigungen einzuleiten.

Rehabilitation

Hier gilt: So früh und viel wie möglich! Vor allem in der Zeit unmittelbar nach dem Infarkt können auf diese Weise die größten Fortschritte erzielt werden. Gemeinsam mit dem Patienten werden vor allem physio-, sprach- und ergotherapeutische Teilziele gesetzt, um schrittweise die bestmögliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zurückzugewinnen. Da es sich bei einem Schlaganfall um ein einschneidendes Erlebnis handelt, wird auch häufig eine Psychotherapie verordnet.

Gut zu wissen!
Circa 40 Prozent der Schlaganfallpatienten sterben in den ersten 12 Monaten und 65 Prozent der Überlebenden sind durch bleibende Beeinträchtigungen auf Fremdhilfe durch Pflegeeinrichtungen oder mobile Pflegedienste angewiesen.

Aktuelle Forschung – Thrombolyse auch bei unbekanntem Symptombeginn

Der Zeitrahmen, in dem eine Thrombolyse als sinnvoll erachtet wird, ist auf höchstens 4 ½ Stunden nach Symptombeginn festgelegt. Doch was ist mit Patienten, die diesen Zeitpunkt nicht genau angeben können? Es ist gut möglich, dass die Anzeichen im Schlaf auftreten oder der Patient sich nicht mehr ausreichend äußern kann. Dadurch kann der Zeitpunkt nicht festgelegt werden und die Betroffenen scheiden für eine Thrombolyse aus.

Eignung über MRT feststellen

Innerhalb der „Wake-UP-Studie“ wurde bei Patienten, bei denen der Zeitpunkt des Symptombeginns unbekannt war, anhand von MRT- Bildern überprüft, ob sie sich noch im geeigneten Zeitrahmen befinden. Anschließend wurde bei ihnen eine Thrombolyse durchgeführt. Im Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die nur mit einem Scheinmedikament behandelt wurde, waren die bleibenden Schäden der Versuchsgruppe geringer einzustufen. Dadurch bestätigt sich, dass über bestimmte MRT-Bilder eine zuverlässige Aussage über die Eignung von Patienten mit unbekanntem Symptombeginn getroffen werden kann.

Quelle: Götz Thomalla, Claus Z. Simonsen u.a. (2018): MRI-Guided Thrombolysis for Stroke with Unknown Time of Onset. In: nejm.org.

Häufige Patientenfragen

Darf ich nach einem Schlaganfall noch Auto fahren?

Dr. Dr. T. Weigl
Wenn Sie einen Schlaganfall erlitten haben und womöglich längere Zeit auf Betreuung und Unterstützung angewiesen waren, werden Sie sich nach jedem Stück Selbstständigkeit sehnen. Doch gerade ein Schlaganfall und auch die folgende medikamentöse Behandlung kann unter anderem mit Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit, des Reaktionsvermögens und der Beweglichkeit einhergehen. Aus rechtlicher Sicht ist es in Deutschland zwar nicht notwendig, eine erworbene Behinderung an die Straßenverkehrsbehörde zu melden. Werden Sie jedoch im Straßenverkehr auffällig, tragen Sie die Konsequenzen. Um sich selbst und andere nicht zu gefährden, ist es daher sehr empfehlenswert, ein medizinisches Gutachten über die eigene Fahrtüchtigkeit einzuholen.

Wie lange dauert eine rehabilitative Nachbehandlung?

Diese Frage lässt sich pauschal kaum beantworten. So individuell wie die Schäden nach einem Schlaganfall sind, so unterschiedlich ist die Rehabilitationsdauer. Generell ist es ratsam, umfassende und regelmäßige therapeutische Maßnahmen in Anspruch zu nehmen. Häufig erstreckt sich die Dauer über Monate, bei schwerwiegenden Beeinträchtigungen kann auch eine jahre- oder lebenslange Behandlung angebracht sein.

Stimmt es, dass andere Bereiche des Gehirns die Aufgaben beschädigter Bereiche übernehmen können?

Dr. Dr. T. Weigl
Areale, die während eines Sauerstoffmangels im Gehirn nicht versorgt wurden, sterben unwiderruflich ab. Unterschiedlichste Wahrnehmungs- und Bewegungskompetenzen können dadurch eingeschränkt werden. Doch durch die sog- ‚Plastizität’ des Gehirns ist es tatsächlich möglich, dass sich die Nervenverbindungen umorganisieren und gesunde Bereiche die gestörten Funktionen übernehmen können. Regelmäßige therapeutische Unterstützung wirkt sich dabei positiv aus.

Treten bei Frauen und Männern unterschiedliche Symptome auf?

Dr. Dr. T. Weigl
Es stimmt, dass sich die Schlaganfall-Symptome bei Männern und Frauen unterscheiden können. Laut Studien sollen bei Frauen im Falle eines Schlaganfalls gehäuft Symptome wie Schluckauf, Brustschmerzen, Kurzatmigkeit und viel häufiger Kopfschmerzen auftreten. Der Grund dafür ist noch nicht geklärt, doch auch diese Symptome sollten ernstgenommen werden.

Typisches Patientenbeispiel

Vielleicht genießt Paul seinen Ruhestand etwas zu sehr. Wenn er sich so im Spiegel betrachtet, hat er sich wohl im Laufe des letzten Jahres das ein oder andere Kilo angefuttert. „Das Leben ist zu kurz für eine Diät“, zwinkert er seinem Spiegelbild zu und macht sich auf den Weg ins Brauhaus. Seine liebe Freundin und Ärztin des Vertrauens, Karla, wartet bestimmt schon.

Als Karla nach einem vorzüglichen Abendessen noch ein weiteres Bier für Beide bestellen möchte, winkt Paul jedoch ab. „Ich glaube ich sollte mich mit dem Alkohol etwas zurücknehmen, letztens konnte ich abends kaum noch meinen Arm heben“, sagt er etwas kleinlaut. Kritisch, fast besorgt sieht Karla ihn an und fragt, ob er noch weitere Ausfälle bemerkt hätte. Dass seine Sicht nicht mehr ganz so zuverlässig und die Sprache nicht mehr so ganz verständlich war, hatte Paul eigentlich nicht für erwähnenswert gehalten.

Am nächsten Morgen sitzt er in Karlas Behandlungszimmer in der Uniklinik. Noch gestern Abend hat sie Paul mit ihrem Gerede über verstopfte Gefäße, kurzzeitige Aussetzer und Schlaganfälle gehörig Angst eingejagt. Nach einer ausführlichen Befragung, einigen Ultraschall- Untersuchungen und einem MRT- Scan ist klar: Paul hatte Glück im Unglück. Eine vorrübergehende Attacke hatte bei ihm für Lähmungserscheinungen gesorgt. Mit einigen Blut verdünnenden und Blutdruck senkenden Medikamenten und einem strengen Ernährungs- und Bewegungsplan von Karla, darf er die Klinik schnell wieder verlassen. Und eines ist klar, so schnell will und wird er nicht wieder hier landen.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Clara Spottke
Lektorat: Andrea Lorenz
Veröffentlicht am: 22.10.2019

Quellen

  • Deutsche Apothekerzeitung: Was ist eigentlich eine TIA?. In: deutsche-apotheker.zeitung.de.
  • Neurologen und Psychiater im Netz: Was ist ein Schlaganfall?. In: neurologen-und-psychiater-im-netz.org.
  • Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Schlaganfall. In: awmf.org.
  • Deutsche Schlaganfallhilfe: Autofahren nach Schlaganfall. In: schlaganfall-hilfe-de.
  • Gelbe Liste: Transitorische Ischämische Attacke, Schlaganfall. In: gelbe-liste.de.
[Gesamt: 4   Durchschnitt:  5/5]
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1 Kommentar
  • Larissa Behrmann
    01.11.2019 09:31

    Gut zu wissen, dass rauchen auch zu Durchblutungsstörungen führen kann. Die Ärzte wollen bei meinem Cousin bald ein Langzeit EKG durchführen. Ich hoffe ihm geht es bald besser.

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