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Verwirrtheit – Ist ein Delirium nur im Alter gefährlich?

Auf einen Blick – Verwirrtheit

Was ist Verwirrtheit?

  • ein akut auftretendes Krankheitsbild
  • Fachbegriff ‚Delirium‘ oder ‚Delir‘
  • betrifft vor allem den Geist, in manchen Fällen auch körperliche Symptome

Wer bekommt Verwirrtheit?

  • Verwirrtheit kann aufgrund einer Vergiftung auftreten
  • ältere Menschen ab einem Alter von 65 Jahren sind häufiger betroffen: ein Delirium tritt oft aufgrund von Vorerkrankungen oder als Nebenwirkungen von Medikamentenkonsum auf
  • Verwirrtheit ist eine mögliche Folge von Alkoholisierung

Symptome (Auszug)

  • Agitiertheit und Unruhe
  • Einschränkung der Denkfähigkeit und Aufmerksamkeit
  • erhöhter Blutdruck und Puls

Behandlung (Auszug)

  • die verursachenden Medikamente absetzen
  • Behandlung mit nichtmedikamentösen Maßnahmen
  • medikamentöse Therapie: Verabreichen von Antipsychotika

Tipps

  • bei erhöhtem Puls und Blutdruck während eines Deliriums ist Vorsicht geboten: suchen Sie im Zweifelsfall einen Arzt auf
  • setzen Sie eine verwirrte Person nicht unter Druck, sondern bewahren Sie einen ruhigen Umgangston
  • schlafen Sie ausreichend, denn Schlafentzug ist ein möglicher Auslöser für ein Delirium

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Ein Delirium – auch als Verwirrtheitszustand oder Delir bezeichnet – tritt vor allem bei älteren Menschen ab einem Alter von 65 Jahren auf. Denn diese sind oft von Vorerkrankungen betroffen, welche die Verwirrtheit auslösen. Der langfristige Konsum von Medikamenten und deren Nebenwirkungen begünstigt ein Delirium zusätzlich.

Allerdings kann ein Delirium jüngere Menschen ebenfalls betreffen. Vergiftungen (zum Beispiel eine Alkoholvergiftung), Entzug (zum Beispiel nach einer Schmerzmittelsucht) und Vorerkrankungen (zum Beispiel die Zuckerkrankheit ‚Diabetes mellitus‘) sind mögliche Auslöser – und das in allen Altersgruppen.

Verwirrtheitszustände äußern sich häufig in Agitiertheit und Unruhe, Verlust der Aufmerksamkeit oder Denkschwierigkeiten. Die Symptome treten recht rasch auf und gehen in den meisten Fällen recht schnell wieder vorbei – meistens innerhalb eines Zeitraums von Stunden bis Tagen.

Gefährlich wird ein Delirium dann, wenn der Patient durch dein unruhiges Verhalten eine Gefahr für sich und/oder seine Mitmenschen darstellt. Ebenfalls droht Gefahr durch mögliche körperliche Begleitsymptome. Allen voran sind Bluthochdruck und ein erhöhter Puls zu nennen. Die Behandlung erfolgt in vielen Fällen medikamentös. Aktuelle Forschungsansätze verbessern die Auswahl der Medikamente stetig.

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Was ist Verwirrtheit bzw. Delirium?

Die Verwirrtheit (Fachbegriff ‚Delirium‘) ist ein akut auftretendes Krankheitsbild (sog. ‚Syndrom‘). Es betrifft vor allem den Geist, weswegen Mediziner es als ein sogenanntes ‚Psychosyndrom‘ bezeichnen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem ‚Verwirrtheitszustand‘ oder dem ‚Durchgangssyndrom‘. Vor allem die Aufmerksamkeit und die Denkfähigkeit der Patienten ist bei einem akuten Verwirrtheitszustand beeinträchtigt.

„Die Aufmerksamkeit ist wie ein Filter. Bei akutem Delirium kommt manchmal gar nichts mehr im Bewusstsein des Patienten an – als wäre der Filter entweder verstopft oder nicht mehr vorhanden.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Ein Delirium tritt als Folge anderer Erkrankungen (zum Beispiel Schlaganfall) oder aufgrund schädlichen Konsumverhaltens (zum Beispiel Drogenkonsum) auf. Ältere Menschen ab einem Alter von 65 Jahren sind aufgrund ihrer Vorerkrankungen besonders häufig von einem Delirium betroffen.

Welche Erkrankungen treten bei alten Menschen insgesamt am häufigsten auf? In diesem Video nennt und erläutert Dr. Dr. Tobias Weigl die 7 häufigsten Alterserkrankungen.

An diesen 7 Alterserkrankungen erkranken Sie wenn Sie alt sind: Arthrose, Glaukom, Rheuma, Demenz...

Die Symptome: Welche Beschwerden verursacht ein Delirium?

Die Symptomatik ist individuell recht unterschiedlich. Gemeinsam haben alle auftretenden Verwirrtheitszustände jedoch, dass sie plötzlich auftreten. Bei einem Delirium verschlimmern sich die Symptome oftmals am Abend. Wie stark, wie lange und welche Symptome erscheinen, hängt jedoch von der Ursache für den Verwirrtheitszustand ab.

Geistige und körperliche Symptome: Sind sie gefährlich?

Die Symptome umfassen Bewusstseinsstörungen, Störungen der Aufmerksamkeit, der Emotionalität, der Psychomotorik und des Gedächtnisses. Agitiertheit und Unruhe, das Nesteln mit den Fingern, sowie Störungen des Schlafrhythmus sind weitere mögliche Symptome.

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Hoher Bluthochdruck, schwitzen und ein erhöhter Puls sind zusätzliche körperliche Erscheinungen, die bei einem Delirium auftreten können. Diese Symptome sollte man nicht unterschätzen. Steigen Blutdruck und Puls zu sehr an, kann der Zustand gefährlich und sogar lebensbedrohlich werden: suchen Sie sich in diesen Fällen unbedingt medizinische Hilfe.

Wer ist am ehesten betroffen?

Ein Delirium kann viele Ursachen haben. Sehr häufig tritt es allerdings bei älteren Personen ab einem Alter von 65 Jahren auf. Stationäre Krankenhauspatienten sind ebenfalls eine Risikogruppe. Denn ein Delirium tritt möglicherweise postoperativ nach einer Vollnarkose auf.

Ursachen für ein Delirium, vor allem bei älteren Personen

Im Fall der alten Menschen tritt das Delirium oft aufgrund von altersspezifischen Vorerkrankungen auf. Ein Delirium kann jedoch bei Patienten aller Altersgruppen eine Folge- oder Begleiterscheinung (sog. ‚sekundäres Symptom‘) einer anderen Erkrankung sein. Vor allem die folgenden Krankheiten sind möglicher Auslöser für den Verwirrtheitszustand:

Fremdsubstanzen und Vergiftungen als mögliche Ursachen für ein Delirium

Sowohl das akute Einnehmen als auch der Entzug einiger Substanzen rufen bei einigen Patienten ein Delirium hervor. Diese sind:

  • Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten (zum Beispiel Antidepressiva, Antipsychotika und Opioide)
  • akute Einnahme von Beruhigungsmitteln (zum Beispiel Benzodiazepine und Barbiturate)
  • Alkoholmissbrauch / Alkoholvergiftung
  • Entzug von Drogen (zum Beispiel Alkohol) und Absetzen von Schmerzmitteln (nach Abhängigkeit)
  • (Schwermetall-)Vergiftung (zum Beispiel durch Arsen)

Weitere Auslöser eines Deliriums

Die äußeren Umstände, das allgemeine Wohlbefinden und der Lebensstil sind ebenfalls Faktoren, die ein Delirium hervorrufen oder begünstigen:

  • Schlafentzug (zum Beispiel durch einen gestörten Schlafrhythmus oder Durchschlafstörungen)
  • Folge einer Operation
  • Verlust der Hör- oder Sehfähigkeit
  • Andere Symptomatik (zum Beispiel Schmerzen)

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Kennen Sie eine Person, die bereits ein Delirium erlitten hat? Wie haben sich die Symptome geäußert? Mit Ihrer Antwort helfen Sie anderen Betroffenen dabei, ihre Symptome besser einzuschätzen. Nutzen Sie gerne auch die Kommentarfunktion am Ende des Textes, um sich gegenseitig auszutauschen.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose eines Deliriums

Die Diagnose beim Arzt erfolgt in einem Anamnesegespräch mit dem Patienten und/oder dessen Angehörigen. Der Arzt erfragt die Umstände des Verwirrtheitszustandes:

  • Wann ist der Zustand zum ersten Mal aufgetreten?
  • Wie oft leidet der Patient unter einem Verwirrtheitszustand?
  • Hat sich der Zustand verschlechtert?
  • Welche Vorerkrankungen liegen vor?
  • Hat der Patient Medikamente, Drogen oder Gifte zu sich genommen?

Diese Fragen geben dem Arzt Hinweise darauf, was die Ursache für das Delirium ist. Oftmals ist jedoch weitere Ursachenforschung nötig, um den Grund für die Verwirrtheit herauszufinden.

Genauere Ursachenforschung: Laborwerte einholen

Laborwerte geben genaueren Aufschluss über den Grund eines Deliriums. Zunächst analysiert man die Körperflüssigkeiten des Patienten. Der Arzt führt hierzu eine Laboranalyse des Blutes und des Urins durch. Er testet unter anderem, wie hoch der Glucose Gehalt im Blut ist, welche Leberwerte vorliegen und in welcher Konzentration die Elektrolyte im Blut vorhanden sind.

Ebenso ist es möglich, dass man Hinweise für eine Vergiftung in den Blutwerten oder dem Urin feststellt (zum Beispiel durch die Urintoxikologie oder die Konzentration von Fremdsubstanzen im Blutserum).

Bei möglicher neurologischer Ursache: Bildgebung

Möglicherweise geht das Delirium mit einem neurologischen Defizit einher. In diesem Fall eignet sich eine bildgebende Untersuchung des Gehirns beim Neurologen. Mit der Magnetresonanztomographie (kurz MRT) kann man die Strukturen das Gehirn mithilfe von Magnetwellen dreidimensional hochauflösend darstellen. Auf einem solchen Bild kann der Arzt erkennen, ob Veränderungen im Gehirn vorliegen, die die Verwirrtheit verursachen. Ein solches Kopf-MRT ist eine Diagnosemethode, die nicht in den Körper eingreift (sog. ‚nicht-invasive Methode‘) – man muss den Schädel also nicht öffnen, um hineinzusehen.

Die Elektroenzephalographie (kurz EEG) ist eine weitere neurologische Untersuchungsmöglichkeit. Hierbei misst man die Hirnströme des Patienten von außen durch den Schädel hindurch mit vielen kleinen Elektroden. Die Methode ist – so wie ein MRT – ebenfalls nicht invasiv. Der Arzt erhält kein dreidimensionales Bild, sondern eine wellenförmige Aufzeichnung der Gehirnaktivität. Bei dieser Methode kann man kleinste Veränderungen in der zeitlichen Abfolge der Hirnströme erkennen. Die räumliche Auflösung ist allerdings viel schlechter als bei einem MRT.

Exkurs: Delirium und Demenz – Einige Kriterien zur diagnostischen Unterscheidung

Auch wenn das Delirium einer Demenzerkrankung auf den ersten Blick ähnlich ist, sind die beiden Erscheinungen nicht miteinander gleichzusetzen. Denn es handelt sich um zwei unterschiedliche Erscheinungen, die unterschiedliche Therapien fordern.
Daher ist es wichtig, dass der Arzt eine differenzierte Diagnose stellt, um die richtigen Behandlungsmaßnahmen einzuleiten. Die folgende Tabelle zeigt, was der Arzt bei der Diagnose besonders beachtet – also wie sich die beiden Erscheinungen voneinander unterscheiden.

 DeliriumDemenz
Beginnplötzlichschleichend
Verlaufschnell: Stunden – Tagelangsam: Monate – Jahre
Bewusstseinvermindertintakt
Aufmerksamkeitbeeinträchtigtnormalerweise vorhanden; nur in der fortgeschrittenen Phase reduziert
ErinnerungsfähigkeitVerlust des Kurzzeitgedächtnisseszunächst: Verlust des Kurzzeitgedächtnisses;
in der fortgeschrittenen Phase: kompletter Erinnerungsverlust
Halluzinationenvorhandennur bei ca. 30% der Patienten im fortgeschrittenen Stadium
EEGunnormal: Auffälligkeiten in den Hirnströmenzumeist normal: keine erkennbaren Auffälligkeiten

In Anlehnung an: Amboss Knowledge for medical students and physicians (2020): Delirium. In: amboss.com.
Möchten Sie sich zum Thema Demenz informieren? Erfahren Sie mehr in unseren folgenden Artikeln:

Fakten-Box

Verwirrtheit bzw. Delirium

  • akutes Psychosyndrom
  • betrifft überwiegend alte Menschen ab 65 Jahren aufgrund ihrer Vorerkrankungen
  • tritt bei Vergiftungen oder als Entzugserscheinung auf

Mögliche Symptome

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung eines Deliriums

Um ein Delirium zu behandeln, ist es wichtig, die Ursache zu erkennen. Der erste Schritt in der Behandlung ist also, den Grund für das Delirium zu identifizieren. Weiß der Arzt, was den Verwirrtheitszustand hervorruft, dann behandelt er diese Ursache. Handelt es sich gegebenenfalls um ein Delirium aufgrund von Medikamenteneinnahme (zum Beispiel ein Benzodiazepin), dann ist abzuwägen, ob die Einnahme des Präparats zu stoppen ist, weil die Nebenwirkungen zu gravierend sind.

Präventive, nichtmedikamentöse Maßnahmen

Gerade bei älteren Patienten kann man vorbeugende Maßnahmen ergreifen, um ein Delirium zu verhindern. Beispiele dafür sind: Regelmäßige Beobachtung des Patienten, häufige Besuche durch die Familie und Reduzierung von Lärm und Behandlungen in der Nacht. Denn das Stören des Schlafrhythmus begünstigt einen Verwirrtheitszustand. Zusätzlich sollte man darauf achten, dass der Betroffene immer ausreichend genährt ist und genügend Flüssigkeit zu sich nimmt.

Durch das Reduzieren von Schmerz, vorbeugende Physiotherapie mit allgemeiner Mobilisierung und Vermeiden von Inkontinenzereignissen lässt sich das allgemeine Wohlbefinden des Patienten steigern. Dies reduziert weiterhin die Gefahr für das Auftreten eines Deliriums.

Medikamentöse Therapie

Der Arzt kann die nichtmedikamentöse Therapie mit der Gabe von Medikamenten unterstützen. In einigen Fällen ist es sogar unmöglich, das Delirium ohne medikamentöse Maßnahmen zu behandeln.
Für die Behandlung eignen sich oftmals Antipsychotika (zum Beispiel Haloperidol), um die Agitiertheit des Patienten zu mindern. Gerade dann, wenn der Betroffene eine Gefahr für sich oder für andere darstellt, empfiehlt sich die Gabe eines antipsychotischen Präparats.

Aktuelle Forschung – Mit welchen Medikamenten sollte man Delirium-Patienten behandeln?

Wie findet man möglichst zuverlässig heraus, welches Medikament gut für den Patienten ist? Dieser Frage ist Oberarzt Eberhard Barth von der Sektion Operative Intensivmedizin der Klinik für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Ulm gemeinsam mit seinen Kollegen nachgegangen.

Hintergrund der Studie: Medikamente können Delirium verschlimmern

Es gibt unterschiedliche medikamentöse Therapiemöglichkeiten gegen ein akutes Delirium. Nicht jeder Patient reagiert positiv auf all diese Medikamente. Manche Medikamente können das Delirium verschlimmern. Dies hängt von der Ursache für die Verwirrtheit ab. Die Ärzte können allerdings oftmals nicht im Vorfeld bestimmen, welches Mittel am geeignetsten ist, ohne das Mittel am Patienten zu testen. Daher erfolgt häufig zunächst eine Therapie, die versuchsweise mehrere Präparate einschließt (sog. ‚polypharmazeutisch-empirische Medikation‘).

Bluttest soll Aufschluss geben: Eignet sich Physostigmin?

Im Blut der Patienten lassen sich allerdings Hinweise finden, ob sie ein Präparat vertragen. Innerhalb der vorliegenden Studie haben die Wissenschaftler Bluttests durchgeführt, um das Ansprechen auf das Medikament Physostigmin nachzuweisen. Das zu untersuchende Medikament ist ein auf das zentrale Nervensystem hemmend wirkendes Mittel (sog. ‚Parasympathomimetikum‘) Physostigmin.

Klinischer Medikamententest mit Patienten: Bluttest hilfreich

20 Patienten mit akutem Delirium haben das Medikament Physostigmin erhalten. Das Mittel hat eine signifikante Besserung der klinischen Symptome zur Folge gehabt. Diese positive Wirkung war auch im Blutbild der Patienten zu erkennen: Die Acetylcholinesteraseaktivität war deutlich erhöht. Diese Messung zeigt an, dass der Körper auf das Parasympathomimetikum reagiert hat. Die Autoren schlussfolgern aus den vorliegenden Daten, dass ein Bluttest die Auswahl der Medikation unterstützen kann.

Quelle: Eberhard Barth u. a. (2019): AChE- und BChE-Aktivität als Entscheidungshilfe für die medikamentöse Therapie von Delir und kognitiver Dysfunktion bei Intensivpatienten. In: Anästhesiologie & Intensivmedizin 60, S. 233–242.

Häufige Patientenfragen

Was ist die bessere Diagnosemethode, EEG oder MRT?

Dr. Dr. T. Weigl
Die beiden genannten Methoden sind Beispiele dafür, wie der Arzt in das Gehirn des Patienten hineinsehen kann, ohne den Schädel zu öffnen. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile, sodass man nicht pauschal sagen kann, welche die bessere Wahl ist. Welche Methode sich besser eignet, entscheidet der Arzt daher im Einzelfall.

Veränderungen, die in den tieferen Strukturen des Gehirns liegen (zum Beispiel im Mittelhirn), lassen sich viel besser mit einem Kopf-MRT darstellen als mit einem EEG. Denn das dreidimensionale Bild erfasst die Strukturen des gesamten Gehirns – sowohl der äußeren als auch der innen Strukturen.

Ein EEG hingegen kann nur die Aktivität in der Hirnrinde (sog. ‚Cortex‘) darstellen. Denn diese befindet sich außen am Gehirn nah am Schädelknochen, wo sich die EEG-Elektroden befinden. Das EEG hat dafür den Vorteil, dass es sehr schnell ist: die Reaktionsfähigkeit beim Hören zum Beispiel lässt sich im Millisekunden-Bereich darstellen. Vor allem bei Aufmerksamkeitstests ist es wichtig, die Schnelligkeit des Gehirns darzustellen.

Äußert sich ein Delirium immer anders oder kann man grundsätzlich zwischen verschiedenen Formen des Deliriums unterscheiden?

Dr. Dr. T. Weigl
Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene klinische Formen des Deliriums. Das eher aktive Delirium äußert sich in überaktivem Verhalten und Agitiertheit. Es ist relativ leicht zu erkennen, da der Patient deutlich sichtbare Symptome hat.

Auf der anderen Seite gibt es das eher passive Delirium: Die Betroffenen zeigen viel weniger sichtbare Symptome. Daher bleibt der Verwirrtheitszustand manchmal lange unerkannt. Diese Form des Deliriums ist besonders gefährlich. Denn aufgrund der fehlenden Diagnostizierung ist die Sterblichkeitsrate (sog. ‚Mortalität‘) bei Patienten mit dieser eher passiven Symptomatik erhöht.

Was ist der Unterschied zwischen Wahnvorstellungen und einem Delirium?

Dr. Dr. T. Weigl
Ein Delirium ist ein Zustand, der zumeist akut und über Stunden bis Tage hinweg auftritt. Eine Wahnvorstellung hingegen ist eine falsche Interpretation der Umwelt und entwickelt sich häufig über einen längeren Zeitraum hinweg. Patienten mit einem Verwirrtheitszustand sind in ihrem Denken eingeschränkt und haben Schwierigkeiten damit, ihre Aufmerksamkeit zu behalten.

Wahnvorstellungspatienten leiden unter anderen Einschränkungen. Sie sind insgesamt zumeist normal denkfähig und aufmerksam. Sie denken allerdings sozusagen in eine andere Richtung als nicht betroffene Personen und interpretieren die Gegebenheiten in der Welt falsch. Es gibt viele unterschiedliche Ausprägungen von Wahnvorstellungen. Beispiele sind der Verfolgungswahn, der Vergiftungswahn, der Liebeswahn oder der Größenwahn.

Möchten Sie mehr zum Thema Wahnvorstellungen erfahren? Weitere Informationen finden Sie in unserem Artikel Wahnvorstellungen – Was sind mögliche Ursachen? Wie werden sie behandelt?

Gibt es Einschränkungen für die medikamentöse Behandlung eines Deliriums?

Dr. Dr. T. Weigl
Es ist bei der Behandlung eines Deliriums sehr wichtig, Wechselwirkungen der Medikamente mit anderen Substanzen zu beachten. In manchen Fällen darf man ein Medikament nämlich nicht verabreichen (sog. ‚Kontraindikation‘).

Ist das Delirium auf den Entzug von Alkohol oder Benzodiazepinen zurückzuführen, dann sollte man kein Haloperidol verabreichen. Denn das Mittel mindert die Schwelle, ab der ein neurologischer Anfall auftreten kann. Die Gefahr für einen epileptischen Anfall ist also deutlich erhöht, wenn Patienten die beiden Substanzen gleichzeitig einnehmen. Eine Alternative sind in einem solchen Fall untypische Antipsychotika wie beispielsweise die sogenannten ‚Olanzapine‘.

Benzodiazepine wirken prinzipiell deliriumfördernd. Allerdings existiert die Möglichkeit, Deliriumpatienten mit Benzodiazepinen zu behandeln. Allerdings gilt dies nur dann, wenn das Delirium aufgrund eines Entzugs von Alkohol oder Benzodiazepinen selbst verursacht wurde. In einem solchen Fall sollte man kein Haloperidol verabreichen, da hier ebenfalls die Gefahr für einen (epileptischen) Anfall erhöht ist.

Typisches Patientenbeispiel

„Nun streng‘ dich doch mal an und sei nicht immer so lahm“, raunzt Erna ihren Mann Kurt genervt an. „Ich kann aber nicht schneller, ich geb‘ mir doch Mühe. Aber immer, wenn ich ‚schnell mache‘ – so wie du es sagst – versuche, dann habe ich keine Kraft mehr und deshalb gebe ich dir die Kartoffeln eben langsam und in meinem Tempo“, gibt Herr Wandler seiner Frau zur Antwort.

Auffälligkeiten im Alltag ansprechen

Bereits seit Stunden kann sich Maria nicht mehr richtig konzentrieren. Vielleicht war der Nachmittag auch einfach etwas viel mit dem Besuch ihrer beiden Enkel und dem vielen Spielen. Zum Abend hin wird der Zustand immer schlimmer – sie kann sich überhaupt nicht mehr darauf konzentrieren, das Abendessen vorzubereiten und den Tisch zu decken. „Du schwitzt auf einmal, ist dir warm?“, fragt ihre Tochter Sally, als sie zu ihrer Mutter kommt, um die Kinder abzuholen.

Starkes Schwitzen und Aufmerksamkeitsverlust: Anzeichen für ein Delirium

Da sich die Symptome nicht bessern, fährt Sally mit ihrer Mutter in die Notaufnahme. „Nun mach doch nicht so ein Aufhebens um mich, das ist nicht nötig. Ich muss vielleicht einfach nur endlich mal etwas essen“, protestiert Maria, obwohl ihr das Finden der Worte große Anstrengung bereitet.

Der Arzt nimmt die Symptome ernst

„Gut, dass Sie hergekommen sind, „sagt der Arzt“, ich denke, dass Sie unter einem akuten Delirium leiden, Frau Lange. Ihr Blutdruck und Puls sind stark erhöht. Weitere Untersuchungen sind nötig, um den Verdacht zu bestätigen. Wir sollten Sie erstmal zur Sicherheit über Nacht zur Beobachtung hierbehalten.“

Tochter Sally ist gleichzeitig erschreckt und beruhigt. Aber immerhin ist ihre Mutter in sicheren Händen. Sie hätte sie in diesem Zustand nicht allein zu Hause lassen wollen. Vor allem, weil ihre Mutter vor kurzem erst die Diagnose Diabetes mellitus erhalten hat, macht sich Sally besonders viele Sorgen.

Verwandte Themen

Haben Sie Erfahrungen mit einem auftretenden Verwirrtheitszustand? Möchten Sie sich bei uns weiter zum Thema Verwirrtheit oder Delirium erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich untereinander auszutauschen!

 

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Melinda A. Mende
Lektorat: Timo Hülsmann
Veröffentlicht am: 02.03.2020

Quellen

  • Amboss Knowledge for medical students and physicians (2020): Delirium. In: amboss.com.
  • Eberhard Barth u. a. (2019): AChE- und BChE-Aktivität als Entscheidungshilfe für die medikamentöse Therapie von Delir und kognitiver Dysfunktion bei Intensivpatienten. In: Anästhesiologie & Intensivmedizin 60, S. 233–242.
  • Susanne Dyckhoff-Shen u. a. (2020): Herpes-simplex-Enzephalitis unverzüglich behandeln. In: MMW-Fortschritte der Medizin 162/ 3, S. 37–40.
  • Elisabeth Jentschke (2019): Besonderheiten in der Palliativversorgung beim alten Tumorpatienten. In: Der Onkologe 25/9, S. 811–818.
  • Elisabeth Jentschke u. a. (2017): SOP. Aktueller Verwirrtheitszustand. In: Der Onkologe 23/3, S. 213–217.
  • Neurologen und Psychiater im Netz (2020): Alter. Akute Verwirrtheit (Delir). In: neurologen-und-psychiater-im-netz.org.
  • Jürgen Osterbrink u. a. (2002): Inzidenz und Prävalenz postoperativer akuter Verwirrtheit kardiochirurgischer Patienten nach Bypassoperationen sowie Herzklappenersatz. In: Journal für Pflege 15, S. 178–189.
  • Klaus Maria Perrar u. a. (2012): Verwirrtheit. Das delirante Syndrom in der Palliativmedizin. In: Zeitschrift für Palliativmedizin 13/4, S. 177–190.
  • Hadi Taghizadeh/ Justus Benrath (2019): Nebenwirkungen und Komplikationen der medikamentösen Schmerztherapie. In: Pocket Guide Schmerztherapie, S. 143–174, Springer, Berlin, Heidelberg.
  • Jamie Ward (2015): The student’s guide to cognitive neuroscience. Taylor und Francis Verlag, New York.
  • Wolfram Weinrebe u. a. (2017): 89 Jahre, Depression, Sturz mit Beckenfraktur, schwerste Verwirrtheit. Das serotonerge Syndrom. In: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie 51, S. 573–578.
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