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HWS-Syndrom und Schwindel – das hilft gegen hartnäckigen Schwindel

Auf einen Blick – HWS-Syndrom und Schwindel

Was ist das HWS-Syndrom?

  • Sammlung an Nackenbeschwerden, beinhaltet alle Beschwerden der Halswirbelsäule (HWS) und der verbundenen Bandscheiben
  • zahlreiche Ursachen: Körperhaltung, einseitige Belastung, Stress, aber auch angeborene Defekte, Infektionen oder Krebserkrankungen
  • im Regelfall vollständige Heilung
  • Achtung: kann bei Wirbelsäulenschäden chronisch auftreten

Was löst Schwindel beim HWS-Syndrom aus?

  • verlässlicher Test zur Diagnosefindung existiert nicht, Diagnose durch Ausschlussprinzip
  • Verspannungen der Nackenmuskulatur lösen Schwindel aus, Bewegungen des verhärteten Nackens verschlimmern das Gefühl
  • andere Diagnosen umfassen: Unterversorgung des Hirns, Schleudertraumata, Ohrverletzungen

Symptome (Auszug)

  • Schwindel umfasst Unsicherheiten beim Gehen, Probleme der Standfestigkeit und anfallsartige Gleichgewichtsstörungen
  • oftmals in Verbindung mit Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen und einem „steifen Nacken“
  • Schwindel tritt nur zeitweise auf, durchgehender Schwindel deutet auf andere Erkrankung hin

Behandlung (Auszug)

  • Schiene oder andere Wärmeanwendungen zur Entspannung der Nackenmuskulatur
  • Physiotherapie, Chiropraktik
  • Medikamente, Injektionen
  • Operationen

Tipps

  • Leichte HWS-Syndrome heilen häufig über Nacht aus und ein warmer Schal um den Hals kann über Nacht helfen.
  • Die verhärtete Muskulatur kann mit Dehn- und Lockerungsübungen häufig selbständig gelockert werden.
  • Regelmäßiges Kräftigungstraining wirkt vorbeugend gegen Verspannungen der Nackenmuskulatur.
Fast drei Viertel aller Deutschen werden in ihrem Leben mindestens einmal an einem HWS-Syndrom leiden. Dabei handelt es sich um schmerzhafte Verspannungen und funktionelle Störungen des Nackens. Sie können bis in die Schultern und Arme ausstrahlen und oftmals mit Übelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel einher gehen. Insbesondere der Schwindel (HWS-Syndrom und Schwindel) erweist sich dabei als Beeinträchtigung für den Alltag, die durch Medikamente nur schwer zu behandeln ist.

Das Problem liegt in der Wahrnehmung und Übertragung der Signale, die das Gehirn braucht, um das Gleichgewicht zu halten. Bestandteile wie Auge und das Gehirn sind wichtig, damit der Körper im Gleichgewicht bleibt. Fällt eins oder mehrere dieser Organe aus, kommt es zum Schwindelgefühl.

Leiden Sie unter Schwindel infolge eines HWS-Syndroms oder haben Angehörige/Freunde, die über Gleichgewichtsprobleme bei Beschwerden mit der Halswirbelsäule klagen? Informieren Sie sich im folgenden Artikel gerne weiter und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns und anderen Lesern im Kommentarbereich unter dem Artikel.

Was ist Schwindel?

Schwindel ist neben Kopf-- und Rückenschmerzen eine der häufigsten Beschwerden, die Patienten beim Hausarzt vorbringen. Ungefähr jeder sechste Patient berichtet seinem Hausarzt von diesem Problem. Junge Erwachsene erleben das Phänomen wesentlich seltener, im Alter haben aber bis zu 30 % der Menschen schon einmal ein ernsthaftes Schwindelgefühl erlebt.

Dabei äußert sich der Schwindel auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Neben dem hier besprochenen Schwindel als Symptom eines HWS-Syndroms, existieren vielfältige Erscheinungsformen. Angefangen bei dem Angstgefühl vor z.B. Höhe bis zu dem Drehgefühl nach einem Karussellbesuch können zusätzlich auch Herzprobleme oder ein Schlaganfall dafür verantwortlich sein. Deswegen existiert ein System mit mehreren Unterkategorien, in das die verschiedenen Variationen des Schwindelgefühls eingeteilt werden.

Untergruppen des Schwindels

Im medizinischen Kontext versteht man unter Schwindel eine unangenehme Störung der räumlichen Orientierung. Diese breite Definition ist bewusst so gewählt, um eine Vielzahl an Schwindelsymptomen abzudecken. Innerhalb dieser Definition ist der Schwindel nochmal in vier verschiedene Untergruppen eingeteilt.

Erste Untergruppe: Vertigo

Unter dem Begriff Vertigo oder Drehschwindel sind Schwindelereignisse gruppiert, die durch Störungen des Zentralen Nervensystems oder des vestibulären Systems erklärbar sind. Das vestibuläre System befindet sich im Innenohr und ist verantwortlich für unseren Gleichgewichtssinn. Über drei Bogengänge wird die Beschleunigung des Kopfes im Ohr registriert und an den Hirnstamm weitergeleitet. Dort wird diese Bewegung „ausgependelt“ um ein aufrechtes Gehen zu ermöglichen. Krankheiten, die diese Funktion beeinträchtigen sind beispielsweise der gutartige anfallsweise Lagerungsschwindel (BPLS) oder Morbus Menière.

Zweite Untergruppe: Unsicherheit, Gleichgewichtsstörung & Gangunsicherheit mit Stolpern

Zu dieser Kategorie zählt der Schwindel, der durch Nackenbeschwerden (sog. ‚zervikogener Schwindel‘) ausgelöst wird. Dieser Schwindel entsteht, wenn die Systeme für Gleichgewicht, Balance und räumliche Orientierung nicht mehr ungestört zusammenarbeiten. Daraus entstehen Unsicherheiten im Bewegungsablauf, ein Schwanken, und stolpernde Bewegungen. Neben Beschwerden der Halswirbelsäule können auch sensorische Defizite, Nervenschäden oder das gestörte Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln Ursachen für diese Art des Schwindels sein.

Dritte Untergruppe: Benommenheit, Kreislaufinstabilität

Schwindel durch Benommenheit oder Kreislaufinstabilität ist überwiegend auf Herz-Kreislaufprobleme zurückzuführen. Die Ursachen können Herzrhythmusstörungen, Blutarmut (sog. ‚Anämie‘) oder eine reduzierte Herzleistung sein. Durch eine Verzögerung in der Reaktion auf die Umwelt oder verlangsamtes Denken und Handeln kann es zu Schwindelgefühlen und zu kurzer Bewusstlosigkeit kommen, die häufig zu Stürzen führen.

Vierte Untergruppe: Desorientierung &, Verwirrtheit in Verbindung mit Depressionen und Angstzuständen

Desorientiertheit und Verwirrtheit gehören zur Kategorie der psychogenen Schwindel. Diese Schwindel gehen selten mit Übelkeit und Erbrechen einher, es kommt aber häufig zu Stürzen und Unsicherheiten im Bewegungsablauf. Besonders häufig erlebt man diesen Schwindel in Verbindung mit stark ausgeprägtem Stress, aber auch als Begleiterscheinung von Depressionen oder Angststörungen. Auch der Schwindel in als bedrohlich wahrgenommenen Situationen, beispielsweise großen Höhen oder engen Räume, ist eine Form des psychogenen Schwindels.

Für weitere Informationen zu den verschiedenen Formen des Schwindels finden Sie hier den ergänzenden Artikel: Schwindel – wenn sich alles dreht | Ursachen und Behandlung.

„Schwindel ist ein häufig auftretendes Symptom bei einem HWS-Syndrom. Die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten erlauben eine gute Heilungsprognose.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten

Was ist das HWS-Syndrom/ HWS-Syndrom und Schwindel?

Der Begriff HWS-Syndrom umfasst eine ganze Reihe von Symptomen, die aus einem verletzten oder verspannten Nackenbereich hervorgehen. Bei der Halswirbelsäule handelt es sich um die sieben oberen Wirbel der Wirbelsäule; bezeichnet mit C1 bis C7. Alle Beschwerden, die auf diese sieben Wirbel zurückzuführen sind, fallen unter den Begriff HWS-Syndrom oder auch Zervikalsyndrom (lat. Zervix = Hals, Nacken). Der Schwindel in Verbindung mit dieser Krankheit wird deswegen auch als zervikogener oder zervikaler Schwindel bezeichnet.

71 Prozent der Deutschen werden zu Lebzeiten mindestens einmal an einem HWS-Syndrom leiden. Ein immer inaktiverer Lebensstil verbunden mit steigender Schreibtischarbeit lassen die Muskeln im Rücken verkümmern. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit für ein HWS-Syndrom. Patienten berichten von Kopfschmerzen, Schulter- und Armschmerzen, Übelkeit und Erbrechen und Schwindel als häufige Symptome. Das HWS-Syndrom kann sich aber noch durch wesentlich mehr Anzeichen äußern.

Oberes Zervikalsyndrom

Das Zervikalsyndrom wird unterteilt in eine obere und eine untere Ausprägung. Das obere Zervikalsyndrom betrifft die oberen drei Wirbel, C1 bis C3, und zeigt sich hauptverantwortlich für die wahrgenommenen Spannungskopfschmerzen, die sich bis zur Stirn ziehen können. Ebenso zeigen sich Schwindel, Übelkeit und Erbrechen vorrangig bei dieser Variante.

Unteres Zervikalsyndrom

Das untere Zervikalsyndrom ist hauptverantwortlich für die ziehenden Schmerzen und das Taubheitsgefühl in Schultern und Armen. Die Wirbel C4 bis C7 sitzen wesentlich tiefer. Dort entstehende Schmerzen strahlen daher in die umliegenden Gebiete aus. Patienten berichten von Funktionsstörungen und einem Kribbelgefühl in den Armen.

Im folgenden Video erfahren Sie von Dr. Dr. Tobias Weigl, wodurch Nackenverspannungen entstehen. Er stellt Ihnen vor, mit welchen Übungen sich diese Verspannungen umgehend wieder lösen lassen, bevor sich das Problem verschlimmert.

Nackenschmerzen und Nackenverspannungen - Lösen und Übungen, Ursache und Therapie

Weitere Symptome: Welche Beschwerden verursacht ein HWS-Syndrom außer Schwindel?

Die Symptome eines Zervikalsyndroms äußern sich vielfältig. Die Diagnose ist entsprechend schwierig und erfolgt häufig anhand eines Flussdiagramms, mit dessen Hilfe unpassende Diagnosen ausgeschlossen werden. Im Grunde genommen, diagnostizieren Ärzte nicht, was es ist, sondern schließen aus, was es nicht sein kann. Letztendlich steht am Ende dieser Kette die Diagnose eines unspezifischen HWS-Syndroms.

Ausgangspunkt vieler HWS-Syndrome ist eine Verspannung oder Verhärtung der Nackenmuskulatur. Häufig geht damit eine Bewegungseinschränkung des Kopfes einher, ein „steifer Nacken“. In den meisten Fällen heilt ein solches Syndrom selbstständig aus. Bei bleibenden Schäden der Wirbelsäule kann ein solches Syndrom aber auch zu einem Dauerzustand, also chronisch, werden.

Weitere Symptome im Überblick

Weitere Symptome dieser Erkrankung umfassen:

Neben weiteren Symptomen, die oben in der Liste aufgeführt sind, erleben viele Patienten den Schwindel als besonders einschränkend. Damit einher geht häufig eine Bewegungsunsicherheit und die oben erwähnte Übelkeit mit Erbrechen. Die Schwindelerkrankungen sind in unterschiedliche Untergruppen aufgeteilt, der hier thematisierte zervikogene Schwindel (Schwindel als Ursache von Nackenschmerzen) findet sich in der zweiten Unterkategorie.

Ursachen für HWS-Syndrom und Schwindel:

Durch die hohe Beweglichkeit des Kopfes unterscheiden sich die Blickrichtung und der Winkel des Kopfes häufig vom Rest des Körpers. In den Fällen berechnet das Hirn die Lage im Raum durch eine Kombination aus Augen-, Kopf- und Körpermotorik. Sog. Propriozeptoren im Kopfgelenksbereich erfassen die veränderte Lage und geben die Informationen an das Hirn weiter. Die Halsmuskeln halten also gleichzeitig den Kopf aufrecht, sorgen aber ebenso für eine große Beweglichkeit, nehmen die Bewegungsinformationen auf und geben sie an das Hirn weiter. Durch diese multifunktionale Nutzung steigt aber auch die Wahrscheinlichkeit für Funktionsstörungen (sog. ‚Blockierungen‘).

Diese Blockaden können aus unterschiedlichen Gründen auftreten, beispielsweise als Folge eines Schleudertraumas bei einem Unfall, als langsam fortscheitende Degeneration der Wirbelsäule oder durch Fehlhaltungen und andere langfristig schädigende Verhaltensweisen.

Ein Zusammenspiel mehrerer Komponenten

Ein funktionierender Gleichgewichtssinn basiert auf dem Zusammenspiel von vier verschiedenen Komponenten. Der erste Bestandteil sind die Propriozeptoren, Bestandteile von allen Muskeln, Sehnen und Gelenken. Insbesondere im Hals- und Nackenbereich reagieren diese sensibel auf Veränderungen der Lage und senden diese Daten an das Gehirn.

Weitere Signale kommen aus dem vestibulären System. Dieses Gleichgewichtssystem findet sich im Innenohr mit einer Verknüpfung zum Hirnstamm. Im Ohr wird die Beschleunigung des Kopfes in eine bestimmte Richtung mit Millionen kleiner Sinneshärchen registriert. Angeschlossen daran sind drei Bogengänge, in denen eine Flüssigkeit auf Drehbewegungen des Kopfes reagiert. Jeder der Bogengänge übernimmt eine Drehrichtung – das seitliche Neigen, das Drehen und das Heben oder Senken des Kopfes. Deswegen kann es auch passieren, dass nur bei einer dieser Bewegungen Beschwerden auftreten. Verbunden sind diese Organe über eine Nervenbahn mit vier Hirnnervenkernen, in denen die angesammelten Daten ausgewertet werden, damit der Kopf immer senkrecht zur Schwerkraft ausgerichtet werden.

Das visuelle System bildet die letzte Informationsquelle für ein funktionierendes Gleichgewicht. Über das Auge aufgenommene Reize werden auf der Netzhaut analysiert und über den Sehnerv an den Thalamus weitergeleitet werden.

Die Signale kommen nicht richtig an

Kombiniert werden all diese Informationen in vier Hirnnervenkernen, den sog. „nuclei vestibulares“. Dort wird unterbewusst das Gleichgewicht kontrolliert. Bei einem HWS-Syndrom kann die Übertragung der Signale der Propriozeptoren der HWS gestört sein. Normalerweise wird dieser Ausfall an Informationen durch die anderen beiden Systeme ausgeglichen, dann nimmt der Mensch keinerlei Veränderung wahr. Warum dieser Ausgleich in einigen Fällen nicht gelingt, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Forscher vermuten, dass sich die Muskelverhärtungen im oberen Nackenbereich zwischen den Wirbeln C1 und C3 ebenfalls negativ auf die Signalübertragung der anderen Systeme auswirken. Der wahrgenommene Schwindel wird also durch einen mehrfachen Signalausfall verursacht, der nicht mehr ausgeglichen werden kann.

Probleme im Alter

Mit steigendem Alter nehmen die Propriozeptoren in den Muskeln an Feinfühligkeit ab. Auch das Gleichgewichtssystem im Innenohr verändert sich, die Flüssigkeit in den Bogengängen reagiert verzögert auf neue Situationen. Das führt oftmals zu mehr Stürzen im Alter und häufigeren Schwindelanfällen. Degenerative Prozesse wirken zeitgleich auf die Wirbelsäule und das Gehirn ein, was zusätzlich zu Fehlern in der Weiterleitung und Verarbeitung führt.

Gut zu wissen!
Menschen können auch bei ausgiebigem Alkoholkonsum ein Schwindelgefühl erleben. Alkohol, der dem Körper zugeführt wird, gelangt unter anderem auch ins Innenohr. In jedem Ohr befinden sich drei Bogengänge, in denen eine Flüssigkeit zusammen mit Millionen kleiner Sinneszellen verhindert, dass wir das Gleichgewicht verlieren. Alkohol verändert diese Flüssigkeit, woraufhin das Gehirn anders auf die Informationen reagiert und die Signale nicht mehr fehlerfrei verarbeiten kann. Da Alkohol leichter als Wasser ist, verändert sich das Gewichtsverhältnis der Flüssigkeit und es entsteht das charakteristische Schwindelgefühl.

Wer ist am ehesten betroffen von HWS-Syndrom und Schwindel?

Personen mit angeborenen Fehlstellungen der Wirbelsäule, wie beispielsweise Skoliose, berichten häufig über Beschwerden der Wirbelsäule. Bei einer Skoliose sind die Wirbelkörper verdreht, was sie in ihrer Funktion einschränkt und zu einem Taubheitsgefühl, Schwindel, Kopfschmerzen oder einem Kraftverlust führen kann.

Eine Hyperlordose der HWS, also eine zu starke Krümmung der HWS, führt ebenfalls zu diesen Symptomen. Durch die Krümmung wird der obere Teil der HWS mehr belastet und der Kopf verlagert sich nach hinten, um die veränderte Position der HWS auszugleichen. Diese Überbeanspruchung kann Kopfschmerzen und Verspannungen im Nackenbereich auslösen.

Neben angeborenen Defekten beeinflusst der Lebensstil eines Menschen die Rückengesundheit entscheidend. Tätigkeiten, die mit wenig körperlicher Aktivität einhergehen, führen oftmals zu Muskelverspannungen. Langes Sitzen am Schreibtisch ohne Ausgleichsbelastung steigert das Risiko für Rückenprobleme. Regelmäßige Spaziergänge und ausreichend sportliche Betätigung können dem entgegenwirken. Zusätzlich hilft auch Arbeit im Stehen dabei, den Rücken zwischendurch zu entlasten. Empfehlenswert sind spezielle Übungen, die die Hals- und Nackenmuskulatur stärken, falls Sie unter Problemen der HWS leiden.

Besonders gefährdete Gruppe

Eine besonders gefährdete Gruppe sind Menschen im mittleren und hohen Alter. Insbesondere ab dem 40. Lebensjahr zeigen sich Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule. Diese degenerativen Ursachen sind verantwortlich für ca. ein Drittel der Arztbesuche bei einem HWS-Syndrom. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Gleichgewichtssinn bei älteren Menschen verschlechtert. Sowohl die Signalübertragung an das Gehirn, als auch die Funktionsweise des Gleichgewichtssinns im Ohr verschlechtern sich. Das führt zu mehr Stürzen und oftmals auch zu häufiger wahrgenommenem Schwindel. Dieser Schwindel steht dabei nicht unbedingt in Verbindung zu einem HWS-Syndrom, im Alter sind auch oftmals andere Ursachen verantwortlich für das Schwindelgefühl. Mehr zu diesem Thema finden Sie im Artikel: Schwindel – wenn sich alles dreht | Ursachen und Behandlung.

Im folgenden Video berät Sie Dr. Dr. Tobias Weigl, wie Sie die Nackenmuskulatur kräftigen können und er stellt Ihnen vor, mit welchen einfachen Übungen sich vorhandene Verspannungen umgehend wieder lösen lassen, bevor die Beschwerden zunehmen.

Nackenmuskulatur🏋HWS kräftigen & trainieren ✅ Übungen bei Nackenschmerzen & Nackenverspannungen

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose von HWS-Syndrom und Schwindel

Die Diagnose eines zervikogenen Schwindels ist nicht unproblematisch, da es eine Vielzahl an Krankheiten gibt, die von Schwindelsymptomen begleitet werden. Ebenso existiert eine hohe Anzahl an körperlichen Auslösern für Schwindelsymptome. Erschwerend kommt hinzu, dass der zervikogene Schwindel auch mit neuester Medizin nur durch einen Ausschlussprozess diagnostiziert werden kann, da kein klinischer Test dafür existiert. In einem solchen Prozess werden alle anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen, bis am Ende nur noch die Halswirbelsäule als Ausgangspunkt der Signalblockade verantwortlich sein kann.

Symptome richtig deuten

Zu Beginn des Diagnoseprozesses wird die Frage geklärt, ob der Patient überhaupt über die Art Schwindel klagt, die durch ein HWS-Syndrom ausgelöst werden kann. Falls andere Ursachen für den Schwindel verantwortlich sind, ist eine eingehende medizinische Untersuchung von Nöten. Beispielsweise Drehschwindel oder Auffälligkeiten des Herz-Kreislaufsystems sind solche Anzeichen für anderweitige Schwindelursachen. Zusätzlich wird überprüft, ob der Schwindel bei Nackenbewegungen zunimmt oder dadurch ausgelöst wird. Auch das ist eine Voraussetzung für zervikogenen Schwindel. Zusätzlich verweisen Nacken- und Kopfschmerzen, eine Bewegungseinschränkung oder ein „steifer Nacken“ auf ein HWS-Syndrom und dazugehörigen Schwindel. Ein weiteres wichtiges Indiz ist die Dauer und Häufigkeit der Schwindelanfälle. Bei einem HWS-Syndrom tritt der Schwindel nicht durchgehend auf und dauert in den meisten Fällen nur einige Minuten bis zu maximal einer Stunde. Durchgängig erlebter Schwindel deutet auf eine andere Erkrankung hin.

Red Flags

Weitere Fragen in dem diagnostischen Prozess zielen darauf ab, zusätzliche Indizien zu sammeln. Diese Indizien nennen Mediziner rote Flaggen oder auf Englisch „red flags“. Acht verschiedene Symptome werden damit in kürzester Zeit überprüft, um zu sehen, ob die Ursache der Erkrankung eine andere Ursache hat als das HWS-Syndrom. Diese acht Symptome sind:

  • Dizziness: Schwindel
  • Dysphagia: Schluckstörungen
  • Diplopia: Doppeltsehen, Doppelbilder der Augen
  • Drop attacks: plötzliche Stürze ohne erkennbaren Auslöser wie Bewusstlosigkeit
  • Dysarthria: Sprachstörungen
  • Numbness: Taubheitsgefühl im Körper
  • Nystagmus: rhythmische, unkontrollierte Bewegungen der Augen
  • Nausea: Übelkeit

Dieser Test heißt aufgrund der Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe „fünf N’s und drei D’s“. Durch ihn soll eine Gehirn- und Kreislaufbeteiligung ausgeschlossen werden.

Weitere Tests sind nötig

Der Halsdrehtest ist ein weiterer Test, der zusätzlich Erkenntnisse erbringt. Mit ihm kann eine Form des Nystagmus ausgelöst werden, die auf eine Blockade der Halswirbelsäule hinweist. Durch die verminderte Beweglichkeit verweisen Schmerzen während des Tests auch auf eine HWS-Beteiligung.

Ein weiteres Indiz ist die Kibler-Hautfalte im Bereich zwischen den Schulterblättern. Verdickungen unter der Haut zeigen an, dass in dem Segment oftmals eine Gelenkblockierung vorliegt. Zusätzlich lassen die Feuchtigkeit und Elastizität der Haut und die Reaktion auf eine Reizung der Haut durch spitze Gegenstände Rückschlüsse auf den Zustand des Nackenbereichs zu.

Die Sensomotorik – das Zusammenspiel der Nerven und Muskeln – kann bei einem HWS-Syndrom ebenfalls gestört sein. Durch gezielte Gangüberprüfungen stellt Ihr Mediziner hier fest, ob ein unsicheres Gangbild vorliegt. Das kann auf Nervenschäden hindeuten, aber auch auf vorhandenen Schwindel und dadurch ausgelöste Unsicherheit beim Laufen.

Am Ende dieses Prozesses steht dann die Diagnose HWS-Syndrom mit dazugehörigem symptomatischem Schwindel. Im nächsten Absatz erfahren Sie, wie die Behandlungsmöglichkeiten für diese Art von Schwindel aussehen.

Fakten-Box: HWS-Syndrom und Schwindel

  • ausgelöst durch ein HWS-Syndrom
  • Nackenverspannungen behindern die Signalübertragung der Wirbelsäule und des Gehirns
  • Störung der Raumwahrnehmung führt zu Gleichgewichtsproblemen
  • Gleichgewichtsorgane (im Innenohr, Muskeln und Gelenke im Nackenbereich) können die Signale nicht mehr an das Gehirn senden

Mögliche Symptome

  • Gangunsicherheiten, langsamer Gang mit häufigem Abstützen an Gegenständen oder Wänden
  • mehrfache Stürze ohne erkennbare Ursache
  • in vielen Fällen begleitet von Kopfschmerzen, Nackenverspannungen und einer Bewegungseinschränkung des Kopfes, ziehende Schmerzen bis in die Schultern und Arme

Behandlungsmethoden

  • Grunderkrankung HWS-Syndrom muss behandelt werden, gute Heilungswahrscheinlichkeit bei gesunder Wirbelsäule
  • Zusammenspiel aus mehreren Methoden und der Vorsorge weiterer HWS-Syndrome
  • Konservative Therapie mit Wärme- oder Kälteanwendung
  • Akupunktur
  • Physiotherapie, Manuelle Therapie, Chirotherapie
  • Medikamente gegen die Schmerzen, teilweise auch als Injektionen
  • Operationen

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung von HWS-Syndrom und Schwindel

Zur Behandlung des Schwindels bei einem HWS-Syndrom ist es wichtig, dass das Syndrom behandelt wird. Einzelne Symptome zu therapieren ist kurzfristig möglich, doch die Grundverspannungen im Nackenbereich und die Wirbelsäulenblockaden müssen dauerhaft gelöst werden. Erst dadurch ist ein Leben ohne Beschwerden möglich. Mediziner nutzen dafür verschiedene Ansätze, die sich nach den individuellen Beschwerden der Patienten richten.

Konservative Therapie

In enger Abstimmung mit dem Patienten wird gemeinsam entschieden, welche Therapie vielversprechend für das individuelle Krankheitsbild ist. Als oberste Priorität gilt dabei die Wiederherstellung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Die volle Beweglichkeit des Kopfes und des Körpers soll zurückerlangt werden. Bei einer gesunden Wirbelsäule kann das auch ohne ärztliche Hilfe über Nacht geschehen. Zur Unterstützung des Heilungsprozesses kann der Arzt eine Halskrause verschreiben, die dafür sorgt, dass Ihr Hals mit möglichst viel Wärme versorgt wird. So werden Muskelverspannungen schneller gelöst. Außerdem steigert die Wärmeanwendung häufig Ihr Wohlbefinden.

Bei Entzündungen im Nackenbereich, beispielsweise durch rheumatoide Arthritis, kann Wärme die falsche Herangehensweise sein. Entzündungen sollten mit Kälte behandelt werden. Bei Verdacht auf Entzündung sollte Ihr Arzt zu Rate gezogen werden.

Akupunktur

Neben den konservativen Therapien ist die Akupunktur eine immer gefragtere Behandlungsmethode. Patienten haben immer bessere Möglichkeiten, sich selbst über mögliche Behandlungsmethoden zu informieren und stoßen in Verbindung mit dem HWS-Syndrom häufig auf diese Behandlungsart. Zahlreiche Studien konnten die Wirkung dieser Methode bestätigen. Sowohl die Beweglichkeit des Kopfes, als auch die wahrgenommenen Schmerzen besserten sich durch die kleinen Nadelstiche. Weitere Informationen zur Effektivität von Akupunktur erfahren Sie auch im Exkurs weiter unten im Artikel.

Physiotherapie, manuelle Therapie

Eine weitere, wichtige Behandlungsmethode zur Wiedererlangung der Bewegungsfreiheit ist die Physiotherapie. Durch das Kleben von Kinesiotapes und Bewegungsübungen können Muskeln entspannt werden. Chronische Wirbelsäulenprobleme können jedoch nicht allein durch Physiotherapie behoben werden. In diesen Fällen empfiehlt sich eine schmerztherapeutische Behandlung in Verbindung mit Entspannungstechniken und verschiedenen Formen des autogenen Trainings zur Stressbewältigung.
Im Anschluss an die Wiederherstellung der Bewegungs- und Schmerzfreiheit kann ein weiteres HWS-Syndrom durch ein gezieltes Training der Rücken- und Nackenmuskulatur verhindert werden. Zusätzlich dazu können veränderte Verhaltensweisen im Alltag ebenfalls dabei helfen, den Rücken nicht unnötig zu belasten. Vorsicht jedoch vor einem Übertrainingssyndrom durch zu anstrengendes langfristiges Training.

Manuelle Therapie

Schwindel, der vom unteren Halswirbelbereich ausgelöst wird, kann durch manuelle Therapiemethoden behandelt werden. Manuell-osteopathische Behandlungen helfen bei Blockaden der Kopfgelenke und der Halswirbelsäule. Bereits eine erste Behandlung zeigt bei vielen Patienten Wirkung. Es muss dabei aber auch erwähnt werden, dass manuelle Therapien immer ein geringes Risiko beinhalten. Die Wahrscheinlichkeit einer schwerwiegenden Verletzung durch eine chiropraktische Behandlung liegt bei 1:1,5 Millionen. Das bedeutet, dass von 1,5 Millionen Behandlungen zu einer bleibenden Verschlechterung mit schwerwiegenden Folgen für die Wirbelsäule führt. Deswegen ist bei der Auswahl des behandelnden Therapeuten Vorsicht geboten. Informieren Sie sich vorher detailliert über die Vorgehensweise, Erfahrung und Ausbildung Ihres Therapeuten.

Medikamente, hilfreich aber Vorsicht vor den Nebenwirkungen!

Häufig werden Medikamente verschrieben, um die Heilung zu beschleunigen. Muskelrelaxantien lösen die Verspannungen, Cortison oder trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) helfen bei der Schmerzlinderung.

Auch Injektionstherapien sind ein wichtiger Bestandteil der Schmerztherapie, jedoch können die hier verabreichten Medikamente Nebenwirkungen auslösen. Ausgerechnet der Schwindel ist eine dieser Nebenwirkungen. Sollten Sie also Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Unruhe, akustische oder visuelle Störungen oder ein Muskelzucken wahrnehmen, könnte die Injektionstherapie diese erst ausgelöst haben. Eine Änderung der Therapie sollte diese Symptome dann aber schnell abklingen lassen.

Operationen als letzte Alternative

Helfen alle zuvor genannten Methoden nicht, um Ihren Zustand zu verbessern, ist eine Operation die letzte Möglichkeit zur Linderung der Beschwerden. Bandscheibenvorfälle oder verschiedene Formen der Arthrose (Facettengelenksarthrose) können operativ korrigiert werden. Bei einem Bandscheibenvorfall setzen Chirurgen Prothesen oder Knochenersatzstücke zur Unterstützung der Wirbelsäule ein. Dadurch stabilisiert sich die Wirbelsäule.

Aktuelle Forschung – Die Effektivität der Akupunkturtechnik „Dry Needling“ bei HWS-Syndromen

Eine aktuelle Studie hat die Wirksamkeit der Dry Needling Methode bei Schwindelgefühlen in Verbindung mit dem HWS-Syndrom untersucht. Bei der Dry Needling Technik werden verhärtete Triggerpunkte in der Muskulatur gezielt mit Nadeln bearbeitet, um die Verhärtungen zu lösen.

Aufbau der Studie

In der Studie wurde eine Patientengruppe mit langfristigen HWS-Syndromen und daraus resultierenden Schmerzen im Nackenbereich konservativ durch Lockerungs- und Kräftigungsübungen behandelt. Eine weitere Gruppe erhielt nur die Dry Needling Therapie, während eine dritte Gruppe eine Kombination beider Behandlungsmöglichkeiten nutzten konnte. Beobachtet wurde die Entwicklung der Schwindelgefühle um als Endergebnis eine Aussage über die Effektivität des Dry Needlings zu treffen.

Erkenntnisse

Alle drei Gruppen berichteten über weniger Schwindelgefühl nach der Behandlung. Sowohl die Trainingsgruppe, also auch die Dry Needling-Gruppe haben stark von der Behandlung profitiert. Beide Gruppen konnten danach ähnliche Genesungsraten aufweisen.

Die kombinierte Gruppe, in der Dry Needling und ein Trainingsplan durchgeführt wurden, konnte aber die Ergebnisse der anderen Gruppen weit übertreffen. Sowohl bereits nach einem als auch nach vier Monaten, konnten die Mitglieder dieser Gruppe über weniger Schmerzen und ein höheres Wohlbefinden berichten. Daraus folgerten die Wissenschaftler, dass eine Kombination aus Akupunktur und Kräftigungsübungen das beste Behandlungsergebnis hervorbringt. Das unterstützt die aktuelle Behandlungsausrichtung des multimodalen Therapieansatzes in der modernen Medizin.

Quelle: Tugba Aydin u. a. (2019): The Effectiveness of Dry Needling and Exercise Therapy in Patients with Dizziniess Caused by Cervical Myofascial Pain Syndrome; Prospective Randomized Clinical Study. In: Pain Medicine, Volume 20, Issue 1: S. 153 -160.

Häufige Patientenfragen

Ich leide seit einigen Wochen durchgehend an einem leichten Schwindel. Bisher konnte mir keine Übung zur Lockerung der Nackenmuskulatur helfen, was kann ich noch tun?

Dr. Dr. T. Weigl
Das Schwindelgefühl, das als Symptom bei einem HWS-Syndrom auftreten kann, ist nicht immer vorhanden. Die Episoden sind in den meisten Fällen nur wenige Minuten lang, ganz selten länger als eine Stunde. Dazu kommen dann auch die anderen Symptome eines HWS-Syndroms, wie beispielsweise Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder Taubheitsgefühle. Ein durchgängig wahrgenommener Schwindel verweist auf eine andere Grunderkrankung, die Ihr Arzt zuerst diagnostizieren muss. In diesem Fall helfen die Lockerungsübungen gegen Nackenverspannungen leider nicht weiter.

Ich habe häufig nach dem Aufstehen kurzzeitige Blackouts und fühle mich schwindelig. Ist ein HWS-Syndrom dafür verantwortlich?

Dr. Dr. T. Weigl
Nein, der Schwindel beim Aufstehen ist auf Ihren Blutdruck zurückzuführen. Die Blackouts sprechen auch für diese Ursache. Durch zu schnelles Aufstehen sammelt sich in ihren Beinen und im Rumpf zu viel Blut. Die Schwerkraft treibt es in die unteren Extremitäten. Dadurch pumpt das Herz nicht genug Blut ins Gehirn. Um diese Durchblutungsstörung im Gehirn zu umgehen, sollten Sie es beim Aufstehen etwas langsamer angehen lassen und Ihrem Körper die Zeit geben, sich an die veränderte Position zu gewöhnen.

Bei der letzten Flugreise wurde mir bei der Landung ganz schlecht und alles hat sich gedreht. Kann ich dagegen etwas tun?

Dr. Dr. T. Weigl
Sie beschreiben dort typische Symptome der Reisekrankheit. Diese Krankheit kann Sie nicht nur in einem Flugzeug, sondern auch auf Schiffen oder in Autos treffen. Ihr Gleichgewichtsorgan im Innenohr sendet andere Eindrücke and das Gehirn als Ihre Augen. Während das Ohr keine Bewegung wahrnimmt, erkennen die Augen, dass Sie sich in Bewegung befinden.

Dieser Zustand kann durch Medikamente gebessert werden. Mittel, die Scopolamin oder Meclozin beinhalten, helfen Ihnen in der Regel. Vorbeugend kann es helfen, wenn Sie einen Platz in Fahrtrichtung einnehmen, sich möglichst in die Mitte des Gefährts setzen oder bei Autofahrten einfach selbst zu fahren. Fahrer berichten im Gegensatz zu Beifahrern deutlich seltener über die Symptome, der Grund dafür ist nicht abschließend geklärt.

Wie kann ich selbst unterscheiden, ob ich ein harmloses HWS-Syndrom oder etwas Schwerwiegenderes habe?

Dr. Dr. T. Weigl
Weiter oben im Artikel beschreibe ich die Prozedur der Diagnosefindung bei einem HWS-Syndrom. Dort finden Sie die fünf N’s und drei D’s. Anhand dieses Tests können Sie für sich selbst erfragen, wie viele dieser Symptome auf Sie zutreffen. Sie sollten im Zweifelsfall aber Ihren behandelnden Arzt zur Rate ziehen, da letztendlich nur er eine sichere Diagnose stellen kann.

Typisches Patientenbeispiel

Manchmal ist Markus auch einfach ein Pechvogel. Da hatte er sich am Sonntagnachmittag vom Sofa gequält, um seinem Sohn bei einem Fußballspiel zuzuschauen und als Dank bekommt er einen Ball an den Kopf. Natürlich unabsichtlich, aber das ändert nichts daran, dass er das Spiel nicht mehr richtig genießen kann. Selbst der knappe Sieg verhilft nicht zu einer Steigerung seiner Laune, denn im Laufe der Spielzeit hat sich bei ihm ein leichter Schwindel eingestellt. „So schlimm kann es nicht sein, ist ja immer nur kurz und verschwindet direkt wieder“, denkt er sich und entschließt sich, zumindest den restlichen Sonntag auf dem sicheren Sofa zu verbringen.

Auf zum Arzt

Am nächsten Morgen erwacht er und bemerkt sofort die stechenden Kopfschmerzen, die sich bis in die Stirn ziehen. Dazu gesellt sich der bekannte Schwindel und sein Nacken fühlt sich absolut verspannt an. So kann er auf keinen Fall zur Arbeit gehen. Auf Anraten seiner Frau lässt er sich zum Arzt fahren. Er schafft es kaum, die Treppe vor der Arztpraxis zu erklimmen. Angekommen im Wartezimmer überkommt ihn eine zusätzlich heftige Übelkeit.

Endlich im Behandlungszimmer angekommen, berichtet er seinem Hausarzt von seinen Beschwerden. „Fühlen Sie eine Taubheit in den Armen? Sehen Sie doppelt?“, mit diesen und vielen weiteren Fragen löchert Dr. Walter Markus, während er dessen Kopf in jede denkbare Richtung bewegt. Am Ende dieser Prozedur verkündet Dr. Walter die Diagnose: HWS-Syndrom. Generell nichts Ernstes, aber gegen den Schwindel und die Übelkeit könne er ihn zu einem Osteopathen überweisen. Der kriege das im Handumdrehen wieder hin.

Beim Osteopathen

Glücklicherweise rutscht Markus nur wenige Stunden später für einen ausgefallenen Patienten dazwischen und lässt sich von seiner Frau zur Praxis des empfohlenen Osteopathen fahren. Dort angekommen stellt dieser vor und weist ihm den Weg in einen Behandlungsraum mit Massageliege. Während Markus ein weiteres Mal eine Prozedur aus Drücken und Ziehen an seinem Hals über sich ergehen lässt, erklärt ihm der Osteopath, dass er gerade eine Gelenkmobilisation durchführt. „In spätestens 10 Minuten sollten Sie schon eine Verbesserung merken, ich zeige Ihnen gleich im Sitzen aber auch noch, wie sie zuhause selbstständig weitermachen können.“

Schon auf dem Heimweg fühlt Markus sich wie neugeboren. Der Schwindel ist seit der Behandlung nicht mehr aufgetreten, auch die Übelkeit ist fort. Lediglich ein leichter Kopfschmerz ist geblieben. Aufs Sofa freut er sich trotzdem nach diesem langen Tag, die neu erlernte Übung wird er aber pflichtschuldig noch mindestens zwei Mal heute Abend ausführen.

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Haben Sie Erfahrungen mit zervikalem Schwindel? Möchten Sie sich bei uns weiter über Rückenprobleme erkundigen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich untereinander auszutauschen!
Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

 

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Timo Hülsmann
Lektorat: Andrea Lorenz
Datum: 08.12.2019

Quellen

  • Tugba Aydin u. a. (2019): The Effectiveness of Dry Needling and Exercise Therapy in Patients with Dizziniess Caused by Cervical Myofascial Pain Syndrome; Prospective Randomized Clinical Study. In: Pain Medicine, Volume 20, Issue 1: S. 153 -160.
  • Angelika Bauer-Delto (2018): Bei zervikalem Schwindel Hand anlegen!. In: ÄrzteZeitung. Springer Medizin. 06.12.2018.
  • Thomas Brandt u. a. (2013): Various Vertigo Syndromes. In: Vertigo and Dizziness – Common Complaints. Springer-Verlag, Heidelberg/Berlin, S. 165-184.
  • Arneborg Ernst, Wolfgang B. Freesmeyer (2007): Funktionsstörungen im Kopf-Hals-Bereich: für Mediziner und Zahnmediziner. Thieme-Verlag, Stuttgart.
  • Wolfgang von Heymann (2011): Zervikogene Gleichgewichtsstörungen – Fiktion oder Wirklichkeit. In: Heinrich Iro, Frank Waldfahrer (2011): Vertigo – Kontroverses und Bewährtes. Springer-Verlag. Wien, New York. S. 79-90.
  • Ramin Ilbeygui (2016): Zervikogener Schwindel – Mythos und Wahrheit. In: Manuelle Medizin, Volume 54, Issue 1: S. 50-52.
  • Sue Reid (2016): Zervikogener Schwindel – ein Überblick zu Diagnose und evidenzbasierter Therapie. In: Manuelle Therapie, Issue 20: S. 116-121.
  • Wolfgang Stoll (Hrsg.) (1994): Schwindel und schwindelbegleitende Symptome. Springer-Verlag Wien.
  • Frank Thömke, Marianne Dieterich (2011): Begutachtung des posttraumatischen Schwindels. In: Nervenarzt, Volume 82, Issue 12: S. 1548-1556.
[Gesamt:6    Durchschnitt: 5/5]

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