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Herzrasen bei Alkoholkonsum – Typisch nur nach Alkoholexzess?

Auf einen Blick: Herzrasen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum

  • eine Reaktion des Körpers auf Alkohol
  • Alkohol senkt den Blutdruck – der Körper erhöht den Puls
  • mögliche Folge eines Alkoholexzess im Urlaub

Wer bekommt Herzrasen beim Konsumieren von Alkohol?

  • prinzipiell sind alle Betroffen, die Alkohol konsumieren
  • Patienten mit Alkoholunverträglichkeit
  • bei schweren Trinkern tritt Herzrasen als Entzugserscheinung des Suchtstoffs Alkohol auf

Symptome (Auszug)

  • es fühlt sich an, als würde das Herz links in der Brust rasen
  • man nimmt das Herzrasen während oder nach dem Konsum von Alkohol wahr (wenn der Körper den Alkohol abbaut)
  • tritt im Zusammenhang mit anderen Symptomen des alkoholischen Zustands auf: bei leichter Alkoholisierung zum Beispiel Euphorie und ‚Torkeln‘

Behandlung (Auszug)

  • der Betroffene sollte ausnüchtern: den Konsum sofort beenden und lieber Wasser trinken
  • Ursache der Alkoholunverträglichkeit behandeln
  • bei generellem Problem mit Bluthochdruck: Lebensstil ändern (Verzicht auf Koffein, Nikotin)

Tipps

  • beugen Sie Herzrasen vor: reduzieren Sie den Stress im Alltag
  • leben Sie gesund: eine ausgewogene Ernährung, frische Luft und Sport beugen Herzerkrankungen vor
  • trinken Sie nicht zu große Mengen an Alkohol auf einmal, um eine Alkoholvergiftung zu vermeiden

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Herzrasen tritt im Zusammenhang mit Alkoholkonsum deshalb auf, weil Alkohol den Blutdruck senkt. Der Körper erhöht als Reaktion darauf den Herzschlag, um weiterhin genug Blut durch die Blutgefäße zu pumpen.

Das Symptom Herzrasen an sich muss nicht unbedingt auf eine gefährliche Reaktion des Körpers hindeuten – denn Herzrasen kann eine normale körperliche Erscheinung sein, zum Beispiel bei sportlicher Anstrengung. Tritt Herzrasen häufig im Zusammenhang mit Alkoholkonsum auf, ist allerdings ein Besuch beim Arzt ratsam.

Denn der Konsum von Alkohol wirkt sich negativ auf unseren Körper aus. Vor allem, wenn er exzessiv (Partyurlaub) oder dauerhaft erfolgt (chronischer Alkoholismus). Das Nervensystem mitsamt dem Gehirn und die inneren Organe wie Herz, Leber und die Nieren nehmen möglicherweise große Schäden, wenn man sehr viel oder dauerhaft Alkohol zu sich nimmt.

Im Zusammenhang mit Alkohol tritt Herzrasen aus verschiedenen Gründen auf. Eine akute Alkoholvergiftung, ein sogenannter ‚Kater‘ nach dem Alkoholkonsum, Erscheinung während moderaten Alkoholkonsums und eine Reaktion aufgrund von Alkoholunverträglichkeit sind mögliche Auslöser.

Um das Herzrasen zu therapieren, das der Alkohol im Körper auslöst, muss der Arzt die genaue Ursache kennen. Leidet der Patient zum Beispiel unter Alkoholismus, dann verordnet der Arzt einen Alkoholentzug. Das Herzrasen hört jedoch nicht sofort mit dem Verzicht auf Alkohol auf: Gerade bei einem Entzug ist das Herzrasen eine häufig auftretende Erscheinung.

Was ist Herzrasen und warum tritt es bei Alkoholkonsum auf?

Herzrasen (sog. ‚Tachykardie‘) tritt bei Alkoholkonsum aufgrund der Wirkung auf, die Alkohol auf unseren Körper hat. Denn Alkohol verändert die biochemischen Prozesse im Körper. Man nimmt Herzrasen im Allgemeinen dann wahr, wenn die Herzfrequenz erhöht ist. Normalerweise schlägt das Herz 60–80 Mal pro Minute. Von Herzrasen spricht man dann, wenn das Herz mindestens 100 mal pro Minute schlägt.

Alkohol wirkt bei akutem Konsum unter anderem blutdrucksenkend. Die Folge ist, dass der Körper mit einer erhöhten Herzfrequenz gegensteuert, um genug sauerstoffreiches Blut durch die Blutgefäße zu transportieren. Allerdings hat Alkoholkonsum auch mittel- und längerfristige Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Herzrasen kann daher auch erst eine Zeit nach dem Konsum auftreten.

Zusätzlich führt der dauerhafte Konsum von Alkohol zu dauerhaften Veränderungen im Körper. Patienten mit Alkoholismus erleiden durch ihre Sucht körperliche und psychische Reaktion bei ausbleibendem Konsum – zum Beispiel Herzrasen.

Herzrasen nach Alkoholexzess im Urlaub

Nach dem Urlaub bemerkt man gegebenenfalls das sogenannte ‚Holiday-Heart-Syndrom‘. Aber was hat Urlaub mit Herzrasen zu tun? Das Syndrom hat seinen Namen daher, dass Herzrhythmusstörungen (wie zum Beispiel Vorhofflimmern) oder Herzrasen häufig nach Alkoholexzessen im Urlaub auftreten – und dies bei vollkommen gesunden – und auch jungen Menschen – ohne jegliche Vorerkrankungen des Herzens.

„Alkoholexzesse im Urlaub? Den Kater und Folgen wie Herzrasen nimmt man manchmal nach Hause mit.“ — Dr. Dr. Tobias Weigl Klick um zu Tweeten
Gut zu wissen!

Rote Wangen treten bei Alkoholkonsum aus demselben Grund auf, aus dem der Blutdruck abfällt: Alkohol weitet die Gefäße und  lässt so den Blutdruck abfallen. Zudem muss man öfter urinieren, wenn man Alkohol getrunken hat. Diese Entwässerung durch Alkohol begünstigt den Blutdruckabfall weiter.  Denn das Blut versackt sozusagen in den Gefäßen, weil es nicht mehr mit genügend Druck weitergepumpt wird. Viel Blut im Gesicht rötet daraufhin die Wangen.

Warum hat man nach dem Trinken einen ‚Kater‘? In diesem Video erläutert Schmerzforscher Dr. Dr. Tobias Weigl 7 Fakten zum Thema Schmerzen und Alkoholkonsum.

Alkohol & Schmerzen: Was passiert in meinem Gehirn & Körper?Was hat Alkoholschmerz mit Krebs zu tun?

Wann äußert sich Herzrasen bei Alkoholkonsum?

Das Herzrasen tritt häufig bereits während des Alkoholkonsums auf. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass es oftmals erst nach einer Weile wieder verschwindet – also nicht sofort dann, wenn man mit dem Trinken aufhört. Denn der Körper benötigt einige Zeit, um den Alkohol abzubauen. Dementsprechend befindet sich Alkohol und ebenso die Abbauprodukte von Alkohol eine Weile lang im Blutkreislauf. Das Herzrasen hält daher möglicherweise noch eine Weile nach dem Konsum an.

Wer ist am ehesten betroffen – nur Alkoholiker?

Chronische Trinker, also Patienten mit Alkoholismus sind ebenso von Herzrasen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum betroffen wie Personen, die einmalig Alkohol zu sich nehmen. Die Menge an Alkohol, ab der Herzrasen auftritt, ist individuell unterschiedlich: Es tritt möglicherweise bei einer leichten Alkoholisierung auf, kann aber auch Folge eines Alkoholexzesses sein, wie im oben genannten Beispiel nach einem (Party-) Urlaub. Bei sensiblen Personen äußert sich das Symptom gegebenenfalls deutlicher als bei weniger sensiblen Personen.

Das Herzrasen kann in diesem Zusammenhang auch bei Personen ohne jegliche Vorerkrankung des Herzens auftreten. Allerdings ist es sicherer, einen Arzt bei auftretendem Herzrasen zu konsultieren – vor allem dann, wenn es sich öfter beim Trinken von Alkohol äußert. Dieser kann abklären, ob das Symptom nur aufgrund des Alkoholkonsums auftritt oder ob doch ein Problem mit dem Herzen vorliegt.

Herzrasen als Symptom von Alkoholunverträglichkeit

Ein Faktor, der das Auftreten von Herzrasen bei Alkoholkonsum bestimmt, ist die allgemeine Verträglichkeit: Manche Person vertragen Alkohol nicht. Man nennt dies Alkoholunverträglichkeit oder Alkoholintoleranz.  Leidet eine Person unter einer solchen Unverträglichkeit, dann kann der Körper den Alkohol nicht richtig abbauen.

Bereits kleine Mengen an Alkohol im Blut führen dann zu heftigen Vergiftungssymptomen. Leidet eine Person unter einer Alkoholunverträglichkeit, dann ist unbedingt auf den Konsum von Alkohol zu verzichten. Man sollte mit einem Arzt die Ursache für die Unverträglichkeit abklären.

Herzrasen als Symptom von Alkoholentzug bei Alkoholsucht

Das Herzrasen tritt bei manchen Patienten mit Alkoholismus als eine Entzugserscheinung auf. Denn der Körper erfährt einen Gewöhnungseffekt der Substanz und verlangt nach immer mehr Alkohol. Bleibt der Konsum aus, treten psychische Symptome, wie zum Beispiel Agitiertheit und Unruhe auf. Bei einigen Patienten äußern sich auch körperliche Symptome. Neben Herzrasen sind weiter Symptome zum Beispiel Zittern und übermäßiges Schwitzen.

Herzrasen als Symptom einer Alkoholvergiftung

Herzrasen kann zwar prinzipiell bei allen Menschen auftreten, die Alkohol konsumieren, und kann ein harmloses Symptom des Konsums sein. Es kann aber auch auf eine akute Alkoholvergiftung hindeuten. Der Übergang zwischen dem normalen alkoholisierten Zustand und einer Vergiftung sind fließend: der Blutalkoholgehalt und die Symptome bestimmen, ob eine Vergiftung vorliegt.

Exkurs: Blutalkoholgehalt klassifiziert die Stufen der Vergiftung

Man bezeichnet Alkohol im Volksmund auch als ‚Nervengift‘.  Denn Alkohol (sog. ‚Ethanol‘) und dessen Abbauprodukte haben eine schädigende Wirkung auf Körper und das Gehirn. Alkoholkonsum führt zunächst akut dazu, dass die Schutzreflexe des Körpers ausfallen.  Durch die veränderten biochemischen Prozesse können die Nervenzellen und Organe auch längerfristig Schaden nehmen. Alkohol verletzt also den Körper von innen.

Eine akute Vergiftung feststellen

Man kann die verschiedenen Stufen einer Alkoholvergiftung grob anhand des Promillegehalts im Blut klassifizieren.

  • Leichte Alkoholvergiftung: Sie tritt bei etwa 0,5 – 1,5 Promille an Alkohol im Blut Eine Konzentration von 0,5 Promille kann bereits nach einem Glas Wein erreicht sein. Die Symptome umfassen zum Beispiel eine euphorische Stimmung, Kreislaufbeschwerden wie Schwindelgefühl und Herzrasen sowie unsicheres Gehen (sog. ‚Torkeln‘)
  • Mittelschwere Alkoholvergiftung: Tritt bei einem Blutalkoholspiegel von 1,5 – 2,5 Promille Die Körperfunktionen verändern sich: eingeschränktes Sehvermögen, Kopfschmerzen und schlaffe Muskeln sind mögliche Symptome dieses Vergiftungsstadiums
  • Schwere Alkoholvergiftung: Der Blutalkoholspiegel erreicht 2,5 – 4 Promille. Die betroffene Person hat bereits Schwierigkeiten, sich zu artikulieren. Körperfunktionen wie der Hustenreflex fallen aus und der Patient wirkt stark enthemmt
  • Sehr schwere Alkoholvergiftung: Ab 4 Promille an Alkohol im Blut fallen weitere wichtige Körperfunktionen aus. Multiorganversagen oder Koma ist eine mögliche Folge. Bei einem Blutalkoholspiegel von 5 Prozent stirbt der Patient in den meisten Fällen

Bei Personen, die unter einer Alkoholunverträglichkeit leiden, treten die genannten Symptome bei sehr viel geringeren Mengen an Alkohol im Blut auf. Eine Alkoholunverträglichkeit ist häufig genetische bedingt oder tritt aufgrund von Medikamentenkonsum auf. Für Alkoholintoleranz-Patienten ist es daher besonders gefährlich, zu viel Alkohol (oder Alkohol überhaupt) zu sich zu nehmen.

Möchten Sie mehr zum Thema erfahren? In unseren folgenden Artikel lesen Sie mehr darüber, wie sich eine Alkoholvergiftung oder eine Alkoholunverträglichkeit äußert und wann man einen Notarzt verständigen sollte:

Gut zu wissen

Mehr Menschen als gedacht vertragen Wein recht schlecht. Eine Studie hat gezeigt, dass rund 7% der erwachsenen Konsumenten eine Unverträglichkeit gegenüber Wein hat. Dies berichteten die Teilnehmer einer groß angelegten Studie mit knapp 1.000 Menschen in der Stadt Mainz.

Ist bei Ihnen schon einmal Herzrasen während oder nach dem Konsum von Alkohol aufgetaucht? Wie waren die äußeren Umstände? Mit Ihrer Antwort helfen Sie anderen Betroffenen dabei, Ihre Symptome besser einzuschätzen. Nutzen Sie gerne auch unsere Kommentarfunktion am Ende des Artikels, um sich miteinander auszutauschen.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose von Herzrasen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum

Der Arzt führt zunächst ein Anamnese-Gespräch durch. Er erfragt die genauen Umstände, unter denen das Herzrasen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum aufgetreten ist. Er stellt möglicherweise Fragen wie die Folgenden:

  • Trinken Sie häufig Alkohol?
  • Wie häufig ist das Herzrasen nach Alkoholkonsum aufgetreten?
  • Leiden Sie oder ein Familienmitglied unter einer Vorerkrankung des Herzens?
  • Haben Sie exzessiv Alkohol konsumiert, bevor das Herzrasen aufgetreten ist?
  • Leiden Sie unter Bluthochdruck?
  • Hat das Herzrasen nach dem Alkoholkonsum abgehalten?
  • Leiden Sie unter einem langsamen Puls?
  • Leiden Sie unter Alkoholismus?
  • Ist bei Ihnen eine Alkoholunverträglichkeit festgestellt worden?
  • Fühlen Sie das Herzrasen gerade jetzt in diesem Moment?

Die Ursachen ergründen: Körperliche Untersuchung

Eine körperliche Untersuchung unterstützt die Diagnose des Arztes nach dem Anamnesegespräch. Liegt der Alkoholkonsum nicht zu lange zurück oder besteht der Verdacht auf eine akute Alkoholvergiftung, misst der Arzt zunächst den Blutalkoholspiegel.

Eine Messung des Blutdrucks und der Herzrate unterstützt die Diagnosestellung weiterhin. Um die Funktion des Herzens zu messen, führt der Arzt eine Messung der Herzfrequenz mit einem Elektrokardiogramm (kurz EKG) durch. Mit diesem Messinstrument sieht er, ob Unregelmäßigkeiten im zeitlichen Ablauf des Herzschlags vorliegen.

Fakten-Box

Herzrasen aufgrund von Alkoholkonsum

  • eine Herzrhythmusstörung, die der Patient als Herzrasen wahrnimmt
  • es kann nach exzessivem Alkoholkonsum auftreten
  • mögliches Symptom bei abstinenten Alkoholikern oder bei Alkoholentzug
  • auch Menschen ohne Vorerkrankung des Herzens sind betroffen
Mögliche Symptome
  • das Herzrasen tritt während des Alkoholkonsums auf
  • die Symptomatik kann über die Dauer des Trinkens hinweg anhalten: der Körper benötigt Zeit, um den Alkohol abzubauen

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung von Herzrasen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum

Insgesamt kann man an mehreren Stellen ansetzen, um Herzrasen aufgrund von Alkoholkonsum zu therapieren. Die Therapie richtet sich nach dem Grund, aus dem das Herzrasen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum auftritt.

Alkoholismus therapieren

Tritt das Herzrasen im Zusammenhang mit Alkoholismus auf – ob als Effekt des alkoholischen Zustands oder als Entzugserscheinung zwischen dem Konsum – auf, dann behandelt der Arzt zunächst die Alkoholsucht: Der Patient unterzieht sich einem Alkoholentzug.

Je nach Schwere des Alkoholismus erfolgt der Entzug stationär. So kann man die körperlichen Reaktionen des Patienten beobachten und im Notfall eingreifen. Herzrasen tritt im Rahmen eines Entzugs möglicherweise ebenso wie andere Kreislaufprobleme auf.

Wenn der Patient keinen Alkohol mehr im Blut hat (der Entzug beendet ist), sollten rehabilitierende Maßnahmen zügig beginnen. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe ist zum Beispiel eine geeignete Maßnahme, um die Sucht zu bekämpfen. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich im Rahmen der Nachsorge immer, einen Arzt oder eine Beratungsstelle aufzusuchen. Denn der Patient darf nicht in alte Muster fallen und wieder mit dem Trinken beginnen. Gegebenenfalls hilft eine psychologische Betreuung.

Bei Unverträglichkeit: Abstinenz oder Medikamente absetzen

Es ist möglich, dass Herzrasen im Zusammenhang mit Alkoholkonsum aufgrund einer Alkoholunverträglichkeit auftritt. Die Ursachen dieser Unverträglichkeit sollten vom Arzt abgeklärt werden. Es ist möglich, dass der Patient aufgrund von Medikamenten (zum Beispiel Antibiotika) keinen Alkohol mehr verträgt. In diesem Fall sollten die Mittel abgesetzt bzw. im Falle von Antibiotika bis zum Ende der Verordnung durchgenommen werden, bevor der Patient wieder Alkohol trinken darf.

Weitere Gründe für die Unverträglichkeit sind eine genetische Veranlagung oder eine Schädigung der Organe (zum Beispiel aufgrund von früherem Alkoholismus). In einem solchen Fall hilft strikte Alkoholabstinenz am besten. Hält sich der Patient nicht daran, sind weitere Organschäden mögliche Folgen (zum Beispiel von Leber, Nieren und Herz).

Bei Alkoholvergiftung: ausnüchtern lassen

Wenn Herzrasen bei einer akuten Alkoholisierung auftritt, dann sollte der Betroffene die Einnahme von Alkohol sofort beenden. Je nachdem, wie schwer der Patient alkoholisiert ist, liegt eine Alkoholvergiftung vor. Bei einer schweren Alkoholvergiftung sollte man medizinische Hilfe verständigen.

Der Arzt oder Rettungsdient misst die Körperfunktionen des Patienten wie den Herzschlag und die Atmung. Gegebenenfalls wird der Patient über ein paar Stunden lang überwacht. Um den Körper zu stärken, kann es sinnvoll sein, eine Infusion zu verabreichen. Damit lässt sich der (Elektrolyt-) und Flüssigkeitshaushalt des Betroffenen wieder auffüllen.

Bei Herzproblemen: weiter abklären

Hat der Arzt festgestellt, dass ein Problem mit dem Herzen vorliegt, sind weitere Untersuchungen als initialer Behandlungsschritt notwendig. In einigen Fällen verwendet man ein Langzeit-EKG. Dieses trägt der Patient über ein paar Tage hinweg. Anhand der Aufzeichnung sieht der Arzt Unregelmäßigkeiten im Herzschlag, die im Alltag auftreten.

Möglicherweise hilft bereits ein veränderter Lebensstil dabei, das Herzrasen zu reduzieren. Man kann mit dem Verzicht auf Nikotin und Koffein beginnen. Stress im Alltag sollte man zudem reduzieren – dieser begünstigt Herzrasen. Ein strukturierter Tagesablauf mit genügend Pausen und Bewegung an der frischen Luft kann Stress reduzieren. Entspannungsübungen unterstützen den Stressabbau.

Aktuelle Forschung – Was sagt der sogenannte ‚Kater‘ über den Grad der Alkoholsucht aus?

Nach Alkoholkonsum erleben die meisten einen ‚Kater‘, der sich in körperlichen und psychologischen Symptomen äußert. Beispiele für konkrete Symptome sind eine eher depressive Stimmung, veränderte Wahrnehmung der Gliedmaßen, Schmerzen oder Herzrasen. Wie hängt die langfristig konsumierte Menge an Alkohol mit diesen Symptomen zusammen?

Dieser Frage ist Dr. Vatsalya Vatsalya von der medizinischen Universität in Louisville (USA) gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam nachgegangen. Die Wissenschaftler haben Kater-Symptome bei Alkoholkonsumenten mit schwerem Konsum und mittelschweren Konsum anhand von standardisierten Fragebögen untersucht. Um die Ergebnisse vergleichbar zu machen, nahm auch eine Kontrollgruppe mit Nicht-Trinkern an der Studie teil.

Klassifizierung der Versuchsgruppen

Die Versuchsgruppen wurden folgendermaßen klassifiziert:

  • >15 alkoholische Getränke pro Woche: schwere Trinker
  • 4–15 alkoholische Getränke pro Woche: mittelschwere Trinker
  • <4 alkoholische Getränke pro Woche: gesunde Kontrollgruppe

Die Forscher haben gemessen, welche Symptome sich in welcher Schwere nach dem Trinker geäußert haben. Die Symptome treten zumeist am Tag nach dem Konsum auf – dann, wenn der Blutalkoholpegel gegen Null geht.

Langfristiger Alkoholismus ruft den Kater hervor

Die Studie hat ergeben, dass die Kater-Symptome sich schwerer zeigen, je mehr eine Person insgesamt trinkt. Dies bezieht sich allerfings nicht nur auf den vorabendlichen Konsum: Langfristig schwere Trinker leiden generell unter stärkeren Kater-Symptomen als mittelschwere Trinker.

Dies könnte darauf hindeuten, dass der Körper mit der Zeit immer empfindlicher auf Alkohol reagiert. Wird der Körper also immer wieder durch übermäßigen Alkoholkonsum geschädigt, erfolgt keine Gewöhnung – eher eine erhöhte Empfindsamkeit. Die Forscher schlussfolgern, dass allerdings weitere, groß angelegte Studien nötig sind, um die genauen Zusammenhänge zu erforschen.

Quelle: Vatsalya Vatsalya u. a. (2019): Exacerbation of Hangover Symptomology Significantly Corresponds with Heavy and Chronic Alcohol Drinking: A Pilot Study. In: Journal of clinic medicine 8/1943, S. 1–13.

Häufige Patientenfragen

Wenn ich Stress habe, dann hilft oft ein Glas Rotwein. Nun hatte ich neulich auch noch Herzrasen am Abend. Ich denke aber, dass das nur vom Stress kam und mit dem Alkohol nichts zu tun hatte, oder?

Dr. Dr. T. Weigl
In manchen Situationen ist ein wahrgenommenes Herzrasen eine normale Reaktion des Körpers. Zum Beispiel, wenn man sich sehr anstrengen muss (einen Berg hochrennen). Stress kann allerdings ebenfalls Herzrasen verursachen. Wenn Sie ohnehin bereits unter Stress und Herzrasen leiden, dann ist Alkohol kein Heilmittel. Ganz im Gegenteil: Sie laufen Gefahr, Ihren Körper mit dem Konsum von Alkohol zu schädigen. Zudem besteht die Gefahr, Alkoholismus zu entwickeln, wenn man in jeglicher Stresssituation Alkohol zu sich nimmt. Reduzieren Sie anstatt des Trinkens den Stress im Alltag. Falls Sie das Gefühl haben, ein Mittel gegen den Stress zu benötigen, dann sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt. Gegebenenfalls kann auch ausgleichender Sport an der frischen Luft helfen. damit stärken Sie ihr Herz-Kreislauf-System und schädigen es – im Gegensatz zu Alkoholkonsum – nicht.

Gibt es Hausmittel gehen Herzrasen?

Dr. Dr. T. Weigl
Falls Herzrasen plötzlich und ohne bekannten Grund auftritt, dann kann man dies möglicherweise mit dem Trinken von Mineralwasser beenden. Dies teilte der Berufsverband Deutscher Internisten mit. Denn kohlensäurehaltige Getränke können den zu hohen Herzschlag in einigen Fällen stoppen. Bei anhaltend hohem Herzschlag über einen längeren Zeitraum hinweg sollte man allerdings einen Arzt aufsuchen. Denn krankhaftes Herzrasen kann auf eine lebensbedrohliche Erkrankung hindeuten. Es ist daher ratsam, nicht zu lange mit Hausmitteln zu experimentieren.

Möchten Sie mehr zum Thema Herzrasen und Herzrhythmusstörungen erfahren? Lesen Sie unsere Artikel:

Mein Großvater leidet seit geraumer Zeit unter Herzproblemen. Der Arzt hat ihm angeraten, keinen Alkohol zu sich zu nehmen. Opa trinkt trotzdem – er sagt, dass ein bisschen Bier und Schnaps am Abend nur gut sei für das Herz. Stimmt das?

Dr. Dr. T. Weigl
Alkohol verursacht Probleme des Herz-Kreislauf-Systems und schädigt bei dauerhaftem Konsum auch alle weitern Organe, vor allem Leber und Nieren. Es ist also nicht wahr, dass der Konsum von Bier und Schnaps gut ist für den Organismus. Da bereits eine Erkrankung des Herzens vorliegt und der Arzt vom Konsum abgeraten hat, sollte Ihr Großvater vom Alkoholkonsum absehen. Falls dieser nicht bereit ist, komplett auf Alkohol zu verzichten, könnte er bereits an Alkoholismus leiden. Sollten Sie eine solche Vermutung haben, dann sprechen Sie mit dem Arzt Ihres Großvaters darüber. Dies muss Ihnen nicht unangenehm sein – der Arzt kann aber dabei helfen, das Problem zu beheben und die Gesundheit des Patienten zu erhalten.

Ich habe gehört, dass Menschen, die unter Alkoholismus leiden, Herzrasen bekommen, wenn sie an Alkohol denken oder bevor sie trinken.

Dr. Dr. T. Weigl
Es kann sein, dass eine Sucht – ob nach Alkohol oder nicht – körperliche Reaktionen hervorruft, wenn der Patient mit dem Suchtstoff konfrontiert wird. Es ist außerdem möglich, dass das Denken an den Suchtstoff – zum Beispiel ausgelöst durch Bilder – körperliche Reaktionen hervorruft. Klinische Studien mit alkoholabhängigen Patienten haben dies bestätigt. Außerdem lassen sich aufgrund dieser körperlichen Reaktion Rückschlüsse auf die Rückfallrate der Patienten ziehen: Je aufgeregter die Patienten sind, wenn sie an Alkohol denken, also je stärker die Herzrate erhöht ist, desto eher werden sie rückfällig. Für die Zukunft kann dies bedeuten, dass man Rückfälle frühzeitig voraussagen kann. Allerdings hängen solche Reaktionen laut neueren Forschungsergebnissen auch von der Persönlichkeit des Patienten ab – je mehr eine Person nach einer Art psychologischer Belohnung sucht (in diesem Fall das Suchtmittel Alkohol) desto stärker fällt die Reaktion aus.

Typisches Patientenbeispiel

„Man, also irgendwie nervt es langsam, dass ich jedes Mal am Sonntag nach dem Feiern dieses bescheuerte Herzrasen habe. Aber ja, ich gehe los und treffe dich gleich zum Essen!“ sagt Bettina und legt auf. Im Restaurant angekommen, begrüßt sie ihren Kumpel Chris herzlich.

„Sag‘ mal, aber irgendwie finde ich es schon beängstigend, das mit deinem Herzrasen. Also cool, dass wir uns heute Abend trotzdem sehen. Aber willst du nicht mal zum Arzt gehen? Ich will schließlich weiterhin mit dir feiern gehen und was ist, wenn du etwas Ernsthaftes hast?“, gibt Chris zu bedenken.

Bettina lässt sich zur Vernunft breitschlagen

„So wie Sie mir dies schildern, könnte das Herzrasen tatsächlich mit Ihrem Alkoholkonsum zusammenhängen, Frau Schiffer.  Wenn Sie einmal pro Woche exzessiv trinken, bringen Sie Ihr Herz-Kreislauf-System durcheinander. Abgesehen davon birgt regelmäßiger, starker Alkoholkonsum die Gefahr für Langzeitfolgen. Sie könnten mit dem Trinken vor allem Ihre Nieren und Leber sowie Ihr Gehirn schädigen“, erklärt der Arzt am Ende des Anamnesegesprächs.

„Ich führe zunächst ein paar Tests an Ihnen durch, um ihre Herzfunktion zu testen. Allerdings rate ich Ihnen unabhängig davon an, erst einmal ganz auf den Konsum von Alkohol zu verzichten, um Ihre inneren Organe und Ihr Nervensystem zu schonen“, rät der Arzt, „Zusätzlich könnte sich Ihr Körper an den Alkohol gewöhnen. Man sollte sehr vorsichtig mit regelmäßigem Konsum sein – es besteht langfristig die Gefahr für eine Alkoholabhängigkeit.“

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Was würden Sie noch gerne über Alkohol und Herzrasen wissen? Haben Sie Fragen zu anderen Auswirkungen von Alkohol? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten, um von Ihren Erfahrungen zu berichten und sich mit anderen auszutauschen!

 

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  

Autor: Dr. Dr. Tobias Weigl, Melinda Mende
Lektorat: Christopher Keck
Veröffentlicht am: 01.04.2020

Quellen

  • Amboss Fachwissen für Mediziner (2020): Herzrhythmusstörungen (HRST). In: amboss.com.
  • Amboss Fachwissen für Mediziner (2020): Vorhofflimmern (VHF, Atrial Fibrillation). In: amboss.com.
  • Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) (2016): S-3 Leitlinie. Alkoholbezogene Störungen: Screening, Diagnose und Behandlung. In: awmf.org.
  • Berufsverband deutscher Internisten e.V. (BDI) (2013): Was bei plötzlichem Herzrasen zu tun ist. In: internisten-im-netz.de.
  • Berufsverband deutscher Internisten e.V. (BDI) (2009): Mineralwasser kann bei Herzrasen den Puls senken. In: internisten-im-netz.de.
  • Caroline Brunelle u. a. (2004): Heightened heart rate response to alcohol intoxication is associated with a reward‐seeking personality profile.In: Alcoholism: Clinical and experimental research 28/3, S. 394–401.
  • Eric Garland/ Ingmar Franken/ Matthew O. Howard (2012): Cue-elicited heart rate variability and attentional bias predict alcohol relapse following treatment. In: Psychopharmacology 222/1, S. 17–26.
  • Neurologen und Psychiater im Netz (): Abgrenzung von Alkoholmissbrauch und Abhängigkeit von Alkohol. In: neurologen-und-psychiater-im-netz.org.
  • Christian Prinz (2012): Basiswissen Innere Medizin. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg.
  • Manfred V. Singer / Stefan Teyssen (2001): Serie -- Alkoholismus: Alkoholassoziierte Organschäden. In: Deutsches Ärzteblatt 98/33, S. 2109–2120.
  • Vatsalya Vatsalya u. a. (2019): Exacerbation of Hangover Symptomology Significantly Corresponds with Heavy and Chronic Alcohol Drinking: A Pilot Study. In: Journal of clinic medicine 8/1943, S. 1–13.
  • Petra Wigand u. a. (2012): Prävalenz der Weinunverträglichkeit. Ergebnisse einer Fragebogenerhebung in Mainz. In: Deutsches Ärzteblatt 109/25, S. 437–444.
[Gesamt: 2   Durchschnitt:  5/5]

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