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Manuelle Therapien bei Rückenschmerzen

Manuelle Therapien eignen sich für all jene Beschwerden, die reversibel sind, also die rückgängig gemacht werden können. Dazu gehören beispielsweise muskulär bedingte Rückenschmerzen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

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Manuelle Therapien sind Behandlungsweisen, die den menschlichen Bewegungsapparat in den Blick nehmen. Sie basieren auf speziellen Handgriff- und Mobilisationstechniken, die sich innerhalb der verschiedenen Methodiken unterscheiden. Manuelle Therapien eignen sich für all jene Beschwerden, die reversibel sind, beispielsweise muskulär bedingte Rückenschmerzen.

Was versteht man unter Manueller Therapie?

Der Begriff der Manuellen Therapie bedeutet übersetzt die Heilung beziehungsweise Pflege durch die Hände (lat. ‚manus‘ – die Hand).

Laut Verband Deutscher Physiotherapeuten handelt es sich dabei um die Behandlung des gesamten Bewegungsapparates. Dazu gehören das Skelett mit seinen Gelenken (sog. ‚Diathrose‘) sowie die Muskeln mit den Bändern und Sehnen. Das Zusammenspiel aus diesen Elementen ermöglicht die Ausführungen von Bewegungen. Die Zusammenhänge von Knochen, Gelenken und Bewegung werden in der Lehre von der Knochenbewegung (sog. ‚Osteokinematik‘) sowie in der Lehre von der Gelenkbewegung (sog. ‚Arthrokinematik‘) erfasst. Beide dienen als Grundlage für die Manuelle Therapie. Die Manuelle Therapie ist Teildisziplin der Physiotherapie, welche alle physikalischen und Bewegungstherapien umfasst.

Manuelle Therapien beziehen sich auf Beschwerden und Erkrankungen, die reversibel sind: Das bedeutet, dass Fälle wie Knochenbrüche, Tumore oder Osteoporose durch den gezielten Eingriff in den Bewegungsapparat sogar verschlimmert werden können. Bei Beschwerden, die beispielsweise auf muskuläre Verkrampfungen und Anspannungen zurückzuführen sind, kann eine Manuelle Therapie als Baustein einer ganzheitlichen Behandlung helfen.

Die Ziele der Therapien: Mobilität und Schmerzlinderung

Das Ziel bei Problemen mit der Gelenkbewegung ist die Mobilisation des betroffenen Gelenks wiederherzustellen. Um dies zu gewährleisten, stresst der Therapeut beispielsweise das in den Gelenkkapseln sich befindende Kollagen, einem Faserbestandteil aus Proteinen. Dies erweitert das Bewegungsausmaß.

Eine Therapie ist dann erfolgreich, wenn die maximale Mobilität in Abhängigkeit vom Schweregrad der Erkrankung des zu behandelnden Körperteils erreicht ist. Daneben ist auch die Schmerzlinderung ein wichtiges Ziel der Manuellen Therapie.

Physiotherapeuten nutzen zu diesem Zwecke unterschiedliche Verfahren: So kommen passive Bewegungen wie die Mobilisation oder die Manipulation in Frage oder rehabilitative Methoden.

Gut zu wissen!
Die Manuelle Therapie, wie wir sie heute kennen, wurde in den USA der Fünfziger Jahren entwickelt. Freddy Kaltenborn und Geoffrey Maitland betonten in ihrem neuartigen Konzept die Einmischung durch den Therapeuten während aktiv ausgeführter Übungen aus der Physiotherapie.

Osteopathie bei Rückenschmerzen

Der Begriff Osteopathie kommt aus dem Griechischen bedeutet Knochenleiden. Diese Form der Manuellen Therapie geht auf den US-Amerikaner Andrew T. Still zurück, der Mitte des 19. Jahrhunderts die Grundlagen dieser Alternativmedizin schuf. Kern der Philosophie ist die Bewegung: Wo keine Bewegung stattfinden kann, können, so Still, Krankheiten und Beschwerden entstehen. Die Osteopathie kann diese aufspüren und lösen.

Grundlegend ist für eine einwandfreie Bewegungsleistung die Funktion der sogenannten Bewegungsketten: Jede noch so kleine Bewegung entspringt einer Kette von Bewegungen. Ein Beispiel: Die Lunge kann den Körper nur mit Luft und dem darin enthaltenden Sauerstoff versorgen, weil das Herz sauerstoffarmes Blut in die Lungenbläschen pumpt. Funktioniert nur ein Glied dieser Kette nicht, ist die gesamte Bewegung gestört.

Strukturelle Bewegungen zur Selbstheilung

Diese Bewegungen sind in Strukturen gegliedert: Dieses Wechselspiel ist der Einsatz der Osteopathen. Ziel ist somit nicht die Heilung von Krankheiten, sondern viel eher das Aufspüren der Gründe, warum eine Krankheit oder Beschwerden innerhalb der Struktur ausgebrochen sind. So steht die Wiederaufnahme der natürlichen Funktion des betroffenen Bereichs an erster Stelle. Das Reslutat ist: Selbstheilung ohne den Einsatz von Medikamenten.

Wie bei der Manuellen Therapie üblich verwenden Therapeuten ihre Hände bei der Untersuchung und der Arbeit. Der Therapeut arbeitet bei der Deblockade des Patienten vor allem mit sanftem, gezieltem Druck oder kräftigem Bohren. Dabei erfasst und versteht die Osteopathie den Körper als ganzheitliche, zusammenhängende Struktur.

Anders als der Name suggeriert, stehen nicht nur Knochen und Gelenke im Vordergrund: Auch die Faszien, die Muskulatur sowie die Funktionskreisläufe der Organe werden in den Blick genommen.

Mehr Informationen zu Manuellen Therapien in diesem Video<
Was sind Manuelle Therapien? Wie viel kostet eine Osteopathie-Sitzung? Wer ist Ida Rolf? Was passiert im Rahmen einer Shiatsu-Therapie? Dr. Tobias Weigl stellt im Video die wichtigsten Manuellen Therapien im Zusammenhang mit Rückenschmerzen vor.

Chiropraktik bei Rückenschmerzen

Wie auch die Osteopathie stammt die Methode des „mit den Händen arbeiten“ (griechisch: Chiropraktik) aus den USA: Im 19. Jahrhundert entwickelte dessen Erfinder, der Heiler Daniel D. Palmer, auf Basis der Magnettherapie seine neuartige Methode sowie auf der Osteopathie.

Anhänger der Magnettherapie gingen davon aus, dass Schmerzen unter Einwirkung von magnetischen Wellen gelindert würden.

Für Palmer stand im Fokus seiner Chiropraktik jedoch etwas ganz anderes: die Vitalisierung der Lebenskraft. Diese Vitalisierung wurde grundsätzlich durch das Nervensystem aufrechterhalten. Diese war gestört, wenn beispielsweise ein Wirbel verschoben oder Gelenke blockiert waren. Das Nervensystem spielt so eine tragende Rolle im Selbstverständnis, ein blockierter Wirbel konnte dieses Nervensystem stören.

Fehlerhaft sitzende Knochen wie beispielsweise Wirbel sind Gründe für Beschwerden. Wie auch die Osteopathie versucht auch die Chiropraktik nicht eine Krankheit zu heilen, sondern die Ursachen für Beschwerden zu bekämpfen. Wie auch in der Osteopathie versteht auch die Chiropraktik den Körper als selbstheilendes System.

Übergeordnetes Ziel der Chiropraktik ist die Optimierung des allgemeinen Zustandes des Patienten.

Was manuelle Therapien mit Golf zu tun haben

Die Behandlung durch eine chiropraktische Methode sieht vor, dass Wirbel, die falsch liegen und somit durch das Drücken auf Nervenstränge Schmerzen verursachen, durch Zuhilfenahme der Querfort- und Dornansätze wieder „eingerenkt“ werden können. Die Hole-in-one-Methode, die heute noch verwendet wird, ist von Palmer geprägt worden. Ähnlich wie beim Golf – daher kommt die Bezeichnung – schiebt der Chiropraktiker mit einer Bewegung den falsch sitzenden Knochen in seine eigentliche Position. Der Atlas, der oberste Halswirbel, wurde lange als wichtigste Ursache von Krankheiten und Beschwerden betrachtet. Medikamente gehören nicht zur Therapie.

Anders als ursprünglich beschäftigen sich Therapeuten in der heutigen Chiropraktik auch mit Weichteilen wie Bändern, Faszien und Muskeln. Die dafür verwendeten Methoden werden aus der Osteopathie entnommen, allerdings wird an der Rolle des Nervensystems weiterhin festgehalten. Anders als in der Schulmedizin bezeichnet die Chiropraktik die Diagnose als Analyse, die Behandlung wiederum als Adjustierung.

Shiatsu bei Rückenschmerzen

Anders als die bereits vorgestellten Therapien kommt die Methode von Shiatsu aus dem asiatischen Raum, wo sie schon seit Jahrhunderten bekannt ist. „Shi-atsu“ ist Japanisch für „Fingerabdruck“ und ist ein Produkt aus der ursprünglichen Methode und adaptierten Techniken anderer Manueller Therapien. Die heutigen Formen des Shiatsu gehen auf eine Entwicklung in Japan unter Toru Namikoshi und Masunaga Shizuto zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurück; aus dieser Zeit stammt auch die uns bekannte Bezeichnung.

Im Wesentlichen basiert Shiatsu auf der ursprünglich aus China stammenden Wissenschaft des Qui, welche dann in Japan weiterentwickelt wurde. Die Wissenschaft der Qui geht davon aus, dass Materie energetische Eigenschaften aufweist. Diese wird innerhalb des großen Ganzen betrachtet und kann erst als Gesamtbild verstanden und nachvollzogen worden. Die Lehren aus der Wissenschaft des Qui werden im Shiatsu auf den Körper übertragen.

Gut zu wissen!
Die Zusammenhänge von Schmerzen und dem menschlichen Skelett wurden schon früh in der Geschichte erkannt: So hat bereits Hippokrates (ca. 460–370 v. Chr.) über die Folgen von verschobenen Wirbeln diskutiert. Im Hochmittelalter entwickelte der Philosoph und Arzt Avicenna (980–1037) Griffe, um das Skelett seines Patienten oder seiner Patientin zu stabilisieren. Zeitgleich tauchten überall in Europa sogenannte Knochensetzer auf, deren Methodik in der Neuzeit weiterentwickelt wurde. Erst im 19. Jahrhunderten beschäftigten sich Ärzte eingehend mit der schmerzhaften Verschiebung von Wirbeln und Manuellen Techniken.

Shiatsu baut auf zwei Methodenpfeilern auf: der Körperarbeit und der Energiemedizin. Unter Körperarbeit fallen die Arbeit mit Druck und die Dehnung des Körpergewebes. Der Therapeut übt Druck auf das Bindegewebe wie Faszien aus. Dies hydriert das anfällige oder brüchige Gewebe wieder und versetzt es somit in den ursprünglichen Zustand der Beweglichkeit zurück.

Energiefelder und Akupunktur

Die Energiemedizin beschäftigt sich mit dem Energiefeld eines Menschen und dem Umgang damit. Mit dem Energiefeld ist das biomagnetische Feld im Körper gemeint, das durch das Pulsieren von elektrischen Strömen innerhalb des Körpers entsteht. Das Bindegewebe ist Teil dieses Energienetzes. Die bereits angesprochene Stimulation des Bindegewebes unterstützt auch die Aufrechterhaltung dieses Energiefeldes!

Zusätzlich verwenden Therapeuten Erkenntnisse aus der Akupunktur. So wird auf die Akupunkturmeridiane zurückgegriffen, die energiereicher sind als einzelne Akupunkturpunkte. Darüber hinaus konzentrieren sich Therapeuten in Bezug auf das Energiefeld vor allem auf den Bauch: Denn in der chinesischen wie auch japanischen Medizin ist der Bauch das sogenannte Vitalzentrum, das Zentrum des körperlichen Energiefeldes.

Shiatsu ist eine Behandlungsmethode, die wesentlich auf der Akupressur und Massageformen basiert.

Rolfing bei Rückenschmerzen

Das Rolfing unterstützt eine möglichst energiesparende Entfaltung hin zu einem natürlichen Gleichgewicht. Es ist Teil der von Dr. Ida Rolf entwickelten Strukturellen Integration. Diese hat für ihre Methode Elemente aus dem Yoga und der Arbeit mit Binde- und Muskelgewebe vermengt. Kernelement ist die Wechselbeziehung zwischen der Struktur, also dem menschlichen Körper und da vor allem dem Bewegungsapparat, und dem übergeordneten Rahmen, der Schwerkraft.

Laut Rolf hängt das menschliche Wohlbefinden, sowohl auf physischer wie physischer Ebene, auch vom Körperbau ab. Dieser sollte idealerweise in einer harmonischen Relation zur Erdanziehung stehen. Schmerzen sind somit ein Zeichen, dass diese Beziehung auf den Fugen geraten ist. Durch die Bearbeitung des Binde- und Muskelgewebes kann die körperliche Gestalt verändert und so die Verbindung zum übergeordneten Rahmen verbessert werden.

Dieser Ansatz versteht sich nicht nur als therapeutische Methode zur Ermöglichung einer Selbstheilung, sondern auch als pädagogischen Prozess. Der Fokus der eigentlichen Behandlung liegt dabei vor allem auf dem Muskel- und Bindegewebe. Ziel ist es, Spannung und Platz zu geben.

Methodisch wird vor allem eine gezielte Behandlung des Binde- und Muskelgewebes durch Druck durchgeführt.

Manuelle Therapien und Apps

Manuelle Therapien können durch zusätzliche Übungen Zuhause ergänzt werden. Dank der Digitalisierung gibt mittlerweile auch Angebote für das Smartphone. So bietet der Georg Thieme Verlag beispielsweise die App „manuelletherapie“ für Android und iOS an. Darüber können Sie als Nutzer Artikel zum Thema aufrufen und lesen und auf Übungsvideos zugreifen mit Therapie-Übungen für die eigenen vier Wände. Die App ist umsonst, allerdings erfordert die kostenfreie Nutzung der Angebote eine Registrierung als Abonnent. Diese zeichnet sich jedoch auch dadurch aus, dass sie die einzige App in diesem Gebiet ist.

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Autoren: Andrea Lorenz, Dr. Tobias Weigl
Redaktion: Marek Firlej
Veröffentlicht am: 04.04.2018, zuletzt aktualisiert: 14.08.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Armberger, Rudi (2017): Integrative Manuelle Therapie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Beresford-Cooke, Carola (2013): Shiatsu. Grundlage und Praxis, 3. Auflage, Urban & Fischer Verlag, München.
  • Brecklinghaus, Hans Georg (2005): Rolfing – Strukturelle Integration für Kinder und Jugendliche, Lebenshaus-Verlag, Maibernheim.
  • Maassen, Andreas (2011): Checkliste Parietale Osteopathie, Karl F. Haug Verlag, Stuttgart.
  • Newiger, Christoph (2005): Osteopathie. Sanftes Heilen mit den Händen, 2. überarbeitete Auflage, Trias-Verlag, Stuttgart.
  • Rademacher, Walter (2009): Shiatsu in der Praxis, Urban & Fischer Verlag, München.
  • Schomacher, Jochen (2017): Manuelle Therapie. Bewegen und spüren lernen, 6. komplett überarbeitete Ausgabe, Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Simon, Henrik (2015): Lehrbuch der Chiropraktik, Karl F. Haug Verlag, Stuttgart.
  • Streeck, Uwe; Focke, Jürgen; Melzer, Claus; Streeck, Jesko (2017): Manuelle Therapie und komplexe Rehabilitation, 2. überarbeitete Auflage, Springer-Verlag, Berlin.
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