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Radikulopathie Lumbalbereich & Zervikalbereich durch Nervenwurzelschäden – Symptome, Beschwerden

Trotz der starken Schmerzen bei Radikulopathie sollten Sie nur dann Bettruhe einhalten, wenn die Schmerzen so stark sind, dass Sie sich kaum bewegen können. Eine frühe Mobilisierung sowie eine ausreichende medikamentöse Schmerztherapie sollten angestrebt werden, um Folgeschäden wie eine Schonhaltung und eingeschränkte Beweglichkeit zu vermeiden.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen
Unter einer Radikulopathie versteht man die Reizung oder Schädigung der Wurzeln von Spinalnerven. Dabei handelt es sich um diejenigen Nerven, die der Wirbelsäule bzw. dem Rückenmark zugehörig sind. Häufig ist für die Radikulopathie ein Bandscheibenschaden verantwortlich. In selteneren Fällen sorgen auch Abszesse, Tumoren oder Fehlbildungen für die Reizung bzw. Schädigung. Oft kommt es infolge schneller Drehbewegungen zu dem Schaden. Zu den Beschwerden zählen vorrangig Rücken- bzw. Nackenschmerzen, die in die Beine oder Arme ausstrahlen können, je nach Form der Erkrankung. Betroffene tendieren in der Folge zu einer Schonhaltung und können sich nur noch eingeschränkt bewegen. Im Rahmen der Diagnose erfolgen eine neurologische sowie eine bildgebende Untersuchung. Behandelt wird eine Radikulopathie entsprechend der Ursache. Ein Tumor wird also bspw. entfernt, während ein Bandscheibenvorfall zunächst medikamentös und mit Physiotherapie behandelt wird.

Seit Kurzem hat Willi – wie sein Kollege Manni sagen würde – echt krasse Nackenschmerzen. Der Kopf lässt sich kaum bewegen, vor allem nicht schmerzfrei. Von einem Autounfall in der Vergangenheit hatte er noch so eine Halskrause daheim, geholfen hat die aber nicht so doll. Besonders morgens ist der Nacken so stark versteift, dass er kaum aus dem Fenster sehen kann, wenn er sich seinen täglichen starken schwarzen Kaffee zu Gemüte führt. „Das kann ja wohl nicht angehen. Ich bin doch noch kein Rentner!“, denkt sich Willi großspurig und greift zu seinem Smartphone, um im Internet nach einem Orthopäden in der Nähe zu suchen. Oder sollte er vielleicht doch erstmal zum Hausarzt gehen?

Was ist eine Radikulopathie? Wie kann sie entstehen?

Als Radikulopathie (von lat. radicula ‚kleine Wurzel, Würzelchen‘ und gr. pathos ‚Leiden‘) bezeichnet man in der Medizin die Reizung bzw. Schädigung der Wurzeln von Spinalnerven. Diese entspringen paarig dem Rückenmark und sind Teil des peripheren Nervensystems.
Oft sind derlei Reizungen auf einen Bandscheibenschaden zurückzuführen. Darunter versteht man in den meisten Fällen degenerative, also durch Verschleiß bedingte, und selten traumatische, also durch Gewalteinwirkung von außen verursachte, Veränderungen der Bandscheiben und des Zwischenwirbelraums. In diesem Zusammenhang sind vor allem der Bandscheibenvorfall (sog. ‚Diskusprolaps‘) sowie die Bandscheibenvorwölbung (sog. ‚Bandscheibenprotrusion‘) zu nennen. Im Zusammenhang mit einem solchen Bandscheibenschaden kommt es häufig auch zur Degeneration von Knochen und Knorpel (sog. ‚Osteochondrose‘). Die verschiedenen degenerativ-knöchernen Veränderungen, die eine Radikulopathie auslösen können, sind unter anderem:

  • Wirbelgelenkarthrose (sog. ‚Spondylarthrose‘)
  • Arthrose in den Gelenken der Halswirbelsäule (sog. Unkovertebralgelenkarthrose‘)
  • Wirbelgleiten (sog. ‚Spondylolisthese‘)
  • Knochenneubildungen (sog. ‚Osteophyten‘)

Ein anderer Grund für eine Radikulopathie kann in lokalen Raumforderungen liegen. Man spricht in der Medizin dann von einer Raumforderung, wenn das Volumen von Strukturen im Körperinneren zunimmt. Dies ist unter anderem der Fall bei:

  • Tumoren
  • Ansammlungen von Blut (sog. ‚Hämatom‘)
  • entzündliche Veränderungen (bspw. durch Abszesse oder Borreliose)

Im Rahmen der hier besprochenen Erkrankung unterscheidet man zwischen einer lumbalen bzw. lumbosakralen und einer zervikalen Radikulopathie. Bei einer zervikalen Radikulopathie sind von den Nervenwurzelschäden bzw. -reizungen die Nervenwurzeln im Bereich der Halswirbelsäule (kurz: HWS) betroffen. Liegt hingegen eine lumbosakrale Radikulopathie vor, sind die Nervenwurzeln im Bereich von Lendenwirbelsäule (kurz: LWS) und Kreuzbein geschädigt bzw. gereizt. Oftmals führen abrupte Drehbewegungen, Sport, Heben oder Bücken dazu, dass die Erkrankung „ausgelöst“ wird.

Video-Exkurs: Der Aufbau der Wirbelsäule
Sie stellt einen der wichtigsten Skelettteile unseres Körpers dar – die Wirbelsäule. Sie verbindet unsere Extremitäten miteinander, ermöglicht uns den aufrechten Gang und schützt das empfindliche Rückenmark. Allerdings ist sie auch Ursprung zahlreicher Rückenprobleme. Wie aber ist der zentrale Abschnitt unseres Skeletts aufgebaut und wie ist die Wirbelsäule dazu imstande, uns das Stehen, Gehen sowie Bewegen zu ermöglichen? Dies und mehr erklärt Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Beitrag.

Die Symptome: Welche Beschwerden hat man, wenn man an einer Radikulopathie leidet?

Zu den Hauptsymptomen einer Radikulopathie zählen je nach Lage bei der zervikalen Form Nackenschmerzen (sog. ‚Zerviko-Brachialgie‘) und bei der lumbosakralen Form Kreuzschmerzen (sog. ‚Lumbo-Ischialgie‘). Entsprechend können die betroffenen Bereiche morgens auch versteift sein. In diesem Zusammenhang spricht man von sich straßenförmig ausbreitenden Schmerzen bzw. einer sogenannten „Schmerzstraße“. Je nachdem, welche Nervenwurzel beschädigt bzw. gereizt ist, können die Schmerzen dann von der geschädigten Nervenwurzel bis in die Beine ausstrahlen. Dadurch ergeben sich unterschiedliche „Straßenverläufe“ und Begleiterscheinungen wie Sensibilitätsstörungen, z. B. ein Kribbeln.
Ist bspw. der Wirbel L3 der Lendenwirbelsäule betroffen, verläuft die „Straße“ meist von der Leiste über die Oberschenkelvorderseite bis hin zum Kniegelenk. Es kommt dann auch dazu, dass sich Empfindungsstörungen an der Oberschenkelvorderseite ergeben. Außerdem kommt es zu Bewegungseinschränkung. In diesem Fall sind davon betroffen die Unterschenkelstreckung, die Hüftbeugung sowie das Heranziehen von Gliedmaßen an die Körpermitte (sog. ‚Adduktion‘). Überdies können der Adduktoren- sowie Patellarsehnenreflex ausfallen. Die sensiblen und motorischen Defizite, der Verlauf der „Schmerzstraße“ sowie die Reflexausfälle variieren je nach betroffener Nervenwurzel.
Die Schmerzen bei Radikulopathie werden durch Husten oder Pressen verstärkt und sind unter Umständen auf einzelne Hautareale (sog. ‚Dermatome‘) beschränkt. Betroffene nehmen infolge der Schmerzen des Öfteren eine Schonhaltung ein und sind in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt.

Video-Exkurs: Der Bandscheibenvorfall
Deutschlandweit kommt es jährlich zu etwa 180.000 akuten Bandscheibenvorfällen. Doch was genau ist eigentlich dieser sogenannte Diskusprolaps? Und wie unterscheidet er sich von einer Protrusion, also einer Vorwölbung? Diese und weitere Fragen beantwortet Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Beitrag. Dieser stellt den ersten Teil einer Video-Reihe zum Thema Bandscheibenvorfall dar und befasst sich zunächst mit der Definition eines Bandscheibenvorfalls.

Haben Sie schon einmal an einer Radikulopathie gelitten oder leiden Sie an einer? Welche Beschwerden haben/hatten Sie aufgrund der Erkrankung? (Mehrfachnennungen möglich) Mit Ihrer Teilnahme an dieser Umfrage helfen Sie anderen Betroffenen dabei, ihre Symptome besser einschätzen zu können.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Zu Beginn einer Diagnose erfolgt in der Regel zunächst das Anamnesegespräch, also das Gespräch zwischen Arzt und Patient, in dem beschwerdebezogene Fragen erörtert werden. In Zusammenhang mit einer zervikalen Radikulopathie, also bei Nackenschmerzen, fragt der Arzt dann bspw. nach hohen Belastungen oder Gewalteinwirkungen, die sich innerhalb der letzten Wochen ereignet haben könnten. Oft wird ebendiese Form der Radikulopathie aber nicht durch solche Einflüsse ausgelöst, sondern ist vielmehr auf ein Bandscheibenleiden oder ein Wirbelgleiten zurückzuführen. Des Weiteren wird der Arzt in diesem Gespräch bereits vorliegende oder in der Vergangenheit festgestellte Erkrankungen erfragen, da diese auch wichtige Hinweise in Bezug auf die Beschwerden liefern können. Grob zusammengefasst sind Informationen im Zusammenhang mit den folgenden Aspekten für den Arzt wichtig:

  • Was ist passiert? Wann ist es passiert? Wie ist es passiert? Wo ist es passiert?
  • Gibt es Hinweise auf Gewalteinwirkungen von außen, Brüche oder Infektionen?
  • Wie ist die psychische Verfassung des Patienten?
  • Besteht die Gefahr, dass sich der Schmerz chronifiziert, also nicht mehr nur momentan präsent ist, sondern sich auf Dauer „einnistet“?

In einem nächsten Schritt erfolgt dann die Bildgebung. Nackenschmerzen infolge einer zervikalen Radikulopathie lassen sich am besten mithilfe einer Röntgenaufnahme darstellen, da die Beschädigung der Nervenwurzeln in der Regel auf Veränderungen am Skelett zurückzuführen ist. Oft ist dieser Diagnose-Schritt schon ausreichend, um eine Radikulopathie nachzuweisen. Sollte das allerdings nicht der Fall sein, werden im Rahmen der Bildgebung mithilfe von Magnetresonanz- und Computertomografie (kurz: MRT und CT) weitere Aufnahmen angefertigt. Mit dem CT lässt sich das Skelett dreidimensional darstellen. Außerdem erlaubt das MRT die Darstellung der Weichgewebestrukturen, also bspw. Bänder und Nerven. Vermutet der Arzt also eine Beschädigung der Wirbelsäule, greift er auf eine CT-Aufnahme zurück. Steht hingegen ein neurologischer Schaden im Verdacht, fertigt er eine MRT-Aufnahme an.

Was passiert, wenn die üblichen Schritte keine Diagnose ermöglichen?

Liefern auch diese Untersuchungen keine eindeutigen Hinweise, könnte der Arzt den Verdacht haben, dass es sich um eine Polyradikulopathie handelt, also nicht nur die Spinalnerven, sondern auch das Rückenmark selbst von der Schädigung betroffen ist. Die damit zusammenhängenden neurologischen Ausfälle können mithilfe einer sogenannten Myelographie ausgemacht werden. Kommt der Arzt auch mit dieser Untersuchung zu keinem Ergebnis, muss er neuromuskuläre Dysfunktionen in Betracht ziehen. Diese können mithilfe einer Elektromyographie identifiziert werden.
Zu guter Letzt – wenn all diese bildgebenden Verfahren kein eindeutiges Ergebnis liefern – können zu diagnostischen Zwecken einzelne Spinalnerven betäubt werden. Wird dabei der entsprechend verletzte Spinalnerv betäubt, kommt es zu einer starken Schmerzlinderung.

Exkurs: Bildgebende Verfahren
Wenn man von außen nicht beurteilen kann, welche Quelle Schmerzen haben, kann auf diverse bildgebende Verfahren wie Röntgen, Myelografie, Computertomographie und Magnetresonanztomographie zurückgegriffen werden. Diese erlauben unterschiedliche Darstellungen bestimmter Abschnitte in unserem Körper. So dient eine Röntgenaufnahme bspw. der Darstellung unseres Skeletts, während man mithilfe einer MRT-Aufnahme das Weichgewebe einsehen kann.
Wenn Sie mehr über das Thema erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen die Lektüre unseres Artikels „Die Radiologie: Nutzen von Röntgen, MRT, CT und Myelografie“.
Des Weiteren können Sie sich auch den nachfolgenden Beitrag anschauen, in dem Dr. Tobias Weigl und Radiologe Dr. Karl-Heinz Scholaut gemeinsam die Arbeit eines Radiologen ergründen.

Unterschiede in der Diagnostik

Die Diagnose einer lumbosakralen Radikulopathie, also bei Kreuzschmerzen, verläuft etwas anders. Der Arzt versucht in diesem Zusammenhang zunächst herauszufinden, ob sogenannte „Red-flag“-Symptome vorliegen. Dabei handelt es sich um Beschwerden, aufgrund derer unmittelbar ein fachübergreifendes Therapiekonzept entworfen werden muss. Zu den hier relevanten „Red-flag“-Symptomen zählen:

  • ein vorher stattgefundenes Trauma – also eine Gewalteinwirkung von außen –, vor allem bei älteren Menschen, deren Knochen leichter brechen können
  • Tumoren, Infektionen, Gewichtsverlust, stärkere Schmerzen in der Nacht sowie Fieber
  • zunehmende Lähmungserscheinungen und dementsprechend nachlassende Schmerzen sowie Probleme beim Wasserlassen (bspw. Harnverhalt)

In Bezug auf diese Form der Radikulopathie wird der Arzt sich im Rahmen des Patientengesprächs obendrein über die Blasen- sowie Darmfunktion erkundigen.

Faktenbox

Radikulopathie
Wurzeln der an der Wirbelsäule gelegenen Spinalnerven werden beschädigt oder gereizt

In den meisten Fällen ist ein Bandscheibenvorfall die Ursache einer Radikulopathie

Unterteilt wird die Erkrankung in eine zervikale (am Hals gelegene) und eine lumbosakrale (am Kreuz gelegene) Form

Symptome

  • Nackenschmerzen
  • Kreuzschmerzen
  • Morgensteifigkeit im Bereich der Nacken- oder Rückenmuskulatur
  • in die Extremitäten (Arme und/oder Beine) ausstrahlende Schmerzen
  • Empfindungsstörungen (z. B. Kribbeln oder Taubheitsgefühl)
  • Bewegungseinschränkungen
  • Reflexausfall
  • Schmerzen verstärken sich bei Druck, Husten oder Pressen
  • Schmerzen in einem bestimmten Hautareal
  • Schonhaltung eingenommen

 

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Bei der Behandlung einer Radikulopathie stehen zunächst zwei Fragen im Raum: Welche Ursache besteht für die Erkrankung und welche Form der Radikulopathie liegt vor? Abhängig davon wird nämlich die entsprechende Behandlung bestimmt.
Zunächst steht eine Behandlung der Ursachen an. Ist bspw. eine Wirbelgelenkarthrose als Auslöser für die Erkrankung ausgemacht, steht eine Behandlung ebendieser im Vordergrund. Üblicherweise wird diese Arthrose zunächst konservativ behandelt. Diese Form der Behandlung umfasst dann u. a. physiotherapeutische Maßnahmen, die Gabe bestimmter Medikamente sowie eine physikalische Therapie (bspw. Thermotherapie). Sollten diese konservativen Ansätze nicht ausreichend helfen, muss auch eine Operation in Erwägung gezogen werden. Dabei gibt es verschiedene Ansätze, bspw. die Verödung von schmerzauslösenden Nervenzellen oder eine Wirbelsäulenversteifung.

Video-Exkurs: Medikamentöse Behandlung von Arthrose
Bei der weltweit am häufigsten auftretenden Gelenkerkrankung kommen drei Gruppen von Medikamenten zum Einsatz: Schmerzlindernde Medikamente (sog. ‚Analgetika‘) wie Paracetamol oder Novalgin und auch Opioide, entzündungshemmende Medikamente (sog. ‚Antiphlogistika‘) wie Ibuprofen oder Diclofenac und sogenannte intra-artikuläre Substanzen wie Cortison, Anästhesie-Medikamente und Hyaluronsäure.
Warum die Substanzen aus der zuletzt genannten Gruppe zwar am besten wirken, aber nicht mehr als vier Mal im Jahr angewendet werden sollten, erklärt Ihnen Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Beitrag.

Therapie der zervikalen Radikulopathie

Bei der Behandlung der zervikalen Radikulopathie wird auf ein multimodales und fächerübergreifendes Vorgehen gesetzt. Man unterteilt die therapeutischen Schritte in konservative und operative Maßnahmen.
Die konservative Therapie beinhaltet als wichtige Säule u. a. die Physiotherapie. Dahingehend kommen alle gängigen Verfahren zum Einsatz, bspw. Dehnungsübungen, Mobilisationsübungen sowie Übungen zur Stärkung der Muskulatur. Diese Übungen dienen vor allem dazu, den Grad der Beweglichkeit zu verbessern. Es lässt sich nur schwierig sagen, welche Maßnahmen im Allgemeinen helfen. Die Auswahl ebendieser Maßnahmen erfolgt dementsprechend von Fall zu Fall unterschiedlich und in Abhängigkeit von der Schmerztoleranz der Betroffenen. Es gibt allerdings einige Übungen, deren positive Effekte bereits nachgewiesen werden konnten. Dazu zählt u. a. eine frühzeitige Mobilisation des Nackens, wodurch vor allem kurzfristig Schmerzen deutlich gelindert werden können. Überdies können Krafttraining und Stretching die Nackenmuskulatur so stärken, dass sich die Funktionalität verbessert und Schmerzen reduziert werden. In einigen Fällen kann auch eine Halskrause getragen werden. Dies hängt allerdings auch von den Betroffenen sowie dem jeweiligen Beschwerdebild ab.

Achtung!
Eine Halskrause sollte nicht länger als 21 Tage getragen werden, da dies zu Muskelschwund führen kann.

Im Rahmen der Physiotherapie sollen an dieser Stelle noch die sogenannten manuellen Therapieverfahren erwähnt werden. Dabei handelt es sich um Behandlungsweisen, die sich mithilfe bestimmter Handlungs- sowie Mobilisationstechniken dem menschlichen Bewegungsapparat widmen. Sie kommen vor allem bei muskulären Beschwerden zum Tragen.

Ergotherapie, Physikalische Maßnahmen und Nackenschule

Der Nutzen der Ergotherapie im Kontext der zervikalen Radikulopathie ist bisher nicht ausreichend belegt. Experten sind allerdings der Meinung, dass die Ergotherapie dazu beitragen kann, Schmerzen zu lindern und neurologische Ausfälle zu reduzieren. Dies hat den Zweck, den Patienten sozusagen wieder „alltagstauglich“ zu machen. Betroffene lernen in diesem Zusammenhang, wie sie sich korrekt bewegen, trainieren Alltagshandlungen und entwickeln Strategien zur Schmerzlinderung sowie Förderung ihrer motorischen Fähigkeiten. Hier können auch Hilfsmittel wie Schraub- oder Gehhilfen, Griffverdickungen oder verstellbare Tische und Stühle verwendet werden.
Physikalische Maßnahmen werden in der Regel nicht empfohlen, da ihre Wirksamkeit nicht abschließend nachgewiesen ist. Allerdings konnte gezeigt werden, dass bestimmte chinesische Massagen kurzzeitig Schmerzen linderten. Elektrostimulation durch bspw. transkutane elektrische Nervenstimulation (kurz: TENS) findet öfter Anwendung, um Schmerzen zu lindern. Auch hier ist der Effekt aber nicht ausreichend nachgewiesen. Eine neue sinnvolle Option kann die sog. Small Fiber Matrix Stimulation (kurz: SFMS) sein.
Der therapeutische Zweck einer „Nackenschule“ ist auch nicht gänzlich nachgewiesen. Allerdings kommt eine solche als Patientenschulung oft zum Einsatz. Das ist auch wichtig, denn der Patient sollte ausreichend über die Entstehung, den Schmerzmechanismus sowie die möglichen Aktivitäten und den Umgang mit den Schmerzen aufgeklärt werden.

Medikamente bei zervikaler Radikulopathie

Einen wichtigen Stellenwert bei der Behandlung der zervikalen Radikulopathie nehmen Medikamente ein. Diese kommen sozusagen „stufenweise“ zum Einsatz. Zunächst werden zur Schmerzregulierung konventionelle Schmerzmittel wie Paracetamol und sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac gegeben. Auf der nächsten Stufe können dann diverse Opioide verschrieben werden. Dazu zählen sowohl schwach wirksame Opioide wie Tilidin oder Tramadol als auch stark wirksame Opioide wie Fentanyl.

Exkurs: Die schwach wirksamen Opioide Tilidin und Tramadol und das stark wirksame Opioid Fentanyl
Bei sowohl Tilidin als auch Tramadol handelt es sich um typische schwach wirksame Opioide. Sie kommen in der Anästhesie, in der Notfallmedizin, bei der Schmerztherapie und bei Tumorschmerzen zum Einsatz. Sie sind somit also sehr wichtig und im Standardrepertoire jedes Anästhesisten oder Schmerztherapeuten zu finden. Aber welche Gefahren bergen die beiden Wirkstoffe? Dieser und weiteren Fragen geht Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Video nach.


Im Zusammenhang mit Opioiden ist es wichtig, niemals niedrigpotente mit hochpotenten zu vermischen. Ein solches hochpotentes Opioid ist bspw. Fentanyl. Dies hat zwar auch flächendeckend Anwendung in verschiedenen Bereichen der Medizin, wird aber immer öfter auch als Droge missbraucht. Mehr über das wirksame und zugleich gefährliche Medikament erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag von Dr. Tobias Weigl zum Thema.

Die bisher genannten stufenweise verabreichten Medikamente bilden zwar den Grundstock der medikamentösen Schmerzbehandlung bei zervikaler Radikulopathie. Allerdings existieren auch noch weitere Medikamente abseits dieses Stufenschemas, deren Einsatz sich vor allem nach Ausprägung sowie Dauer der Schmerzen richtet. Zu den speziellen Schmerzmitteln zählen dann u. a.:

  • Gabapentin
  • Carbamazepin
  • Pregabalin

Auch Antidepressiva (die mitunter schmerzlindernd wirken), Kortikosteroide und Muskelrelaxanzien können bei der Behandlung zum Einsatz kommen. Gegebenenfalls können bestimmte Wirkstoffe auch direkt gespritzt werden.

Video-Exkurs: Gabapentin, Carbamazepin, Pregabalin
Den drei Medikamenten Pregabalin, Gabapentin und Carbamazepin widmet sich Dr. Tobias Weigl im nachfolgenden Video. Er erklärt dahingehend im Rahmen des Medikamenten-Checks die Wirkung, die Einsatzfelder, die Nebenwirkungen sowie die Besonderheiten der drei Antikonvulsiva.

Operation bei zervikaler Radikulopathie

Schlägt die konservative Therapie nicht in ausreichendem Maße an, wird eine Operation in Erwägung gezogen. Diverse Studien konnten bereits zeigen, dass eine Operation eine sinnvolle Therapiemaßnahme darstellen, vor allem mit Hinblick auf u. a. die Parameter

  • Dauer der Nackenschmerzen,
  • Dauer der Armschmerzen,
  • Weibliches Geschlecht und
  • Angstniveau.

All die hier genannten Aspekte können sich mit einer Operation reduzieren lassen. Der wichtigste Punkt ist wahrscheinlich die Schmerzdauer, welche sich durch eine Operation relevant verringern lässt. Langfristig beschreiben Patienten, die operiert wurden, eine große Verbesserung der Nackenschmerzen gegenüber nicht operierten.
Unbedingt operiert werden müssen Betroffene, bei denen sich motorische Ausfälle häufen und deren Rückenmark durch einen sogenannten Massenvorfall eingeengt oder gar beschädigt ist.
Zu den gängigen Verfahren zählen u. a.:

  • Diskektomie: Hierbei handelt es sich um die Entfernung beschädigten Bandscheibengewebes.
  • Sequestrektomie: Im Rahmen dieser Operation werden freiliegende Anteile von Bandscheibengewebe entfernt.

Es existieren noch weitere operative Verfahren, deren Eingriffe ein geringeres Ausmaß haben, sie sind also minimalinvasiv. Allerdings sind deren Vorteile gegenüber den offenen Verfahren noch nicht ausreichend belegt.

Therapie der lumbosakralen Radikulopathie

Auch die Therapie der lumbosakralen bzw. lumbalen Radikulopathie sollte zunächst konservativ erfolgen. Erst dann, wenn der Erfolg ebendieser Behandlung nicht als ausreichend bewertet werden kann, müssen operative Maßnahmen in Erwägung gezogen werden.
Im Rahmen der konservativen Behandlung ist zunächst darauf zu achten, dass strikte Bettruhe in der Anfangsphase nur dann empfohlen wird, wenn Betroffene aufgrund zu starker Schmerzen nicht dazu in der Lage sind, sich zu bewegen. In Bezug auf die Schmerzen können Medikamente Abhilfe schaffen. Zum Einsatz kommen dabei vor allem sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika (kurz: NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac oder Aspirin. Sind die Schmerzen stark, können auch Opioide gegeben werden. Mithilfe dieses ersten Therapieschrittes sind die Schmerzen unter Umständen schon in den Griff zu bekommen.
Im Anschluss erfolgen dann eine umfangreiche Beratung sowie Aufklärung des Patienten. Ihnen wird zum Beispiel dazu geraten, so schnell wie möglich wieder zu Alltagsaktivitäten zurückzukehren und Entlastung sowie Ruhestellungen zu vermeiden, da für diese kein therapeutischer Effekt nachgewiesen ist. Unter Umständen ist die Einweisung in ein Krankenhaus notwendig.
Bei der Behandlung der Rückenschmerzen durch lumbosakrale Radikulopathie können physikalische Maßnahmen zum Einsatz kommen. Darunter versteht man bspw. lokale Wärmeanwendungen, eine Bewegungstherapie im Wasserbad und Lockerungsübungen. Ein Großteil dieser Maßnahmen ist medizinisch hinsichtlich seines Nutzens allerdings noch nicht ausreichend bewertet.
Massage und Elektrotherapie eignen sich vor allem dann als Maßnahmen, wenn Betroffene nur eingeschränkt beweglich sind. Sie können zur Schmerzlinderung beitragen und den Muskeltonus normalisieren. Der Muskeltonus beschreibt den Spannungszustand eines Muskels bzw. einer Muskelgruppe. Ist allerdings ausreichend Bewegung möglich, ist einer sogenannten aktiven Therapie der Vorzug zu geben.

Physiotherapie, Rückenschule und Verhaltenstherapie

An dieser Stelle seien noch die wichtigen Säulen Physiotherapie und Rückenschule zu nennen. Die Physiotherapie kann dazu dienen, Fehlhaltungen zu korrigieren und den Muskeltonus zu erhöhen. Funktionsverbesserungen können vor allem im Kontext chronischer Rückenschmerzen durch Physiotherapie erzielt werden. Patienten werden in diesem Zusammenhang von Physiotherapeuten angelernt. Sie bekommen Übungen gezeigt, die sie dann zu Hause in Eigenregie selbst durchführen können. Besteht die Gefahr, dass aus einem akuten ein chronischer Schmerz wird, empfiehlt sich eine Rückenschule. Dabei handelt es sich um ein vorsorgliches Training, mithilfe dessen die Rückenmuskulatur so gestärkt wird, dass man wiederkehrenden Schmerzen im Kreuz vorbeugen kann. Außerdem erfahren Patienten im Rahmen einer Rückenschule mehr über rückenschonendes Verhalten im Alltag.
Den letzten Baustein der konservativen Behandlung bildet die Verhaltenstherapie. Denn bei der Erkrankung spielen sowohl körperliche als auch psychische Faktoren eine Rolle. Symptome können u. a. schon dadurch verbessert werden, dass Patienten anders denken und ihre kognitiven Prozesse beeinflusst werden. Dabei wird vor allem darauf geachtet, die Erkrankung sowie ihre möglichen Ursachen umfassend zu erläutern, Vermeidungsverhalten abzubauen und verhaltenstherapeutische Vorgehensweisen aufzubauen. Dies dient dem Zweck, dass Patienten wieder besser „funktionieren“ und sie ihren Schmerz nicht als niederschmetternd empfinden.

Operation bei lumbosakraler Radikulopathie

Zu operativen Maßnahmen wird erst dann gegriffen, wenn die konservative Therapie nicht ausreichend anschlägt. Allerdings ist auch deren Effektivität nicht in jedem Fall ausreichend belegt. Zwar konnte festgestellt werden, dass frühzeitig operierte Patienten schneller über zurückgehende Schmerzen berichten als nicht operierte. Allerdings bestand nach Ablauf eines Jahres kein nennenswerter Unterschied mehr zwischen operativ oder konservativ Behandelten. Die Notwendigkeit einer Operation ist abhängig von der Art des Schmerzes sowie den Folgen der Erkrankung. So eignet sich eine Operation meist z. B. nicht bei chronischen Kreuzschmerzen, da man bisher nicht feststellen konnte, dass eine Operation der konservativen Therapie im Endergebnis überlegen ist. Es gibt allerdings sogenannte absolute Indikationen für eine Operation, also Umstände, unter denen unbedingt eine Operation erfolgen muss. Dazu zählen:

  • Kauda-Syndrom (Lähmungen in den unteren Extremitäten mit Sensibilitätsstörungen)
  • Blasen- und Mastdarmlähmung
  • Starke Funktionsbeeinträchtigung der Bewegung und gehäufte motorisch Ausfälle

Zu den möglichen operativen Verfahren zählen je nach Ursache u. a.:

  • Sequestrektomie/Nukleotomie: Bei einer Sequestrektomie werden freie, bei einer Nukleotomie hingegen sich noch im Verbund befindende Anteile des Bandscheibengewebes entfernt.
  • Laserdiskektomie: Auch hierbei wird beschädigtes Bandscheibengewebe entfernt.
  • Stabilisierungsoperation: Eine solche Operation ist z. B. bei einer Entzündung der Bandscheibe samt der angrenzenden Wirbelköper (sog. ‚Spondylodiszitis‘) möglich. Der betroffene Abschnitt der Wirbelsäule wird „entkeimt“ und anschließend stabilisiert, indem die Knochen miteinander „verschmolzen“ werden.
  • Laminektomie: Bei diesem Verfahren wird ein Wirbelbogen vollständig entfernt. Dieser Eingriff hat zum Ziel, den auf die Wirbelsäule wirkenden Druck zu reduzieren. Es ist möglich, dass das betroffene Areal dann wie im vorigen Beispiel stabilisiert wird.
  • Implantation: In diesem Kontext ist es auch möglich, künstliche Bandscheiben zu implantieren. Allerdings wird der Nutzen eines solchen Eingriffs kritisch betrachtet und ist hinsichtlich seines therapeutischen Erfolgs bisher nicht ausreichend belegt.

Häufige Patientenfragen

Wie entstehen Rückenschmerzen?

Dr. T. Weigl
In vielen Fällen stecken keine akuten Erkrankungen, sondern schlicht der Alltag hinter plötzlichen Rückenschmerzen. Oftmals führt schon eine kleine falsche Bewegung dazu, dass wir im Anschluss tagelang von Schmerzen geplagt sind. Dann „hakt“ meist etwas im Bewegungsapparat oder ein Nerv ist zu stark belastet. In einem umfassenden Artikel haben wir uns dieses Themas bereits angenommen. Darin wird erklärt, welche Tätigkeiten das Entstehen von Rückenschmerzen im Alltag begünstigen und wie man vorbeugend handeln kann. Wichtige Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel „Typische Alltagsaktivitäten – wie entstehen Rückenschmerzen im Alltag?“.

Was ist eine Spinalkanalstenose?

Dr. T. Weigl
Dieser Begriff bezeichnet die Verengung des in unserer Wirbelsäule gelegenen Wirbelkanals. Verantwortlich dafür sind sogenannte Spondylophyten, also knöcherne Ansätze an den Wirbelknochen, die durch natürliche Degeneration entstehen. Die Erkrankung geht vor allem mit Kreuzschmerzen einher, die bis in die Beine ausstrahlen können. Wenn Sie mehr über das Thema erfahren möchten, empfehlen wir die Lektüre unseres Artikels „Spinalkanalstenose bzw. Spinalstenose – Verengung des Wirbelkanals“, in dem Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie umfassend erläutert werden.

Welche Ursachen haben Rückenschmerzen?

Dr. T. Weigl
Das ist eine sehr allgemeine Frage, die nicht unbedingt allgemein beantwortet werden kann. Grob unternimmt man eine Einteilung zwischen unspezifischen und spezifischen Ursachen. Unspezifische Rückenschmerzen sind oft das Ergebnis muskulärer Verspannungen oder auf eine Überdehnung von Sehnen zurückzuführen. Überdies können sogenannte psychosoziale Faktoren die Schmerzen beeinflussen. Dazu zählen u. a. mangelnde Fitness, erhöhte Empfindsamkeit für körpereigene Signale oder Probleme am Arbeitsplatz und im Beruf. Spezifische Rückenschmerzen sind indes meist auf Erkrankungen zurückzuführen. Zu den häufigsten Ursachen zählen dann ein Bandscheibenvorfall, degenerative Veränderungen (also Verschleiß), die Autoimmunkrankheit Morbus Bechterew sowie die Skoliose, eine Krümmung der Wirbelsäule. Ausführlicher widmet sich dem Thema der Artikel „Rückenschmerzen – Spezifische & unspezifische Ursachen“.

„Mein lieber Scholli, war das ’ne Odyssee“, erzählt Willi seinen Kollegen auf der Arbeit von den Arztbesuchen, die er hinter sich gebracht hat. „Erst war ich beim Hausarzt, dann musste ich noch in die Radiologie und, und, und…“, erklärt Willi weiter. „Jetzt hab’ ich endlich ’ne Diagnose und kann mir nicht einmal merken, wie das heißt. Irgendwas mit Radieschen … ähm … Radikulopathie! Zervikale Radikulopathie! Irgendwie sind da wohl Nerven beschädigt. Aber du siehst ja, ich kann meinen Kopf fast wieder ganz zur Seite bewegen. Operiert werden muss ich wohl nicht. Ich wurde gelobt, hehe…“, schmunzelt Willi. „Dafür, dass ich nicht so lange damit gewartet hab, zum Arzt zu gehen. Ich hab’ jetzt erstmal so ein paar Schmerzmittel bekommen und nächste Woche erzählt mir ein Fachmann, wie ich mich im Alltag zu bewegen hab. Für den Nacken und so.“

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Tobias Möller
Lektorat: Sebastian Mittelberg
Veröffentlicht: 01.12.2018

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