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Chronische Gastritis / Magenschleimhautentzündung – eine häufige Volkserkrankung

Erkrankungen des Magens und des weiteren Verdauungstrakts sind in modernen Gesellschaften weit verbreitet. Häufig wird Stress als die Ursache für eine chronische Gastritis genannt. Es gibt aber auch andere Gründe für diese oft unentdeckte Erkrankung.
— Dr. Tobias Weigl

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Aktuellen Studien zufolge hat jeder fünfte Erwachsene in Deutschland eine diagnostizierte Magenschleimhautentzündung (sog. ‚Gastritis‘). Sieben Prozent der Erwachsenen haben sogar ein Magengeschwür (sog. ‚Ulkus‘). Während das Geschwür eine ernstzunehmende Krankheitsform ist, ist die verbreitete chronische Gastritis ein häufiges Leiden, das sich auf unterschiedliche Weise zeigt. Appetitlosigkeit und Magenschmerzen gehören zu den häufigsten Symptomen. Ursachen können psychosomatischer Natur sein (z. B. Stress), aber auch falsche Ernährung, Alkohol und Zigaretten spielen eine Rolle. Auslöser ist dabei meist ein Bakterium.

Joachim zuckt zusammen, verzieht das Gesicht, greift sich an den Bauch. Helge schaut ihn besorgt über den Kantinentisch an. „Geht schon“, beruhigt ihn Joachim, „habe wahrscheinlich nur was Falsches gegessen. Meine Frau hat gestern ein neues Fischrezept ausprobiert.“ „Jetzt tust du ihr aber Unrecht“, entgegnet Helge. „Wir wissen beide, dass deine Frau eine Spitzenköchin ist. Außerdem …“ Er schaut auf seinen Teller. „Außerdem verträgst du doch normalerweise selbst diesen Kantinenfraß hier.“ „Ja, du hast Recht. Aber das geht vorbei. Hatte ich vor ein paar Monaten schon mal. Ein paar Wochen habe ich diese Bauchschmerzen und keinen Appetit und dann geht es vorbei.“ Und genau deshalb mache er sich Sorgen, sagt Helge und schaut seinen Freund und Kollegen nachdenklich an.

Was passiert bei einer Gastritis?

Dass Alles, was wir essen und trinken, im Magen landet, ist bekannt. Gelegen im Oberbauch ist der Magen (griechisch ‚gaster‘) eine Station im Verdauungsprozess zwischen Speiseröhre und Darm. Dieses Hohlorgan hat im Durchschnitt ein Volumen von 1,5 bis 2,5 Litern und ist an der Innenseite ausgekleidet von der sog. Magenschleimhaut. Diese Schleimhaut erfüllt so wichtige Aufgaben wie die Herstellung von Enzymen, aber auch der Magensäure.

Ist die Magenschleimhaut entzündet (‚Gastritis‘, die Endung ‚-itis‘ zeigt Entzündungen an) kann sie ihre Aufgaben nicht richtig wahrnehmen. Zur Entzündung kann es dann kommen, wenn die Schleimhaut ihren eigenen Schleim nicht produzieren kann. Dieser schützt die Magenwand vor der aggressiven Magensäure. Oder wenn der Körper zu viel Magensäure produziert, so dass die Magenschleimhaut dennoch angegriffen wird. Stehen Magensäure und Schleim also im Ungleichgewicht, kann es zu einer akuten oder chronischen Gastritis kommen.

In diesem Video erklärt Dr. Tobias Weigl was eine Magenschleimhautentzündung ist und was Sie dagegen tun können. Schauen Sie sich gerne dieses Video als Ergänzung zu diesem Artikel an.

Volkskrankheit? Heißt das, wir sind alle betroffen?

Es gibt zwar Erhebungen darüber, wie oft eine chronische Gastritis diagnostiziert wird, da sie aber oft monate- oder jahrelang unbemerkt bleibt, ist es schwer zu sagen, wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind. Es gibt Schätzungen, die davon ausgehen, dass fast jeder zweite Mensch ab dem 50. Lebensjahr in Deutschland eine Gastritis entwickelt.

Verlässlich wissen wir: Bei einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts von 2009 haben 20,5 % der Erwachsenen angegeben, schon einmal eine Gastritis oder Duodenitis diagnostiziert bekommen zu haben. (Eine Duodenitis ist eine sehr ähnliche Erkrankung des Zwölffingerdarms, die von Medizinern oft zusammen mit der Gastritis genannt wird).

Dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Das Risiko steigt mit dem Alter – bei Frauen wiederum stärker als bei Männern. Zu Magengeschwüren hingegen neigen verstärkt Männer – mehr als 14 Prozent der Über-65-Jährigen waren betroffen.

Symptome: Wie äußert sich eine chronische Gastritis?

Wie genau sich eine Magenschleimhautentzündung äußert, ist sehr schwer zu sagen, da die Symptome bei jedem Menschen unterschiedlich und unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Während eine akute Entzündung sich oft zumindest durch Schmerzen im Oberbauch bemerkbar macht, bleibt die chronische Variante oft unbemerkt.

Zu den häufigsten Anzeichen einer Gastritis aber zählen:

  • Schmerzen im Oberbauch
  • Übelkeit
  • Völlegefühl
  • häufiges Aufstoßen
  • starkes Hungergefühl trotz vermindertem Appetit
  • Schmerzen bei nüchternem Magen oder nach dem Essen
  • Außergewöhnlich schnelle Sättigung

Manche Menschen fühlen sich also eher voll, andere haben großen Hunger. Das erschwert die Diagnose zusätzlich, weshalb der Arzt die Diagnose Gastritis nur nach einer Magenspiegelung stellen darf.

Die Symptome einer Gastritis sind sehr verschieden; bei verschiedenen Menschen können ganz unterschiedliche, ja sogar einander widersprüchliche Anzeichen auftreten.

Wurde bei Ihnen schon einmal eine (chronische) Gastritis festgestellt? Helfen Sie uns und anderen Nutzern, herauszufinden, welche Symptome am häufigsten vorkommen, und sagen Sie uns, was Ihre Beschwerden waren:
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Schlägt Stress wirklich auf den Magen? Die Ursachen

Seit den 1950er Jahren ist die Ansicht verbreitet, dass Magengeschwüre, die eine unmittelbare Folge von Magenschleimhautentzündungen sein können, eine Reaktion des Körpers auf die emotionale Situation des Menschen haben können. Besonders Menschen, die beruflich oder privat viel Stress ausgesetzt sind, haben seitdem den Ruf, Magen-Darm-Patienten zu sein.

Doch ist die Medizin von dieser Ansicht seither etwas abgerückt. Es ist wohl durchaus was dran an der „Magen-Darm-Achse“. Der Magen reagiert auf Stress tatsächlich, indem er mehr (und manchmal eben zu viel) Magensäure produziert. Wir werden also im wahrsten Sinne des Wortes sauer.

Als eine häufige Ursache kennen wir heute das Bakterium Helicobacter pylori (oft auch H. pylori oder HP genannt). Dieses Bakterium ist der Auslöser für die meisten Entzündungen und Geschwüre im Magen und Zwölffingerdarm. Ob es tatsächlich Schaden anrichten kann, hängt von einigen Faktoren ab.

Ernährung, Alkohol und Tabak, Medikamente

Selbstverständlich spielt auch Ernährung eine wichtige Rolle. Schließlich muss alles, was wir zu uns nehmen, durch den Magen. Geräuchertes, scharf Gebratenes, Fettiges, aber auch Süßes und Würziges erhöhen den Säuregehalt im Magen. Ist dessen Schleimhaut bereits gereizt, kann sich diese dann entzünden.

Für Alkohol, Koffein und Tabak gilt das gleiche. Übermäßiger Alkoholkonsum kann durchaus zu einer akuten Gastritis führen. Die chronische Gastritis als Stresskrankheit aber hängt vielleicht eher mit den Konsumgewohnheiten unter Stress zusammen. Wer in unangenehmen, angespannten Situationen dazu neigt, zu essen, Alkohol zu trinken oder zu rauchen, der schadet damit vielleicht seinem Körper.

Viele Medikamente können ebenfalls auf den Magen schlagen. Magenbeschwerden zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen. Besonders Schmerzmittel aus der NSAR-Gruppe (z.B. Ibuprofen, Diclofenac) oder SSRI-Antidepressiva wie Fluoxetin oder Sitalopram.

Gut zu wissen!
Lange Zeit dachte man, dass im Magen gar keine Bakterien leben können, weil die Magensäure so aggressiv ist. Erst in den 1980er Jahren brachte die Forschung von Barry J. Marshall und Robin Warren Licht in das Dunkel der Magen- und Darm-Ulkuserkrankungen. Sie fanden heraus, dass das Bakterium Helicobacter pylori für 80 Prozent der Magengeschwüre verantwortlich ist. 2005 wurden sie für diese revolutionäre Entdeckung mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

 

3 Typen der Gastritis

Mediziner unterscheiden bei der chronischen Magenschleimhautentzündung drei Typen. Je nach Ursache heißen sie Typ A, B oder C:

  • Typ A: Autoimmun bedingt. Die genaue Ursache ist unbekannt, es wird aber vermutet, dass auch hier das Bakterium wirkt. Äußert sich durch schweren Vitamin-B12-Mangel
  • Typ B: Bakteriell bedingt. Kann jahrelang unbemerkt ohne Symptome verlaufen.
  • Typ C: Chemisch bedingt. Hervorgerufen durch Alkohol, Medikamente, Zigaretten, etc. Tritt auch akut auf.

Fakten-Box

Chronische Gastritis/Chronische Magenschleimhautentzündung
23,3 % der Frauen in Deutschland
17,5 % der Männer in Deutschland
Wahrscheinlichkeit steigt ab dem 30. Lebensjahr
Symptome

  • Schmerzen im Oberbauch
  • Völlegefühl oder Hungergefühl
  • Appetitlosigkeit
  • Bauchschmerzen bei nüchternem Magen oder nach dem Essen
  • Schnelles Sättigungsgefühl

Was tut der Arzt? Diagnose und Behandlung

Bei der Anamnese, also der ärztlichen Befragung, engt der Arzt die mögliche Krankheit immer weiter ein. Wie lange haben Sie die Beschwerden schon? Haben Sie Ihre Ernährung umgestellt? Hat sich Ihr Appetit verändert? Wo genau tut es weh? Das sind typische Fragen.

Hat der Arzt einen Verdacht auf eine chronische Gastritis, muss dieser mit einer endoskopischen Untersuchung bestätigt werden. Hinter dem langen Wort Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (kurz ÖGD) verbirgt sich auf Deutsch die Magenspiegelung.

Dabei führt der Arzt einen Kunststoffschlauch mit einer Kamera durch Ihren Mund ein. Mithilfe dieser Kamera kann der Arzt sich Ihren Zwölffingerdarm (den ersten Abschnitt des Darms hinter dem Magen), den Magen selbst und Ihre Speiseröhre anschauen. So werden Entzündungen und Geschwüre in diesem Bereich sichtbar.

Auch kann der Arzt Gewebeproben entnehmen, die später im Labor untersucht werden. Dort kann dann H. pylori nachgewiesen werden.

Bei der Behandlung sind Sie gefragt

Die Therapie erfolgt in den meisten Fällen medikamentös. Wurde der H. pylori-Erreger festgestellt, ist es Ziel der Behandlung, diesen zu bekämpfen. Dies gestaltet sich zunehmend schwieriger, da mittlerweile 15 Prozent der H. pylori-Stämme multiresistent sind, das heißt, gegen die üblichen Antibiotika immun.

Exkurs: HP-Eradikation

Unter anderem bei bestehendem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür oder bei Beschwerden verursachender Typ-B-Gastritis kann die sogenannte Helicobacter-pylori-Eradikationstherapie durchgeführt werden. Diese erfolgt im Normalfall durch die Einnahme eines Protonenpumpenhemmers und zweier Antibiotika über 7 Tage.
Protonenpumpenhemmer + Clarithromycin + Amoxicillin (französische Therapie)
oder
Protonenpumpenhemmer + Clarithromycin + Metronidazol (Italienische Therapie)

Auf jeden Fall ist bei der Typ-C-Gastritis auf alles zu verzichten, was den Magen beansprucht. Fettes oder scharfes Essen, Alkohol und Zigaretten sind tabu. Auch sollten Stressfaktoren wegen des Zusammenspiels von Hirn und Verdauungstrakt vermieden werden.

Häufige Patientenfragen

Wie unterscheidet man eine Gastritis von einer harmlosen Magenverstimmung?

Dr. T. Weigl:
Das Perfide an einer chronischen Gastritis ist, dass sie oft über einen langen Zeitraum asymptomatisch verläuft, d. h. vollkommen unbemerkt bleibt. Phasenweise kann sie sich in Bauchschmerzen äußern oder Veränderungen im Appetitempfinden. Um also sicher sein zu können, dass es sich um eine chronische Gastritis handelt, muss eine Magenspiegelung vorgenommen werden.

Darf ich nach einer Diagnose nie wieder rauchen/trinken/kräftig essen?

Dr. T. Weigl:
Unmittelbar nach einer chronischen Gastritis oder während der Therapie sind Spirituosen und Zigaretten oder Döner mit viel scharf natürlich äußerst kontraproduktiv. Das heißt aber nicht, dass Sie für immer darauf verzichten müssen. Vermeiden Sie, Stress durch diese Laster zu kompensieren, denn gerade dann ist Ihre Magenschleimhaut besonders empfindlich. Wie immer gilt hierbei: Der Genuss in Maßen ist erlaubt.

Ist eine Magenschleimhautentzündung gefährlich?

Dr. T. Weigl:
Eine Gastritis ist manchmal schmerzhaft, was sehr unangenehm ist. Außerdem kann Sie Ihre Essgewohnheiten beeinflussen, was zu einer falschen Ernährung führen kann. Das Gefährlichste an ihr ist aber, dass Sie sich zu einem Magengeschwür entwickeln kann, was schwerwiegende und gefährliche Folgen haben kann und unbedingt behandelt werden muss. Rund 30 bis 40 Prozent der betroffenen Frauen bzw. mehr als 40 Prozent der betroffenen Männer bis 44 Jahre gaben in einer Studie an, dass die Erkrankung sie stark belastet habe.

 

Ich habe dir doch gesagt, dass es nicht an dem Essen deiner Frau lag. Du hast zu viel gearbeitet und dir nie Zeit für dich genommen“, sagt Helge und klopft Joachim freundschaftlich auf die Schulter. „Apropos“, fügt er hinzu, „wird Zeit, dass wir mal wieder einen gemütlichen Abend zu viert machen. Wir beide, unsere besseren Hälften und zwei, drei Flaschen guten Lambrusco!“ Joachim lacht. „Aber gerne, ich solle jetzt eh kürzer treten mit den Überstunden. Da bleibt mehr Zeit für Frau und Freunde – nur den Rotwein, den überlasse ich zumindest dieses Mal euch!

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Wie kamen Sie auf den Verdacht, dass etwas chronisch mit Ihrem Magen nicht in Ordnung ist? Wie hat es Sie in Ihrem Alltag beeinträchtigt? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit anderen Nutzern und mit uns – nutzen Sie die KOmmentarfunktion unten!

Autor: Dr. Tobias Weigl, Marek Firlej
Lektorat: Claudia Scheur
Veröffentlicht: 24.04.2018, zuletzt aktualisiert: 16.09.2018

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Bornemann und Gaber, Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, 2013
  • Miehlke (2010): Ösophagus/Magen/Dünndarm. In: Handbuch Gastroenterologie, 2010
  • Prinz, Basiswissen Innere Medizin. Springer, Heidelberg, 2012
  • Herold, Innere Medizin, 2017
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