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Reizdarmsyndrom – Symptome und Behandlung

Reizdarmsyndrom auf einen Blick

Was ist das Reizdarmsyndrom?

  • funktionelle Darmstörung
  • Ursache unbekannt

Wer bekommt das Reizdarmsyndrom?

  • erstes Auftreten häufig zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr
  • Frauen etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer
  • 50 Prozent aller Arztbesuche aufgrund von Magen-Darm-Beschwerden sind auf ein Reizdarmsyndrom zurückzuführen

Was sind die Symptome des Reizdarmsyndroms? (Auszug)

Wie wird das Reizdarmsyndrom behandelt? (Auszug)

  • medikamentös
  • Ernährungsumstellung
  • Entspannungstechniken

Unsere Tipps bei Colitis ulcerosa

  • Lebensmittel auf Verträglichkeit testen
  • Sport zur Förderung der Darmgesundheit
  • Tagebuch über Aktivitäten, Essgewohnheiten, Stress, Belastung und Beschwerden

Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Etwa 10 bis 15 Prozent der Deutschen sind vom Reizdarmsyndrom betroffen. Eine ganze Zeit lang war das Thema groß in den Medien, da es so viele Menschen betrifft. Magenschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Blähungen und mehr sind typische, aber harmlose Symptome. Sie lassen sich mit Medikamenten behandeln. Therapieansätze reichen von der Ernährungsumstellung über Pilzkuren bis zum Autogenen Training.

Was ist das Reizdarmsyndrom?

Das Reidarmsyndrom ist eine recht häufige Magen-Darm-Erkrankung – 50 Prozent aller Patienten, die mit Beschwerden des Verdauungstrakts einen Arzt aufsuchen, leiden unter dem Syndrom. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. In der Literatur wird zum Teil angegeben, dass bis zu 30 Prozent der gesunden Bevölkerung vom dem Syndrom betroffen sind. Aber was genau ist ein Reizdarm?

Zunächst einmal lässt sich festhalten, dass es sich dabei um eine funktionelle Darmstörung handelt, genauer eine Störung des Dickdarms. Bei der Erkrankung ist die Aktivität des Dickdarms erhöht und die Eingeweide sind empfindlicher als üblich. Gekennzeichnet ist die Erkrankung vor allem durch ihre Symptome. Den Ursprung des Reizdarmsyndroms kann man bis heute nicht sicher erklären. Bei der Diagnose geht es daher vor allem darum, andere Gründe für die Beschwerden auszuschließen, sodass am Ende nur noch das Reizdarmsyndrom „übrig bleibt“. Der Mediziner bezeichnet dies als Ausschlussdiagnose.

Ein möglicher Ablauf der Entstehung des Reidarmsyndroms wird auch in der Medizin diskutiert. Es könnte sein, dass es zunächst dazu kommt, dass das Darmgleichgewicht durcheinander gebracht wird, was letztlich auch die Darmbarriere stört. Dadurch können dann Bakterien in die Darmwand eindringen und so unser Nervensystem „irritieren“. Die Folgen sind Krämpfe, Blähungen, Durchfall und Verstopfung.

Ist der Reizdarm eine psychosomatische Erkrankung? Wie unterscheidet sich der Reizdarm von anderen chronischen Magen-Darm-Erkrankungen? Dr. Dr. Tobias Weigl erklärt in diesem Video die Ursachen des Reizdarms und geht auch ausführlich auf die Therapiemöglichkeiten ein.

Der Darm: Reizdarm😱Wie entstehen chronische Bauchkrämpfe, Bauchschmerzen & Durchfall ohne Ursache?

Oft verschlechtern sich die Beschwerden bei Stress und Ärger und auch Infektionen im Darmbereich können ein Reizdarmsyndrom zur Folge haben. Aber worin genau bestehen eigentlich die Symptome?

Die Symptome: Bauchschmerzen = Reizdarmsyndrom?

Bauchschmerzen und Verdauungsbeschwerden können unterschiedliche Ursachen haben. Generell gilt: Wenn die Beschwerden ungewöhnlich lange andauern oder besonders heftig auftreten, sollte man einen Arzt aufsuchen. Die Gastro-Liga, eine Gesellschaft zur Bekämpfung von Magenkrankheiten, schätzt, dass die Beschwerden nur bei jedem zweiten Reizdarm-Betroffenen so stark sind, dass sie einen Arzt aufsuchen.

Patienten mit Reizdarmsyndrom leben länger als Menschen ohne. Denn sie passen ihre Lebensgewohnheiten an: gesunde Ernährung, viel Sport, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen.
— Dr. Tobias Weigl

Meistens ist dieses Syndrom die Ursache für eine ganze Reihe von Beschwerden, wegen denen die Menschen dann konkret zum Arzt gehen. Der macht den Reizdarm dann erst als Ursache ausfindig – wenn überhaupt. Oft wird diese Ursache allerdings nicht als solche erkannt.

Die Beschwerden können unterschiedlich oft und unterschiedlich stark auftreten. Manche Menschen sind auf Reisen oder in Stresssituationen betroffen, bei anderen reagiert der Darm auf bestimmte Speisen, bei wieder anderen ist ein Zusammenhang mit einem möglichen Auslöser nicht auszumachen.

Lesen Sie in diesem Artikel, was Bauchschmerzen bedeuten können, und erfahren Sie, ob ein Arztbesuch ratsam ist!

Gut zu wissen!
Rund 100 Billionen Mikroorganismen beherbergt der menschliche Körper – das ist eine Eins mit vierzehn Nullen! Die meisten dieser Bakterien, Pilze etc. leben in unserem Dickdarm.

Insbesondere im Unterbauch treten oft folgende Symptome auf:

  • Schmerzen
  • Krämpfe
  • Völlegefühl
  • frühe Sättigung
  • kurzzeitiger Durchfall oder Verstopfung, oft im Wechsel
  • (schmerzhafte) Blähungen
  • das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung

Probleme nach dem Essen

Oft treten die Beschwerden im Zusammenhang mit den Mahlzeiten auf. Daneben zeigt sich auch oft eine Unverträglichkeit bestimmter Speisen.

Weitere Symptome, die sich nicht auf den Verdauungstrakt beschränken, sind:

Alarmsymptome: Nach welchen Kriterien liegt vermutlich eine andere Erkrankung vor?

Bei manchen Symptomen ist besondere Vorsicht geboten. Dann besteht die Priorität des Arztes darin, auf andere, ernsthafte Krankheiten hin zu untersuchen. Wird eine solche diagnostiziert, wird sie auch behandelt. Kann sie ausgeschlossen werden, kann weiter auf das Reizdarmsyndrom hin untersucht werden.

Achtung!
Die Alarmkriterien, die z. B. auf die Divertikelkrankheit, chronische Darmentzündungen, Infektionen oder gar Dickdarmkrebs hinweisen können, sind:

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose des Reizdarmsyndroms

Eingangs haben wir ja bereits erwähnt, dass das Reizdarmsyndrom im Rahmen einer sogenannten Ausschlussdiagnose festgestellt werden muss. Das heißt, dass nach und nach andere Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden wie das Reizdarmsyndrom verursachen, ausgeschlossen werden müssen, bevor letztlich die Diagnose Reizdarmsyndrom gestellt werden kann.

Dazu wird der Arzt sich im sogenannten Anamnesegespräch, also dem Gespräch zwischen Arzt und Patient, zunächst nach Ihrem Befinden erkundigen und dann ganz speziell Beschwerden abfragen. Durch dieses Gespräch kann er bspw. schnell herausfinden, ob sie nachts auch wegen Durchfall aufs Klo müssen oder Gewicht verloren haben. Dies wäre für das Reizdarmsyndrom nämlich untypisch.

Im Labor werden vor allem das Blut und der Stuhl untersucht. Ist das Blutbild unauffällig? Sind die Werte für Leber und Bauchspeicheldrüse im Normbereich? Befindet sich Blut im Stuhl? Welche Bakterien sind in welchr Form und in welchem Ausmaß enthalten?

Durch diese Untersuchungen lässt sich schnell feststellen, ob andere Erkrankungen vorliegen oder nicht. Um die Diagnose zu sichern, kann der Arzt auch noch bildgebende Verfahren veranlassen, bspw. Ultraschall-Untersuchungen oder eine Endoskopie des Dickdarms. Zudem wird er ggf. auch selbst eine rektale Abtastung vornehmen.

Generell kann die Diagnose Reizdarmsyndrom auf Grundlage der entsprechenden Leitlinie erfolgen. Diese setzt für die Diagnose voraus, dass die folgenden drei Aspekte erfüllt sind:

  • die darmbezogenen Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Blähungen bestehen länger als drei Monate an, der Stuhlgang hat sich verändert
  • die Lebensqualität ist beeinträchtigt
  • die Beschwerden können nicht durch für andere Erkrankungen typische Veränderungen erklärt werden

Ist das Reizdarmsyndrom gefährlich?

Grundsätzlich ist der Reizdarm harmlos. Allerdings verschlechtern die oft wiederkehrenden Leiden die Lebensqualität. Sie können sogar das Privat- und Berufsleben beeinträchtigen. Patienten berichten etwa, dass sie nicht mehr ausgehen, weil sie befürchten, jeden Moment ganz plötzlich aufs Klo zu müssen. Besonders in der Öffentlichkeit gestaltet sich das ja nicht immer einfach.

Insbesondere die soziale Angst kann steigen. Wenn die Symptome in ohnehin psychisch belastenden Momenten auftreten, verstärken sich die Effekte gegenseitig. Dagegen hilft es, den richtigen, entspannten Umgang mit der Krankheit zu finden.

Achtung!
Frauen sollten, wenn sie an Reizdarm leiden, eine weitere Untersuchung in Betracht ziehen. Eierstockkrebs kündigt sich in 95 Prozent der Fälle durch Reizdarm an! Das bedeutet nicht, dass Reizdarm auch Krebs bedeutet, aber dass er ein Anzeichen dafür sein kann!

Haben Sie Ihren Reizdarm gezielt behandelt? Welche Therapie hat bei Ihnen Wirkung gezeigt? Unterstützen Sie uns und andere Betroffene, indem Sie uns mitteilen, was Ihnen Linderung oder gar Heilung verschafft hat. Erzählen Sie uns auch gerne mehr darüber unten im Kommentarbereich.
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Was tut der Arzt? Teil 2: Behandlungsmethoden bei Reizdarmsyndrom – welche hilft am besten?

Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind nicht geklärt. Außerdem sind die Symptome bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt und zudem ist jeder Organismus einzigartig. Entsprechend gilt in diesem Fall noch viel mehr als anderswo: Wer heilt, hat Recht. Die eine wirkungsvolle Therapie gibt es nicht. Daher sollen hier einige Therapieansätze vorgestellt werden, die im Falle dieser Erkrankung angeboten werden.

Medikamente

Den meisten Symptomen lässt sich kurzzeitig durch Medikamente beikommen. Schmerzmittel helfen natürlich gegen Schmerzen, bekämpfen aber nicht die Ursache und können auf Dauer die Magenschleimhaut angreifen (s. Gastritis). Darum ist die medikamentöse Behandlung oft geprägt von Ausprobieren. Krampflösende Medikamente (sog. ‚Spasmolytika‘) wie Buscopan, aber auch Pfefferminz- oder Kümmelöl können Linderung verschaffen. In Absprache mit dem Arzt können daher unterschiedliche Symptome mit unterschiedlichen Arzneien in unterschiedlichen Dosierungen behandelt werden. Auch können Mittel eingesetzt werden, die normalerweise nicht zur Behandlung von Bauchbeschwerden eingenommen werden. Dies aber natürlich nur mit ärztlicher Absprache!

Probiotische Therapien

Arzneizubereitungen mit lebenden Mikroorganismen können helfen, die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Im menschlichen Dickdarm unterstützen etwa 400 verschiedene Mikroorganismen nicht nur die Verdauung, sondern auch unser Abwehrsystem. Die Einnahme von Zubereitungen mit dem Lactobazillus, Bifidobacterien oder bestimmten Hefe-Spezies kann das symbiotische Zusammenspiel im Bauch wiederherstellen.

Auch eine vollwertige und ballaststoffreiche Ernährung kann auf ganz natürlichem Wege die Darmflora stärken. Viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte helfen den Mikroorganismen im Darm.

Pilzkur

Anders als bei der probiotischen Behandlung soll die Pilzkur gezielt bestimmte Mikroorganismen im Darm beseitigen. Jeder Mensch hat Hefepilze im Darm. Ganz lassen sie sich einfach nicht beseitigen, auch nicht mit der strengsten Diät oder Kur, denn schon im Speichel kann der Pilz überleben.

Die Schulmedizin besagt, dass die Pilze nur bei stark immungeschwächten Menschen die Gesundheit gefährden, also bei sehr alten und sehr jungen sowie kranken Menschen. Dennoch behaupten einige Alternativmediziner, dass die Pilze Ursache für viele Krankheiten sind und raten zu Pilzkuren. Aus medizinischer Sicht bewirken diese Pilzkuren in der Regel eine Verbesserung, ganz einfach aus dem Grund, dass sie eine Umstellung auf eine allgemein gesündere Ernährung bedeuten.

F.-X.-Mayr-Kur

Der österreichische Arzt Franz Xaver Mayr war der Überzeugung, dass wir unserem Verdauungssystem hin und wieder auch eine Pause gönnen müssen – so wie wir ja auch nach viel Arbeit Urlaub brauchen. So entwickelte er eine Kur zur Entschlackung und Reinigung des Darmtraktes. Sie beinhaltet unter anderem eine Diät mit Milch, Brötchen (Semmel-Milch-Diät) und bestimmten Bittersalzen und weiteren Flüssigkeiten. Außerdem geht sie mit einer Achtsamkeit bei der Ernährung einher, wonach die Verdauungskur schon beim richtigen Kauen anfängt.

Fastenkuren

Durch den Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel oder gar auf feste Nahrung soll der Organismus auf natürlichem Wege gereinigt werden. Es gibt unzählige Ansätze und konkrete Fastenkuren. Wichtig ist, dass dem Körper auch bei Verzicht auf feste Nahrung alle wichtigen Nährstoffe zugeführt werden. Tees, Gemüsebrühen und frisch gepresste Säfte, bisweilen auch Wein, sind daher oft Bestandteil dieser Kuren. Eine Fastenkur kann zwischen 7 und 21 Tagen dauern. Fastet man länger als 10 Tage, ist ärztliche Begleitung vorgeschrieben.

Entspannung

Oft hört man davon, dass Magen-Darm-Beschwerden psychosomatisch bedingt sind, dass sie also durch Stress oder andere psychische Faktoren ausgelöst werden. Zwar gibt es diese „Magen-Hirn-Achse“, doch ist dies beim Reizdarm nicht der Fall. Vielmehr reagieren Menschen mit Reizdarmsyndrom empfindlicher auf Vorgänge im Darm. Gleichzeitig können Stress und andere psychische Belastungen die Symptome durchaus verstärken. Andersherum können die Bauchbeschwerden zur psychischen Belastung werden.

Daher berichten viele Patienten von einer Verbesserung ihrer Leiden durch Entspannungstechniken. Auch Schulmediziner raten bisweilen etwa zu Autogenem Training, mit dem man Ruhe und Gelassenheit finden soll. Andere Techniken sind Yoga, Meditation und weitere. Dazu kann man Kurse besuchen oder sich Ratgeber und Anleitungen in Form von Büchern, CDs oder Videos besorgen.

Fakten-Box

Reizdarmsyndrom

  • 10–15 Prozent der Bevölkerung
  • Frauen häufiger als Männer

Symptome

Aktuelles aus der Forschung – Genetische Ursache für Reizdarmsyndrom gefunden?

Auch wenn die Ursachen für das Reizdarmsyndrom noch immer weitgehend unbekannt sind, wollen Forscher um Mauro d’Amato vom Karolinska Insitut Stockholm Hinweise darauf gefunden haben, warum Frauen so viel häufiger von der Erkrankung betroffen sind als Männer. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift Gastronenterology.

Das Team um d’Amato gibt an, dass schon länger genetische Einflüsse auf das Reizdarmsyndrom vermutet sind. Allerdings seien diese noch nicht ausreichend erforscht worden. Dies nahmen die Forscher zum Anlass für ihre eigenen Untersuchungen.

Dazu untersuchten sie Erbgut von insgesamt 2.045 Patienten aus verschiedenen Behandlungszentren aus mehreren Ländern (genauer: Schweden, Belgien, Italien, die Niederlande und die USA) und verglichen es mit ganzen 336.499 Personen, die keine Darmbeschwerden hatten. Sie konnten dabei ein Chromosom ausmachen, das in früheren Studien der gleichen Vorgehensweise mit dem Eintritt der ersten Regelblutung in Verbindung stand. Den Untersuchungen zufolge beeinflusst die Genvariante rs10512344 das Risiko für das Reizdarmsyndrom – wie genau, sei aber unbekannt. Allerdings konnte das Team eine Verbindung zu Reizdarmpatientinnen und somit zum weiblichen Geschlecht herstellen, da nur bei ihnen das „Risikogen“ zu finden war.

Trotz ihrer Ergebnisse betonen die Forscher aber, dass weitere Untersuchungen in diese Richtung notwendig seien.

Quelle: Mauro D’Amato u. a. (2018): Female-Specific Association Between Variants on Chromosome 9 and Self-Reported Diagnosis of Irritable Bowel Syndrome. In: Gastroentterology 155/1, S. 168–179.

Häufige Patientenfragen

Kann man dem Reizdarm vorbeugen?

Dr. Dr. T. Weigl:
Leider ist der Forschung bislang nicht bekannt, was die Ursache für das Reizdarmsyndrom ist. Daher weiß man auch nicht, wie man dem vorbeugen kann. Als elementarer Bestandteil des Verdauungssystems ist die Gesundheit des Darms mittelbar immer auch von der Ernährung abhängig. Eine ausgewogene Ernährung hilft, die Darmflora im Gleichgewicht zu halten. Das ist keine Garantie, sich vor dem Reizdarmsyndrom zu schützen, aber es hilft bei seiner Behandlung und bei vielen anderen Leiden. Viele Patienten schwören auch auf Entspannungstechniken.

Kann man Reizdarm heilen?

Dr. Dr. T. Weigl:
Auch bei der Heilung macht uns die Tatsache, dass wir noch zu wenig über den Darm und seine Erkrankungen wissen, einen Strich durch die Rechnung. Es gibt aber viele gut wirkende Mittel gegen die einzelnen Symptome. Gegen die Ursache der Symptome, das Reizdarmsyndrom selbst, können unterschiedliche Methoden helfen (s. Behandlungsmethoden). Jeder Mensch ist aber anders, reagiert unterschiedlich auf die Behandlung und die Erkrankung selbst äußert sich auch bei jedem Menschen verschieden. Daher hilft nur ausprobieren, was Ihnen am besten hilft.

Wie kann ich ausschließen, dass es eine ernstere Darmkrankheit ist?

Dr. Dr. T. Weigl:
Die Diagnose Reizdarm ist schwer zu stellen. Erst wenn bestimmte Anzeichen wie z. B. Durchfall und Verstopfung im Wechsel über einen längeren Zeitraum wiederkehren, beginnt man, von Reizdarm zu sprechen. Ein Richtwert sind dabei 3 Monate. Zusätzlich kann Ihr Arzt Sie gezielt auf andere Krankheiten untersuchen. Achten Sie auch auf die Alarmsymptome, die auf andere Krankheiten hindeuten.Diese umfassen:

Ich bin mit meinem Reizdarm überfordert und traue mich gar nicht mehr raus – was kann ich tun?

Dr. Dr. T. Weigl:
Zunächst einmal gibt es dafür keine pauschale Antwort – viele Menschen lernen mit der Zeit, ihren Alltag entsprechend ihrer Erkrankung zu gestalten oder kleine Veränderungen vorzunehmen, aufgrund derer sie sich sicherer fühlen. Das kann unter anderem bedeuten, dass sie sich im Kino einen Platz am Gang nehmen, sich vorzeitig informieren, wo sie die sanitären Anlagen finden und sich zu Partys ihr eigenes Essen mitbringen.

Kann ich Antidepressiva bekommen, wenn mich die Beschwerden so sehr beeinträchtigen?

Dr. Dr. T. Weigl:
Ja, auch das ist möglich. Allerdings muss der Arzt dann beurteilen, welche Beschwerden bei Ihnen sozusagen im Vordergrund stehen und entscheidet dann, welches Antidepressivum für Sie geeignet ist. Leiden Sie bspw. vorwiegend an Verstopfungen und Schmerzen, kommen Antidepressiva der Gruppe SSRI zum Einsatz, bspw. Citalopram. Wenn Sie aber eher an Durchfall und Schmerzen leiden, wird er eher trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin verordnen.

Typisches Patientenbeispiel

Maik sitzt auf dem Klo. Zum dritten Mal heute Abend. Er hat das Gefühl, Durchfall zu haben, aber auf dem Örtchen gleicht es doch eher einer Verstopfung. Als ob dieses körperliche Durcheinander seit Monaten nicht nervig genug wäre, versaut ihm dieser Reizdarm auch noch das Date. „Andere Menschen essen keine Bohnen, bevor sie ein Rendezvous haben. Ich kriege ganz einfach so Blähungen. Klasse …“, ärgert sich Maik, während seine Verabredung Tina im Café in einer Zeitschrift blättert.

Maik kommt vom Klo wieder. Sein Date Tina blickt von der Zeitschrift auf und lächelt ihn an. „Gehst du immer so oft auf Klo?“, fragt sie ihn. Maik ist sichtlich peinlich berührt. „Ach komm“, beruhigt Tina ihn und legt ihre Hand auf seine. „Das war doch nur ein Scherz! Weißt du, ich hatte auch mal so eine Zeit. Dann habe ich mich schlau gemacht und herausgefunden, dass ich wohl das Reizdarmsyndrom habe. Bauchschmerzen, immer auf Klo …“ Maik schaut sie einerseits erleichtert, andererseits leicht irritiert an. „Oh, entschuldige“, bemerkt Tina seinen Blick. „Tolles Thema für ein erstes Date, was? Aber ich finde es echt cool, dass ich mit dir so ganz ohne Hemmungen reden kann!“ Und sie schauen einander beide in die Augen und lächeln.

 

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Leiden Sie auch unter einem empfindlichen Verdauungstrakt? Hat man Reizdarm bei Ihnen diagnostiziert oder vermuten Sie, dass Sie das Syndrom haben? Welche Behandlung hat bei Ihnen geholfen, welche nicht? Haben Sie weitere Fragen? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion unten für den Austausch untereinander und mit uns!

Autoren: Dr. Dr. Tobias Weigl, Marek Firlej, Tobias Möller
Redaktion: Claudia Scheur
Veröffentlicht am: 03.05.2018, zuletzt aktualisiert: 09.09.2019

Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.

Quellen

  • Hanno Charisius, Richard Friebe (2014): Bund fürs Leben. Warum Bakterien unsere Freunde sind. Hanser Verlag, München.
  • Mauro D’Amato u. a. (2018): Female-Specific Association Between Variants on Chromosome 9 and Self-Reported Diagnosis of Irritable Bowel Syndrome. In: Gastroentterology 155/1, S. 168–179.
  • Gerald Holtmann, Wolfgang Senf (2008): Was Sie schon immer zum Reizdarmsyndrom wissen wollten. Interessante Informationen zur Erkennung und Behandlung (hg. von der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung e. V.).
  • Wolfram Karges, Sascha Al Dahouk (2009): Innere Medizin… in 5 Tagen. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • P. Layer u. a. (2011): S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM). In: Zeitschrift für Gastroenterologie 49, S. 237–293.
  • Wolfgang Piper (2013): Innere Medizin. 2. Auflage. Springer-Verlag, Heidelberg.
  • Klaus-Peter Schaps u. a. (Hrsg.) (2007): Innere Medizin. Springer-Verlag, Heidelberg.
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