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Stechen im Herz & Herzstechen – Symptome | Diagnose | Therapie

Bei einem Stechen im Herz denken viele Patienten direkt an einen Herzinfarkt – es kann aber auch andere Ursachen haben. — Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Nicht immer sind die Ursachen eines Herzstechens dieselben oder gar lebensbedrohlich. Grund für eine Untersuchung beim Kardiologen sind sie aber allemal.

 

 

Jan hat gerade eine dicke Erkältung überstanden, als er schon wieder seine Jogging- Ausrüstung aus dem Schrank zieht. ‚Bist du sicher, dass du schon wieder trainieren willst?’ fragt seine Frau Martina besorgt. Jan zuckt unbesorgt mit den Achseln: ‚In drei Wochen ist der Firmenlauf, da muss ich meine Zeit noch verbessern. Außerdem bin ich ja wieder gesund!’ Nach der anstrengenden Laufrunde geht es Jan allerdings gar nicht mehr so gut. Ihm ist etwas übel, das Atmen fällt ihm schwer. Und dann dieses Stechen in der Brust, das aber wieder vergeht, als er ruhiger wird. ‚Mir reichts’, sagt Martina, ‚ich mache jetzt einen Arzttermin für dich.’“

Das Herz

Das Herz hält den menschlichen Organismus am Leben und nimmt damit die wichtigste Funktion aller Organe im Körper ein. Ein Leben ohne Herz ist nicht möglich; die einzige Alternative bildet ein künstliches Herz.
 
Mechanisch betrachtet ist das Herz ein großer Muskel: Es ist innen hohl und pumpt mit rhythmischem Zusammenziehen („Kontraktion“) Blut durch den Körper, um die Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen.
 
Weil das Herz einen so wichtigen Stellenwert im menschlichen Organismus einnimmt, sorgen Erkrankungen am Herzen bei vielen Betroffenen sowie Nichtbetroffenen für ein diffuses Gefühl der Angst: Ist mit dem Herzen nicht alles in Ordnung, steht gewissermaßen das Leben auf dem Spiel. Das muss nicht bei jeder Herzerkrankung der Fall sein, aber plötzlich auftretende Schmerzen in der Herzgegend oder gar ein Stechen im Herz lösen in der Regel große Angst aus.
 
Welche Symptome das Stechen im Herz umfassen kann, welche Krankheiten dahinter stecken können und wie sich Herzstechen behandeln lässt, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Die Symptome: Woran erkennt man ein Stechen im Herz?

Als Stechen im Herz versteht man plötzliche, stichartige Schmerzen im Bereich des Herzens. In den meisten Fällen treten die Beschwerden nur kurzzeitig auf; nach wenigen Sekunden ist der Spuk in der Regel vorbei und die Schmerzen vergehen so plötzlich wie sie gekommen sind.
 
Die stichartigen Schmerzen können gemeinsam mit verschiedenen Begleitsymptomen auftreten, z.B.

  • Engegefühl im Brustkorb
  • Herzstolpern
  • Herzrasen
  • ausstrahlende Schmerzen in Arme, Bauch oder Rücken sowie den Kiefer
  • Übelkeit
  • Atemnot
  • Schweißausbrüche
  • Angst und Panik

Medizinisch ist bei der Analyse sehr genau zwischen echten Herzstichen und stichartigen Schmerzen im Brustkorbbereich zu unterscheiden. Im engeren Sinne beschränkt sich das Stechen im Herz nämlich auf den exakten Bereich der Herzregion, der etwa zwischen der zweiten und fünften Rippe angesiedelt ist. Weil Betroffene aber oft nicht genau lokalisieren können, wo der Schmerz sitzt, umfasst der Begriff umgangssprachlich heute mehr als nur eine Bedeutung (siehe Abschnitt „Ursachen“).
 
Nicht immer kommt das Stechen im Herz allein. Und nicht immer vergeht es nach ein paar Sekunden wieder. In manchen Fällen halten die Schmerzen über einen längeren Zeitraum an oder strahlen in andere Körperteile aus. Wenn das Stechen im Herz von ausstrahlenden Schmerzen in die Arme, den Oberbauch oder den Rücken begleitet werden, sollte sofort ein Notarzt gerufen werden: Im schlimmsten Fall ist tatsächlich ein Herzinfarkt die Ursache der Schmerzen – schnelles Handeln ist dann gefragt.
 
Ein Arzt sollte auch dann aufgesucht werden, wenn die Herzstiche regelmäßig auftreten, vor allem in Verbindung mit körperlicher Anstrengung. Es steht dann eine ernsthaftere Herzerkrankung zu vermuten, die aber nicht zwingend einen Infarkt auslösen muss.

Exkurs: Mehr Informationen zum Herzmuskel und Herzerkrankungen in diesem Video

In diesem Interview berichtet Dr. Tobias Weigl wichtige Fakten rund um das Herz, den Herzinfarkt und weitere Herzkrankheiten.

Die Ursachen: Wie entsteht Herzstechen?

Herzstechen (Fachbegriff: Kardialgie) ist ein sehr spezifisches Symptom: Weil es so plötzlich und unerwartet auftritt, denken die meisten Betroffenen direkt an einen Herzinfarkt und es entsteht Angst vor einer ernsthaften, vielleicht sogar lebensbedrohlichen Erkrankung. Das Stechen in der Brust kann jedoch auch andere, weniger schwerwiegende Ursachen haben.
 
Mögliche Ursachen, die nichts mit einem Infarkt zu tun haben, können sein:

  • Verspannungen der Muskulatur
  • Zwerchfellkrämpfe
  • Störungen der Lungenfunktion
  • Speiseröhrenerkrankungen
  • Magenschleimhautentzündungen

Diese Bandbreite von Ursachen umfasst einen deutlich größeren Bereich als das Herz als Organ an sich. Echte Herzstiche treten tatsächlich sehr spezifisch direkt in der Herzgegend auf. Weil viele Patienten den plötzlichen Schmerz aber gar nicht so exakt lokalisieren können, dehnt sich der Begriff des Herzstechens auf den größeren Bereich des gesamten Brustraums aus. Dort sind aber auch noch andere Organe zu finden, etwa die Lungen, das Zwerchfell, die Speiseröhre oder der Magenansatz.
 
Um die Ursache genau einordnen zu können und Patienten die Angst vor einem Herzinfarkt zu nehmen bzw. im Falle einer ernsthaften Herzerkrankung schnell reagieren zu können, sollten Sie bei akutem Herzstechen so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen.
 
Dass Patienten das Stechen im Herz mit einer Herzkrankheit gleichsetzen, kommt nicht von ungefähr. Viele Herzerkrankungen werden von einem charakteristischen Stechen im Herz begleitet, so z. B.

Wen kann es betreffen?

Grundsätzlich kann jeder von einem Herzstechen betroffen sein, unabhängig von Geschlecht oder Alter. Zur Risikogruppe gehören jedoch vor allem Menschen, die ähnliche Fälle oder Herzerkrankungen aus ihrer Familie kennen. Wurde bspw. in der Eltern- oder Großelterngeneration einmal ein Herzinfarkt diagnostiziert, kann das Herzleiden vererbt worden sein.

 

Hat ein Arzt bei Ihnen schon mal eine Herzerkrankung diagnostiziert, nachdem Sie ein Stechen in der Brust hatten? Welche dieser Symptome traten bei Ihnen auf? (Mehrfachnennungen möglich) Damit helfen Sie anderen Lesern, ihre Symptome besser einzuschätzen.
 

Gibt es spezielle Fälle?

In Einzelfällen kann Stechen im Herz auch ohne körperlich feststellbare Ursachen auftreten. Man bezeichnet dieses Phänomen dann als funktionelle Herzbeschwerden. Schmerzen im Brustkorb treten in diesem Fall auf, ohne dass der behandelnde Arzt eine Ursache dafür diagnostizieren kann. Ein solcher Spezialfall ist bspw. die Cardiophobie, die sog. Herzneurose: Hier reicht bereits die Angst vor einem Herzinfarkt aus, um Symptome einer nicht vorhandenen Erkrankung hervorzurufen.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Im Fokus der Diagnose steht in erster Linie die Suche nach der tatsächlichen Ursache für die Herzstiche. Dabei geht es vor allem darum, das echte Herzstechen, das bspw. durch einen Herzinfarkt ausgelöst werden kann, von anderen Herzerkrankungen abzugrenzen.
 
Zu Beginn des Patientengesprächs führt der Arzt eine Anamnese durch. Dabei nimmt er sowohl frühere Herzerkrankungen in der Familie als auch Episoden, in denen das Herzstechen schon einmal aufgetreten ist, aber kein Arzt aufgesucht wurde, auf. Auch andere Beschwerden, Risikofaktoren oder Auffälligkeiten werden vom Arzt erfragt.
 
In diesem Interview mit dem Kardiologen Dr. Waller erklärt Dr. T. Weigl was ein Kardiologe macht. Der Kardiologe ist der Experte für „Herz-Fragen“ und somit auch der richtige Arzt bei Herzstechen.

 
In der Regel folgt dann eine körperliche Untersuchung, zu der das Abhorchen des Brustkorbs, die Pulsmessung sowie die Blutdruckmessung gehören. Das Abhorchen des Brustkorbs dient der Abgrenzung von Atemwegserkrankungen oder Störungen der Lungenfunktion, sowie zur ersten Untersuchung des Herzens. Anhand der zu hörenden Herzschläge kann eine erste Einschätzung über die Funktion und die Gesundheit des Herzens abgegeben werden.

Vermutet der Arzt einen Herzinfarkt, führt er zudem ein Elektrokardiogramm (EKG) durch. Beim Verdacht auf eine Entzündung kann eine Laboruntersuchung des Blutes Aufschluss für die Diagnose geben. Alternativ kann auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) durchgeführt werden.
 
Im Zuge der Diagnose kann es vorkommen, dass eine Herzerkrankung ausgeschlossen wird. In diesem Fall folgen weitere Untersuchungen z.B. auf Erkrankungen der Lungen, der Speiseröhre oder des Magens.

Fakten-Box
Stechen im Herz
Frauen: Männer 1:1
kann altersunabhängig auftreten
erbliche Disposition ist ein wichtiger Faktor bei Herzerkrankungen
Symptome

  • stichartige Schmerzen in der Brust, insbesondere zwischen der 2. und 5. Rippe
  • Engegefühl im Brustkorb
  • Herzstolpern
  • Herzrasen
  • ausstrahlende Schmerzen in Arme, Bauch, Rücken oder Kiefer
  • Übelkeit
  • Atemnot
  • Schweißausbrüche

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Gleichgültig, ob das Stechen im Herz von einer Herzerkrankung oder einer anderen Erkrankung verursacht wird – eine ärztliche Behandlung ist in fast allen Fällen sinnvoll und notwendig.
 
Fälle eines Stechens im Herz verweisen in aller Regel auf eine ernstzunehmende Erkrankung und bedürfen dementsprechend auch der Therapie. Vor allem beim Verdacht auf einen Herzinfarkt ist umgehendes Handeln geboten – jede Minute kann dazu beitragen, ein Leben zu retten. Je schneller die Behandlung eingeleitet wird, desto höher sind die Überlebenschancen des Patienten. Mögliche Behandlungsschritte sind die Lysetherapie (Behandlung eines Gefäßverschlusses), die PTCA (Erweiterung von Engstellen in den Herzkranzgefäßen) oder ggfs. ein chirurgischer Eingriff in Form einer Herzoperation.
 
Ist der Auslöser des Herzstechens kein Herzinfarkt, kann eine medikamentöse Therapie angeraten sein. Es können Medikamente verschrieben werden, die eine beruhigende Wirkung haben, das Blut verdünnen oder die Schmerzen lindern.
 
Ist dagegen eine Erkrankung eines ganz anderen Organs für die Beschwerden verantwortlich, wird der behandelnde Arzt einen Therapieansatz wählen, der bei den entsprechenden Erkrankungen von Lunge, Speiseröhre oder Magen durchgeführt wird.

Häufige Patientenfragen

Das Herzstechen ist nur ein einziges Mal aufgetreten. Muss ich trotzdem zum Arzt?

Dr. T. Weigl
Der Besuch beim Arzt lässt sich nicht erzwingen. Oftmals tritt ein Herzstechen ohne erkennbaren Grund auf. Trotzdem rate ich jedem Betroffenen dringend, bei einem Stechen im Herz einen Arzt aufzusuchen, insbesondere wenn es in der Familie bereits Infarkte gegeben hat. Denn mit Herzkrankheiten ist nicht zu spaßen.

Kann ich selbst etwas tun, um die Schmerzen zu lindern?

Dr. T. Weigl
Das kommt darauf an, wodurch das Herzstechen ausgelöst wurde. Sind z. B. Verspannungen der Muskulatur die Ursache, können Entspannungsverfahren wie Massagen, Akupunktur oder die Osteopathie zur Linderung beitragen.

Muss ich Angst um mein Leben haben?

Dr. T. Weigl
Die meisten Ursachen, die Herzstiche auslösen, lassen sich erfolgreich therapieren. Eine übermäßige Vorsicht ist daher nicht notwendig. Zu große Angst kann zudem psychische Probleme, etwa eine Herzneurose auslösen. Trotzdem ist es natürlich angebracht, auf wiederkehrende Symptome zu reagieren – letztlich kann das Stechen im Herz auch von einem Herzinfarkt oder einer Lungenembolie stammen.

Muss man Stechen im Herz behandeln?

Ob und wie die Behandlung eines Stechens im Herz aussieht, hängt stark von der Ursache ab, die hinter den Symptomen stecken. Der einzige Fall, in dem keine gesonderte Therapie ergriffen werden muss, ist ein Stechen im Brustbereich, das durch Muskelverspannungen verursacht wurde. Hier helfen Entspannungsübungen.
 

Drei Wochen später beim Firmenlauf sieht Jan am Zieleinlauf zu, wie seine Kollegen ihre besten Zeiten abliefern. ‚Am Montag komme ich endlich wieder ins Büro’, erklärt er seinem Chef, als er ihm zum guten Lauf gratuliert. ‚Was war denn genau los?’ will der wissen. ‚Ich hab’s mit der Erkältung zu sehr auf die leichte Schulter genommen’, sagt Jan, ‚sie hat auf das Herz übergegriffen und eine Herzmuskelentzündung ausgelöst. Aber jetzt bin ich wirklich wieder fit.’

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.
 
Autoren: Dr. Tobias Weigl, Christine Pepersack
Lektorat: Claudia Scheur
Veröffentlicht: 13.07.2018

Quellen

  • Klaus-Peter Schaps/Oliver Kessler/Ulrich Fetzner (2007): Innere Medizin. Springer Medizin Verlag, Heidelberg.
[Gesamt:4    Durchschnitt: 5/5]
1 Kommentar
  • Mona
    15.08.2018 21:41

    Hallo. Ich hatte im März diesen Jahres eine stille Geburt. Ich war im 5. Monat. Es war eine schlimme Zeit für mich, aber ich bin auf dem Weg der Besserung und fühle mich körperlich wieder fit. Und seelisch eigentlich auch. Nur habe ich seit gut 2 Monaten regelmäßig Herzstechen/Herzziehen, in Verbindung mit Engegefühl in der Brust, Ziehen/Schmerzen im linken Arm. Ekg war unauffällig. Ich bin 40J., ernähre mich sehr gesund, treibe regelmäßig Ausdauersport (BMI 23,9) und bin seit 4 Jahren Nichtraucher. Demnächst steht ein Belastungs-Ekg an. Danach evtl. eine Magenspiegelung. Bin wirklich beunruhigt und habe Angst dass es doch eine Herzerkrankung sein kann. Meine Mutter hatte mal vor Jahren einen Herzinfarkt durch psychischen Stress. Ich habe derzeit allerdings keinen Stress. Könnte es trotzdem psychisch bedingt sein? Freue mich über Ihre Einschätzung.

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