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Herzwerte & Biomarker Troponin & CK-MB richtig interpretieren

Erkrankungen des Herzens gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern der Industrienationen, mit denen die meisten Menschen früher oder später in Berührung kommen werden. Die adäquate Interpretation entsprechender Blutparameter ist ein nützliches Werkzeug, akute Ereignisse zu detektieren oder auszuschließen.
— Dr. Tobias Weigl


Von Medizinern geprüft und nach besten wissenschaftlichen Standards verfasst

Dieser Text wurde gemäß medizinischer Fachliteratur, aktuellen Leitlinien und Studien erstellt und von einem Mediziner vor Veröffentlichung geprüft.

Quellen ansehen

Herz- und Gefäßerkrankungen bilden ein Hauptbeschwerdebild der Industrienationen. Dabei ist die Herzfunktion und damit die komplette Blutversorgung von vielen Faktoren abhängig, wie etwa der Genetik des Patienten, seiner Ernährung und sportlichen Aktivität, dem Konsum von Genussmitteln und Drogen sowie bestehenden Begleiterkrankungen (hier spielen insbesondere Leber und Nieren eine große Rolle).
Neben Methoden der speziellen Herzdiagnostik wie Echokardiographie (Herzultraschall), EKG (Erregungsabbildung des Herzen), Langzeit-EKG- und Blutdruck sowie invasiven Methoden zur Beurteilung der Herzgefäße (z. B. mittels Herzkatheter), können akut-schwerwiegende Ereignisse binnen kürzester Zeit durch den Anstieg bestimmter Enzyme („Dirigenten im Zellstoffwechsel“) im Blut nachgewiesen und erste Behandlungsschritte eingeleitet werden.

Maria begrüßt strahlend ihre Freundinnen Hetty und Christa. Der laue, klare Sommermorgen verspricht einen wunderschön-sonnigen Tag: Perfektes Wanderwetter!
Die drei Rentnerinnen ziehen mit Wanderstöcken, festem Schuhwerk und Verpflegung ausgerüstet los, den Drachenfels im Siebengebirge zu besteigen.
Die Stimmung ist heiter und ausgelassen. Maria setzt gerade dazu an, von der Einschulung ihres jüngsten Enkelkindes zu erzählen, als sie aus dem Augenwinkel beobachtet, dass Hetty unwillkürlich das Gesicht verzieht.
„Was ist mit Dir?“, fragt sie besorgt und gleichzeitig etwas unsicher, aus Angst, die Freundinnen zu langweilen.
„Ach nichts …“, beschwichtigt Hetty, “… ich habe bloß plötzlich so einen Druck in der Brust, die ganze Schulter bis zum Hals tut mir weh. Und Luft bekommen habe ich auch schon mal besser.“ – sie lacht – „Das kommt bestimmt von der Anstrengung, ich bin einfach nichts mehr gewohnt. Es wird sicher gleich besser gehen.“, fügt sie hinzu.
Maria und Christa sehen sich kurz an, bevor Christa vorsichtig vorschlägt: „Wollen wir die Wanderung nicht lieber verschieben? Vielleicht ist es was Ernstes …“

Das Herz – Aufgaben und Funktionsweise

Allgemeines

Das Herz ist unser zentrales Kreislauforgan. Linksseitig hinter Brustbein und Rippen im mittleren Brustkorb gelegen, versorgt es durch regelmäßige Kontraktion den gesamten Organismus mit Blut. Aber es ist viel mehr als eine rein mechanische „Pumpe“. So sind spezialisierte Zellen der Herzvorhöfe an der intrinsischen Blutdruckmessung und -regulation beteiligt und das Erregungszentrum des Herzens (sog. ‚Sinusknoten‘) ist eng mit dem Gehirn verknüpft. Signale zur Kampf- oder Fluchtreaktion werden ebenso registriert wie ein Zustand körperlicher und geistiger Ruhe.

Aufbau

Das Herz ist ein muskuläres Hohlorgan, bestehend aus je zwei Vorhöfen und zwei Kammern. Vorhöfe und Kammern liegen jeweils nebeneinander und werden durch eine Muskelschicht bzw. Membran der Länge nach getrennt, zwischen Vorhof und Kammer befindet sich je eine Herzklappe, die den fein abgestimmten, gerichteten Blutfluss ermöglicht und auch die vom Herzen in die Peripherie bzw. den Lungenkreislauf führenden Gefäße sind jeweils durch Klappen vom Herzen selbst getrennt. Das Herz als Ganzes ist vom Herzbeutel umgeben, der das Organ in die Umgebung einbettet und eine reibungslose Kontraktion gewährleistet.
Dabei wird die rechte Herzhälfte dem venösen System zugerechnet, weil alle sauerstoffarmen, zum Herzen verlaufenden Gefäße (mit Ausnahme der Lungengefäße) letztlich ins „rechte Herz“ münden. Das „linke Herz“ steht in Zusammenhang mit dem arteriellen System, da es das in der Lunge mit Sauerstoff angereicherte Blut in die Aorta auswirft und damit die hauptsächliche Muskelarbeit leistet.
Da der Druck im venösen System bzw. den Lungengefäßen sehr niedrig ist, muss die rechte Herzhälfte vergleichsweise wenig Leistung erbringen – die Muskelschicht ist dahingehend auch um etwa ein Vierfaches dünner als in der linken Herzhälfte.
Eine Besonderheit der Herzmuskulatur liegt darin, dass sie nicht zur Regeneration fähig ist (wie beispielsweise die restliche „Skelettmuskulatur“). Muss mehr Kraft aufgewendet werden, um die entsprechende Menge Blut in den Kreislauf zu befördern, können die Herzzellen lediglich an Masse bzw. Größe zunehmen, sich jedoch nicht zahlenmäßig vermehren. Auch werden die Herzmuskelzellen bei einem Zelluntergang nicht durch ruhende Zellen ersetzt, wie es für die Körpermuskulatur typisch ist, sondern zu einer bindegewebigen Narbe umgewandelt. Dies hat Konsequenzen für die Erregungsleitung (siehe unten) und Herzaktion.
Versorgt wird das Herz durch die sogenannten Herzkranzgefäße. Diese gehen aus der Aorta hervor und lassen sich in eine linke und rechte Koronararterie (Herzarterie) mit zahlreichen Ästen gliedern. Aus der Blutversorgung des Herzens ergeben sich zwei wichtige Faktoren:

  • Die Herzgefäße werden während der Kontraktion (sog. ‚Systole‘) derart komprimiert, dass faktisch kein versorgender Blutfluss vorhanden ist. Somit ist die für die Herzmuskelzellen überlebenswichtige Zeitspanne die Entspannungsphase (sog. ‚Diastole‘). Bei starker Belastung (physisch oder psychisch) und hoher Herzfrequenz wird die Diastole zugunsten der Systole verkürzt, um Gehirn und Muskulatur ausreichend mit Blut zu versorgen. Bei anhaltend zu hohen Herzraten kommt es somit tendenziell zur Unterversorgung des Herzmuskelgewebes (besonders in Kombination mit Bluthochdruck, bei sportlichen Menschen greifen etwas andere Mechanismen).
  • Da das Herz ausschließlich „von außen“ mit Blut versorgt wird (der Anteil einer Nährstoffversorgung durch den innenliegenden Blutfluss ist verschwindend gering), ist eine Größenzunahme der Herzmuskelzellen nur in gewissen Grenzen tolerierbar, da bei stark vergrößertem Herz durch ggf. zu weite Diffusionsstrecken bestimmte Herzmuskelschichten kaum oder sogar gar nicht mehr adäquat erreicht und die Zellen somit dauerhaft unterversorgt werden, sodass sie in der Folge untergehen.

Eine weitere bemerkenswerte Eigenschaft des Herzmuskels besteht darin, dass er durch wenige spezialisierte Zellen erregt wird, die in charakteristischer Weise als Bündel vom Sinusknoten (dem Schrittmacher) ausgehen. Dabei sind Vorhöfe und Kammern streng elektrisch voneinander getrennt und nur an einem Durchtrittspunkt wird die Erregung von den Vorhöfen weitergeleitet (sog. ‚AV-Knoten‘). Grundsätzlich können in jedem Abschnitt des Erregungsleitungssystems Anomalien auftreten, welche die Weiterleitung verlängern oder ganz blockieren. Zu schnell aufeinander folgende Herzerregungen führen genau wie zu lange Abstände zur Fehlregulation und zu einer inadäquaten Herzaktion. Besonders bindegewebiges „Narbengewebe“ (z. B. nach Infarkt) ist kaum leitend, stört somit die gesamte Herzerregung und ist potenzieller Ausgangsort sogenannter „kreisender Erregungen“, wenn bestimmte Teile des Herzens bereits wieder erregt werden, obwohl andere Muskelanteile noch gar nicht ausreichend Zeit hatten, sich zu entspannen. Die Folge ist ein unkoordiniert kontrahierendes Herz, das kaum mehr Blut auswirft und somit funktionell versagt.

Hormonregulation

Das Herz ist maßgeblich an der Blutdruckregulation beteiligt. Hierzu reagieren spezialisierte Zellen der Herzvorhöfe auf übermäßige Dehnung, was zu einem erhöhten Blutvolumen führt, mit der Ausscheidung des Stoffs ANP. Dieser wirkt über zwei Mechanismen blutdrucksenkend. Einerseits wird die Gefäßmuskulatur in der Peripherie entspannt, sodass mehr Blut in den kleineren Gefäßen der Extremitäten zirkulieren kann, andererseits wird in der Niere über eine gesteigerte Salzausscheidung indirekt auch die Wasserausscheidung erhöht, was das Blutvolumen und damit den Blutdruck senkt.

Die Symptome

Charakteristischerweise kommt es als Reaktion auf eine körperliche oder psychische Belastung zu folgenden Symptomen:

Achtung!
Bestimmte Patientengruppen zeigen eher untypische Beschwerden, die häufig nicht als akutes Herzereignis erkannt werden. So kann ein Infarkt bei Frauen, Diabetikern, Niereninsuffizienten oder bereits Herzerkrankten sowie alten Menschen völlig anders in Erscheinung treten, etwa durch Schwindel, Übelkeit und Bauchschmerzen. Hier lohnt es, auch bei unspezifischen Beschwerden einen Arzt aufzusuchen und ein schwerwiegendes Ereignis ausschließen zu lassen.

 

Video-Exkurs: Koronare Herzkrankheit
Im nachfolgenden Beitrag geht Dr. Tobias Weigl intensiv auf die Symptome eines Herzereignisses und die Ursachen der KHK ein.

 

Wenn bei Ihnen oder einem Angehörigen bereits ein Herzinfarkt diagnostiziert wurde, welche Symptome standen im Vordergrund? (Mehrfachnennungen möglich)

Wer ist betroffen?

Etwa 15 Prozent aller Todesfälle sind auf die koronare Herzerkrankung (kurz: KHK) zurückzuführen. Dabei sind Männer häufiger betroffen als Frauen (Grund dafür ist wahrscheinlich ein entsprechendes Risikoverhalten, statistisch höherer Alkohol- und Nikotinkonsum sowie fett- und fleischreiche Ernährung). Auch das Alter sowie die familiäre „Vorbelastung“ stellen Risikofaktoren dar.

Was tut der Arzt? Teil 1: Die Diagnose

Unabdingbar für die korrekte Diagnose „Herzinfarkt“ ist ein ausführliches Anamnesegespräch, also das Gespräch zwischen Arzt und Patient. Hier erfragt der behandelnde Arzt Dauer und Qualität der Symptome bzw. Schmerzen, geht auf ggf. bestehende Vorerkrankungen und Medikamente ein und widmet sich dem familiären Kontext sowie der aktuellen Lebenssituation.
Aus der Beantwortung dieser Teilaspekte lässt sich meist schon das Risiko für ein stattgefundenes oder akutes Infarktgeschehen abschätzen. Besonders die genetische Komponente, also die Frage nach nahen Angehörigen mit herzspezifischen Erkrankungen, hat ebenso wie Vorerkrankungen und Lebensstil (Rauchen, Alkoholkonsum, Drogenmissbrauch etc.) maßgeblichen Einfluss auf die Risikobewertung.
Vervollständigt wird die Anamnese in der Regel durch ein EKG. Hier lassen sich die Erregung der einzelnen Herzabschnitte (Vorhöfe, Kammern) sowie die Erregungsrückbildung im Verlauf darstellen. Auch liefert das EKG wertvolle Hinweise zur Lage des Herzens im Brustraum, die ggf. ebenso Einfluss auf die Herzaktion nimmt.

Gut zu wissen!
Der sogenannte „Lagetyp“ kann durch verschiedene Umstände zustande kommen bzw. verändert sein. Kinder und schlanke Erwachsene haben für gewöhnlich ein steil im Brustraum liegendes bzw. leicht nach links gedrehtes Herz. Bei Übergewicht oder Schwangerschaft, wenn der Bauchraum „mehr Platz einnimmt“, wird das Zwerchfell nach oben gedrückt, was dazu führt, dass das Herz weiter nach links verschoben wird. Aber auch funktionelle Störungen, wie z. B. Flüssigkeitsansammlungen (sog. ‚Ödeme‘) zwischen den beiden Schichten des Lungenfells oder Herzbeutels, können großen Einfluss auf Lagetyp und Herzaktion nehmen.

Auch lassen sich funktionelle Aspekte im EKG beurteilen, etwa die Länge des Herzzyklus bzw. der Erregung in verschiedenen Abschnitten des Herzens oder die Überleitungszeit von den Vorhöfen zur Kammer.
Die häufigsten Formen des Herzinfarkts korrelieren mit charakteristischen Veränderungen im EKG. Allerdings gibt es hinsichtlich der EKG-Kurven auch „stumme“ Infarkte oder aber detektierte Unregelmäßigkeiten stellen die individuelle „Normalform“ des Patienten dar bzw. lassen sich auf andere, meist psychische Ursachen zurückführen. Deshalb ist ein auffälliger EKG-Befund nur in Kombination mit der Bestimmung sogenannter Herzenzyme aussagekräftig.
Heute werden meist nur noch zwei bzw. drei Enzyme für die Diagnostik verwandt.

Herzinfarktwert & Biomarker Kreatinkinase-muscle-brain-type oder CK-MB

Die Kreatinkinase ist ein Enzym, das den Zellen bzw. Muskeln im Initialstadium der Belastung Kreatinphosphat als kurzfristigen Energielieferanten zur Verfügung stellt. Das Enzym existiert in unterschiedlichen Formen, die für bestimmte Gewebe typisch sind (CK-BB im zentralen Nervensystem, CK-MM in der Skelettmuskulatur und CK-MB hauptsächlich im Herzen). Die einzelnen Enzyme tragen somit in charakteristischer Weise zur Höhe des Gesamt-CK bei.
Im Falle eines Herzinfarkts steigt der CK-MB-Anteil innerhalb der ersten drei Stunden signifikant an und ist damit ein früher, sensibler Marker für ein Herzereignis. Besteht der Verdacht eines Infarkts, die CK-MB ist jedoch nicht nachweislich erhöht, sollte eine zweite und ggf. dritte Messung in zeitlichen Abständen von etwa drei Stunden erfolgen. Zeigt sich dann noch immer keine Erhöhung, kann ein Infarkt ausgeschlossen werden.
Auch für den Verlauf eines Infarkts oder die Wirkung der Therapiemaßnahmen eignet sich die Bestimmung der Kreatinkinase.
Die CK-MB kann außerdem unter folgenden Bedingungen erhöht sein:

  • intramuskuläre Injektionen
  • körperliche Schwerstarbeit oder Leistungssport an der Belastungsgrenze
  • degenerative Muskelerkrankungen (Muskeldystrophien, ALS)
  • Muskelentzündungen

Herzinfarktwert & Biomarker Troponin

Troponin ist Bestandteil des kontraktilen Apparates (die charakteristische Anordnung verschiedener, fadenförmiger Riesenmoleküle, die durch die Verschiebung gegeneinander in Summe zur Muskelverkürzung bzw. zum Kraftaufbau führen) von Herzmuskelzellen und der spezifischste und damit wichtigste „Herzmarker“. Mit Hilfe des Troponins kann ein Herzereignis auch neben anderen Muskelerkrankungen oder nach Operationen mit Zellschäden in großem Umfang festgestellt werden. Dabei steigt der Troponin-Wert im Blut nach circa vier bis sechs Stunden und bleibt auch ein bis zwei Wochen nach dem Ereignis erhöht.
Mittlerweile gehören Troponin-Schnelltests zur Standardausrüstung einer Praxis, sodass mit dieser Methode stets nach wenigen Minuten ein erstes, wenn auch nicht hundertprozentig valides Ergebnis vorliegt.
Der Troponin-Wert kann außerdem unter folgenden Umständen erhöht sein:

  • Herzmuskelentzündung (sog. ‚Myokarditis‘)
  • Lungenembolie (z. B. durch ein Gerinnsel, Belastung der rechten Herzhälfte)

Herzinfarktwert & Biomarker Myoglobin

Myoglobin findet sich als „Sauerstoffspeicher“ im Muskelgewebe und steigt bei Muskelzelluntergang sehr früh an (sogar noch vor CK-MB und Troponin). Allerdings ist der Wert sehr unspezifisch und kann ganz natürlich auch im Rahmen alltäglicher Belastungssituationen oder sportlicher Aktivität erhöht sein. Ist eine rasche Intervention erforderlich, kann er trotzdem als Referenzgröße beurteilt werden – bei normalem Myoglobin-Wert wäre ein Infarkt bereits nach wenigen Stunden auszuschließen.

Wenn Sie oder ein Familienmitglied bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, welche Vorerkrankungen bzw. Risikofaktoren bestanden? Mit Ihrer Abstimmung helfen Sie uns und anderen Lesern, das Risiko für ein Herzereignis besser einschätzen zu können! (Mehrfachnennungen möglich)
 

Fakten-Box
Koronare Herzerkrankung/Herzinfarkt

  • häufigste Todesursache in den Industrienationen

Symptome

Risikofaktoren

  • Erhöhung des LDL-Cholesterins über 169 mg/dl
  • Bluthochdruck über 140/90
  • Diabetes
  • Drogenkonsum (Tabak, Alkohol, synthetische Drogen)
  • auffällige Familienanamnese (erstgradige Verwandte mit Herzereignissen vor dem 55. Lebensjahr)
  • Übergewicht
  • körperliche Inaktivität
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Feinstaubbelastung

Was tut der Arzt? Teil 2: Die Behandlung

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Bei jungen Menschen, für die schwerwiegende Herzereignisse untypisch wären, ist das Mittel der Wahl zuvorderst meist die gezielte Gabe der Elektrolyte Magnesium und Kalium. Diese sind für die Muskelkontraktion sowie die Herzerregung essentiell.
Sind Rhythmusstörungen das Grundproblem, zielt eine Therapie auf die Erregungskontrolle, z. B. mittels β-Blocker. In Extremfällen wäre ein Schrittmacherimplantat erforderlich, das einen kontinuierlichen Rhythmus generiert.
Bei Minderdurchblutung der versorgenden Herzgefäße (z. B. durch arteriosklerotische Plaques) ist meist die chirurgische Intervention nötig. Dabei haben sich sogenannte Stents etabliert, die in das Gefäß eingebracht werden und der „Aufdehnung“ verengter Stellen dienen. Um das Risiko für weitere Plaques zu minimieren, ist jedoch eine grundsätzliche Lebensstiländerung nötig. Diese sollte eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung beinhalten und Risikofaktoren wie Rauchen, Drogenkonsum, Bewegungsmangel und fettreiche Fertigprodukte sollten berücksichtigt und gemieden werden.
Routinemäßig werden meist Lunge, Leber und Nieren mit beurteilt, um eine Belastung des Herzens aufgrund einer Embolie, Leberzirrhose oder Niereninsuffizienz auszuschließen.
In jedem Falle wird nach einem Herzereignis eine blutverdünnende Medikation verschrieben, die je nach Art und Umfang der Schädigung über einige Jahre oder dauerhaft eingenommen werden muss.

Video-Exkurs: Bluthochdruck und Medikamente
Im folgenden Video geht Dr. Tobias Weigl ausführlich auf die häufigsten Medikamente bei Bluthochdruck und ihre Wirkung auf das Herz ein.

Häufige Patientenfragen

Ich habe häufiger das Gefühl, dass mein Herz stolpert. Sind das Anzeichen für einen Infarkt?

Dr. T. Weigl
Herzrhythmusstörungen können sehr unterschiedliche Ursachen haben, die je nach Alter des Patienten mehr oder weniger wahrscheinlich sind. Sehr junge, sportlich aktive Patienten leiden oft unter einem Elektrolytmangel (besonders Magnesium und Kalium), der Grund für die Rhythmusstörungen ist – gezielte Substitution kann hier bereits zur Besserung führen. Auch ist gerade für sehr sportliche Personen typisch, dass die Erregungsleitung von den Vorhöfen in die Kammern verlangsamt bzw. die Überleitungszeit verlängert ist. Dies stellt eine Anpassung des Herzens ohne zwingenden Krankheitswert dar.
Bei älteren Patienten oder den oben erwähnten Risikogruppen bedürfen Rhythmusanomalien immer einer umfassenderen Abklärung. Neben Störungen im Erregungssystem können auch Infarktnarben oder hormonelle Dysbalancen die Anomalien hervorrufen.
In jedem Fall ist bei allen Altersklassen ein EKG und Blutbild mit Bestimmung der Herzenzyme angeraten – ggf. kann die Diagnostik auf Schilddrüsenhormone, Nierenfunktionswerte und Elektrolyte erweitert werden. Komplettiert wird die Diagnostik durch einen Herzultraschall beim Kardiologen. Hier können die Herzaktion funktionell beurteilt und weitere Maßnahmen eingeleitet werden.

Die Sprechstundenhilfe hat gesagt, mein CK-Wert sei erhöht. Was bedeutet das konkret?

Dr. T. Weigl
Wie eingangs beschrieben, ist eine Erhöhung des Gesamt-CK nicht zwingend ein besorgniserregender Befund, da besonders nach Belastungssituationen die Muskelform der CK ansteigen kann. Ist die CK-MB signifikant erhöht, sollte rasch eine weitere Abklärung erfolgen, die die anderen Herzenzyme, die Herzfunktion mittels EKG und ggf. ein Herzultraschall einschließt. Je nach Höhe des Wertes oder Vorerkrankung (z. B. degenerative Muskelerkrankung) kann jedoch auch eine isolierte Erhöhung der CK-MB „normal“ sein.

Ich soll ein Belastungs-EKG machen. Wozu dient diese Untersuchung?

Dr. T. Weigl
Ein großer Teil der herzspezifischen Erkrankungen äußert sich bei Belastung bzw. kann durch körperlichen oder seelischen „Stress“ provoziert werden. Das Belastungs-EKG dient genau diesem Zweck – durch gezielte Anstrengung soll der Patient in überwachtem Zustand bis an seine Belastungsgrenze gebracht werden. Dies ist die sicherste und zugleich einfachste Methode, die Herztätigkeit zu beurteilen und „stabile Präinfarkte“, die sich ansonsten nicht äußern würden, oder abnorme Reaktionen des Herzens auf Belastungssituationen zu detektieren. Dabei wird die Herzaktion als EKG-Kurve festgehalten und es werden permanent Blutdruck sowie Puls gemessen, sodass die Methode auch im Rahmen der Blutdrucktherapie von enormer Bedeutung ist. Bei ansonsten „stabilen“ Patienten kann so auch das Risiko für ein Infarktgeschehen abgeschätzt werden, um medikamentös entsprechend gegensteuern zu können. Interventionsansatzstellen sind die Herzerregung und der Blutdruck.

Aktuelles aus der Forschung
In einer der größten Langzeitstudien zur Überlebenszeit nach einem Herzereignis stellte sich (neben den bekannten Risikofaktoren) überraschenderweise besonders ein Parameter als besonders einflussreich heraus: Die Ernährung! Hierzu hatten die italienischen Wissenschaftler A. Menotti und P. E. Puddu die Teilnehmer anhand ihrer Ernährungsgewohnheiten in verschiedene „Ernährungstypen“ eingeteilt. Dabei ließ sich hinsichtlich der durchschnittlichen „Überlebensdauer“ ein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen feststellen. Das Forscherduo kam zu dem Schluss, dass sich eine mediterrane Ernährungsweise (hoher Gemüseanteil, Meeresfrüchte, natürliche Öle, wenig Obst) als besonders protektiv bezeichnen ließe, während andere Ernährungsformen mit einem hohen Anteil tierischer Fette und Obst bzw. (Frucht-)Zucker mit deutlich geringerer Überlebenszeit assoziiert waren. Auch östliche Ernährungsgewohnheiten mit einem hohen Anteil an Suppen auf Gemüsebasis, frischen Salaten und Fisch seien demnach vermutlich vorteilhaft zur Vermeidung eines erneuten Infarkts.

Quelle: Alessandro Menotti, Paolo Emilio Puddu (2018): Comparison of four dietary scores as determinants of coronary heart disease mortality, in: Scientific Report 8:15001.

 

Auf dem Weg zu ihrem Hausarzt ist Hetty bereits froh, dass ihre Freundinnen sie vom Abbruch der Wanderung überzeugt haben. Das anfängliche Engegefühl hat sich merklich verstärkt – es scheint ihr den Hals zuzuschnüren. Hinzu kommt eine immer unerträglicher werdende Übelkeit und ihre Arme fühlen sich schwer und taub an.
Freitags ist die Praxis ihres Hausarztes glücklicherweise leer – Christa hat bereits die Schilderung ihrer Symptome übernommen, während sie noch ganz benommen in dem kleinen Rucksack nach ihrer Versichertenkarte kramt.
Die Sprechstundenhilfe setzt Hetty sofort in den EKG-Raum und schließt die Ableitungskabel an – kurze Zeit später ist auch der Hausarzt zur Begutachtung des EKG-Streifens zur Stelle. Es zeigen sich charakteristische Veränderungen der ST-Strecke. Noch während sie auf die Auswertung des Troponin-Schnelltests warten, hat der Hausarzt einen Rettungswagen zur Praxis bestellt, der die Patientin zur weiteren Abklärung ins nah gelegene Krankenhaus bringen soll – es besteht Verdacht auf Herzinfarkt.

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Die hier beschriebenen Punkte (Krankheit, Beschwerden, Diagnostik, Therapie, Komplikationen etc.) erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es wird genannt, was der Autor als wichtig und erwähnenswert erachtet. Ein Arztbesuch wird durch die hier genannten Informationen keinesfalls ersetzt.  

Autoren: Dr. Tobias Weigl, Anna-Alice Ortner
Lektorat: Tobias Möller
Veröffentlicht: 05.11.2018

Quellen

  • Nicolas Graf, Robert Gürkov (2013): BASICS Klinische Chemie. Urban & Fischer (Elsevier), München.
  • Gerd Herold (2018): Innere Medizin, Verlag Gerd Herold, Köln.
  • Heinz Lüllmann et al. (2010): Pharmakologie und Toxikologie, Arzneimittelwirkungen verstehen – Medikamente gezielt einsetzen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  • Alessandro Menotti, Paolo Emilio Puddu (2018): Comparison of four dietary scores as determinants of coronary heart disease mortality, in: Scientific Report 8:15001.
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